01 - Seite 5 bis 80 (Prolog bis Kapitel 9)

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Nazifreie Zone, denn wer neben Nazis marschiert, ist entweder selbst ein Nazi oder eine nützliche Marionette der Nazis. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 43 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von HoldenCaulfield.

  • Hier startet die Leserunde zu "40 Tage Nacht" von Olivier Truc.


    Postet hier bitte erst, wenn Ihr mit der Lektüre begonnen habt und etwas zum Buch zu sagen oder zu fragen habt. Die Beiträge "Buch liegt bereit, ich fange heute Abend an" ziehen das Ganze zu sehr in die Länge und passen besser in den Buchvorschlag. Außerdem wäre schön, wenn Ihr darauf achtet, nicht einzeln zu sehr vorzupreschen, damit wir zusammen bleiben und damit auf einem ähnlichen Stand spekulieren und diskutieren können. Als Faustregel gilt, nicht mehr als ein Abschnitt pro Tag.


    Zum Abschluss: bitte denkt auch daran, dass ein wichtiger Teil der Leserunden Eure Rezensionen anschließend sind und stellt diese am Ende der Runde zeitnah hier im Forum und auf literaturschock.de direkt ein.
    Zahlreiche Rezensionen hier und die Streuung auf anderen Seiten steigern bei den Verlagen die Attraktivität von solchen Aktionen: Denkt daran, dass die Teilnahme an der Runde und die Rezensionen die "Gegenleistung" für die Freiexemplare sind.



    Hier könnt ihr über Seite 5 bis 80 (Prolog bis Kapitel 9) schreiben.
    Spoilermarkierungen sind aufgrund der Abschnittseinteilung nicht vorgesehen.

    LG, Dani


    **kein Forums-Support per PN - bei Fragen/Problemen bitte im Hilfebereich melden**

  • Ein herzliches Hallo in die Runde! :winken:


    Ich habe vorhin das Buch begonnen und bin aktuell in Kapitel 5, Seite 38.
    Richtig eingelesen habe ich mich noch nicht, was in meinen Augen daran liegt, dass hier recht viele Personen eingeführt werden, ohne deren Hintergründe näher zu beleuchten. Die Trommel wurde nun gestohlen, aber weiter erfahren wir noch nicht viel.
    Ich würde gern wissen, ob es euch auch so (unangenehm) auffällt, dass die Story bis hierhin hauptsächlich in Form der direkten Rede geschrieben ist. Keine Hintergrundinfos, keine detaillierten Beschreibungen, eben viele Dialoge zwischen Personen. Ich empfinde das als schwierig, aber ich habe die Hoffnung, dass sich das mit der Zeit gibt.

  • Ich bin in etwa genauso weit wie du. Mir ist das nicht aufgefallen, was du beschreibst.


    Ich hoffe natürlich auch, dass wir die fehlenden Informationen bald bekommen.


    Die Form des Erzählens macht das Ganze aber unmittelbar, findest du nicht? Bei der Szene in Matthes Gumpi habe ich mich total unwohl gefühlt. Ich hatte das Gefühl, dabei zu sein. :)

    Was ist wertvoller, Wissen oder Fantasie? Es ist die Fantasie, denn das Wissen hat Grenzen.  - Albert Einstein

  • Ich bin auch noch nicht richtig in der Geschichte angekommen: einerseits ist sehr viel passiert, andererseits hat man bisher sehr wenig über die Charaktere erfahren. Mehr als Andeutungen oder kleine Informationen hat man als Leser nicht bekommen.


    Interessant finde ich momentan vor allem die Beschreibung vom Leben der Rentierzüchter. Das muss ein wirklich unangenemer Beruf sein und dazu noch sehr gefährlich, was ja auch im Buch erwähnt wird.
    Ansonsten frage ich mich, welchen Grund es geben könnte, die Trommel zu stehlen. Für die Sami scheint sie sehr wichtig zu sein, aber was könnte man dadurch gewinnen, sie zu entwenden?


    Nina gefällt mir übrigens um einiges besser als Klemet, wobei er die vermeintlich interessantere Vergangenheit zu haben scheint. Allerdings nervt mich seine Art, Nina immer zurückzuhalten und ihr wenig Informationen zukommen zu lassen. Insgesamt ist das Verhalten der jungen Frau gegenüber sehr... unangebracht. Ständig spricht jemand über sie, als wäre sie nicht da und immer geht es dabei darum, dass sie schön oder süß aussehen würde.

  • In letzter Zeit hab ich mich sehr für die Sami interessiert und jedesmal wenn das Thema auftaucht, landet das betreffende Buch auf meiner Wunschliste. Ich hab mich auch mit dem Thema Joik befasst und finde diesen Gesang der faszinierend, vor allem weil er auf der Gefühlsebene angelegt ist und auch rein Geistig anders funktioniert als andre Gesänge. Außerdem hab ich auch die ein oder andere Doku zu den Samen angeschaut. Bis vor kurzem wusste ich nicht einmal das es die Sami überhaupt gibt. Vielleicht auch deshalb mein großes Interesse an ihrer Kultur und ihrer Geschichte.


    Um einen kleinen Eindruck zum Joiken zu bekommen könnt ihr ja mal hier reinschauen (es kommt halt vorher das übliche Geplänkel)


    Die Trommeln um die es im Roman geht, kann man in Kautakeino auch tatsächlich anschauen. Der Historische Hintergrund ist ähnlich dem, des Vorworts im Roman.


    http://www.laplandinteractive.…rka-davvirat-folk-museum/


    http://rdm.no/deutsch/



    Zur Trommel und zu den Sami:
    Ich könnte mir das als politisch motivierten Angriff vorstellen.
    Die Samen haben in Norwegen erst seit relativ kurzer Zeit einen gleichberechtigten Status und sogar ein eigenes Parlament. Erst in den 70er Jahren haben sie angefangen überhaupt öffentlich für ihre Recht einzutreten. Und erst in den 80er Jahren dann auch ein eigenes Parlament und eigene Rechte. (Es gab z.B viele Jahre Umerziehungslager, die Kinder wurden den Eltern weggenommen)
    Es bedeutet also historisch betrachtet schon sehr viel wenn die Trommel nicht nur "zu Hause" ist, sondern auch als traditionelles Musikinstrument anerkannt ist. Denn die Kultur der Sami sollte ausgemerzt werden. Das Vorwort gibt davon ja auch einen kleinen Einblick.
    Das nicht alle mit ihrem Sonderstatus einverstanden sind, spiegelt sich aber auch z.B in dieser Forschrittspartei wieder, die in der eigentlichen Handlung erwähnt wird. Auch das hier nur von Lappen die Rede ist, kann man als die Herabsetzung deuten.



    Zu Klement:
    Was für ein Macho. :rollen: Ich finde aber auch das seine Vergangenheit eindeutig interessant ist. Ich hoffe das man vielleicht noch mehr erfährt. Damit man das, was aus ihm geworden ist, besser nachvollziehen kann.


    Zu Nina:
    Sie ist mir auch sympathischer als Klement. Er ist halt so ein typischer Macho. Es tut mir leid für sie, da sie ausgerechnet mit ihm zusammenarbeiten muss. Das ist sicher schwer erträglich auf dauer. Da muss man schon ein dickes Fell haben um das auszuhalten. Andererseits finde ich das sie eigentlich mal durchgreifen müsste um ihm klar zu machen, das er so nicht mir ihr reden kann. Vermutlich hat sie wenig Rückhalt. In dem Roman .Einsam und kalt ist der Tod von Lars Pettersson wird es so dargestellt. Ich habe den Eindruck das es hier ähnlich sein könnte.
    Allerdings wird sie als Frau auch untere ihren Kollegen irgendwie nicht für voll genommen. Da man auch hier zu lange immer wieder hört, das Frauen es bei der Polizei nach wie vor schwer haben, fand ich diese Diskriminierung nicht all zu überraschend.


    Rolf Brattsen:
    Er scheint ja auch eher national eingestellt. Stellt sich die Frage, ob er selbst all zu viel in die Ermittlungen investieren wird. Überhaupt hat man ja das Gefühl das die Polizei vor Ort, am liebsten gar keine Zeit "verschwenden" würde. Mich würde interessieren ob in Norwegen viele Menschen in diese Richtung denken, wenn es um das Volk der Sami geht. Zumindest mal im obigen Krimi von Lars Pettersson (selbst Norweger) hatte ich schon das Gefühl von unterschwelligem Alltagsrassismus in der Handlung. Aber das muss ja nicht zwingend die Meinung der Menschen dort wieder spiegeln.

  • So, den ersten Abschnitt habe ich jetzt fertig gelesen. Also jetzt ist nicht nur die Trommel verschwunden, sondern Mattis ist gefoltert und umgebracht worden. Ob es da wohl einen Zusammenhang gibt?


    Diese Rentierzüchter scheinen ja ein ganz eigenes Volk zu sein.


    Ob wohl der Aslak von jetzt ein direkter Nachkomme des Aslaks aus dem Prolog ist? Oder ist das einfach nur ein sehr gebräuchlicher Name unter den Sami?


    In der Gegend scheinen ja sehr viele Konflikte zu schwelen. Mir gefällt es eigentlich nicht besonders, dass die Rentierzüchter als so verdreckt beschreiben werden. Mag ja sein, dass sie es sind, aber so wie sie leben haben sie sicher nicht die Möglichkeit, immer schön ein Bad zu nehmen und ihre Haare zu waschen. Die anderen Leute werden ja auch nicht beschrieben indem man sagt: er war sauber, sein frisch gewaschenes Haar glänzte, und er roch nach Old Spice...


    Den Stil finde ich OK, ich komme auch gut zurecht, aber natürlich hoffe ich, dass die ganzen Andeutungen noch erklärt werden.

    Was ist wertvoller, Wissen oder Fantasie? Es ist die Fantasie, denn das Wissen hat Grenzen.  - Albert Einstein

  • Vorleser
    Ja, das soll wohl auch dazu dienen den Unterschied der Lebensweise hervor zu heben. Aber ich weiß was Du meinst. Da schwelt so eine Abwertung in der Luft. Obwohl ich vermute das es dem Autor gar nicht bewusst war.


  • Vorleser
    Ja, das soll wohl auch dazu dienen den Unterschied der Lebensweise hervor zu heben. Aber ich weiß was Du meinst. Da schwelt so eine Abwertung in der Luft. Obwohl ich vermute das es dem Autor gar nicht bewusst war.


    Oh, ich bin sicher, dass es ganz bewusst als Stilmittel eingesetzt ist. Es spiegelt sicher nicht die Auffassung des Autors wider, sondern die seiner Protagonisten. Für Nina ist das schließlich alles neu, und sie weiß nicht viel über Land und Leute und historische Hintergründe.


    Klemet scheint son bisschen in einer Zwickmühle zu sein, einerseits ist er Sami, andererseits hat er nicht viel mit ihnen am Hut. Ich denke, das ist so die typische Zwickmühle der jungen Leute indigener Völker heutzutage, seien es die Indianer Nordamerikas, die Aboriginees (die übrigens auch so ein Martyrium durchlebt haben wie die Sami), oder anderer indigener Völker in deren Land der weiße Mann die Herrschaft an sich gerissen hat.

    Was ist wertvoller, Wissen oder Fantasie? Es ist die Fantasie, denn das Wissen hat Grenzen.  - Albert Einstein

  • Besonders gefallen hat mir der Moment, als die Sonne aufgeht. Das sie endlich wieder da ist. Das war für mich sehr anschaulich beschrieben. Vor allem aber auch das dann wieder alles seinen Gang geht.


    Gleichzeitig wird ja auch allein durch die Tatsache, das es eine Rentierpolizei gibt, klar, wie wichtig die Zucht und der Verkauf des Fleisches für die Gesellschaft in dieser Gegend ist.


    Der Mord:
    Auf den habe ich gewartet. :breitgrins: Ich wusste allerdings nicht mehr wen es treffen würde. *g* Den Klappentext lese ich bewusst nicht mehr, bevor ich ein Buch anfange. Ich mag es überrascht zu werden (und Klappentext sagen ja oftmals vieles...)
    zu den Ohren: Hier merke ich das ich schon ein bissl zum Thema gelesen habe. An die Rentierohren habe ich als erstes gedacht. :zwinker:


    Ich bin jetzt vor allem gespannt, wie da die Trommeln genau reinspielen oder ob jemand da nicht die Gunst der Stunde gepackt hat um die Ermittlungen auf eine falsche Fährte zu lenken.

  • Oh, ich bin sicher, dass es ganz bewusst als Stilmittel eingesetzt ist. Es spiegelt sicher nicht die Auffassung des Autors wider, sondern die seiner Protagonisten. Für Nina ist das schließlich alles neu, und sie weiß nicht viel über Land und Leute und historische Hintergründe.


    Das sehe ich genau wie Vorleser. Die Konflikte zwischen den Volksgruppen sind ja auch das Kernthema des Thrillers und der Autor hat bewusst diese Stimmung geschaffen. Die Figuren vertreten jeweils auch verschiedene Lebensauffassungen und bieten uns unterschiedliche Blickwinkel.


    Ich bin noch nicht ganz durch mit dem ersten Abschnitt, komme aber bisher sehr gut klar mit der Lektüre. Die Sprache ist sehr knapp gehalten, durchaus passend zur kargen Gegend.


    Weil ich mich zwar für Land und Leute interessiere, aber noch nicht so viel darüber weiß, hab ich heute Abend schon einige Zeit mit Recherchen im Internet verbracht, um mir ein wenig mehr Informationen zu schaffen; vor allem über die Geographie, übers Joiken (erinnert mich ans Jodeln) und ein wenig allgemeine Völkerkunde.

    :lesen: Brandon Sanderson - Elantris

  • Miramis und Vorleser
    Ich sehe das wie ihr. Ich habe vorhin Vorlesers Beitrag falsch verstanden und das nicht auf bestimmte Personen im Roman hin gelesen.
    Ich finde das Truc sich bemüht verschiedene Blickwinkel auf zu zeigen.


    Stimmt klingt wirklich ein bissl die Jodeln. Ich finde es interessant weil diese Musikform vor allem auch um eine andere Art von Verstehen geht. Die normale Textebene fällt dabei meist ja weg.

  • @ Holden und Miramis:


    Ich habe es auch ein bisschen unglücklich ausgedrückt. Es hört sich in der Tat so an, als ob ich es dem Autor anlaste, und nicht den Protagonisten.


    Den Klappentext habe ich gelesen als ich mich für das Buch beworben habe. Da das schon eine Weile her ist weiß ich zum Glück nicht mehr was drauf steht. :breitgrins: Ich habe ihn jetzt nicht noch mal gelesen, schließlich möchte ich mir ja die Spannung erhalten. :zwinker:


    Ja, die verschiedenen Perspektiven kommen gut rüber, und auch, was da so an Vorurteilen vorherrscht. Ich bin ja mal gespannt, ob wir diesem widerlichen Pastor noch öfter über den Weg laufen. Und Brattsen traue ich auch nicht über den Weg. Ob er wohl versuchen wird, die Untersuchung zu beeinflussen? Er verhält sich Klemet gegenüber ja shr herablassend, indem er ihn Knöddel nennt. (Ein Teil von mir denkt momentan noch, es geschieht ihm ganz Recht, denn Klemet verhält sich Nina gegenüber auch nicht korrekt).

    Was ist wertvoller, Wissen oder Fantasie? Es ist die Fantasie, denn das Wissen hat Grenzen.  - Albert Einstein

  • Vorleser
    Der Pastor, der ist wirklich furchtbar. Man hat das Gefühl er käme aus einer anderen Zeit, so radikal wie er in seinen Ansichten ist.
    Zu Brattsen habe ich ja schon etwas geschrieben. Ich sehe ihn ähnlich wie Du.

  • Also, ich bin wirklich gut in das Buch reingekommen und habe überhaupt kein Problem mit dem Stil - im Gegenteil, er gefällt mir richtig gut! Ich habe auch nicht das Gefühl, (noch) zu wenig über die Protagonisten zu erfahren!


    Bei der Handlung ist mir allerdingds schon so einiges unklar: Das ist bspw. beim Prolog der Fall, diesen dramatischen Glaubenskonflikt im späten 17. Jahrhundert kann ich überhaupt noch nicht einordnen. Ziemlich spät, oder? In Mitteleuropa gab es Ende des 17. Jahrhunderts doch eher keine "Hexenverbrennungen" mehr (glaube ich). Aber es wirft einen Blick auf die Bedeutung der alten Werte und Traditionen. Nichtsdestotrotz empfand ich diesen Abschnitt aber als sehr kraftvoll und den Joik des Sterbenden als Botschaft an die (Über)Lebenden, in diesem Fall an einen Bestimmten, der offenbar den alten Glauben weitertragen soll.


    Und was hat es mit den roten Lappen (wird z.B. auf S. 35 erwähnt) auf sich?


    Witzig finde ich, dass mit Helmut ein Deutscher ins Spiel kommt, der sich für die regionale Kultur einsetzt. Offenbar wird er von den Einheimischen als ziemlich verschroben angesehen, was ich gut nachvollziehen kann.


    Mir hat auch die Schilderung der ersten Sonnenstrahlen nach monatelanger Dunkelheit auf S. 52ff. unheimlich gut gefallen!


    Bei Klemet bin ich noch zwiegespalten: ich finde die sexuelle Begierde der beiden alten Säcke (er und Matthis), die der jungen Frau (Nina) so direkt auf den Busen starren, ziemlich eklig. Nina ist ganz nett und engagiert, aber wirkt manchmal ein bisschen oberflächlich, finde ich!


  • Zu Klement:
    Was für ein Macho. :rollen: Ich finde aber auch das seine Vergangenheit eindeutig interessant ist. Ich hoffe das man vielleicht noch mehr erfährt. Damit man das, was aus ihm geworden ist, besser nachvollziehen kann.


    Ja, das stimmt, wahrscheinlich ist es sehr wichtig, seinen Hintergrund zu kennen. Auch wenn ich sein Verhalten gegenüber Nina nicht so toll finde, ist er mir aber nicht richtig unsympathisch. Was ich als bemerkenswert empfinde: er und Nina werden offenbar als Polizisten 2. Grades angesehen, als sogenannt Rentierpolizei.



    Zu Nina:
    Sie ist mir auch sympathischer als Klement. Er ist halt so ein typischer Macho. Es tut mir leid für sie, da sie ausgerechnet mit ihm zusammenarbeiten muss. Das ist sicher schwer erträglich auf dauer. Da muss man schon ein dickes Fell haben um das auszuhalten. Andererseits finde ich das sie eigentlich mal durchgreifen müsste um ihm klar zu machen, das er so nicht mir ihr reden kann. Vermutlich hat sie wenig Rückhalt. In dem Roman .Einsam und kalt ist der Tod von Lars Pettersson wird es so dargestellt. Ich habe den Eindruck das es hier ähnlich sein könnte.
    Allerdings wird sie als Frau auch untere ihren Kollegen irgendwie nicht für voll genommen. Da man auch hier zu lange immer wieder hört, das Frauen es bei der Polizei nach wie vor schwer haben, fand ich diese Diskriminierung nicht all zu überraschend.


    Ich glaube, dass das in Lappland bestimmt besonders extrem ist bei den Wetterverhältnissen. Da sind bestimmt nur wenige weibliche Polizistinnen unterwegs und die Männer behaupten so eine Art Monopol



    Rolf Brattsen:
    Er scheint ja auch eher national eingestellt. Stellt sich die Frage, ob er selbst all zu viel in die Ermittlungen investieren wird. Überhaupt hat man ja das Gefühl das die Polizei vor Ort, am liebsten gar keine Zeit "verschwenden" würde. Mich würde interessieren ob in Norwegen viele Menschen in diese Richtung denken, wenn es um das Volk der Sami geht. Zumindest mal im obigen Krimi von Lars Pettersson (selbst Norweger) hatte ich schon das Gefühl von unterschwelligem Alltagsrassismus in der Handlung. Aber das muss ja nicht zwingend die Meinung der Menschen dort wieder spiegeln.


    Der kommt sich glaube ich ziemlich toll vor - noch weiß ich nicht, was ich von ihm halten soll.


  • Stimmt klingt wirklich ein bissl die Jodeln. Ich finde es interessant weil diese Musikform vor allem auch um eine andere Art von Verstehen geht. Die normale Textebene fällt dabei meist ja weg.


    Das finde ich irgendwie gar nicht - es ist schon eher ein "richtiger" Gesang, wärmer und nicht ganz so kehlig (wobei ich das erwartet hätte, muss ich zugeben). Danke Dir für die ganzen Links - ich kann jetzt ein bisschen Schwedisch :zwinker: Ich fand es ja total witzig, dass ein Joiker letztes Jahr den Schwedischen Superstar-Wettbewerb (sowas war das doch, oder?) gewonnen hat!

  • Ich kann kein Schwedisch, aber für mich sah es aus wie z.B.: Britain's got Talent. Mir war auch nicht bewusst, dass er gewonnen hat. Interessant fand ich, dass einer der Juroren geweint hat.


    Wie Jodeln ist das überhaupt nicht.



    Also, ich bin wirklich gut in das Buch reingekommen und habe überhaupt kein Problem mit dem Stil - im Gegenteil, er gefällt mir richtig gut! Ich habe auch nicht das Gefühl, (noch) zu wenig über die Protagonisten zu erfahren!


    Bei der Handlung ist mir allerdingds schon so einiges unklar: Das ist bspw. beim Prolog der Fall, diesen dramatischen Glaubenskonflikt im späten 17. Jahrhundert kann ich überhaupt noch nicht einordnen. Ziemlich spät, oder? In Mitteleuropa gab es Ende des 17. Jahrhunderts doch eher keine "Hexenverbrennungen" mehr (glaube ich). Aber es wirft einen Blick auf die Bedeutung der alten Werte und Traditionen. Nichtsdestotrotz empfand ich diesen Abschnitt aber als sehr kraftvoll und den Joik des Sterbenden als Botschaft an die (Über)Lebenden, in diesem Fall an einen Bestimmten, der offenbar den alten Glauben weitertragen soll.


    Und was hat es mit den roten Lappen (wird z.B. auf S. 35 erwähnt) auf sich?


    Das 17 Jahrhundert war ganz krass was exenvefolgungen anging, lies z.B. mal über die Hexenprozesse von Salem (USA). Die kamen Ende des 17 Jh erst richtig in Fahrt.


    Mensch, ich hatte mich wirklich gefragt, wo den rote Lappen (i.e. Tücher) erwähnt werden! :totlach:


    Ich weiß nicht, ob die Sami tatsächlich Kommunisten sind, oder ob das einfach wieder nur gesagt wird, um sie herabzuwerten. Olaf scheint in die Richtung zu tendieren, zumindest wenn man Kommunisten mit Rebellen gleichsetzt.

    Was ist wertvoller, Wissen oder Fantasie? Es ist die Fantasie, denn das Wissen hat Grenzen.  - Albert Einstein


  • Vorleser
    Ja, das soll wohl auch dazu dienen den Unterschied der Lebensweise hervor zu heben. Aber ich weiß was Du meinst. Da schwelt so eine Abwertung in der Luft. Obwohl ich vermute das es dem Autor gar nicht bewusst war.


    Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie die Beschreibungen weitergehen.




    Mir hat auch die Schilderung der ersten Sonnenstrahlen nach monatelanger Dunkelheit auf S. 52ff. unheimlich gut gefallen!


    Allerdings, das fand ich auch sehr schön! Es ist für mich so schwer vorstellbar, so lange ohne Sonne zu leben.



    Was mir gerade noch einfiel und was ich als Charakterzug sehr interessant fand, ist Klemets Sorge, dass jemand seinen Schatten berührt. Gleich auf der ersten Seite des ersten Kapitels wird ja sehr oft beschrieben, dass er sich als Polizisten für einen sehr rationalen Menschen hält.