Schullektüre - Erfahrungen!

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 243 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von tári.


  • Siegfried Lenz hört sich doch schon mal gut an, begeistert so etwas? Ich würde eher denken, nein. Viel zu wenig Handlung. Das übliche kenne ich halt nicht.


    Siegfried Lenz hat nicht die Spur begeistert. "Das Feuerschiff" war es, ich fand es auch ganz gut. Aber als Klassenlektüre nichts.


    Geschichten kennt man natürlich schon von klein auf, aber nicht so, wie die meisten Deutschlektüren sind.
    Bei Lenz ist es ja so, wie du sagst: Viel zu wenig Handlung.
    Bei Theaterstück dachte ich an so etwas wie Moliére, Shakespeare, oder Schiller. Die großen, bekannten.
    Ein Roman kann so langatmig sein, gerade die Lektüren. Die Gefahr hat man bei einem Theaterstück schon mal nicht. Regieanweisungen können ja nicht seitenlang sein.


    In irgendeiner Klasse durften wir mal wählen. Die Lehrerin hat vorgeschlagen, wir durften das ebenfalls - am Ende kam Molières "Der eingebildete Kranke" und Viktor Swarups "Rupien, Rupien" raus. Wobei ich glaube, dass das eher an den Schülern lag, die die beiden Bücher vorstellten.

    Ein Zimmer ohne Bücher ist wie ein Körper ohne Seele ~ Marcus Tullius Cicero

  • Theaterstücke finde ich persönlich zehnmal schwieriger. Da steht dann "Ich bin ein Schuft." und das kann natürlich auf zehn verschiedene Weisen im Theater präsentiert werden. Den "Ton" eines Theaterstücks zu hören, fällt mir schwer. Erzählende Literatur schafft es viel leichter, die Worte "erklingen" zu lassen.


    Aber im Unterricht ist es schon schwer zu vermitteln, was ein "Stil" ist. Dazu muss man viel gelesen haben. Und das haben halt die wenigsten Schüler. Das Stoßen "ins kalte Wasser" wie es der Deutschunterricht wohl heute noch immer macht, wenn ich das hier alles lese, ist halt für viele nicht einfach. Ob es anders geht, ich glaube es immer weniger, zumindest solange hier kein Buch gepostet wird, welches die Klasse mitreißt. Schüler erwarten vielleicht Schätzing, aber "erlaubt" ist nur die "hohe Kunst".


    Gruß, Thomas

  • Theaterstücke finde ich persönlich auch schwerer zu lesen, v.a. weil ich da weniger gut hineinkomme. Bei einem mitreißenden Buch lebt man bis zu einem gewissen Grad ja mit den Figuren mit, das fällt mir persönlich bei einem Theaterstück schon schwerer. Abgesehen davon werden selten ganz detailiert innere Vorgänge beschrieben (außer es gibt viele Monologe), vieles muss man aus dem Verhalten der Personen zueinander herauslesen, da ist Prosa manchmal einfacher.


    Man darf natürlich nicht vergessen, dass die "hohe Kunst" deshalb vom Schulkanon forciert wird, weil den Rest die lesenden Schüler sowieso lesen, aber viele haben schon aus vielen Generationen gar Fürchterliches über die Klassiker gehört, da fasst man so ein Reclam nicht freiwillig an. Das Problem bezügl. Buch, wo alle begeistert sind, ist wohl, dass es so ein Buch nicht gibt. Ich persönlich fand Unterm Rad von Hermann Hesse toll, andere aus meiner Klasse haben es gehasst. Einige verlieben sich durch den Faust spontan in Goethe, ich muss sagen bei mir hat es nicht so recht gefunkt. Sollte ein Deutschlehrer beschließen die Twilight-Saga im Unterricht zu machen (vielleicht als Kontrast zu deutschen Vampirerzählungen aus dem 19. Jh.), dann freuen sich vielleicht die meisten Teenager-Mädchen, aber die Burschen sind tendenziell wohl weniger begeistert.


    Am Schluss stellt sich halt die Frage was ein Schüler aus einem Werk abseits von Epocheneinordnung und sprachlicher Analyse mitnehmen kann. Theoretisch kann man natürlich auch anhand von Twilight Fragen nach Geschlechterrollen, nach dem etwaigen Einfluss der Konfession der Autorin auf die Werke, nach der Problematik von Minderheiten, nach der Problematik Entwicklung eines jungen Menschen vs. festgefrorene Persönlichkeit eines Vampirs usw. stellen. Aber das ist bei Twilight halt nicht so eine Herausforderung, weil man kaum zwischen den Zeilen lesen muss, bei Klassikern werden die Schüler vielleicht eher darauf trainiert genauer zu lesen, auch Details zu beachten und mal um die Ecke zu denken.


    Trotzdem, bevor alle bei der Iphigenie einschlafen, macht eine rege (und intelligent geführte) Diskussion um Twilight vielleicht mehr Sinn. Ich glaube ja, dass wenn eine Klasse mal feststellt wieviel Spaß eine hitzige Diskussion um ein Buch möglicherweise macht, dass es dann das nächste Mal mit darauf aufbauender Lektüre auch bei schwierigeren Werken klappen kann.

    ... this is nat language at any sinse of the world.<br />:lesen: Gustave Flaubert: Madame Bovary&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; :buecherstapel: [url=https://literaturschock.de/literaturforum/forum/index.php?thread/16631


  • @Holden: Als ich damals *g* (vor äh... bisschen über 5 Jahren) in Österreich maturiert habe, gab es keine Zentralmatura oder sowas. Und auch kein Ministerium, das irgendwas vorschreibt. Ich glaube mittlerweile hat sich bezügl. Matura auch hier was verändert, aber inwiefern das auch die Lektüreauswahl betrifft bzw. betreffen muss, weiß ich nicht. Generell ist Österreich da aber um einiges freier als Deutschland.


    Wir haben wohl ungefähr zur gleichen Zeit maturiert, bei uns war damals die Zentralmatura aber schon zumindest Gesprächsthema. Meine Mitbewohnerin hat vor etwa 2 Jahren maturiert und ihre Klasse war einer von mehreren Probejahrgängen für die Zentralmatura, dort wussten also die Lehrer schon nicht mehr, was denn für Fragestellungen kamen.
    Aber falls ich richtig informiert bin, ist sie immer noch nicht durchgesetzt.


    Ich denke so strenge Regulierungen haben Vor- und Nachteile. Mein Freund zum Beispiel ist auf ein Realgymnasium mit Schwerpunkt Informatik gegangen. Und in den klassisch "humanistischen" Fächern sind dort viele Lehrer mit der Einstellung "alles verlorene Liebesmüh, nur nicht zu viel anstrengen" in die Klassen gegangen. Das heißt, dass sie in Deutsch wirklich nur das gelesen haben, dass der Lehrplan ganz zwingend vorschreibt, wenn überhaupt. Aber selbst diese Bücher wurden vom Lehrer so nachlässig behandelt, dass man die Bücher doch nicht wirklich lesen musste.

    “Grown-ups don't look like grown-ups on the inside either. Outside, they're big and thoughtless and they always know what they're doing. Inside, they look just like they always have. Like they did when they were your age. Truth is, there aren't any grown-ups. Not one, in the whole wide world.” N.G.