Schullektüre - Erfahrungen!

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 271 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von HoldenCaulfield.


  • Siegfried Lenz hört sich doch schon mal gut an, begeistert so etwas? Ich würde eher denken, nein. Viel zu wenig Handlung. Das übliche kenne ich halt nicht.


    Siegfried Lenz hat nicht die Spur begeistert. "Das Feuerschiff" war es, ich fand es auch ganz gut. Aber als Klassenlektüre nichts.


    Geschichten kennt man natürlich schon von klein auf, aber nicht so, wie die meisten Deutschlektüren sind.
    Bei Lenz ist es ja so, wie du sagst: Viel zu wenig Handlung.
    Bei Theaterstück dachte ich an so etwas wie Moliére, Shakespeare, oder Schiller. Die großen, bekannten.
    Ein Roman kann so langatmig sein, gerade die Lektüren. Die Gefahr hat man bei einem Theaterstück schon mal nicht. Regieanweisungen können ja nicht seitenlang sein.


    In irgendeiner Klasse durften wir mal wählen. Die Lehrerin hat vorgeschlagen, wir durften das ebenfalls - am Ende kam Molières "Der eingebildete Kranke" und Viktor Swarups "Rupien, Rupien" raus. Wobei ich glaube, dass das eher an den Schülern lag, die die beiden Bücher vorstellten.

    Ein Zimmer ohne Bücher ist wie ein Körper ohne Seele ~ Marcus Tullius Cicero

  • Theaterstücke finde ich persönlich zehnmal schwieriger. Da steht dann "Ich bin ein Schuft." und das kann natürlich auf zehn verschiedene Weisen im Theater präsentiert werden. Den "Ton" eines Theaterstücks zu hören, fällt mir schwer. Erzählende Literatur schafft es viel leichter, die Worte "erklingen" zu lassen.


    Aber im Unterricht ist es schon schwer zu vermitteln, was ein "Stil" ist. Dazu muss man viel gelesen haben. Und das haben halt die wenigsten Schüler. Das Stoßen "ins kalte Wasser" wie es der Deutschunterricht wohl heute noch immer macht, wenn ich das hier alles lese, ist halt für viele nicht einfach. Ob es anders geht, ich glaube es immer weniger, zumindest solange hier kein Buch gepostet wird, welches die Klasse mitreißt. Schüler erwarten vielleicht Schätzing, aber "erlaubt" ist nur die "hohe Kunst".


    Gruß, Thomas

  • Theaterstücke finde ich persönlich auch schwerer zu lesen, v.a. weil ich da weniger gut hineinkomme. Bei einem mitreißenden Buch lebt man bis zu einem gewissen Grad ja mit den Figuren mit, das fällt mir persönlich bei einem Theaterstück schon schwerer. Abgesehen davon werden selten ganz detailiert innere Vorgänge beschrieben (außer es gibt viele Monologe), vieles muss man aus dem Verhalten der Personen zueinander herauslesen, da ist Prosa manchmal einfacher.


    Man darf natürlich nicht vergessen, dass die "hohe Kunst" deshalb vom Schulkanon forciert wird, weil den Rest die lesenden Schüler sowieso lesen, aber viele haben schon aus vielen Generationen gar Fürchterliches über die Klassiker gehört, da fasst man so ein Reclam nicht freiwillig an. Das Problem bezügl. Buch, wo alle begeistert sind, ist wohl, dass es so ein Buch nicht gibt. Ich persönlich fand Unterm Rad von Hermann Hesse toll, andere aus meiner Klasse haben es gehasst. Einige verlieben sich durch den Faust spontan in Goethe, ich muss sagen bei mir hat es nicht so recht gefunkt. Sollte ein Deutschlehrer beschließen die Twilight-Saga im Unterricht zu machen (vielleicht als Kontrast zu deutschen Vampirerzählungen aus dem 19. Jh.), dann freuen sich vielleicht die meisten Teenager-Mädchen, aber die Burschen sind tendenziell wohl weniger begeistert.


    Am Schluss stellt sich halt die Frage was ein Schüler aus einem Werk abseits von Epocheneinordnung und sprachlicher Analyse mitnehmen kann. Theoretisch kann man natürlich auch anhand von Twilight Fragen nach Geschlechterrollen, nach dem etwaigen Einfluss der Konfession der Autorin auf die Werke, nach der Problematik von Minderheiten, nach der Problematik Entwicklung eines jungen Menschen vs. festgefrorene Persönlichkeit eines Vampirs usw. stellen. Aber das ist bei Twilight halt nicht so eine Herausforderung, weil man kaum zwischen den Zeilen lesen muss, bei Klassikern werden die Schüler vielleicht eher darauf trainiert genauer zu lesen, auch Details zu beachten und mal um die Ecke zu denken.


    Trotzdem, bevor alle bei der Iphigenie einschlafen, macht eine rege (und intelligent geführte) Diskussion um Twilight vielleicht mehr Sinn. Ich glaube ja, dass wenn eine Klasse mal feststellt wieviel Spaß eine hitzige Diskussion um ein Buch möglicherweise macht, dass es dann das nächste Mal mit darauf aufbauender Lektüre auch bei schwierigeren Werken klappen kann.

    ... this is nat language at any sinse of the world.<br />:lesen: Gustave Flaubert: Madame Bovary&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; :buecherstapel: [url=https://literaturschock.de/literaturforum/forum/index.php?thread/16631


  • @Holden: Als ich damals *g* (vor äh... bisschen über 5 Jahren) in Österreich maturiert habe, gab es keine Zentralmatura oder sowas. Und auch kein Ministerium, das irgendwas vorschreibt. Ich glaube mittlerweile hat sich bezügl. Matura auch hier was verändert, aber inwiefern das auch die Lektüreauswahl betrifft bzw. betreffen muss, weiß ich nicht. Generell ist Österreich da aber um einiges freier als Deutschland.


    Wir haben wohl ungefähr zur gleichen Zeit maturiert, bei uns war damals die Zentralmatura aber schon zumindest Gesprächsthema. Meine Mitbewohnerin hat vor etwa 2 Jahren maturiert und ihre Klasse war einer von mehreren Probejahrgängen für die Zentralmatura, dort wussten also die Lehrer schon nicht mehr, was denn für Fragestellungen kamen.
    Aber falls ich richtig informiert bin, ist sie immer noch nicht durchgesetzt.


    Ich denke so strenge Regulierungen haben Vor- und Nachteile. Mein Freund zum Beispiel ist auf ein Realgymnasium mit Schwerpunkt Informatik gegangen. Und in den klassisch "humanistischen" Fächern sind dort viele Lehrer mit der Einstellung "alles verlorene Liebesmüh, nur nicht zu viel anstrengen" in die Klassen gegangen. Das heißt, dass sie in Deutsch wirklich nur das gelesen haben, dass der Lehrplan ganz zwingend vorschreibt, wenn überhaupt. Aber selbst diese Bücher wurden vom Lehrer so nachlässig behandelt, dass man die Bücher doch nicht wirklich lesen musste.

    “Grown-ups don't look like grown-ups on the inside either. Outside, they're big and thoughtless and they always know what they're doing. Inside, they look just like they always have. Like they did when they were your age. Truth is, there aren't any grown-ups. Not one, in the whole wide world.” N.G.

  • Hallo allerseits,


    Ich zähle hier mal die 15 Schullektüren der Oberstufe 2010 - 2012 für das Abitur 2012 in Mecklenburg-Vorpommern auf. Los geht's!

    Johann Wolfgang von Goethe - Faust I

    Johann Wolfgang von Goethe - Faust II

    Johann Wolfgang von Goethe - Die Leiden des jungen Werthers

    Johann Wolfgang von Goethe - Iphigenie auf Tauris

    Johann Wolfgang von Goethe - Die Wahlverwandtschaften

    Heinrich von Kleist - Das Erdbeben in Chili

    Theodor Storm - Der Schimmelreiter

    Theodor Fontane - Irrungen, Wirrungen

    Theodor Fontane - Effi Briest

    Daniel Kehlmann - Die Vermessung der Welt

    Patrick Süskind - Das Parfum

    Thomas Mann - Der Tod in Venedig

    Berthold Brecht - Das Leben des Galilei

    Gottfried Keller - Romeo und Julia auf dem Dorfe


    Bis auf den "Faust II" habe ich tatsächlich alle Bücher gelesen und mir, sofern nicht ausführlich in der Schule besprochen, auch ausführliche Notizen zu den Handlungen, Figurenkonstellationen etc gemacht. Als dann Ende 2011 absezusehen war, dass ich nach langem Krankenhausaufenthalt nur noch die 12. Klasse mit Fachhochschulreife beenden werde, und die 11. Klasse kein drittes Mal besuchen werde (was der Rektor der Schule mir auch als Option angeboten hatte), habe ich schon etwa 12 der 15 Lektüren gelesen. Es war nicht alles für die Katz, aber trotzdem etwas ärgerlich.

  • sandhofer: Ja, die Goethelektüren hätten sie um 2 bis 3 Bücher reduzieren können, finde ich. Dann wäre es immer noch genug Auswahl für die Abiturprüfung gewesen.

    Und Süskind und Kehlmann waren die einzigen beiden Autoren, die wir als "moderne Autoren" nach dem 2. Weltkrieg behandelt haben. Kein Böll, kein Frisch, keine Bachmann (überhaupt keine Autorin auf der Abiturliste, was ich sehr schade fand).

  • "Bisschen viel Goethe" dachte ich auch.

    (..und, dass die beiden "neueren" Bücher wohl aus der Privatlektüre des Deutschlehrers stammen - nicht zuuu neu, nicht zuuu anstrengend, aber so, dass man sich nicht schämen muss.)

  • Alice: Die Liste war 2012 verpflichtend für das Abitur in ganz Mecklenburg-Vorpommern. Die Liste stammt nicht von der Deutschlehrerin, sondern vom Kultusministerium in Schwerin. ;)

  • Meine eigene Schullektüre ist 45 Jahre her - aber erscheint mir (noch heute!) geradezu revolutionär gegenüber Deiner ziemlich (sorry) piefigen Liste, @Lykanthropin. Und wir haben damals - in den 1970ern! - gestöhnt, dass es "altes Zeug" wär.

    Also, woran erinnere ich mich?! (Vieles fällt mir natürlich gerade nicht mehr ein..)


    Schimmelreiter (Storm) und

    Leben des Galilei (Brecht)..

    hatten wir auch. Dazu:


    Die Judenbuche (immerhin ja von einer Frau..)

    Effie Briest (Fontane)

    Bahnwärter Thiel (Hauptmann)

    Der Richter und sein Henker und

    Die Physiker (Dürrenmatt)

    Das Feuerschiff (Lenz)

    Homo Faber (Frisch)

    Kabale und Liebe (Schiller) *augenverdreh*

    Draußen vor der Tür (Borchert)

    Der Biberpelz und

    Die Weber (Hauptmann)

    Mutter Courage.. (Brecht)

    Wilhelm Tell (Schiller)

    Das Fräulein von Scuderi (Hoffmann)

    Woyzeck (Büchner)

    Der illustrierte Mann (Bradbury) zum Thema "Kurzgeschichte"

    (Irgendwas von Böll - fällt mir gerade nicht ein..)


    Tatsächlich waren die Lektüren im Englischunterricht interessanter.


    Wie man sieht, habe ich ein klares Goethe-Defizit. :S


    9 Mal editiert, zuletzt von Alice ()


  • Tatsächlich waren die Lektüren im Englischunterricht interessanter.



    Unsere auch, da gab es Edgar Allan Poe. Auch sonst tollen, abwechslungsreichen Englischunterricht. Hatten die vielleicht weniger Vorgaben/freiere Hand?

    Bücher sind Magie zum Mitnehmen.

  • Ich denke es kommt da einfach sehr auf die Lehrer*innen an, der Lehrplan ist durchaus flexibler als man glaubt. Außer bei der Pflichtlektüre. Aber ansonsten gibts da halt allgemein Vorgaben, in denen Lehrpersonen aber durchaus Auswahl haben.


    Ich hatte nur 3 Jahre Englisch auf Abiturniveau und wir haben komischer weise, wie ich finde, fast gar nichts gelesen. Klar, die Texte im Schulbuch halt und ein Shakespeare Stück. Exakt eines - ein Sommernachtstraum. Niemand hat irgendwas verstanden und im Grunde haben wir es so kurz durchgenommen, das es auch schade war, da wir uns meiner Meinung nach gar nicht wirklich damit beschäftigt haben. Echt schade.

    Und das Buch One Language many Voices in dem verschiedene Kurzgeschichten stehen, die mit dem Kolonialismus und dem Commonwealth zu tun haben. (z.B. Josef Conrad)

    Im Deutsch Unterricht - keine Ahnung mehr weshalb eigentlich - haben wir uns Hamlet angesehen, vermutlich da Schiller sich auch auf Shakespeare bezogen hat. Und wir zu dem Zeitpunkt Die Räuber besprochen haben. Das Buch hatte ich sogar zweimal in meinem Leben gelesen. Einmal in der Berufsschule und einmal dann fürs Abi. Beim zweiten Mal konnte ich mehr damit anfangen. Sicher auch, da wir uns in der Berufsschule mit Monika Marrons Stille Zeile sechs (hasse es bis heute lol) extrem lange beschäftigt hatten, sodass für eine nähere Besprechung von Schiller keine wirkliche Zeit mehr blieb. Ich denke auch nicht, das in dieser Prüfung dann jemand Schiller gewählt hat.

  • 1984 und

    Animal Farm (George Orwell)

    On the Beach (Nevil Shute)

    Julius Cesar (Shakespeare)

    Lord of the Flies (William Golding)

    ...hab ich z.B. noch aus Englisch ab der 10. Klasse in Erinnerung.. da war auch definitiv noch mehr.. :/

  • Wir hatten im Englisch-LK neben "The Taming of the Shrew" von Shakespeare (ausgerechnet ... und das an einer Mädchenschule :spinnen: ) Arthur Millers "The Crucible" und das Buch zu "Dead Poets Society". Ich meine, wir hätten noch ein weiteres Buch gelesen, aber das fällt mir nicht mehr ein. Kurzgeschichten haben wir auch so einige gelesen, unter anderem "The Masque of the Red Death" von Poe. "Animal Farm" aus der 11. ist mir auch noch eindrücklich in Erinnerung.


    Goethe-Overkill hatten wir in Deutsch auch keinen, außer dem klassischen "Faust I" in der 12. Klasse. Ansonsten ein ziemlich bunter Mix, bis in die 9. Klasse hinein hauptsächlich Jugendbücher.

    If you don't become the ocean, you'll be seasick every day.

    Leonard Cohen





  • Bei uns gab es auf dem zweiten Gymnasium ebenfalls "Lord of the flies" in der 11. Klassenstufe und in der 12. Klassenstufe "Animal Farm". Ich hatte vor einigen Monaten mit Zank im entsprechenden Thread über "Lord of the flies" diskutiert und wir waren beide übereingekommen, dass wir beide das Buch nicht mochten. ^^

  • Ich erinnere mich noch gut an die Ringparabel in "Nathan der Weise" von Lessing...üble Erinnerung.


    Ansonsten war einiges von Alices Liste dabei - Homo faber mochte ich damals am liebsten.

    Früherer Nutzername "Alexa" :)

  • Stimmt, Homo faber hat mir auch gut gefallen.


    Und ich erinnere mich mit Grausen an den "Untertan" von Heinrich Mann mit diesem unsympathischen Kotzbrocken aus dem Film auf dem Cover.

    If you don't become the ocean, you'll be seasick every day.

    Leonard Cohen





  • Ich erinnere mich noch gut an die Ringparabel in "Nathan der Weise" von Lessing...üble Erinnerung.

    Wir haben das Buch nicht gelesen, aber waren als Schulklasse im Theater. DAS ist eine üble Erinnerung. Ich erinnere mich an eine minutenlange, merkwürdig inszenierte Sexszene. Bis zur Pause war der Mann neben mir schon längst laut schnarchen eingeschlafen; nach der Pause war außer unserer Klasse (die bleiben musste) fast kein Zuschauer mehr da.