Nathan Filer - Nachruf auf den Mond

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

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  • Nathan Filer - Nachruf auf den Mond


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    Gebundene Ausgabe: 315 Seiten
    Verlag: Droemer HC (2. März 2015)
    Sprache: Deutsch
    ISBN-13: 978-3426281246
    Originaltitel: The Shock of the Fall



    Wundervoll geschrieben, wenn auch nicht ganz einfach zu lesen

    Inhalt:
    Mit neun Jahren verliert Matthew seinen drei Jahre älteren Bruder Simon durch einen tragischen Unfall. Er gibt sich selbst die Schuld an dessen Tod. Aufgrund einer psychischen Erkrankung wird er in die Psychiatrie eingewiesen, wo er lernen muss, mit seiner Krankheit zurechtzukommen und Simons Tod zu verarbeiten.


    Meine Meinung:
    Nathan Filer ist mit seinem Debüt ein großartiger Roman gelungen. Er lässt Matthew seine Geschichte erzählen und man nimmt ihm dabei jedes Wort ab, weil es so authentisch wirkt. Hier macht sich wohl bemerkbar, dass der Autor als Krankenpfleger in einer psychiatrischen Klinik gearbeitet und intensiv recherchiert hat.


    Der Schreibstil ist sehr gewöhnungsbedürftig. Man wird immer wieder mit unzusammenhängenden Bruchstücken der Handlung konfrontiert, mit zum Teil wirr erscheinenden Gedankenfetzen infolge der Vernebelung durch die Medikamente. Es wird nicht chronologisch erzählt, sondern immer wieder in der Zeit gesprungen, wobei es mir öfter schwerfiel, zu erkennen, wo ich mich nun gerade befinde. Dadurch dass Matthew den Leser immer wieder direkt anspricht, entsteht ein Sog, man wird tief in die Geschichte hineingezogen und kommt dem Ich-Erzähler sehr nahe. Man hat den Eindruck, Matthew will sich dem Leser öffnen, ihm alles zeigen, was ihn bewegt, womit er zu kämpfen hat. Dabei spart er auch die negativen Dinge über sich nicht aus.


    Es werden nur kleine Andeutungen eingeflochten über das, was in der Nacht des Unfalls passiert sein könnte, denn anfangs erfahren wir nur, dass Simon tot ist. So wird die Spannung bis zum Schluss aufrechterhalten.


    Der Roman lebt von seinen einzigartigen Charakteren. Sie sind so detailliert ausgearbeitet, dass man nie irgendwelche Zweifel an ihren Verhaltensweisen bekommt. Dabei war mir Matthew von Anfang an sehr sympathisch.


    „Sie sollten wissen, dass ich kein netter Mensch bin.“ (S. 7) Wenn jemand so etwas sagt, kann er so schlimm schon mal gar nicht sein, oder?


    Hervorzuheben ist auch die Aufmachung des Buches. Von Illustrationen bis zu verschiedenen Schriftarten wird auf diverse Hilfsmittel zurückgegriffen, um die Darstellung der Geschichte zu intensivieren. Das ist wirklich sehr gut gelungen.


    Fazit:
    „Nachruf auf den Mond“ ist ein anspruchsvolles Buch, das den Leser berührt und bewegt und mit vielen netten Details aufwartet, die man vielleicht sogar erst beim zweiten Lesen wahrnimmt.


    5ratten

    Staubfänger 29/29 + 03/29 + 00/29 + 06/22 --> 38 Punkte

    Frischlinge 29/29 + 29/29 + 04/29 + 10/22 --> 72 Punkte

    SLW 17/40

    TAMKATZ 04/05


    Liebe Grüße, Lilli

    Einmal editiert, zuletzt von Lilli33 ()

  • Meine Meinung zum Buch:


    Titel: Ein Leben ohne Simon...


    Nachdem ich sehr viel Gutes über dieses Buch gehört hatte, war mein Interesse geweckt.


    Im Roman geht es um den psychisch kranken Matthew, dessen Bruder Simon bei einem Familienausflug vor 10 Jahren starb. Seitdem ist die Familie nicht mehr dieselbe. Was geschah damals in jener Nacht?


    Matthew fungiert in Roman als Ich- Erzähler und spricht den Leser oft direkt an. Die Ereignisse werden uns nicht chronologisch geordnet serviert, so dass man beim Lesen aufpassen muss, in welcher Zeit man sich gerade befindet. Mal sind wir in der Gegenwart unterwegs als Matt 19 jährig im Krankenhaus liegt und mal begleiten wir die Familie in der Vergangenheit.


    Ich hätte nie erwartet, dass mich das Buch so sehr emotional berühren würde. Das angesprochene Thema Schizophrenie ist sehr ernst, es wird im Buch aber durchaus locker damit umgegangen.


    Matthew als Charakter ist sehr speziell. Man spürt ihm seine Krankheit förmlich an und nicht immer kann man sein Handeln ganz nachvollziehen. Je mehr man liest und ihn besser kennenlernt, desto mehr stellt man fest was für ein liebenswerter Kerl Matt ist und man mag ihn immer mehr.


    Die Familientragödie zieht sich durch das gesamte Buch, so dass eine gewisse traurige Grundstimmung immer vorhanden ist, was dem Roman aber keinesfalls schadet.


    Dem Autor gelang es die Spannung konstant zu halten, denn das Geheimnis des verhängnisvollen Abends wird erst zum Schluss gelüftet. Das Ende hat mich tief berührt und ein paar Tränen entlockt.


    Für mich war dieses Buch eine Überraschung, die mich emotional vollends erwischt und mich nachdenklich gestimmt hat.


    Fazit: Wer sich nicht vor schweren Themen scheut, der wird von diesem Buch begeistert sein. Ich kann nur meine Leseempfehlung aussprechen.


    Bewertung: 4ratten

    &WCF_AMPERSAND"Das Buch als Betriebssystem ist noch lange nicht am Ende&WCF_AMPERSAND" (H.M. Enzensberger)

  • Nachruf auf den Mond ist wirklich ein besonderes Buch. Die Art, wie Matthew von seinem Leben, seiner Familie und seinem Bruder Simon erzählt und auch sein ganzer Charakter hat mich so gefesselt, dass mir dieses Buch unter die Haut gegangen ist.


    Zu Anfang wird angedeutet, dass Simon einen Unfall hatte und Matthew sich die Schuld dafür gibt. Dies hat Folgen für seine psychische Gesundheit und Matthew wird in seiner Kindheit von seiner Mutter behütet und von Arzt zu Arzt geschleppt. Auch darf er nicht die Schule besuchen und wird von seiner Mutter zu Hause unterrichtet. Zu seiner Großmutter hat Matthew ein besseres Verhältnis als zu seinem Vater, aber auch seine Großmutter ist mir etwas zu übervorsorglich.


    Man erfährt erst nach und nach aus der Sicht von Matthew, was tatsächlich mit Simon geschehen ist. Die Gedankengänge des erwachsenen Matthew sind nicht immer sofort nachzuvollziehen, da sie oft sehr sprunghaft sind. Aber auf der anderen Seite macht das auch an den Reiz dieses Romans aus und Nathan Filer ist es gelungen, uns die Gedankenwelt eines an Schizophrenie erkrankten jungen Mannes nahe zu bringen. Auch die verschiedenen Stilmittel, die in den Roman eingestreut sind, wie die Zeichnungen von Matthew, ob er mit dem Computer, der Schreibmaschine oder von Hand schreibt, haben mir sehr gut gefallen.


    Durch eine Trauerfeier, die von dem erwachsenen Matthew geplant wurde, kommen sich alle Familienmitglieder näher und nehmen noch einmal würdig Abschied von Simon.


    Nachruf auf den Mond kann ich allen empfehlen, die sich mit dieser Thematik auseinandersetzen möchten


    5ratten

    Einmal editiert, zuletzt von Martina ()

  • 12.05.2015
    Nathan Filer - Nachruf auf den Mond - Droemer


    Bristol, England
    Familienurlaub auf dem Campingplatz, was könnte harmloser sein?
    Der 9jährige Matthew beobachtet ein kleines Mädchen, das ihre Puppe begräbt, sie scheint untröstlich und als er sich ihr nähert, scheucht sie Matthew mit harten Worten davon.
    Das alles lässt dem Jungen keine Ruhe, während seine Eltern schlafen, stiftet er seinen Bruder Simon zu einer nächtlichen Tour an, die Brüder schleichen sich davon. Simon, der am Down-Syndrom leidet, ist es nicht geheuer, aber genauso verführerisch ruft ein kleines Abenteuer. Etwas Unfassbares geschieht, danach ist nichts mehr so, wie es vorher war, die Welt ist nach aussen gestülpt, die Zeit spielt keine Rolle mehr.
    10 Jahre später erzählt Matthew immer wieder in Rückblicken, wie das Leben so war, ganz ohne Simon, das liebenswerte Mondgesicht war ein kleiner Sonnenschein, alle vermissen ihn sehr. Immer wieder versucht Matthew dem Geschehen auf dem Grund zu gehen, er sieht Simon überall, seine Schuldgefühle treiben ihn in die Schizophrenie, er ist sich selbst der größte Feind. Matthew versucht der Wahrheit auf den Grund zu kommen, doch welche der vielen Wahrheiten ist die Richtige? Die Tagesklinik lässt ihn den Computer benutzen, er findet heraus, das es diesen Campingplatz tatsächlich noch gibt, Matthew fasst einen Plan..
    --
    Atmosphärisch, warmherzig, spannend, traurig und auch witzig, unglaublich mitreissend!
    Für mich war jede Seite ein Seufzer. Dieses Buch ist eine einmalige Bereicherung, danke Nathan Filer, für dieses schöne Leseerlebnis! So viele kleine Gefühle, kribbelig, wie 1000 Ameisen, so pfadlos, wie eine Leiter zum Mond.
    --
    Matthew hat heute am 12. Mai Geburtstag. Heute ist er 25. Happy Birthday! :-)


    5ratten

  • Inhalt:
    Matthew Homes sitzt in einer psychatrischen Klinik und erzählt seine Geschichte. Von seinem älteren Bruder Simon, der am Downsyndrom litt und der im Alter von 12 Jahren ums Leben gekommen ist. Von seinen Eltern, die nicht nur mit dem Verlust des einen Sohnes sondern auch mit der psychischen Erkrankung des zweiten fertig werden mussten. Von den letzten 10 Jahren, vom Leben mit seiner Krankheit, von Tiefpunkten und schweren Krisen, von der Trauer und von noch viel mehr. Er schreibt auf dem Computer, an der Schreibmaschine, kritzelt Briefe und Zeichnungen. Das Buch ist wie eine Sammlung all seiner Gedanken und Dokumente.

    Meine Meinung:

    Nathan Filer ist mit seinem Erstling wirklich ein großer Wurf gelungen. Dies liegt nicht nur an der einfühlsamen und authentischen Erzählstruktur sondern auch daran, wie er die Gefühle seiner Protagonisten in all ihrer Bandbreite beschreibt und dem Leser trotzdem die Möglichkeit lässt, sich ein eigenes Bild zu machen und die Hauptdarsteller langsam und sehr intensiv kennen zu lernen.


    Man muss sich sicherlich auf diese ungewöhnliche Geschichte einlassen können. Auf die sehr intime Art, mit der Matt uns durch sein Leben führt. In schlechten Phasen verwirren sich seine Gedanken und er hüpft zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin und her. Wir dürfen seine Wahnvorstellungen ebenso miterleben, wie tatsächliche Erlebnisse, Gespräche und Gedanken. Wie ein Puzzle, in dem die einzelnen Teile durcheinandergekommen sind, breitet er alles vor dem Leser aus.


    Die zwei großen Themen des Buches sind der Tod des Bruders und die verschiedenen Formen der Trauer, aber auch die psychische Erkrankung des Erzählers Matthew, die ihn in tiefe existenzielle Abgründe führt – und der Leser ist mitten drinnen.


    Man sollte nicht davor zurückschrecken, dass das Buch über weite Strecken sehr traurig und Matthew ein spröder Typ ist, der es einem nicht immer leicht macht, ihn zu verstehen oder gar zu lieben. Aber die Geschichte ist mit so viel Poesie und Liebe zu den Menschen geschrieben und das Ende mit einem versöhnlichen und heiteren Tenor, dass ich es uneingeschränkt jedem ans Herz legen möchte, der nach einem besonderen Buch sucht und der es gerne etwas anspruchsvoller hat.


    5ratten

    :lesen:





  • Klappentext »Ich werde Ihnen erzählen, was passiert ist, denn bei der Gelegenheit kann ich Ihnen meinen Bruder vorstellen. Er heißt Simon. Ich glaube, Sie werden ihn mögen. Wirklich. Doch in ein paar Seiten wird er tot sein. Danach war er nie mehr derselbe.« Matthew Homes ist ein begnadeter Erzähler, und Patient der Psychiatrischen Klinik in Bristol. Um dort dem trostlosen Alltag zu entfliehen, schreibt er seine Geschichte auf – und die seines Bruders Simon, der im Alter von elf Jahren während des Campingurlaubs in Cornwall starb. Selbst nach zehn Jahren gibt sich Matthew immer noch die Schuld am Unfalltod seines Bruders. Doch eigentlich ist Simon für ihn gar nicht tot – und Matthew auch kein gewöhnlicher 19-Jähriger. Matthew leidet an Schizophrenie.“


    Das Cover machte mich direkt neugierig. Eine Leiter zum Mond, darunter eine Ameise. Was hat es damit aufsich? Schon nach einigen Seiten verstand ich, was sich die Buchgestalter bei dem Cover gedacht haben. Da ich nicht zu viel von der Handlung vorweg nehmen möchte, werde ich darauf nicht genauer darauf eingehen. Ich erlebte beim Lesen jedoch einen richtigen „Aha-Moment“ und bin nach wie vor begeistert, wie passend das Cover gewählt wurde.


    Der Schreibstil von Nathan Filer ist ein Gedicht. Er schreibt sehr bildhaft und spricht den Leser als Matt direkt an, bezieht in mit ein. „Ich hätte ja lieber Turnschuhe getragen, aber Sie kennen ja meine Mutter.“ (S.8) Mir hat diese Form des Schreibens sehr gut gefallen. Matt schrieb, teils am PC der Psychiatrie, teils an der Schreibmaschine zuhause, seine Geschichte auf und als Leserin hatte ich das Gefühl das „Original“ in der Hand zu halten. Ich fühlte mich Matt sehr nah und verbunden. Besonders gut gefallen hat mir zudem die Art, wie der Verlag mit der Schrift spielte. Die Schriftart ändert sich, je nachdem auf welchem Gerät Matt schrieb. Das Geschriebene wird durch kleine Zeichnungen ergänzt. Leider erzählt Matt seine Geschichte nicht der Reihe nach sondern wild durcheinander, manchmal etwas wirr, sodass ich hin und wieder meine Probleme hatte zu erfassen, wo Matt denn gerade mit seinen Gedanken ist. Hier ist auf jeden Fall ein gewisses Maß an Konzentration erforderlich.


    Die Charaktere sind sehr authentisch. Vor allem Matt konnte sehr gut verstehen, aber auch seinen Bruder Simon und seine Großmutter „Nanny Noo“ fand ich auf anhieb sympathisch. Matt’s Eltern waren ebenfalls authentisch und auch wenn ich wusste, dass sie teilweise nicht optimal handelten, war ihre Handlungsweise doch immer nachvollziehbar.


    Matt’s Geschichte fand ich sehr berührend und durchgehend spannend. Als Leser möchte man erfahren, wie sein Bruder Simon starb und wie Matt zu dem wurde, was er heute ist. Das Ende hat mich in seiner Abgeschlossenheit positiv überrascht. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, dass dies ein Buch wird, bei dem viele Fragen offen bleiben werden, doch dies war hier - zum Glück - nicht der Fall.


    Fazit: Eine sehr berührende Geschichte die vor allem auch durch den tollen Schreibstil überzeugt. Auch wenn das Buch mit seinen 320 Seiten sehr dünn ist, ist es meines Erachtens kein Buch für zwischendurch, da man sich beim Lesen konzentrieren muss um mitzukommen. Wer diese Konzentration und ein bisschen Zeit mitbringt wird bei „Nachruf auf den Mond“ mit einer ganz besonderen Geschichte belohnt.


    4ratten

  • »Ich werde Ihnen erzählen, was passiert ist, denn bei der Gelegenheit kann ich Ihnen meinen Bruder vorstellen. Er heißt Simon. Ich glaube, Sie werden ihn mögen. Wirklich. Doch in ein paar Seiten wird er tot sein. Danach war er nie mehr derselbe.«


    Matthew Homes ist ein begnadeter Erzähler, und Patient der Psychiatrischen Klinik in Bristol. Um dort dem trostlosen Alltag zu entfliehen, schreibt er seine Geschichte auf – und die seines Bruders Simon, der im Alter von elf Jahren während des Campingurlaubs in Cornwall starb. Selbst nach zehn Jahren gibt sich Matthew immer noch die Schuld am Unfalltod seines Bruders. Doch eigentlich ist Simon für ihn gar nicht tot – und Matthew auch kein gewöhnlicher 19-Jähriger. Matthew leidet an Schizophrenie … ( Klappentext )


    Meine Meinung


    Das ist ganz wunderbares Buch!


    Der 19 jährige Matthew schreibt. Er schreibt sein Leben auf. Auf dem Computer, auf einer alten klapprigen Schreibmaschine … der Leser schaut Matt über die Schulter und darf dessen tagebuchartigen Einträge verfolgen. Nach und nach entfaltet sich dem Leser Matts Geschichte. Stück für Stück erfährt man mehr über seine Tragödie, die trotz aller Dramatik leicht, poetisch und ohne Bitterkeit erzählt wird. Und man nähert sich voller Spannung in Zeit- und Gedankensprüngen dem Tag, an dem alles begann. Dem Tag, an dem Simon starb.


    Der 19jährige Matthew befindet sich in einer Tagesklinik der Psychiatrie und erinnert sich an seine Kindheit sowie an die kürzer zurückliegenden Vergangenheit.
    Als er 8 oder 9 Jahre alt war,ist sein 3 Jahre älterer Bruder Simon, der am Down Syndrom litt, gestorben. Matt gibt sich die Schuld daran. Durch den plötzlichen Tod seines Bruders gerät das Familienleben völlig aus den Fugen. Matts Mutter reagiert mit extremer Verlustangst, und Depression, sein Vater verschließt vor allem die Augen ... Matt hat keine unbelastete Minute mehr, seine Kindheit ist ein einziger Albtraum, mit Schuldgefühlen und tiefer Trauer wird er sich selbst überlassen, wohnt zeitweise bei den Großeltern. Als er 17 Jahre alt ist zeigen sich bei ihm die ersten Anzeichen einer schweren psychischen Störung. Sein toter Bruder Simon verfolgt ihn, mehr und mehr verliert er sich in Gedankengänge, die seine Umwelt als absurd abtut, für ihn aber vollkommen logisch sind. Es wird Ich-Verlust oder Schizophrenie diagnostiziert und medikamentös behandelt. Schließlich wird er sogar in die geschlossene Abteilung zwangseingewiesen. Es scheint, als sei Matt in einer Abwärtsschleife gefangen. Doch bricht er aus der Klinik aus …


    Matts Geschichte ist überaus authentisch. Der Autor Nathan Filer hat selbst jahrelang als Pfleger in einer psychiatrischen Klinik gearbeitet und schildert Matts Leidensweg von den ersten Vorboten der Krankheit bis zu den schlimmsten wahnhaften Phasen der Schizophrenie echt und ungeschönt.


    Ich habe vor Jahren bereits den Roman "Ich habe Dir nie einen Rosengarten versprochen" von Hannah Green gelesen, der ebenfalls Erkrankung an Schizophrenie thematisiert und mir gedacht, dass man über psychische Krankheiten so gut wie nichts weiß. Menschen, die "Stimmen hören" und Befehle von eingebildeten Personen erhält, machen uns Angst. Ich finde es wichtig, dass man mehr erfährt über Menschen, die zu unserer Gesellschaft dazu gehören, die Hilfe und Pflege brauchen.


    Mir ist die Geschichte sehr nah gegangen, der Autor hat es geschafft, mich todtraurig zu stimmen und auf der nächsten Seite zum Lachen zu bringen – mit einer Geschichte, die mich sehr beeindruckt hat. Definitv ist dieses eines der besten Bücher, die ich in den letzten Jahren gelesen habe!


    5ratten

  • Der 19-jährige Mathew Homes ist Patient in einer psychiatrischen Klinik und er erzählt uns aus seiner Sicht die Entstehung und Entwicklung seiner Krankheit, die über ihn bestimmt. Mathew leidet an Schizophrenie.


    Im Alter von neun Jahren verliert Mathew während eines Campingurlaubes der Familie seinen älteren Bruder Simon durch einen schrecklichen Unfall. Das alles ereignet sich an einem Tag, der für Mathew ohnehin schon problematisch ist, weil dem Unglück eine Auseinandersetzung mit einem Mädchen auf dem Campingplatz voran geht bei der eine Puppe eine wichtige Rolle spielt. Der Tod des Bruders und die Ereignisse an dessen Todestag beschäftigen Mathew weiter. Er gibt sich die Schuld am Tode von Simon, wohl auch, weil dieser am Down Syndrom litt und damit unter anderem auch an der mit diesem Gendefekt einhergehenden Muskelschwäche.


    Mathew nimmt regelmäßig Medikamente, damit er die Stimmen des Bruders nicht mehr hört, dessen Anwesenheit nicht mehr als real empfindet und einfach wieder normal denken kann. Aber wenn er die Medikamente vergisst, dann ist sie wieder da, die Stimme von Simon.


    Der Leser erfährt wie es Mathew ergangen ist, vom Tod des Bruders bis heute, also über einen Zeitraum von 10 Jahren. Dafür schreibt Mathew die Geschichte seiner Krankheit auf, mal auf einer Schreibmaschine, mal auf einem Computer und manchmal auch einfach nur durch Bilder. So erlebt der Leser eine bunte Mischung einzelner Aufzeichnungen. Auch in der Zeit springt Mathew gerne einmal hin und her, so dass dem Leser hier einiges an Konzentration abverlangt wird, damit er nicht den Faden verliert.


    Mathews Welt scheint trübe und traurig, dabei gibt es aber auch schöne Seiten und es scheint sogar möglich, die Krankheit halbwegs unter Kontrolle zu bekommen. Dorthin aber ist es ein langer Leidensweg, der immer wieder auch von schlimmen Phasen unterbrochen wird. So hat die Familie nicht nur unter dem Verlust des Kindes Simon zu leiden, sondern auch unter der Erkrankung von Mathew.


    „Nachruf auf den Mond“ ist eine interessante Leseerfahrung. Der Autor Nathan Filer präsentiert eine schwierige Thematik hier auf ungewöhnliche Art. Mathew empfindet sich selbst of anders als der Leser ihn erlebt, aber seine Sicht der Dinge ist interessant und regt zum Nachdenken an. Dieses Buch ist sicher nicht jedermanns Sache, aber es verändert den Blick auf schwerwiegende Krankheiten und deren Alltagsbewältigung für Patienten und auch deren Angehörige.


    „Nachruf auf den Mond“ ist auch ein Nachruf auf Simon und dessen Mondgesicht und die Geschichte darüber, wie Mathew versucht seinen Bruder Simon auch durch Erfüllung dessen Wünsche am Leben zu erhalten.


    4ratten

    Lesen ist meine Leidenschaft

  • Matthew Homes erzählt eine Geschichte und er will sie gut erzählen. Es geht hauptsächlich um ihn selbst, denn wenn man ein krankes Bein hat, dann bekommt dieses Bein die ganze Aufmerksamkeit und man vergisst das gesunde Bein. Matthews Psyche ist krank und so dreht alles sich um ihn selbst und weniger um seine Mitmenschen. An Simon, seinen verstorbenen Bruder denkt er allerdings sehr oft. Durch brennende Kerzen, den Mond, die Sonne oder Meeresrauschen hört er seinen Bruder und ist deswegen in Therapie. Während dieser Zeit darf er manchmal an den Computer und schreibt seine Geschichten auf. So erfährt der Leser nach und nach, was mit Simon passiert ist, wer die Geschichte erzählt und was Matthew inzwischen erlebt hat. Matthew hatte nicht nur unter dem Tod seines Bruders zu leiden, sondern auch unter seiner Mutter, die ihn überbehütete, nicht mehr zur Schule gehen ließ und immer wieder grundlos zum Arzt schleppte. Matthew schreibt regelmässig an diesen Erzählungen, manchmal hat er gute Tagen und seine Geschichten lesen sich positiv, an anderen Tagen sind sie eher wirr und schwer verständlich.


    "Nachruf auf den Mond" ist ein besonderes Buch, manchmal ein bisschen durcheinander, wie sein Hauptcharakter. Es liest sich nicht leicht, weil es stellenweise traurig, sogar deprimierend ist, dann wieder voller Hoffnung und Leichtigkeit. Ein eindrucksvolles Buch, welches ich weiterempfehlen kann.
    5ratten

  • Der 19jährige Matt ist wegen Schizophrenie in Behandlung und verbringt deshalb viel Zeit in psychiatrischen Einrichtungen. Als er eines Tages Zugang zu einem Computer erhält, ist das für ihn wie eine Offenbarung. Er nutzt das Gerät, so oft er nur kann, denn es tut ihm gut, seine Geschichte nach und nach aufzuschreiben.


    Dreh- und Angelpunkt ist Simon, sein älterer Bruder, der das Down-Syndrom hatte und schon als Kind ums Leben gekommen ist, bei einem Unfall, an dem sich Matt die Schuld gibt. Die Trauer um den Jungen hat die Familie nachhaltig geprägt und wurde nie so recht verarbeitet, weder von den Eltern noch von Matt selbst. Die Mutter rutscht in eine Depression ab, der Vater steht allem eher hilflos gegenüber, und Matt versinkt immer mehr in seiner eigenen Welt und beginnt, seinen Bruder überall zu hören und zu sehen.


    Der frühe Verlust eines Kindes ist nicht ohne Grund etwas, woran Familien oft zerbrechen. Gänzlich zerbrochen ist die Familie bei Matt zwar nicht, aber nach Simons Tod auch nie wieder das, was sie einmal war, jeder leidet und trauert auf seine Weise allein. Matt erzählt diese traurige Geschichte aus seinem Blickwinkel, berichtet vom Alltag in der psychiatrischen Klinik mit all seinen Absurditäten und von Erinnerungen an die Kindheit, damals, als Simon noch lebte, und vom Versuch, mit der Lücke zu leben, die Simon hinterlassen hat. Dazwischen eingestreut finden sich, in anderer Schriftart hervorgehoben, immer wieder die Aufzeichnungen, die Matt gerade am jeweiligen Punkt des Romans getippt hat. So setzt sich nach und nach ein Bild dessen zusammen, was tatsächlich mit Simon passiert und was mit Matt los ist.


    Nathan Filer gelingt es sehr gut, sich in Matt hineinzudenken, doch genau das machte das Buch für mich auch sehr anstrengend zu lesen, denn Matt ist nicht nur ein unzuverlässiger Erzähler, der einen immer wieder überlegen lässt, was nun real und was nur Matts Psyche entsprungen ist, sondern der Stil ist, seiner Gedankenwelt entsprechend, mäandernd und manchmal etwas wirr. Deshalb fiel es mir vor allem auf den ersten 100 Seiten die Orientierung ziemlich schwer und ich weiß nicht so recht, ob ich das nun genial finden soll, weil es Matts Geisteszustand so gut widerspiegelt, oder ob der Nervfaktor überwiegt. (Auch ein paar Tage nach der Lektüre denke ich gerade eher Letzteres.)


    Den selbstironischen Humor muss ich Matt bzw. Filer auf jeden Fall zugute halten, da sind einige sehr schöne Formulierungen drin, bei denen man trotz der ernsthaften Thematik einfach schmunzeln muss. Auch für eine gewisse Spannung ist gesorgt, weil sich erst ganz allmählich herauskristallisiert, wie es zu dem fatalen Unglück kommen konnte.


    Neben meinem Problem mit dem Stil waren mir aber manche Begebenheiten etwas zu gewollt auf schräg gebürstet, das war irgendwie auch nicht so meins. Deshalb kann ich mich den allgemeinen Lobeshymnen auf das Buch nicht so ganz anschließen und bleibe bei einer mittelprächtigen Bewertung.


    3ratten

    If you don't become the ocean, you'll be seasick every day.

    Leonard Cohen





  • Hut ab, Valentine, dass du trotz deiner Probleme mit dem Buch noch so ausführlich darüber schreiben kannst. Ich muss es kurz machen: Bei mir ist der Funke nicht übergesprungen. Es gelang mir nicht, mit Matt warmzuwerden, was weniger an seiner Person als am Stil der Erzählung lag. Die anfänglichen Rückblicke in die Kindheit waren noch einigermaßen rund, aber je mehr man sich an das aktuelle Leben von Matt annähert, desto kantiger wurde alles. Wobei das in gewisser Weise natürlich zum Hauptdarsteller passt.


    Nach ungefähr zwei Drittel des Buches habe ich aufgegeben und aus reiner Neugier noch das Ende gelesen, das mich aber auch nicht zufrieden gestellt hat.

  • Doris: na, dann bin ich ja wenigstens nicht die einzige, die nicht restlos begeistert war :breitgrins:


    Ich frage mich immer noch, ob es mir im Original womöglich zumindest ein bisschen besser gefallen hätte ...

    If you don't become the ocean, you'll be seasick every day.

    Leonard Cohen





  • Die Frage stellt sich bei mir nicht. Sollte das Original ähnlich sperrig geschrieben sein, dürfte mein Englisch auf keinen Fall dafür ausreichen. Angesichts der vielen kurz aufeinander folgenden positiven Bewertungen am Anfang dieses Thread hatte ich den Eindruck, dass das Buch in einer gemeinsamen Runde gelesen wurde, und das wiederum hätte bei mir vielleicht dafür gesorgt, dass ich Zugang zu Matts Geschichte bekomme. Zumindest ging mir das in Leserunden schon öfter so. Aber dafür ist es nun zu spät und nochmals werde ich das Buch sicher nicht in die Hand nehmen.

  • Als Leserundenbuch könnte ich es mir auch gut vorstellen, da gäbe es sicherlich einigen Diskussionsstoff. Aber ich würde es auch nicht noch mal lesen (da ist ja auch zum Teil der Witz weg, wenn man schon weiß, wohin die Reise geht).


    Die Frage mit dem Original kam mir, weil ich die Übersetzung teilweise auch nicht so doll fand. Aber einige der anderen Kritikpunkte hätte ich schätzungsweise trotzdem gehabt. Der wirre Aufbau hat ja nichts mit der Sprache zu tun.

    If you don't become the ocean, you'll be seasick every day.

    Leonard Cohen