Susanne Goga - Der dunkle Weg

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    Klappentext:


    Eine Reise nach Irland, die alles verändert


    Hamburg 1912: Ida will Künstlerin werden und nach ihren eigenen Vorstellungen leben. Doch familiäre Verpflichtungen halten die wohlhabende Kaufmannstochter zurück. Nach ihrem Studium begibt sie sich kurzerhand auf eine riskante Reise. Fort von ihren Pflichten, auf nach Irland. Dublin empfängt sie weltoffen, kreativ und gegensätzlich – genau die Abwechslung, die Ida gesucht hat. Bei einem Gang durch die Armenviertel der Stadt begegnet sie dem engagierten Arzt Cian. Doch die Welt steht vor einem Krieg, und schon bald muss Ida um ihr Leben und um ihre Liebe kämpfen.



    Zu diesem Buch gibt es ab dem 29.05. eine autorenbegleitete Leserunde. Es sind noch Freiexemplare zu vergeben. Anmeldeschluss dafür ist der 15.05. Wer mag noch mitlesen? :winken:

  • Zeitreise nach Irland am Vorabend des Ersten Weltkrieges


    Die Hamburger Kaufmannstochter Ida Martens macht sich 1912 auf den Weg nach Dublin, um ihre Freundin Grace zu besuchen. Die junge Malerin fühlt sich in der weltoffenen Stadt schnell wohl und beschließt, für längere Zeit in Dublin zu bleiben und zu arbeiten. Durch ihre Arbeit und ihre Freundschaft mit Grace kommt sie bald mit Menschen in Kontakt, die mit aller Macht die irische Revolution und Abspaltung von England vorantreiben wollen. Dabei lernt sie auch den Arzt Cian O'Connor kennen und verliebt sich in ihn. Als der Erste Weltkrieg ausbricht, ziehen dunkle Zeiten für Ida herauf.


    Mir war bisher dieses Kapitel der irischen Geschichte relativ unbekannt, aber mit diesem Roman hat Susanne Goga es geschafft, mein Interesse zu wecken und ich möchte noch mehr über die irischen Aufstände erfahren. Die Geschichte ist eine Mischung aus Liebesgeschichte und historischem Roman, die Mehrheit der im Roman agierenden Figuren haben reale Vorbilder.


    Die Geschichte wird nicht fortlaufend erzählt, vielmehr setzt die Autorin den Fokus auf bestimmte Szenen und Zeitpunkte, im nächsten Kapitel können dann schnell einige Wochen oder Monate vergangen sein. Dadurch wirkt die Erzählweise straff und kurzweilig.


    Die Beschreibung des Elends unter der Arbeiterbevölkerung im damaligen Irland ist mehr als beklemmend, die Unterdrückung durch die Engländer immens – man kann leicht nachvollziehen, woher der überwältigende Wunsch nach Irlands Unabhängigkeit kommt.


    Die Figuren sind der Autorin wieder sehr gut gelungen, allen voran Ida Martens, eine junge und mutige Frau, die manches Mal über ihren eigenen Mut selbst erschrickt. Unabhängigkeit und Freiheit in ihren Entscheidungen ist ihr sehr wichtig – und damit hat sie einiges mit ihrer neuen Wahlheimat gemeinsam. Sie reagiert oftmals spontan, ist dabei aber nicht realitätsfremd, und für ihre große Liebe ist sie bereit zu kämpfen.


    Der irische Arzt Cian O'Connor ist ein eher sperriger Zeitgenosse, er nimmt kein Blatt vor den Mund und weiß seine Prioritäten zu setzen, zu denen er dann auch voll und ganz steht. Sein Freundeskreis ist zwar überschaubar, aber dafür ist auf ihn immer Verlaß. Mit Herzblut versucht er, das Elend der armen Bevölkerung Dublins durch unentgeltliche medizinische Hilfe etwas zu lindern.


    Der Freundes- und Bekanntenkreis von Ida und Cian stammt aus der besseren Bevölkerungsschicht, aber sie haben sich neben der Unabhängigkeit Irlands die Verbesserung der Lebensgrundlage der Arbeiter auf die Fahnen geschrieben. Oftmals kommt es dabei zu Konflikten mit der Elterngeneration, die keine Notwendigkeit sieht, an dem Status Quo etwas zu ändern. Als Leser konnte ich zwar die Begeisterung für den Unabhängigkeitskampf nachvollziehen, dennoch bleiben aber Zweifel, wie weit man dafür gehen darf oder muß. Eine sehr schwierige Frage, vor allem, wenn man sie als Außenstehender aus der geschichtlichen Distanz betrachtet.


    Das Ende des Buches, welches historisch verbürgt ist, hat mir einige Tränen in die Augen getrieben. Mich haben die Ereignisse des Romans über sein Ende hinaus noch eine Zeit lang beschäftigt.


    4ratten + :marypipeshalbeprivatmaus:


    :tipp:

    Liebe Grüße

    Karin

  • Hier auch meine Meinung:


    Inhalt
    Die junge Hamburgerin Ida verlässt 1912 ihre Heimat, um eine Freundin in Irland zu besuchen. Schnell hat sie die Stadt Dublin und die Menschen, die sie dort kennenlernt, in ihr Herz geschlossen und beschließt, gegen den Willen ihrer Eltern, zu bleiben. Sie sucht sich eine Wohnung und eine Arbeit und beginnt zu malen. Denn Ida ist Künstlerin und fängt mit schnellen Strichen die Persönlichkeit von Menschen und Situationen ein. Schon bald findet sie sich in den Elendsvierteln wieder, um die Menschen zu malen und damit auf deren Leben aufmerksam zu machen.


    Dort trifft sie auch auf den abweisend und unfreundlich wirkenden Arzt Cian, der sich mit ganzem Herzen der medizinischen Versorgung der notleidenden Bevölkerung verschrieben hat. Trotz seiner schroffen Art fühlt Ida sich schnell zu ihm hingezogen. Gleichzeitig mobilisiert sich der Widerstand der Freiheitskämpfer, die im Geheimen Pläne gegen die englischen Fesseln schmieden. Idas Liebe zu Land und Leuten wird immer fester, das Leben aber auch immer gefährlicher, denn neben den Revolutionen stürzt auch noch der Erste Weltkrieg über sie alle ein und plötzlich gehört Ida zum Feind. Sie muss sich entscheiden, wohin sie gehört...


    Meine Meinung
    Sehr gut gefällt mir, wie historische Personen der irischen Freiheitskämpfe und historische Ereignisse, wie z. B. die Waffenlieferungen, der Osteraufstand oder auch der Einbruch des 1. Weltkrieges geschickt in die Geschichte eingewebt wurden. Auch wenn Ida und Cian erfunden sind, so hatte ich beim Lesen das Gefühl, sie hätten auch wirklich damals gelebt haben können, so lebensecht agierten sie mit den historischen Personen, die hier von der Autorin zum Leben erweckt wurden.


    Überhaupt wirkte die Atmosphäre der Zeit sehr authentisch auf mich. Nicht nur durch die schlimmen Bilder der Elendsviertel , die beschriebene Nöte der Arbeiter, die feinen Gesellschaften der reichen Familien und die gefährlichen Kämpfe der Rebellen, sondern auch durch die Gespräche und Gefühle der Protagonisten. Die Zeit und die Personen wirkten lebendig auf mich.


    Und das erreichte die Autorin bei mir trotz oder gerade durch ihren ruhigen Stil. Die Figuren bekommen genug Zeit, sich vorzustellen. So erlebte man sehr gut mit, wie sich Ida in Dublin einlebte, dort neue Freundschaften schloss und zu sich selbst fand. Auch die Liebesbeziehung zwischen ihr und dem Arzt Cian wuchs langsam, aber damit um so realistischer, denn Ida war fremd im Land und musste erst einmal auf eigenen Füßen stehen und dabei die ablehnende Haltung ihrer Eltern verarbeiten, auch wenn sie ihre Liebe zu Irland schnell gefunden hatte. Und Cian trug ein belastendes Päckchen aus der Vergangenheit mit sich herum, das einer vertrauensvollen Verbindung erst einmal im Wege stand. Dazu noch Idas Angst um ihre neu gewonnen Freunde, die sich dem Widerstand verschrieben haben.


    Doch auch wenn die Autorin die Geschichte ruhig fließen lässt, so ist sie alles andere als langweilig. Im Gegenteil: ich konnte dadurch eine sehr gute Nähe zu den Figuren aufbauen und daher ganz besonders gut mit ihren Erlebnissen und ihrem Zusteuern auf Krieg und Rebellion mitfiebern.


    Ein sehr geschickter Beginn ist dabei der etwas beängstigende Prolog, den man beim Lesen die ganze Zeit im Hinterkopf behält und einen Hoffen und Bangen lässt und der sich gegen Ende dann wieder in die Geschichte einfügt. Das hält die Spannung gut oben.


    Durch die historischen Figuren und Begebenheiten sind natürlich einige Schicksale vorgegeben, wenn man die Personen kennt. Aber ich kannte sie nicht und bin entsprechend ahnungslos auf das Ende zugesteuert, auch wenn ich schlimme Befürchtungen hatte. Der Freiheitskrieg der Iren, der mit dem Osteraufstand einen dramatischen Höhepunkt erreichte, war nun mal blutig.


    Es war sehr interessant für mich, durch diesen Roman etwas über den Beginn der irischen Freiheitskämpfe zu lesen und die Menschen dahinter ein bisschen kennenzulernen und ihre Motivationen, Probleme und Konflikte zu erleben. Eingebettet in diesem Rahmen war das Schicksal von Ida und Cian für mich sehr spannend und emotional zu lesen.


    5ratten

  • Hamburg - Dublin, 1912. Die junge Ida Martens macht sich auf den Weg nach Irland, um in Dublin ihre Freundin Grace Gifford zu besuchen. Die Eltern können diesem Wunsch nichts abgewinnen, sie sähen die Tochter viel lieber unter einer guten Haube. Ob sie ahnen, dass diese Reise das Leben Idas komplett auf den Kopf stellen wird?
    Die Kaufmannstochter, der es an nichts mangelte, außer vielleicht an Verständnis und elterlicher Liebe, fühlt sich in Dublin auf Anhieb wohl: die - im Vergleich zu Hamburg deutlich kleinere - Stadt zeigt sich freundlich und offen. Aus dem angedachten Besuch wird mehr und Ida sucht sich ein eigenes Zimmer. Bei der Wirtin Mrs Fitzgerald und in ihren vier Wänden fühlt sie sich nicht nur sehr wohl, sondern kann auch gut malen, da sie die nötige Helligkeit hat. Schon bald lernt Ida Menschen kennen, geht ihrer Leidenschaft, dem Malen, nach und sucht sich eine Arbeitsstelle, um ihr Zimmer finanzieren zu können.
    Doch sie lernt auch die Schattenseiten Dublins kennen: Straßen, in denen das Elend herrscht und die Bewohner ums blanke Überleben kämpfen. Bei einem Streifzug durch die Henrietta Street lernt sie Cian O'Connor kennen, einen jungen Arzt, der sich sehr in den Armenvierteln engagiert. Seine schroffe Art täuscht nicht darüber hinweg, dass er sein Herz am rechten Fleck hat und Missstände gerne beim Namen nennt. Aber Ida lernt auch noch andere Menschen kennen, die politische Ziele verfolgen, die durchaus auch Probleme mit der Obrigkeit mit sich bringen können... Der sehr sympathische Séan Mac Diarmada, der Ida schon bald darüber aufklärt, dass er für die Abspaltung vom Vereinigten Königreich ist, da die Briten die irische Bevölkerung schon viel zu lange knechten und somit eine wesentliche Schuld an den katastrophalen Bedingungen in den Elendsvierteln und am Hunger der Iren haben.
    Ida ist eine mutige Frau, die nicht einfach wegschauen kann, sondern stattdessen mitfühlt und bereit ist einen Beitrag zu leisten, dass es diesen Menschen, die ihr so lieb geworden sind, zu helfen. Sie zeichnet Szenen und Menschen aus den Brennpunkten und diese werden in einem kleinen Büchlein veröffentlicht. Die Zeichnungen kommen auf diesem Weg in die USA, wo sie die vielen irischen Emigranten an das Elend in der alten Heimat erinnern und für finanzielle Unterstützung werben soll. Und es funktioniert: das Buch ist nicht nur künstlerisch beeindruckend, sondern beschert auch einiges an Geld...
    Ida hat inzwischen einen festen Freundeskreis, der zwar durchweg nicht aus den armen Schichten stammt, sich aber für die Verbesserung der Lebenssituationen einsetzt. Einige lindern die Not, wo sie nur können, doch Ida merkt bald, dass etliche auch der Meinung sind, dass das Übel bei der Wurzel gepackt werden muss und die Briten aus Irland verjagt werden müssen - nur dann können sich die Iren vom Joch aus Hunger und Armut befreien. Dass das nicht einfach wird, ist auch Ida klar, doch sie ist erstaunt, dass einige ihrer Freunde auch weiter gehen würden und auch Gewalt nicht ausgeschlossen ist. Je länger sie in Dublin bleibt, je mehr sie kennenlernt und je enger die Freundschaften und ihre Beziehung wird, desto mehr begreift sie die Idee eine Unabhängigkeit. Ist das nicht auch ein Stück ihrer eigenen Geschichte? Hat sie nicht auch das Heft in die Hand genommen und ist inzwischen eine unabhängige Frau, die ihr Leben und ihr Glück in die eigene Hand genommen hat?
    Doch während die Verfechter eines eigenständigen Irlands ihre Pläne schmieden und Ida ihnen nahe ist, zieht ein anderes Gewitter über Europa auf: als in Sarajevo der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand mitsamt Ehefrau erschossen wird, ist der große Krieg nicht mehr aufzuhalten. Ein Weltgeschehen, das auch an Ida nicht spurlos vorbeigeht...


    Was für ein großartiges Buch! Die Autorin Susanne Goga hat eine packende, berührende Geschichte aus dem Herzen Europas geschrieben. Aus heutiger Sicht ist es kaum vorstellbar, wie die Iren noch vor 100 Jahren gelitten haben - eine Tatsache, die bis heute Konsequenzen auf das Verhältnis zwischen Irland und dem Vereinigten Königreich hat. Susanne Goga berichten vom Wunsch nach Unabhängigkeit - vom jahrelangen Kampf der Iren um Freiheit und eine Republik. Besonders bemerkenswert ist dabei, dass sie dafür auf eine Vielzahl an realen Persönlichkeiten zurückgreift, die sie allesamt mit einer tollen Tiefe ausstattet, so dass sie nicht nur authentisch, sondern auch ungemein sympathisch daherkommen. Wer sich mit der irischen Geschichte auskennt, der wird natürlich ahnen, wie das historische Geschehen seinen Lauf nimmt - aber dadurch wird der Lesegenuss keineswegs geschmälert. Denn man kann mit den Charakteren mitgehen, ihre Beweggründe erfahren, ihre Entscheidungen überdenken und hinterfragen. Wer wenig oder keinerlei Kenntnisse der Geschichte Irlands hat, der kann abtauchen und neben einer sehr interessanten Handlung auch einige Fakten lernen. Im besten Fall macht das neugierig - ich habe mich einige Male ertappt, wie ich recherchiert habe und mich über alte Bekannte und allerlei Wissenswertes gefreut habe.


    Mein Liebling war neben Ida vor allem Séan, aber auch Joe (Seosamh Máire Pluincéid), Tom (Tomás Mac Donnchadha), die Countess Constance Markievicz und Cian mochte ich wirklich gerne. Mit all diesen Figuren habe ich mitgefühlt und mitgelitten - ja, zum Ende sogar Tränen vergossen. Wie gut, dass wir im Jahr 2015 leben und wissen, welches Ende es mit Irlands Freiheit nahm.


    "Der dunkle Weg" hat mich gefesselt und mitfühlen lassen - über einen solch dichten, historisch perfekt recherchierten Roman, der einen so intellent unterhält, kann ich mich einfach nur freuen. Für mich definitiv ein echtes Highlight!


    Fazit: Unbedingt lesen! Und wenn das Buch gerade nicht zur Hand ist: Fields of Athenry hören... :herz:


    5ratten und ein :tipp:

    Liebe Grüße

    Tabea

  • Dublin – zwischen 1912 und 1916


    Ida Martens, Kaufmannstocher aus Hamburg, besucht ihre Freundin Grace Gifford in deren Heimat Dublin. Verzaubert von Land und Leuten beschließt Ida, sich ein Zimmer zu nehmen, eine Arbeit zu suchen und eine Zeit lang in Irland zu bleiben. Durch ihr offenes Auftreten findet sie schnell Zugang zu einem neuen Freundeskreis und eine Arbeit die ihr Spass macht.


    Viele ihrer neuen Freunde gehören der Irischen Freiheitsbewegung an, die sich für die Unabhängigkeit Irlands von Großbritannien einsetzen. Ida unterstützt die Freiheitskämpfer indem sie Zeichnungen von den Missständen anfertigt. So lernt sie den Arzt Cian O’Connor kennen – und lieben.


    Während in Irland die Freiheitskämpfer auf den Osteraufstand hinarbeiten bricht in Europa der 1. Weltkrieg aus. Für die deutsche Ida keine einfache Zeit.


    Der Roman „Der dunkle Weg“ von Susanne Goga beruht auf wahren Begebenheiten. Viele der Protagonisten die in Verbindung mit dem Osteraufstand von 1916 stehen, tragen ihren echten Namen, denn sie haben reale Vorbilder. Die Geschichte von Ida Martens und Cian O’Connor ist fiktiv – aber es könnte sich genau so zugetragen haben.


    Ida ist eine junge sympathische Frau, die genau weiß was sie will. 1912 haben Frauen noch nicht unbedingt das getan was sie tun wollten, eher haben sie von ihren Eltern gesagt bekommen, was sie zu tun haben. Nicht so Ida, die sich gegen den Willen ihrer Eltern in Dublin eine Arbeit und eine Unterkunft sucht. Auch war es nicht üblich, dass junge Frauen einfach auf der Straße wildfremde Männer ansprechen. Aber genau diese Vorgehensweise macht Eindruck auf den jungen Mann und als er sieht wie gut Ida zeichnen kann, empfiehlt er sie weiter an Cian O’Connor.


    Cian O’Connor ist Arzt. Er behandelt die „Reichen und Schönen“ und mit dem dort eingenommenen Geld behandelt er an mehreren Tagen in der Woche die Menschen in den Armenvierteln von Dublin unentgeltlich. Für eine Broschüre sucht er einen Maler und als ihm Ida empfohlen wird, verknüpfen sich die Lebenswege von Ida und Cian. Anfangs lässt Ida sich von Cians Art einschüchtern, aber bald schon hat er ihr Herz gewonnen.


    Ich mag Bücher aus deren Informationen man als Leser noch etwas lernen bzw. sein Wissen auffrischen kann. So habe ich mich vorher nie mit dem Osteraufstand bzw. dem Kampf der Iren für die Unabhängigkeit von Großbritannien beschäftigt. Schon während ich das Buch gelesen habe, hab ich diesbezüglich einige Wissenslücken geschlossen. Das Thema ist sehr interessant, da der missglückte Osteraufstand trotzdem die Wende für Irland und somit die Unabhängigkeit von Großbritannien gebracht hat.


    Susanne Goga versteht es hervorragend die Gefühle zwischen Leser und den Protagonisten zu transportieren. Die Hintergründe sind sehr gut recherchiert und Ida und Cian passgenau in die historischen Gegebenheiten, die sich damals zugetragen haben, hineingewoben.


    Die Figuren wachsen an ihren Aufgaben und für den einen oder anderen führt der Weg in den Tod. Rebellion ohne Blutvergießen ist nicht möglich. Und Menschen, die ihr Leben für ihre Ziele lassen müssen (wollen!), wird es immer wieder geben.


    Das Ende des Buches hinterlässt eine gewisse Traurigkeit die noch etwas nachklingen wird.

    Viele Grüße Babsi

  • Der Preis der Freiheit


    Als ich mich mit der jungen Deutschen Ida auf die Reise nach Irland begeben habe, wusste ich nicht, was Ida dort erwarten wird. Susanne Goga hat es mit wunderbaren Beschreibungen geschafft, mir die grüne Insel und die Hauptstadt Dublin schnell nah zu bringen. Durch Idas Augen erkunde ich die Stadt und lerne wunderbare und interessante Menschen kennen. Ich habe mich sofort wohl gefühlt, obwohl Susanne Goga auch die Elendsviertel nicht ausgelassen hat. Erinnerungen an „Die Asche meiner Mutter“ von Frank McCourt kamen hoch. Aber Susanne Goga hat für mich eine viel schönere Art auch hässliche und unangenehme Dinge zu beschreiben. Ich konnte mich regelrecht hineinfallen lassen in diese Geschichte. Anfangs war ich auf Erkundungstour und erfahre so einiges über die Konflikte und deren Hintergründe. Der Wunsch nach Freiheit ist für mich verständlicher denn je.


    Viele historische Persönlichkeiten kreuzen Idas Weg und bei einigen historischen Ereignissen bin ich hautnah dabei. Und auch das schildert Susanne Goga ruhig aber gleichzeitig sehr eindringlich. Sie spielt nicht mit mir, sie führt mich behutsam tiefer in die Geschichte von Ida, die immer enger mit Irland verbunden ist. Familiäre Konflikte, die anfangs etwas schwierige Liebe zwischen Ida und Cian und Idas künstlerische Begabung nehmen genau so viel Raum ein wie die historisch belegten Ereignisse. Dadurch bleibt die Geschichte lebendig.


    Susanne Goga hat ihr Buch in drei Teile gegliedert. Die Ankunft und das behutsame Kennenlernen. Die Ausläufer des ersten Weltkrieges, die auch Irland erreichen. Und dann der unausweichliche Aufstand der Iren. Obwohl Susanne Goga sehr ruhig erzählt, knistert die Spannung zwischen den Zeilen. Wer sich ein bisschen mit der Geschichte Irlands auskennt, weiß, welche Ereignisse bevorstehen. Und bis dahin habe ich einige der Betroffenen so gut kennen gelernt, dass mir die Tragik sehr unter die Haut geht.


    Auf dem Umschlag wird dieses Buch als mitreißende Liebesgeschichte beworben, aber für mich ist es viel mehr. Denn die Liebesgeschichte ist nur das Gerüst, um das sich die spannenden Geschehnisse winden. Besonders der letzte Abschnitt ist sehr traurig, aber am Ende bleibt ein Gefühl der Hoffnung.

    Fazit: Susanne Goga beschreibt wunderbar einfühlsam die dramatischen Ereignisse in Irland vor und während des ersten Weltkrieges.


    5ratten

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    Susanne Goga: Der dunkle Weg, München 2015, Diana Verlag, ISBN 978-3-453-35799-0, Softcover, 447 Seiten mit farbigem Stadtplan und s/w Fotos im Anhang, Format: 11,8 x 3,5 x 18,8 cm, Buch: EUR 9,99, Kindle Edition: EUR 8,99.


    „Sie hatte ihre Hilfe angeboten und damit eine Grenze überschritten, hatte sich endgültig für eine Seite entscheiden. Nicht die Seite ihrer Heimat, aber auch nicht die Seite Großbritanniens. Eigentlich durfte sie sich nicht angreifbar machen (...). Doch tief in ihr flackerte ein Funke Trotz, eine leise Stimme, die sie daran erinnerte, wie viele ihrer Freunde von einem anderen Irland träumten, einem Irland, das für sich selbst stand, einer Republik, die die Last der Armut abwerfen konnte, die das Land wie ein schwarzes Tuch bedeckte.“ (Seite 306)


    Hamburg, 1912: Wenn sie als Malerin und Illustratorin ernst genommen werden will, muss Ida ihre Heimatstadt verlassen. Das ist ihr klar, seit sie von ihrem Kunststudium aus London zurückgekehrt ist. Hier in Hamburg wird man sie immer nur als die Tochter von Kaufmann Martens aus Rotherbaum sehen. Der Prophet gilt bekanntlich nichts im eigenen Land.


    Weil ihren Eltern ihre Pläne nicht zu vermitteln sind, nutzt sie einen Besuch bei ihrer irischen Kommilitonin Grace Gifford, um Ihren Traum wahrzumachen. Statt wieder heimzufahren, sucht sie sich in Inchicore/Dublin eine Wohnung, nimmt einen Teilzeitjob als Verkäuferin an und versucht, vom Verkauf ihrer Porträts, von Bühnenbildern und ihren Zeichnungen der einfachen Leute zu leben.


    Die Deutsche und die rebellischen Iren
    Das klappt besser als sie zu hoffen wagte. Dublin scheint ein Dorf zu sein. An jeder Ecke stolpert sie über einen Verwandten ihrer Freundin, der Karikaturistin Grace Gifford
    oder über einen von deren unzähligen Freunden und Bekannten. Unversehens gerät Ida Martens in eine Szene, mit der sie als behütete hanseatische Kaufmannstochter noch nie zuvor in Berührung gekommen ist. Ihr neuer Bekanntenkreis ist kulturell, sozial und politisch ungeheuer engagiert.


    Grace Giffords Schwester Sidney arbeitet als Journalistin, ist für die sozialistische Partei aktiv, fürs Frauenwahlrecht und für die irische Republik. Auch von den übrigen Gifford-Geschwistern sind welche in der Partei. Muriel Gifford ist mit Professor Thomas MacDonagh verheiratet, der gälisch unterrichtet und patriotische Theaterstücke schreibt. Zu dem großen Freundeskreis der Giffords gehören die Gräfin Constance Markievicz, die den United Arts Club gegründet hat und kleinen Jungs das Schießen beibringt, der Verleger James Larkin, Thomas Clarke, dessen Tabakladen als eine Art Poststelle für politische Organisationen fungiert, Sean Mac Diarmada, der Geschäftsführer der radikalen Zeitung „Irish Freedom“, sowie Joesph „Joe“ Plunkett, der Herausgeber der Zeitung „Irish Review“, dessen Haus ein Treffpunkt für Künstler und Politiker ist.


    Was als soziales Engagement begonnen hat, wird bald zur Gründung einer Freiwilligenarmee, der Irish Volunteers, aus dem Traum von einem freien, unabhängigen Irland werden konkrete Pläne für eine Revolution. Vor allem Joe Plunkett treibt die Sache mit kompromissloser und fieberhafter Eile voran. Aus Gründen.


    Der ruppige Doktor O’Connor ist gar kein Unmensch
    Auch der grantige, verschlossene und aufbrausende Dr. Cian O’Connor, der sich neben seinen reichen Patienten auch noch aufopferungsvoll um die Menschen in den Elendsvierteln kümmert, gehört zu diesem Freundeskreis. Mit Freiheitskampf hat er allerdings nicht viel am Hut. „Ich bin Arzt (…), kein Politiker“, sagt er. „Ich bekämpfe Krankheit und Armut, die Politik überlasse ich anderen.“ (Seite 148) Schnell wird aus Cian und Ida ein Paar.


    Dr. Cian O’Connor hat schon ein bisschen was vom großen, gut aussehenden Fremden mit dem tragischen Geheimnis, den man aus Liebesromanen kennt. Aber Ida Martens ist eine moderne junge Frau und keine ehrerbietige Jane Eyre. Wie? Der Kerl will nicht über seine Familie reden? Ehe sie es überhaupt in Erwägung zieht, ihn zu heiraten, will sie genau wissen, was er vor ihr verbirgt. Sie wartet nicht, bis es ihm geboten erscheint, sich ihr anzuvertrauen, sondern zieht los und forscht selbst nach. Da ist der gute Doktor erst einmal sprachlos, aber zum Glück klug genug, um zu erkennen, was er an dieser Frau hat.


    Dublin, 1914: Zwei Jahre hat Ida ihre Familie in Deutschland schon nicht mehr gesehen. Die sind zwar allesamt stinksauer, weil sie in Irland geblieben ist, Ida hätte sie aber trotzdem gerne wiedergesehen und ihnen ihren Liebsten vorgestellt.


    Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs ist Ida der Feind
    Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs macht eine Reise nach Hamburg allerdings unmöglich. Und plötzlich gilt Ida in Dublin als „der Feind“. Sie verliert ihren Job als Verkäuferin, weil sie aus Deutschland stammt. Aus Trotz sichert sie der „Organisation“ radikaler Freiheitskämpfer ihre Unterstützung zu. Auch wenn sie im Wesentlichen nur Schreibarbeiten für die Rebellen macht, ist ihr klar, dass sie hier an Hochverrat mitwirkt.


    Der Osteraufstand 1916: „Hier planten Menschen eine Revolution, die sonst an einem Schreibtisch oder im Sessel am Kamin gesessen hätten. Dichter, Lehrer, Schriftsteller, kleine Ladenbesitzer – keiner von ihnen ein geborener Soldat. (...) Ida spürte das Feuer, das diese Männer antrieb, und konnte sich der Erregung nicht entziehen. (Seite 375)


    An Ostern 1916 soll es so weit sein: Die Organisation hat den bewaffenten Aufstand gegen die Engländer geplant. Als es mit Waffenlieferung Probleme gibt, versucht Eoin MacNeill, der Stabschef der Irish Volunteers, die Sache abzublasen, doch der totkranke Joseph Plunkett will und kann nicht länger warten. Trotz mangelnder Ausrüstung und fehlendem Rückhalt stürmen die Rebellen los. Der Aufstand gerät zum Fiasko. Und obwohl Dr. Cian O’Connor und Ida in der Hauptsache aus ehrenwerten Motiven wie Freundschaft, Loyalität, Mitgefühl und Hilfsbereitschaft gehandelt haben, sind sie jetzt ganz tief drin im gefährlichen Schlamassel …


    Faszinierend – selbst für Geschichtsmuffel
    Im Grunde bin ich ja ein Geschichtsmuffel. Was Kaisers und Königs vor Jahrhunderten getan haben, vermochte mich schon zu Schulzeiten nicht zu fesseln. Wenn man mir ein historisches Ereignis allerdings „personalisiert“ darbietet und mit die Zusammenhänge anhand einzelner Schicksale erklärt, bin ich auf einmal höchst konzentriert bei der Sache. Ich kapiere, was da gespielt wurde, und es bleibt auch tatsächlich was hängen. So läuft das auch bei Susanne Gogas DER DUNKLE WEG.


    Von den Hauptpersonen sind nur Ida Martens und Cian O’Connor fiktionale Figuren, die anderen sind authentisch, genau wie die politischen Ereignisse. Vor rund 30 Jahren hat Susanne Goga erstmals ein einem Buch über Joe Plunkett und Grace Gifford gelesen. „Schon damals war ich überzeugt, dass diese Liebesgeschichte einen Roman verdient“, schreibt sie im Nachwort zu diesem Buch (Seite 438). Ja, das kann ich gut verstehen.


    Rund um die irische Freiheitsbewegung tummeln sich eine ganze Reihe faszinierender Persönlichkeiten, die es verdient haben, dass man sich mit ihrer Lebensgeschichte beschäftigt. Ich bin dankbar dafür, ein paar davon im Rahmen eines Liebesromans kennen gelernt zu haben. Es wird sicher nicht das letzte sein, was ich zu diesem Thema gelesen habe.


    Wenn Unterhaltungsliteratur nicht nur Spannung und Emotionen erzeugt, sondern auch noch auf interessante Weise Wissen vermittelt und beim Leser den Wunsch weckt, sich eingehender mit einem Thema zu befassen, ist das eine ganze Menge. Und eine feine Sache.


    Die Autorin
    Susanne Goga, 1967 geboren, ist eine renommierte Literaturübersetzerin und Autorin. Im Diana Verlag erschienen bereits drei Romane, darunter »Die Sprache der Schatten«, für den sie 2012 mit dem DeLiA-Literaturpreis ausgezeichnet wurde, und der Spiegel-Bestseller »Der verbotene Fluss«. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in Mönchengladbach.