Frida Mey: Mord ahoi! Ein Kreuzfahrt-Krimi

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

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    Frida Mey: Mord ahoi! Ein Kreuzfahrt-Krimi, Berlin 2015, Aufbau Verlag, 978-3 7466 3054 0, Softcover, 301 Seiten, Format: 11,6 x 2,7 x 19 cm, Buch: EUR 8,99, Kindle Edition: EUR 6,99.


    „Ich bin gespannt, welche Leichen wir im Keller dieses Luxusliners finden. Hoffentlich keine verwesten Ratten.“ Sie schüttelte sich. „Wobei das in den besten Häusern vorkommt.“ (Seite 258)


    MORD AHOI ist der dritte Band mit der Heldin Elfriede „Elfie“ Ruhland. Elfie, 62, ist selbstständige Office-Managerin und bringt die Unterlagen der auftraggebenden Unternehmen in Ordnung. Eine freundliche, biedere, etwas altjüngferlich wirkende Bürokraft, die kurz vor der Rente steht und manchmal ein bisschen schräg drauf ist. Kann man so sehen … In der Tat hat Elfie nie geheiratet. Sie besucht immer noch treu und brav das Grab ihres vor 30 Jahren verstorbenen Verlobten Ludwig, erzählt ihm von ihren Freuden und Sorgen und interpretiert seine Antworten in das Flackern des Grablichts hinein.


    Was außer ihr niemand weiß: Zu den Fehlern, die Elfie bei ihrer Arbeit gnadenlos ausmerzt, gehören nicht nur organisatorische Unzulänglichkeiten und Falschbuchungen, sondern auch fiese Vorgesetzte. Wer seine Mitarbeiter schikaniert, tut weder der Firma noch der Menschheit einen Gefallen und muss weg. Ein kleiner Treppensturz oder der Abflug über einen schlecht gesicherten Balkon, und schon ist das Problem erledigt. „Projekte“ nennt Elfie diese sorgsam arrangierten Unfälle.


    Die junge Kriminalkommissarin Alexandra „Alexa“ von Lichtenstein, eine von Elfies Bekannten, hegt mittlerweile einen gewissen Verdacht. Es ist ja schon seltsam, dass es in Elfies beruflichem Umfeld immer wieder zu plötzlichen Todesfällen kommt. Elfie hat fest vor, mit den Projekten aufzuhören. Nicht, dass Alexa ihr noch auf die Schliche kommt. Die junge Polizistin versteht ihr Handwerk, und man soll sein Glück ja nicht überstrapazieren.


    Als Elfie von Reeder Cord Claaßen III den Auftrag bekommt, wegen finanzieller Ungereimtheiten die Bücher und Arbeitsabläufe auf seinem Kreuzfahrtschiff Aphrodite zu überprüfen, will sie zunächst ihren langjährigen Bekannten Paul-Friedrich als Reisegefährten mitnehmen. Doch als dieser sich vehement weigert, auch wenn die Kreuzfahrt kostenlos ist, lädt sie kurzerhand Alexa als Begleitperson ein. Deren geplanter Skiurlaub ist geplatzt, weil ihrem Freund Hubert wieder mal eine superwichtige Geschäftsreise dazwischengekommen ist. Sogar Mops Amadeus, den Alexa derzeit in Pflege hat, darf mit aufs Schiff.


    Wo an Bord des Luxusliners die Einnahmen versickern, findet Elfie schnell heraus. Dass Kreuzfahrtdirektor Max A. Kaiser ein projektverdächtiger Armleuchter ist, der seine Untergebenen mobbt, merkt sie auch bald. Aber mit dem Verschwinden des schmierigen Croupiers Leo Spielberg hat sie wirklich nichts zu tun! Sie hilft sogar Kommissarin Alex bei den Ermittlungen. Ihr energischer Versuch, Mops Amadeus als Spürhund einzusetzen, scheitert allerdings grandios an dessen phlegmatischer Natur. Eine herrliche Szene!


    Croupier Spielberg kann nicht unbemerkt von Bord gegangen sein. Wer hat ihm etwas angetan? Kreuzfahrtdirektor Kaiser? Die beiden können einander nicht ausstehen. Jemand, der in die finanziellen Mauscheleien an Bord verwickelt ist? Eine eifersüchtige Frau? Wer ist der alte Bekannte, den Leo laut Auskunft des Fotografen Sigi Schurike überraschend an Bord wiedergetroffen hat? Was verbirgt Thomas Winkler, der nicht standesgemäße Freund der Bankierstochter Patrizia Herrndorf? Auch die lebenslustige Gloria Vandertrost weiß sicher mehr über Leo Spielberg als sie erzählt. Außerdem steht da noch die Frage im Raum, welchem Offizier der goldene Uniformknopf gehört, den Stewart Liberato an unerwarteter Stelle gefunden hat. Und ob der Mitpassagier Konrad Odenfels tatsächlich der Gentleman ist, als der er auftritt.


    Alexa und Elfie ermitteln im Auftrag des Kapitäns. Kurz vor Lissabon machen sie eine schockierende Entdeckung. Doch die Sache kann sich unmöglich so abgespielt haben, wie sie sich darstellt. Da stimmt etwas nicht …


    Man rätselt die ganze Zeit mit Elfie und Alexa mit. Was wirklich mit dem Croupier geschehen ist und wie die verschiedenen Handlungsstränge zusammenhängen, liegt nicht von vornherein auf der Hand. Wir Leser wissen nicht mehr als die beiden ermittelnden Frauen. Erst nachdem sie alle relevanten Informationen zusammengetragen haben, können auch wir unsere verblüffenden Schlüsse ziehen. Und Elfie überrascht uns alle.


    Als „Miss Marple mit Dexter-Ambitionen“ hat Amazon-Rezensentin „Mondscheinleser“ die Romanheldin Elfriede Ruhland bezeichnet. Das trifft die Sache sehr gut. Eigentlich dürfte man Elfie ja gar nicht mögen. Man müsste ihre Taten aufs Schärfste verurteilen. Aber sie ist ja so reizend und man kann sie so gut verstehen!


    MORD AHOI ist der dritte Band mit der mordenden Office-Managerin. Ich bin bei Band 2, RADIESCHEN VON UNTEN, eingestiegen und habe damals relativ lange gebraucht, um die vielen Andeutungen zu verstehen und zu durchschauen, dass Elfie nicht nur Akten in Ordnung bringen will sondern auch die Welt. Im vorliegenden Band spricht die die Autorin von vornherein deutlich an, was Elfie macht. Das erleichtert die Sache enorm. Man muss keine Anspielungen deuten, sondern kann sich auch als Serienneuling voll auf den Vermisstenfall bzw. auf Elfies „Projekte“ konzentrieren und das schwarzhumorige Vergnügen rundum genießen.


    Der Name der Heldin ist gut gewählt: Elfriede Ruhland. Sehr passend für eine Dame ihrer Profession. Ob es noch andere Leser gibt, die beim Namen der fiktiven Bankiersfamilie Herrndorf an Alfred Herrhausen denken müssen und bei der mondänen Gloria Vandertrost an Gloria Vanderbilt? Die bei dem Namen Spielberg nicht den schönen Leo vor Augen haben sondern den leicht zotteligen Regisseur Steven? Okay – irgendwie müssen die Leute ja heißen, und für die Assoziationen des Publikums sind Autoren nur bedingt verantwortlich.


    Dass sich gegenüber den beiden Vorgängerbänden etwas an der Autorenschaft geändert hat, das wäre mir jetzt nicht aufgefallen. MORD AHOI empfand ich als geradliniger und unterhaltsamer als RADIESCHEN VON UNTEN. Ob das am ansprechenderen Ambiente liegt, daran, dass ich die Romanfiguren nun schon kannte oder daran, dass kein Zweierteam mehr an dem Roman gearbeitet hat sondern eine einzelne Autorin, Friedlind Lipsky, fällt in den Bereich der Spekulation.


    Die Autorin
    Frida Mey ist ein Pseudonym. Zunächst stand es für Friedlind Lipsky (Frida) und Ingeborg Struckmeyer (Mey), inzwischen nur noch für Friedlind Lipsky. Die ersten beiden Bände um Elfie Ruhland und Mops Amadeus haben Friedlind Lipsky und Ingeborg Struckmeyer gemeinsam verfasst. Anschließend haben sich ihre Wege getrennt. Der dritte Band "Mord ahoi!" stammt aus der Feder von Friedlind Lipsky. Sie arbeitet als Journalistin und lässt sich von den Abgründen ihres Umfelds zu ihren tödlichen Einfällen inspirieren.

  • Vielen Dank für Deine sehr ausführliche Rezension!


    Vor einigen Wochen hat dieses Buch den Weg zu mir gefunden. Ich gebe zu, mich hat der Mops auf dem Cover zum Kauf verführt :breitgrins: Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass es sich hierbei um den dritten Band einer Reihe handelt. Beim Lesen fiel mir zwar auf, dass hin und wieder eine Andeutung in Bezug auf die früheren Fälle gemacht wurde, jedoch störte das in keiner Weise den Lesefluss, oder war sonst irgendwie unverständlich. Es führte lediglich dazu, dass die Bände Eins und Zwei direkt auf meinem SuB gelandet sind :zwinker:


    "Mord ahoi" hat mir sehr gefallen, die Protagonistin Elfie Ruhland war mir sofort sympatisch und hat mir mit ihrer unverwechselbaren Art den ein oder anderen Schmunzler aufs Gesicht gezaubert.

    Liebe Grüße, <br />Maria

  • Elfie Ruhland, eine 62-jährige selbstständige Office-Managerin hat einen Auftrag zur vollsten Zufriedenheit von Reeder Cord Claaßen II ausgeführt und wird nun von ihm angestellt, auf einem anderen Kreuzfahrtschiff, der Aphrodite, die Machenschaften im Casino zu überprüfen. Hier gibt es starke Unregelmäßigkeiten. Sie darf sogar noch eine Begleitperson mitnehmen. Da ihr "Freund" Paul-Friedrich in der Kürze der Zeit keine Aushilfe für sein Antiquariat findet, und Alexandra von Lichtenstein, eine befreundete Polizistin, sowieso Urlaub hat, kommt sie mitsamt Mops Amadeus einfach mit auf Seereise.


    Nachdem sie sich einen ersten Eindruck vom Casinotreiben verschafft hat, verschwindet der Croupier Leo Spielberg plötzlich von der Bildfläche. Ist er vielleicht über Bord gegangen oder steckt etwas ganz anderes dahinter?


    Ich habe mich sehr gefreut, die alten Bekannten, die aus den ersten beiden "Fällen" schon kenne und richtig lieb gewonnen habe, hier wieder zu treffen. Sei es Ludwig, den seit 30 Jahren verstorbenen Verlobten von Elfie, mit dem sie immer noch über ein Grablicht kommuniziert. Oder ihren neuen Freund Karl-Friedrich, mit dem sie jetzt sogar schon beim "Du" ist. Am meisten freue ich mich aber immer über Amadeus, den kleinen Mops. Ihn habe ich richtig ins Herz geschlossen. Aber man muss die vorherigen Bücher nicht kennen, um schnell in die neue Geschichte hinein zu finden - diesmal auf die Planken eines Kreuzfahrtschiffes. Auch die neu hinzu gekommenen Protagonisten zeichnet die Autorin in einer farbenfrohen Art, dass ich sie mir gleich sehr gut vorstellen kann.


    Wer einen rundum gelungenen Kriminalfall ohne viel Blutvergießen, jedoch mit manchen Lachtränen in den Augen genießen will, der ist hier bei Elfie und Amadeus genau richtig. Ich konnte das Buch mal wieder kaum aus der Hand legen.


    Absolut empfehlenswert!!!
    :smile: :smile: :smile: :smile: :smile: