Ludwig Tieck - Der gestiefelte Kater

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.
  • [Spoilerfrei!]



    Der gestiefelte Kater



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    Über das Buch:

    Diese Komödie wurde Ende der 1790er veröffentlicht und erst 1844 in Berlin uraufgeführt.
    Geprägt ist die märchenhafte Komödie von intertextuellen Verweisen, satirischen Elementen und Selbstreferentialität.
    Besonders aus einer akademischen Perspektive heraus hat mich das Werk interessiert.



    Inhalt und Stil:


    Das Theaterstück ist gewissermaßen ein Stück im Stück - einem (fiktiven) Publikum wird von einem (fiktiven) Dichter ein (eigentlich fiktives) Werk namens 'Der gestiefelte Kater' präsentiert. In diesem erbt der jüngste von drei Brüdern, Gottlieb, einen Kater, Hinze. Seine Brüder erben jeweils weitaus Wertvolleres. Gottlieb ist weder besonders erfreut, noch besonders positiv bezüglich seiner eher karg aussehenden Zukunft eingestellt.
    Doch es stellt sich heraus, dass Hinze nicht nur sprechen kann und über die Maßen klug zu sein scheint, sondern er möchte seinem Freund auch zu Erfolg und Reichtum verhelfen.
    Mit ein wenig Tücke und Glück spielt er dem König und dessen Hof vor, der Jäger des Grafen von Carabas zu sein, und versorgt den anwesenden Adel mit Rebhuhn, Kaninchen und anderen Leckereien. Dies alles gehört zu seinem Plan, Gottlieb aus seiner miserablen Situation zu befreien.


    Das Stück ist, wie bereits erwähnt, voller intertextueller Verweise, zwischen den Zeilen lassen sich zahlreiche Seitenhiebe bezüglich anderer Autoren zu Zeiten Tiecks finden, und die Komödie lässt sich auch als Gegenwartskritik hinsichtlich damals gängiger Gattungspoetik(en) und Literaturtrends lesen. Das Spiel mit der Illusion, das mise en scène/mise en abyme-Konzept sowie eine teilweise selbstreferentielle Ironie ziehen sich durch das Stück.


    Meine Meinung:

    Ich wusste ja von Anfang an nicht so recht, was ich zu erwarten hatte. Ich kannte "Der gestiefelte Kater" nur als Märchen, in verschiedenen Versionen - nicht aber als ein Stück, das derartig mit Unsinn und Tiefsinn spielt. So viel an angesammelter Intertextualität hätte ich weder dem Stück noch Tieck zugetraut - ich war also durchaus positiv überrascht.


    Die Story selbst ist meiner Meinung nach amüsant, wenn sie auch hin und wieder ein wenig erzwungen wirkt. Der Grad von intendiertem Kanon-Kommentar und versehentlicher Kontinuitätsunstimmigkeit ist allerdings sehr schmal und nicht immer exakt zu bestimmen, deswegen habe ich es nicht als ehrlichen Makel wahrgenommen.
    Ich habe mich unterhalten gefühlt, sei es aufgrund des Witzes oder der intertextuellen Verweise (die ich teilweise sogar auch ohne die reclam-Fußnoten erkannt hätte, was mich ein bisschen stolz gemacht hat :breitgrins:).


    Ich gebe diesem Büchlein


    3ratten + :marypipeshalbeprivatmaus: