Lisa Genova - Still Alice. Mein Leben ohne Gestern

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 9 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Minou76.

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    Klappentext
    Als Alice erfährt, dass sie an der Alzheimer-Krankheit leidet, kann sie es erst gar nicht fassen. Sie ist doch erst fünfzig! Machtlos muss sie dabei zusehen, wie die Erinnerungen ihr mehr und mehr entgleiten und alles, wofür sie ein Leben lang gearbeitet hat, allmählich verschwindet. Wie soll sie sich in ihrem eigenen Leben zurechtfinden? Mit beeindruckendem Mut stellt sie sich einer Zukunft, in der vieles nicht mehr da ist und doch etwas bleibt: die Liebe.



    Es fängt mit kleinen Gedächtnislücken an, über die sie noch verwundert den Kopf schüttelt. Doch als es langsam beängstigend wird, beschließt Alice, sich von Spezialisten untersuchen zu lassen. Schon bald bestätigt sich ihre schlimmste Befürchtung - sie leidet an einer Form von Alzheimer, die in verhältnismäßig frühem Alter beginnt. Alice weiht ihren Mann John und ihre drei Kinder ein, die die Krankheit von ihr geerbt haben könnten, doch an der Universität Harvard, wo sie unterrichtet, verständigt sie niemanden. Doch bald lässt es sich nicht mehr verheimlichen. Ihr unterlaufen immer mehr peinliche Missgeschicke, die Kollegen und Studenten irritieren. Sie muss auch den Leiter der Uni informieren, und das bedeutet das Ende ihrer Tätigkeit als Lehrerin und Dozentin. Schließlich ist sie selbst mit den einfachsten Tätigkeiten überfordert. Auch Zuhause wird es zunehmend kompliziert. Alice hat eine wundervolle, stabile Beziehung zu ihrem Mann, auf intellektueller wie auf emotionaler Ebene. Sie waren stets ebenbürtige Partner, doch wie wird John mit dieser Belastung umgehen? Und wie werden ihre Kinder reagieren? Anna und Tom, die älteren, haben selbst studiert und sind beruflich erfolgreich, während Lydia mit Anfang 20 gegen den Wunsch ihrer Mutter lieber Schauspielerin werden möchte und sich von der Familie abgenabelt hat. Die Krankheit unterzieht sie alle einer gnadenlosen Belastungsprobe.


    Es ist eine beängstigend kurze Zeit vom Auftauchen der ersten Anzeichen bis zum Verschwinden der Erinnerung. Monat für Monat geht mehr verloren. Und nicht nur die Vergangenheit wird ausgelöscht, sondern auch die Zukunft. Nichts ist mehr möglich. Alle kognitiven Fähigkeiten gehen verloren, das Leben wird reduziert auf wenige elementare Bedürfnisse. Jetzt zeigt sich, wer in der Familie die Kraft hat, mit der Krankheit umzugehen und sich darauf einzulassen, dass aus der starken und selbständigen Alice eine pflegebedürftige Frau wird. Wer ist stark genug, sie um ihrer selbst willen zu lieben und nicht wegen ihrer geistigen Fähigkeiten?


    Lisa Genova zeigt auf behutsame Weise den Verlauf einer unheilbaren Krankheit, die unaufhaltsam ein Leben zerstört. Alice steht im Mittelpunkt, aber auch die Auswirkungen auf die anderen Familienmitglieder werden geschildert. Manche von ihnen werden nicht damit fertig, während andere daran wachsen. Es hängt davon ab, welche Prioritäten sie für sich setzen. Davon ist auch Alice abhängig. Letzten Endes ist es für sie am einfachsten, weil sie von ihrem Zustand nicht mehr viel mitbekommt. Sie lebt einfach und spürt nur, was sie unmittelbar betrifft.


    Ein beängstigendes Thema, aber sehr gut umgesetzt. Es hat mich sehr berührt, wenn es auch erschreckend ist zu sehen, wie schnell die Krankheit voranschreiten kann. Es mag seltsam klingen, aber es hat mich irgendwie versöhnt zu erkennen, dass Alice ab einem bestimmten Punkt gar nicht mehr realisiert hat, was mit ihr los ist.


    5ratten

  • Das klingt inhaltlich nach ganz schön schwerer Kost. Ich stelle es mir furchtbar vor, zu merken, wie einem allmählich die eigene Erinnerung entgleitet. Von daher kann ich Deinen Schlusssatz gut nachvollziehen. Ab diesem Punkt ist es wohl für die Angehörigen schlimmer als für den Betroffenen selbst.

    If you don't become the ocean, you'll be seasick every day.

    Leonard Cohen






  • Das klingt inhaltlich nach ganz schön schwerer Kost.


    Ich denke, das hängt damit zusammen, wie sehr man sich mit dem Thema schon beschäftigt hat. Mir ging es selbst schon so, dass mir partout der Name eines Schriftstellers nicht einfiel, oder dass ich in die Küche ging, um etwas zu holen, und als ich dort stand, wusste ich nicht mehr, was ich holen wollte. Da macht man sich schon Gedanken über sein Erinnerungsvermögen. Alzheimer oder Demenz werden ja auch immer präsenter, weil zunehmend Menschen daran erkranken. Davon abgesehen ist es aber generell beängstigend zu sehen, wie jemand immer mehr von seiner Erinnerung verliert, bis er selbst nahe stehende Angehörige nicht mehr kennt.


    Das Buch wurde übrigens auch verfilmt.

  • Broschiert: 320 Seiten

    Verlag: Bastei Lübbe (Lübbe Paperback) (9. Oktober 2009)

    ISBN-13: 978-3404160624

    Originaltitel: Still Alice

    Übersetzung: Veronika Dünninger

    Preis: 19,95 €

    auch als E-Book und als Hörbuch erhältlich


    Sehr einfühlsam


    Inhalt:

    Alice Howland ist Psychologin und Neurowissenschaftlerin. Sie ist Dozentin an der Harvard Universität in Boston. Und sie ist erst 50 Jahre alt, als sie die erschütternde Diagnose „Alzheimer-Krankheit“ bekommt. Innerhalb weniger Monate baut die erfolgreiche, glücklich verheiratete Mutter von drei Kindern rapide ab, verliert Vergangenheit und Zukunft. Es bleibt ihr nur noch das Jetzt.


    Meine Meinung:

    In ihrem Debütroman verarbeitet Lisa Genova die Alzheimer-Erkrankung eines nahen Angehörigen. Sie weiß also, wovon sie erzählt, und das merkt man beim Lesen sehr gut. Sie versteht es, sich in die kranke Protagonistin einzufühlen und die schleichenden Veränderungen festzuhalten, die Alice das Alltagsleben schwermachen.


    Ich empfand es als harten Tobak, mitzuerleben, wie aus der agilen, dynamischen und selbstbewussten Alice ein Häufchen Elend wird, dass sich seiner Umwelt und sogar selbst nicht mehr sicher sein kann. Ich fand es aber auch bewundernswert und berührend, wie Alice nicht aufgibt und immer wieder kämpft, wie sie sich Strategien zurechtlegt, um ihre kognitiven Defizite zu überlisten.


    Genauso wie in Alice konnte ich mich aber auch in ihre Familie hineinversetzen, deren Mitglieder unterschiedlich mit der Krankheit umgehen. Teilweise glättet und vertieft sich die Beziehung zwischen Mutter und Tochter, teilweise fühlt sich der Ehemann in seinem beruflichen Fortkommen gebremst. Dies alles konnte ich gut nachvollziehen.


    Dieser Roman gibt es meines Erachtens einen guten Einblick, wie das Gefühlsleben einer an Alzheimer erkrankten Person sich entwickeln kann. Er fördert Verständnis sowohl für die Erkrankten als auch die Pflegenden. Er macht Mut und zeigt, wie wichtig vor allem eines ist: Liebe.


    ★★★★★

    Staubfänger 29/29 + 15/29 + 00/29 + 13/22 --> 57 Punkte

    Frischlinge 29/29 + 29/29 + 29/29 + 22/22 --> 109 Punkte

    SLW 33/40


    Liebe Grüße, Lilli

  • Ich fand dieses Buch auch sehr gut - aber mein Lieblingsbuch von Lisa Genova ist

    Ein guter Tag zum Leben -

    auch mit einem medizinischen Thema (Chorea Huntington und die Problematik des Gentests..), aber die Protagonisten sind im Gegensatz zu denen in ihren anderen Büchern eher "erfrischend durchschnittliche" Menschen.

  • Ich wusste ehrlich gesagt gar nicht, dass der Film auf einem Buch basiert, was ich nun sehr schade finde - dann hätte ich das Buch nämlich vorher gelesen.


    So kann ich nur über den Film sagen, dass er sehr sehenswert ist und mich sehr berührt hat. Ich befasse mich sonst filmisch abends nicht gerne mit so ernsten Themen, weil der Tag üblicherweise schon so anstrengend genug ist und ich abends lieber abschalte, aber "Still Alice" war es wirklich wert.

    Früherer Nutzername "Alexa" :)

  • Alice leidet an einer früh ausbrechenden Alzheimer-Form und muss mit Anfang 50 dabei zusehen, wie sie selbst immer mehr vergisst.


    Der inzwischen verfilmte Roman ist mir schon öfter „über den Weg gelaufen“, aber endlich habe ich es geschafft, ihn zu lesen. Ich war sehr berührt von der Geschichte, hatte stellenweise Tränen in den Augen, und konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Es regt zum Nachdenken an, macht Angst und wirkt nach.


    Alice‘ drei Kinder sind mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% ebenfalls von dieser genetisch bedingten Erkrankung betroffen – werden sie sich testen lassen? Würde ich mich an ihrer Stelle testen lassen? Ich glaube ja. Ich glaube, ich würde es wissen wollen, um „vorbereitet“ zu sein und vielleicht „rechtzeitig“ Medikamente nehmen zu können, um den Prozess zumindest zu verlangsamen.


    Einzige Kritikpunkte für mich: Alice‘ Mann war für mich zu blass. Ich kann seine Gefühle erahnen, aber wirklich deutlich werden sie in dem Buch nicht – dabei wäre gerade seine Sichtweise als Angehöriger auch sehr interessant. Und das Ende war mir irgendwie zu offen; im Prinzip weiß man auch hier, wie es weitergeht, aber ich hätte Alice‘ Leben gerne bis zum Schluss verfolgt, denn ich habe sie beim Lesen wirklich liebgewonnen.


    Aber insgesamt ein ganz wundervolles, tragisches Buch. Alzheimer/Demenz ist ein Thema, mit dem sich wahrscheinlich die meisten (mich eingeschlossen) eher weniger auseinandersetzen (wollen) – ist es doch eine der größten Ängste, selbst einmal betroffen zu sein und mitzubekommen, wie man geistig immer mehr abbaut. Auch Alice macht sich im Buch darüber Gedanken, bis zu welchem Punkt sie das mitmachen will.


    5ratten + :tipp:

  • Mich hat das Buch, ebenso wie der Film, sehr berührt.


    Es ist schrecklich zu sehen, wie aus einem Menschen zunehmend eine leere Hülle wird. Gleichzeitig formen sich Gedanken und Fragen, was uns denn zu den Menschen macht, die wir sind. Eine Auseinandersetzung mit sich selbst.


    Würde ich es wissen wollen, ob ich eine genetische Vordisposition habe? So aus dem Stand raus nicht. Wenn es aber darum geht zu vermeiden, dass ich dieses Gen vererbe, würde ich es dann doch sicher wissen wollen, ein solches Erbe möchte ich niemandem als Bürde aufladen.


    Mir waren die Angehörigen insgesamt, nicht nur John, ein wenig zu blass. Ich stelle es mir unglaublich schwierig vor zuzuschauen, wie sich ein geliebter Mensch immer mehr entfernt - und man genau weiß, dass es in dieser Entwicklung nur eine Richtung gibt. Da muss es doch unendlich viele Täler geben, durch die man als Familie geht...da wäre ich gerne tiefer eingetaucht.


    Ansonsten ein sehr empfehlenswertes Buch!


    :5ratten:

    Früherer Nutzername "Alexa" :)