Ellen Marie Wiseman - Die dunklen Mauern von Willard State

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

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    >>Die dunklen Mauern von Willard State<< von Ellen Marie Wiseman


    Dieser Roman hat mich wirklich begeistert und ein wirklich einzigartiges Verständnis der menschlichen Psyche machen dieses Buch wirklich zu einem packenden Lesegenuss, da muss ich NY Journal of Books recht geben, denn das Buch hat mich trotz kleiner schwächen wirklich total begeistert.
    Izzy Stones Leben hat sich vor zehn Jahren in einer schicksalhaften Nacht sehr verändert. Ihre Mutter erschoss ihren Vater damals im Schlafzimmer und am schlimmsten ist es für Izzy das sie nicht weiß was ihre Mutter dazu getrieben hat. Seitdem lebt die jetzt 17-Jährige Izzy bei wechselnden Pflegefamilien.
    Als sie ihrer Pflegemutter die im Museum arbeitet hilft, Gegenstände ehemaliger Insassen der alten berüchtigten psychiatrischen Anstalt Willard State Asylum zu katalogisieren, stößt sie auf einen Stapel ungeöffneter Briefe und das alte Tagebuch einer gewissen Clara Cartwright.
    Der Roman wird in zwei Erzählsträngen erzählt, zu einem natürlich aus Izzys Sicht und erfahren natürlich mehr über ihre nicht so schöne Kindheit bei wechselnden Pflegefamilien. Dieser Erzählstrang war zwar auch schön zu lesen, aber die Handlungen an sich waren für mich nicht alle nachvollziehbar und es wurde einiges an Potential verschenkt.
    Zum anderen erzählt uns Clara Cartwright wie sie damals nach Willard State Asylum gekommen ist und was sie dort unfassbares erdulden musste. Dieser Erzählstrang hat mir von beiden besser gefallen und hat mich auch wirklich gefesselt, zu lesen wie man damals in solchen Irrenhäusern einfach ruhig gestellt wurde und kein Licht am Horizont zu sehen war. Irgendwie war das für mich auch so toll zu lesen, denn von kurzen hatte ich erst >>Runa<< von Vera Buck gelesen. Das Buch hat mir auch wirklich gut gefallen, aber ich hätte gerne mehr von den Patienten gelesen. Genau das habe ich jetzt in diesem tollen Roman bekommen, auch wenn die Geschichte wirklich sehr traurig ist.


    Von mir bekommt das Buch 5 Sternchen, weil es mich wirklich absolut begeistern und fesseln konnte. 5ratten

  • Pelikanchen, deine Rezi macht neugierig. Ist der Teil, der Clara betrifft, als nomale Erzählung gehalten oder werden dort die Briefe in ganzer Länge wiedergegeben?


  • Pelikanchen, deine Rezi macht neugierig. Ist der Teil, der Clara betrifft, als nomale Erzählung gehalten oder werden dort die Briefe in ganzer Länge wiedergegeben?


    Hallo Doris,
    ja ich war total begeistert. Man erlebt die Geschichte von Clara in echt, die Geschichte wird einmal in der Vergangenheit von Clara erzählt und einmal in der Gegenwart aus Izzys Sicht. Die einzelnen Kapitel sind nie zu lange und viele enden mit einen Cliffhänger, es wird nicht langweilig. Ich kann dir das Buch wirklich empfehlen, aber Geschmäcker sind verschieden, lach grinz.


    Liebe Grüße Carmen

  • Na, das hört sich ja gut an! Das Buch muss ich mir merken. Ich bin schon an den begeisterten Rezis zu "Runa" hängen geblieben und habe das Buch auf meine Wunschliste gesetzt, und im Moment lese ich selbst ein Buch über eine alte Dame, die im Irrenhaus sitzt. Das ist doch ein spannendes Thema. Danke für deine Rezi!


    Liebe Grüße
    Doris

  • Doris: Wenn du Interesse hast, kannst du "Die dunklen Mauern...." von mir bekommen. Ich werde am Wochenende fertig mit meiner Rezi und könnte es dir dann zuschicken.

  • Hallo Ihr Lieben,


    ich habe das Buch auch gelesen und hier kommt meine Meinung:


    1995: 10 Jahre ist es her, dass Izzy's Mutter ihren Vater im Schlaf erschossen hat und für die damals 7jährige ihre Welt zusammenbrach. Seitdem hat sie die meiste Zeit in Pflegefamilien verbracht und scheint erst jetzt kurz vor ihrem 18. Geburtstag endlich Glück zu haben und in einer Familie zu sein, die sich wirklich um sie kümmert. Dafür hilft Izzy ihrer Pflegemutter dabei die Inhalte der gefundenen Koffer von Patienten aus einer ehemaligen Psychiatrie zu katalogisieren. Dabei stößt sie auf das Tagebuch von Clara, die 1929 in die Williard Psychatrie eingeliefert wurde. Das Schicksal von Clara berührt Izzy so, dass sie anfängt weiter zu recherchieren und sich dabei auch den Dämonen ihrer eigenen Vergangenheit stellt.


    Das Buch wird auf zwei Zeitebenen erzählt: Zum einen ist da die Zeitebene von Izzy im Jahre 1995 und zum anderen wird die Geschichte von Clara beginnend 1929 geschildert. Ich muss gestehen, dass mir die Ebene von Clara, obwohl sie wirklich sehr gruselig war, besser gefallen hat, als der Erzählstrang von Izzy. Izzy hat definitiv kein leichtes Leben, aber dass dann auch noch ein Alptraum von Highschool dargestellt werden muss, war für mich einfach zu viel des Guten. Klar ist es nie einfach als Neue auf eine Schule zu kommen, aber was an dieser Schule stattfindet, fand ich dann doch richtig heftig und für mich eigentlich völlig unnötig, da diese Inhalte am Ende auch gar nicht mehr richtig erwähnt werden.


    Die Geschichte von Clara hingegen hat mich komplett in ihren Bann gezogen und ich war sehr entsetzt darüber, was der armen Frau angetan wurde. Dank dem Nachwort ist ersichtlich, dass sich die Autorin die Umstände und Behandlungsmethoden in der Psychiatrie zu der Zeit nicht ausgedacht hat, sondern das wirklich gang und gäbe war. Noch schlimmer ist, dass zu der Zeit sehr viele Mädchen und Frauen das Schicksal ereilte, dass sie gegen ihren Willen in so eine Anstalt eingewiesen wurden und dann oft nie wieder von dort weggekommen sind. Schrecklich zu lesen, wie menschenverachtend das System war und wie wenig Chancen eine einmal eingewiesene Person, vorwiegend Frauen, hatte.


    Was mir gut gefallen hat, ist, dass sowohl Izzy, als auch Clara zwei sehr starke Persönlichkeiten sind und sich so schnell nicht unterkriegen lassen. Gerade auch Clara kämpft bis zum Schluss und auch wenn sie mir manchmal zu gutgläubig war, habe ich sie doch sehr für ihren Mut und ihre Willenskraft bewundert. Trotz aller schrecklichen Dinge, die ihr angetan worden sind, hat sie nie die Hoffnung aufgegeben und sich nie brechen lassen. Auch Izzy lässt sich trotz übelster Schikane der Mitschüler nicht unterkriegen und erkennt schließlich auch noch, was es mit ihrer Vergangenheit wirklich auf sich hat.


    Auch wenn für mich einige Wendungen oft vorhersehbar waren, habe ich das Buch sehr gerne gelesen und konnte es einmal begonnen kaum noch aus der Hand legen. Die Autorin versteht es sehr gut, gerade auch die Atmosphäre von Williard gut darzustellen und mir standen öfters die Haare zu Berge angesichts der Dinge, die ich da lesen musste.


    Alles in allem eine tolle Lektüre mit ein paar kleinen Schwächen, aber trotzdem ein Buch, dass ich auf jeden Fall weiter empfehlen kann. Dafür gibt es 4ratten.


    Liebe Grüße
    Tammy :winken:

    &WCF_AMPERSAND"Jeder der sich die Fähigkeit erhält, Schönheit zu erkennen, wird nie alt werden.&WCF_AMPERSAND" (Franz Kafka)

    Einmal editiert, zuletzt von Tammy1982 ()


  • Doris: Wenn du Interesse hast, kannst du "Die dunklen Mauern...." von mir bekommen. Ich werde am Wochenende fertig mit meiner Rezi und könnte es dir dann zuschicken.


    Das klingt verlockend, aber ich würde es nicht in den nächsten paar Wochen lesen und weiß nicht, wann ich es zurückschicken könnte. Wenn dir das nichts ausmacht, würde ich das Angebot annehmen.

  • Das klingt verlockend, aber ich würde es nicht in den nächsten paar Wochen lesen und weiß nicht, wann ich es zurückschicken könnte. Wenn dir das nichts ausmacht, würde ich das Angebot annehmen.


    Kein Problem, ich wollte es sowieso wieder unters Volk bringen; die Alternative wäre Tauschregal gewesen. Das Päckchen macht sich nächste Woche auf die Reise :winken:

  • Das Buch:
    Mit 17 Jahren hat Izzy schon eine Odyssee durch diverse Pflegefamilien hinter sich. Mit ihren neuen Pflegeeltern Peg und Harry scheint sie es zum ersten Mal gut getroffen zu haben. Als sie Peg dabei hilft, für ein Museum persönliche Gegenstände ehemaliger Psychatriepatienten zu katalogisieren, wird Izzy wieder mit ihrer Vergangenheit konfrontiert, die sie gerne vergessen würde:
    Ihre leibliche Mutter ist selbst seit 10 Jahren in der Psychiatrie, nachdem sie ohne Angabe von Gründen Izzys Vater erschossen hat, während er schlief. Bis heute weiß Izzy nicht, was sich in dieser Nacht wirklich zutrug, da sie den Kontakt zu ihrer Mutter abgebrochen hat.
    Beim Sortieren der Papiere aus Willard State stößt Izzy auf das Tagebuch von Clara, einer jungen Frau aus wohlhabender Familie, die 1929 gegen ihren Willen von ihren Eltern nach Willard State gebracht wurde. Beim Lesen von Claras Einträgen keimt in Izzy ein ungeheuerlicher Verdacht auf: War Clara möglicherweise überhaupt nicht psychisch krank?

    Meine Meinung:

    1995 wurden in der ehemaligen psychiatrischen Anstalt Willard State 400 Koffer ehemaliger Insassen gefunden, die völlig unberührt schienen, seit ihre Besitzer - teilweise in der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts - nach Willard State kamen.
    Die Ausstellung "The Willard Suitcase Exhibition" und das dazugehörige Buch "The lives they left behind" von Darby Penney und Peter Stastny ging der Frage nach, welche Persönlichkeiten und Schicksale sich hinter diesen Koffern verbergen. Wer des Englischen mächtig ist, der kann auf http://www.suitcaseexhibit.org einen Eindruck davon bekommen.
    Oft erscheinen die damaligen Gründe, warum diese Menschen nach Willard geschickt wurden, aus heutiger Sicht zweifelhaft. Es genügte ein ärztliches Gutachten und Menschen konnten auch gegen ihren Willen eingewiesen werden; viele blieben über Jahrzehnte dort oder sollten Willard State nie wieder verlassen. Gerade bei Frauen genügte von der Norm abweichendes Verhalten, um die Kriterien zur Zwangseinweisung zu erfüllen: Promiskuität, Trauer nach dem Verlust von Kindern, Homosexualität...
    Wenn man diese Lebensgeschichten liest, läuft es einem eiskalt über den Rücken beim Gedanken an die Menschen, die unschuldig in die Mühlen dieser Institutionen geraten sind und keine Möglichkeit hatten, sie aus eigener Kraft wieder zu verlassen.


    Leider gelingt es Ellen Marie Wiseman nicht, dieses Grauen in ihrem Buch "Die dunklen Mauern von Willard State" erlebbar zu machen.
    Gute Ansätze wie zwei unterschiedliche Zeitebenen sind vorhanden, doch reiht die Autorin in beiden Handlungssträngen lediglich ein abgegriffenes Klischee an das nächste:
    Natürlich stammt Clara aus reichem Elternhaus und wird gegen ihren Willen in die Psychiatrie eingewiesen, weil sie einen armen Mann - schlimmer noch, einen Einwanderer italienischer Herkunft! - liebt. Und Izzy erregt an ihrer neuen Schule sofort das Interesse des gutaussehenden und einfühlsamen Ethan, der dummerweise der Freund der Intrigantin Shannon ist. Shannon beginnt sofort damit, Izzy öffentlich zu demütigen, doch natürlich will sie damit nur von ihrer eigenen Geschichte ablenken.
    Die Hintergründe vom Mord an Izzys Vater werden nebenbei auch noch gelüftet, aber wie alle anderen Entwicklungen in "Die dunklen Mauern von Willard State" ist das Ergebnis absolut vorhersehbar und nicht im geringsten überraschend.
    Mir kommt es vor, als hätte die Autorin für ihr Buch einfach gängige Klischees und Versatzstücke anderer erfolgreicher Romane zusammengeworfen - voilá , fertig.
    Das, was dabei herauskommt, fühlt sich so konstruiert und unecht an, dass es mich nicht berühren konnte. Izzys Schicksal blieb mir genauso gleichgültig wie der überdramatische Leidensweg Claras. Auch das Ende war einfach zu viel des Guten. Alle Geheimnisse werden aufgeklärt (zumindest die, die der Leser nicht schon 200 Seiten vorher erraten hat), alles wird gut und es darf gekuschelt werden. So viel Harmonie tut schon körperlich weh.


    Zu pathetisch waren mir auch Sprache und Stil des Buches. Als Beispiel die Gedanken Izzys beim ersten Anblick von Willard State:
    "Izzy fragte sich, welche Gräuel das wuchtige Gebäude wohl erlebt hatte. Welche schrecklichen Erinnerungen hatten sich an die Backsteine, den Mörtel und die blinden Scheiben geheftet und gehörten nun für alle Zeiten zum Bauwerk, eingefressen und darin verschlossen mit Blut und Tränen? So wie Schmerz und Leid immer ein Teil von ihr sein würden, würden die Erinnerungen von Tausenden von gequälten Seelen in der Chapin Hall und den umliegenden Gebäuden des Willard State Asylums weiterleben. (S. 8)

    In diesem Stil schwadroniert die Autorin weiter und sorgt damit lediglich dafür, dass sich das von ihr beschriebene Entsetzen definitiv nicht einstellen kann. Außer vielleicht über den Stil des Buches...
    Die leisen Töne fehlen in "Die dunklen Mauern von Willard State" völlig; es wirkt auf mich wie eine Daily Soap, die in der Psychiatrie spielt. Mir tut es wirklich Leid um die ehemaligen Insassen von Willard State. Nach allem, was sie durchmachen mussten, werden ihre Schicksale in einem solch seichten Buch verbraten. Das haben sie wirklich nicht verdient.
    Ich werde zum Vergleich noch den Roman "Runa" von Vera Buck lesen, der sich mit einem ähnlichen Thema beschäftigt, aber hoffentlich auf anspruchsvollere und sensiblere Art und Weise.


    Fazit: Starke Grundidee verschenkt, schade. Für "Die dunklen Mauern von Willard State" kann ich nicht mehr vergeben als 2ratten.


  • Ich werde zum Vergleich noch den Roman "Runa" von Vera Buck lesen, der sich mit einem ähnlichen Thema beschäftigt, aber hoffentlich auf anspruchsvollere und sensiblere Art und Weise.


    In "Runa" werden die Insassen des hôpital salpêtrière nicht in den Mittelpunkt gestellt, sondern deren Ärzteschaft. Vera Buck schildert neutral die damaligen Behandlungsmethoden und überlässt es ihrem Leser selbst, sich seine Gedanken darüber zu machen.

  • In "Runa" werden die Insassen des hôpital salpêtrière nicht in den Mittelpunkt gestellt, sondern deren Ärzteschaft. Vera Buck schildert neutral die damaligen Behandlungsmethoden und überlässt es ihrem Leser selbst, sich seine Gedanken darüber zu machen.


    Das hört sich gut an. In "Die dunklen Mauern von Willard State" gab es doch eine klare Unterteilung in die "Guten" und die "Bösen", und praktischerweise waren beide Gruppierungen auch schon meist auf den ersten Blick zu erkennen. Nicht gerade eine Herausforderung für den Leser.

  • Gut das Geschmäcker verschieden sind, ich fand das Buch trotz kleiner schwächen einfach Super :winken: Es gibt sie immer wieder diese Bücher, lach grinz ......................... die einen mögen sie, die anderen finden sie Furchtbar!


    @ Ruby Tuesday


    Es wäre ja ein Wunder wenn jemand der Gesund ist und gegen seinen Willen im Irrenhaus eingesperrt ist und ein böser Irrenarzt nicht mit Gut und Böse zu Unterscheiden wäre. Denke das hätte kein Autor/Autorin geschafft.


  • Es wäre ja ein Wunder wenn jemand der Gesund ist und gegen seinen Willen im Irrenhaus eingesperrt ist und ein böser Irrenarzt nicht mit Gut und Böse zu Unterscheiden wäre. Denke das hätte kein Autor/Autorin geschafft.


    Ohne das Buch gelesen zu haben: wenn der Irrenarzt (alleine dieser Ausdruck impliziert ja schon negative Gefühle der Figur gegenüber :zwinker: ) von vornherein als Fiesling charakterisiert wird, ist das das eine. Aber man könnte ihn ja auch als jemanden darstellen, der eben so ist, wie es der wissenschaftliche Stand zu dieser Zeit zulässt und das fand ich in "Runa" sehr gelungen. Dort waren die Ärzte ganz sicher keine Sympathieträger und aus heutiger Sicht fragt man sich beim Lesen, wie sie so mit den Patienten umgehen konnten. Aber für damals war das eben "normal" und die Herren Doktoren haben nicht aus Bosheit oder Bösartigkeit so gehandelt.

    LG, Dani


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  • Ohne das Buch gelesen zu haben: wenn der Irrenarzt (alleine dieser Ausdruck impliziert ja schon negative Gefühle der Figur gegenüber :zwinker: ) von vornherein als Fiesling charakterisiert wird, ist das das eine. Aber man könnte ihn ja auch als jemanden darstellen, der eben so ist, wie es der wissenschaftliche Stand zu dieser Zeit zulässt und das fand ich in "Runa" sehr gelungen. Dort waren die Ärzte ganz sicher keine Sympathieträger und aus heutiger Sicht fragt man sich beim Lesen, wie sie so mit den Patienten umgehen konnten. Aber für damals war das eben "normal" und die Herren Doktoren haben nicht aus Bosheit oder Bösartigkeit so gehandelt.


    Ja, wir empfinden sie nur in der heutigen Zeit mehr oder weniger als Böse, obwohl die meisten wirklich nur helfen wollten. Sympathieträger findet man auch in diesem Irrenhaus nicht unbedingt beim Personal, aber es hat sich halt auch keiner was zu sagen getraut, auch wenn sie es nicht immer richtig fanden. Gut das wir das nie am eigenen Leib erfahren mussten, wenn ich das lese, was da so alles getrieben wurde, da bekomme ich Gänsehaut.
    Dieses Buch passt wirklich gut zu Runa, denn hier erfährt man mehr aus der Sicht der Patienten, was ich bei Runa etwas vermisst hatte.

  • Ja, wir empfinden sie nur in der heutigen Zeit mehr oder weniger als Böse, obwohl die meisten wirklich nur helfen wollten. Sympathieträger findet man auch in diesem Irrenhaus nicht unbedingt beim Personal, aber es hat sich halt auch keiner was zu sagen getraut, auch wenn sie es nicht immer richtig fanden. Gut das wir das nie am eigenen Leib erfahren mussten, wenn ich das lese, was da so alles getrieben wurde, da bekomme ich Gänsehaut.
    Dieses Buch passt wirklich gut zu Runa, denn hier erfährt man mehr aus der Sicht der Patienten, was ich bei Runa etwas vermisst hatte.


    Mir fällt dabei gerade "Zeit der Gespenster" von Jodi Picoult ein. Dort geht es in einem Handlungsstrang um die amerikanische Eugenik-Bewegung in den 20er und 30er Jahren. Aus heutiger Sicht läuft es einem eiskalt über den Rücken, wenn dort über "minderwertiges Erbgut" diskutiert wird, auch am Beispiel von sogenannten Geisteskranken. Aber die Autorin schafft das Kunststück, die Wissenschaftler differenziert darzustellen als Menschen, die vollkommen überzeugt von der Richtigkeit ihres Projektes und dessen Bedeutung für das Wohl der Allgemeinheit waren.
    Diese Zwischentöne haben mir im Buch von Ellen Marie Wiseman gefehlt und damit der Anstoß, sich auch mit diesen Personen und ihrer Motivation näher zu beschäftigen.

  • Die 17jährige Isabelle, genannt Izzy, hat schon viel durchgemacht im Leben. Vor 10 Jahren hat ihre Mutter ihren Vater im Schlaf erschossen und sitzt seitdem im Gefängnis. Izzy hat ihren Vater geliebt und verweigert den Kontakt zur Mutter, da sie sich deren Tat nur damit erklären kann, dass die Mutter wahnsinnig geworden sein muss. Nach dem Tod ihrer Großeltern kam Izzy von einer Pflegefamilie in die nächste. Nun ist es nur noch ein Jahr bis zu ihrer Volljährigkeit und sie ist fest entschlossen, dieses letzte Schuljahr unauffällig hinter sich zu bringen. Aber ihre neue Pflegemutter Peg ist Kuratorin eines Museums und fest entschlossen, ausgerechnet die Gebäude der alten Psychiatrie Willard State vor deren Abriss noch einmal genauer anzuschauen, wobei Izzy sie begleiten soll. In einem verlassenen Schuppen finden sie die Koffer von hunderten von Insassen, eine einmalige Gelegenheit, das Leben einiger früherer Patienten zu rekonstruieren. Insbesondere der Schrankkoffer einer jungen Frau namens Clara entpuppt sich als wahre Fundgrube und Claras Schicksal zieht Izzy mehr und mehr in seinen Bann.


    Dies ist die Rahmenhandlung, die 1995 spielt. Das Willard State Projekt und die Koffer gibt es übrigens wirklich.
    Parallel hierzu erzählt die Autorin die Geschichte der damals 18jährigen Clara im Jahr 1929. Clara verliebt sich unstandesgemäß in einen italienischen Einwanderer und als sie ihrem Vater den Gehorsam verweigert, wird sie in die Psychiatrie eingewiesen. Zu Beginn geht sie noch davon aus, dass er ihr nur eine Lektion erteilen will und ihr Aufenthalt nach wenigen Tagen wieder beendet sein wird, doch sie irrt sich und hat keinerlei Vorstellung, was für ein Martyrium auf sie zukommt.


    Abwechselnd auf beiden Zeitebenen erzählt die Autorin die Geschichte. Claras Abschnitte sind schockierend und aus heutiger Sicht kaum vorstellbar. Doch damals herrschte natürlich eine völlig andere Meinung über Geisteskrankheiten, deren Definition und den Umgang mit den Kranken. Allerdings bleibt die Autorin doch sehr in Stereotypen verhaftet, die Bösen sind böse, die Guten gut, Zwischentöne gibt es nur bei einigen ganz wenigen Figuren. Dennoch fand ich Claras Schicksal sehr fesselnd, auch wenn ich nicht alles wirklich realistisch fand – die Behandlungsmethoden und der Umgang mit Patienten wurde wohl schon recherchiert und richtig beschrieben, die Autorin kratzt hier aber nur vorsichtig an der Oberfläche und schildert keine Details. Ich kann mir außerdem einfach nicht vorstellen, dass so ein Klinikleiter auch in Bezug auf andere Personen tun und lassen konnte, was er will.


    Etwas zu sehr übertrieben waren mir aber vor allem die schweren Schickale in der Rahmenhandlung. Hier wäre weniger für mich mehr gewesen. Die Geschichte mit Izzys Eltern ist schlimm genug, da müsste nicht auch noch Mobbing in der Schule mit der Hintergrundgeschichte ihrer fiesen Klassenkameradin Shannon dazukommen. Ebenso fand ich am Ende die Entwicklung mit Izzys Mutter einfach zu viel, vor allem was das Timing angeht, inhaltlich hatte ich mir da schon gedacht, was damals wohl passiert ist.


    Auch einige andere als Überraschung gedachte Enthüllungen am Ende waren mir zu viel Zufall und Kitsch und zu wenig Überraschung, das konnte man sich größtenteils schon längst denken und es war dann einfach zu passend, auch wenn ich grundsätzlich durchaus für schöne, versöhnliche Enden zu begeistern bin.


    3ratten

    LG, Dani


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  • Im Moment habe ich etwa 2/3 des Buches gelesen und die Lektüre fällt mir nicht immer leicht. Die Geschichten der beiden jungen Frauen sind dramatisch und spannend, aber manche Passagen finde ich beklemmend. Ich hoffe, dass noch die ein oder andere positive Wendung kommt. Bis jetzt sieht es allerdings noch nicht danach aus.

  • Ich hab das Buch neulich an einem Nachmittag gelesen. Auch wenn es mich im Ganzen nicht völlig überzeugt hat, war es doch ein ziemlicher Pageturner :zwinker:

    LG, Dani


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