01 - Seite 9 bis 75 (Kapitel 1 bis 3)

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Nazifreie Zone, denn wer neben Nazis marschiert, ist entweder selbst ein Nazi oder eine nützliche Marionette der Nazis. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 14 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von dodo.

  • Hallo ihr Lieben!


    Hier startet die Leserunde zu "Das Zigarettenmädchen" von Ratih Kumala.


    Postet hier bitte erst, wenn Ihr mit der Lektüre begonnen habt und etwas zum Buch zu sagen oder zu fragen habt. Die Beiträge "Buch liegt bereit, ich fange heute Abend an" ziehen das Ganze zu sehr in die Länge und passen besser in den Buchvorschlag. Außerdem wäre schön, wenn Ihr darauf achtet, nicht einzeln zu sehr vorzupreschen, damit wir zusammen bleiben und damit auf einem ähnlichen Stand spekulieren und diskutieren können. Als Faustregel gilt, nicht mehr als ein Abschnitt pro Tag.


    Zum Abschluss: bitte denkt auch daran, dass ein wichtiger Teil der Leserunden eure abschließenden Rezensionen sind und stellt diese am Ende der Runde zeitnah hier im Forum und auf literaturschock.de direkt ein.
    Zahlreiche Rezensionen hier und die Streuung auf anderen Seiten steigern bei den Verlagen die Attraktivität von solchen Aktionen: Denkt daran, dass die Teilnahme an der Runde und die Rezensionen die "Gegenleistung" für die Freiexemplare sind.



    Hier könnt ihr über den Inhalt von Seite 9 bis 75 (Kapitel 1 bis 3) schreiben.
    Spoilermarkierungen sind aufgrund der Abschnittseinteilung nicht vorgesehen.

    LG, Dani


    **kein Forums-Support per PN - bei Fragen/Problemen bitte im Hilfebereich melden**

  • Hallo zusammen, ich freue mich, dass unsere Leserunde nun endlich starten kann und kann nach dem ersten Abschnitt schon sagen, dass es ganz sicher viele Einblicke in einen fremden Kulturkreis und entsprechend spannende Diskussionen geben wird.


    Offensichtlich hat sich die Autorin für jedes Kapitel eine neue Perpektive einfallen lassen, was die Lektüre abwechslungsreich und interessant macht. Den Anfang macht Tebas, der jüngste, etwas "ungeratene" Sohn der Djagad-Dynastie. Aus seiner Ich-Perspektive scheint er mit seinen zwei Brüdern auf Augenhöhe zu sein, was dann im Kapitel 2 doch ein wenig anders aussieht. Er will "seinen" Film machen, einen Film mit Anspruch. Ich bin gespannt, ob wir noch erfahren, um was es darin gehen wird. Ansonsten versucht er in seiner Selbstdarstellung im 1. Kapitel vor allem einen welterfahrenen Eindruck zu vermitteln. Sympathisch finde ich ihn auf jeden Fall, weil er mir sehr ehrlich vorkommt, und weil er an seine Filmkunst glaubt, auch wenn er damit noch nicht so erfolgreich ist.


    Im 2. Kapitel lernen wir dann Bruder Nr. 1 näher kennen, und hier kommen dann doch einige Unterschiede zutage; während Lebas sich mehr schlecht und recht in den USA durch verschiedene Studiengänge mogelte, hat Tegar schon als Jugendlicher eine harte Schule vor sich. Ich finde es aber sehr beeindruckend, wie sein Vater ihn in das Zigarettengeschäft einführt; auf eine Art und Weise, die ihm einerseits seine Pflichten und Lasten offenbart, aber auch die Liebe zum Geschäft entzündet.


    Am Ende von Kapitel 2 tritt der Unterschied der beiden Brüder deutlich zutage; während der Vater im Sterben liegt und einen letzten Wunsch erfüllt bekommen soll, hat Lebas nur seinen Kumpel und eine Marihuana-Orgie im Kopf. Tegar dagegen weiß schon, wie der Hase läuft und fährt hinterher, um die Sache in die Gänge zu bringen. Die Geschichte um Yeng-Yah finde ich sehr abenteuerlich, warum hat sie wohl Djagad die Lampe auf den Kopf gehauen? Eifersucht? Wie sie wohl heute darüber denkt? Ich denke mal, wir werden es schon noch erfahren.


    Das 3. Kapitel scheint mir aus der Vergangenheit zu stammen, aus den Anfängen der Djagad-Dynastie. Die Perspektive ist wieder eine neue, diesmal ist ein Konkurrent der Djagads an der Reihe. Es geht also nicht nur um Zigaretten, sondern auch um ein Mädchen... Idroes Moeria scheint eine Art Selfmade-Man sein, der sich aus seiner Armut befreien will. Bei Soedjagad das Gleiche; es ist mir nur nicht klar, ist das dann der spätere Vater der drei Brüder? Oder etwa der Großvater? Oder sind wir noch früher dran?


    Was für mich völlig neu war, ist die Kolonialgeschichte der Indonesier. Zuerst die Holländer, dann die Japaner? Vielleicht sollte ich mich mal ein wenig kundig machen... :redface: Im übrigen fühlt sich das alles gar nicht so exotisch an, wie ich erwartet habe. Die Indonesier der Jetztzeit (also in Kapitel 1 und 2) geben sich erstaunlich modern und weltoffen. Über den Bekanntheitsgrad von Harry Potter musste ich schmunzeln; staunen dagegen konnte ich darüber, dass auch Pinocchio in Indonesien ein Begriff ist. Das hätte ich nun überhaupt nicht erwartet.


    Bis jetzt komme ich jedenfalls sehr gut zurecht mit dem Stoff und finde ihn auch sprachlich recht gelungen. Sind übrigens Raucher unter uns? Ich bin Nichtraucherin, aber finde es trotzdem sehr spannend, wie hier über Tabak und Maisblätter und Nelken schwadroniert wird.

    :lesen: Brandon Sanderson - Elantris

  • Hallo :winken:
    Endlich kann es losgehen. Frisch heruntergeladen habe ich mich gleich über den ersten Abschnitt hergemacht und fühlte mich schnell nach Indonesien versetzt.


    In den ersten Abschnitten lernt man die Familie des Zigaretten-Barons Djagad kennen.
    Es beginnt mit dem jüngsten Sohn Tebas, der als das schwarze Schaf beschrieben wird. Er studiert, wechselt wiederholt nach Lust und Laune das Studienfach und interessiert sich, ganz zum Mißfallen seines Vater, für das Filmgeschäft. Tebas macht einen sympathischen Eindruck, er will sich selbst verwirklichen und möchte aber auch seinem Vater gefallen.


    Weiter geht es mit dem ältesten Bruder Tegar, der schon als Jugendlicher in die künftige Rolle als Chef des Zigarettenimperiums eingeführt wird.
    Es gibt zwar noch einen dritten Bruder, der aber in den ersten Abschnitten nicht weiter beschrieben wird.


    In der Rückblende erfährt man, wie das Zigarettenimperium um den Djagar-Clan seinen Anfang nahm. Ich denke, Soedjagad ist ein Vorfahre der drei Brüder, vielleicht der Großvater?
    Kurz hatte ich gedacht, dass Jeng Yah und die Tochter des Schreibers in der Rückblende identisch sind, aber von der Namen her passtes nicht.


    Bei den indonesischen Namen hatte ich anfangs das Gefühl, dass diese mich verwirren würden, aber im Laufe des Abschnittes hatte ich damit kein Problem mehr.

    Das sind keine Stirnfalten. Das ist ein Sixpack vom Denken.


  • Am Ende von Kapitel 2 tritt der Unterschied der beiden Brüder deutlich zutage; während der Vater im Sterben liegt und einen letzten Wunsch erfüllt bekommen soll, hat Lebas nur seinen Kumpel und eine Marihuana-Orgie im Kopf.


    Ich hatte schon den Eindruck, dass Lebas seinem Vater den Wunsch erfüllen möchte und aus eigenem Antrieb auf die Suche geht. Gerade die Szene als er am Bett seines Vaters mit diesem spricht, deutete darauf hin. Eigentlich wollte Lebas bei seinem Kumpel nur übernachten, denke ich. Er ist mehr oder weniger in die Drogen-Orgie hineingeschlittert, weil er leicht zu beeinflussen ist. Genauso, wie er wegen einer Frau einfach mal eben so das Studienfach gewechselt hat.



    Was für mich völlig neu war, ist die Kolonialgeschichte der Indonesier.


    Das war für mich auch neu, die Rolle der Chinesen war mir nicht bewusst.



    Sind übrigens Raucher unter uns? Ich bin Nichtraucherin, aber finde es trotzdem sehr spannend, wie hier über Tabak und Maisblätter und Nelken schwadroniert wird.


    Ich bin auch Nichtraucherin, finde das Thema aber auch interessant.
    Dass Zigaretten mit einem gehörigen Anteil an Nelken in der Apotheke verkauft werden durften war mir neu, Nelken haben glaube ich eine leicht betäubende Wirkung, oder verwechsle ich da etwas ?

    Das sind keine Stirnfalten. Das ist ein Sixpack vom Denken.

  • Ich bin ebenfalls Nichtraucherin und zwar fast militant - ich habe in meinem Leben (und ich bin jenseits der 50, wenn auch gerade so) höchstens eine Viertelzigarette geraucht, aber ich wohne direkt neben Kettenrauchern, mit denen ich mich bestens verstehe. Jedesmal, wenn ich bei denen war, fragt mein Mann, in welchem Loch ich denn diesmal versumpft bin...


    Aber genau wie Ihr finde ich das Thema ganz ausgesprochen interessant, ich wusste gar nicht, dass es in Indonesien eine so ausgeprägte Tabakindustrie gibt. Und die Mischung, die sie rauchen, klingt, als würde sie angenehmer duften als das hiesige Zeug. Offenbar wurden sie lange von Hand gedreht, wie in Kuba die Zigarren. Ich muss sagen, Indonesien gehört nicht zu den Themen, über die ich viel weiß, doch umso interessanter empfinde ich diese Geschichte. Mir ist noch nicht ganz klar, was genau die Jetzt-Zeit ist, ist es wirklich die Gegenwart oder findet die Handlung früher statt?


    Auch geht es mir ähnlich wie Euch, ich kann den Protagonisten des 3. Kapitels noch nicht so recht einordnen, bin aber sicher, dass sich bald alles zusammenfügen wird. Ich finde den Stil gekonnt und angenehm zu lesen und genieße es bisher richtig, auch wenn es keine leichte Kost ist - bei mir dauert es immer eine ganze Weile, bis ich alles erfasst habe - das hat aber auch den klaren Vorteil, dass das Risiko, etwas zu überlesen, relativ gering ist. Am besten hat mir bisher die Schilderung über Lebas' kurze Phase als Rastafari gefallen, die abrupt wegen einer Läuseepidemie in seinen Rastalocken endete. Ich habe mich köstlich amüsiert!


    Die drei Brüder scheinen insgesamt extrem unterschiedlich zu sein in ihrem Weltbild, ihrer Art, mit ihrem Leben und mit der Familie umzugehen - ja, einfach in allem! Sehr gespannt bin ich auf den weiteren Trip der beiden Brüder in die Heimatstadt ihres Vaters (offenbar auch ihre eigene) und vor allem darauf, was es mit der bisher noch sehr geheimnisvollen Frau, nach der ihr Vater in seiner letzten Lebensphase verlangt, auf sich hat.


  • Ich finde den Stil gekonnt und angenehm zu lesen und genieße es bisher richtig, auch wenn es keine leichte Kost ist - bei mir dauert es immer eine ganze Weile, bis ich alles erfasst habe - das hat aber auch den klaren Vorteil, dass das Risiko, etwas zu überlesen, relativ gering ist.


    Das ging mir genauso. Fremdländische Umgebung, speziell klingende Namen, da habe ich auch etwas aufmerksamer gelesen.

    Das sind keine Stirnfalten. Das ist ein Sixpack vom Denken.


  • Es gibt zwar noch einen dritten Bruder, der aber in den ersten Abschnitten nicht weiter beschrieben wird.


    Stimmt, von Karim haben wir noch so gut wie nichts erfahren. Vielleicht spielt er ja später noch eine Rolle.



    Kurz hatte ich gedacht, dass Jeng Yah und die Tochter des Schreibers in der Rückblende identisch sind, aber von der Namen her passtes nicht.


    Der Gedanke war mir auch gekommen, aber ich habe ihn genau wie du verworfen.



    Bei den indonesischen Namen hatte ich anfangs das Gefühl, dass diese mich verwirren würden, aber im Laufe des Abschnittes hatte ich damit kein Problem mehr.


    Hihi, bei mir kamen im ersten Post anfangs Tebas und Legar vor. Bis ich gemerkt habe, dass da was nicht stimmen kann... :breitgrins:



    Ich hatte schon den Eindruck, dass Lebas seinem Vater den Wunsch erfüllen möchte und aus eigenem Antrieb auf die Suche geht. Gerade die Szene als er am Bett seines Vaters mit diesem spricht, deutete darauf hin. Eigentlich wollte Lebas bei seinem Kumpel nur übernachten, denke ich. Er ist mehr oder weniger in die Drogen-Orgie hineingeschlittert, weil er leicht zu beeinflussen ist. Genauso, wie er wegen einer Frau einfach mal eben so das Studienfach gewechselt hat.


    Ein echter Luftikus eben. Man kann ihm gar nicht böse sein.



    Ich bin ebenfalls Nichtraucherin und zwar fast militant - ich habe in meinem Leben (und ich bin jenseits der 50, wenn auch gerade so) höchstens eine Viertelzigarette geraucht,


    Da hast du schon eine Viertelzigarette mehr als ich... :breitgrins:



    Ich finde den Stil gekonnt und angenehm zu lesen und genieße es bisher richtig, auch wenn es keine leichte Kost ist - bei mir dauert es immer eine ganze Weile, bis ich alles erfasst habe - das hat aber auch den klaren Vorteil, dass das Risiko, etwas zu überlesen, relativ gering ist.


    Keine leichte Kost, ok, aber zu anspruchsvoll finde ich es bis jetzt auch nicht. Am ehesten fordern mich die Namen und das Auseinanderhalten der Protagonisten. Aber die Geschichte an sich ist sehr anschaulich erzählt und bereitet mir bis jetzt kein Kopfzerbrechen.



    Am besten hat mir bisher die Schilderung über Lebas' kurze Phase als Rastafari gefallen, die abrupt wegen einer Läuseepidemie in seinen Rastalocken endete. Ich habe mich köstlich amüsiert!


    Echt witzig! Aber irgendwie fühlt es sich schon bizarr an, dass Indonesier auf jamaikanischen Reggae abfahren und sich Rastalocken "wachsen lassen", dieser Ausdruck hat mich übrigens extrem erheitert. :breitgrins: Ich bringe das momentan noch nicht so richtig zusammen, hier muss ich mich wohl von meinem Schubladendenken verabschieden. :zwinker:

    :lesen: Brandon Sanderson - Elantris

  • Es scheint so, als wären die meisten von uns Nichtraucher. Ich habe für ein Theaterstück mal an einer Zigarre gepafft, ansonsten habe ich nicht geraucht, aber viele Verwandte, die rauchen. Jedem das seine, ich mag nur nicht, dass nach Besuchen meine Kleidung total danach müffelt.


    Aber die Nelkenzigaretten aus Indonesien scheinen ja auch im Geruch wesentlich angenehmer zu sein, als die, welche wir hier kennen. Sogar für medizinische Zwecke werden sie verkauft. Ehrlich gesagt hab ich mir darüber noch keine Gedanken gemacht, wie unterschiedlich Zigaretten sind und schmecken, aber hier merkt man, wie groß die Unterschiede sein können. Ein wenig mehr Nelken hier, etwas weniger Gewürz da. Sehr spannend fand ich den Weg von Idroes Moeria. Vom Analphabeten bis zum... nun ja, genau wissen wir es noch nicht, aber ich würde mal schätzen, sehr erfolgreichen Zigarettenbaron. Mir scheint, dass Soedjagad auch auf dem Weg dahin ist - und ist dieser der Großvater von Lebas, Tegar und Karim? Der Vater hat ja einen anderen Namen, aber der Großvater könnte es schon sein und hat dann seine Zigarettenmarke nach sich benannt - Raja Djagad?


    Pak Raja, dem Vater der Dreien, hat mich beeindruckt. Er hat mich für sich eingenommen, als er seinem Sohn die Firma gezeigt hat und ihm erklärt hat, wenn er die Firma übernimmt, ist er für alle Mitarbeiter und deren Familien verantwortlich. Das zeigt Respekt. Er gibt den Leuten Arbeit, aber er ist genauso auf sie angewiesen. Es ist ein Recht und eine Pflicht. Er hat Tegar schon früh mit reingenommen und ihn zu einem verantwortungsvollen Menschen erzogen. Was er ja auch geworden ist. Ich finde es gut, dass die Brüder so unterschiedlich sind. Über Karim erfährt man ja noch nicht so viel, dafür aber über Tegar und Lebas. Ich finde Lebas gar nicht so leichtlebig. Ich denke, er ist eher auf der Suche nach einem Platz für sich. Die Zigarettenfirma übernimmt sein großer Bruder, selbst wenn dieser nicht mehr wäre, ist da immer noch Karim. Er braucht also einen Platz für sich, er muss sich eine Zukunft suchen. Das es nun ausgerechnet die Filmindustrie ist, kommt bei den Eltern natürlich schlecht an, aber es scheint ihm zu liegen, auch wenn er bisher nur leichte Kost produziert hat. Ich bin gespannt, welches Projekt er plant und ob es ihm gelingt, Tegar auf ihrer Reise nun zu überzeugen, ihn zu unterstützen. Ehrlich gesagt, wäre die Reise selbst ja auch schon eine Dokumentation wert.
    Yeng Jah - wer das wohl ist? Ich dachte auch erst, es ist Roemaisa, aber ich glaube, es ist vielleicht eher eine Generation weiter oder? Ich bin auch schon gespannt darauf, warum sie bei der Hochzeit wohl Pak Raja etwas auf den Kopf gehauen hat.

    Grüßle, Christina


  • Was für mich völlig neu war, ist die Kolonialgeschichte der Indonesier. Zuerst die Holländer, dann die Japaner? Vielleicht sollte ich mich mal ein wenig kundig machen... :redface: Im übrigen fühlt sich das alles gar nicht so exotisch an, wie ich erwartet habe. Die Indonesier der Jetztzeit (also in Kapitel 1 und 2) geben sich erstaunlich modern und weltoffen. Über den Bekanntheitsgrad von Harry Potter musste ich schmunzeln; staunen dagegen konnte ich darüber, dass auch Pinocchio in Indonesien ein Begriff ist. Das hätte ich nun überhaupt nicht erwartet.


    Da hast Du recht - Indonesiens Geschichte ist auch für mich ein schwarzes Loch. Ich bin sowieso der Meinung, dass man mit jedem gelesenen Buch etwas dazulernt, aber hier ist es mal etwas ganz neues für mich. Ich habe eine frühere Kollegin, die einige Jahre in Indonesien gelebt hat, aber ich sehe schon, ich hätte mich ein wenig mehr mit ihr darüber unterhalten sollen, das einzige, was hängen geblieben ist, ist ihre Geschichte, wie sie täglich Stunden im Stau stand, wenn sie nach Djakharta fahren wollte.
    Ich wusste auch nicht, dass Indonesien eine holländische Kolonie war. Die Japaner haben das beendet, aber ob es den Indonesiern damit jetzt besser geht? Hört sich nicht so an, nachdem, was man über Pak Trisno und seine Fabrik erfährt. Heutzutage ist es doch unabhängig - also hat die japanische Besatzung zum Glück ja auch irgendwann ein Ende.
    Ich finde das Buch zwar nicht exotisch, aber schon anders. Ich überlege ständig, in welcher Zeit wir uns befinden. Werden die Zigaretten heute noch in Indonesien mit der Hand gedreht oder stammen diese Passagen aus der Vergangenheit? Oder macht gerade dies, die Besonderheit aus?


    Das ging mir genauso. Fremdländische Umgebung, speziell klingende Namen, da habe ich auch etwas aufmerksamer gelesen.


    Am meisten Probleme haben mir am Anfang die Namen gemacht. Ich dachte mir, warum der Vater alle seine Söhne wohl Mas Irgendwas genannt hat. Bis ich dann im Anhang auf das Glossar gestoßen bin.... Gerade bei uns doch recht unbekannten Kulturen oder auch Abschnitten in der Geschichte, finde ich das immer hilfreich. Schön wäre noch ein kleiner Abriss in Geschichte gewesen, aber heutzutage kann man sich das ja auch aus dem Internet holen... :smile:

    Grüßle, Christina


  • Pak Raja, dem Vater der Dreien, hat mich beeindruckt. Er hat mich für sich eingenommen, als er seinem Sohn die Firma gezeigt hat und ihm erklärt hat, wenn er die Firma übernimmt, ist er für alle Mitarbeiter und deren Familien verantwortlich. Das zeigt Respekt. Er gibt den Leuten Arbeit, aber er ist genauso auf sie angewiesen. Es ist ein Recht und eine Pflicht. Er hat Tegar schon früh mit reingenommen und ihn zu einem verantwortungsvollen Menschen erzogen.


    Das fand ich auch sehr beeindruckend. Sehr sympathisch, dass er nicht nur den Chef des Imperiums heraus kehrt, sondern auch die Verantwortung für seine Arbeiter annimmt.



    Ich finde Lebas gar nicht so leichtlebig. Ich denke, er ist eher auf der Suche nach einem Platz für sich. Die Zigarettenfirma übernimmt sein großer Bruder, selbst wenn dieser nicht mehr wäre, ist da immer noch Karim. Er braucht also einen Platz für sich, er muss sich eine Zukunft suchen. Das es nun ausgerechnet die Filmindustrie ist, kommt bei den Eltern natürlich schlecht an, aber es scheint ihm zu liegen, auch wenn er bisher nur leichte Kost produziert hat.


    Leichtlebig ist vielleicht wirklich ein zu starkes Wort für sein Verhalten. Ich denke, er kommt auch durch den starken Kontrast zu Tegar weniger gut weg, als er ist. Mit so einem Musterbild von Bruder neben sich kommt er eben schnell in den Ruf des Lebenskünstlers.



    Yeng Jah - wer das wohl ist? Ich dachte auch erst, es ist Roemaisa, aber ich glaube, es ist vielleicht eher eine Generation weiter oder?


    Das vermute ich auch. Ich hab mich auch schon gefragt, ob Yeng Jah überhaupt ein echter Name ist oder auch so eine Bezeichnung wie "Mas" oder "Mak".


    Danke übrigens für den Hinweis auf das Glossar, dass hätte ich als ebook-Leserin glatt übersehen. Jetzt bin ich da mal hingehüpft und hab mir noch eine Portion Wissen über Indonesien geholt.

    :lesen: Brandon Sanderson - Elantris

  • Den Glossar hatte ich bis jetzt auch noch nicht bemerkt, danke für den Hinweis.


    Mir geht es wie euch, ich bin relativ unbedarft in Hinblick auf die indonesische Geschichte und Kultur. Der erste Abschnitt hat mir schon einmal sehr gut gefallen. Ich mag diese bildhaften Vergleiche und der leichte Humor, der immer wieder durchkommt.



    Leichtlebig ist vielleicht wirklich ein zu starkes Wort für sein Verhalten. Ich denke, er kommt auch durch den starken Kontrast zu Tegar weniger gut weg, als er ist. Mit so einem Musterbild von Bruder neben sich kommt er eben schnell in den Ruf des Lebenskünstlers.


    Mir schwingt etwas zuviel Selbstmitleid bei Lebas mit. Er schiebt die Schuld anderen in die Schuhe, dass er nicht als Künstler wahrgenommen wird. Anstatt stolz darauf zu sein, sich als Regisseur zumindest schon einen Namen gemacht zu haben, jammert er, dass er von seinen Brüdern nicht das benötigte Kleingeld für einen künstlerisch wertvollen Film erhält. Außerdem denkt er überhaupt nicht darüber nach, ob seine Handlungen Auswirkungen auf andere haben. Er möchte seinen Anteil von der Fabrik ausbezahlt bekommen, ohne an die Folgen für die Fabrik in Bezug auf das wirtschaftliche Überleben zu denken. Das macht ihn mir nicht wirklich sympathisch.


  • Echt witzig! Aber irgendwie fühlt es sich schon bizarr an, dass Indonesier auf jamaikanischen Reggae abfahren und sich Rastalocken "wachsen lassen", dieser Ausdruck hat mich übrigens extrem erheitert. :breitgrins: Ich bringe das momentan noch nicht so richtig zusammen, hier muss ich mich wohl von meinem Schubladendenken verabschieden. :zwinker:


    Mir geht es ganz genauso wie Dir, aber die Autorin hat es ja sicher erstmal in ihrer eigenen Sprache bzw. für ihr eigenes Land geschrieben, für die ist das wohl alles ganz normal und nicht - wie für uns - ein Buch mit sieben Siegeln. Genau wie Du muss ich mich da von einigen festgefahrenen Strukturen lösen!


  • Danke übrigens für den Hinweis auf das Glossar, dass hätte ich als ebook-Leserin glatt übersehen. Jetzt bin ich da mal hingehüpft und hab mir noch eine Portion Wissen über Indonesien geholt.


    Das hatte ich im ebook auch nicht gesehen. Danke für den Hinweis.

    Das sind keine Stirnfalten. Das ist ein Sixpack vom Denken.

  • Mir schwingt etwas zuviel Selbstmitleid bei Lebas mit. Er schiebt die Schuld anderen in die Schuhe, dass er nicht als Künstler wahrgenommen wird. Anstatt stolz darauf zu sein, sich als Regisseur zumindest schon einen Namen gemacht zu haben, jammert er, dass er von seinen Brüdern nicht das benötigte Kleingeld für einen künstlerisch wertvollen Film erhält. Außerdem denkt er überhaupt nicht darüber nach, ob seine Handlungen Auswirkungen auf andere haben. Er möchte seinen Anteil von der Fabrik ausbezahlt bekommen, ohne an die Folgen für die Fabrik in Bezug auf das wirtschaftliche Überleben zu denken. Das macht ihn mir nicht wirklich sympathisch.


    Ich sehe schon, Lebas spaltet die Gemüter. Stimmt, die Idee mit der Auszahlung seiner Firmenanteile ist sehr unüberlegt und sprunghaft. Was aber zum Nesthäkchen / Künstler passt, der eben nur für sich und seine Kunst lebt und bisher keine Verantwortung übernehmen musste. Vielleicht wäre er ja ein wenig überlegter, wenn er auch in die Firma eingebunden wäre - oder eben auch schon früher eingebunden worden wäre, von seinem Vater.
    Künstler werden aber eben auch oft so dargestellt - unüberlegt, sprunghaft, ein Leben für die Kunst, gleich welche Konsequenzen. Aber mir ist Lebas immer noch sympathisch. Irgendwie kann ich ihm das unüberlegte nicht übel nehmen. Und ich glaube, dass er auf dieser Reise noch viel lernen wird - über sich selbst, über die Familie und über seine Pläne für die Zukunft.

    Grüßle, Christina

  • Na ja, er darf sich bei seiner Vorgeschichte nicht wundern, wenn seine Brüder seine Ambitionen nicht ernst nehmen. Die Studienwechsel waren impulsiv und nicht aus überlegten Gründen heraus. Er möchte als Künstler wahrgenommen werden und dreht Trash. Seine Arbeit als Regisseur nimmt er ernst, aber bei der Wahl seiner Arbeiten hat er sich immer von anderen beeinflussen lassen. Das war sicher aus der Notwendigkeit einer Beschäftigung heraus, empfiehlt ihn aber nicht für Gelder, die zur Kunstförderung bestimmt sind.



    Vielleicht wäre er ja ein wenig überlegter, wenn er auch in die Firma eingebunden wäre - oder eben auch schon früher eingebunden worden wäre, von seinem Vater.


    So wie ich das gelesen habe, hat er keinerlei Interesse an der Mitarbeit in der Fabrik gezeigt und wurde deswegen nicht eingebunden.