Klaus Modick - Konzert ohne Dichter

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 3 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Weratundrina.

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    Inhalt:
    Heinrich Vogeler, gefeierter Jugendstilmaler und Oberhaupt der Worpsweder Künstlerkolonie, ist auf dem Höhepunkt seines Erfolges. Im Juni 1905 soll im die Goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft verliehen werden. Doch Vogeler zweifelt an seiner Kunst und seinen Idealen.
    Auf dem Weg zur Preisverleihung erinnert er sich an die Anfänge in Worpswede, an die ersten Begegnungen mit seiner Frau Martha und vor allem an die fragile Freundschaft mit dem kapriziösen jungen Dichter Rainer Maria Rilke.


    Meine Meinung:
    Ich muss gestehen, dass mir Heinrich Vogeler und auch sein Barkenhoff, der Mittelpunkt der Künstlergemeinschaft in Worpswede mit "Mitgliedern" wie Fritz Mackensen, Otto Modersohn und Paula Becker, kein Begriff waren. Nachdem ich nun aber mal Nachforschungen zu Vogeler und seinen Bildern angestellt habe (danke, Google :zwinker:), ist mir aufgefallen, dass ich einige seiner Werke wohl kenne, aber eben nicht mit dem Namen Vogeler in Verbindung gebracht habe.
    Dieses Buch nun erzählt von diesem Heinrich Vogeler, der sich mit seinem selbst gestalteten Haus Barkenhoff, umgeben von gleichgesinnten Schöngeistern, eine Künstleridylle schaffen wollte und am Ende doch an der Authentizität seiner Kunst zu zweifeln beginnt und sich nicht mehr sicher ist, ob es sich nicht doch nur um "arrangierte Künstlichkeit ... für zahlungskräftiges Publikum" handelt.
    Dieser Blick in eine Künstlerseele hat mich fast noch mehr fasziniert als die schwierige Freundschaft zu Rilke, die wohl eigentlich das Hauptthema des Buches ist. Rilke kommt hier denkbar schlecht weg als egozentrischer Schmarotzer, der seine traumschönen Wortgebilde auch gerne mal nutzt, um zahlungskräftige adelige Damen zu becircen.


    Natürlich ist hier vieles Spekulation und "So-hätte-es-sein-können", aber für mich war dieser Einblick in eine Künstlergemeinschaft, die an Ende ihre Träume aber doch nicht verwirklichen kann, zusammen mit der wunderschönen Sprache von Klaus Modick, ein echtes Lesevergnügen und Jahreshighlight.
    Ich habe gesehen, dass es noch einige Bücher über Worpswede und seine Künstler gibt (Rilke selbst hat eins geschrieben) und bin nach diesem Einstieg nicht abgeneigt, noch mehr darüber zu erfahren.


    5ratten


    Hier übrigens das titelgebende Bild "Konzert" oder "Sommerabend" von Heinrich Vogeler, auf dem Rilke, obwohl seine Frau Clara zu sehen ist, fehlt:
    Konzert

    :lesen: Anthony Powell - The Kindly Ones <br /><br />Mein SUB<br />Meine [URL=https://literaturschock.de/literaturforum/forum/index.php?thread/32348.msg763362.html#msg763362]Listen

  • Hallo,


    ich habe dieses Buch teilweise gelesen und teilweise als Hörbuch gehört und mir ging es ganz ähnlich wie Dir knödelchen, ich kannte weder Worpswede noch Vogeler doch dieses Buch hat mich fasziniert. Es beruht ausschließlich auf den Gedanken und Erzählungen Vogelers, wobei mir besonders seine "2 Gesichter" gefallen haben. Sein Bezug zum dörflichen Volk erdet ihn immer mal wieder und auch wenn er oft in größeren Künstlerspären rangiert, fühlt er sich doch dem Ort und den Leuten verbunden.


    Rilke und seine Art kam hier wirklich nicht besonders gut weg, v.a. sein Einfluss auf Clara und seine Überheblichkeit. Nichtsdestotrotz hat Vogler aufgrund des Erbes und des Gönners einen anderen Stand als Rilke und ich sage mir, man erfährt ja hier auch nur seine Sicht, wobei sich der Eindruck zu Rilke mit anderen mir bekannten Schriften deckt.


    Insgesamt ein sehr schönes Buch, dass bei mir die Lust auf einen Besuch in Worpswede ebenso geweckt hat, wie das Interesse mehr von diese Kolonie zu erfahren.


    5ratten


    Viele Grüße
    schokotimmi

    Weltreise: 43/223 - 19,3%

  • Hallo zusammen,


    innerhalb von 1,5 Tagen habe ich dieses Buch gelesen, dass ich mir schon einmal aus der Bücherei geliehen hatte und nach den ersten Seiten wieder beiseite gelegt hatte. Ich fand es langatmig und langweilig.


    Aber weil wir demnächst ein paar Tage in Worpswede verbringen werden und das Buch dort spielt und mir wärmstens empfohlen wurde, hat es eine zweite Chance bekommen.


    Diesmal war ich fasziniert. Diese wunderbare Stimmung von Sommerabenden, der Künstlerkolonie, dem Miteinander und Zwischenmenschlichen, den Einblick in die Künstlerseele Heinrich Vogelers - einfach toll.
    Zugegeben: manche Passagen waren mir immer noch zu langatmig und zu detailverliebt - hier habe ich dann einfach quergelesen. :-)


    Ich freue mich total, in Worpswede mehr über Heinrich Vogeler und die dortige Zeit um 1900 zu erfahren!


    5ratten

    Liebe Grüße

    SheRaven

  • Ich warte schon so lange darauf dass das mal jemand günstiger abgibt. Menno. ..

    Viele Grüsse,

    Weratundrina :verlegen:


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