Thomas de Wesselow - Das Turiner Grabtuch und das Geheimnis der Auferstehung

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.
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    Erscheinungsjahr: 2012
    Verlag: C.Bertelsmann
    Format: gebunden mit Schutzumschlag, 542 Seiten
    Aus dem englischen übertragen von Susanne Kuhlmann-Krieg



    Der englische Kunsthistoriker Thomas de Wesselow richtet sich mit seinem populärwissenschaftlichen Sachbuch in seinem Vorwort bewusst an den interessierten Laien und nicht an das wissenschaftliche Fachpublikum. So betont er eigens:


    [quote author=Thomas de Wesselow - Das Turiner Grabtuch und das Geheimnis der Auferstehung, Vorwort, Seite II]„Dieses Buch ist kein wissenschaftliches Lehrwerk. Jeder, der wissen möchte, wie es mit dem Christentum begonnen hat, jeder den das Grabtuch interessiert, kann es lesen, Vorkenntnisse sind nicht vonnöten.“[/quote]


    Derart vorgewarnt, erhält man im ersten Teil einen Abriss über die unterschiedlichen Theorien bezüglich der Echt- oder Falschheit des Grabtuchs. De Wesselow trägt diese minutiös zusammen und kommentiert sie, wobei seine eigene Präferenz klar zu tragen kommt. Dabei fällt der etwas überhebliche Tonfall gegenüber seiner Ansicht konträren Meinungen unangenehm auf, über mangelnde Belege seiner Quellen kann man sich dagegen nicht beklagen. In Fülle vorhandene Fußnoten verweisen im Anhang auf weiterführende Literatur.


    Erst als er sich mit dem großen Mysterium des christlichen Glaubens beschäftigt, wird es abstrus. Dies beginnt schon mit der Einleitung, wenn er dem Leser in pathetischen Worten die Umstände, die die Entwicklung seiner sogenannten „Grabtuchtheorie“ begleiteten, schildert. So streifte ihn der Blitz der Erkenntnis an einem sonnigen Frühsommermorgen unter einem Apfelbaum liegend, als er


    [quote author=Thomas de Wesselow - Das Turiner Grabtuch und das Geheimnis der Auferstehung, Kapitel 15 - Das beseelte Grabtuch, Seite 247]„in einen seltenen Zustand selbstvergessenen Reflexion, einer Mischung aus Tagträumerei und Konzentration“[/quote]
    geriet. Dem nicht genug, treibt er die Schilderung der schlecht verhüllten Metapher auf die Spitze, indem er schreibt:


    [quote author=Thomas de Wesselow - Das Turiner Grabtuch und das Geheimnis der Auferstehung, Kapitel 15 - Das beseelte Grabtuch, Seite 249]„Statt mich genüsslich faul in der Sommersonne zu rekeln, sah ich mich plötzlich erbittert mit einem metaphysischen Gegner ringen wie weiland Jakob mit dem Engel.“[/quote]
    Danach kümmert er sich um die Verwirklichung seines im Vorwort angekündigten Anliegens, nämlich


    [quote author=Thomas de Wesselow - Das Turiner Grabtuch und das Geheimnis der Auferstehung, Vorwort, Seite II]„so detailliert wie möglich einen revolutionär neuen Weg aufzuzeigen, die Anfänge des Christentums zu begreifen.“[/quote]


    In wenigen Worten zusammengefasst, soll die Grabtuchtheorie das Entstehen des Christentums erklären. Die Apostel entdeckten in seinen Augen das Grabtuch in Jesus Grab und hielten dieses für den auferstandenen Messias. Das nebenbei ein Leichnam lag, war nebensächlich, da das Grabtuch


    [quote author=Thomas de Wesselow - Das Turiner Grabtuch und das Geheimnis der Auferstehung, Kapitel 15 - Das beseelte Grabtuch, Seite 250]„als geheimnisvolle, metaphysische Daseinsform“[/quote] betrachtet wurde.


    Die Texte der Evangelien sollen sich in seinen Augen mit seiner Hypothese vollständig erklären lassen. Den Beweis tritt er auch an – dort wo es passt, werden die Texte wörtlich ausgelegt und dort wo es sich spießt, beispielsweise in den Stellen, in denen der auferstandene Jesus mit den Aposteln isst und trinkt, wird dem geneigten Leser genauestens erklärt, das es hier durch den zeitlichen Abstand zwischen tatsächlichem Geschehen und der schriftlichen Aufzeichnung zu verständlichen literarischen Ausschmückungen kam. Der ungläubige Thomas unter der Leserschaft kann sich dem Verdacht, dass nach der „Was-nicht-passt-wird-passend-gemacht“-Methode vorgegangen wird, nicht erwehren und stellt sich die Frage, wie wissenschaftlich ernst zu nehmen eine derartige Vorgehensweise ist.


    Fazit: :flop:

    Einmal editiert, zuletzt von dodo ()