Gerald Drissner - Als Spion am Nil

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    Klappentext, wenn auch zugegebenermaßen ein wenig sperrlich:


    Tradition und Revolution zeitgleich erleben
    Ägypten aktuell: die letzten Momente des Mubarak-Regimes und die Ära danach bis Ende 2012
    Ägyptens Wirklichkeit: Abseits von Kairo und Alexandria leben die Menschen, bei denen die Revolution nicht angekommen ist
    Der Insider und Ägyptenkenner Gerald Drißner hat fünf Jahre in Alexandria gewohnt




    Gerald Drissner ist Journalist. 2007 zog er für fünf Jahre Ägypten, lernte arabisch und besuchte Land und Leute auf ungewöhnliche Art und Weise: individuell, mit landestypischen Verkehrsmitteln, ohne Reisebüro.


    "Für die Ägypter, die täglich ums Überleben kämpfen und trotzdem ihren Humor nicht verloren haben"


    Fragt man die meisten Menschen nach Ägypten kennen sie die Pyramiden und Hurghada, einige wenige noch die kulturellen Schätze des alten Ägypten in Luxor. Nichts hiervon kommt in dem Buch vor. Der Autor zeigt den ägyptischen Alltag und Orte, die ein Tourist nie besucht.
    Wunderbar trocken erzählt Drissner seine erlebten Geschichten und die Fakten über das Land am Nil.


    "In Ägypten dreht sich fast jedes Lied nur um die Liebe, und die meisten Filme triefen vor Herz und Schmerz. [...] "Ohne dich fühle ich mich wie eine Nacht ohne Mond." Deutsche Romantik ist Trockenbrot dagegen. Das ist aber nur im Film so. In der ägyptischen Realität wird das Märchen von Liebe und Heirat zu einer Mischung aus Dallas und Denver Clan am Nil [...]"


    Vom verdreckten Nil und Land, vom Trinkwasser mit Chlornote, erzählt er ebenso wie von der tiefen, teilweise fundamentalistischen, Religiosität.
    Von einfachen Mann auf dem Land, der von der Revolution bis heute nichts erfahren hat, sondern täglich ums blanke Überleben kämpft, lesen wir ebenso wie über Verschwörungstheorien und katastrophale politische Fehlentscheidungen vergangener Jahrzehnte.
    Oft habe ich geschmunzelt und genickt, kam mir einiges sehr bekannt vor, anderes füllte die Lücken in meinem ägyptischen Puzzle.


    Und doch ist es für mich ein wenig schade, dass Gerald Drissner die touristischen Highlights nicht einmal gestreift hat, besser hätte man Gegensätze nicht verdeutlichen können.


    Das Buch ist kein Reiseführer, wer aber fern ab von westlich orientierten Hotelburgen und den berühmten historischen Bauten Ägypten verstehen möchte, dem sei die Lektüre ans Herz gelegt. Ob man Land und Leute danach mehr mag sei dahin gestellt.
    Zumindest der Autor, und ich als Leserin, haben die Zuneigung zu den Menschen in Ägypten nicht verloren.


    "In der Nordhälfte wohnen die meisten Ägypter. Ein Land kann durch seine Natur faszinieren. Im Norden Ägyptens aber sind es die Menschen."


    5ratten