Edith Pattou - East/North Child

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 3 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Wendy.

  • Hallo allerseits,


    jetzt konnte ich die Finger doch nicht von meinem nächsten Monatsrunden-Buch lassen. Mein aktuelles Parallel-Buch ist etwas schwere Kost, daher macht diese Märchen-Neuerzählung gerade besonders viel Spaß. Warum das Buch jetzt auf einmal "North Child" und nicht mehr "East" heißt, weiß ich zwar auch nicht, aber ich hänge mal alle Coverversionen an. Ich selbst hab die erste davon.


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    Inhalt:
    Rose wurde Richtung Norden geboren und der Aberglaube besagt, dass sie einmal weit reisen wird. Die Prophezeiung wird erfüllt als ein großer weißer Bär sie in ein Schloss mitnimmt, wo ein stummer Fremder erscheint. Als Rose von ihrer Neugierde überkommen wird, muss sie nach einer epischen Reise das Schloss östlich von der Sonne und westlich vom Mond finden.


    Erste Eindrücke:
    Für mich war das Buch ein Coverkauf. Dass es das norwegische Märchen neu erzählt, wusste ich zwar, aber nicht, was die Autorin damit anfängt. Die Geschichte hat eine Rahmenhandlung, in der irgendjemand (der Leser selbst?) eine Truhe mit alten Schriftstücken entdeckt. Die folgenden Kapitel sind jene Schriftstücke, geschrieben von Roses Familie und dem weißen Bären. Die Kapitel sind alle sehr kurz, die Charaktere erzählen jeweils aus ihrer eigenen Perspektive - das gefällt mir sehr gut, weil man so auch den Vater und Bruder kennen lernt, nicht nur die Protagonistin Rose.


    Am besten gefällt mir bisher die Mythologie der Geschichte bzw. der verrückte Aberglaube der Mutter. Sie ist der Meinung, dass die Richtung, in die jemand geboren wird (also die Richtung, in die der Kopf zeigt, wenn man auf die Welt kommt) die Persönlichkeit des Menschen bestimmt, ähnlich einem Sternzeichen. Aber Roses Mutter nimmt diesen Aberglauben wirklich extrem ernst und plant ihre sieben Kinder von Nordosten bis Nordwesten zu gebären... :spinnen: Dass das nicht klappt, ist vorprogrammiert. Rose kommt einen Monat zu früh Richtung Norden zur Welt und ist von Geburt an dafür bestimmt, ein wildes, neugieriges, schwieriges Kind zu sein.
    Und tatsächlich ist Rose ständig auf den Beinen, läuft wild herum und hat keine Angst sich zu verirren. Ihr großer Bruder Neddy tut sein bestes um sie zu beschützen, ihre Mutter verdrängt, dass Rose Richtung Norden geboren wurde (also ein "North Child" ist) und gaukelt allen vor, sie sei ein Ost Kind und müsse nur erst zu ihrer ruhigen braven Natur finden.


    Gerade ist auch der Eisbär angekommen und hat nach der jüngsten Tochter verlangt. Als Gegenzug macht er die arme, hungernde Familie reich und sorgt dafür dass die kranke Sara wieder gesund wird. Dank der kurzen Kapitel und der wechselnden Perspektiven macht dieses Buch bisher wirklich großen Spaß. Bei einem bekannten Märchen (das ich heute übrigens gerade wieder gelesen habe - zur Einstimmung :breitgrins:) ist natürlich die spannendste Frage, wie eine Autorin sie neu erzählt ohne langweilig oder vorhersehbar zu werden. Ich bin gespannt, was Pattou sich ausgedacht hat, aber ihre Charaktere habe ich jetzt schon sehr gern.

    Jahresziel: 2/52<br />SLW 2018: 1/10<br />Mein Blog

  • Trotz viel Parallel-Lektüre bin ich ein Stück in East weitergekommen.


    Rose hat herausgefunden, dass sie ein Kind des Nordens ist und nicht, wie ihre Eltern ihr vorgaukeln, ein ein Ost-Kind. Ihr Name Edda Rose ist ebenso eine Lüge und sollte eigentlich Nyamh Rose lauten - aber da sie von allen Rose genannt wird, macht das keinen großen Unterschied.
    Rose ist mit dem großen Eisbären in seinen Palast gegangen, um ihre Familie zu retten. Und tatsächlich - kaum ist Rose eine Woche weg, scheint die Familie vom Glück besucht zu werden. Die kranke Sara erholt sich langsam, der Vater bekommt neue Arbeit und sie müssen ihre Farm doch nicht verlassen.


    Was mir sehr gefällt ist, dass es zwischen den Kapiteln aus Sicht der Familie auch Kapitel von der Trollkönigin und dem Eisbären gibt. Der Eisbär "schreibt" nur in ganz kurzen Sätzen, er hat eindeutig kein großes Vokabular bzw. hat er seine Fähigkeit verloren, menschliche Worte zu formen. Seine Kapitel sind nur ganz kurz und lesen sich eher wie Gedichte. Die Trollkönigin kann sehr wohl schreiben und obwohl sie egoistisch einen Menschenjungen entführt, einfach weil er ihr gefällt, ist sie bisher noch kein wirklicher Bösewicht. Für ein Kinderbuch finde ich es sehr schön, dass die Gegnerin auch die Möglichkeit hat, ihre Seite der Geschichte zu erzählen.


    Jetzt kommt eigentlich der Teil der Geschichte, wo die Handlung sich immer ein wenig zieht. Rose lebt praktisch alleine mit dem Eisbär in seinem Schloss, es gibt wenig Dialoge und wenig für sie zu tun. Rose liebt es zu weben und - siehe da - das Schloss bietet einen Raum mit wunderschönen Webstühlen, mit denen sich Rose die Zeit vertreibt. Mal sehen, wie lange es so weitergeht. Ich freue mich ja schon auf die vier Winde. :breitgrins:

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  • Etwas verspätet bin ich nun auch mit diesem Buch fertig geworden.


    Meine Meinung:
    Edith Pattou macht in ihrem Buch East fast alles richtig. In einer Neuerzählung des Märchens "Östlich von der Sonne und Westlich vom Mond" sind für mich immer drei Dinge am wichtigsten. Erstens, die Vorgeschichte. Wer ist das Mädchen, warum ist der Bär ein verzauberter Prinz, in welcher Zeit und an welchem Ort findet die Geschichte statt. Meine Schwärmereien über die Mythologie von East und die köstlich amüsanten (aber nicht dummen!) Aberglauben von Roses Mutter sind wohl Hinweis genug, dass mir dieser Teil ausgezeichnet gefallen hat.


    Der zweite wichtige Punkt ist die Beziehung zwischen Rose und dem Eisbären. Sie lebt fast ein Jahr lang in seinem Schloss, je nach Märchenversion kann der Bär sprechen oder auch nicht. In diesem Fall fällt ihm das Sprechen schwer und er kommuniziert hauptsächlich mit Blicken und Geräuschen. Rose und der Bär verbringen schon Zeit miteinander. Sie liest aus Büchern vor und versucht sich (kläglich scheiternd) an den Musikinstrumenten im Schloss. Aber eine wirkliche Beziehung baut sie nur zu einem der zwei Bediensteten, Tuki, auf. Mit ihm spielt sie ein Spiel, in dem sie sich ihre Sprachen beibringen. Tuki ist eindeutig kein Mensch, sondern ein Troll. Durch Zeigen auf Gegenstände und Aussprechen des Wortes in der eigenen Sprache bringen die beiden sich rudimentär die jeweils andere Sprache bei. Hier muss ich noch extra erwähnen, dass ich es immer wieder toll finde, wenn in Geschichten Sprachbarrieren herrschen. In der echten Welt spricht auch nicht jeder die eigene Sprache und Rose muss hier mit mehr als einer Fremdsprache kämpfen um sich irgendwie zu verständigen.


    Der dritte und letzte alles entscheidende Punkt ist für mich die Reise. Im Märchen springt das Mädchen ja auf die Rücken der vier Winde und wird - eigentlich ziemlich schnell und fast komfortabel - zum Schloss östlich von der Sonne und westich vom Mond getragen. Rose hat es nicht so leicht. Edith Pattou vermittelt hier nicht nur ein tolles Gefühl davon, wie viel Zeit vergeht, sondern auch wie schwer die Reise ist. Ganz ohne magische Winde reist Rose zuerst auf dem Land, dann auf einem Boot, dann übers Eis und durch den Schnee, meistens begleitet von hilfsbereiten Menschen. Der Kapitän names Thor ist mir sofort ans Herz gewachsen, ebenso wie die Inuit-Frau Malmo. Überhaupt konnte ich von der langen harten Reise gar nicht genug bekommen! Rose beweist hier immer wieder ihren Mut, ihre Lernbereitschaft und Cleverness - also wenn man sie bis zu diesem Punkt noch nicht geliebt hat, dann passiert es spätestens auf der Reise. Hier durften auch die Nebencharaktere am meisten strahlen. Thor, obwohl er nicht allzu lange im Buch vorkommt, wirkt lebendig und echt. Malmo erzählt viel über die Inuit-Kultur, über die Waffen, die zum Jagen verwendet werden, über alte Legenden, die man sich in Iglu erzählt. Hier war wirklich keine Seite langweilig.


    Auch das Ende ist hart erkämpft. Nicht nur muss Rose lange bei den Trollen leben bis sie (1.) die Sprache gut genug beherrscht und (2.) einen Plan zur Rettung des Prinzen schmieden kann, sondern auch nachdem die Bösen besiegt sind, sind nicht alle Probleme sofort gelöst. Ein weiterer Pluspunkt ist der Mangel an Instant-Romanze. Rose und der weiße Bär haben sich zwar gern, aber sie entwickeln erst nach und nach stärkere Gefühle füreinander. Roses Familie und die Kapitel, die aus ihrer Sicht erzählt werden, setzen dem Buch noch die Kirsche aufs Sahnehäubchen. Sogar die Trollkönigin kommt nicht als 100%ig böse rüber und bekommt ihre eigenen Kapitel, in denen sie erzählt, warum sie unbedingt einen Menschenprinz heiraten will. Und noch ein Plus - die Orte, die Rose besucht, sind alle echt und auch auf unseren Karten zu finden. :breitgrins:


    Abgesehen von dem etwas langgezogenen Teil im Schloss des Bären hat mir dieses Buch also sehr, sehr gut gefallen.


    4ratten


    Liebe Grüße,
    Wendy

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