Susanne Goga - Es geschah in Schöneberg

Literaturschock positioniert sich. Nazifreie Zone, denn wer neben Nazis marschiert, ist entweder selbst ein Nazi oder eine nützliche Marionette der Nazis. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 11 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von engi.

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    Kurzbeschreibung:


    Berlin 1927. Bei einer Modenschau im ›Romanischen Café‹ werden zwei Vorführdamen verletzt: Ihre Kleider wurden mit einem Kontaktgift präpariert. Offenbar ein gezielter Anschlag gegen den Modesalon ›Morgenstern & Fink‹, den aufsteigenden Stern am Berliner Modehimmel. Steckt ein Konkurrent dahinter? Kurz darauf wird in Schöneberg ein Toter gefunden. In seiner Wohnung entdeckt man einen Prospekt des Modesalons. Leo Wechsler, inzwischen Oberkommissar bei der Berliner Kripo, nimmt die Ermittlungen auf.



    Zu diesem Buch gibt es ab dem 05.02. eine autorenbegleitete Leserunde. Anmeldeschluss für Freiexemplare ist der 22.01. Wer mag noch mitlesen?

    LIEBE GRÜßE<br />HEIMFINDERIN

  • Meine Meinung zum Buch:


    Titel: Der 5. Fall für Leo Wechsler...


    Mir ist bisher nur Teil vier der Leo Wechsler Reihe („Mord in Babelsberg“) bekannt, aber der hat mir so gut gefallen, dass ich direkt wissen wollte, was noch so mit Leo passiert. Gespannt begann ich mit der Lektüre, denn die beschriebene Zeit ist genau meins.


    Dieses Mal entführt uns die Autorin in die Modewelt Berlins des Jahres 1927. Hier wird das Modehaus „Morgenstern & Fink“ Gegenstand eines Giftanschlages und wenig später wird in Schöneberg die Leiche eines Mannes gefunden, der einen Flyer des Modehauses besaß. Könnten die beiden Fälle zusammenhängen? Was werden Leos Ermittlungen ergeben?


    Wie gewohnt führt auch hier ein beobachtender Erzähler durch die Handlung und beleuchtet so diverse Schauplätze. Der Leser bekommt durch diese Erzählweise Puzzlestücke zugespielt, die sich nach und nach zu einem Ganzen fügen.


    Leo mochte ich bereits im letzten Band sehr gern. Er ist nicht der typische Mann seiner Zeit, da er offen für andere Sichtweisen ist und auch sein Frauenbild nicht zu macholastig ist, wie man es bei einem Polizisten seines Ranges erwarten würde. Auch seine Frau Clara war wieder herrlich erfrischend, gemeinsam eben für mich ein Traumpärchen.


    Mir gefiel hier gut, dass nicht nur die beiden Fälle mit der Ermittlungsarbeit beleuchtet werden, sondern auch das Privatleben von Leo. So erfährt man auch, dass Sohn Georg sich vielleicht in eine Richtung entwickeln könnte, die den Eltern nicht unbedingt lieb ist.


    Susanne Goga beleuchtet sehr realistisch die damalige Zeit und spricht Themen an, über die ich bis dato gar nicht nachgedacht hatte. So wird nicht nur die Modebranche thematisiert, sondern auch Homosexualität zur Weimarer Republik. Zudem spürt man bereits wie die rechten Strömungen immer mehr werden.


    Der Fall ist so spannend erzählt, dass man gedanklich mit rätselt und überlegt, wer der Täter sein könnte und die Auflösung des Ganzen ist dann schlüssig und nachvollziehbar. Der Fall wird geklärt, aber einige Handlungsstränge offen gelassen, so dass weiteren Fällen für Leo nichts im Wege steht.


    Fazit: Eine gelungene Fortsetzung, die ich gern empfehle. Lesenswert und bitte mehr von Herrn Wechsler...


    Bewertung: 4ratten

    &WCF_AMPERSAND"Das Buch als Betriebssystem ist noch lange nicht am Ende&WCF_AMPERSAND" (H.M. Enzensberger)

  • Leo Wechsler ermittelt wieder


    Berlin 1927: Das Modeatelier Morgenstern & Fink ist der aufsteigende Stern am Berliner Modehimmel. Umso stärker trifft sie ein Anschlag während einer Modenschau: zwei der vorgeführten Kleider wurden mit Kontaktgift präpariert. Kurz darauf wird in einer Wohnung eine Toter gefunden – ein bei ihm gefundenes Prospekt deutet auf eine mögliche Verbindung zu Morgenstern & Fink hin.


    Leo Wechsler ermittelt in diesem Buch zum fünften Mal und die Bücher rund um den sympathischen Oberkommissar haben immer noch nichts von ihrem Reiz verloren. Schnell bin ich wieder in das Berlin der damaligen Zeit eingetaucht. Die Autorin versteht es nach wie vor geschickt, die Zeit der Weimarer Republik transparent zu machen, in dem sie die Handlung neben der polizeilichen Ermittlungsarbeit mit politischen Brennpunktthemen unterlegt.


    Aber auch der Fall selbst ist wieder mysteriös und spannend, lange Zeit war ich mir nicht sicher, in welche Richtung die Auflösung gehen könnte. Mit meinem Verdächtigen lag ich zwar richtig, aber beim Motiv habe ich in die falsche Richtung spekuliert.


    Neben der Modeszene der 1920er Jahre beschäftigt sich das Buch diesmal auch mit der damaligen Situation der Homosexuellen in Berlin, ein Thema, das sehr sensibel von Susanne Goga umgesetzt wird.


    Ich freue mich immer wieder, die liebgewonnnen Charaktere wiederzutreffen und besonders freue ich mich darüber, dass auch Leos Schwester Ilse und ihr Werdegang weiterhin beleuchtet werden. Ein wenig Sorgen macht mir allerdings Georg oder besser gesagt, seine Freunde, mehr möchte ich an dieser Stelle jedoch nicht verraten.


    Das Buch hat mich wieder wunderbar unterhalten und ich freue mich sehr darüber, dass die Autorin angekündigt hat, dass es mit der Reihe weitergehen wird.


    4ratten

    Liebe Grüße

    Karin

  • Für mich war es die erste Begegnung mit dem symphatischen Ermittler Leo Wechsler.


    In dem 5. Teil bekommt es die Polizei in Berlin mit einem Angriff auf das Modehaus Morgenstern & Fink zu tun. Bei einer Modenschau des Hauses werden zwei Vorführdamen verletzt und müssen ins Krankenhaus. Auf der Suche nach dem Täter, muss Leo Wechsler viele Steine umdrehen, um doch keinen Schritt weiterzukommen. Als dann auch noch in der Wohnung eines Ermordeten eins der Programmhefte von Morgenstern & Fink auftaucht, steht er wieder am Anfang seiner Ermittlungen. Und diesmal scheinen sie in eine ganz andere Richtung zu gehen ...


    Meine Meinung :


    Ganz vorne weg : Es hat mir unglaublich viel Spaß gemacht dieses Buch zu lesen !
    Man ist sofort drin in der Geschichte, egal ob man die Charaktere schon kennt, oder nicht und wird von dem Sog erzeugenden Erzählstil der Autorin mitgerissen.
    Die Hauptcharaktere sind unheimlich liebenswürdig und respektvoll im Umgang miteinander. Eine reine Wohltat in der heutigen Zeit ! Wer jetzt denkt, das es eventuell zu dick aufgetragen, oder zu spießig sein könnte, irrt. Es ist der Autorin gelungen, einen subtilen, durchweg liebevollen Unterton in die Geschichte einzuflechten, der angenehm unaufdringlich ist. Ich bin schon gespannt darauf, ob es mir bei den ersten 4 Teilen auch so gehen wird :)
    Und das obwohl die Themen der Geschichte ganz und gar nicht nett und harmonisch sind. Grüppchen von SA Leuten machen die Stadt unsicher, Juden werden angegriffen und verprügelt und auch Homosexuelle können nicht offen sein.
    Auch vor Kindern und Jugendlichen machen die politischen Bewegungen nicht halt und es wird interessant sein zu verfolgen, wie Leos Sohn Georg damit umgehen wird.


    Auch auf die anderen Bücher der Autorin bin ich sehr gespannt.


    Fazit : Ein spannender Krimi mit Wohlfühlfaktor !


    4ratten

    Mein Patronus ist eine Büchereule :leserin:

  • Moin


    Ja, das Buch war mal wieder nett. Aber nett ist auch die Verkäuferin bei Karstadt an der Wursttheke.


    Das Thema war so lala. Die Spannung eher mittelprächtig. Wenn es um Leo Wechslers Kinder geht, dann merkt man einfach, dass das Buch von einer
    Frau geschrieben wurde. Rosamunde Pilcher lässt grüssen.


    Es war sicherlich nicht das beste Werk von Susanne Goga. Insgesamt war es o.k.....aber die Bücher von ihr schlittern so dahin: irgendwie fehlen neue Impulse und Dramatik.
    Für mich kommt das Buch eher vor wie eine Familiengeschichte mit ein kriminellen Einflüssen.


    Soweit ganz leserlich und seichte Kost. Aber wer Nesser und Mankell liest muss eher ein paar Gänge runterschalten.


    Ich vergebe


    3ratten

    Opa Pittschikowski aus dem Ruhrrevier, kennt die Blauen Knappen schon seit 1904 - niemals tat er fehlen, nur einmal war er krank - Oma tat er quälen wenn er schon morgens sang:<br /><br />Ob ich verroste und ver

  • Wenn es um Leo Wechslers Kinder geht, dann merkt man einfach, dass das Buch von einer
    Frau geschrieben wurde. Rosamunde Pilcher lässt grüssen.


    Wie meinst Du das? Ohne Rosamunde Pilcher gelesen zu habe, denke ich, dass ich weiß, was Du mit dem Vergleich zu ihr meinen könntest - aber nicht, was es mit den Wechsler'schen Kinder zu tun haben könnte.

    Liebe Grüße

    Tabea

  • Mir fällt halt auf, wie die Beziehung zu den Kindern umschriebne wird. Die Gedankengänge und Empfindungen der Kinder werden thematisiert. Sie werden auch in regelmässigen Abfolgen in das Buch mit eingebunden, obwohl sie inhaltlich thematisch beim
    Krimi keine Rolle spielen. Es wird u.a. benannt wenn sie Schokolade geschenkt bekommen, wenn der Sohn in den Zoo will etc.


    Das würde ein "Mann" wahrscheinlich nicht so oft umschreiben. Kann mir das bei einem Haken Nesser oder Mankell nicht vorstellen.

    Opa Pittschikowski aus dem Ruhrrevier, kennt die Blauen Knappen schon seit 1904 - niemals tat er fehlen, nur einmal war er krank - Oma tat er quälen wenn er schon morgens sang:<br /><br />Ob ich verroste und ver

  • Mir fällt halt auf, wie die Beziehung zu den Kindern umschriebne wird. Die Gedankengänge und Empfindungen der Kinder werden thematisiert. Sie werden auch in regelmässigen Abfolgen in das Buch mit eingebunden, obwohl sie inhaltlich thematisch beim
    Krimi keine Rolle spielen. Es wird u.a. benannt wenn sie Schokolade geschenkt bekommen, wenn der Sohn in den Zoo will etc.


    Das würde ein "Mann" wahrscheinlich nicht so oft umschreiben. Kann mir das bei einem Haken Nesser oder Mankell nicht vorstellen.


    Mir gefällt das gerade (auch wenn ich bisher noch keine Bücher von Rosamunde Pilcher gelesen habe :zwinker: ) Vielleicht schreiben Frauen anders, vielleicht lesen sie auch anders. Ich mag es jedenfalls, wenn in den Krimis nicht nur der Krimi die Hauptrolle spielt, sondern auch der Ermittler daneben noch ein Leben führt (und zwar ein relativ normales, nicht so ein verkorkstes mit Alkoholproblemen. Ich habe Wallander auch gerne gelesen, aber irgendwann ging er mir auf die Nerven damit).


    Durch das Privatleben und dazu gehören eben auch die Kinder und kleine Alltagsdinge, bekommt der Ermittler für mich mehr "Leben" und ich will auch gerne wissen, wie es ihm privat weiter ergeht. Diese Mischung aus Krimi und Familienleben (und historischen Details) gefällt mir gerade deshalb im Gesamtpaket so gut.


    Aber ich kann auch verstehen, dass man das als störend empfindet, wenn man einfach nur einen Krimi ohne "Drumherum" lesen will. Ich mag beides, je nach Lust und Laune.

    LIEBE GRÜßE<br />HEIMFINDERIN

  • Hier meine Meinung zum Buch:


    Inhalt
    Berlin 1927. Der aufstrebende Modesalon „Morgenstern & Fink“ will auf einer wichtigen Modenschau die Aufmerksamkeit neuer Kundinnen gewinnen. Doch es kommt anders, denn gleich zu Beginn der Vorführungen gibt es einen Anschlag, der den Ruin des Modegeschäfts bedeuten kann. Wer möchte das Haus vernichten? Ein Konkurrent oder ist etwas Persönliches?


    Kurz darauf geschieht ein Mord an einem Mitarbeiter des Instituts für Sexualwissenschaften. Das Opfer war homosexuell und ein Kämpfer gegen den Paragraphen 175. Liegt da das Mordmotiv zugrunde? Bei seinen Ermittlungen findet Oberkommissar Leo Wechsler ein Prospekt des Modesalons „Morgenstern und Fink“ in dessen Wohnung und auf einmal scheint es eine Verbindung zwischen den beiden Taten zu geben.

    Meine Meinung
    Dies ist nun der fünfte Fall des mittlerweile zum Oberkommissar beförderten Leo Wechslers und auch dieser hat mir wieder sehr gut gefallen. Man kann die Krimis natürlich auch gut unabhängig voneinander lesen, aber mir gefällt es besonders gut, auch die persönliche Entwicklung des mir mittlerweile sehr ans Herz gewachsenen Ermittlers zu verfolgen. Denn die Krimis sind für mich eine besonders gut gelungene Mischung aus Kriminalfall, Familiengeschichte und historischen Fakten.


    Die Atmosphäre der Zeit wird für mich besonders gut eingefangen. Man spürt richtig, wie die Stimmung so langsam immer beklemmender wird. Die Nazis bekommen mehr Präsenz, denn sie ziehen gewaltsam durch die Straßen, bedrohen Juden, schlagen Kommunisten brutal nieder. Die Menschen, auch Leo und einige Kollegen bleiben davon nicht unberührt, fühlen sich ungut und hoffen, dass diese Aufwiegler bald verboten werden. So richtige Sorgen macht man sich aber noch nicht - und nicht allen sind die braunen Aufwiegler ein Dorn im Auge. Und ausgerechnet Leos eigener Sohn macht aufregende Bekanntschaften, vor denen ich ihn immer wieder so gerne warnen wollte. Hier spürt man nun als Leser ganz besonders die Bedrohung, weil man weiß, was auf die Menschen noch alles zukommen wird, die von den Schrecken bisher noch nichts ahnten.


    Die Autorin verarbeitet in ihren Krimis auch immer besondere Themen der Zeit, hier zum einen die in Berlin aufstrebende Modeszene, zum anderen die Situation der Homosexuellen, die damals in Berlin für die Abschaffung des Paragraphen 175 kämpften. Mir gefallen die vielen interessanten Details, die die Autorin sorgfältig recherchiert mit einbringt und auch die immer mal wieder im Verlauf des Krimis erscheinenden historischen Persönlichkeiten. So konnte ich auch hier wieder einige interessante Informationen beim Lesen mitnehmen und fühlte mich regelrecht in die Zeit zurückversetzt.


    Der Fall selbst war spannend zu lesen und ich konnte besonders gut miträtseln, da immer nach und nach neue Puzzleteile hinzugefügt wurden, die wieder zu Spekulationen und Verdächtigungen führten. So wurde mir nie langweilig und ich war immer aktiv mit dabei, anstatt auf einmal irgendwelche Lösungen präsentiert zu bekommen, die nicht nachvollziehbar sind. Hier löste sich der Fall nach und nach schlüssig auf und auch wenn ich mit meinen Verdächtigungen ganz gut lag, wurde ich doch am Ende noch überrascht. Ich freue mich jetzt schon auf Leo Wechslers nächsten Fall!


    5ratten

    LIEBE GRÜßE<br />HEIMFINDERIN

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    Susanne Goga: Es geschah in Schöneberg. Kriminalroman. Ein Fall für Leo Wechsler, München 2016, dtv Deutscher Taschenbuch Verlag, ISBN 978-3-423-21622-7, Softcover, 333 Seiten, Format: 12,3 x 2,7 x 19,4 cm, Buch: EUR 9,95 (D), EUR 10,30 (A), Kindle Edition: EUR 7,90.


    Berlin, im Winter 1927: Die große Modenschau im Romanischen Café soll für das aufstrebende Modehaus Morgenstern & Fink den Durchbruch bringen. Chefin Lotte Morgenstern träumt davon, die Schauspielerin Elisabeth Bergner als prominente Kundin zu gewinnen. Die Einladung zur Modenschau hat sie zumindest schon mal angenommen. Doch die Veranstaltung wird zum Fiasko. Gleich die ersten beiden Vorführdamen, wie man die Models damals nannte, brechen schreiend zusammen: Jemand hat das Kleiderfutter mit einem Kontaktgift versehen. Die Damen kommen ins Krankenhaus, die Polizei erscheint, die Show ist gelaufen.


    Ein Giftanschlag auf eine Modenschau
    Wer hat Interesse daran, das Modeatelier zu ruinieren? Entlassene Mitarbeiter? Neidische Konkurrenten? Dass der oder die Täter aus der Modebranche kommen müssen, daran besteht kein Zweifel. Kein Laie werde imstande gewesen, die Kleider auf diese Weise zu präparieren. Und noch etwas ist klar: Wer immer das Attentat verübt hat, muss Hilfe von innerhalb des Hauses Morgenstern & Fink gehabt haben.


    Oberkommissar Leo Wechsler und seine Kollegen von der Polizeiinspektion A durchleuchten das Leben und den beruflichen Werdegang der Inhaberin Lotte Morgenstern und ihres Chefdesigners und Ehemanns Carl Fink. Doch da ist weit und breit kein Anlass für ein solches Attentat zu finden. Gut, wie Frau Morgenstern ihr Atelier finanziert hat, wirft vielleicht ein paar Fragen auf, aber bei ihrem vorigen Arbeitgeber, dem Modesalon Simon & Block, ist sie im Guten ausgeschieden und man lässt dort nichts auf sie kommen.


    Bei ihrem Gatten sieht die Sache ein wenig anders aus. Carl Fink hat als letztes für das Modehaus Janson am Hausvogteiplatz gearbeitet und ist dort zwischen die Fronten von Senior- und Juniorchef geraten. Der Senior hat in dem jungen Modeschöpfer einen möglichen Nachfolger gesehen, der Junior einen Konkurrenten. Als Fink nach einem großen Krach gekündigt hat, hat der Junior gejubelt, der Senior aber begriffen, dass so ein begnadeter Designer schwer zu ersetzen ist. Finks Weggang würden sie womöglich teuer bezahlen müssen.


    Viele Fakten, doch nirgends ein Motiv
    Da geschieht ein Mord, der auf den ersten Blick gar nichts mit der Modebranche zu tun hat: Rainer Vogt, ein Mitarbeiter des Instituts für S e x u a l wissenschaft, wird erschlagen in seiner Wohnung aufgefunden. Sehr schnell wird klar: Der Ermordete war homo s e x uell, er muss einen festen Freund gehabt haben, der regelmäßig bei ihm übernachtet hat – und er hatte Kontakt zum Modeatelier Morgenstern & Fink. Hängt Vogts Tod irgendwie mit dem Giftanschlag zusammen?


    Leo Wechsler und seine Leute rennen sich die Hacken ab. Sie stoßen auf eine Fülle von privaten Problemen und interessanten Firmeninterna, aber wie alles zusammenhängt, bekommen sie einfach nicht zu fassen. Nichts, was sie zutage gefördert haben, liefert auch nur ansatzweise ein Motiv für den Anschlag oder den Mord. „In jeder Ermittlung gab es Momente, in denen man nicht weiterwusste, vielleicht sogar glaubte, versagt zu haben.“ (Seite 247) Wechsler ahnt, dass ihm ein entscheidendes Puzzlestück für die Lösung der beiden Fälle fehlt ...


    Wenigstens privat läuft’s für den Oberkommissar
    Privat scheint es für den Oberkommissar endlich mal gut zu laufen. Mit seiner zweiten Ehefrau, der klugen und emanzipierten Bibliothekarin Clara ist der Witwer sehr glücklich. Auch seine Kinder, der 13jährige Georg und die 10jährige Marie, verstehen sich mit ihrer Stiefmutter gut. Wechslers unverheiratete Schwester Ilse hat es inzwischen verkraftet, in seinem Haushalt überflüssig zu sein. Sie hat eine eigene Wohnung, arbeitet als Arzthelferin in der Allgemeinpraxis von Dr. Magda Schott und hat einen sympathischen neuen Verehrer.


    Dass Clara Wechsler ihre naturwissenschaftlich begabte Stieftochter Marie auf die Oberrealschule schicken möchte, während Leo den (finanziellen) Aufwand für ein Mädchen nicht so recht einsieht, ist nur kurz ein Diskussionspunkt. Dass Sohn Georg mitnichten mit einer harmlosen Jugendgruppe unterwegs ist, sondern sich in höchst zweifelhafter Gesellschaft herumtreibt, wissen die Wechslers noch nicht. Das weiß vorläufig nur der Leser.


    „Beim Recherchieren und Schreiben wurde mir sehr deutlich bewusst, dass es zunehmend dunkler wird in Leos Welt“, schreibt die Autorin im Nachwort (Seite 331). Und in der Tat kommt es in dem Roman zu schweren Ausschreitungen der SA, wie wir am Rande mitbekommen. Leos kommunistisch gesinnter Nachbar wird auf offener Straße zusammengeschlagen, und ein bärtiger alter Herr kann sich in letzter Sekunde in das Modeatelier von Lotte Morgenstern flüchten: “Sie waren auf einmal da“, sagte er mit stockender Stimme. (...) Jemand rief etwas von ‚J u d e n p a c k’. Dann gingen sie schon auf mich los. Es kam so plötzlich, ich konnte die Hände nicht mehr vors Gesicht nehmen. Es waren junge Kerle in Uniform.“ (Seite 110)


    Der Leser, der ja mit dem Wissen von heute auf diese atmosphärisch dichte Zeitreise geht, beginnt, um einige der Nebenfiguren zu fürchten. Was wird aus Kriminalassistent Jakob Sonnenschein und seiner Frau Esther, wenn das so weitergeht, wie wir wissen, dass es weitergeht? Und Georg Wechsler? Der kann der Katastrophe vermutlich so oder so nicht entrinnen. „Aber ich habe mir diese Epoche ausgesucht“, schreibt Susanne Goga, „und werde Leo auf seinem Weg begleiten. Und ich freue mich über alle, die uns dabei folgen.“ (Seite 331)


    Ich folge Leo schon seit über 10 Jahren und denke bei jedem Band, dass dieser mir womöglich noch besser gefällt als der vorherige. Spannend und sehr gut recherchiert sind sie alle. Die Personen „leben“. Wenn man als Leser eine Serie so lange begleitet, entwickelt man eine Vertrautheit mit den Figuren, die jeden Band zu einem Wiedersehen mit alten Bekannten macht. Auch wenn die Zeiten wieder härter für sie werden: Ich will wissen, wie es mit ihnen weitergeht. Und ich bin gespannt, in welchem Milieu Leo im nächsten Band ermitteln wird. Er war schon im Rotlichtviertel, in der Kunstmalerszene, beim Film und nun in der Modebranche unterwegs, und jedes Mal gab’s für den Leser neben dem Kriminalfall auch interessante und aufschlussreiche Blicke hinter die Kulissen.


    Man kann dem vorliegenden Band auch inhaltlich folgen, wenn man die vorigen vier nicht gelesen hat. Das Gefühl aber, dass die Personen eine lange gemeinsame Geschichte verbindet, die man selbst nicht kennt, wird man nicht loswerden.


    Leserinnen und Leser, die – wie ich – gerne vorab schon das Nachwort, die Danksagung und das ganze Drumherum lesen, möchte ich warnen: Wenn man weiß, zu welchen Themen die Autorin für dieses Buch recherchiert hat, ahnt man bestimmte Zusammenhänge zu schnell und nimmt sich ein wenig die Spannung. Aber das hat man ja in der Hand. Wenn man sich im Griff hat ...


    Die Autorin
    Susanne Goga lebt als Autorin und Übersetzerin in Mönchengladbach. Sie hat außer ihrer Krimireihe um Leo Wechsler mehrere historische Romane veröffentlicht.

  • 1927 in Berlin: Am Anfang einer Modenschau in einem Café reißen sich zwei Vorführdamen des Modehauses Morgenstern & Fink die Kleider vom Leib, weil sie glauben zu verbrennen. Wie sich bei den Untersuchungen herausstellt, ist Capsaicin im Futter der Kleider dafür verantwortlich. Leo Wechsler wird stutzig, als ihm sein Kollege beichtet, dass Lotte Morgenstern vor einiger Zeit den Verdacht hatte, dass jemand im Modehaus eingebrochen sei. Aber es gab keine Einbruchspuren und es war auch nichts gestohlen worden. Wurde das aufstrebende Unternehmen zur unangenehmen Konkurrenz? Wer hat ein Motiv Lotte Morgenstern und Carl Fink zu ruinieren? Kurz darauf gibt es einen Toten. In der Wohnung des Toten, Rainer Vogt, findet Leo einen Hinweis auf das Modehaus. Vogt setzte sich für die Homosexuellen ein und kämpfte für die Abschaffung des §175. Wie hängen die Fälle zusammen?
    Dies ist mein erstes Buch mit Leo Wechsler, aber bestimmt nicht das letzte. Leo ist ein sympathischer Kommissar, der nicht mit einer vorgefassten Meinung an seine Fälle geht, wie das in jener Zeit so oft der Fall ist. Er hat ein besonderes Gespür für Menschen und ihre Umgebung und nimmt so manchmal etwas wahr, das die Kollegen übersehen. Aber er ist auch ein liebevoller Ehemann und Vater mit gelegentlichen kleinen Schwächen. Sohn Georg hat sich einer Gruppe angeschlossen, die sich die „Adler“ nennt. Endlich hat er Freunde. Doch sind es die richtigen Freunde? Der 13jährige Georg steckt in einer Zwickmühle.
    Lotte ist eine ehrgeizige Frau, die mit Carl eine Zweckehe eingegangen ist und nun befürchten muss, dass ihr Traum vom angesehenen Modehaus zerbrechen könnte.
    Die Atmosphäre in Berlin ist sehr gut dargestellt. Es sind die goldenen Zwanziger und obwohl die Menschen sich freuen, dass es ihnen wieder besser geht, ist da auch die Gefahr spürbar, die sich immer öffentlicher zeigt.
    Der Schreibstil gefällt mir sehr und die Geschichte ist spannend bis zum Schluss.


    5ratten

  • Von mir bekommt dieser historische Kriminalroman – inzwischen schon der fünfte Teil der Reihe um Kommissar Wechsler und sein Team – auf jeden Fall die volle Punktzahl. Wieder einmal konnte man auf jeder Seite spüren, wie sehr sich die Autorin mit der Zeit der Zwanziger Jahre zu identifizieren scheint.

    Die Zeiten scheinen ein wenig dunkler zu werden und der Glanz und Glamour der „Roaring Twenties“ unter dem sich abzeichnenden Machtwechsel zu verblassen. Gezielt hat sich Frau Goga in diesem Roman mit zwei wichtigen Berliner Themen der damaligen Zeit befasst, nämlich der Homosexualität und der Mode. Während der Kriminalfall schon spannend und recht unvorhersehbar aufgebaut ist, erfährt man doch auch hautnah, wie gleichgeschlechtliche Liebe immer mehr verpönt ist und gar die mögliche Abschaffung des berühmten Paragrafen 175 unerreichbar zu werden scheint. Leo Wechsler scheint davon unbeeindruckt und ermittelt in altbekannter Manier mit Klugheit und von einem inneren Gefühl getrieben, das sich so leicht nicht täuschen lässt. Bald schon fängt er an zu graben in der Modewelt der Reichen und Schönen und deckt so manches Geheimnis auf, das besser im Dunkeln geblieben wäre. Doch auch seine Frau Clara, Schwester Inge und Sohn Georg bekommen ihren Auftritt. Während ich mich für die beiden Damen für ihre ureigenen Erfolge sehr gefreut habe, macht mir der heranwachsende Georg ein wenig Sorgen. Hier bin ich sehr gespannt, wie es im nächsten Band weitergehen wird. Denn ich bleibe ihr treu, der Spürnase Wechsler und somit natürlich auch der liebenswerten Autorin Susanne Goga. Ich empfehle jedem neuen Leser dieser Reihe auf jeden Fall mit Band eins zu beginnen.