Richard Yates - Cold Spring Harbor

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.
  • Richard Yates - Cold Spring Harbor


    Kaufen* bei

    Amazon
    Bücher.de
    Buch24.de

    * Werbe/Affiliate-Links


    Yates wurde 1926 im Bundesstaat New York geboren und starb 1992 in Alabama. 1986 veröffentlichte er seinen letzten vollendeten Roman. Doch erst jetzt erscheint dieses Werk auf Deutsch. 1986 hätte ich Yates also noch kennenlernen können. Es war das Jahr in dem Süskinds Parfüm zum Jahresbestseller in Deutschland wurde. Wallraff mit seinem "Ganz unten" Bericht, der im Oktober 1985 erschien, machte von sich Reden. In dieser Zeit, die ich im Rückblick schon als modern bezeichnen würde (der Homecomputer Atari war unter Jugendlichen schon weit verbreitet), schreibt der Amerikaner Yates einen Roman der in den 40er Jahren in Cold Spring Harbor, einem zu etwas Wohlstand gekommenen Ort auf Long Island, spielt. Das Faszinierende an dem Buch ist, wie Yates es sofort schafft, seine Figuren in 40er Jahre zu setzen. Da gibt es noch nicht die Ablenkungen der Neuzeit, Konsumterror, Karriere-Intrigen oder gar sexuelle Offenheit. Die Figuren sind noch nicht zerrissen von den vielen Möglichkeiten, die sich heute bieten.


    Charles Chepart und seine Frau Drake haben als einzigen Sohn Evan, der ihnen in der Kindheit und Pubertät einige Schwierigkeiten gemacht hat. Diese scheinen nun überwunden, Evan ist begeisterter Autobastler und scheint nun einen rechtschaffenden Weg gefunden zu haben. Sein Vater Charles wollte bei der US-Army Karriere machen, was dann aber aufgrund eines Augenleidens nicht gelang. Zudem erkrankte seine Frau und er kümmerte sich fortan um den Haushalt. Das Leben von Evan steht im Mittelpunkt dieses Romans, auch wenn der Autor alle Figuren um ihn herum mit gleicher Präzision zeichnet. Sehr zart beschreibt er die erste Liebe seines Sohnes zu einer wundervoll eingefädelten Zufallsbekanntschaft. Später dann den nüchternen Ehealltag und mit einer ebenfalls alkoholkranken Schwiegermutter, die vor Einsamkeit umkommt. Gerade die älteren Personen sind in ihrem Leben irgendwie alle gescheitert, sie können ihr Schicksal nicht mehr wenden. Die Einfachheit des Lebens, die ich aus heutiger Sicht auch noch für meine Kindheit spüre, wird meisterhaft deutlich und diese Stellen depremieren. Yates gelingt es, Glück und Unglück der Figuren an den Leser weiterzugeben. Und so begleitet man Evan für einige Jahre, durchaus ereignisreich und mit Spannung zu lesen. Von der Handlung sei hier gar nichts verraten. Am Ende schlägt man ein zutiefst menschliches Buch zu. Es gehört in den Tempel der Weltliteratur, in dem es jedoch nicht ganz oben anzusetzen ist (daher vier Sterne).


    4ratten


    Gruß, Thomas