William Faulkner - Als ich im Sterben lag

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 6 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Kirsten.

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    Klappentext
    Die Legende von Addie Bundren beginnt und endet am selben Ort: in Yoknapatawpha County. Vier Tage nach Addies Tod machen sich die Hinterbliebenen auf den Weg in die Kreisstadt Jefferson, um sie dort beizusetzen. Doch auf dem Weg gerät der Leichenzug in immer neue Schwierigkeiten: Im Hochwasser stürzt eine Brücke ein, bei der Durchquerung des Flusses gehen Fuhrwerk und Sarg beinahe verloren. Zu allem Unglück bricht sich der älteste Sohn, Cash, das bereits verkrüppelte Bein. Und die Tochter Dewey Dell hat neben der Verantwortung für den Jüngsten schwer genug an ihrem Geheimnis zu tragen.


    Meine Meinung
    Angefixt von der Besprechung von Faulkners "Absalom, Absalom!" im Literaturclub wollte ich unbedingt ein Buch von dem in Deutschland eher unbekannten amerikanischen Schriftsteller lesen und habe mich dann für "Als ich im Sterben lag" entschieden, weil es mir von der Thematik her am interessantesten erschien und ich gelesen hatte, dass Faulkner diesen Roman selbst als seinen besten bezeichnet hat.


    Nun habe ich ihn gelesen und bin hin- und hergerissen:


    Es ist auf jeden Fall eines der besseren Bücher, die ich gelesen habe. Interessant sind die Familienverhältnisse, in die man hineingezogen wird und die nach und nach in ihrer ganzen Entsetzlichkeit enthüllt werden.
    Toll finde ich die Technik, die Faulkner anwendet: Alle Familienmitglieder und einige Außenstehende, die an den Ereignissen beteiligt sind, kommen zu Wort und erzählen die Geschehnisse aus ihrer Sicht. Dabei (versucht) Faulkner auch jeweils der erzählenden Person eine eigene Sprache zu verleihen.
    Und hier liegt einer meiner Kritikpunkte: Manchmal hören Sätze einfach mitten drin auf, manche Äußerungen ergeben keinen Sinn und sind in sich widersprüchlich an Stellen, wo dies bestimmt kein stilistischer Kunstgriff ist. Ich habe den Verdacht, dass es an der Übersetzung liegen könnte, möchte das Buch aber nicht in Originalsprache lesen, um dies zu überprüfen.
    Auch hat sich mir bis zum Schluss nicht erschlossen, warum manche Passagen kursiv gedruckt sind. Vielleicht kann mich darüber jemand aufklären, der dieses Buch gelesen hat, mich würde es wirklich interessieren.


    Alles in Allem kann ich mich den Begeisterungsstürmen der Literaturclub-Mitglieder nicht anschließen. Ich habe mir mehr von diesem Schriftsteller erhofft (oder war ihm möglicherweise nicht gewachsen), der im Ruf steht, hochanspruchsvolle Literatur verfasst zu haben. Trotzdem soll es keinesfalls ein Verriss sein - im Gegenteil - ich würde eine klare Leseempfehlung geben!


    Bewertnung
    4ratten

    :lesewetter:&nbsp; &quot;Willkommen in der Wüste der Wirklichkeit&quot; (Morpheus)<br />

    <br />[li]Anthony Powell: &quot;Bei Lady Molly&quot;[/li]<br />

    Einmal editiert, zuletzt von louzilla ()

  • Auch hat sich mir bis zum Schluss nicht erschlossen, warum manche Passagen kursiv gedruckt sind. Vielleicht kann mich darüber jemand aufklären, der dieses Buch gelesen hat, mich würde es wirklich interessieren.


    Die Lektüre liegt bei mir schon etwas zurück. Der Roman besteht ja aus inneren Monologen der einzelnen Figuren. Aus der Erinnerung heraus würde ich sagen, die kursiven Stellen beziehen sich auf direkte Rede, bin mir aber nicht sicher.


    Jedenfalls, wenn du von "Als ich im Sterben lag" mittelmäßig begeistert warst, kann ich dir nur abraten, "Absalom, Absalom!" zu lesen. Das Buch ist ein echtes Brett. Ich musste mich da wirklich durchkämpfen.

    "Den Alltagsdingen den Charme des Neuen zu verleihen und ein dem Übernatürlichen ähnliches Gefühl hervorzurufen, indem die Aufmerksamkeit aus der Lethargie des Gewohnten erweckt und auf den Reiz und die Wunder der vor uns liegenden Welt gelenkt wird."

    (William Wordsworth)

  • Erst einmal Danke für deinen Erklärungsversuch. Aber so ganz passt das auch nicht. Direkte Rede und Gedanken kommen sowohl in den kursiv gedruckten als auch in den "normalen" Passagen vor:


    "'Sag ihm, er soll weiterfahren', sagt Cash. [...] Cash ist mein Bruder. Aber Jewels Mutter ist ein Pferd. Meine Mutter ist ein Fisch. Darl sagt, wenn wir wieder ans Wasser kommen,
    kann ich sie vielleicht sehn, und Dewey Dell sagt: Sie ist im Sarg, wie soll sie da rausgekommen sein?
    [...]" (S. 186f.)


    Mehr werde ich von Faulkner vermutlich nicht lesen, aber eher aus dem Grund, dass mich die Südstaatenthematik einfach nicht anspricht.

    :lesewetter:&nbsp; &quot;Willkommen in der Wüste der Wirklichkeit&quot; (Morpheus)<br />

    <br />[li]Anthony Powell: &quot;Bei Lady Molly&quot;[/li]<br />

  • Oh, dann ergibt meine Vermutung ja gar keinen Sinn :redface:, bzw. wenn man dein Beispiel nimmt, scheint es fast umgekehrt zu sein.

    "Den Alltagsdingen den Charme des Neuen zu verleihen und ein dem Übernatürlichen ähnliches Gefühl hervorzurufen, indem die Aufmerksamkeit aus der Lethargie des Gewohnten erweckt und auf den Reiz und die Wunder der vor uns liegenden Welt gelenkt wird."

    (William Wordsworth)

  • Faulkner ist eine Ikone der Moderne: verschiedene Blickwinkel, innere Monologe - eure Ansätze stimmen schon, nur gibt's da meiner Meinung nach keine Zauberformel wie was konkret zu verstehen ist. Es wird hier das Bild einer Familie gezeigt, für die Zusammenhalt das Um und Auf ist und durch gerade das gemeinsam Erlebte legitimiert wird... Der vielleicht konfus anmutende Schreibstil rührt übrigens nicht von der Übersetzung her (siehe zB The Sound and the Fury), das ist einfach Faulkners Stil :zwinker:

    &quot;Literatur ist zu Buch geschlagene Sprache.&quot; Horst Dieter Schlosser

  • Meine Meinung

    Auch wenn es teilweise verwirrend war, haben mir die unterschiedlichen Erzähler und ihre Sichtweisen gefallen. Jede hat das Bild gleichzeitig runder, aber auch verwirrender gemacht. Ich habe den Eindruck gewonnen, als ob niemand die Sichtweise des anderen geteilt hat. Die einzelnen Personen haben die Ereignisse komplett unterschiedlich gesehen. Gerade bei den Familienmitgliedern fand ich das teilweise schon fast erschreckend. Es kam mir so vor, als ob sie nicht über die anderen und das Zusammenleben nachgedacht haben.


    Die Sprache hat mich gefangen genommen. Ich konnte die Gefühle des jeweiligen Erzählerns gut spüren. Aber so viel Gefühl in ihren Erzählungen und Gedanken zu fühlen war, in ihren Handlungen war davon nichts zu spüren. Da waren sie sehr passiv und haben nichts unternommen, um ihr Schicksal zu verändern. Sie kamen mir wie gelähmt vor.


    Auch wenn der Hintergund nicht schön war, das Buch hat mich sehr beeindruckt.

    4ratten

    I'm young enough to still see the passionate girl that I sued to be. But I'm old enough to say I got a good look at the other side.