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Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Nazifreie Zone, denn wer neben Nazis marschiert, ist entweder selbst ein Nazi oder eine nützliche Marionette der Nazis. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 53 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von louzilla.

  • Tief beeindruckt bleibe ich zunächst zurück und würde nur kurz folgende Punkte zur Diskussion in die Runde werfen:


    Luvo verkauft einige Kassetten von Alma mit deren Erinnerungen. Wie kann das sein? Wer hat denn Interesse an fremden Erinnerungen?


    Ist das Happy End für Pheko und Temba nicht zu klebrig süß? Auch das Schicksal von Alma: Hat das nicht zu sehr den Beigeschmack von "Jeder bekommt, was er verdient"?


    Unter anderem in diesen Punkten hätte ich mir gern mehr realistisches Leben gewünscht.

    :lesewetter:&nbsp; &quot;Willkommen in der Wüste der Wirklichkeit&quot; (Morpheus)<br />

    <br />[li]Anthony Powell: &quot;Bei Lady Molly&quot;[/li]<br />

  • Alles kommt wie es sein muss und manches kommt auch, wie von mir erhofft.


    Der kleine Temba wird krank und fast im letzten MOment fällt seinem Vater ein, dass Alma ja jede Menge Antibiotika hat. Also bringt er den Kleinen dorthin (ich hab das ja im ersten Abschnitt quasi orakelt :breitgrins:).


    Derweilen hat Alma einen guten Tag und eine gute Nacht im Sinne von, ein paar ihrer Erinnerungen und Sinne funktionieren kurzzeitig wieder. Deshalb weiß sie, wo die Pistole ist.


    Roger findet erst mal die 4510 und dass das nicht der letzte Tag von Harold war, war ja wohl klar. Es war eine Liebeserinnerung an ihren Mann, die Alma ständig wieder anschauen will. Aber der schlaue Luvo findet auch die richtige Kassette, die, die zu dem Dino führt.


    Aber Alma erschießt Rogers. Recht hat sie. Als Pheko dann kommt, ist sie bereits wieder ganz verwirrt und liest ein Modemagazin - stundenlang. Der Autor versteht es wirklich hervorragend, mir Bilder in den Kopf zu brennen. Auch wie Luvo dem kleinen Temba vor die Füße hüpft und der ihn im Gegenlicht der aufgehenden Sonne mit roten Ohren sieht, war wunderschön beschrieben. Hach....


    Luvo findet tatsächlich den Dino und drei lustige Finninnen und überraschend hält Chefe Wort und überweist die vielen Rand an Pheko.


    Alma ist in ihrem Heim weder glücklich noch unglücklich. Irgendwie erschien sie mir leer - so ohne ihre Erinnerungen und ohne ihre Kassetten.

    :lesen: Die Eisbaronin - Nicole Vosseler




  • zu. 1. Gibt es ein eindringlicheres Kopfkino, als FREMDE Erinnerungen. Ist wie ein Film nur intensiver, da man weiß, dass es ja Realität war. Da gibt es sicherlich sogar sehr viele Interessenten. Ich hätte auch gerne sowas z.B. bei meinen Großeltern oder Eltern. Das kann ich mir toll vorstellen. Oder für große geschichtliche Ereignisse, bei denen man gerne dabei gewesen wäre. Oder auch ganz profane, wie ein Konzert oder die letzte Oscarverleihung. :zwinker:


    zu. 2. Ich finde an dieser Geschichte nichts klebrig. Findest du, Alma hat so ein Ende verdient? Ich nicht. Sie war sicherlich nicht immer einfach aber doch irgendwie auch ein normaler Mensch mit Schwächen und Stärken. Und das sie dem Vergessen anheim fallen wird, daran lässt sich nichts ändern. Es ist zwar traurig aber irgendwie hat man das Gefühl, es schmerzt uns mehr wie Alma (was ja wohl bei Demenz so ist). Und Luvo wird in 6 Monaten sterben, so oder so. Auch daran ist nix klebrig.
    Dass Pheko und Luvo jetzt soviel Geld haben und aus der Armut rauskommen, das habe ich mir sehr gewünscht und gar nicht gehofft. Wenn Du von verdient sprechen willst, dann hat Pheko das durchaus verdient. Ich finde es schön und freu mich, dass es so kommt und ich fand es herzerwärmend, dass der Vater von dem vielen Geld seinem Sohn endlich ein Geschenk machen kann und dass das dann einfach ein Schwimmbadbesuch ist.


    Ich fand, diese Novelle hatte genau das richtige Maß an Realität und Fiktion, an Drama und Komödie, an Dunkel und Hell. Ich finde, es ging nicht darum, in Gänze die Wirklichkeit abzubilden sondern ein paar "kleine, stinknormale" Menschen zu zeigen und den Einfluss, den die Vergangenheit und die Erinnerungen für das Leben aller haben. Mir hat gefallen, dass es einige unvorhergesehene Wendungen gab und trotz eines Toten es keinen großen Knall gab sondern viele kleine eindringliche Szenen, die ein großes harmonisches Ganzes für mich ergaben.

    :lesen: Die Eisbaronin - Nicole Vosseler



  • Ich habe versucht, das erste Buch von Doerr aufzutreiben. Aber das ist nicht mehr nachzubestellen oder kostet über 60 Euro als Gebrauchtes. Ich hoffe jetzt sehr, dass der Verlag sich ein Herz nimmt und "Winklers Traum vom Meer" wieder auflegt. Das würde ich jetzt wahnsinnig gerne auch lesen. Vielleicht sollte man mal im Verlag nachfragen. :smile:

    :lesen: Die Eisbaronin - Nicole Vosseler




  • Derweilen hat Alma einen guten Tag und eine gute Nacht im Sinne von, ein paar ihrer Erinnerungen und Sinne funktionieren kurzzeitig wieder. Deshalb weiß sie, wo die Pistole ist.
    [...]
    Aber Alma erschießt Rogers. Recht hat sie.


    :entsetzt: Na ja, Roger bricht bei Alma zwar regelmäßig ein, er behandelt sie aber gut (kocht ihr Eier; er könnte sie auch anders ruhig stellen), deshalb hat er es doch nicht verdient, abgeknallt zu werden.


    Klebrig süß finde ich, wie das alles so reibungslos klappt: Chefe zahlt anstandslos eine horrende Summe erst an Luvo und dann schickt er auch noch einen Scheck über eine Wahnsinnssumme an Pheko, der das Geld einfach so selbstverständlich nimmt, ohne zu hinterfragen, woher das wohl kommt. Schließlich hat er keine Ahnung von Luvo und Roger und deren Plan. Und die beiden (Pheko und Temba) reiten - bildlich gesprochen - glücklich in den Sonnenuntergang.


    Und Alma - wie ich schon schrieb, finde ich sie sehr unsympathisch, im ersten Teil gibt es von ihr nur negative Erinnerungen und Kassette 4510 ist die einzig positive Erinnerung - bekommt eben schon (im moralischen Sinne), was sie verdient: Ihr Geld nützt ihr nichts, sie wird noch zu Lebzeiten bedeutungslos, so, wie sie ihre Bediensteten und irgendwo auch ihren Mann gesehen hat.

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    <br />[li]Anthony Powell: &quot;Bei Lady Molly&quot;[/li]<br />

    Einmal editiert, zuletzt von louzilla ()

  • Sehe ich nicht so.
    Ich fand Alma nicht unsymphatisch. Ich hatte immer das Gefühl, sie vermisst ihren Mann und über die Jahre hat sie auch Pheko respektieren gelernt. Lt. Spickzettel vertraut sie ihm sogar. Und über die vielen Jahre haben die beiden sich wohl aneinander gewöhnt und vielleicht hat sie sogar im innersten Sympathien für ihn entwickelt. Sie vermisst ihren Mann, erinnert sich an die schönsten Momente mit ihm.


    Rogers muss sie nicht anders ruhig stellen als mit Eiern. Wie auch immer er auf die Idee gekommen ist. Aber ich traue ihm zu, dass er auch rabiat geworden wäre, wenn sie sich ihm widersetzt hätte. Auf jeden Fall hat er Alma jede Nacht Angst eingejagt - auch wenn sie das ständig wieder vergisst. Und einmal hat sie sich halt gewehrt. Verdient. Diesen Begriff finde ich einfach nicht passend. Verdient ein Mörder die Todesstrafe? Ich finde nicht. Also "verdient" keiner den Tod bei mir.


    Klebrig süß ist bei mir etwas anderes. Aber so was ist ja immer subjektives Empfinden. Ich empfand es wohltuend, angenehm unkitschig, wie eine schöne sanfte Melodie. :smile:

    :lesen: Die Eisbaronin - Nicole Vosseler



  • Dass Alma Roger über den Haufen schießt, kann ich beim besten Willen nicht gut (oder "Recht") heißen. Eher hätte ich es witzig gefunden, wenn die zwei sich anfreunden, aber das war nur einen kurzen Augenblick ein Gedanke, der mir gefallen hat.


    Was ich in diesem Zusammenhang auch nicht verstehe: Pheko riecht den Zigarettenrauch, es fehlen Eier im Kühlschrank, Alma hat morgens keinen Hunger und vermutlich sieht er auch den Zettel, den sie auf dem Flurtisch geschrieben hat "Großer Mann im Garten", das Sicherheitsgitter ist regelmäßig aufgebrochen. Warum unternimmt er nichts, zumal er ja von Almas Zustand weiß?

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  • Kitschig würde ich das Ende nicht gerade nennen, aber doch etwas viel heile Welt, etwas, das man halt eher nicht erwartet hätte.


    Dass es Luvo gelingt die Fundstelle aufzuspüren - warum nicht.
    Dass der Chefe ihn als gleichwertigen Geschäftspartner sieht und seine Zahlungen wie versprochen tätigt - soll es geben, auch wenn man es sich schwer vorstellen kann.
    Dass Luvo, ich gehe mal davon aus, dass er kein Weißer ist, also ein jugendlicher schwarzer Junge einfach so in ein Hotel spazieren kann, mit Geld wedelt und alles ist gut - fällt mir schon schwer zu glauben.
    Alma, die für mich sicher keine Sympathieträgerin war, solange sie geistig fit war, ist ein wehrloser Mensch, dem ich ihr restliches Leben in finanzieller und pflegerischer Sicherheit gönne und mich über Phekos Gabe an sie freue. Für ihn ist sie so sehr Teil seines Lebens geworden, vielleicht ist es andersherum ja auch so. Wer weiß!
    Was mir allerdings sehr schwer zu glauben fällt, das ist Phekos Reaktion. Er, der nie etwas entwedet hat, bis auf das Antibiotikum, nimmt einfach so eine riesige Summe an ohne wenigstens herauszufinden woher es kommt? Sicher, es befreit ihn und seinen Sohn von allen Zukunftsängsten, aber das ist nicht der Pheko, den man kennengelernt hat. Ein Scheck mit dem Vermerk "Fossilienverkauf" - was hat er sich da gedacht?



    Was ich in diesem Zusammenhang auch nicht verstehe: Pheko riecht den Zigarettenrauch, es fehlen Eier im Kühlschrank, Alma hat morgens keinen Hunger und vermutlich sieht er auch den Zettel, den sie auf dem Flurtisch geschrieben hat "Großer Mann im Garten", das Sicherheitsgitter ist regelmäßig aufgebrochen. Warum unternimmt er nichts, zumal er ja von Almas Zustand weiß?


    Alma war ja nicht durchgehend hilflos. Sie könnte sich die Eier eventuell selber gekocht haben. Die Schalen lagen ja sicher noch irgendwo herum. Schwieriger wird es mit dem Zigarettenrauch.

  • Stimmt, Pheko hätte es merken müssen. Aber das Buch soll, glaub ich, gar nicht realistisch sein. Ist ja kein Krimi oder so etwas. Für mich war das nicht wichtig. Schließlich ist ja schon das Erinnerungen-speichern nichts Reales. Ich habe mich mehr auf das konzentriert, was zwischen den Zeilen stand. Wie gesagt, alles subjektiv. :zwinker:

    :lesen: Die Eisbaronin - Nicole Vosseler




  • Aber das ist nicht mehr nachzubestellen oder kostet über 60 Euro als Gebrauchtes. Ich hoffe jetzt sehr, dass der Verlag sich ein Herz nimmt und "Winklers Traum vom Meer" wieder auflegt. Das würde ich jetzt wahnsinnig gerne auch lesen. Vielleicht sollte man mal im Verlag nachfragen. :smile:


    :entsetzt: Na, dann werde ich mal fein auf meine beiden Bücher aufpassen.
    Aber nach dem Erfolg, den der Autor im Moment hat, ist es vielleicht doch zu erwarten, dass der Verlag sie wiederauflegt.

  • Was mir allerdings sehr schwer zu glauben fällt, das ist Phekos Reaktion. Er, der nie etwas entwedet hat, bis auf das Antibiotikum, nimmt einfach so eine riesige Summe an ohne wenigstens herauszufinden woher es kommt? Sicher, es befreit ihn und seinen Sohn von allen Zukunftsängsten, aber das ist nicht der Pheko, den man kennengelernt hat. Ein Scheck mit dem Vermerk "Fossilienverkauf" - was hat er sich da gedacht?


    Ist ja nicht gesagt, dass er nicht noch weiter nachforscht. Dass er das Geld erst mal annimmt, fand ich okay. Man kann sich kaum vorstellen, wie schlimm es in den Townships ist und die Möglichkeit, seinen Sohn da rauszuholen und ihm ein anderes Leben und Wünsche zu erfüllen war sicherlich riesengroß. Kann ich nachempfinden. Und schließlich hat er nichts gestohlen sondern ihm wurde etwas geschenkt, das ist ja schon was anderes.

    :lesen: Die Eisbaronin - Nicole Vosseler



  • Damit hast du natürlich recht. Das hat mich dann auch damit versöhnt. Er hat ja auch nicht Gott weiß für Sachen damit gemacht, sondern einen völlig normalen Wunsch erfüllt.
    Ein wenig hatte ich ja gehofft, Luvo könnte seine letzten Monate mit den beiden verbringen. Aber er fühlt sich in diesem Hotel hoffentlich so wohl, wie er es sich erträumt hat.

  • Das Buch hat mich beeindruckt zurückgelassen.


    Als Erstes musste ich googlen, wie der Umrechnungskurs von südafrikanischen Rand in Euro ist.
    Die 1,4 Millionen, die Luvo erhalten und zum grössten Teil weitergegeben hat, sind ca. 90.000€. Das klingt im Vergleich zur Gesamtsumme in Höhe von 4,5 Millionen Dollar, die das komplette Fossil auf der Auktion gebracht hat, zwar nicht viel, aber für Theko und seinen Sohn ist es ein Vermögen. Es gefällt mir, dass Theko nun entspannter in die Zukunft blicken kann.
    Anfangs hatte ich Zweifel, ob Chefe wirklich Wort hält und Luvo auch wirklich den Restbetrag zahlt. Aber auch Leute, die krumme Geschäfte machen, können in ihrem Metier ehrlich sein. Sehr schön :smile:


    Als Luvo Tembo vom Dach fast vor die Füsse fällt, denkt er, Luvo fällt vom Himmel und dann erscheint es durch den Sonnenschein, dass ihn ein Lichtschein umgibt. Als ob ein Engel vom Himmel fällt. Und dann sorgt Luvo noch für den Geldsegen, also schon irgendwie wie ein Engel. Naja vielleicht etwas kitschig, aber ich fand die Szene trotzdem gut.


    Luvo kann durch die 30.000 Rand die letzten 6 Monate, die ihm noch bleiben, geniessen. Als es ihm in der Wüste so schlecht ging, dachte ich kurz, dass er die Suche nicht beenden kann. Die Vorstellung, dass da 3 angetrunkene Finninnen durch die Wüste fahren, dann ihm helfen und den sauschweren Kopf einladen fand ich schon ziemlich skurril.


    Und dann Alma. Insgesamt fand ich sie sympathisch, warum kann ich allerdings nicht genau sagen. Früher hat sie Theko sicherlich als minderwertig angesehen und sie war wohl auch oberflächlich. Inzwischen, besonders in den klaren Momenten, weiss sie, was sie an ihm hat. Es hätte mir gefallen, wenn Sie zu der Zeit, als Sie noch ganz klar bei Verstand war, Theko mit einer Apanage oder einer monatliche Rente oder etwas ähnlichem bedacht hätte, für den Fall, dass sie nicht mehr zuhause leben kann.


    Mitgenommen hat mich der letzte Satz den Alma denkt: "Ich hatte jemanden. Aber er hat mich hier allein gelassen".


    Ich werde die Novelle gleich noch einmal lesen, mir sind bestimmt einige interessante Sätze beim ersten Lesen nicht aufgefallen.

    Das sind keine Stirnfalten. Das ist ein Sixpack vom Denken.


  • Ein wenig hatte ich ja gehofft, Luvo könnte seine letzten Monate mit den beiden verbringen.


    Das hatte ich insgeheim auch gehofft.



    Aber das Buch soll, glaub ich, gar nicht realistisch sein. Ist ja kein Krimi oder so etwas. Für mich war das nicht wichtig. Schließlich ist ja schon das Erinnerungen-speichern nichts Reales.


    Mir hat hier auch kein Realismus gefehlt. Als man erfahren hat, dass Erinnerungen eingespeist und abgezapft werden, habe ich alles Weitere so akzeptiert. Da war für mich klar, dass da ein gewisser Teil Fiktion im Buch ist. Ich habe mich einfach zurückgelehnt und das Buch genossen. Aber jeder geht da ja anders heran.

    Das sind keine Stirnfalten. Das ist ein Sixpack vom Denken.


  • Früher hat sie Theko sicherlich als minderwertig angesehen und sie war wohl auch oberflächlich. Inzwischen, besonders in den klaren Momenten, weiss sie, was sie an ihm hat. Es hätte mir gefallen, wenn Sie zu der Zeit, als Sie noch ganz klar bei Verstand war, Theko mit einer Apanage oder einer monatliche Rente oder etwas ähnlichem bedacht hätte, für den Fall, dass sie nicht mehr zuhause leben kann.



    Aber genau diese Tatsache, dass sie für Pheko eben nicht vorsorgt, obwohl ihr klar sein muss, dass sie sich nicht mehr lang um alles kümmern kann, zeigt doch, dass sie ihn weiterhin als Bediensteten ansieht, für dessen Schicksal sie nicht nicht im mindesten interessiert. Es interessiert sie lediglich, dass er sich um sie kümmert. In ihrem einzigen klaren Moment denkt sie auch nicht an Phekos Zukunft, sondern erinnert sich an die Knarre ihres Mannes und bringt diese an sich und lauert Roger auf. Das finde ich schon bezeichnend.


    Pheko selbst kümmert sich pflichtbewusst um Alma, nicht liebevoll. Er macht sich (zu Recht) lediglich Sorgen um seine eigene Zukunft und um die seines Sohnes, um den er sich tatsächlich liebevoll kümmert. Ich würde sogar fast soweit gehen, dass er seine Pflicht nicht so ganz erfüllt, weil er auf die Signale der nächtlichen Einbrüche nicht reagiert.



    Mitgenommen hat mich der letzte Satz den Alma denkt: "Ich hatte jemanden. Aber er hat mich hier allein gelassen".


    Mich auch.
    Für Alma bleibt das Leben realistisch, für Pheko und Temba gleitet es ins Märchenhafte ab. Das passt für mich nicht ganz zusammen.

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  • Aber genau diese Tatsache, dass sie für Pheko eben nicht vorsorgt, obwohl ihr klar sein muss, dass sie sich nicht mehr lang um alles kümmern kann, zeigt doch, dass sie ihn weiterhin als Bediensteten ansieht, für dessen Schicksal sie nicht nicht im mindesten interessiert. Es interessiert sie lediglich, dass er sich um sie kümmert. In ihrem einzigen klaren Moment denkt sie auch nicht an Phekos Zukunft, sondern erinnert sich an die Knarre ihres Mannes und bringt diese an sich und lauert Roger auf. Das finde ich schon bezeichnend.


    Pheko selbst kümmert sich pflichtbewusst um Alma, nicht liebevoll. Er macht sich (zu Recht) lediglich Sorgen um seine eigene Zukunft und um die seines Sohnes, um den er sich tatsächlich liebevoll kümmert.


    Da hast du völlig recht. Alma schätzt Pheko als ihren Angestellten und ist sich in gewissen Momenten bewusst, dass er seine Pflichten ihr gegenüber gut erfüllt. Pheko selbst sieht Alma als Arbeitgeberin und als diejenige, die auch die Zukunft seines Sohnes sichert. Eine Freundschaft oder ähnliches ist da von beiden Seiten aus nicht im Spiel.



    Ich würde sogar fast soweit gehen, dass er seine Pflicht nicht so ganz erfüllt, weil er auf die Signale der nächtlichen Einbrüche nicht reagiert.


    Ich habe auch gegrübelt, weshalb Pheko nicht tätig wird. Ich habe das für mich so erklärt, dass er es nicht als seine Aufgabe ansieht, sich in derlei Dinge einzumischen. Möglicherweise hatte er auch zu der Zeit schon Angst um seinen Arbeitsplatz und wollte keine schlafenden Hunde wecken. Sonst wäre Alma noch früher in ein Wohnheim gekommen, wenn jemand bemerkt hätte, dass sich nachts jemand im Haus herumtreibt.

    Das sind keine Stirnfalten. Das ist ein Sixpack vom Denken.

  • Aber genau diese Tatsache, dass sie für Pheko eben nicht vorsorgt, obwohl ihr klar sein muss, dass sie sich nicht mehr lang um alles kümmern kann, zeigt doch, dass sie ihn weiterhin als Bediensteten ansieht, für dessen Schicksal sie nicht nicht im mindesten interessiert. Es interessiert sie lediglich, dass er sich um sie kümmert. In ihrem einzigen klaren Moment denkt sie auch nicht an Phekos Zukunft, sondern erinnert sich an die Knarre ihres Mannes und bringt diese an sich und lauert Roger auf. Das finde ich schon bezeichnend.


    Du lässt an Alma ja kein gutes Haar. :zwinker: Sie und Pheko hatten doch nie ein herzliches Verhältnis. Wie Du schon selber schreibst ist er pflichtbewusst, laut Dir nicht mehr. Warum sollte sie ihn dann bitte absichern? Niemand muss seinen Angestellten finanziell absichern. Sie sind ja keine Freunde. Mir geht natürlich Phekos Schicksal nahe und ich finde, er ist durchaus mehr als pflichtbewusst. Er ist geduldiger und freundlicher und verständnisvoller als so manche ausgebildete Pflegekraft. Aber sei es drum. Von Almas Seite aus war es immer ein reserviertes Verhältnis. Außerdem erkennt ein so schwer dement Erkrankter doch gar nicht das Ausmaß seiner Erkrankung. Und Pheko vergisst sie ja stündlich wieder. Also auch seine Freundlichkeit.
    Und sie lauert Roger doch nicht auf. :rollen: Sie erwacht jede Nacht voller Angst, kann dann aber die Angst nicht benennen. Dadurch dass Roger sie mit Eiern bekocht macht er auf sie den Eindruck, er wäre ihr Angestellter und löst damit den Reflex aus, das sie nicht rumschreit sondern brav ihre Eier aufisst. In der Nacht als sie ihn erschießt ist sie zumindest so weit bei sich, dass sie weiß, wie sie einen Einbrecher abwehren muss und wo die Waffe dazu liegt. Und als Roger reinkommt erschießt sie ihn. Aber ihre Reaktion danach zeigt ja, dass sie immer noch schwer dement ist. Oder warum starrt sie stundenlang in Modezeitschriften?
    Mir tut Alma leid. Rogers hat es herausgefordert. Wer in Südafrika in das Haus eines Weißen einbricht muss damit rechnen erschossen zu werden. Dort ist es üblich eine Waffe zu haben und sich damit auch zu wehren.

    :lesen: Die Eisbaronin - Nicole Vosseler



  • Ich habe auch gegrübelt, weshalb Pheko nicht tätig wird. Ich habe das für mich so erklärt, dass er es nicht als seine Aufgabe ansieht, sich in derlei Dinge einzumischen. Möglicherweise hatte er auch zu der Zeit schon Angst um seinen Arbeitsplatz und wollte keine schlafenden Hunde wecken. Sonst wäre Alma noch früher in ein Wohnheim gekommen, wenn jemand bemerkt hätte, dass sich nachts jemand im Haus herumtreibt.


    Ich denke mal, dass sich über die langen Jahre das auch so eingespielt hat, dass Alma den Ton angibt und obwohl sie jetzt krank ist, ist Pheko immer noch etwas in dem Fahrwasser. Wenn Alma nichts erzählt über die Nächte, dann hat es ihn nicht anzugehen. Ich denke auch, er ist ja kein Arzt und weiß nicht GENAU, wie krank sie wirklich ist und wieviel sie noch checkt und wieviel nicht. Sie kann ja auch streckenweise durchaus ihre Wünsche äußern und bissige Kommentare geben.
    Und Du hast recht, er will sicherlich auch keine schlafenden Hunde wecken. :zwinker:

    :lesen: Die Eisbaronin - Nicole Vosseler




  • Ich habe auch gegrübelt, weshalb Pheko nicht tätig wird. Ich habe das für mich so erklärt, dass er es nicht als seine Aufgabe ansieht, sich in derlei Dinge einzumischen. Möglicherweise hatte er auch zu der Zeit schon Angst um seinen Arbeitsplatz und wollte keine schlafenden Hunde wecken. Sonst wäre Alma noch früher in ein Wohnheim gekommen, wenn jemand bemerkt hätte, dass sich nachts jemand im Haus herumtreibt.


    Aaah, das könnte sein, ist jedenfalls eine super Erklärung! :smile:

    :lesewetter:&nbsp; &quot;Willkommen in der Wüste der Wirklichkeit&quot; (Morpheus)<br />

    <br />[li]Anthony Powell: &quot;Bei Lady Molly&quot;[/li]<br />