Zeruya Shalev - Schmerz

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    Klappentext:
    Vor zehn Jahren ist Iris bei einem Terroranschlag schwer verletzt worden. Zwar ist sie in ihr altes Leben zurückgekehrt, sie leitet eine Schule, ihr Mann steht ihr treu zur Seite, die Kinder sind fast erwachsen, doch quälen sie Tag für Tag Schmerzen. Als sie Eitan wiederbegegnet, der Liebe ihrer Jugend, der sie vor Jahren jäh verlassen hat, wirft sie das völlig aus der Bahn. Die Wunde, die er ihr damals zufügte, ist nicht weniger tief als die, die der Selbstmordattentäter, der sich neben ihr in die Luft sprengte, riss. Und doch fühlt sich Iris, zaghaft, überrascht, erneut zu ihm hingezogen, ist versucht, ihrer Ehe zu entfliehen, die ersten Lügen zu stricken, alles aufs Spiel zu setzen. Wie in ihrem Weltbestseller »Liebesleben« lotet Zeruya Shalev die Untiefen der Liebe, die Fährnisse einer fatalen Anziehung aus. Die erotische Spannung, die Wucht der unerwartet wieder aufflammenden Leidenschaft sind kompromisslos, ehrlich und tief bewegend erzählt. »Schmerz« ist Zeruya Shalevs persönlichstes Buch, eine emotionale Grenzerfahrung, ein Roman, der bis zur letzten Seite fesselt.


    Teilnehmer:
    Saltanah
    Valentine
    Weratundrina?
    Tina


    [hr]


    Viel Spaß!

  • bis Kapitel 3


    Ich habe schon die ersten drei Kapitel gelesen, da ich heute noch Urlaub habe. :klatschen:


    Zeruya Shalev versteht es, Zwischenmenschliches in perfekte Worte zu fassen. Schon im ersten Kapitel wusste ich wieder, warum ich so gerne ihre Bücher lese.
    Die Beschreibungen der Explosion und die Auswirkungen des Attentats auf den Körper sind eindrucksvoll geschrieben. Ich frage mich, ob Zeruya Shalev sich so dieses Gefühl vorstellt, oder ob sie sich mit einem Attentat-Überlebenden unterhalten hatte. Sie beschreibt dieses Terroranschlag als das, was es ist. Ein völlig sinnloses brutales Vorgehen, dass immer wieder unschuldige Menschen trifft, an welchen Frust abreagiert wird.
     
    Wie geht man nach solch einer Erfahrung mit dem Alltag um? Die Israelis haben gelernt weiter zu machen und ihr Leben ebenso zu führen wie jeder Europäer auch, aber dennoch erfährt man in Israel eine ganz andere Sensibilität im Alltag.
    Ständig sind alle Sinne in Alarmbereitschaft, auch wenn man ausgeht, auf einem Festival ist und anscheinenden für Außenstehende ganz unbeschwert das Leben geniest.


    Ich bin seit gestern wieder aus Israel zurück und wie immer brauche ich Zeit um mich umzugewöhnen. Ich war heute morgen in der Stadt, und beim Bäcker stand eine Tasche in der Ecke, die anscheinend zu niemandem gehörte. Augenblicklich sah ich mich nach allen Seiten um und ging auf Abstand, bis ich mich wieder darauf besann, dass ich Deutschland war und der Taschenbesitzer mit Sicherheit am anderen Ende der Theke war, wie es dann auch war. Hier macht sich niemand Gedanken über eine herrenlose Tasche. In Israel wird man für so ein "Vergehen" verbal niedergemacht. Das tut man einfach nicht und das lernen die Kinder schon im Kindergarten.

  • Ja man kann sich das nur schwer vorstellen wie so der Alltag in Israel sein muss.
    So sehr es mich interessiert- bislang habe ich immer viel zu viel Angst um auch nur ansatzweise darüber nachzudenken dort hin zu fahren.
    Der Tasche aus dem Weg zu gehen würde innerhalb des Ladens ja nicht mal was bringen.


    Das Buch ist wie immer direkt ganz offen für den Leser. Wie macht sie dass nur, dass man so schnell so dicht an den Figuren ist?
    Das Zwischenmenschliche der Personen ist so verkorkst und dabei trotzdem so nah an der Realität. Ich bin noch im dritten Kapitel aber schon gehen meine Gedanken ganz tief. Die Gefühle für ihre erste Liebe. Das ungesunde Verhältnis zu ihrem Mann und so gar zu ihren Kindern ist erschreckend. Und das war es ja schon vor dem Unglück. Wundert mich dass ihr Sohn so scheinbar lebensfroh ist. Na ja. Sie wundert es ja auch. ;) 
    Die Tochter und der Vater tun mir sehr leid.
    Bisher hat die Protagonistin noch keine Pluspunkte bei mir sammeln können. Wobei ich dann doch Verständnis entwickel wenn ich mich in ihre Situation am Ende der Trauerwoche nach dem Tod der Mutter ihrer Liebe versetze. Aber heilt diese Wunde wirklich nie?
    Bin sehr gespannt wie es weiter geht will aber auch nicht zu schnell lesen auch wenn es reizvoll ist. :)


  • Bisher hat die Protagonistin noch keine Pluspunkte bei mir sammeln können. Wobei ich dann doch Verständnis entwickel wenn ich mich in ihre Situation am Ende der Trauerwoche nach dem Tod der Mutter ihrer Liebe versetze. Aber heilt diese Wunde wirklich nie?


    Ich bin im 5. Kapitel und ich habe auch ein wenig Probleme einen Draht zu der Protagonistin zu bekommen. Sie ist schwierig, aber das sind ja ganz oft die Charaktere von Zeruya Shalev und das macht ihre Bücher auch so besonders.



    Ja man kann sich das nur schwer vorstellen wie so der Alltag in Israel sein muss.
    So sehr es mich interessiert- bislang habe ich immer viel zu viel Angst um auch nur ansatzweise darüber nachzudenken dort hin zu fahren.
    Der Tasche aus dem Weg zu gehen würde innerhalb des Ladens ja nicht mal was bringen.


    Nein, das würde es nicht und deshalb lebt man in Israel ganz normal, so wie überall in demokratischen Ländern. Man darf sich von Terroristen nicht kleinkriegen lassen, denn dann erreichen sie, was sie wollen. Außerdem ist die Berichterstattung in den Medien erstens immer sehr einseitig und zweitens hört man eh nur das schlechte.
    Interessant fand ich übrigens, dass im Oktober, zu Beginn der Messerattacken, manchen nennen es Messer-Intifada im letzten Oktober, kaum etwas zu hören war und ganz viele Menschen davon gar nichts mitbekamen. Aber wenn ein Hamasterrorist eine Kugel in den Kopf bekommt, dann hört es die ganze Welt.
    Genau zu dieser Zeit war Zeruya Shalev in Frankfurt auf der Buchmesse und sie sagte "Es ist wirklich bizarr, aber ich fühle mich momentan als Jüdin in Deutschland sicherer, als in meinem eigenen Land."


    Und auch dies ist schon wieder Alltag. Es ist nicht weniger geworden, aber man lebt damit. Das ist eine Mentalität und eine Einstellung ohne die es nicht geht. Kann man sich nicht daran adaptieren, dann wird man in diesem Land wahnsinnig werden. Wir haben uns nicht anders verhalten, als sonst auch und wir haben außer eines eskalierten, handgreiflichen Streites zwischen zwei Arabern, nichts beunruhigendes mitbekommen.




    Das Buch ist wie immer direkt ganz offen für den Leser. Wie macht sie dass nur, dass man so schnell so dicht an den Figuren ist?
    Das Zwischenmenschliche der Personen ist so verkorkst und dabei trotzdem so nah an der Realität.


    Das hast du gut ausgedrückt. Deshalb mag ich ihren Stil zu schreiben. Er ist authentisch und sie weiß wovon sie schreibt.



    Bin sehr gespannt wie es weiter geht will aber auch nicht zu schnell lesen auch wenn es reizvoll ist. :)


    Ja, es gibt Bücher für die lässt man sich bewusst Zeit. So geht es mir auch immer bei Büchern von Meir Shalev.

  • Bis Kapitel 5


    Es ist wirklich unglaublich, was für einen Sog Shalevs Bücher auf mich ausüben. Wie alle ihre Romane ist auch das hier ganz bestimmt keine Wohlfühllektüre, es gibt viel mehr Hässliches, Schmerzhaftes, Unangenehmes als Schönes und so etwas wie Romantik schon mal gleich gar nicht, aber trotzdem konnte ich das Buch gestern kaum aus der Hand legen (heute hatte ich noch keine Lesezeit).


    Was Iris da Furchtbares zugestoßen ist, ist leider mittlerweile etwas, das auch für uns nicht mehr weit weg oder extrem unwahrscheinlich ist, wie erst vor kurzem wieder in Brüssel zu sehen war :traurig: Und erneut empfinde ich eine riesige Wut auf diejenigen, die solche feigen Anschläge verüben und das Leben vieler unschuldiger Menschen zerstören, die lediglich das Pech hatten, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein.


    Iris hatte zwar halbwegs Glück und hat überlebt, aber es ist nichts mehr wie vorher, nicht nur ihre Gesundheit, sondern auch das Miteinander in der Familie. Micki erscheint mir generell nicht sonderlich stark und hat sich zwar ständig um Iris gekümmert, während sie sich von den Verletzungen erholt hat, aber ich glaube, er hat es nie geschafft, sie emotional "abzuholen" (falls das überhaupt möglich ist). Und die Kinder reagieren auf die egozentrische Art, die Kindern nun mal eigen ist (das meine ich jetzt völlig wertfrei): sie geben sich gegenseitig die Schuld, weil sie noch nicht verstehen, dass nicht alles, was geschieht, seine Ursache in der Familie oder im bekannten Umfeld hat. Das sowieso schon problematische Verhältnis zwischen Alma und ihrer Mutter ist durch den Anschlag und seine Folgen sicher nicht besser geworden, und in der Gegenwart erscheint mir die Familie und auch die Ehe nur noch wie eine Zweckgemeinschaft.


    Zehn Jahre danach wieder von so extremen Schmerzen heimgesucht zu werden, stelle ich mir furchtbar vor. Irgendwann glaubt man doch, dass alles sich auf einem gewissen erträglichen Niveau eingependelt haben müsste, und auch Micki und Omer unterschätzen das Ausmaß von Iris' Qualen ganz gewaltig.


    Die plötzliche Begegnung mit Eitan verkompliziert alles noch. Ich frage mich, ob er wusste, wen er da vor sich hatte. Auf jeden Fall fand ich es heftig, dass er Iris, die ihm in der schweren Zeit bis zum Tod seiner Mutter klaglos und liebevoll beigestanden ist, einfach verlässt. Die Begründung konnte ich nur so halb nachvollziehen, und vor allem fand ich es nicht fair, sich noch die Trauerwoche über quasi an ihr festzuhalten und sie dann einfach fallenzulassen. Auf eine Begegnung in der Gegenwart wäre ich sehr gespannt, vor allem, nachdem Iris nun erfahren hat, dass Eitan sie später gesucht hat.


    Micki ist wohl immer nur zweite Wahl gewesen, ein fernes Echo von Iris' Vater, an den sie so wenig Erinnerung hat und der nun ausgerechnet in dem, was die beiden zusammengebracht hat, dem Schachspiel, die Realität vergisst und weitgehend passiv in Erscheinung tritt (ein Charakterzug, den Alma wohl von ihm geerbt hat - ob sie sich jetzt endlich "findet"?).


    Überhaupt ist das auch wieder so ein Shalev-Phänomen. Keine der Figuren ist mir wirklich durchweg sympathisch, aber trotzdem interessiert es mich sehr, wie es mit ihnen allen weitergeht.

    The little cares that fretted me

    I lost them yesterday

    Among the fields above the sea

    Among the winds at play

    Elizabeth Barrett Browning


  • Bisher hat die Protagonistin noch keine Pluspunkte bei mir sammeln können. Wobei ich dann doch Verständnis entwickel wenn ich mich in ihre Situation am Ende der Trauerwoche nach dem Tod der Mutter ihrer Liebe versetze. Aber heilt diese Wunde wirklich nie?


    Wahrscheinlich nie komplett, gerade wenn die Ehe, die sie danach geschlossen hat, nicht gut funktioniert. Man wird sich unwillkürlich immer wieder fragen, ob mit dem anderen Mann nicht alles viel besser gelaufen wäre.


    Iris ist eine sperrige Person, die sich mit ihrer Härte und Strenge häufig selbst im Weg steht, aber wahrscheinlich ist das so eine Art Schutzmechanismus, weil sie nicht erneut verletzt werden will.

    The little cares that fretted me

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    Among the winds at play

    Elizabeth Barrett Browning

  • Hab jetzt auch fünf Kapitel gelesen.


    Ich bin wie immer hin und weg trotz oder gerade wegen der sperrigen Charaktere.
    Man meint persönlich im Krankenzimmer von Iris Mutter zu sein. Die Gerüche, der seltsame Pfleger, Bollywood ohne Ton, Liebe im Alter, Enttäuschung, Angst, Wahrheiten; Wahrheiten die man gar nicht hören will - sowohl für Iris als auch für ihre Mutter!
    Sehr intensiv! Und wenn es wirklich so war, dass sie Iris nicht erzählt hat dass Eitan nach ihr gefragt hat...........wie so eine Mutter das Schicksal ihrer Kinder in der Hand hat!
    Und das hat Iris ja auch mit ihrem unverständliche n Verhalten ihren Kindern und ihrem Mann gegenüber. Letztendlich hat sie ihr Liebesleben mit dem über stürzten Zusammenziehen ja selbst in die falschen Bahnen geleitet.
    Was für ein trostloses Leben. Schade dass dann aus trostlosen Ehen trostlose Kinder entstehen. Viel schöner für alle ist es ja wenn die Beziehung auf Liebe basiert.
    Ich zwinge mich jetzt was anderes zu tun :) 
    Möchte einfach nicht so schnell fertig werden.

  • Bis Kapitel 8


    Traurig fand ich Iris' Betrachtungen über ihre Kindheit, die praktisch nicht stattgefunden hat, nachdem sie so klein ihren Vater verloren hat. Und ja, es ist oft so, dass gerade das älteste Kind nach dem Tod eines Elternteils viel zu früh und schnell erwachsen, ernsthaft und vernünftig werden muss. Wahrscheinlich ist Iris deshalb oft so streng.


    Omer und Alma sind beide auf gewisse Weise extreme Kinder gewesen, nur eben an verschiedenen Enden des Spektrums - Alma zu ruhig, zu passiv, und Omer zu impulsiv, zornig, fordernd. Die Geschichte mit dem Kuchen fand ich ganz schön heftig und konnte gut nachvollziehen, wie Alma sich über diesen egoistischen kleinen Eindringling geärgert haben muss, der ihre heile Kinderwelt und ihre geliebten Rituale kaputtmacht. Mit dem Erwachsenwerden hat sich das aber wohl alles relativiert, die beiden scheinen ja inzwischen ganz gut miteinander auszukommen (wobei ich Omers Anruf bei seiner Mutter nicht so ganz einordnen kann - wollte er seine Schwester in die Pfanne hauen oder hat er sich wirklich Sorgen gemacht?)


    Alma scheint auf jeden Fall endlich aufzuwachen, eine Persönlichkeit zu entwickeln, auch wenn ich mich frage, welcher Natur genau ihr Verhältnis zu ihrem Chef ist - fördert er sie im positiven Sinne, hilft ihr, zu sich selbst zu finden, oder rutscht sie da gerade in eine ungute Abhängigkeit hinein?


    Micki kann ich nun ein wenig besser verstehen. Eine Kindheit mit einem gewalttätigen Vater muss die Hölle gewesen sein, und sicher hat er da gelernt, bloß nicht aufzufallen, sich still zu verhalten, was erklären könnte, warum er als Erwachsener eher wenig Eigeninitiative zeigt.


    Bezeichnend für das abgekühlte Verhältnis zwischen Micki und Iris ist die Szene im Bad, als sie es nicht ertragen, vor einander nach dem Zähneputzen auszuspucken. Das fand ich super beobachtet. Zwar ist es nicht so was Intimes wie Duschen oder zur Toilette gehen, aber doch etwas, das man eher nicht vor fremden Zuschauern tun möchte.


    Iris' Verdacht, Micki könne eine Affäre haben oder gar schon vor zehn Jahren eine gehabt haben, erscheint mir ziemlich an den Haaren herbeigezogen, verdeutlicht aber das Misstrauen, das in dieser Ehe herrscht. Ob sie gerade jetzt auf diesen Gedanken kommt, weil sie selbst im Begriff ist, ihre Jugendliebe zu suchen?


    Die tatsächliche Begegnung mit Eitan hat mich überrascht - dass er sie schon beim ersten Mal erkannt hatte, habe ich mir fast gedacht, aber dass auch er sich so auf sie stürzt, begierig, das Versäumte nachzuholen, hätte ich nicht erwartet, und auch nicht, dass er Single ist. Ob auch ihm seine beiden Frauen im Vergleich zu Iris nicht gut genug gewesen waren?


    Etwas befremdlich fand ich diese Bildschirme mit den Patienteninfos. Trotz der abgekürzten Namen finde ich das etwas, hm, merkwürdig und datenschutztechnisch problematisch. Und wie furchtbar, als die verstorbene Frau plötzlich vom Bildschirm verschwindet :sauer:


    Wie Iris bei Eitans Elternhaus durch die Hecke krabbelt, wirkt schon fast unfreiwillig komisch. Bei einem anderen Autoren hätte ich es albern gefunden, dass eine erwachsene, gestandene und beherrschte Frau wie Iris so etwas Beknacktes tut, aber Frau Shalev nehme ich ab, dass Iris sich dazu hinreißen lässt. Der Junge mit den Einbrechern hat mich sogar ein bisschen zum Schmunzeln gebracht. Und was für ein Glück (oder tatsächlich Intuition, wie Eitan meint?), dass ihre große Liebe wirklich noch bzw. wieder dort wohnt.


    Auch wenn ich nicht ganz verstehe, dass Iris ihm die Sache von damals so schnell zu verzeihen imstande ist, können die beiden fast nahtlos wieder an das Damals anknüpfen. Es kommt mir tatsächlich vor, als seien die beiden füreinander bestimmt (selbst wenn das jetzt kitschig klingen mag). Sie verstehen sich einfach, "ticken" sehr ähnlich oder haben zumindest instinktiv Verständnis füreinander.

    The little cares that fretted me

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    Elizabeth Barrett Browning

  • Hab jetzt das siebte Kapitel beendet.
    Am Ende der ganz direkte Bezug zum Titel "Schmerz". Interessant. Und wenn jemand fragt ist es der Schmerzazrt. Jaja.


    Bei dem Abschnitt mit Almas Haaren wurde ich ganz hibbelig. Das ist grade ein sehr großes Thema bei mir/uns. Wahnsinnig gut wie zart Shalev das wieder aufgreift und Raum lässt. Bin sehr gespannt was mit Alma wirklich los ist.


    Ich finde Iris Gejammer ganz nervig. Eigentlich will ich sie mal schütteln. Wie sie mit ihrer Familie umgeht...immer erwartet nur sie Verständnis. Dabei hätte sie ja auch schon längst eine Schmerztherapie machen könne n. Aber scheinbar gefällt sie sich in der leidenden Rolle.
    Kinder müssen erzogen/verbogen werden um zu funktionieren und haben sich gefälligst normaaaal zu verhalten. Als Kleinkind genau wie als junge Erwachsene.
    Er
    Das Zusammentreffen mit Eitan, nachdem sie erst mal ihre Freundin ab serviert hat, finde ich sehr peinlich. Wie kann man da so rumsitzen und ihn anfassen? Oh Mann....
    Ob Micki wirklich eine Affäre hat? Wer weiss. So wie Iris ihn behandelt und er immer wieder Nähe sucht - vergeblich. Irge dwo sind sie ja klassisch wegen der Kinder und der Hypothek zusammen. Von Iris au gab es ja scheinbar nie Liebe.


    Bisher war ja noch nicht klar dass Eitan Single ist. Kommt wohl im achten Kapitel.

  • Achtes Kapitel gelesen
    - Ahhhh klar jetzt hat sie keine Schmerzen beim Sex... :rollen:
    Im Endeffekt kann ich die Sache mit der grossen Liebe schon nachvollziehen. Wenn mein Mann mich jetzt verlassen würde ginge es mir wohl ähnlichen. Allerdings würde ich dann wohl nicht so ein Scheinleben führen sondern eher ins Kloster gehen.
    Sehe ich das jetzt zu eng? Was sagt ihr??
    Muss es aber jetzt wieder beiseite legen, will ja noch ein paar Tage was davon haben. ;)

  • Für mich bräche auch eine Welt zusammen, wenn mein Mann mich von jetzt auf nachher abservieren würde. Auf ein solches Pseudo-Ehe- und Familienleben wie das von Iris würde ich mich dann wohl eher nicht einlassen, aber hier spielt sicher auch das Alter eine Rolle. Man darf nicht vergessen, dass sie erst 17 war, als Eitan sich von ihr getrennt hat. Da sieht man vieles noch anders und hat noch nicht so viel Weitblick.


    Und irgendwann ist das alles zwar vielleicht unbefriedigend, aber auch irgendwie bequem geworden, es ist zwar nicht prickelnd, aber die Zweckgemeinschaft erfüllt ihren Zweck, und sei es nur der Kinder wegen. Ohne äußeren "Anschubser" trennt man sich dann wohl doch nicht so leicht. Allerdings denke ich, dass Iris nach dieser großen, frühen Liebe als Single unterm Strich glücklicher gelebt hätte als in dieser öden Ehe.

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    Elizabeth Barrett Browning

  • Wobei mich Mickis Realitätsflucht auch nervt. "Ich geh dann mal Schach spielen" oder "Ich bin mittendrin" ist auch keine Lösung :rollen:

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  • Na ja. Ich hatte schon den Eindruck dass er versucht Gespräche aufzubauen und Nähe zu suchen. Von ihr kommt dann ja nur Abwehr und Gezicke und Vorwürfe.
    Da kann ich eine Flucht an den Computer oder dann auch in Almas Zimmer schon nachvollziehen.

  • :winken: Mich gibt's auch noch.
    Nachdem mir die Arbeit mal wieder einen Strich durch die Leseplanung gemacht hat, bin ich mittlerweile doch im fünften Kapitel angekommen. Wei ihr auch bin ich begeistert und fasziniert. Shalev gelingt es tatsächlich, ihren LeserInnen auch schwierige Charaktere nahe zu bringen. Mir ist Iris zwar nicht sonderlich sympathisch, aber ich fühle mit ihr. Sie ist zwei Mal schwer verletzt worden - erst psychisch und dann körperlich - und hat beides nie wirklich verarbeiten können.
    Nein, sie ist keine sonderlich gute Mutter oder Ehefrau, aber sie hat getan, so gut sie konnte. Tragisch, dass das nicht wirklich gut für ihre Kinder war. Sowohl für sie als auch für ihre Kinder wäre es vielleicht besser gewesen, sie hätte sie nicht so früh (oder überhaupt nicht) bekommen, aber so etwas kann man nur im Nachhinein feststellen, leider.


    Mich faszinieren besonders die vielen Anspielungen auf Bibelstellen. Am liebsten würde ich denen genauer nachgehen, sprich zumindest in der Bibel nachlesen, wie das z. B. noch mal genau mit Joseph und seinen Brüdern war und welche Parallellen sich dazu im Buch finden lassen. Zwar stehe ich jeder Art von Religion sehr kritisch und misstrauisch gegenüber, aber sie bilden doch immer einen starken kulturellen Hintergrund und sind auch heute nicht bedeutungslos. Schon garnicht in Israel.

  • Bis Seite 226


    Auf Seite 199 sagt Iris sehr genau "Alma (...) bezahlte den Preis denn ihre Mutter hatte die Tochter Eitan Rosenfelds gebären wollen."
    Tja...so kann man das auch zusammen fassen.


    Mir wird Iris immer unsympathischer wie sie sich in das Luegennetz verstrickt und sich wie ein Teeny benimmt. Vermutlich wirklich die Wechseljahre wie ihre Freundin vermutet. ;) 
    Das Streitgespräch im Anschluss finde ich sehr gut. 3:0 für Micki.
    Ich Frage mich was mit Omer gemacht wurde, um ihn so zu verbiegen!? Er scheint ja unrealistisch parteiisch zu sein. Aus dem wilden Kind wurde eine Maschine gemacht. Vermutlich ist er auch so schlecht auf seinen Vater zu sprechen weil der nicht verhindert hat dass er gebrochen wird. :sauer:
    Und wie sie weiter Teeny spielt und die Sorgen um ihre Tochter wegschiebt . Schrecklich! Ist es möglich nicht in seiner Liebe zu ertrinken? Gnaaaa - irgendwie ist das doch nicht der Sinn, dassLiebe behindert und ertränkt. Sie sollte doch beflügeln.


    Jetzt bin ich schadenfroh - wie sie nach Hause kommt und kein Bett findet. ;)

  • Bis Kapitel 12/S. 226


    Sich mit Eitan in ihrer eigenen Wohnung zu treffen, halte ich für ganz schön gewagt. Da kann doch jederzeit Mann oder Kind nach Hause kommen, weil was vergessen wurde oder sich einer nicht wohlfühlt. Glück für Iris, dass es "nur" die Putzfrau ist, obwohl die sich schätzungsweise ihren Teil denkt. Die Bemerkung über die Ehebrüche hat sie bestimmt nicht völlig absichtslos gemacht.


    Ich überlege gerade, ob Iris mit diesem teeniehaften Verliebtsein da gerade etwas von der Verrücktheit nachholt, die sie als Kind und Jugendliche nicht ausleben konnte, weil sie nach dem Tod des Vaters immer vernünftig sein musste. Auch als sie damals mit Eitan zusammen war, war das ja durch die Krankheit und das Dahinsiechen seiner Mutter nicht unbeschwert. Das entschuldigt zwar nicht ihr abweisendes Verhalten ihrer Familie gegenüber, würde es aber ein stückweit erklären.


    Was ist eigentlich mit Eitans Vater? Bisher war immer nur von seiner Mutter die Rede. Hat Iris' Vaterlosigkeit ihn fasziniert, weil er selbst keinen Vater hatte? Oder ist der irgendwann abgehauen?


    Der Absturz aus dem Verliebtheitsrausch in Zweifel an dem, was sie da gerade treibt, ist auch gut dargestellt, wie Omers plötzliches Auftauchen sie vorübergehend zur Besinnung bringt und an ihre Verantwortung gegenüber der Familie erinnert und sie gleichzeitig dagegen aufbegehrt, dass es wieder Zwänge gibt, dass sie wieder nicht ganz ihren Gefühlen folgen kann. Sie scheint mir ziemlich überwältigt von ihren Emotionen und ihrem Begehren und kann nicht richtig klar denken. Ja, die Assoziation mit einem verknallten Teenie ist wirklich nicht weit hergeholt.


    Dieser Boas scheint in der Tat ein komischer Typ zu sein. Ich hoffe sehr, Alma hat sich da nicht auf etwas Dämliches eingelassen in ihrem Bestreben, sich von zu Hause zu lösen. Dass Iris sie plötzlich in ihrem Bett vorfindet, hat mich sehr überrascht. Ich hoffe, das hat keinen schlimmen Anlass.

    The little cares that fretted me

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  • Auf Seite 199 sagt Iris sehr genau "Alma (...) bezahlte den Preis denn ihre Mutter hatte die Tochter Eitan Rosenfelds gebären wollen."
    Tja...so kann man das auch zusammen fassen.


    Das fasst es wirklich gut zusammen. Iris hat es Micki und Alma nie verziehen, dass sie nicht Eitan und die erträumte Mirjam sind. Es wäre unter diesen Umständen wohl tatsächlich besser gewesen, nicht zu heiraten oder zumindest nicht so eine Vernunftehe einzugehen.


    Zitat

    Ich Frage mich was mit Omer gemacht wurde, um ihn so zu verbiegen!? Er scheint ja unrealistisch parteiisch zu sein. Aus dem wilden Kind wurde eine Maschine gemacht. Vermutlich ist er auch so schlecht auf seinen Vater zu sprechen weil der nicht verhindert hat dass er gebrochen wird. :sauer:


    Ich bin mir nicht sicher, dass Iris etwas besonders Übles mit ihrem Sohn angestellt oder ihn bewusst auf ihre Seite hat. Er scheint ein Kind gewesen zu sein, dem es unterm Strich guttut, auf liebevolle, aber bestimmte Art Grenzen zu spüren, was sie wohl ganz gut hingekriegt hat, denn er wirkt jetzt wie ein ziemlich normaler Siebzehnjähriger und nicht wie ein Problemfall. Vielleicht war Micki zu weich und nachgiebig oder auch zu gleichgültig. Außerdem hatte Alma schon von Beginn an ihren Vater "besetzt", so dass es schon fast logisch ist, dass Omer dann eher den Draht zu seiner Mutter hat. Ich kenne das von mir und meiner Schwester (und aus vielen anderen Zweier-Geschwisterkonstellationen) auch so, dass ein Kind eher zum Vater und eines eher zur Mutter tendiert.

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  • War ja auch gut dass einer für Alma da war....
    Ich kann mir schon vorstellen, dass was Blödes mit Omar angestellte wurde. Zu oft werden ihre "Fähigkeiten" erwähnt aus Kindern "kleine Soldaten" zu machen. :rollen:


  • Zu oft werden ihre "Fähigkeiten" erwähnt aus Kindern "kleine Soldaten" zu machen. :rollen:


    Das habe ich nicht so empfunden, ich sehe sie als Lehrerin eher als den Typus "streng, aber gerecht". Hast Du mal ein Zitat dazu?

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