02 - Kapitel III bis einschl. Kapitel VI (bis Seite 58)

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

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  • Hier könnt ihr zum Inhalt von Kapitel III bis einschl. Kapitel VI (bis Seite 58) schreiben.

    2018: In Belgien erschießt die Polizei ein 2-jähriges Kind. In Deutschland sitzt ein 2-jähriges Kind in Abschiebehaft. Europa wird also von 2-jährigen bedroht.

  • Meine Gedanken zum 2. Abschnitt:
    Twain gräbt wenige Details aus Shakespeares Leben aus, die bekannt sind, und diese belegen so gut wie gar nicht seine schriftstellerischen/dramaturgischen Unternehmungen, schon komisch irgendwie.
    Seine Schule musste er zeitig beenden, dann in Vaters Schlachterei anfangen und sich später mit Gelegenheitsbeschäftigungen herumschlagen. Über Frau und Kinderzahl wird man unterrichtet, aber literarische bis bildungstechnische Erfahrungen bleiben leider außen vor. Man fragt sich unweigerlich: Konnte Shakespeare mit seinen Voraussetzungen überhaupt solche Werke schreiben?
    Autodidakt hin oder her, selbst damit hätte er nicht alles nachholen können, weil Bücher teuer waren und Bildung generell an Geld gebunden gewesen ist.
    Spannend wird's, wenn Twain seinen eignen Werdegang mit dem von Shakespeare vergleicht. Auch Twain erarbeitete sich sein Wissen und kam aus einfachen Verhältnissen. Aber allein sprachlich gesehen trennen Twain und Shakespeare Welten.
    Fragt sich nur, wie Shakespeare an all die Hintergrundinfos für seine Stücke gekommen ist?
    Oder war's Francis Bacon? Diese Shakespeare-Bacon-Debatte kannte ich bisher noch nicht, werde mich aber im Internet mal schlau machen.

  • Ich denke auch, dass es kaum möglich ist, Jahrhundertstücke zu schreiben, wenn man aus einem Milieu wie Shakespeare stammt.
    Außerdem kommt es mir so vor, dass es unmöglich ist, das ganze Wissen und Sprachvermögen, das Twain aufzählt und von dem er behauptet, dass es notwendig sei, um Shakespeare-Stücke zu schreiben, sich anzueignen. Übertreibt Twain in dieser Hinsicht?


    Seine übrige Argumentation finde ich bestechend. Ebenso gelungen wie hilfreich finde ich die Vergleiche, die er zieht (Kätzchen-Kater, Brontosaurier, ...).


    Alles in allem komme ich bisher zu dem Schluss, dass Shakespeare ein extrem unangenehmer und unsozialer Zeitgenosse gewesen sein muss. Kann das vielleicht der Grund sein, dass niemand über ihn sprechen wollte? Wurde er wegen seiner Unbeliebtheit (und bei seinem Gebaren war er sehr wahrscheinlich unbeliebt) einfach totgeschwiegen?

    :lesewetter:&nbsp; &quot;Willkommen in der Wüste der Wirklichkeit&quot; (Morpheus)<br />

    <br />[li]Anthony Powell: &quot;Bei Lady Molly&quot;[/li]<br />

  • Oh, was für ein spannendes Feld, auf dem wir uns hier gerade bewegen. Ich bin schon ein wenig gefesselt und habe geschaut, ob die Stadtbücherei vielleicht ein Buch zu dieser Thematik hat, bin aber leider nicht fündig geworden. Vielleicht habe ich noch nicht nach den richtigen Büchern gesucht. ;)




    Spannend wird's, wenn Twain seinen eignen Werdegang mit dem von Shakespeare vergleicht. Auch Twain erarbeitete sich sein Wissen und kam aus einfachen Verhältnissen. Aber allein sprachlich gesehen trennen Twain und Shakespeare Welten.


    Zum anderen lebt Twain in einer etwas moderneren Welt als Shakespeare. Bücher waren bei weitem nicht mehr ganz so selten und kostbar und auch an Informationen kam man schon leichter heran.


    Ich fand auch das Testament, welches Twain beleuchtet hat, interessant. Ich kann seine Gedanken nachvollziehen, dass es seltsam anmutet, dass ein solcher Schriftsteller wie Shakespeare keine Manuskripte oder Bücher besitzt. Vor allem die fehlenden Manuskripte von nicht vollendeten Werken stimmt mich nachdenklich.


    Damit einher geht auch dieser Eindruck:


    Alles in allem komme ich bisher zu dem Schluss, dass Shakespeare ein extrem unangenehmer und unsozialer Zeitgenosse gewesen sein muss. Kann das vielleicht der Grund sein, dass niemand über ihn sprechen wollte? Wurde er wegen seiner Unbeliebtheit (und bei seinem Gebaren war er sehr wahrscheinlich unbeliebt) einfach totgeschwiegen?


    Auch in diesem Testament merkt man diese unsoziale und unsympathische Art Shakespeares'. Beim Lesen kam mir auch der Gedanke, dass er alles andere als sympathisch gewesen ist.



    Ich denke auch, dass es kaum möglich ist, Jahrhundertstücke zu schreiben, wenn man aus einem Milieu wie Shakespeare stammt.
    Außerdem kommt es mir so vor, dass es unmöglich ist, das ganze Wissen und Sprachvermögen, das Twain aufzählt und von dem er behauptet, dass es notwendig sei, um Shakespeare-Stücke zu schreiben, sich anzueignen. Übertreibt Twain in dieser Hinsicht?


    Ich denke nicht. Ich habe jetzt keine Ahnung, wie viel rechtsspezifische Fragen und Wissen in Shakespeares Werken stecken, aber was ich weiß, dass Shakespeare eine sehr hohe Verssprache benutzt, vielleicht vergleichbar mit Goethes Versen oder auch mit den typischen Sonetten, die ja einen sehr strengen Aufbau haben. In Shakespeares Dramen tummeln sich also nur so die rhetorischen Mittel, Versmaße etc. (Zumindest wenn man sich den englischsprachigen Originaltext anschaut. Wie man dies in die deutsche Sprache übersetzt, ist ja bis heute strittig.)


    Ja, also bisher kann ich mich Twain anschließen im Brontosaurier sein, aber das ist wohl auch nicht schwer, wenn mein Hauptwissen sich gerade auf dieses Werk stützt. Eine differenzierte Meinung kann man sich so eher schwerlich bilden. ;)

  • Ich bin begeistert! Warum habe ich noch nie Twain gelesen? Unverständlich! So eine tolle Sprache!


    Ich habe teilweise sehr lachen müssen - die Ausführungen sind klasse.


    Die Frage bleibt bzw erhärtet sich: wer war Shakespeare wirklich? Eigentlich kann Shakespeare nur seinen Namen hergegeben haben. Ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht - mir fehlt in diesem Abschnitt noch ein Kapitel.
    Fest steht - ich bin verwirrt .


    Ich hatte ein bisschen befürchtet, das Buch könnte etwas trocken sein. Das Gegenteil ist der Fall. Eher vermute ich, es wird zu kurz sein .

    &#128012;

  • Spannend wird's, wenn Twain seinen eignen Werdegang mit dem von Shakespeare vergleicht. Auch Twain erarbeitete sich sein Wissen und kam aus einfachen Verhältnissen. Aber allein sprachlich gesehen trennen Twain und Shakespeare Welten.
    Fragt sich nur, wie Shakespeare an all die Hintergrundinfos für seine Stücke gekommen ist?
    Oder war's Francis Bacon? Diese Shakespeare-Bacon-Debatte kannte ich bisher noch nicht, werde mich aber im Internet mal schlau machen.


    Das fand ich auch sehr beeindruckend. Ebenso den Katzenvergleich, sowie den Brontosaurier. Da kann man eigentlich gar nicht mehr anders, als Twain Recht zu geben. Es fügt sich so logisch zusammen. Die Fakten sprechen gegen Shakespeare, den Schriftsteller/Stückeschreiber.
    Was hat Shakespeare in den unbelegten Jahren in London getan?

    &#128012;

  • Hallo und guten Abend,


    auch wenn ich jetzt ein Spielverderber bin, ich kann eure Begeisterung gerade nicht so sehr teilen und frage mich woran es liegt.
    Ein bisschen kommt mir das Ganze wie eine gute Verschwörungstheorie vor, aber sie wird doch nicht glaubwürdiger, nur weil ein berühmter Dichter sie schreibt. Das ist für mich eher anmaßend...


    Leider ist mir Brysons Shakespeare Biographie nicht mehr sehr gegenwärtig und da ich sie im Englischen Original gelesen habe, fehlt mir auch der eine oder andere Hintergrund, aber ich kann mich an seine Argumentation und auch an durchaus schlüssige Zusammenhänge erinnern, die Shakespeareanern eher recht geben.


    Ich mag Twains Sprache, schelmisch spricht er von den Annahmen. Es liest sich flott und man könnte meinen alles ist stimmig und klar, bei mir überwiegt der Zweifel - zu viel überzogene Bildhaftigtkeit.
    Die Katzen zum Beispiel, kein Bild was mir gefallen hat - wir haben 2 Katzen und damit war für mich weder die eine noch die andere Theorie eindeutig plausibel, die Wahrheit liegt dazwischen.


    Das Shakespeare kein sympathischer Zeitgenosse war, verwundert mich nicht all zu sehr, hat nicht jede berühmte Persönlichkeit seine / ihre dunkle Seite?


    Grüße
    schokotimmi

    Weltreise: 43/223 - 19,3%

  • Du bist kein Spielverderber, wir wollen ja diskutieren. :winken:
    Und na klar - Twain schreibt einseitig. Bewerten kann ich zur Zeit nur Twain, denn die andere Seite kenne ich - noch - nicht.
    Aber das, was er schreibt, ist schon sehr schlüssig.
    Und klar, würde ich heute die Gegenseite anhören, würde ich vermutlich auch dort eine gut gemachte Argumentation schlüssig finden.
    Die Geschichte mit den Katzen - ich überlege nicht, handeln Katzen wirklich so. Ich sehe es als ein Bild. Ob gut oder schlecht gemacht, darüber lässt sich streiten. Aber verstanden, was Twain uns sagen will, verstehe ich schon.


    Ich fand den Vergleich Twain - Shakespeare gut und deutlich. Aber ist es wirklich vergleichbar? Lebten die beiden nicht in völlig verschiedenen Welten?

    &#128012;

  • Ich finde Twain nicht anmaßend. Den Vergleich mit den Katzen wählt er, um deutlich zu machen, dass es wahrscheinlicher ist, dass ein hochgebildeter Mann die Dramen geschrieben hat als ein Jungspund, der wenig Bildung genossen hat.
    Den Vergleich mit sich macht er, um zu zeigen, dass jeder gern über eine Persönlichkeit spricht und sich ihrer erinnert, wenn er schon mal eine persönlich kennt.


    Dass er die Theorien über Shakespeare anzweifelt ist meiner Meinung nach legitim. Und wenn man sich die wirklich mehr als dürre Faktenlage anschaut (sind das wirklich die einzigen Tatsachen, die man über Shakespeare weiß?), ist der Vergleich mit dem Brontosaurierer doch ziemlich treffend.


    Wenn man jetzt wirklich nur die bekannten Fakten hernimmt, frage ich mich, wie es überhaupt dazu kam, dass man Shakespeare zuschreibt, irgendwelche Dramen geschrieben zu haben. So wie sich das darstellt, hat er selbst nie Anspruch auf diese Dramen erhoben (vgl. Testament) oder behauptet, sie geschrieben zu haben. Was ich mir aber gut vorstellen könnte - ein Pfennigfuchser, wie er war -, ist, dass er seinen Namen teuer verkauft hat an denjenigen, der die Dramen wirklich verfasst hat. Stellt sich nur die Frage, warum derjenige Jahrhundert-Theaterstücke unter einem unbekannten Namen verfasst hat.

    :lesewetter:&nbsp; &quot;Willkommen in der Wüste der Wirklichkeit&quot; (Morpheus)<br />

    <br />[li]Anthony Powell: &quot;Bei Lady Molly&quot;[/li]<br />

  • Was ich mir aber gut vorstellen könnte - ein Pfennigfuchser, wie er war -, ist, dass er seinen Namen teuer verkauft hat an denjenigen, der die Dramen wirklich verfasst hat. Stellt sich nur die Frage, warum derjenige Jahrhundert-Theaterstücke unter einem unbekannten Namen verfasst hat.


    Ja, genau! Aber wer war das?Oder warum?
    Darum hatte ich anfngs meinen Gedanken eingeworfen, es könne vielleicht eine Frau sein, die nicht in Erscheinung tretem kann, will oder darf.


    Nein, auch ich halte Shakespeare nicht für anmaßend. Hätte er dann nicht mit seinem - nicht von ihm geschriebenen - Werk protzen müssen?
    Das meinte ich, als ich schrieb "sich mit fremden Federn schmücken".


    Aber ich eiere auch immer noch um Twains Theorie herum. Wer hat die Werke Shakespeare zugeschrieben? Ist dies - wie Twain andeutete - doch erst viele Jahre nach Shakespeares Tod geschehen?
    Ein Gedanke kommt mir gerade, ich bin kein Shakespeâre Forscher, eher sehr laienhaft - wann sind die Werke überhaupt in Erscheinung getreten? Hat man sie vielleicht auch erst irgendwann später entdeckt und sie - k.A. - dem Schauspieler, der zufällig vor vielen Jahren in dem Haus, in dem sie lagen, gewohnt hat, zugeschrieben? Wie hieß der noch? William Shakespeare? Der mit dem Gedicht auf dem Grabstein?

    &#128012;

  • So wie Twain argumentiert, also was die Menge an Wissen oder Spezialwissen betrifft und auch Shakespeares Herkunft betreffend, scheint es ja fast unmöglich, dass er seine Werke selbst geschrieben hat, aber sollte sie dann geschrieben haben und warum?
    Diesen Bacon hatte ich bisher überhaupt nicht auf dem Schirm, ich wusste zwar von den zwei Lagern der Shakespeare-Befürworter und Shakespeare-Gegner, aber Bacon war mir dahingehend unbekannt.


    Wenn die Faktenlage über Shakespeare so dünn ist, könnte man doch auch behaupten, Shakespeare ist eine rein fiktive Persönlichkeit und wurde vom echten Autor der Dramen geschaffen, aber das ist dann vielleicht doch etwas zu weit hergeholt?



    auch wenn ich jetzt ein Spielverderber bin, ich kann eure Begeisterung gerade nicht so sehr teilen und frage mich woran es liegt.
    Ein bisschen kommt mir das Ganze wie eine gute Verschwörungstheorie vor, aber sie wird doch nicht glaubwürdiger, nur weil ein berühmter Dichter sie schreibt. Das ist für mich eher anmaßend...


    Spielverderber würde ich auch nicht sagen, jeder kann ja seine eigene Meinung vertreten, genauso wie Twain versucht, uns seine Gedankengänge bzw. Meinungen näher zu bringen.


    Da über Shakespeare ja sehr wenig bekannt ist, muss man halt die vielen Unbekannten durch Hypothesen ausfüllen, so abstrus sie auch manchmal scheinen mögen.



    Darum hatte ich anfngs meinen Gedanken eingeworfen, es könne vielleicht eine Frau sein, die nicht in Erscheinung tretem kann, will oder darf.


    Es soll ja auch Vermutungen geben, in denen von der Königin als potentielle Autorin die Rede ist, aber ich weiß nicht, klang für mich, als ich davon hörte, etwas zu verschwörerisch :zwinker:

  • Es soll ja auch Vermutungen geben, in denen von der Königin als potentielle Autorin die Rede ist, aber ich weiß nicht, klang für mich, als ich davon hörte, etwas zu verschwörerisch :zwinker:


    Das habe ich auch irgendwo gelesen, fand es aber auch etwas weit hergeholt. :winken:

    &#128012;

  • Bevor ich zum nächsten Abschnitt schreibe hier noch ein Einwurf.


    Ich hab jetzt extra die Shakespeare "Biografie" von Bryson rausgekramt, von der ich mich erinnert habe, dass sie ganz gut mit den Argumenten die gegen Shakespeare als Autor sprechen umgegangen ist und nach etwas blättern und somit indirekter Hilfe nochmal ein Vorstoß meinerseits zu erklären warum ich es schade finde, dass Twain hier in einer solchen Verschwörungskiste darinsteckt.


    Natürlich sind die Argumente, die Twain anführt auf irgend eine Art logisch und nachvollziehbar aber auch sie stützen sich nicht auf Dokumente, sondern auf Annahmen - Shakespeare kann es nicht gewesen sein, weil er zumindest nachweislich keinen tiefgehenden juristischen Umgang und keine Ausbildung darin hat, keine Seefahrerkenntnisse, keine medizinischen Kenntnisse...für mich steht hier Aussage gegen Aussage.
    Ja seine Biografie ist spärlich, aber gibt es doch nachweislich diverse Dokumente in denen Shakespeare als Author verschiedener Stücke ausdrücklich genannt wird.
    Bryson geht in einem kurzen Kapitel darauf ein, wie es zur These Shakespeare hat seine Werke nicht selbst geschrieben, gekommen ist und die Ursprünge liegen bei einer Dame Namens Delia Bacon aus den Staaten um 1860.
    Nachdem ich das jetzt kurz nachgelesen habe, scheint Twains Buch doch ziemlich gut in diese Phase zu passen... :teufel:


    Es tut mir wirklich leid, aber ich kann diesem herumreiten auf Fachausdrücken und Insiderwissen der Juristen nur schwer glauben schenken. Ich bin eben ein Stratfordianer :breitgrins:


    Grüße
    schokotimmi

    Weltreise: 43/223 - 19,3%


  • Aber ich eiere auch immer noch um Twains Theorie herum. Wer hat die Werke Shakespeare zugeschrieben? Ist dies - wie Twain andeutete - doch erst viele Jahre nach Shakespeares Tod geschehen?
    Ein Gedanke kommt mir gerade, ich bin kein Shakespeâre Forscher, eher sehr laienhaft - wann sind die Werke überhaupt in Erscheinung getreten? Hat man sie vielleicht auch erst irgendwann später entdeckt und sie - k.A. - dem Schauspieler, der zufällig vor vielen Jahren in dem Haus, in dem sie lagen, gewohnt hat, zugeschrieben? Wie hieß der noch? William Shakespeare? Der mit dem Gedicht auf dem Grabstein?


    Jein. Shakespeare war bereits zu seiner Zeit bekannt und seine Stücke wurden auf vielen Bühnen gespielt, u.a. auch liebendgern von der Königin Elisabeth gesehen. Wenn dann gab es die Dramen und man dachte, ah, der Schauspieler/Theaterunternehmer Shakespeare hat die doch andauernd aufgeführt, der hat die bestimmt auch geschrieben. Wie schon mal irgendwo erwähnt, in der Zeit wurden Stücke von Mund zu Mund übertragen und nicht durch schriftliche Vervielfältigung. Von daher lässt sich sowas im Nachhinein schwer ausdifferenzieren.



    Ich persönlich finde es überhaupt nicht schlimm oder abwertend über die Urheberschaft zu diskutieren. Der Autor wird wohl immer den Namen Shakespeare tragen und ich finde ihn auch viel poetischer als "Bacon". Aber da die Personen schon lange tot sind, ist es mir eigentlich sogar egal, wer sie nun geschrieben hat. Wichtig ist ja, dass es sie immer noch gibt. Und Verschwörungstheorie trifft es ganz gut. Aber - solange sie so ungefährlich und "unwichtig" sind wie hier - mag ich das eigentlich ganz gerne und finde das auch immer ein bisschen spannend. :) (Und nur um mich deutlich zu positionieren: ich halte gar nichts von rechten Verschwörungstheorien à la Deutschland wäre kein eigener Rechtsstaat und so. Nur damit wir uns nicht misverstehen hier!)


  • Und Verschwörungstheorie trifft es ganz gut. Aber - solange sie so ungefährlich und "unwichtig" sind wie hier - mag ich das eigentlich ganz gerne und finde das auch immer ein bisschen spannend. :) (Und nur um mich deutlich zu positionieren: ich halte gar nichts von rechten Verschwörungstheorien à la Deutschland wäre kein eigener Rechtsstaat und so. Nur damit wir uns nicht misverstehen hier!)


    Oh ich glaube an solche "Verschwörungstheorien denkt man hier nicht, ich für meinen Teil reihe es ein in "Elvis und Lady Di sind am Leben!" und auf dem Mond ist auch noch nie jmd. gelandet. :zwinker:



    Jein. Shakespeare war bereits zu seiner Zeit bekannt und seine Stücke wurden auf vielen Bühnen gespielt, u.a. auch liebendgern von der Königin Elisabeth gesehen. Wenn dann gab es die Dramen und man dachte, ah, der Schauspieler/Theaterunternehmer Shakespeare hat die doch andauernd aufgeführt, der hat die bestimmt auch geschrieben. Wie schon mal irgendwo erwähnt, in der Zeit wurden Stücke von Mund zu Mund übertragen und nicht durch schriftliche Vervielfältigung. Von daher lässt sich sowas im Nachhinein schwer ausdifferenzieren.


    Das trifft es wirklich gut, und da zeigt ja auch das von mir verlinkte Dokument... :daumen:


    Grüße
    schokotimmi

    Weltreise: 43/223 - 19,3%

  • Oh, ich liebe Verschwörungstheorien - im positiven Sinne, wie ihr sie beschrieben habt - ebenfalls, deswegen gefällt mir die Diskussion hier auch so gut. Und richtig, man tut niemandem weh. :winken:

    &#128012;

  • Hat Shakespeare seine Werke selbst geschrieben oder war es jemand anders unter seinen Namen? Ich habe mir dazu noch keine Meinung gebildet, denn ich kenne bis jetzt nur eine Seite, die von Twain. Die Argumente der Stratfordianer sind mir dagegen unbekannt, da ich in dieser Materie völlig unbedarft bin. Überhaupt kenne ich nur einen winzigen Bruchteil von Shakespeares Werken, daher müsste ich mich schon um einiges mehr in die Thematik einarbeiten, um zu einem abschließenden Urteil zu gelangen.


    Twains klingen vorerst schlüssig. Aber und jetzt kommt das große ABER


    - Dieses kleine Büchlein ist bis jetzt eine Hommage an Mark Twain und handelt nur sekundär über Shakespeare. Mark Twains Vergleichsperson, um seine Thesen zu untermauern, ist Mark Twain. Da ER in mannigfaltigen Berufen tätig war, kennt ER deren typische Sprache im Effeff. Für Shakespeare ist das natürlich nicht möglich, da es darüber keine Belege gibt. Er wirft der Gegenseite vor über Shakespeares undokumentierte Jahre zu spekulieren, macht allerdings genau dasselbe. Eben nach dem Prinzip - was nicht sein darf, kann nicht sein, weil es dafür keine Beweise gibt.


    - Außerdem widerspricht sich Mark Twain mehrmals. Auf Seite 37 schreibt er, dass es bis auf das Grabsteingedicht kein einziges Theaterstück aus der Feder des Stratford-Shakespeare gibt. Nur drei Seiten weiter heißt es:


    Zitat

    Wenn man es recht betrachtet, haben wir dem Kälberschlachten den Titus Andronicus zu verdanken, das einzige Stück, das der Stratford-Shakespeare je schrieb.


    Was jetzt? Hat der Stratford-Shakespeare nun gar nichts geschrieben oder zumindest doch ein Stück? Sogar über den Punkt, ob Shakespeare nun ein ansehnliches Alter erreichte, oder nicht, ist sich Twain mit sich selbst nicht einig - einmal erreichte er ein "recht langes Leben", dann wieder "starb er jung". Nun man könnte zu Twains Verteidigung anführen, dass 52 Jahre Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts genau in der Mitte lag - weder jung noch alt - aber konsistent ist seine Linie nicht.

  • Ich habe im TV mal was über die Shakespearefrage gesehen, erinnere mich aber nur bruchstückhaft. Man ging davon aus :zwinker:, dass der tatsächliche Verfasser - Name ist mir entfallen - mit der Obrigkeit Konflikte hatte und deshalb nicht auf eigenen Namen veröffentlichen durfte.

    Wahnsinn ist bei niederer Lautstärke weniger störend.

    Dieter Nuhr

  • In diesem Anschnitt finde ich gerade den Katzenvergleich sehr amüsant. Und dann ist da die Sache mit dem fehlenden Klatsch. Gerade wenn jemand eher umbeliebt ist, wird doch immer nach Herzenslust getratscht und übertrieben! Der Mann hat sich geweigert, jahrelang angehåufte Familienschulden zu bezahlen, obwohl er gekonnt hätte! Ein Fressen für die Nachbarschaft...

    Wahnsinn ist bei niederer Lautstärke weniger störend.

    Dieter Nuhr


  • In diesem Anschnitt finde ich gerade den Katzenvergleich sehr amüsant. Und dann ist da die Sache mit dem fehlenden Klatsch. Gerade wenn jemand eher umbeliebt ist, wird doch immer nach Herzenslust getratscht und übertrieben! Der Mann hat sich geweigert, jahrelang angehåufte Familienschulden zu bezahlen, obwohl er gekonnt hätte! Ein Fressen für die Nachbarschaft...


    Ich spiele jetzt einmal advocatus diaboli für die Gegenseite (wie gesagt aufgrund zu weniger Information, habe ich mir noch keine eigene Meinung gebildet):


    Stimmt, sechzig Jahre nach seinem Tod müsste es unter denen, die ihn gekannt/erlebt haben, noch genügend zu berichten geben. Egal, ob der Stratford-Shakespeare berühmt war oder nicht. Das fehlende Gerede kann genauso gut daran liegen, dass die Leute nicht über ihn reden wollten. ER war berühmt, seine Stücke wurden verehrt. SIE waren einfache Leute, womöglich ungebildet. Wer hätte ihnen denn geglaubt, wenn sie berichten, dass er seine Familie im Stich ließ, eigene Schulden nicht bezahlte, aber andere in Grund und Boden klagte? Kann man nichts Gutes berichten, sagt man lieber gar nichts.