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Literaturschock positioniert sich. Nazifreie Zone, denn wer neben Nazis marschiert, ist entweder selbst ein Nazi oder eine nützliche Marionette der Nazis. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 33 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Miramis.


  • Meine Lieblingsfigur ist auf jeden Fall Sam, ich finde es so toll und bewundernswert, wie er sich um seinen Vater "kümmert".
    Eddie ist auch sympathisch, mit ihr kann sich auch der "Normalleser" wie ich gut identifizieren :zwinker:


    Ja Sam ist wirklich etwas Besonderes, ich mag ihn auch unheimlich gern.



    Bei der Rettungsszene am Anfang hätte ich das filmende Pärchen ja schütteln mögen! Schon als Henri mit dem Mädchen aus dem Wasser kommt, hatte ich erwartet, dass ihn da schon Hilfe, im besten Fall ein Rettungswagen erwartet, aber nix da, er muss die Kleine erst noch zurücktragen. Das Schlimmste ist, dass ich das durchaus für realistisch halte, dass alle gucken und fotografieren/filmen, aber eher Bilder und Videos ins Internet stellen, bevor sie mal auf die Idee kommen, den Notruf zu wählen :rollen:


    Leider muss ich dir Recht geben, dass es wohl in den meisten Fällen so abläuft wie hier beschrieben.


    Ich bin im Urlaub mal von einer Welle umgerissen worden und auf felsigem Untergrund gelandet. Habe mir dabei ordentlich den Oberschenkel aufgeschürft. Der Rettungsschwimmer vom Strand hat mich dann zwar versorgt (Wunde gereinigt etc.), aber keiner hatte ihn gerufen, sondern ich bin hin gehumpelt. Kaum war ich da, hing eine Menschentraube um mich drum rum, um zu gaffen, was total unangenehm war. Allerdings ist das schon 16 Jahre her, da konnte mich zum Glück keiner Filmen.

    &WCF_AMPERSAND"Das Buch als Betriebssystem ist noch lange nicht am Ende&WCF_AMPERSAND" (H.M. Enzensberger)

  • Das Buch ist grad angekommen und ich hab in der Badewanne genüsslich den ersten Abschnitt gelesen. ;)


    Ein wirklich starker Einstieg mit sowohl sehr gut ausgearbeiteten Haupt- als auch Nebenfiguren. Madelyn (die Augen!),Scott (ziemlich schlagfertig und cool), die beiden Ärzte (großartig wie sie sich die Bälle zuwerfen und spannend wie sie jeweils von Sam und Eddie wahrgenommen werden) - selbst die Schwester in Maddys Zimmer bekommt ein "Gesicht" weil man ihr eine Zeit lang zuhören darf.


    Sehr, sehr gut hat mir auch der Teil über den Tod von Eddies Vater gefallen. Als er tot war liebte sie niemand mehr! Aber trotzdem ist er immer noch bei ihr. *seufz*
    Und die herzlose Mutter, die bis zum Ende vom Vater geliebt wurde.


    Da ich selbst Synästhesist bin fand ich Sam natürlich besonders spannend. Das war ja auch der Grund weshalb ich hier so spontan eingestiegen bin. Meine Zahlen haben andere Formen und Farben und die Aura eines Menschen beziehe ich (glaube ich) nicht auf seine Seele und Geschichte. Zumindest habe ich noch nie traurige Schatten gesehen. Tatsächlich ist es manchmal anstrengend so zu leben. Bei mir ist es mit Gerüchen und Musik manchmal so drastisch dass ich körperliche Schmerzen bekomme, weil ein Geruch zu pieksig ist oder ein Lied sich so auf bläst als würde es mich ersticken.
    Das mit den Zahlen ist auch doof, weil ich mir Pin Nummern Daten etc als Farbgru ppe merke und dann nicht immer die Reihenfolge stimmt. :breitgrins: Aber zurück zum Buch...


    Krasse Szene in der Henri einfach sagt "Ich dich nicht" . Aber er scheint ihre wahre Liebe zu sein. Sehr tragisch. Hoffe man erfährt noch was da vorgefallen ist. Sie bietet ihm ihr ganzes "Ich" und bekommt Kälte und Tod.


    S. 61 Leuchttürme... (Solche Bilder die einem einfach in den Kopf kommen kennt ich) scheinbar haben sowohl Eddie als auch Henri ihre Kindheit unter Leuchttürmen verbracht.Ich mag Eddies Erinnerungsfetzen an den Moment wo sie sich von ihrer Kindheit erzählen...


    Diese Nahtoderfahrung find ich ein wenig schwurbelig. Aber - warum nicht. Nete Vorstellung dass es so sein *könnte*....
    Hoffe trotzdem dass das im folgenden Buch nicht den Hauptteil ausmachen wird sondern es eher um früher und das Leben neben Henri gehen wird. Ob er dabei wach wird oder nicht ist mir erst mal egal.

    Viele Grüsse,

    Weratundrina

  • (Auch, wenn das jetzt nicht zu unserer Geschichte hier gehört: darf ich trotzdem kurz sagen, dass ich das total spannend finde, dass du Synästhesist bist? ! Und ich freue mich sehr darauf evt zu erfahren, wie du die Eindrücke von Sam unter dem Gesichtspunkt der eigenen Erfahrung empfindest! Danke, dass du uns das mitgeteilt hast! :winken:)


  • Diese Nahtoderfahrung find ich ein wenig schwurbelig. Aber - warum nicht. Nete Vorstellung dass es so sein *könnte*....
    Hoffe trotzdem dass das im folgenden Buch nicht den Hauptteil ausmachen wird sondern es eher um früher und das Leben neben Henri gehen wird. Ob er dabei wach wird oder nicht ist mir erst mal egal.


    Ich finde die Vorstellung einfach tröstlich, dass es so sein könnte; dass da noch was kommt und das auch noch schön ist. Dass man liebe Menschen wieder treffen könnte... tröstlich, wenn man daran glauben kann. Das kann Halt vermitteln.


    Ich muss gestehen, dass es mir leider schon jetzt nicht mehr egal ist, ob Henri wach wird, oder nicht! :zwinker:

  • Eine Sache bereitet mir noch Kopfzerbrechen von der ich wissen wollte wie ihr das verstanden habt. Henri wird ja nun überfahren, aber wieso eigentlich? Er rettet das Kind aus dem Wasser und dann? Ist er gestolpert, hat man ihn gestoßen? Ich bin mir absolut unsicher wie er überhaupt unter die Räder gekommen ist... :redface:

    &WCF_AMPERSAND"Das Buch als Betriebssystem ist noch lange nicht am Ende&WCF_AMPERSAND" (H.M. Enzensberger)

  • Er bringt das Kind zurück auf die Brücke (was eigentlich schon unlogisch ist, es war doch von einem Schiff gefallen, oder? Hatte das außer den Leuten auf der Brücke niemand gemerkt?) und dann stolpert er irgendwie auf die Straße. Ich hatte nicht den Eindruck, dass da jemand geschubst hat, es war ein dummer Unfall, die Autofahrerin war von der Sonne geblendet und schon war es passiert.

    LG, Dani


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  • Dachte er hatte so ei ne Art Schwächeanfall. Schon komisch warum er auf die Brücke geht...aber vermutlich Verwirrung u d Schock.

    Viele Grüsse,

    Weratundrina

  • Ihr habt recht! Das ist mir noch gar nicht aufgefallen, dass es eigentlich keinen Sinn macht, dass er das Mädchen auf die Brücke getragen hat... Aber andererseits: wahrscheinlich hätte das Schiff eh' nicht auf der Themse halten können und von daher hätte das Mädchen zur Polizei gemusst, damit es wohlbehalten wieder zu den Eltern kommt. Oder ins Krankenhaus...?

  • Polizei, Krankenwagen, nächste Anliegestelle... das wären die logischen Anlaufpunkte gewesen. Aber ich mache Henri keinen Vorwurf, höchstens den anderen, dass sie keine Hilfe gerufen haben, die ihn direkt am Flussufer in Empfang genommen hat.
    Als er das Mädchen da die Leiter hochschiebt, dachte ich schon, das kann doch wohl nicht wahr sein, dass da keiner ist und ihm hilft!

    LG, Dani


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  • @all: Danke für eure Kommentare. Beim nochmaligen drüber Nachdenken hätte ich jetzt auch an einen Schwächeanfall gedacht, denn die Themse wird ja kalt sein und wenn man kein Rettungsschwimmer ist, dann ist das sicher auch gar nicht so leicht jemanden vor dem Ertrinken zu retten und arg anstrengend.


    Na ja Henri kam von der Brücke und ist wahrscheinlich deswegen dahin zurück. Den Sachverhalt habe ich gar nicht in Frage gestellt.



    Als er das Mädchen da die Leiter hochschiebt, dachte ich schon, das kann doch wohl nicht wahr sein, dass da keiner ist und ihm hilft!


    Ja das fand ich auch unmöglich. Bereits als Henri ins Wasser springt, hätte schon der Notdienst gerufen werden müssen.

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  • Ich mache mir darüber gar nicht so viel Gedanken, denn wichtig für die Geschichte ist doch, dass Henri ins Koma fällt. Sonst hört die Geschichte auf, bevor sie begonnen hat. Wie das Koma letztendlich zustande kommt, ob durch eine Autounfall, einen Sportunfall, ein Flugzeugunglück.... ist doch eher nebensächlich. Den Ablauf konnte ich aber ganz gut nachvollziehen; das Mädchen fällt vom Schiff, Henri springt ins Wasser, bringt sie zum nächstmöglichen Ufer (in diesem Fall die Brücke), taumelt nach der Anstrengung und gerät auf die Straße, wo ihn ein Auto aufs Korn nimmt. Für mich passt das.

    :lesen: Patrick Rothfuss - Die Furcht des Weisen


  • Ich mache mir darüber gar nicht so viel Gedanken, denn wichtig für die Geschichte ist doch, dass Henri ins Koma fällt. Sonst hört die Geschichte auf, bevor sie begonnen hat. Wie das Koma letztendlich zustande kommt, ob durch eine Autounfall, einen Sportunfall, ein Flugzeugunglück.... ist doch eher nebensächlich.


    Da hast du ja recht.

    LG, Dani


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  • Nun habe ich es doch noch geschafft, mit dem Buch zu starten und nach wenigen Seiten habe ich mich gefragt, warum ich eigentlich noch nie ein Buch von Nina George gelesen habe! Ich bin von ihrem Stil wirklich tief beeindruckt, denn da sind Sätze, die fahren einem direkt in Herz, Hirn oder Magen - oder alles gleichzeitig. Da gibt es Fragen - auch zwischen den Zeilen, die mich anfassen und nachdenken lassen... Die Szenen rund um Henris künstliches Koma haben mich zum Beispiel sehr nachdenklich gemacht, denn ich habe meinen Vater ebenso erlebt, hatte die gleichen Hoffnungen wie Sam und fühlte mich mit einer ganz ähnlichen nüchternen Betriebsamkeit auf der Intensivstation konfrontiert. Ich habe zwar nicht solche Empfindungen gehabt wie Eddie gegenüber Dr. Saul, aber ich kann ihre Sichtweise durchaus verstehen - vor allem weil sie den Schock, dass Henri sie in seiner Patientenverfügung aufgeführt hat, erst einmal verdauen muss. Vielleicht richtet sich auch aus diesem Grund ihre Wut gegen einen der behandelnden Ärzte?


    Für mich ist das dennoch nicht ganz einfach, muss ich gestehen. Mein Vater ist vor fast fünf Jahren gestorben, aber mit diesen eindringlichen Sätzen kommen viele Erinnerungen, Sorgen und Ängste wieder nach oben. Aber es ist nicht unangenehm und ich habe schon die Idee im Kopf, dass mich dieses Buch vielleicht ein Stückchen weiter bringt - auch wenn ich nicht das Gefühl hatte, etwas unverarbeitet mit mir herumzuschleppen.


    Die Schilderung, wie Henri im Unterbewusstsein erkennt, dass das Durchschreiten dieser Tür sein endgültiges Sterben bedeutet, fand ich sehr gelungen. Wir alle haben keine Ahnung, was geschieht, wenn wir gehen - aber diese Szene ist für mich vorstellbar. Henri - abgeholt von seinem Vater und in der Hoffnung, den anderen Pol seines Lebens, seinen Großvater, wiederzusehen... Dennoch entscheidet er sich für den anderen Weg und ich bin gespannt, was nun geschehen wird. Bei einer solch schweren Verletzung kann ich mir im Moment kaum ein richtiges Erwachen, verbunden mit Erkennen, vorstellen.
    Und dann bin ich neugierig, warum Henri Eddie so verlassen hat - wo sich doch nun herauskristallisiert, dass er sie ebenfalls liebt.

    Liebe Grüße

    Tabea


  • Die Schilderung, wie Henri im Unterbewusstsein erkennt, dass das Durchschreiten dieser Tür sein endgültiges Sterben bedeutet, fand ich sehr gelungen. Wir alle haben keine Ahnung, was geschieht, wenn wir gehen - aber diese Szene ist für mich vorstellbar. Henri - abgeholt von seinem Vater und in der Hoffnung, den anderen Pol seines Lebens, seinen Großvater, wiederzusehen...


    Ich empfand das auch als eine sehr starke Szene mit viel Symbolgehalt. Was kommt nach dem Tod - ich denke, das beschäftigt jeden Menschen. Von den vielen unterschiedlichen Vorstellungen gefällt mir aber diese Variante auch sehr gut und Nina George hat das sehr schön beschrieben.

    :lesen: Patrick Rothfuss - Die Furcht des Weisen