Judy Blume - Im unwahrscheinlichen Fall

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 3 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Valentine.

  • Hallo ihr Lieben!


    Heute möchte ich euch ein Buch vorstellen, das mich emotional sehr bewegt hat:


    Judy Blume mit Im unwahrscheinlichen Fall


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    Zum Inhalt:


    Wenn ein Moment das ganze Leben ändert
    1952: Die 15-jährige Miri Ammermann wächst wohlbehütet im Städtchen Elizabeth, New Jersey, auf. Ihr Vater hat sich zwar früh aus dem Staub gemacht, aber ihre liebevolle und kämpferische Mutter, ihre weise Oma, ihre beste Freundin Natalie und all die anderen Menschen in ihrem Umfeld stehen ihr bei ihren Schritten ins Erwachsenenleben zur Seite. Als sie ihre erste große Liebe Mason kennenlernt, scheint das Glück perfekt zu sein. Doch dann stürzt ein Flugzeug ab, und nichts ist mehr, wie es war.



    Über die Autorin:

    Judy Blume wuchs in Elizabeth, N.J., auf und erlebte die Flugzeugkatastrophen dort Anfang der Fünfzigerjahre selbst mit. Ihre Romane „Zauber der Freiheit“, „Zeit der Gefühle“ und, am erfolgreichsten, „Die Sommerschwestern“, wurden große internationale Bestseller. Insgesamt hat sie über 85 Millionen Exemplare verkauft, ihr Werk wird in 32 Sprachen übersetzt. Judy Blume hat drei mittlerweile erwachsene Kinder und lebt mit ihrem Ehemann an der Ostküste.



    Mein Fazit und meine Rezension:


    Es ist ein schöner Tag, du verbringst ihn gemeinsam mit der Familie beim Essen, bist mit Freunden unterwegs ins Kino oder aber sitzt einfach mal Zuhause und schaust in aller Ruhe fern, ohne dir ein schlechtes Gewissen einzureden, dass du jetzt eigentlich auch etwas Besseres mit deiner Zeit hättest anfangen können.


    Und dann passiert es.


    Zunächst hörst du nur ein Geräusch, kannst es nicht einordnen, ein lautes Donnergrollen aus der Ferne. Vielleicht ein Gewitter? Doch es ist hellichter Tag! Keine dunkle Wolke ist am Himmel zu sehen. Dann wird es plötzlich dunkel, ein großer Schatten fliegt über dich hinweg, das Geräusch wird lauter, das Donnergrollen wird zu einem lauten Dröhnen. Vielleicht spürst du sogar den Luftzug, der dich in dem Moment erfasst. So schnell wie der Schatten über dir war, ist er auch schon wieder verschwunden, doch das mulmige Gefühl, dass du dabei verspürt hast, bleibt. Das Grollen wird leiser, erstirbt und im nächsten Moment ist ein gewaltiger Knall zu hören und der Erdboden bebt. Dem Knall folgen viele kleine Explosionen. Der Lärm hält einige endlos scheinende Minuten an und plötzlich - ist es still. Nicht ist zu hören. Eine gespenstische Stille senkt sich über die Erde. Und du bist immer noch mit deiner Familie zusammen, deinen Freunden unterwegs oder sitzt Zuhause auf der Couch - und ihr alle bleibt starr vor Schreck stehen, schaut euch mit weit aufgerissenen Augen an, steht unter Schock und beginnt dann zu funktionieren...


    So ähnlich muss es den Menschen in Elizabeth gegangen sein, am schrecklichsten Tag ihres Lebens, an dem eine der größten Katastrophen das kleine Städtchen heimgesucht hat und es über Nacht zu traurigem Ruhm gefunden hat.


    In dem Buch wird eben diese Tragödie aus dem Blickwinkel von verschiedenen Menschen erzählt:
    Der 15-jährigen Miri, Schülerin, die kaum begreift, was da vor sich geht.
    Ihrer Mutter Naomi - genannt Rusty - Chefsekretärin, die helfen möchte und einfach weiß, was zu tun ist.
    Henry Ammerman, ein Reporter, der zur richtigen Zeit am (leider) richtigen Ort war und so den Menschen die Geschehnisse näher bringt.
    Natalie Osner, der besten Freundin von Miri, die das ganze Unglück schwer traumatisiert.
    Dr. Arthur Osner - genannt Dr. O. - der seine medizinischen Kenntnisse direkt vor Ort anbringt.
    Und vielen weiteren.


    All diese Leute erzählen, was passiert ist. Wie sie das Unglück erlebt haben, was sie erlebt und gefühlt haben und lassen den Leser einen tiefen Einblick in - zum größten Teil - schwer verletzte und traumatisierte Seelen zu.


    Während ich das Buch gelesen habe und mir die Bilder vom ersten Flugzeugabsturz vor Augen geführt habe, die vielen Menschen habe hilflos herum irren sehen, um letzten Endes doch nicht mehr helfen zu können und nur Tote bergen zu können, währenddessen habe ich an eine ähnliche Situation gedacht: ich habe zurück gedacht an den 11. September 2001, an den Tag, an dem die Terroranschläge in den USA stattgefunden haben, die die ganze Welt berührt haben. Und da waren sie wieder, die Bilder von damals. Ich kann bis heute sagen "was ich zu diesem Zeitpunkt getan habe", wo ich war, wie das Wetter war und vor allen Dingen, wie ich mich gefühlt habe. Und dann habe ich an die vielen Menschen in Elizabeth gedacht, an die vielen Menschen, die in der ersten Maschine ihr Leben gelassen haben; an die Menschen, die am Boden waren und helfen wollten, es aber nicht konnten. Und ein Gefühl stellte sich auch bei mir ein: Hilflosigkeit und Ohnmacht. Während dem Lesen fühlte ich diese beiden Gefühle sehr intensiv - das waren auch zwei der Gründe, warum ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte.


    Dann - der zweite Schock: ein zweites Flugzeug stürzt nur sechs Wochen nach dem ersten Absturz wenige Kilometer weiter ab. In derselben Stadt. Wieder gibt es viele Tote, wieder bleibt die Hilflosigkeit, schlägt um in Trauer und wächst dann an zur Wut. Was soll getan werden? Warum geschehen diese tragischen Unglücke und wie kann man sie aufhalten?
    Interessant war beim zweiten Absturz zu sehen bzw. zu lesen, wie die einzelnen Protagonisten damit umgegangen sind:
    Wo sich die einen verkriechen, nahezu verrückt vor Angst werden, raffen sich andere auf und wollen gehört werden, wollen sich zur Wehr setzen und den vielen Opfern Gehör verschaffen. Pläne werden geschmiedet, es wird organisierter eingegriffen. Man funktioniert zum Wohle der Gemeinschaft.
    Doch leider lässt auch die nächste Tragödie nicht lange auf sich warten.


    Für mich war es faszinierend zu sehen, wie sehr die einzelnen Protagonisten des Buches an den jeweiligen Unglücken gewachsen sind, was diese aus ihnen gemacht haben, wie sie geprägt wurden.
    Natürlich: ein solches Unglück trifft die Menschen tief, es zeigt ihnen, dass sie verletzbar sind und dass auch die von Menschenhand geschaffenen Maschinen nicht unverwundbar sind. Es zeigt uns Menschen seine Grenzen auf und doch, bringt es uns auch dazu, uns diesen selbst auferlegten Grenzen entgegenzutreten und uns ihnen zu stellen. Über uns selbst hinaus zu wachsen und letzten Endes der Mensch zu werden, der wir sein wollen und können.

    Das Buch habe ich mit gemischten Gefühlen beendet.
    Einerseits war ich froh, dass ich nicht solche Unglücksmomente miterleben musste, war dankbar darum, dass ich bislang ein "ruhiges" Leben hatte, doch hat es mir auch gezeigt, wie schnell es damit vorbei sein kann. Und auch, dass man auch trotz dieser Katastrophen lernen kann, sich selbst und anderen zu vertrauen.


    Trotz des traurigen (aber wahren!) Inhalts des Buches, kann ich es doch nur wärmstens weiter empfehlen.



    Meine Bewertung: 5 von 5 Punkten

  • Mimi ist 15 Jahre und wächst in der kleinen Stadt Elisabeth auf. Ihre Mutter kümmert sich liebevoll um sie und auch ihre Großmutter ist für sie da. Doch dann stürzt ein Flugzeug über Elizabeth ab und das Leben der Menschen in dem Ort verändert sich. Aber dabei bleibt es nicht, denn innerhalb von nur zwei Monaten gibt es noch zwei weitere Abstürze.
    Die Autorin Judy Blume hat diese Abstürze als Jugendliche miterlebt und das Geschehen dann verdrängt. Gleichwohl wollte dann eines Tages die Geschichte doch heraus. Judy Blume erzählt sie diese unwahrscheinliche Geschichte, die aber tatsächlich Anfang der 50er Jahre so geschehen ist, in diesem Buch. Es ist schwer zu glauben, dass es einen Ort in so kurzer Zeit mehrfach trifft.
    Die Geschichte wird uns aus sehr vielen unterschiedlichen Perspektiven erzählt, aber Mimi kommt am meisten zu Wort. Bei dem tragischen Geschehen gibt es auch eine Menge Opfer. Die Menschen, die zurückblieben, werden natürlich geprägt durch diese Unglücke. Schon nach dem ersten Absturz bleiben Ängste, die verstärkt werden durch das, was folgt. Soll man bleiben, weil es unwahrscheinlich ist, dass nochmal was geschieht? Oder sollte man lieber wegziehen? Aber das Leben geht weiter und so können wir am Leben dieser Menschen teilhaben.
    Die Charaktere sind sehr unterschiedlich und authentisch beschrieben. Ganz besonders hervorheben möchte ich natürlich Mimi, die nicht wirklich begreifen kann, was passiert ist und schon gar nicht, wie sich das auf ihr Leben auswirken wird. Ihre Mutter Naomi ist eine tatkräftige Frau, die gerne hilft. Mimis beste Freundin Natalie ist nach den Unglücken schwer traumatisiert. Von Mimis Onkel Henry Ammerman, dem Reporter der Elizabeth Daily Post, erfahren wir durch eingeschobene Zeitungsartikel mehr über die Vorfälle. Er hat auch wesentlichen Einfluss auf Mimi und lehrt sie, sich selbst treu zu bleiben, ganz egal was passiert. Aber nicht nur diese, sondern auch all die anderen Personen sind wir wirklich nahe gekommen und ich konnte gut mit ihnen fühlen.
    Es ist der Autorin wunderbar gelungen, die Tragödie von damals mit fiktiven Personen und ihrer Geschichte zu verknüpfen. Das Buch nimmt einen gefangen und man mag sich gar nicht vorstellen, wie man selbst mit solchem Unglück umgehen würde.
    Eine sehr emotionale Geschichte.



    5ratten

  • Eine Geschichte, die in den 1950er Jahren tatsächlich passiert ist: über der kleinen Stadt Elizabeth im Bundesstaat New Jersey stürzen innerhalb von 8 Wochen drei Flugzeuge ab. Es gibt Tote, sowohl in den Maschinen als auch am Boden, und die Menschen erleiden ein Trauma, das ihr weiteres Leben prägen wird.


    In diesen historisch realen Rahmen hinein verlegt Judy Blume ihre Handlung und schildert die Geschehnisse aus Sicht ihrer fiktiven Protagonisten. Im Mittelpunkt steht dabei Miri, ein 15jähriges Mädchen; sie steckt mitten in der Pubertät, setzt sich mit Schule und Freundinnen auseinander, erlebt ihre erste Liebe, entdeckt ihre Herkunft und lernt ihren bis dato unbekannten Vater kennen. Wie sich die Abstürze in ihr Leben hinein auswirken, wird hier eindringlich und sehr tiefgängig geschildert.


    Außerdem besteht ein enges Geflecht aus familiären und freundschaftlichen Beziehung zu einer großen Zahl weiterer Protagonisten, deren Perspektive auch zeitweilig eingenommen wird. So bildet sich ein wahres Familienepos über diesen Zeitraum hinweg, in dem sehr viel passiert und in dem viele Weichen gestellt werden; immer mit dem Hintergrund der vielen Toten und der Angst vor weiteren Abstürzen. Der Zeitgeist der 1950er Jahre wird dabei durch dezentes Einflechten wichtiger Ereignisse in Politik und Gesellschaft widergespiegelt, so dass sich ein rundes Bild ergibt.


    Ich hab Miris Schilderungen und die ihrer Mitmenschen mit viel Spannung und Anteilnahme verfolgt. Die Autorin weiss dabei zu überraschen, ohne zu dick aufzutragen, und findet meiner Meinung nach den perfekten Ton für diese emotionale Geschichte. Ganz besonders gut hat mir der Zeitsprung am Ende gefallen; die Uhr wird um einige Jahrzehnte weiter gedreht und die Handlung in die 1980er Jahre verlegt. Nun erfahren wir, was aus den Protagonisten geworden ist, und zwar ohne dass jemand vergessen wird. Dafür ein großes Lob, ich konnte das Buch am Ende hochzufrieden zuklappen und noch eine Weile über das Leben sinnieren.


    5ratten

    :lesen: Rebecca Gablé - Das Spiel der Könige

  • Im Dezember 1951 stürzt in der kleinen Stadt Elizabeth in New Jersey ein Flugzeug in den Fluss. Die ganze Stadt ist in heller Aufregung, so auch die 15jährige Miri Ammerman, der es schwerfällt, den Schrecken zu verarbeiten, vor allem auch die Überlegung, was noch alles hätte passieren können, wäre der Flieger nicht über dem Fluss, sondern über der nahegelegenen Schule abgestürzt.


    Miris Freundin Natalie kommt noch schlechter mit den Ereignissen zurecht, sie entwickelt eine Art Psychose, glaubt die Stimme einer bei dem Unglück umgekommenen TV-Tänzerin zu hören und betreibt ihr eigenes Tanztraining immer exzessiver.


    Nur wenige Wochen später geschieht erneut ein Unglück. Wieder ein Flugzeugabsturz, diesmal mitten in der Stadt, neben den Insassen sterben auch einige Bewohner der zerstörten Häuser. Es ist schwer zu fassen, dass das Zufall gewesen sein soll, Verschwörungsgerede macht die Runde, die Ängste wachsen, eine Bürgerbewegung formiert sich und protestiert gegen den Verlauf der Landebahn des nahegelegen Flughafens Newark.


    Miri steckt gerade in einem ziemlichen Gefühlsdurcheinander. Zum einen stößt sie auf eine Spur von ihrem leiblichen Vater, zum anderen ist sie frisch verliebt in Mason, einen verwaisten Jungen, der wenig später zum Helden werden wird - denn es kommt unglaublicherweise noch zu einem dritten Flugzeugunglück in der Stadt, und Mason ist einer der Teenager aus dem Waisenhaus, die helfen, Überlebende aus dem Wrack zu befreien.


    Was im Roman schon beinahe unglaubwürdig klingt, ist wirklich passiert. Die drei Abstürze innerhalb kürzester Zeit in Elizabeth, der Heimatstadt von Judy Blume, hat es tatsächlich gegeben. Um diese wahren Begebenheiten herum hat die Autorin die fiktiven Geschichten einiger Stadtbewohner gestrickt und erzählt multiperspektivisch von den schicksalhaften Monaten 1951/52.


    Neben Miri und ihrer Mutter Rusty, die ihre unehelich geborene Tochter mit Hilfe ihrer eigenen Mutter alleine großgezogen hat, kommen zahlreiche andere Stimmen zu Wort: Natalie, Mason, eine junge Frau griechischer Abstammung, die in Masons Bruder verliebt ist, womit ihre Familie nicht einverstanden ist, weil er kein Grieche ist, Natalies Bruder Steve, der ebenfalls mit den Nachwehen der Abstürze nicht fertig wird, Miris Onkel Henry, der als Reporter über die Unglücksfälle berichtet und viele andere.


    Diese kaleidoskopartige Erzählweise gefiel mir sehr gut, weil sie nicht nur die Ereignisse aus diversen Blickwinkeln zeigt, sondern wir auch sämtliche Figuren immer wieder aus einer anderen Perspektive erleben und ich es sehr spannend fand, wie unterschiedlich die Menschen mit den traumatischen Geschehnissen umgehen. Ich mochte auch die (fiktiven) Zeitungsartikel, mit denen die Kapitel jeweils eingeleitet wurden.


    Ein wenig schade nur, dass eine m. E. eher überflüssige Entwicklung im letzten Viertel das Buch beherrscht und in eine etwas unglaubwürdige Richtung zieht. Die letzten Kapitel habe ich deshalb nicht mehr ganz so gerne gelesen wie den Rest. Der Epilog wiederum, der viele Jahre später spielt und einen schönen Ausblick in die Zukunft bietet, hat mir dann wieder ganz gut gefallen (bis auf einen kleinen Kitschfaktor).


    3ratten + :marypipeshalbeprivatmaus:

    If you don't become the ocean, you'll be seasick every day.

    Leonard Cohen