06 - Seite 434 bis zum Ende (ab Kapitel 41)

Literaturschock positioniert sich. Nazifreie Zone, denn wer neben Nazis marschiert, ist entweder selbst ein Nazi oder eine nützliche Marionette der Nazis. Andere Kategorien gibt es nicht.

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    Liebe Grüße

    Tabea

  • Es ist genau das eingetreten, was ich befürchtet hatte. Luke ist wieder aufgetaucht, und Woody hat ihn umgebracht, um Colleen zu schützen :heul: Das war geradezu vorprogrammiert und die Tatsache, dass Colleen und Woody unbefugterweise in Lukes Haus waren, ist natürlich oberkacke. Mit fünf Jahren Haftstrafe wäre er an sich noch ganz gut bedient unter den Umständen :traurig:


    Dann auch noch abzuhauen ist einfach nur dumm von Woody und Hillel. Es war doch klar, dass sie irgendwann gefunden werden und die Staatsgewalt am längeren Hebel sitzt. Wie konnten sie nur glauben, ungesehen über die Grenze zu kommen? Baltimore-Goldmansche Selbstüberschätzung? Verzweifelte Hoffnung? Aber genauso hammerhart fand ich die Konsequenz, mit der die beiden alles bis zum Ende durchziehen und sich lieber gegenseitig umbringen, statt ins Gefängnis zu wandern. Ich weiß nicht, ob ich das total bescheuert finden oder doch eher bewundern soll.


    Auf jeden Fall habe ich mich gefragt, ob die gegenseitige Liebeserklärung "nur" Bruderliebe war oder mehr. Was meint Ihr?


    Die Enthüllung, dass Onkel Saul schon ein Jahr zuvor aus der Kanzlei geflogen ist, hat mich dann auch noch kalt erwischt. Damit hatte ich nicht gerechnet. In seinem Wahn, Patrick Neville ausstechen zu wollen, der ihm vermeintlich seine Jungs genommen hat, auch noch Rechnungen zu fälschen und Geld zu unterschlagen :mauer: Und deshalb ist Tante Anita gegangen. Cassandra hätte sie ihm noch verziehen, aber nicht das. Sie tut mir eigentlich am allermeisten leid, nicht nur wegen der am Ende so verkorksten Ehe, sondern auch, weil sie Hillels Machenschaften mit dem Dopingmittel entdeckt hat. Wie tragisch, dass selbst ihr Tod letztendlich auf einem Missverständnis beruhte!


    Letztendlich sind es Alexandra und Marcus, die Ruhm und Erfolg ernten, und nicht die Baltimores. Dass Hillel aus Eifersucht Woodys Karriere (und somit letztendlich sein Leben zerstört hat), kommt wir wie ein noch heftigeres Echo von Saus Verhalten wegen Patrick vor. So ein Arxxx!


    Und dass es alle fast immer nur gut gemeint haben, macht das Endergebnis noch tragischer. Alexandra, die Marcus nicht in die Flucht von Hillel und Woody hineinziehen wollte, Patrick, der Alexandra und Marcus die anderen beiden vom Hals halten wollte, damit sie miteinander allein sein können ... auch dass Onkel Saul plötzlich nichts mehr von Marcus wissen will, findet eine traurige Erklärung :traurig: Daran hatte ich überhaupt nicht gedacht. Als der letzte Baltimore die Welt verlassen hat, musste ich heulen.


    Ganz großartig sind die Passagen über Marcus' Schreiben in diesem letzten Abschnitt. Wie Leo ihm den Anstoß gibt, endlich alles aufzuschreiben, wie er über die Kraft der Worte und die Macht der Erinnerung sinniert (da kam mir das Zitat in den Sinn "Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können" ) und schließlich alles zu einem versöhnlichen Abschluss bringt, der mir einige Tränchen in die Augen getrieben hat. Die letzten beiden Seiten haben es in sich, da hatte ich richtig Gänsehaut.


    Die Lebensdaten auf der allerletzten Seite haben mir dann noch mal vor Augen geführt, wie jung auch Saul und Anita noch waren. Der "alte" Saul kam mir immer wie ein recht alter Mann vor, dabei war er gerade mal einundsechzig!


    Beim Lesen hatte ich übrigens auf den letzten 100-150 Seiten ständig "Alexandra Leaving" von Leonard Cohen im Ohr. Gar nicht mal unpassend.

    Be curious, be creative, be patient, be joyful.

    (Agnès Varda)


  • Dann auch noch abzuhauen ist einfach nur dumm von Woody und Hillel. Es war doch klar, dass sie irgendwann gefunden werden und die Staatsgewalt am längeren Hebel sitzt. Wie konnten sie nur glauben, ungesehen über die Grenze zu kommen? Baltimore-Goldmansche Selbstüberschätzung? Verzweifelte Hoffnung?


    Ich tippe auf Selbstüberschätzung oder etwas ähnliches wie jugendliche Unbekümmertheit. Sie hatten zu wenig Ahnung vom Polizeiapparat und so minimale Chancen, dass sie aufs Ganze gehen mussten. Viel zu verlieren gab es nicht mehr.



    Aber genauso hammerhart fand ich die Konsequenz, mit der die beiden alles bis zum Ende durchziehen und sich lieber gegenseitig umbringen, statt ins Gefängnis zu wandern. Ich weiß nicht, ob ich das total bescheuert finden oder doch eher bewundern soll.


    Das eigene Leben zu beenden bleibt jedem selbst vorbehalten, aber den Polizisten zu erschießen, war überflüssig. Egal, wie verzweifelt Woody war, das rechtfertigt keinen Mord. Er hätte ihn mit einem Schuss lahmlegen können, aber gleich fünf Mal abzudrücken? Da muss sein Hirn komplett ausgeschaltet gewesen sein. Das finde ich bescheuert. Sich hinterher selbst umzubringen, ist dann eher wieder bewundernswert. Eigentlich hängt man ja am Leben, egal wie es aussieht. In den USA drohen allerdings lange Gefängnisstrafen, wenn nicht gar die Todesstrafe, von daher ist Gefängnis für einen Mörder vielleicht keine Option mehr.



    Auf jeden Fall habe ich mich gefragt, ob die gegenseitige Liebeserklärung "nur" Bruderliebe war oder mehr. Was meint Ihr?


    Tja, ich hatte ja schon früher vermutet, dass zumindest einer von ihnen schwul ist. Sie haben sich gegenseitig bewusst und unbewusst so viel angetan, dass es schwer vorstellbar ist, wie sie danach noch befreundet sein können. Im wahren Leben wäre ich wahrscheinlich ziemlich sicher, dass es mehr als Bruderliebe gewesen sein muss.



    Und dass es alle fast immer nur gut gemeint haben, macht das Endergebnis noch tragischer. Alexandra, die Marcus nicht in die Flucht von Hillel und Woody hineinziehen wollte, Patrick, der Alexandra und Marcus die anderen beiden vom Hals halten wollte, damit sie miteinander allein sein können ... auch dass Onkel Saul plötzlich nichts mehr von Marcus wissen will, findet eine traurige Erklärung.


    Ja, das meiste geschah aus selbstlosen Motiven. Es sah nicht immer danach aus, aber vieles passierte zu Gunsten der anderen oder um sich deren Zuneigung zu sichern. Kann man dafür jemandem einen Vorwurf machen? In dem Zusammenhand tut mir Marcus Leid. Abgesehen von seiner heimlichen Affäre mit Alexandra war er meist nur ein Mitläufer, der dankbar entgegennahm, was ihm die anderen gaben. Nach all den Jahren muss er mitansehen, wie die von ihm verherrlichten Baltimores langsam entzaubert werden und hat nicht wirklich jemanden, mit dem er diesen Schmerz teilen kann. Letzten Endes ist aus dem stillen Mitläufer der Einzige geworden, der sich behaupten konnte.



    Ganz großartig sind die Passagen über Marcus' Schreiben in diesem letzten Abschnitt.


    Ich frage mich, ob da etwas aus Dickers Leben mit eingeflossen ist. Irgendwelche persönlichen Erfahrungen sind bestimmt dabei, denn es klingt wie aus dem richtigen Leben. Auch die Widmungen am Ende lesen sich wie echt.


  • Das eigene Leben zu beenden bleibt jedem selbst vorbehalten, aber den Polizisten zu erschießen, war überflüssig. Egal, wie verzweifelt Woody war, das rechtfertigt keinen Mord. Er hätte ihn mit einem Schuss lahmlegen können, aber gleich fünf Mal abzudrücken? Da muss sein Hirn komplett ausgeschaltet gewesen sein. Das finde ich bescheuert.


    Das war in der Tat überflüssig. Aber wahrscheinlich ist Woody in dem Moment einfach durchgedreht, als er merkte, dass das mit der Flucht nicht funktioniert.


    Zitat

    Tja, ich hatte ja schon früher vermutet, dass zumindest einer von ihnen schwul ist. Sie haben sich gegenseitig bewusst und unbewusst so viel angetan, dass es schwer vorstellbar ist, wie sie danach noch befreundet sein können. Im wahren Leben wäre ich wahrscheinlich ziemlich sicher, dass es mehr als Bruderliebe gewesen sein muss.


    Wobei ja auch Geschwister (und ich betrachte die beiden jetzt einfach mal als solche) eine sehr starke Bindung haben können, die vieles verzeiht, was eigentlich unverzeihlich wäre. Vielleicht hat Dicker das ja bewusst offen gelassen, damit jeder seine eigenen Schlüsse ziehen kann.


    Zitat

    Nach all den Jahren muss er mitansehen, wie die von ihm verherrlichten Baltimores langsam entzaubert werden und hat nicht wirklich jemanden, mit dem er diesen Schmerz teilen kann. Letzten Endes ist aus dem stillen Mitläufer der Einzige geworden, der sich behaupten konnte.


    Das stimmt. Die einzige, die ihn womöglich verstehen kann, ist Alexandra.


    Zitat

    Ich frage mich, ob da etwas aus Dickers Leben mit eingeflossen ist. Irgendwelche persönlichen Erfahrungen sind bestimmt dabei, denn es klingt wie aus dem richtigen Leben. Auch die Widmungen am Ende lesen sich wie echt.


    Auf jeden Fall ist da ganz viel authentisches Gefühl drin.

    Be curious, be creative, be patient, be joyful.

    (Agnès Varda)

  • Leider hat dieser Abschnitt mich etwas enttäuscht. Colleen und Woody wussten, dass Luke irgendwann entlassen wurde, sie wussten dass der Bruder immer noch das Sagen hat. Warum sind sie nicht längst abgehauen? Aber sie müssen sogar ins Haus um im Keller nach Kleidungsstücken zu suchen! Wie doof zurück ins Haus zu gehen, wie doof sich am Fenster zu zeigen, und wie doof nicht an den Bruder zu denken. Etwas zu viel Doofheit, um die Spannung zu rechtfertigen.


    Sehr traurig, dass Woody lieber andere Menschen tötet, als ins Gefängnis zu gehen und Hillel selbst auch lieber stirbt. Das war eine unüberlegte Handlung. Anders gesehen, war es auch eine vollkommen unpassende Handlung mit dem Rest der Geschichte. Woody war zwar immer gewalttätig, wurde wegen Raufereien verhaftet, aber er hat nie einen Unschuldigen für seinen eigenen Vorteil angegriffen. Er war immer fair und auf Gerechtigkeit bedacht.


    Es lasst auch nicht zum Rest des Buches, dass der Autor die Perspektive von Markus verlassen hat. Wie konnte Markus wissen, dass Hillel getan hat, als ob er die Pistole wegwirft, wie die beiden ihr Geld verloren haben usw. Die beiden hatten vor ihrem Tod keinen Kontakt zu Markus oder Saul.


    Das Buch ist sehr gut geschrieben, es ist spannend, allerdings waren ein paar Elemente zu sehr zurechtgebogen um die Katastrophe zu rechtfertigen, auf der die Spannung des ganzen Buches basiert.

  • Zitat

    Wobei ja auch Geschwister (und ich betrachte die beiden jetzt einfach mal als solche) eine sehr starke Bindung haben können, die vieles verzeiht, was eigentlich unverzeihlich wäre. Vielleicht hat Dicker das ja bewusst offen gelassen, damit jeder seine eigenen Schlüsse ziehen kann.


    Ich denke eher an eine sehr starke Freundschaft. Wären einer der beiden vom anderen angezogen gewesen, hätte Alexandra eine kleinere Rolle gespielt. Alle haben nur von ihr geträumt und versucht den anderen auszustechen. Oder hat sie das nur hineininterpretiert und aus Hillel/Woodys Sicht wäre alles wieder anders? Bei diesem Buch weiss man vieles nicht so genau, das gefällt mir.


  • Es lasst auch nicht zum Rest des Buches, dass der Autor die Perspektive von Markus verlassen hat. Wie konnte Markus wissen, dass Hillel getan hat, als ob er die Pistole wegwirft, wie die beiden ihr Geld verloren haben usw. Die beiden hatten vor ihrem Tod keinen Kontakt zu Markus oder Saul.


    Stimmt, das ist mir gar nicht aufgefallen. Sieh es als dichterische Freiheit.


  • Leider hat dieser Abschnitt mich etwas enttäuscht. Colleen und Woody wussten, dass Luke irgendwann entlassen wurde, sie wussten dass der Bruder immer noch das Sagen hat. Warum sind sie nicht längst abgehauen? Aber sie müssen sogar ins Haus um im Keller nach Kleidungsstücken zu suchen! Wie doof zurück ins Haus zu gehen, wie doof sich am Fenster zu zeigen, und wie doof nicht an den Bruder zu denken. Etwas zu viel Doofheit, um die Spannung zu rechtfertigen.


    Noch mal ins Haus zu gehen ist doof, aber es ist aus meiner Sicht nicht unglaubwürdig. Genau solche Dinge passieren doch auch im richtigen Leben zuhauf. Dass die beiden nicht schon viel eher weggegangen sind, fand ich aber auch blauäugig.


    Zitat

    Sehr traurig, dass Woody lieber andere Menschen tötet, als ins Gefängnis zu gehen und Hillel selbst auch lieber stirbt. Das war eine unüberlegte Handlung. Anders gesehen, war es auch eine vollkommen unpassende Handlung mit dem Rest der Geschichte. Woody war zwar immer gewalttätig, wurde wegen Raufereien verhaftet, aber er hat nie einen Unschuldigen für seinen eigenen Vorteil angegriffen. Er war immer fair und auf Gerechtigkeit bedacht.


    In der Szene ist Woody völlig durchgedreht, aber auch das fand ich nicht unpassend, ohne seine Handlungen in irgendeiner Form gutheißen zu wollen. Es ist eine Extremsituation, in der die beiden stecken und aus der sie sich nicht mehr aus eigener Kraft zu befreien wissen, somit finde ich es folgerichtig, dass Woody auf den Polizisten schießt. Natürlich ist das moralisch fragwürdig, und mehrfach zu schießen, war total daneben, aber ich glaube, in dieser (für ihn) ausweglosen Lage war er nicht mehr imstande, erst mal nachzudenken, bevor er ausflippt. Sowohl Hillel als auch Woody werden hier an ihre äußersten Grenzen gebracht und wissen am Ende keinen anderen Ausweg mehr als den Tod.


    Zitat

    Es lasst auch nicht zum Rest des Buches, dass der Autor die Perspektive von Markus verlassen hat. Wie konnte Markus wissen, dass Hillel getan hat, als ob er die Pistole wegwirft, wie die beiden ihr Geld verloren haben usw. Die beiden hatten vor ihrem Tod keinen Kontakt zu Markus oder Saul.


    Dieser Bruch in der Perspektive zieht sich doch durch das ganze Buch. Marcus war auch nicht dabei, als Hillel und Woody Scott in der Schubkarre rumfuhren oder als Saul und Anita Streit hatten.

    Be curious, be creative, be patient, be joyful.

    (Agnès Varda)

  • Zitat

    Dieser Bruch in der Perspektive zieht sich doch durch das ganze Buch. Marcus war auch nicht dabei, als Hillel und Woody Scott in der Schubkarre rumfuhren oder als Saul und Anita Streit hatten


    Waren das nicht immer Kapitel, in denen Saul oder jemand an Markus berichtete?

  • Manches, was er nicht selbst erlebt hat, hat Marcus so wiedergegeben, wie es ihm von der Großmutter oder der Mutter erzählt worden war, aber nicht immer. Es war aber immer in gewisser Weise Marcus' Perspektive - es war immer von "Onkel Saul" oder "Großvater" die Rede.

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    (Agnès Varda)

  • Noch mal ins Haus zu gehen ist doof, aber es ist aus meiner Sicht nicht unglaubwürdig. Genau solche Dinge passieren doch auch im richtigen Leben zuhauf. Dass die beiden nicht schon viel eher weggegangen sind, fand ich aber auch blauäugig.


    Dass sie nochmals in Haus gehen, kann ich ja verstehen, wenn es um Gegenstände geht, an denen Colleen wirklich hängt. Aber dann extra noch in den Keller, um ein paar Klamotten zu holen, die man jederzeit nachkaufen kann? Auch sonst haben sie sich nicht besonders clever verhalten. Sich ganz offen am Fenster zu zeigen, finde ich schon deshalb seltsam, weil man sich in Gefahrensituationen doch eigentlich instinktiv klein macht.


    Dieser Bruch in der Perspektive zieht sich doch durch das ganze Buch. Marcus war auch nicht dabei, als Hillel und Woody Scott in der Schubkarre rumfuhren oder als Saul und Anita Streit hatten.


    Solche Ereignisse könnte er von den anderen Jungs erfahren haben. Das muss doch alles immer besprochen werden.

  • Mein Gott, was für ein Buch! Was für ein Finale! Was für ein Schluss!
    Ich bin total geplättet. Einerseits sprachlos, andererseits von dem Wunsch, es mit anderen zu Teilen, übervoll.


    Alles ist so wie von uns schon geahnt und gedacht. Und doch ist es beim Lesen eine Vielzahl an Überraschungen.


    Die Katastrophe war nicht, dass Woody Luke erschossen hat. Sondern dass die beiden sich getötet haben, um dem Gefängnis zu entgehen. Aber wie Saul schon sagt... Eigentlich war es nicht eine Katastrophe sondern eine Vielzahl an Katastrophen und wenn man noch weiter zurückgeht sind Neid, Eifersucht und Geltungsbedürfnis die Gründe dafür, dass diese wunderbare Familie sich selbst in den Abgrund getrieben hat.


    Dass Hillel auf Woody so eifersüchtig war um die Gunst zum Vater, dass er ihn absichtlich gedopt hat, damit er rausgeschmissen wird. :sauer:


    Dass Saul tatsächlich beim Testament gelogen hat und Woody eingesetzt hat war natürlich nicht richtig. Noch schlimmer war, dass er seine Firma betrogen und seine Frau belogen hat. Damit hat auch er Schuld an der Zerstörung der Familie. Und wofür? Für einen Stadiumsnamen. Unverständlich.


    Aber es gibt auch Lichtblicke.
    Alexandras Vater ist, wie von mir gehofft, ein durch und durch guter Kerl, der versucht hat seine Tochter und ihren Freund zu schützen, der Anita auch nur ein guter Freund sein wollte, ja der sogar Saul vor der Wahrheit geschützt hat und die Jungs auch.


    Schön fand ich, wie Marcus sich durch die Geschichte entwickelt hat. Und wie er auch mit Hilfe seines Buches alles verarbeitet und schließlich wieder zu Alexandra findet.


    Hach, das war es sicherlich. Mein Jahreshighlight. :smile:

    :lesen:Das Labyrinth des Fauns - Cornelia Funke



  • Ich tippe auf Selbstüberschätzung oder etwas ähnliches wie jugendliche Unbekümmertheit. Sie hatten zu wenig Ahnung vom Polizeiapparat und so minimale Chancen, dass sie aufs Ganze gehen mussten. Viel zu verlieren gab es nicht mehr.


    Tja, ich hatte ja schon früher vermutet, dass zumindest einer von ihnen schwul ist. Sie haben sich gegenseitig bewusst und unbewusst so viel angetan, dass es schwer vorstellbar ist, wie sie danach noch befreundet sein können. Im wahren Leben wäre ich wahrscheinlich ziemlich sicher, dass es mehr als Bruderliebe gewesen sein muss.


    Jungendliche Selbstüberschätzung trifft es wohl ganz gut.


    Es wird ja mehrmals im Buch darauf hingewiesen, dass sie BEIDE in Alexandra verliebt waren. Bei Woody glaube ich nicht, dass er schwul war. Bei Hillel könnte es vielleicht mehr gewesen sein. Er hatte ja auch nie eine Freundin. Oder er war bisexuell - das vergisst man oft als Möglichkeit.
    Aber vielleicht war es einfach nur eine sehr tiefe Verbundenheit. Auch das könnte ich mir gut vorstellen. Sie waren ja noch sehr jung. Und da sind Freundschaften aus den Kindertagen schon noch etwas sehr intensives


    Ja, das meiste geschah aus selbstlosen Motiven.


    Das habe ich nicht so gesehen. Für mich war wirklich oft Eifersucht und Neid der Auslöser. Aber natürlich wurde oft geschwiegen, um den anderen zu schonen oder auch um keine Misstöne und keinen Streit heraufzubeschwören. Aber so richtig selbstlos waren vielen Motive nicht.

    :lesen:Das Labyrinth des Fauns - Cornelia Funke



  • Ich frage mich, ob da etwas aus Dickers Leben mit eingeflossen ist. Irgendwelche persönlichen Erfahrungen sind bestimmt dabei, denn es klingt wie aus dem richtigen Leben. Auch die Widmungen am Ende lesen sich wie echt.


    Dieses Gefühl hat sich mir auch ganz arg aufgedrängt. Als wäre es alles wirklich so oder so ähnlich dem Autor passiert. Ein Buch-im-Buch-Gefühl.

    :lesen:Das Labyrinth des Fauns - Cornelia Funke



  • Es lasst auch nicht zum Rest des Buches, dass der Autor die Perspektive von Markus verlassen hat. Wie konnte Markus wissen, dass Hillel getan hat, als ob er die Pistole wegwirft, wie die beiden ihr Geld verloren haben usw. Die beiden hatten vor ihrem Tod keinen Kontakt zu Markus oder Saul.


    Stimmt, das hat mich auch etwas gestört. Deshalb dachte ich nämlich, dass Hillel überlebt hat und vielleicht nur im Gefängnis wäre. Dramaturgisch war es natürlich verständlich.

    :lesen:Das Labyrinth des Fauns - Cornelia Funke




  • Ich habe es mir alles so erklärt, dass Woody und Colleen beide mit der Situation vollkommen überfordert waren. Und dass Woody die Goldmanns nicht verlassen wollte, was er hätte tun müssen, wenn er mit Colleen so weit weggezogen wäre, dass Luke ihn nicht findet. Mal davon abgesehen, wohin hätte das sein sollen?
    Und außerdem finde ich es richtig, sich nicht ängstlich vor Luke zu verkriechen und ihm das Feld zu überlassen. Schließlich ist er ja der, der etwas falsch gemacht hat. Und man hofft doch immer, dass Recht und Gesetz einem helfen gegen die Ungeheuer wie Luke.


    Beide waren sicherlich auch etwas naiv und ob Woody immer geistig der größte war möchte ich mal dahingestellt lassen. Er war ein lieber Kerl und eine Sportskanone aber auch naiv und spontan.


    Ich fand es trotzdem spannend. Es wurde auch von Dicker nicht lang ausgewalzt sondern zügig erzählt. Vorhersehbar aber so spielt manchmal das Leben.


    (Mir fallen dabei diverse Einbrecher/Bankräuber ein, die sich auch selten dämlich gestellt haben und so der Polizei fast noch in frei Haus geliefert wurden. :breitgrins:)

    :lesen:Das Labyrinth des Fauns - Cornelia Funke




  • Und außerdem finde ich es richtig, sich nicht ängstlich vor Luke zu verkriechen und ihm das Feld zu überlassen. Schließlich ist er ja der, der etwas falsch gemacht hat. Und man hofft doch immer, dass Recht und Gesetz einem helfen gegen die Ungeheuer wie Luke.


    Aber doch nicht, wenn Luke quasi ein Heimspiel hat! Dass die Polizei auf seiner Seite steht, wissen Woody und Colleen doch am besten. Hoffen und beten hilft da nicht mehr viel. Sie hätten schon weg sein sollen, als Luke aus dem Gefängnis kam.





    (Mir fallen dabei diverse Einbrecher/Bankräuber ein, die sich auch selten dämlich gestellt haben und so der Polizei fast noch in frei Haus geliefert wurden. :breitgrins:)


    Man hört schon ab und zu von solchen Spezialisten, aber die Zahl derer, bei denen alles perfekt läuft, ist ungleich größer. Woody und Colleen waren zwar keine Einbrecher, und wenn, dann auch noch blutige Anfänger, aber so leichtsinnig zu sein?


    Das habe ich nicht so gesehen. Für mich war wirklich oft Eifersucht und Neid der Auslöser.


    Das ist Definitionssache. Beispielsweise wollte für mich nicht Saul Nathan (oder umgekehrt) ausstechen, sondern einfach bei seinem Vater besser dastehen. Eine Folge daraus ist, dass der andere Sohn dann eben im Ansehen sinkt, aber das war nicht das primäre Ziel. Derjenige, der wirklich bewusst anderen schaden wollte, war Hillel.

  • Du findest wirklich sie hätten vor Luke davonlaufen sollen? In Angst und Schrecken durch die Staaten fliehen, nie sicher, ob Luke nicht hinter ihnen her ist? Finde ich keine Option.


    Hillels Methode war sicherlich falsch. Aber auch seine Motivation war Neid und Eifersucht. Denn wie man ja später sieht, hat er Woody trotz allem geliebt und ist sogar bereit mit ihm zu fliehen, um seinen Fehler wider gutzumachen.

    :lesen:Das Labyrinth des Fauns - Cornelia Funke




  • Du findest wirklich sie hätten vor Luke davonlaufen sollen? In Angst und Schrecken durch die Staaten fliehen, nie sicher, ob Luke nicht hinter ihnen her ist? Finde ich keine Option.


    Sie hätten sich irgendwo eine neue Existenz aufbauen können und hoffen, dass Luke sie nicht findet. Wenn es geklappt hätte - gut. Wenn nicht, dann wären sie wieder in derselben Situation, dass Luke plötzlich vor der Tür steht wie bei Colleens Haus, aber sie hätten wenigstens versucht, einen friedlichen Weg zu gehen.



    Hillels Methode war sicherlich falsch. Aber auch seine Motivation war Neid und Eifersucht. Denn wie man ja später sieht, hat er Woody trotz allem geliebt und ist sogar bereit mit ihm zu fliehen, um seinen Fehler wider gutzumachen.


    Damit ist aber auch keinem geholfen. Die beiden wären dann auch in Angst und Schrecken durch die Staaten oder Kanada geflohen, bis sie endlich erwischt werden. Warum ist es hier eine Option?

  • Damit ist aber auch keinem geholfen. Die beiden wären dann auch in Angst und Schrecken durch die Staaten oder Kanada geflohen, bis sie endlich erwischt werden. Warum ist es hier eine Option?


    Finde ich auch keine Option. Weglaufen finde ich immer falsch.

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