03 - Seite 176 bis 266 (1. Teil komplett)

Leserunde mit Tobias O. Meißner ab 06.09.2019: Evil Miss Universe [Gesellschaftskritische Romantic Comedy]
Literaturschock positioniert sich. Nazifreie Zone, denn wer neben Nazis marschiert, ist entweder selbst ein Nazi oder eine nützliche Marionette der Nazis. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 44 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von dubh.

  • Hier könnt Ihr zum Inhalt von Seite 176 bis 266 (1. Teil komplett) schreiben.
    Spoilermarkierungen sind aufgrund der Seitenbeschränkung nicht vorgesehen.

    Liebe Grüße

    Tabea

  • Dicker schreibt wirklich klasse, mir gefällt sein unaufgeregter Stil mit den vielen kleinen Details und seine Beobachtungsgabe sehr gut. Nur, dass er ständig zusätzliche Spannung draufgibt mit Teasern wie "... und das sollte ich dann erfahren", gefällt mir nicht so - solche Künsteleien hat er gar nicht nötig.


    Während Woody im Footballteam aufgeht und selbst Scott sich bei aller Schwierigkeiten wegen seiner Krankheit im Team seine Nische als "Trainingsobjekt" :breitgrins: gefunden hat, gibt es bei Hillel erneut Probleme. Ich glaube, der Junge ist tatsächlich hochbegabt, wenn er sich so im Unterricht langweilt, dass er sich nicht motivieren kann, aber dieser bräsige Burdon will das natürlich nicht sehen :rollen: Aber das wundert mich nicht, nachdem Hillel bei ihm schon von Anfang an unten durch war, spätestens nach der Geschichte mit dem Steinbeck-Stück.


    Scotts einziges Footballspiel war ergreifend, das hätte auch aus der Feder von John Irving stammen können. Wenigstens ist er glücklich gestorben :traurig: An der Stelle musste ich wirklich einige Tränchen verdrücken :heul: Eine richtig tragische Situation für alle Beteiligten.


    Woodys Überreaktion auf Hillels Rausschmiss aus dem Team war natürlich mehr als ungeschickt, aber auch verständlich. Coach Bendham gefällt mir, auch wenn es natürlich keinem der Jungs was bringt, dass er den Bettel hingeschmissen und sich in den Ruhestand verabschiedet hat.


    Marcus und Alexandra sind tatsächlich ein Paar, aber nur heimlich. Er hat mir ziemlich leid getan, als sie ihm zu verstehen gegeben hat, dass sie nicht miteinander gesehen werden dürfen, weil er zwei Jahre jünger ist und das für sie peinlich wäre, und ihn am Ende dann ganz abserviert, als sie aufs College wechselt. Aber in dem Alter ist natürlich die Außenwirkung alles :rollen: Bin ich froh, kein Teenager mehr zu sein!


    Der Typ im schwarzen Wagen war ein Paparazzo! Daran hatte ich überhaupt nicht gedacht. So ein Mist, dass Alexandra jetzt deswegen Stunk mit ihrem Partner hat. Aber Leo ist klasse, wie er "Märkchen" den Marsch bläst. Von dem würde ich gerne mehr lesen.


    In diesem Abschnitt habe ich mir zwei Stellen besonders markiert, weil sie mich so angesprochen haben:


    Zitat

    Mit jedem Mal führte mich das Leben ein wenig mehr hinters Licht, indem es mich glauben ließ, der Kreislauf unserer Begegnungen würde nie enden.


    Ja, so ist das mit vielen Dingen in Kindheit und Jugend, die in bestimmten Zyklen wiederkehren. Man nimmt es einfach so hin, dass Oma und Opa, Onkel und Tante, Freunde und Bekannte und Orte da sind, man sich immer wieder sieht, immer wieder irgendwo hingeht ... bis man irgendwann feststellen muss, dass nichts und niemand für die Ewigkeit ist. Das war für mich eine der härteren Lektionen am Erwachsenwerden.


    Zitat

    In diesem Moment wollten wir nichts anderes als unsere Jugend genießen, (...) Der Ort war schön, der Sommer heiß. Was Klima und Moral angeht, hat das amerikanische Volk wahrscheinlich nie einen schöneren Sommer erlebt als in diesem Juli 1997. Wir waren die glückliche Jugend eines friedlichen Amerikas im vollen Wachstum.


    Auch da finde ich mich wieder. Irgendwie war die Welt damals ein ganz großes Stück mehr in Ordnung als heute.


    Aber im Paradies der Goldmans zeichnen sich auch erste Risse ab. Wenn drei junge Männer die gleiche Frau begehren, kann das ja nur irgendwann Ärger geben. Ob die Katastrophe damit zu tun hat, dass alle drei auf Alexandra scharf waren, trotz des Schwurs? Und ob Patrick Nevilles großer Einfluss auf Hillel und Woody so gut ist? Anfangs kam er mir ganz sympathisch vor, mittlerweile bin ich mir da aber nicht mehr so sicher ...

    Be curious, be creative, be patient, be joyful.

    (Agnès Varda)

  • Der Trainer belohnt Hillel und macht ihm zum Co-Trainer. Leider ist das Glück nicht von langer Dauer. Nach dem Tod von Scott, kann Hillel nicht mehr bleiben. Allerdings war das menschlich, und eher ein Unfall. Scott war krank, aber Hillel war sich wahrscheinlich nicht bewusst, dass diese Anstrengung seinem Freund das Leben kosten würden. Der Abschnitt ist auf jeden Fall sehr traurig.


    Hillel taucht in der aktuellen Erzählung nicht mehr auf, allerdings stand im ersten Kapitel, dass Woody ins Gefängnis muss und dass das Quartett wieder zusammen ist. Warum muss Woody überhaupt ins Gefängnis. Auch da gibt es noch keine Hinweise. An anderer Stelle stand die Baltimores würde es nicht mehr geben. Aber auch hier ist nicht klar, ob sie als Gruppe nicht mehr zusammen sind, oder ob sie nicht mehr leben.


    Patrick kommt mir komisch vor. Warum zwingt ein Mann in seinem Alter sich so sehr zu den Freunden seiner Tochter?


  • Dicker schreibt wirklich klasse, mir gefällt sein unaufgeregter Stil mit den vielen kleinen Details und seine Beobachtungsgabe sehr gut. Nur, dass er ständig zusätzliche Spannung draufgibt mit Teasern wie "... und das sollte ich dann erfahren", gefällt mir nicht so - solche Künsteleien hat er gar nicht nötig.


    Das fiel mir schon im 2. Abschnitt unangenehm auf. Für meinen Geschmack reizt er das zu sehr aus.



    Während Woody im Footballteam aufgeht und selbst Scott sich bei aller Schwierigkeiten wegen seiner Krankheit im Team seine Nische als "Trainingsobjekt" :breitgrins: gefunden hat, gibt es bei Hillel erneut Probleme. Ich glaube, der Junge ist tatsächlich hochbegabt, wenn er sich so im Unterricht langweilt, dass er sich nicht motivieren kann, aber dieser bräsige Burdon will das natürlich nicht sehen :rollen: Aber das wundert mich nicht, nachdem Hillel bei ihm schon von Anfang an unten durch war, spätestens nach der Geschichte mit dem Steinbeck-Stück.


    Brandon ist eine absolute Fehlbesetzung als Schuldirektor. Mir kommt er vor wie ein Kompaniechef, wenn er seine Schüler nach Belieben springen lässt. So lange Woody für die Mannschaft wertvoll ist, sonnt sich Brandon in dem Erfolg, aber als es schief läuft, teilt er aus und braucht Sündenböcke. Und dann gleich so finale Methoden anstelle einer Bestrafung, wobei der Übeltäter wenigstens an der Schule bleiben kann.



    Marcus und Alexandra sind tatsächlich ein Paar, aber nur heimlich. Er hat mir ziemlich leid getan, als sie ihm zu verstehen gegeben hat, dass sie nicht miteinander gesehen werden dürfen, weil er zwei Jahre jünger ist und das für sie peinlich wäre, und ihn am Ende dann ganz abserviert, als sie aufs College wechselt. Aber in dem Alter ist natürlich die Außenwirkung alles :rollen: Bin ich froh, kein Teenager mehr zu sein!


    Aber die Beziehung hat Marcus reifen lassen. Alexandra hat erkannt, was er braucht. Vor allem ist ihr klar, dass er sich unbewusst seiner Herkunft unterordnet, die ihm keine Perspektiven bietet, und macht auch entsprechende Andeutungen: "Du willst doch nicht dein ganzes Leben ein Montclair bleiben?" (Seite 227). Selbst wenn die Beziehung in die Brüche geht, kann er doch Positives daraus ziehen, auch wenn ihm das zu dem Zeitpunkt nicht klar ist.



    Der Typ im schwarzen Wagen war ein Paparazzo! Daran hatte ich überhaupt nicht gedacht.


    Auf die Idee wäre ich auch nie gekommen. Meine Vermutung war ein Privatdetektiv, der von jemandem beauftragt war, an den man nie gedacht hätte.



    Auch da finde ich mich wieder. Irgendwie war die Welt damals ein ganz großes Stück mehr in Ordnung als heute.


    Tja, da gab es noch kein facebook & Co., wo man zeitnah sämtliche Erlebnisse teilen und damit rechnen musste, dass sich ungebetene Gäste bemüßig fühlten, ihren Senf dazu abzugeben. Da war alles noch intim und überschaubar.


    Ich bin immer noch fleißig am Spekulieren, worin die Katastrophe besteht und sehe dabei immer Woody im Mittelpunkt. Ist es möglich, dass er schwul ist und sich in Hillel verliebt hat? Er interessiert sich nach eigener Aussage nicht für Mädchen (Seite 235), schleicht sich aber heimlich zu Hillel, der nach dem Unglück mit Scott auf die Privatschule wechseln musste. Vielleicht ist ihm selbst noch nicht klar, dass er möglicherweise entsprechende Gefühle für seinen Freund entwickelt hat. In dem Zusammenhang bin ich draufgekommen, was mir an der Geschichte fehlt: Es sind die Empfindungen und Gedanken in den Köpfen aller Beteiligter mit Ausnahme von Marcus als Erzähler. Mir fehlt ihr "Innenleben". Es wird hauptsächlich über sie erzählt, den Rest muss man sich selbst zusammenreimen. Natürlich liegt das in der Natur dieser Erzählweise, aber für mich sind diese ganz persönlichen Empfindungen ein wichtiger Bestandteil.


  • Aber die Beziehung hat Marcus reifen lassen. Alexandra hat erkannt, was er braucht. Vor allem ist ihr klar, dass er sich unbewusst seiner Herkunft unterordnet, die ihm keine Perspektiven bietet, und macht auch entsprechende Andeutungen: "Du willst doch nicht dein ganzes Leben ein Montclair bleiben?" (Seite 227). Selbst wenn die Beziehung in die Brüche geht, kann er doch Positives daraus ziehen, auch wenn ihm das zu dem Zeitpunkt nicht klar ist.


    Das stimmt auf jeden Fall. Sie haben sich wohl gegenseitig ermutigt und angespornt. Es heißt ja auch immer wieder, dass Alexandra ohne Marcus' Zuspruch wohl nicht zu dem Star geworden wäre, der sie heute ist.


    Zitat

    Tja, da gab es noch kein facebook & Co., wo man zeitnah sämtliche Erlebnisse teilen und damit rechnen musste, dass sich ungebetene Gäste bemüßig fühlten, ihren Senf dazu abzugeben. Da war alles noch intim und überschaubar.


    Ja, das zum einen; zum anderen war das noch vor dem 11. September, den Kriegen in Afghanistan und im Irak und der allgegenwärtigen Terrorgefahr. Die Welt hat sich damals sicherer angefühlt.


    Zitat

    Ich bin immer noch fleißig am Spekulieren, worin die Katastrophe besteht und sehe dabei immer Woody im Mittelpunkt. Ist es möglich, dass er schwul ist und sich in Hillel verliebt hat? Er interessiert sich nach eigener Aussage nicht für Mädchen (Seite 235), schleicht sich aber heimlich zu Hillel, der nach dem Unglück mit Scott auf die Privatschule wechseln musste.


    Das ist eine interessante Deutung! Daran hatte ich gar nicht gedacht. Aber möglich wär's.


    Zitat

    In dem Zusammenhang bin ich draufgekommen, was mir an der Geschichte fehlt: Es sind die Empfindungen und Gedanken in den Köpfen aller Beteiligter mit Ausnahme von Marcus als Erzähler. Mir fehlt ihr "Innenleben". Es wird hauptsächlich über sie erzählt, den Rest muss man sich selbst zusammenreimen. Natürlich liegt das in der Natur dieser Erzählweise, aber für mich sind diese ganz persönlichen Empfindungen ein wichtiger Bestandteil.


    Mich stört es nicht, aber ich weiß, was Du meinst. Wirklich nahe kommt man nur Marcus, den Rest erlebt man komplett durch seine Brille, also von außen, selbst in den Passagen, in denen er selbst gar nicht in Erscheinung tritt. Aber auch das erinnert mich an Irving.

    Be curious, be creative, be patient, be joyful.

    (Agnès Varda)

  • Zitat

    In dem Zusammenhang bin ich draufgekommen, was mir an der Geschichte fehlt: Es sind die Empfindungen und Gedanken in den Köpfen aller Beteiligter mit Ausnahme von Marcus als Erzähler. Mir fehlt ihr "Innenleben". Es wird hauptsächlich über sie erzählt, den Rest muss man sich selbst zusammenreimen. Natürlich liegt das in der Natur dieser Erzählweise, aber für mich sind diese ganz persönlichen Empfindungen ein wichtiger Bestandteil.


    Mir gefällt gerade diese Konsequenz, die Perspektive immer beizubehalten und dadurch nur eine Vermutung zu den Freunden und Verwandten zu haben. Es ist ein Bild das sich ständig ändert und mit den Erlebnissen und den Erfahrungen von Markus erweitert wird. Wüssten wir von Anfang an, was Hillel, Woody und Saul wirklich denken, würde das dem Buch viel Charme nehmen.

  • Ja, das zum einen; zum anderen war das noch vor dem 11. September, den Kriegen in Afghanistan und im Irak und der allgegenwärtigen Terrorgefahr. Die Welt hat sich damals sicherer angefühlt.


    Stimmt, solche Ereignisse kommen auch noch dazu. Morde, Entführungen, Unfälle und dergleichen gab es auch früher schon, wurde aber nicht so umfassend publik gemacht wurde wie in unserer Zeit. Das vermittelt dann den Eindruck, dass früher alles besser war. Mit den Jahren nimmt alles ganz neue Dimensionen an. Etwas wie der 11. September wäre vor 30 Jahren als reine Utopie abgetan worden. Durch die ständige mediale Präsenz wie Sondersendungen oder soziale Netzwerke kommt alles viel stärker an uns heran. Insofern hatten die Leute früher einfach ein ruhigeres Leben.

  • Ich glaube, es kommt noch etwas anderes hinzu. Wir (ich zähle mich jetzt mal frech hinzu, weil ich im gleichen Zeitraum erwachsen geworden bin wie die Goldman-Gang) hatten das Glück, in einer verhältnismäßig friedlichen Periode Teenager zu sein. Der Kalte Krieg war vorbei, der erste Irakkrieg auch, der islamistische Terror hatte die Welt noch nicht im Griff, und man dachte irgendwie, die Welt würde allmählich besser. Die Mauer war gefallen, die Gefahr eines Atomkriegs schien minimiert, in Israel gab es sehr erfolgversprechende Friedensgespräche. Klar hat es auch damals Kriege gegeben und andere Bedrohungen (der Konflikt in Ex-Jugoslawien hat mich auch sehr traurig gemacht), aber es betraf uns nicht so unmittelbar wie heute mit der Terrorgefahr und den Flüchtlingsströmen vor der Haustür.


    Die erschütterndsten Ereignisse meiner Jugendzeit waren die Ermordung von Itzhak Rabin und der Tod von Lady Di, nicht wiederkehrende blutige Anschläge und in den Krieg ziehende Amis.

    Be curious, be creative, be patient, be joyful.

    (Agnès Varda)

    Einmal editiert, zuletzt von Valentine ()

  • Auch in diesem Abschnitt passiert wieder richtig viel.
    Die Goldman-Gang wird immer erwachsener.
    Scott stïrbt. Sein Ende hat mich tief bewegt. Hillel die Schuld daran zu geben, empfinde ich als absolut falsch.
    Scott kannte das Risiko und er wollte einmal in seinem Leben ein Footballspiel entscheiden. Das ist ihm gelungen.
    Wenn man schon so jung sterben muss, war das sicher für ihn ein "schöner" Tod.


    Das er im Verlauf der Geschichte sterben wird, war mir eigentlich klar, als ich las, dass er Mukoviszidose hat - leider....


    Alexandra und Marcus werden in Paar, wobei ich die gânze Zeit den Eindruck hatte, von Alexandra aus war es nur halbherzig.
    - daher versteckt sie ihn vor seinen Freunden, daher später auch die Trennung.
    ( Valentine - während du zu deiner Jugendzeit vom Zeitraum her Parallelen ziehst, hatte ich mit 17 einen Freund, der zwei Jahre jünger war. Ich kann Alexandra irgndwie gut verstehen. Mit 17 sind zwei Jahre eine Menge...)


    Aber des kann noch nicht der Moment gewesen sein, der zum Auslöser der letztlichen Katastrophe führt.
    Mittlerweile vermute ich, es war der Schwur, den die drei Jungs sich gegeben haben, dass keiner etwas mit Alexandra anfangen wird.

    🐌

    Einmal editiert, zuletzt von Kandida ()


  • Der Trainer belohnt Hillel und macht ihm zum Co-Trainer. Leider ist das Glück nicht von langer Dauer. Nach dem Tod von Scott, kann Hillel nicht mehr bleiben. Allerdings war das menschlich, und eher ein Unfall. Scott war krank, aber Hillel war sich wahrscheinlich nicht bewusst, dass diese Anstrengung seinem Freund das Leben kosten würden. Der Abschnitt ist auf jeden Fall sehr traurig.



    Patrick kommt mir komisch vor. Warum zwingt ein Mann in seinem Alter sich so sehr zu den Freunden seiner Tochter?


    Warum Hillel hier von der Schule geflogen ist, habe ich nicht verstanden. Seine Motive waren nicht schlecht, auch wenn vielleicht ein Erwachsener diesen Weg nicht gewählt hätte.
    Ich gehe auch davon aus, dass Hillel - und alle anderen Schüler, die hier beteiligt waren- mit der letzten Konsequenz nicht gerechnet haben. Sie hätten eher seelsorgerlichen Beistand verdient.



    Zu Alexandras Vater - jetzt, wo du es beschreibst, stimmt. Das hat mich irgendwo auch gestört.
    Vielleicht ist es wirklich eine gefühlte Nähe zu Scott, die er damit wieder aufbauen kann?

    🐌

  • Umso älter die Jungs werden, umso komplizierter wird alles. Vor allem Hillel. Er ist unterfordert in der Highschool und da wir er schon ziemlich anstrengend. Mich stört immer etwas, dass bei ihm von Sonderschule gesprochen wird, da das bei uns doch eher die Schuldorm für schwer erziehbare oder geistig eher benachteiligte Jugendliche ist. Auch wenn der Rektor meint, Hillel wäre vielleicht gar nicht besonders intelligent, sondern nur verzogen und schwer von Begriff. Der Trainer hat es ja auch gesehen, dass er viel zu intelligent für diese einfache Highschool ist. Sicherlich ein Dilemma. Die Jungs wollen sich nicht trennen aber für Hillel wäre es teilweise doch besser gewesen. Was hätte alles aus ihm werden können, wenn man ihn richtig gefördert hätte. Das war wohl damals noch nicht so üblich. Die Eltern scheinen mir da auch etwas überfordert.


    Der Rektor ist ziemlich ungerecht und bestraft Hillel dafür, dass er in die Jungs trainiert. Verstehe ich nicht. Wo es doch verboten ist, dass der Trainer sich in den Ferien mit dem Team trifft. (Seltsames Verbot. Was wird damit bezweckt?)


    Die Idee, Hillel zum Co-Trainer zu machen, war goldrichtig aber es wäre ja zu schön gewesen, wenn das lange gut gegangen wäre. Warum er dann gefeuert wird, ist wirkich traurig. Bei Scott kann ich wirklich Vater UND Mutter verstehen. Einerseits finde ich es schön wie das Foodballteam sich um ihn gekümmert und ihn miteinbezogen hat und dass er ein Mal auf dem Rasen stehen und einen Touchdown machen durfte bevor er stirbt ist ergreifend. Andererseits stellte ich mir schon die Frage, ob er nicht noch um einiges länger hätte leben können, wenn er achtsamer mit seiner Gesundheit gewesen wäre und sich mehr geschont hätte. Dass die Krankheit tödlich verläuft ist mir natürlich klar. Und dass die Behandlungsmethoden auch noch nicht so ausgereift waren auch. Aber als Mutter kann ich verstehen, dass man sich danach sehnt, sein Kind so lang wie irgend möglich zu behalten.


    Dass Hillel dem Rektor droht und sich dann beim Vandalismus auch noch erwischen lässt ist bitter und irgendwie auch typisch für ihn. Er kennt keine Grenze. Das hört man in den Gesprächen schon immer raus und was im Kinderalter noch witzig war wird jetzt langsam schwierig.


    Jetzt ist klar, wer der Mann im schwarzen Auto war. Ein Paparazzi. :kommmalherfreundchen: Die Presse bringt mal wieder alles durcheinander. Gerade, wo die Liebe wieder aufkeimt zwischen den beiden. Jetzt erfährt man auch, wann die beiden das erste Mal zusammen waren. Sie ist seine erste große Liebe. Damals war er ja wirklich noch blutjung. So jung, dass ihr der Altersunterschied peinlich war. Warum sie sich von ihm getrennt hat? In America scheint das ja üblich zu sein, wenn die Liebenden auf getrennte Unis gehen. Da gibt es keine Beziehung auf Entfernung, sondern dann lieber das Aus. Zumindest ist es in Büchern und Filmen oft so.


    Der Pakt, den die Jungs schließlich schließen, als Alexandra mit ihrem Vater ins "Paradies" einzieht, finde ich einerseits schlau aber ich fürchte, der ist nicht zu halten. Und immer klarer wird, dass Alexandra der Grund für das nahende Drama sein wird. :sauer:

    :lesen: Teufelskrone - Rebecca Gablé




  • Dicker schreibt wirklich klasse, mir gefällt sein unaufgeregter Stil mit den vielen kleinen Details und seine Beobachtungsgabe sehr gut. Nur, dass er ständig zusätzliche Spannung draufgibt mit Teasern wie "... und das sollte ich dann erfahren", gefällt mir nicht so - solche Künsteleien hat er gar nicht nötig.


    Irgendwie finde ich es ganz okay. Erstens, weil immer ein kleiner Hinweis damit verbunden ist. Entweder, wie lange es noch dauert bis zur Katastophe oder das die erzählten Ereignisse unmittelbar zur Katastrophe geführt haben. Ausserdem reissen einen diese Warnungen immer wieder aus der ruhigen und fast anheimelnden Erzählung und bringen den nötigen düsteren Misston in diese Geschichte.

    :lesen: Teufelskrone - Rebecca Gablé



  • Brandon ist eine absolute Fehlbesetzung als Schuldirektor. Mir kommt er vor wie ein Kompaniechef, wenn er seine Schüler nach Belieben springen lässt. So lange Woody für die Mannschaft wertvoll ist, sonnt sich Brandon in dem Erfolg, aber als es schief läuft, teilt er aus und braucht Sündenböcke. Und dann gleich so finale Methoden anstelle einer Bestrafung, wobei der Übeltäter wenigstens an der Schule bleiben kann.


    Ich denke, dass viele Schuldirektoren so ticken, wie dieser hier. Vor allem, wenn sie den Job schon länger machen. Ich kannte da auch so zwei an den unterschiedlichen Gymnasien meiner Söhne. Das hat auch mit dem langen Berufsleben zu tun, in dem den Direktoren durchaus viele Eltern begegnet sind, die ihre Kinder ja alle für einzigartig halten. Was er da so von sich gibt ist im Kern ja durchaus realsitisch. Nur wie er drauf reagiert ist hart. Er geht nicht auf Hillel speziell ein sondern schert alle Schüler über einen Kamm. Andererseits ist es sicherlich auch schwierig zu rechtfertigen, warum er gerade bei Hillel immer wieder Ausnahmen macht. Das sähe danach aus, als würde er das Kind reicher Eltern bevorzugen. Schwierige Situation. Hillel passt ja wirklich nicht in diese Schule.



    Ich bin immer noch fleißig am Spekulieren, worin die Katastrophe besteht und sehe dabei immer Woody im Mittelpunkt. Ist es möglich, dass er schwul ist und sich in Hillel verliebt hat? Er interessiert sich nach eigener Aussage nicht für Mädchen (Seite 235), schleicht sich aber heimlich zu Hillel, der nach dem Unglück mit Scott auf die Privatschule wechseln musste. Vielleicht ist ihm selbst noch nicht klar, dass er möglicherweise entsprechende Gefühle für seinen Freund entwickelt hat.


    Der Gedanke einer schwulen Liebe ist mir auch schon gekommen. Es wird ja expliziet erzählt, wie toll und durchtrainiert Woody ist (männlich) und wie viele Mädels auf ihn stehen aber es wird nie erzählt, dass er eine Freundin hat. Er ist nur immer am trainieren. Joggt den ganzen Tag wie ein Wilder durch die Gegend. Ob er versucht, damit seine Gefühle zu verdrängen?



    In dem Zusammenhang bin ich draufgekommen, was mir an der Geschichte fehlt: Es sind die Empfindungen und Gedanken in den Köpfen aller Beteiligter mit Ausnahme von Marcus als Erzähler. Mir fehlt ihr "Innenleben". Es wird hauptsächlich über sie erzählt, den Rest muss man sich selbst zusammenreimen. Natürlich liegt das in der Natur dieser Erzählweise, aber für mich sind diese ganz persönlichen Empfindungen ein wichtiger Bestandteil.


    Ich finde es sehr gut, dass hier nur aus Marcus Sichtweise erzählt wird und wir über die Gefühlswelt der anderen nur subjetiv oder als Erzählung etwas erfahren. So wie es halt auch im wirklichen Leben ist. Ich mag es sehr, wenn man mitdenken und miträtseln muss. Was empfinden die anderen wirklich? Was verbergen sie? Wie kann man es aus ihren Gesprächen, ihren Taten herauslesen. Mich fasziniert, dass das bei Dicker sehr gut funktioniert, weil er sehr eindringlich und klug beschreiben kann und dadurch, dass sein Held ja rückblickend erzählt auch einige Rückschlüsse bereits gegeben werden und wir uns nach und nach alles zusammenreimen können.
    Ich mag Geschichten nicht, in denen ständig gesagt wird: Der empfindet das, der andere denkt das, der drittefühlt so, der vierte möchte dies. Ich mag es, wenn so was entweder durch starke Dialoge oder durch geschickte Beschreibung der Geschehnisse herauskommt.

    :lesen: Teufelskrone - Rebecca Gablé



  • Mir gefällt gerade diese Konsequenz, die Perspektive immer beizubehalten und dadurch nur eine Vermutung zu den Freunden und Verwandten zu haben. Es ist ein Bild das sich ständig ändert und mit den Erlebnissen und den Erfahrungen von Markus erweitert wird. Wüssten wir von Anfang an, was Hillel, Woody und Saul wirklich denken, würde das dem Buch viel Charme nehmen.


    So empfinde ich das auch. Dieses Stückchen für Stückchen finde ich genial.

    :lesen: Teufelskrone - Rebecca Gablé



  • Alexandra und Marcus werden in Paar, wobei ich die gânze Zeit den Eindruck hatte, von Alexandra aus war es nur halbherzig.
    - daher versteckt sie ihn vor seinen Freunden, daher später auch die Trennung.
    ( Valentine - während du zu deiner Jugendzeit vom Zeitraum her Parallelen ziehst, hatte ich mit 17 einen Freund, der zwei Jahre jünger war. Ich kann Alexandra irgndwie gut verstehen. Mit 17 sind zwei Jahre eine Menge...)


    Ich empfand es nicht als halbherzig. Eher so, als wäre Alexandra nicht klar, dass sie mit dem jüngeren Marcus tatsächlich schon den Mr. Right gefunden hatte. (Ich kenne das von meinem Ältesten. Der hat als 15-jähriger seine erste große Liebe gefunden und war 7 Jahre mit ihr zusammen. Dann hat er sich getrennt, wohl weil er dachte, man kann nicht mit der ersten zusammenbleiben sondern muss noch was ausprobieren. Im Rückblick hat er dies oft bereut und bis jetzt nicht mehr das gefunden, was er mit der ersten hatte.)
    Alexandra denkt wohl, sie muss sich trennen. Weil Marcus zu jung für sie ist. Weil sie an der Uni frei sein wollte. Weil sie Marcus und seine Gefühle nicht für wirklich ernsthaft gehalten hat. Weil sie ihre eigene tiefe Verbundenheit mit ihm unterschätzt hat.

    :lesen: Teufelskrone - Rebecca Gablé




  • ( Valentine - während du zu deiner Jugendzeit vom Zeitraum her Parallelen ziehst, hatte ich mit 17 einen Freund, der zwei Jahre jünger war. Ich kann Alexandra irgndwie gut verstehen. Mit 17 sind zwei Jahre eine Menge...)


    Das sind Welten. Sowieso schon, und zwischen Jungen und Mädchen noch mehr. Ich kann nachvollziehen, warum Alexandra so gehandelt hat, leid getan hat es mir für Marcus aber doch.



    Ich gehe auch davon aus, dass Hillel - und alle anderen Schüler, die hier beteiligt waren- mit der letzten Konsequenz nicht gerechnet haben. Sie hätten eher seelsorgerlichen Beistand verdient.


    Allerdings. Ich fand es schade, dass keiner auf die Beweggründe eingegangen ist. Und Scott hat ja schließlich mitgemacht, wohl wissend, dass es gefährlich für ihn ist.


    Zitat

    Vielleicht ist es wirklich eine gefühlte Nähe zu Scott, die er damit wieder aufbauen kann?


    Oder auch der Wunsch nach einem gesunden "Ersatzsohn"?



    Mich stört immer etwas, dass bei ihm von Sonderschule gesprochen wird, da das bei uns doch eher die Schuldorm für schwer erziehbare oder geistig eher benachteiligte Jugendliche ist.


    Das fand ich auch störend, mir ist allerdings kein besserer Begriff eingefallen. Förderschule hat ja denselben Beigeschmack.


    Zitat

    Wo es doch verboten ist, dass der Trainer sich in den Ferien mit dem Team trifft. (Seltsames Verbot. Was wird damit bezweckt?)


    Vielleicht soll vermieden werden, dass Mannschaften einen unfairen Vorteil haben, weil sie in den Ferien trainiert haben.


    Zitat

    Andererseits stellte ich mir schon die Frage, ob er nicht noch um einiges länger hätte leben können, wenn er achtsamer mit seiner Gesundheit gewesen wäre und sich mehr geschont hätte. Dass die Krankheit tödlich verläuft ist mir natürlich klar. Und dass die Behandlungsmethoden auch noch nicht so ausgereift waren auch. Aber als Mutter kann ich verstehen, dass man sich danach sehnt, sein Kind so lang wie irgend möglich zu behalten.


    Das auf jeden Fall. Aber Scott wollte am Leben teilhaben, das tun, was seine Freunde tun, Sport treiben, feiern und gefeiert werden, halt einfach ein ganz normaler junger Mensch sein und nicht wie ein Greis vom Rand aus zuschauen.



    Was er da so von sich gibt ist im Kern ja durchaus realsitisch. Nur wie er drauf reagiert ist hart. Er geht nicht auf Hillel speziell ein sondern schert alle Schüler über einen Kamm.


    Genau das hat mich gestört. Sicherlich wird man als Lehrer und besonders als Direktor viel zu oft mit Eltern konfrontiert, die völlig utopische Vorstellungen von den besonderen Fähigkeiten ihres Kindes haben, aber das sollte einem doch nicht den Blick auf den Einzelfall verstellen. Man hätte ja zumindest mal einen Test machen oder einen Sachverständigen hinzuziehen können, um festzustellen, ob Hillel wirklich hochbegabt ist.

    Be curious, be creative, be patient, be joyful.

    (Agnès Varda)

  • Ich finde es sehr gut, dass hier nur aus Marcus Sichtweise erzählt wird und wir über die Gefühlswelt der anderen nur subjetiv oder als Erzählung etwas erfahren. So wie es halt auch im wirklichen Leben ist. Ich mag es sehr, wenn man mitdenken und miträtseln muss. Was empfinden die anderen wirklich? Was verbergen sie? Wie kann man es aus ihren Gesprächen, ihren Taten herauslesen. Mich fasziniert, dass das bei Dicker sehr gut funktioniert, weil er sehr eindringlich und klug beschreiben kann und dadurch, dass sein Held ja rückblickend erzählt auch einige Rückschlüsse bereits gegeben werden und wir uns nach und nach alles zusammenreimen können.
    Ich mag Geschichten nicht, in denen ständig gesagt wird: Der empfindet das, der andere denkt das, der drittefühlt so, der vierte möchte dies. Ich mag es, wenn so was entweder durch starke Dialoge oder durch geschickte Beschreibung der Geschehnisse herauskommt.


    Alles auf dem Tablett serviert bekommen mag ich auch nicht. Das wäre hinsetzen, sich berieseln lassen und keine Gedanken machen. Mitdenken und ein bisschen Anspruch sind mir schon lieber. Aber in diesem Buch wird zum einen außer über Marcus gar nichts direkt preisgegeben, und dann sind es auch ungewöhnlich viele "Baustellen": Marcus in der Gegenwart oder mit seinem Onkel zusammen oder mit der Gang, die Jungs mit ihren individuellen Jugenderlebnissen, das Verhältnis zwischen Saul, Nathan und ihren Eltern, die Beziehung zwischen Anita und Saul, Alexandra als Teenie... Und später kommt noch mehr dazu, wie ich schon erfahren habe. Wenn ich zu wenig über jemanden weiß, könnte ich ihn falsch interpretieren und er bleibt mir fremd. Hillel zum Beispiel kann ich gar nicht einschätzen. Wenn das bei so vielen Protagonisten auftritt, mag ich es einfach nicht, selbst wenn sich hinterher alles auflöst.


  • ...Aber in diesem Buch wird zum einen außer über Marcus gar nichts direkt preisgegeben, und dann sind es auch ungewöhnlich viele "Baustellen": Marcus in der Gegenwart oder mit seinem Onkel zusammen oder mit der Gang, die Jungs mit ihren individuellen Jugenderlebnissen, das Verhältnis zwischen Saul, Nathan und ihren Eltern, die Beziehung zwischen Anita und Saul, Alexandra als Teenie... Und später kommt noch mehr dazu, wie ich schon erfahren habe. Wenn ich zu wenig über jemanden weiß, könnte ich ihn falsch interpretieren und er bleibt mir fremd. Hillel zum Beispiel kann ich gar nicht einschätzen. Wenn das bei so vielen Protagonisten auftritt, mag ich es einfach nicht, selbst wenn sich hinterher alles auflöst.


    Hier sind unsere Lese-Empfindungen genau gegensätzlich. :zwinker: Ich finde es nicht viele Baustellen. Alles hängt ja zusammen. Das einzige verzwickte ist, dass es NICHT chronologisch erzählt wird und dass es vier Hauptdarsteller sind. Ich finde auch, man erfährt sogar ziemlich viel über die Personen. Die Entwicklung der vier jungen Leute wird doch sehr ausführlich und lange ausgebreitet. Auch die Gründe, warum sie später so und nicht anders handeln ist gut nachvollziehbar. Durch ihre Gespräche und Aussagen erfährt man viel über sie. Aber natürlich nur von Marcus alles. Selten wird man so ausführlich in das Leben einer Familie eingeführt - und ohne, dass es langweilig wird noch dazu. Das Gefüge einer Familie ist natürlich komplex und dazu noch Freundschaften die sehr intensiv und innig sind. Aber Menschen sind kompliziert und Produkte ihres Lebens und ihrer Herkunft. Das kommt gut rüber und wird von Kapitel zu Kapitel anschaulicher für mich.

    :lesen: Teufelskrone - Rebecca Gablé



  • Ich empfand es nicht als halbherzig. Eher so, als wäre Alexandra nicht klar, dass sie mit dem jüngeren Marcus tatsächlich schon den Mr. Right gefunden hatte. (Ich kenne das von meinem Ältesten. Der hat als 15-jähriger seine erste große Liebe gefunden und war 7 Jahre mit ihr zusammen. Dann hat er sich getrennt, wohl weil er dachte, man kann nicht mit der ersten zusammenbleiben sondern muss noch was ausprobieren. Im Rückblick hat er dies oft bereut und bis jetzt nicht mehr das gefunden, was er mit der ersten hatte.)
    Alexandra denkt wohl, sie muss sich trennen. Weil Marcus zu jung für sie ist. Weil sie an der Uni frei sein wollte. Weil sie Marcus und seine Gefühle nicht für wirklich ernsthaft gehalten hat. Weil sie ihre eigene tiefe Verbundenheit mit ihm unterschätzt hat.


    Im Grunde habe ich mir selbst widersprochen. Ich kann es gut nachvollziehen, weil ich es selbst mal erlebt habe. Halbherzig ist das falsche Wort.
    Bei mir war es eine Zerrissenheit zwischen der Verliebtheit auf der anderen Seite und dem "was denken die anderen, dass er so jung ist" auf der anderen Seite.
    Das Tragische war, als ich mich entschieden habe, es zu wagen, hat er mich eifersüchtig machen wollen - mit meiner besten Freundin. Das ist nach hinten losgegangen - ich habe mich komplett zurückgezogen. Aus heutiger Sicht total dämlich, aber mit 17 tickt man anders.
    Heute weiß ich, es könnte sogar sein dass er "Mr. Right" war, denn mein heutiger Mann ist genau der gleiche Typ. Nicht optisch, aber vom Wesen her. Die Briefe, die ich von beiden habe, könnten jeweils vom anderen geschrieben sein.
    Darum möchte ich ihn auch nicht wieder sehen.
    Übrigens ist meine Mann auch ein Jahr jünger als ich. Aber mit 20 war ich da viel entspannter. :winken:

    🐌


  • Man hätte ja zumindest mal einen Test machen oder einen Sachverständigen hinzuziehen können, um festzustellen, ob Hillel wirklich hochbegabt ist.


    Stimmt. Hier wären aber die Eltern gefragt gewesen, finde ich. Dem Lehrer ging es ja darum, dass Hillel sich einordnet - ob intelligent oder nicht. Wenn er sich langweilt, weil er hochintelligent ist, dann ist er tatsächlich falsch auf dieser Schule, denn die ist halt nur für "normale" Schüler geeignet.

    :lesen: Teufelskrone - Rebecca Gablé