02 - Seite 91 bis 175 (einschließlich Kapitel 12)

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

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    Liebe Grüße

    Tabea

  • Durch die verschiedenen Zeitebenen und die Betrachtung der Handlungen und ihrer Auswirkungen, entsteht ein fein gezeichnetes Bild der Geschehnisse. Wie ein Puzzle, das Stück für Stück ein Bild ergibt. Es fehlt allerdings immer noch die Mitte - die Katastrophe.


    Woody wird erst zu Hillels Leibwächter und dann Stück für Stück zu einem "Kind" der Goldmanns. Es geht zu Herzen, wie er mit allen Mitteln dazugehören möchte und sich dennoch nach der Liebe seines eigenen Vaters sehnt. Wie er versucht, alles richtig zumachen und trotzdem das Gefühl hat, er würde von niemandem geliebt. Dicker schafft es, durch viele kleine Geschichten das Seelenleben seiner Akteure preiszugeben. (Onkel Saul und Tante Anita sind ja fast zu gut für diese Welt. Ich frage mich die ganze Zeit, ob das einfach nur der verklärte Blick eines Teenagers sein könnte. Andererseits lernen wir Saul ja auch mit den Augen des bereist erwachsenen Marcu kennen. Und auch da ist er sympathisch.)


    Außerdem spürt man als Leser, wie stark die Freundschaft der Jungen untereinander ist. Wie sie sich gegenseitig helfen, zueinander stehen, versuchen auch in der Schule zusammen zu sein. Auch die Eltern der Jungs spüren das und sind bereit ihnen dabei zu helfen. Das ist einfach schön zu lesen. Allerdings dräut immer eine schwarze Wolke über allem, da man ja weiß, dass irgend etwas Schlimmes passieren wird. Wirklich raffiniert gemacht von Dicker.


    Die Abschnitte sind fast ZU lang, denn es gibt so viele kleine aber wichtige Szenen in diesem Buch:


    - Wie immer wieder beschrieben wird, warum Marcus sich für seine Eltern schämt, warum er so gerne ein Baltimore-Goldmann wäre. Natürlich ist da der soziale Graben, den Marcus so gerne überspringen würde. Aber ich denke, es liegt auch an den Jungs. Er ist ein Einzelkind und sehnt sich nach Geschwistern. Und nach der weltgewandten jovialen Art von Saul und der zärtlichen Mutterliebe von Anita. Sie verkörpern einfach sein Idealbild von Eltern. So was können "normale" Eltern doch nur schwer erfüllen.


    - Wie Hillel den Lehrer und die Lehrerin erwischt und auf seine ganz eigene Hillel-Art unter Druck setzt. Hillel ist für mich derjenige, der von den drei Jungs der Komplizierteste ist. Vielleicht der, der am Ehesten eine Katastrophe zum Laufen bringen könnte. :gruebel:


    - Wie Stephen seinen Vater schikaniert, ihm 20 Dollar abpresst, bis er ihm die Autoschlüssel wieder gibt. Sehr schräge Szene. Ich dachte, dass das wohl der Gipfel einer antiautoritären Erziehung sein könnte. :rollen:


    Und immer wieder diese Andeutungen. Was hätte Alexandra sagen müssen, um alles zu verhindern? Steckt eine Liebesgeschichte dahinter? Mit dahinter?


    Ebenfalls fasziniert bin ich davon, wie Dicker das Zeitgeschehen ganz unauffällig mithineinstrickt. Rodney King und Bill Clinton ebenso wie "Die Katze auf dem heißen Blechdach". Einer meiner Lieblingsfilme. :klatschen:

    :lesen: Der träumende Krieger - Bernhard Hennen



  • Seine Taktik geht auf, Markus schafft es, dass Alexandra in seine Wagen steigt. Er hat sie verlassen, sie hat ewig gewartet. Es gibt jede Menge Andeutungen, weiter verraten wird allerdings immer noch nicht.


    Ich musste lächeln bei Roys Beschreibung der Fernsehzuschauer. Er drückt sich zwar krass aus, aber Recht hat er. Markus wehrt sich gegen seinen Auftritt und die Manipulation, aber viel hat er nicht zu sagen und macht schliesslich den Auftritt so, wie er von ihm gefordert wird. Markus ist "nur" der Autor und für Roy deshalb ohne Zukunft.


    Mit Onkel Sauls Reichtum ist es vorbei, er arbeitet in einem Supermarkt. Trotzdem scheint er zufrieden mit seinem Leben zu sein, und sich gut mit Markie zu verstehen. Onkel Saul und seine Frau sind in Markies Kinderaugen einfach perfekt. Er hat ein schlechtes Gewissen, aber ich denke, das bräuchte er nicht. Es ist einfach normal, dass ein Kind lieber mit den anderen Jungs in dieser Luxusumgebung spielt als allein mit seinen Eltern zu sein. Seine Eltern gönnen ihm das und sind vielleicht froh, dass er davon profitieren kann, obwohl sie sich diesen Luxus nie leisten könnten.
    Ich denke auch nicht, dass es der Reichtum ist, der anzieht, auch wenn Markie selbst das glaubt. Hätte er einen Bruder, und irgendeine Möglichkeit zum Spielen, zum Beispiel einen Bauernhof, würde Hillel sicher zu ihnen kommen und nicht mit seinen Eltern durch ein Einkaufszentrum gehen oder in seinem Luxus herumhocken.

  • Zitat

    Wirklich raffiniert gemacht von Dicker.


    Das Wort raffiniert ist sehr passend für das ganze bisherige Buch. Die Mischung aus harmlosen Plauderton und der Katastrophe, die über allem schwebt, von der noch nicht einmal klar ist, aus was sie besteht und wer sie überleben wird, ist faszinierend. :klatschen:


  • Ich denke auch nicht, dass es der Reichtum ist, der anzieht, auch wenn Markie selbst das glaubt.


    Es ist glaub ich schon eine Mischung. Der Reichtum bringt einfach Annehmlichkeiten, die Marcus durchaus zu schätzen weiß. Wäre er ja auch nicht normal, wenn ihm das nicht gefiele. Das ginge uns doch allen so, oder? Ungewöhnlich ist aber, dass Saul und Anita keinen Standesdünkel zu haben scheinen und beispielsweise Woody und Marcus mit offenen Armen aufnehmen. Und immer versuchen, einfühlsam mit ihnen umzugehen. Da hat Hillel es als ihr Sohn fast schwerer am Anfang, finde ich.

    :lesen: Der träumende Krieger - Bernhard Hennen



  • Auch der zweite Abschnitt hat mich fasziniert. Dickers Schreibstil ist wirklich wunderschön. Ich liebe seine Wortwahl, seine subtilen Beobachtungen, aus denen er eine atmosphärisch dichte Geschichte strickt.


    Die Freundschaft der drei Jungs und natürlich vor allem die von Hillel und Woody ist so wunderbar. So etwas erlebt man selten, und ich kann Marcus wirklich gut verstehen, dass er ein Teil davon sein will. Baltimore muss ihm wie das Paradies vorkommen. Viel Platz, keine Geldsorgen, jeder ist für jeden da, Saul und Anita sind so offene, liebevolle Menschen. Ganz anders in Montclair: Hier ist er allein, alles wirkt schäbiger und gezwungener. Sicher wäre Marcus in seiner familiären Umgebung sehr glücklich, wenn er nicht die Baltimores kennen würde, denn seine Eltern lieben ihn ja schließlich auch.


    Dass Hillel den Direktor und die Lehrerin erwischt, ist ein Glücksfall, den er gnadenlos für sich bzw. Woody ausnutzt. Hillel hat es wirklich faustdick hinter den Ohren, aber er hat nie Böses im Sinn.


    Auch Woody will ja eigentlich immer nur helfen. Ihm bleiben allerdings nur seine Fäuste, das geht auf Dauer vielleicht nicht so gut.


    Und wieder taucht der Mann auf, der Marcus beobachtet. Ich frage mich, wer er ist und was er will.


    Wie die Goldman-Cousins zu Alexandra kamen, wissen wir nun auch. Interessanterweise geht es bei den Nevilles ähnlich zu wie bei den Baltimores. Auch diese Familie ist sehr liebevoll und offen.


    Die Geschichte von Marcus und Alexandra erinnert ein wenig an Romeo und Julia. In dem Moment, wo Alexandra erfährt, dass Marcus mit Lydia zusammen ist, stürzt sie sich auf Kevin. Doch das ist nur ein Missverständnis. Und als Marcus erfährt, dass Alexandra mit Kevin zusammen ist, stürzt er sich in eine Affäre mit Lydia.


    Ich bin ja sehr gespannt, ob die beiden noch mal zusammenkommen. Und natürlich auch auf die Katastrophe. Ich habe noch keinen Schimmer, was da passiert sein könnte.

    Liebe Grüße, Lilli

  • Zitat

    Sicher wäre Marcus in seiner familiären Umgebung sehr glücklich, wenn er nicht die Baltimores kennen würde, denn seine Eltern lieben ihn ja schließlich auch.


    Den grössten Teil seines Lebens ist Markus bei seinen Eltern, hat Freunde und ist wahrscheinlich trotz der Baltimores auch glücklich zu Hause, obschon er sich nach Ferien und dem anderen Leben sehnt.. Nur davon berichtet er nicht, das ist das Normale. Hillel und Woody idealisieren das Leben in Baltimore sicher viel weniger, sie erleben auch das rauhe Schulleben, nicht nur die immer positive Ferienzeit.


  • Durch die verschiedenen Zeitebenen und die Betrachtung der Handlungen und ihrer Auswirkungen, entsteht ein fein gezeichnetes Bild der Geschehnisse. Wie ein Puzzle, das Stück für Stück ein Bild ergibt. Es fehlt allerdings immer noch die Mitte - die Katastrophe.


    Das hat Dicker wirklich toll gemacht! Wir arbeiten uns quasi von vorne und von hinten an die Katastrophe heran.


    Zitat

    Hillel ist für mich derjenige, der von den drei Jungs der Komplizierteste ist. Vielleicht der, der am Ehesten eine Katastrophe zum Laufen bringen könnte. :gruebel:


    Da könntest du recht haben. Obwohl auch Woody durch seine Prügeleien etwas auslösen könnte oder Marcus durch seine Eifersucht.


    Zitat

    Wie Stephen seinen Vater schikaniert, ihm 20 Dollar abpresst, bis er ihm die Autoschlüssel wieder gibt. Sehr schräge Szene. Ich dachte, dass das wohl der Gipfel einer antiautoritären Erziehung sein könnte. :rollen:


    Diese Szene fand ich einfach unglaublich bzw. auch schon vorher das mit dem Schimpfwortsparschwein.





    Seine Eltern gönnen ihm das und sind vielleicht froh, dass er davon profitieren kann, obwohl sie sich diesen Luxus nie leisten könnten.


    Ich denke, Marcus Eltern sind großartig. Sie haben es nicht so leicht wie die Baltimores, tragen es aber mit Fassung. Und vor allem haben sie Verständnis für Marcus' Wünsche.





    Ungewöhnlich ist aber, dass Saul und Anita keinen Standesdünkel zu haben scheinen und beispielsweise Woody und Marcus mit offenen Armen aufnehmen. Und immer versuchen, einfühlsam mit ihnen umzugehen. Da hat Hillel es als ihr Sohn fast schwerer am Anfang, finde ich.


    Ich könnte mir vorstellen, dass man so offen sein kann, wenn man so viel Geld hat, dass es keine Rolle mehr spielt.

    Liebe Grüße, Lilli

  • Mit seinem Beschützer Woody an der Seite traut sich Hillel endlich wieder unbeschwert in die Schule. Die beiden ergänzen sich gut, der mickrig wirkende Klugscheißer und der Sportler mit dem großen Herzen. Ein klein wenig schräg fand ich den Job beim Gärtner, dafür sind die Jungs doch eigentlich mit ihren elf Jahren noch ein bisschen sehr jung, oder? Aber egal, sie scheinen Spaß dran zu haben und sind sinnvoll beschäftigt.


    Woodys persönliche Geschichte ist ziemlich traurig. Keiner will ihn, irgendwann nicht mal mehr das Heim - das muss doch furchtbar wehtun. Gut, dass er den Baltimores begegnet ist und er dort ein neues Zuhause findet. Bei dem Telefonat mit seinem Vater hätte ich heulen mögen. Der tut zwar kumpelhaft-nett, aber er hat null Verständnis für das, was Woody wirklich bewegt. Und der will so sehr seinem Vater gefallen, dass er sich auf einmal gänzlich dem Football verschreibt und sich deshalb auch noch mit Hillel streitet, weil er ihm seine wahren Beweggründe nicht erzählen will :traurig:


    Hillel redet sich irgendwann mal noch um Kopf und Kragen, fürchte ich. Ganz schön frech, wie er mit dem Slip beim Direktor auftaucht :entsetzt: Ich schwanke bei seinen Aktionen immer zwischen Respekt und Entsetzen.


    Woodys Besuch bei seinem Vater war ja wohl ein Schuss in den Ofen. Aber respekteinflößend konsequent, wie er ihm am Ende seinen Namen zurückgibt! Damit hatte ich nicht gerechnet.


    Klasse fand ich Scott und die Schubkarre und dass die beiden so pragmatisch und tatkräftig eine Lösung gefunden haben, wie ihr kranker Freund im Rahmen seiner Möglichkeiten an ihren Sportplatzabenteuern teilhaben kann. Mich hat dann auch gefreut, dass sie auf dieselbe Highschool gehen, auch wenn die Eltern von Hillel und Scott davon ja nicht so angetan waren.


    Dass Scott mit Nachnamen Neville heißt, kann ja nur eines bedeuten: dass bald Alexandra ins Bild kommt. Was dann ja auch geschieht, mit ersten Funken, die zwischen ihr und Marcus überspringen.


    Apropos Alexandra: was für eine blöde Verkettung von Umständen, die sie hat glauben lassen, Marcus habe etwas mit dieser brotdummen Schauspielerin :heul:


    Marcus' Erinnerungen an die Ferien mit den Baltimores hat mich an Situationen in der eigenen Kindheit erinnert, in denen ich es bei anderen Leuten viel schöner und cooler fand als bei meinen Eltern. An dieses Gefühl von Peinlichkeit gemischt mit Schuldgefühlen darüber, dass mir etwas an meiner Familie peinlich war, kann ich mich noch gut erinnern. Und auch an die Momente, in denen man an alte, geliebte Orte zurückkehrt und nichts mehr so ist, wie es mal war.


    Überhaupt ist es irgendwie schräg, einen Roman übers Erwachsenwerden zu lesen, der sich zeitlich genau mit meiner eigenen Jugend deckt. Meist spielen solche Geschichten ja mindestens in den 80ern oder früher, aber die Goldmans, auf deren herrliche Jugendtage hier nostalgisch zurückgeblickt wird, sind fast genau mein Jahrgang (... und das ist wirklich schon alles lange her :entsetzt: :breitgrins: ).

    Be curious, be creative, be patient, be joyful.

    (Agnès Varda)


  • Ich musste lächeln bei Roys Beschreibung der Fernsehzuschauer. Er drückt sich zwar krass aus, aber Recht hat er. Markus wehrt sich gegen seinen Auftritt und die Manipulation, aber viel hat er nicht zu sagen und macht schliesslich den Auftritt so, wie er von ihm gefordert wird. Markus ist "nur" der Autor und für Roy deshalb ohne Zukunft.


    Ich fand diesen Roy zum Brechen. Sicherlich gibt es das dumpf-dämliche Publikum, aber doch nicht nur. Und sein dummes Gelaber über Bücher ging gar nicht. Aber es mag schon sein, dass es in der Filmwelt oft so läuft und nur das Geld zählt. Man muss sich ja nur mal anschauen, welche Filme NICHT gemacht werden, weil sie kein Massenpublikum ansprechen, oder welche Fehlbesetzungen passieren, weil man lieber Tom Cruise auf dem Plakat stehen hat, als einen wirklich passenden Schauspieler für die Rolle auszusuchen.



    Ich könnte mir vorstellen, dass man so offen sein kann, wenn man so viel Geld hat, dass es keine Rolle mehr spielt.


    Jein. Ich denke, eine gewisse Grundeinstellung bzw. ein bestimmter Charakter muss abgesehen vom finanziellen Status vorhanden sein, um so zu werden wie Saul und Anita. Es gibt genügend andere Reiche, die die Nase hoch tragen und sich einen Dreck um andere scheren.

    Be curious, be creative, be patient, be joyful.

    (Agnès Varda)

  • Mir gefällt das Buch ausgesprochen gut. Ich habe es im ersten Abschnitt einmal kurz erwähnt*, aber mich erinnert Dicker irgendwie an John Irving. Und das freut mich sehr, ist das doch einer meiner Lieblingsschriftsteller.


    Die Zerissenheit Marcus, zwischen den beiden Welten -dass er sich ein bisschen für seine Eltern schämt. Ich kann das gut nachvollziehen. Marcus Eltern tun mir dabei etwas leid, aber geht es nicht allen Eltern pubertierender Kinder ähnlich?
    Überhaupt Marcus Eltern. Sie kommen etwas zu kurz. Wird erwähnt, was sie machen, warum der eine Bruder so erfolgreich ist, der andere eher nicht? Das Elternhaus scheint ja eher "normal"zu sein. Auch wenn sie sich eher mit dem erfolgreichen Sohn identifizieren - irgendwie beschämend.


    Ja, viel los in diesem Abschnitt. Da ist Scott, um den ich ein wenig Angst habe.
    Da ist Woody, der erkennen, dass seine Eltern eben doch nir Erzeuger sind. Das hat mir sehr leid getan.
    Und wir lernen Alexandra kennen, die ich mir irgendwie gar nicht blond vorstellen kann (ist es nicht manchmal komisch, was der eigene Verstand uns vorgibt...? )


    Ich mag besomders die Abschnitte, die im heute handeln. Die langsame Wiederannähreung Marcus und Alexandras. Und die Einwürfe des irgendwie witzig skurrilen Leos.


    Und von allen Seiten nähern wir uns langsam der Katastrophe. Gut gemacht. Spannend.



    *Hi hi, das war im Lesewochenenden-Threat! Nichts desto trotz ist es so.... :breitgrins:

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  • Jein. Ich denke, eine gewisse Grundeinstellung bzw. ein bestimmter Charakter muss abgesehen vom finanziellen Status vorhanden sein, um so zu werden wie Saul und Anita. Es gibt genügend andere Reiche, die die Nase hoch tragen und sich einen Dreck um andere scheren.


    Das denke ich auch. Es gibt "gute" Reiche und solche, die Vorurteile haben und am liebsten nichts mit den "Armen Leuten" zu tun haben möchten. Saul und Anita sind schon was Besonderes.

    :lesen: Der träumende Krieger - Bernhard Hennen



    Einmal editiert, zuletzt von gagamaus ()

  • Jein. Ich denke, eine gewisse Grundeinstellung bzw. ein bestimmter Charakter muss abgesehen vom finanziellen Status vorhanden sein, um so zu werden wie Saul und Anita. Es gibt genügend andere Reiche, die die Nase hoch tragen und sich einen Dreck um andere scheren.


    Das denke ich auch. Es gibt "gute" Reiche und solche, die Vorurteile haben und am liebsten nichts mit den "Armen Leuten" zu tun haben möchten. Saul und Anita sind schon was Besonderes.
    [/quote]


    Mich erinnert die Situation mit Woody ein bisschen an den Film mit Sandra Bullock, als eine reiche Familie einen Jungen aus den Slums bei sich aufnimmt, ihn fördern und später auch adoptieren. Ich komme gerde nicht auf den Namen des Films, beruht aber auf einer wahren Begebenheit. "Blind Side" - Die große Chance.

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  • Mir gefällt das Buch ausgesprochen gut. Ich habe es im ersten Abschnitt einmal kurz erwähnt*, aber mich erinnert Dicker irgendwie an John Irving. Und das freut mich sehr, ist das doch einer meiner Lieblingsschriftsteller.


    Hihi, das habe ich in Abschnitt 3 geschrieben :breitgrins: Dann bilde ich mir das also nicht ein ;)


    Zitat

    Und wir lernen Alexandra kennen, die ich mir irgendwie gar nicht blond vorstellen kann (ist es nicht manchmal komisch, was der eigene Verstand uns vorgibt...? )


    Auch da ging es mir wie Dir :five: Ich habe sie mir dunkel vorgestellt.

    Be curious, be creative, be patient, be joyful.

    (Agnès Varda)

  • Onkel Saul und Tante Anita sind ja fast zu gut für diese Welt. Ich frage mich die ganze Zeit, ob das einfach nur der verklärte Blick eines Teenagers sein könnte.


    Ich kann mir schon vorstellen, dass es Menschen wie sie gibt. Woody ist ein liebenswerter Junge, den man gerne um sich hat, und wenn er sich so gut mit Hillel versteht, freut man sich doppelt. Dann profitieren alle davon. Und es sieht nicht danach aus, als hätte irgendjemand einen Nachteil dabei. Der Umfang, in dem Saul und Anita das machen, ist aber schon bemerkenswert. Ich kenne Eltern mit einem Einzelkind, die gerne ein befreundetes Kind mit in den Urlaub nehmen. Da ist die Konstellation fast wie bei den Baltimores.



    Überhaupt Marcus Eltern. Sie kommen etwas zu kurz. Wird erwähnt, was sie machen, warum der eine Bruder so erfolgreich ist, der andere eher nicht? Das Elternhaus scheint ja eher "normal"zu sein.


    Wahrscheinlich gibt es nicht mehr zu erwähnen. Wir wissen zwar, dass er einen Reizdarm hat, aber kennen wir überhaupt seinen Vornamen? Die Eltern von Hillel und Marcus könnten ähnlich unterschiedlich sein wie ihre Jungs. Zum einen in puncto Zielstrebigkeit, und es macht auch viel aus, wie man sich verkauft. Da hatte Saul sicher bessere Karten als sein Bruder. Wie man sieht, überträgt sich das dann auch auf die Kinder. Hillel ist der Anführer, Marcus der Mitläufer.



    Woodys persönliche Geschichte ist ziemlich traurig. Keiner will ihn, irgendwann nicht mal mehr das Heim - das muss doch furchtbar wehtun.


    Um so bewunderswerter, dass er seinen Weg trotzdem macht und den Mumm hat, sich von seinem Vater so knallhart abzunabeln. Es hat es ja wirklich versucht und seinem Vater Chancen gegeben, den Kontakt wieder aufzunehmen. Ich glaube, so schlecht ist er ohne diesen Vater gar nicht dran. In Sachen Schulbildung ist ihm aber noch nicht richtig bewusst, dass mehr als zwei Hände dazugehören, um genug Geld für ein angenehmes Leben zu verdienen, sonst würde er die Schule ernster nehmen. Aber mit Hillel als Vorbild kommt das vielleicht noch. Er kann von Glück reden, dass er die Kurve weg von seinem vorherigen Vorbild mit dem Revolver im Hosenbund geschafft hat. Kinder brauchen ein Vorbild, aber sie können nicht immer differenzieren, was gut oder schlecht ist.


    Nach der Aussage von Alexandra auf Seite 135


    Zitat

    "...Was hätte es geändert, wenn ich es dir gesagt hätte? Glaubst du, dass sie dann noch leben würden? Wann begreifst du endlich, dass du deine Cousins nicht retten konntest?"


    muss ich meine Vermutung wohl begraben, dass Anita eine der Toten ist. Ganz abwegig ist es zwar nicht, aber doch immer unwahrscheinlicher. Es sind wohl doch die beiden jungen Männer gewesen. Wobei ich dann gerne dringend wissen möchte, wo Anita abgeblieben ist.


    Mir gefällt der Teil in der Vergangenheit momentan noch besser als die Gegenwart, in der sich Marcus und Alexandra wieder annähern, auch wenn es eine etwas andere als die üblichen Liebesgeschichten sein dürfte - bei dem Hintergrund.



    Und von allen Seiten nähern wir uns langsam der Katastrophe.


    Sehr treffend beschrieben, Kandida. So liest man das nicht oft in Büchern.

  • Ich finde es gerade nicht, aber war nicht irgendwo die Rede davon, dass es in der jüngeren Vergangenheit noch eine Katastrophe geben sollte?


  • Wahrscheinlich gibt es nicht mehr zu erwähnen. Wir wissen zwar, dass er einen Reizdarm hat, aber kennen wir überhaupt seinen Vornamen?


    Nathan heißt er, das wurde ein- oder zweimal erwähnt. Aber abgesehen davon (und vom Reizdarm :breitgrins: ) bleiben er und seine Frau relativ farblos. Vielleicht, weil sie für Marcus gerade das sind im Vergleich zu den Baltimores.


    Zitat

    Um so bewunderswerter, dass er seinen Weg trotzdem macht und den Mumm hat, sich von seinem Vater so knallhart abzunabeln. Es hat es ja wirklich versucht und seinem Vater Chancen gegeben, den Kontakt wieder aufzunehmen. Ich glaube, so schlecht ist er ohne diesen Vater gar nicht dran.


    Das sehe ich genauso. Der Vater gibt sich ja nicht mal Mühe.


    Zitat

    Er kann von Glück reden, dass er die Kurve weg von seinem vorherigen Vorbild mit dem Revolver im Hosenbund geschafft hat. Kinder brauchen ein Vorbild, aber sie können nicht immer differenzieren, was gut oder schlecht ist.


    Richtig. Und der Typ mit der Knarre im Hosenbund hat sich wohl zumindest ein bisschen für Woody interessiert, was sonst nie jemand zu tun schien. Kein Wunder, dass er sich ihm gerne angeschlossen hat.


    Zitat

    Mir gefällt der Teil in der Vergangenheit momentan noch besser als die Gegenwart, in der sich Marcus und Alexandra wieder annähern, auch wenn es eine etwas andere als die üblichen Liebesgeschichten sein dürfte - bei dem Hintergrund.


    Ich finde auch den Part in der Vergangenheit etwas mitreißender, wobei es mich schon auch sehr interessiert, was aus Marcus und Alexandra in der Gegenwart wird. Und Leo finde ich immer noch super.



    Ich finde es gerade nicht, aber war nicht irgendwo die Rede davon, dass es in der jüngeren Vergangenheit noch eine Katastrophe geben sollte?


    Ich habe es eigentlich die ganze Zeit so verstanden, dass es "nur" die eine Katastrophe gegeben hat, die von 2004.

    Be curious, be creative, be patient, be joyful.

    (Agnès Varda)

  • Nathan heißt er, das wurde ein- oder zweimal erwähnt.


    :redface: Ja, so ganz dunkel glaube ich mich zu erinnern. Von alleine wäre ich nicht mehr draufgekommen. Für mich ein Zeichen, dass die Eltern einfach unscheinbar sind.

  • Dicker macht seine Sache wirklich gut. Wir empfinden als Leser die Eltern genauso unauffällig, wie sie Marcus vorkommen.

    Be curious, be creative, be patient, be joyful.

    (Agnès Varda)

  • :redface: Ja, so ganz dunkel glaube ich mich zu erinnern. Von alleine wäre ich nicht mehr draufgekommen. Für mich ein Zeichen, dass die Eltern einfach unscheinbar sind.


    Ich hätte es auch nicht mehr sagen können. Es geht in dem Buch ja auch um die Baltimores. Trotzdem hätte ich gerne ein bisschn mehr erfahren. Zumindest zerstritten scheinen die Brüder nicht zu sein.
    Und ganz ehrlich - so schlecht ist êin mittelständisches Leben ja nun auch nicht. :breitgrins:

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