02 - Seite 91 bis 175 (einschließlich Kapitel 12)

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 31 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Kandida.


  • Dicker macht seine Sache wirklich gut. Wir empfinden als Leser die Eltern genauso unauffällig, wie sie Marcus vorkommen.


    Stimmt! :winken:


    Valentine - Diese Ähnlichkit zu Irving ist mir recht früh aufgefallen, wobei ich nicht gnz genau festmachen kann, was genau es ist.

    🐌


  • Valentine - Diese Ähnlichkit zu Irving ist mir recht früh aufgefallen, wobei ich nicht gnz genau festmachen kann, was genau es ist.


    So ganz genau kann ich es auch nicht sagen, aber irgendwie saugt einen diese Familiengeschichte richtig ein, wie es auch bei Irving oft der Fall ist, und auch dieses Springen zwischen Gegenwart und Vergangenheit macht Irving ja gerne. Ebenso die Art, Menschen und Orte und Geschehnisse zu beschreiben, detailliert, ohne fad zu werden. Man hat einfach das Gefühl, dass jedes Wort genau da hingehört, wo es steht.

    Be curious, be creative, be patient, be joyful.

    (Agnès Varda)

  • Hallo Ihr Lieben,


    auch mich hat die Geschichte weiter fest in ihren Fängen und ich bin immer noch sehr begeistert von dem Buch.


    Ich finde auch den Part in der Vergangenheit etwas mitreißender, wobei es mich schon auch sehr interessiert, was aus Marcus und Alexandra in der Gegenwart wird. Und Leo finde ich immer noch super.


    Ja, ich kann mich euch nur anschließen, dass mich der Teil in der Vergangenheit auch etwas mehr fesselt, als die Geschichte in der Gegenwart. Aber wohl vor allem aus dem Grund, da ich endlich wissen möchte, was sich da für eine Katastrophe ereignet hat und wieso sich Marcus daraufhin von Alexandra getrennt hat. Anscheinend wusste sie ja irgendwas, was sie ihm nicht gesagt hat und auf diesem Wissen ist dann aber etwas Schreckliches passiert.


    Die ersten dunklen Wolken ziehen ja schon am perfekten Baltimore-Himmel auf: Marcus ist eifersüchtig auf seine Cousins, weil sie andauernd mit Alexandra zusammen sein können und dichtet sich schon das Irrste zusammen. Dass sie auch noch seinen Liebesbrief an sie den anderen vorliest, fand ich richtig fies. Typisch Teenager, denken keine Sekunde darüber nach, was sie dem anderen damit antun... Aber ich habe mich schon gefragt, wann auch mal der Neid bei Marcus durchblitzt. Bis jetzt ist die Zeit in Baltimore für ihn immer die beste Zeit überhaupt, aber das muss auch hart sein, wenn ein quasi Fremder - Woody - bei den Baltimores aufgenommen wird und Marcus, als eigentlich engerer Verwandter ja immer nur anreisen kann. Da ist schon einiges an Zündstoff vorhanden und ich vermute, dass da einiges in die Richtung passieren wird. Schon die Anspielung am Ende des Abschnitts, dass Woody auch bei "Goldmann" aufhorcht, scheint ja ein Hinweis zu sein, dass das vielleicht Hillel irgendwann nicht mehr so gut findet?!?



    Dicker macht seine Sache wirklich gut. Wir empfinden als Leser die Eltern genauso unauffällig, wie sie Marcus vorkommen.


    Ja, das ist eine gute Feststellung. Marcus' Eltern sind für uns wirklich genauso unscheinbar, wie er sie wohl empfindet. Dabei scheinen sie ja sehr liebevoll zu sein und sehr in ihrem Sohn zu hängen, aber er sieht nur die glitzernde Welt der Baltimores... Muss für Eltern auch hart sein. Die Frage ist, was mit ihnen passiert ist? In der Gegenwart erwähnt Marcus sie ja gar nicht. Der Onkel ist ja anscheinend mittlerweile auch tod. Ist immer noch die Frage offen, was mit Anita passiert ist? Umfasst das Drama vielleicht mehr als nur die Cousins? Sind auch Marcus' Eltern davon betroffen? :gruebel:



    Mich erinnert die Situation mit Woody ein bisschen an den Film mit Sandra Bullock, als eine reiche Familie einen Jungen aus den Slums bei sich aufnimmt, ihn fördern und später auch adoptieren. Ich komme gerde nicht auf den Namen des Films, beruht aber auf einer wahren Begebenheit. "Blind Side" - Die große Chance.


    Ja, an den Film musste ich auch schon denken. Die Geschichte mit Woody ist da echt sehr ähnlich. Ich finde es klasse, wie er sich trotz diesen abweisenden Vaters und der schlimmen Zeit im Heim so gut entwickelt und ein wirklich prima Kerl ist. Schade, dass es irgendwann anscheinend zu einer Katastrophe kommt und er anscheinend kein langes Leben vor sich hat. :entsetzt:
    Ich finde es nämlich auch klasse, dass er sich auch schützend vor Stuart stellt und den nächsten Schwachen beschützt. Die Beschreibungen, wie sie Stuart immer in der Schubkarre wegfahren, finde ich klasse und musste da echt schmunzeln. Tolles Trio, auch wenn das Marcus nicht so richtig behagt.


    Hillel ist zwar schächlich von der Statur, dafür eindeutig nicht auf den Kopf gefallen. Wie er den Direktor mit dem Slip erpresst, fand ich echt großartig. Zwar frech, aber mutig und er hat ja für seinen Freund Woody gekämpft. Echt taff der Kleine!


    Liebe Grüße
    Tammy :winken:

    &WCF_AMPERSAND"Jeder der sich die Fähigkeit erhält, Schönheit zu erkennen, wird nie alt werden.&WCF_AMPERSAND" (Franz Kafka)


  • Ich musste lächeln bei Roys Beschreibung der Fernsehzuschauer. Er drückt sich zwar krass aus, aber Recht hat er. Markus wehrt sich gegen seinen Auftritt und die Manipulation, aber viel hat er nicht zu sagen und macht schliesslich den Auftritt so, wie er von ihm gefordert wird. Markus ist "nur" der Autor und für Roy deshalb ohne Zukunft.


    Oh ja, das hat mir auch sehr gefallen, obwohl die Beschreibung der Kinogänger noch mehr, ich selbst gehe gerne ins Kino, denke aber beim Trailer schauen nicht ich sitze im falschen Film sondern der scheint auch interessant.


  • Mir gefällt das Buch ausgesprochen gut. Ich habe es im ersten Abschnitt einmal kurz erwähnt*, aber mich erinnert Dicker irgendwie an John Irving. Und das freut mich sehr, ist das doch einer meiner Lieblingsschriftsteller.


    Ich musste auch immer wieder beim lesen an John Irving denke, bin ich also nicht allein damit. :smile:

  • Mein letzter Irving ist zu lange her, deshalb kann ich keine Vergleiche ziehen.


    Ebenso die Art, Menschen und Orte und Geschehnisse zu beschreiben, detailliert, ohne fad zu werden. Man hat einfach das Gefühl, dass jedes Wort genau da hingehört, wo es steht.


    Jedes Wort, das da ist, steht zweifellos an der richtigen Stelle. Aber in Bezug auf die Menschen fehlt mir etwas, ohne dass ich genau festmachen kann, was es ist.


    Aber ich habe mich schon gefragt, wann auch mal der Neid bei Marcus durchblitzt. Bis jetzt ist die Zeit in Baltimore für ihn immer die beste Zeit überhaupt, aber das muss auch hart sein, wenn ein quasi Fremder - Woody - bei den Baltimores aufgenommen wird und Marcus, als eigentlich engerer Verwandter ja immer nur anreisen kann.


    Das stelle ich mir auch nicht gerade prickelnd vor. Ich finde, Marcus steckt das noch ganz gut weg. Zum Glück bekommt er nicht täglich mit, wie Woody dort behandelt wird. Aber wenn Marcus selbst dort ist, wird er von den anderen Jungs nicht ausgegrenzt, auch nicht, als Scott zu ihnen dazustößt. Es ist wie im richtigen Leben: Man macht sich wegen seiner Gedanken mehr verrückt als wegen Dingen, die tatsächlich passieren.

  • Ich bin immer noch hin und weg, Joel Dicker hat einen sehr schönen Schreibstil, man hat das Gefühl als ob er einen gegenüber sitzt und im netten Plauderton die Geschichte erzählt, mir gefallen besonders die Abschnitte in der Vergangenheit.


    Die drei bzw. vier Jungs sind jeder für sich großartig, und alle so liebenswürdig das sie besonders Marcus verstehen kann warum der eine von dem anderen gemocht wird, und man nicht lange eifersüchtig auf einander ist, bzw. Marcus. Toll fand ich wie die Jungs Wahlkampf für Bill Clinton führen und sich freuen als er gewinnt. Hillel ist echt ein wahnsinnig schlauer Kerl, was der schon alles weiß und nicht nur das, er scheint sich immer seine eigene Meinung zu Bilden, und das schon in so jungen Jahren.
    Ich freue mich das Woody eine so tolle Ersatz Familie gefunden hat, auch wenn es noch an seinen richtigen Vater hängt, was für eine Szene als er seinem Vater seinen Namen zurück gibt. Woody hat sein Herz am rechten Fleck.
    Mir kamen die vier Jungs wie die Clique aus Stephen Kings Roman "Stand by me" vor, solche Freunde hat man nur einmal im Leben, zur besten Zeit seines Lebens.


    Alexandra und Marcus kommen sich jetzt wieder was näher, traurig zu erfahren warum die beiden gar keinen Kontakt mehr hatten, immer diese Klatschpresse, dachte aber das berühmte/betroffene Leute so schlau sind denen nicht alles ab kaufen, hätte doch einer von beiden sich mal bei dem anderen gemeldet.


    In diesem Abschnitt gab es wirklich sehr viele tolle Szenen. Bin gespannt wie es weiter geht und wie alle Fäden zusammen geführt werden, und wir endlich erfahren was für eine Katastrophe passiert ist.

    Einmal editiert, zuletzt von Nad ()


  • Mein letzter Irving ist zu lange her, deshalb kann ich keine Vergleiche ziehen.


    Ja, das ist bei mir auch so, daher kann ich zu dem Vergleich mit Irving auch nicht viel sagen. :redface:


    Das stelle ich mir auch nicht gerade prickelnd vor. Ich finde, Marcus steckt das noch ganz gut weg. Zum Glück bekommt er nicht täglich mit, wie Woody dort behandelt wird. Aber wenn Marcus selbst dort ist, wird er von den anderen Jungs nicht ausgegrenzt, auch nicht, als Scott zu ihnen dazustößt. Es ist wie im richtigen Leben: Man macht sich wegen seiner Gedanken mehr verrückt als wegen Dingen, die tatsächlich passieren.


    Ja, da hast du Recht, das ist hier auch wieder schön dargestellt: Marcus macht sich voll den Kopf, wenn er nicht da ist und in Wahrheit ist das alles gar nicht so schlimm.



    Alexandra und Marcus kommen sich jetzt wieder was näher, traurig zu erfahren warum die beiden gar keinen Kontakt mehr hatten, immer diese Klatschpresse, dachte aber das berühmte/betroffene Leute so schlau sind denen nicht alles ab kaufen, hätte doch einer von beiden sich mal bei dem anderen gemeldet.


    Ja, schlimm, dass sie immer nur die Neuigkeiten aus der Klatschpresse für bare Münze genommen haben und sich so ein Teufelskreislauf ergeben hat. Gespannt bin ich aber darauf, was da genau passiert ist und warum Marcus dann mit Alexandra Schluss gemacht hat. :lesen:


    Liebe Grüße
    Tammy :winken:

    &WCF_AMPERSAND"Jeder der sich die Fähigkeit erhält, Schönheit zu erkennen, wird nie alt werden.&WCF_AMPERSAND" (Franz Kafka)

  • Zu Anfang dieses Abschnitts entstand bei mir der Eindruck, dass Woody Hillels Nähe vor allem wegen dessen Eltern zu suchen scheint. Dabei agiert er aber durchaus zurückhaltend – oder sollte man sagen, vorsichtig? Die ganze Beschreibung der Entwicklungen, die dazu führten, dass Woody zu den Baltimores kam, deutet darauf hin, dass die Initiative dazu, ihn endgültig bei sich aufzunehmen, von den Baltimores kam. Ich habe irgendwie dennoch den Eindruck, dass es nicht unbedingt so war.


    Jedenfalls ist Woodys Vater eine einzige Enttäuschung, dennoch hat er sein Gutes, indem er Woody zum Fußball bringt – langfristig gesehen ist das ja eine sehr zentrale Begabung, die seine Zukunft nachhaltig prägt. Und nicht nur seine, sondern auch die seiner Freunde und Bezugspersonen.


    Marcus wird angeblich in sein Verhältnis mit Lydia Gloor gezwungen - auch da bin ich mir nicht ganz sicher, ob es tatsächlich so ist. Marcus ist ja der Erzähler und hat uns dadurch alle so ein bisschen in der Hand: er kann uns Leser durch das was er sagt, manipulieren – und ebenso durch das, was er nicht sagt.


    Wobei, einiges erfahren wir ja schon, so bspw. Die Geschichte seiner Eifersucht, die aber seltsamerweise nicht Woody trifft (das hätte ich logisch gefunden), sondern Scott. Aber dem verdankt er ja auch was, nämlich die Bekanntschaft der schönen und charismatischen Alexandra!


  • Klasse fand ich Scott und die Schubkarre und dass die beiden so pragmatisch und tatkräftig eine Lösung gefunden haben, wie ihr kranker Freund im Rahmen seiner Möglichkeiten an ihren Sportplatzabenteuern teilhaben kann. Mich hat dann auch gefreut, dass sie auf dieselbe Highschool gehen, auch wenn die Eltern von Hillel und Scott davon ja nicht so angetan waren.


    Das fand ich auch toll und sehr integrativ. Im Moment sind mir Hillel und Woody um einiges sympathischer als der Erzähler Marcus.


  • Zu Anfang dieses Abschnitts entstand bei mir der Eindruck, dass Woody Hillels Nähe vor allem wegen dessen Eltern zu suchen scheint. Dabei agiert er aber durchaus zurückhaltend – oder sollte man sagen, vorsichtig? Die ganze Beschreibung der Entwicklungen, die dazu führten, dass Woody zu den Baltimores kam, deutet darauf hin, dass die Initiative dazu, ihn endgültig bei sich aufzunehmen, von den Baltimores kam. Ich habe irgendwie dennoch den Eindruck, dass es nicht unbedingt so war.


    Ich glaube, das hat sich einfach so ergeben. Woody wollte sich auf irgend eine Weise bei Saul bedanken und freundete sich dabei mit Hillel an. Freundschaft entsteht einfach, das lässt sich nicht bewusst steuern. Und ebenso unbewusst kam es dazu, dass Woody immer mehr ein Teil der Familie wurde. Das entstand nicht auf jemandes Initiative hin. Solche auf natürliche Weise gewachsenen Beziehungen halten auch viel länger. Keiner hat dabei das Gefühl, dass er dazu veranlasst wurde, jemanden zu mögen. Das sind ganz ehrliche Empfindungen

  • @ Doris
    Ganz genau!
    Wie entstehen Freundschaften? Doch eigentlich nie geplant. Es passiert einfach.
    Man lernt jemanden kennen, hat die gleichen Interessen oder ist sich einfach sympathisch, möchte
    Zeit miteinander verbringen. Sucht die Nähe des anderen, weil man ich bei ihm oder mit ihm wohlfühlt.
    So jedenfalls geht es mir mit meinen Freundschaften.
    Und manchmal entstehen gerade aus Notsituationen, weil man spontan helfen möchte oder weil man im richtigen Moment den Menschen trifft, den man gerade braucht, richtig gute Freundschaften.

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