Brigitte Glaser - Bühlerhöhe

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

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    Köln und der Schwarzwald beziehungsweise Baden - das sind die Lieblingskulissen der Autorin Brigitte Glaser, die sie bereits häufig in ihren Krimis um die Kölner Köchin Katharina Schweitzer eingesetzt hat.


    Diesmal spielt die Handlung im Schwarzwald, nämlich im vornehmen Hotel Bühlerhöhe und was uns hier erwartet, ist kein lupenreiner Krimi, sondern sehr viel mehr: nämlich ein historischer Roman mit zahlreichen Spannungselementen, in dem auch das Rheinische nicht zu kurz kommt und zwar nicht allein deswegen, weil der erste Bundeskanzler in Nachkriegsdeutschland, Konrad Adenauer, im Mittelpunkt steht.


    Nein, nein - eine Hauptfigur ist er nicht, doch man kann ihn durchaus als Dreh- und Angelpunkt des Geschehens bezeichnen! Denn er reist 1952 in den Schwarzwald, um dort seinen wohlverdienten Kurzurlaub zu verleben - und das ruft eine Menge von Akteuren auf den Plan, so auch die Jüdin Rosa Silbermann, Kölnerin wie Adenauer, die rechtzeitig ins gelobte Land emigriert ist und Mitarbeiterin des Geheimdienstes ihres Landes ist. Sie soll ein Attentat gegen den Bundeskanzler verhindern und zwar ausgerechnet eines, das von ihren Landsleuten geplant wird, einer revolutionären Organisation, die die ersten Annäherungs- und Wiedergutmachungsversuche der Bundesrepublik verhindern will.


    Eine ganze Reihe faszinierender Charaktere - Figuren sind definitiv eine Stärke der Autorin und hier hat sie aus meiner Sicht ihr Meisterstück abgeliefert - geben sich hier quasi die Klinke in die Hand und gestalten das spannungsreiche Geschehen, dessen wesentlicher Ausgang sich ein kleines Bisschen zu früh abzeichnet. So ahnt der geneigte Leser bereits, wie der gewaltige Showdown enden wird, doch ist die Geschichte so dicht, spannend und mitreißend, dass dies meine Begeisterung nur ganz geringfügig geschmälert hat.


    In einem Punkt ist sich die Autorin absolut treu geblieben - ihren Figuren wird nie ein uneingschränktes Glück beschert. Doch das ist nicht als Kritik gedacht, obwohl ich das gerade Rosa, die aus meiner Sicht durchaus eine Sympathieträgerin ist, von Herzen gegönnt hätte.


    Insgesamt bin ich absolut begeistert von diesem faszinierenden und außergewöhnlichen Roman und hoffe sehr, dass Brigitte Glaser sich von diesem für sie neuen Genre - dem historischen Roman - nicht so schnell verabschieden wird!
    5ratten

  • Deutschland, blutig Vaterland


    Rosa Silbermann ist Jüdin, geboren in Deutschland, in den Dreißigern zusammen mit ihrer Schwester nach Palästina emigriert. Sie war damals gerade 14, ihre Schwester Rachel zwei Jahre älter. Die Nazis haben alle anderen Mitglieder ihrer Familie ermordet. Niemals wollte sie nach Deutschland zurück, zu sehr quälen sie die Erinnerungen, und doch kehrt sie zurück auf Forderung des israelischen Geheimdienstes. Es ist 1952, nur wenige Jahre nach dem Krieg, und Adenauer will Wiedergutmachung in Form von Geld für Israel leisten. Das geht nicht nur den alten Naziseilschaften gegen den Strich, sondern auch Radikalen Juden, die keinen einzigen "blutigen" Pfennig des Landes annehmen wollen, das für den Mord an ihrem Volk verantwortlich zeichnet. Ein Attentat auf Adenauer ist geplant, während seines Aufenthalts auf der Bühlerhöhe, einem Luxushotel im Schwarzwald. Rosa, die dort aufgewachsen ist, soll dem Agenten Ari als kenntnisreiche Begleitung dienen, doch schon bei ihrer Ankunft geht alles schief.


    Manchmal kommen einem Romane unter, denen man nicht annähernd zutraut, was sie zu bieten haben. Bühlerhöhe ist einer davon. Er ist kein actionreicher Thriller, kein Agentenroman á la James Bond, trotz oder gerade deshalb ist er viel mehr. Anhand von drei Frauenschicksalen (klingt jetzt kitschig nach Frauenroman, ist es aber nicht!), gelingt es Glaser, in einer ruhigen und intensiven Erzählweise das Nachkriegsdeutschland sowie die jüdische Lebensweise in einem Kibbuzim auferstehen zu lassen, mit einer Eindringlichkeit, die geradezu filmreif ist. Nicht einmal habe ich an den Ereignissen oder Erlebnissen gezweifelt oder irgendwas hinterfragt, ganz im Gegenteil. Für mich hätte alles so stattfinden können, jede einzelne Minute, jede einzelne Person war authentisch und menschlich, ganz egal, ob ich diese Person mochte oder nicht. Es gab extrem kluge Gedanken, die hier und da eingestreut wurden, wie zum Beispiel Rachel, die mit einem jüngeren Araber zusammenlebt - etwas, das tabu, verpönt war, doch sie sagt selbst: Haben die Nazis nicht schon genug Rassentrennung geschaffen? Oder zum Schluss, als ein Katholike, ein Protestant und ein Jude gemeinsam (und als Freunde) vor dem Kanzler musizieren; geradezu die Ringparabel in Reinform. Der Schluss mehr bitter als süß und perfekt auf die Grundstimmung des Buches abgestimmt, einfach nur genial. Absolute Leseempfehlung.

  • Attentat auf Bundeskanzler Adenauer
    Vier Wochen vor der Ankunft des Kanzlers auf Bühlerhöhe. Rosa wird in Omarim abgeholt, denn Oz Sharet will sie sprechen…
    Nur widerwillig geht Rosa auf Oz Forderung ein. Mit Tanger, hat er sie locken können….


    Rosa soll mit einem Mann, der sich als ihr Ehemann ausgeben wird, den Kanzler beschützen. Denn der Mossad traut den Beschützern des Kanzlers anscheinend nicht allzuviel zu…


    Doch als Rosa ihren ‚Mann‘ am Bahnhof abholen will, kommt er nicht, auch am nächsten Tag nicht…..
    So fährt Rosa allein zum Hotel Bühlerhöhe. Die Empfangsdame scheint ihr nicht so recht zu trauen. Sie glaubt ihr die Ausrede, ihr Mann sei in Paris aufgehalten worden, wohl nicht….


    Im Hotel Hundseck wird ein Mann vermisst. Er heißt Nourridine….


    Als der Kanzler kommt, ist Ari immer noch nicht da. So geht Rosa mit Staatsanwalt Brassel zu Adenauers Frühschoppen. Rosa hat von ihrer Schwester ein Telegramm bekommen in ihrer früheren Geheimschrift. Sie soll in Brühl auf dem Postamt ein Gespräch mit ihr führen. Rachel ist stocksauer auf Oz….


    Und an diesem Nachmittag kommt Ari…


    Der Wagen des Kanzlers hatte einen ‚Unfall‘, zum Glück saß er nicht drinnen…. Doch es bleibt nicht der einzige Anschlag auf Adenauer….


    Was will Oz von Rosa? Warum ausgerechnet sie? Nur weil sie sich dort auskennt? Wieso hat Oz Rosa mit Tange locken können? Wieso traut der Mossad den Kanzlerbeschützern nichts zu? Warum kommt Ari nicht? Weder am ersten noch am zweiten Tag? Warum ist die Empfangsdame so misstrauisch? Ist Ari wirklich aufgehalten worden? Wo ist Nourridine abgeblieben? Warum ist Rachel so sauer auf Oz? Wieso kommt Ari erst jetzt? War es wirklich ein Unfall, der den Kanzlerwagen ereilte? Was passiert noch? Alle diese Fragen – und noch viel mehr – beantwortet dieses Buch.


    Meine Meinung
    Es ist das erste Buch, das ich von dieser Autorin gelesen habe. Es ließ sich leicht und flüssig lesen. Auch ist der Schreibstil der Autorin weitgehend unkompliziert, es stellten sich mir keine Fragen nach dem Sinn und Zweck von Wörtern oder gar ganzen Sätzen. Ich war auch recht schnell in der Geschichte drinnen. In den Kapitelüberschriften wird immer erwähnt, wo man sich gerade befindet. Die Autorin erzählt anschaulich wie Rosa vorgeht, denn sie muss ja eine Ausrede für die Abwesenheit ihres ‚Mannes‘ finden. Ich habe mich allerdings gewundert, dass es so lange gedauert hat, bis er glücklich da war. In die Protagonisten konnte ich mich gut hineinversetzen. Auch in Agnes und Walburg, die der Leser auch kennenlernen wird, wobei ich um die beiden etwas Angst hatte. Auf jeden Fall war das Buch spannend, auch wenn die Spannung nur ganz langsam stieg. Aber die Vorbereitungen vor dem Kanzlerbesuch gehörten natürlich auch dazu. Zum Glück saß Adenauer nicht im Auto, er ist gewandert. Aber der Chauffeur tat mir leid. Auch wenn das Buch ab und zu Längen aufwies, so hat es mit doch sehr gut gefallen. Und die Überraschung am Ende tat ein Übriges. Allerdings kann ich wegen der Längen nicht die volle Bewertungszahl geben.

    Liebe Grüße

    Lerchie

    ____________________________

    nur wer aufgibt, hat schon verloren

  • Was für eine tolle Geschichte, die sich auf meiner Jahresbestenliste 2016 ziemlich weit vorne ansiedelt.


    Bundeskanzler Konrad Adenauer möchte seinen Urlaub auf der Bühlerhöhe verbringen. Da von verschiedenen Seiten Morddrohungen existieren u. a. auch von einer israelischen Extremistengruppe, soll Rosa, die für den israelischen Geheimdienst arbeitet, den Bundeskanzler beschützen.
    Doch da gibt es noch die sehr ergeizige und misstrauische Hausdame Sophie Reisacher, die gesellschaftlich aufsteigen möchte und Rosa daher einige Steine in den Weg legt.
    Sie und von Droste, der Sicherheitschef des Kanzlers machen es Rosa alles andere als leicht, Herrn Adenauer immer im Blickfeld zu haben.


    Es ist enorm, was die Autorin aus der Geschichte gemacht hat.
    Alle Protagonisten sind sehr lebendig dargestellt und wir erfahren soviel aus deren früheren Leben.
    Rosa emigrierte in den dreißiger Jahren aus Köln nach Palästina. Auch Sophie mußte ihre Heimatstadt Straßburg verlassen und Agnes ein Zimmermädchen erlebte mit ihrer Schwester Waltrud ein traumatisches Erlebnis, dass deren ganzes Leben beeinflußt. Als dann auch noch jemand verschwindet, traut keiner mehr dem anderen.
    Die ganze Geschichte ist sehr flüssig geschrieben, sehr bildreich und durchgehend spannend, sodaß man das Buch kaum aus der Hand legen kann.



    Ich kannte die Autorin bis jetzt leider nicht, werde aber mit Sicherheit noch einige von ihren anderen Büchern lesen.


    Hier gibt es von mir die volle Punktzahl und eine absolute Leseempfehlung.


    5ratten :tipp:


    LG Karin

  • Konrad Adenauer plant einen Aufenthalt auf der Bühlerhöhe. Auf ihn ist ein Anschlag geplant. Der israelische Geheimdienstes will aus wirtschaftlichen Interessen verhindern, dass Adenauer etwas passiert und schickt die junge Rosa Silbermann in das Nobelhotel Bühlerhöhe. Rosa arbeitet zwar für den Geheimdienst, ist aber keine Agentin, doch sie kennt sich in der Gegend gut aus. Ein Agent wird ihr zur Seite gestellt, der aber erst im Schwarzwald dazu stoßen soll, die beiden sollen als Ehepaar auftreten. Aber Ari erscheint nicht und so muss Rosa sehen, wie sie zurechtkommt. Auf der Bühlerhöhe führt die misstrauische Hausdame Sophie Reisacher ihr Regiment.


    Die Buchbeschreibung hatte mich gleich angesprochen und ich muss nun sagen: Ich wurde nicht enttäuscht. Alles rankt sich um Konrad Adenauer, aber er spielt nur eine Nebenrolle. In der Hauptsache geht es um die agierenden Frauen in dieser Geschichte.


    Der wundervolle Schreibstil hat mich begeistert. Ich habe mich in den Schwarzwald versetzt gefühlt und konnte die Atmosphäre dieses Hotels miterleben. Die Charaktere sind interessant und gut beschrieben. Rosa ist in Köln gebürtig und war als Kind im Schwarzwald in Ferien. Das ist nicht unbedingt etwas, das sie für einen Auftrag des Geheimdienstes prädestiniert und so kommt es, wie es kommen muss, es läuft nicht alles glatt. Sophie ist misstrauisch, neugierig und schreckt vor nichts zurück, um sich Informationen zu beschaffen. Rosa mag sie von Anfang an nicht.


    Es hat ein wenig gedauert, bis die Geschichte in Schwung kam, aber dann ist sie spannend und beschert immer wieder unverhoffte Wendungen. Die Nachwirkungen des Krieges sind noch überall spürbar und die Menschen versuchen immer noch mit der Vergangenheit fertig zu werden. Wir lernen ganz nebenbei ein Stück Zeitgeschichte kennen.


    Ein spannende Geschichte mit interessanten Persönlichkeiten.


    5ratten

  • Wow, das sind ja tolle Rezensionen! :klatschen: Bin gerade ganz überrascht, denn mir ist das Buch noch gar nicht begegnet - aber nun habe ich entdeckt, dass es erst wenige Tage alt ist.
    Ihr habt mich auf jeden Fall überzeugt - ich werde es in den nächsten Tagen besorgen! :winken:

    Liebe Grüße

    Tabea

  • Meine Meinung:


    "Bühlerhöhe", ich gebe zu, dies war mir vor der Lektüre nur ein sehr wager Begriff. Brigitte Glaser hat um dieses Hotel, in dem Adenauer wirklich auch Urlaub gemacht hat ihre Handlung aufgebaut. Mich hat der Roman auch deshalb überzeugt, weil es ihr gelungen ist, die Mentalität der Nachkriegszeit darzustellen ohne dabei nur Stereotype zu zeichnen. Ich hatte das Gefühl wirklichen Menschen zu begegnen.


    Dabei baut Glaser ihre Geschichte rund um drei Frauen auf, die die Zeit des Nationalsozialismus höchst unterschiedlich erlebt und überlebt haben.
    Rosa Goldmann ist eine Jüdin, deren Familie fast gänzlich ermordet wurde (nur eine Schwester hat mit ihr überlebt). Vor allem ihre Zwiespältigkeit den Menschen gegenüber, ich konnte sehr gut nachvollziehen, weshalb sie in diesem Land nie wieder wohnen kann. Trotzdem ist da auch gleichzeitig ihr Heimweh, das sie trotz allem plagt. Persönlich interessiere ich mich für jüdische Geschichte nach 1945, speziell auch in Deutschland. Die genaueren Zusammenhänge, wie Deutschland und Israel gerade auch in den frühen Jahren der BRD miteinander verknüpft waren, war mir dabei tatsächlich nicht so klar. Dazu hat mir die Autorin einen ersten Eindruck verschafft.


    Sophie Reisacher dagegen versucht vor allem in ihrem Leben, immer wieder weiter zu kommen. Eine dieser kleinlichen Personen, die nur an sich selbst denken und das jeweilige System geschickt für sich zu nutzen wissen. Wer sich fragt, weshalb eigentlich der Nationalsozialismus so erfolgreich sein konnte, findet gerade auch in ihr eine der vielen möglichen Antworten darauf. Und auch darauf, wie es ein kann, das nach dem Krieg dann auf einmal alle schwiegen.
    Trotzdem versucht Brigitte Glaser verschiedene Fassetten der Geschichte aufzubereiten. Agnes und ihre Schwester Walburg sind dafür ihre Mittel um zu zeigen, noch einmal einen neuen Blickwinkel kennen zu lernen. Ihr Hof wurde bei Kriegende von den französischen Truppen geplündert.


    Nicht immer macht die Autorin es einem dabei einfach. Mit keiner der drei Frauen wurde ich wirklich warm, alle sind sie sperrig und nicht so leicht zu erhaschen. Alle haben sie ihre Motive, weshalb sie bestimmte Dinge verheimlichen wollen. Gerade dieser Aspekt hat mich persönlich sehr überzeugt. Diese ganze Schweigekultur in den 50er Jahren, das beschreibt Glaser einfach sehr glaubwürdig. Das Schweigen führt zu Stille auf allen Seiten. Die einen schweigen, weil sie sonst zugeben müssten, was ihre Schuld ist, die anderen weil sie sich schämen und wieder Andere weil sie Schweigen sollen.


    Konrad Adenauer war 1957 tatsächlich nicht sicher vor Attentaten. Die sogenannten Wiedergutmachungsverhandlungen mit Israel, gefielen vielen Menschen, sowohl auf deutscher aber auch auf israelischer Seite, nicht. Ich fand das diese Kulisse als Rahmen sehr gelungen ist. Die Ereignisse spiegeln die Geschichte und geben jeder Seite Raum. Glaser schafft es meiner Meinung nach sehr gut, die Stimmung der Zeit einzufangen. Mich hat eher die Geschichte rund um das Attentat nicht immer überzeugt. Auch wenn die Lösung, wer hier wohl der Attentäter sein könnte, interessant ist. Ganz rund erzählt war sie für mich nicht. Mir hat da etwas Raum für diese Figur gefehlt. Trotzdem wäre der Roman ein anderer, wenn er nicht genauso erzählt worden wäre.


    Für mich daher:
    4ratten

  • Im Rahmen der Juli-Monatsrunde lese ich Brigitte Glaser - Bühlerhöhe


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    Inhalt:


    Deutschland, 1952: Rosa Silbermann reist mit einem geheimen Auftrag in das Nobelhotel Bühlerhöhe. Sie soll Bundeskanzler Konrad Adenauer schützen. Rosa ist in den dreißiger Jahren aus Köln nach Palästina emigriert und arbeitet für den israelischen Geheimdienst. Ihre Gegenspielerin ist die misstrauische Hausdame Sophie Reisacher, die ihre Heimatstadt Straßburg verlassen musste und für den gesellschaftlichen Aufstieg alles geben würde. Rosa und Sophie wissen, was es heißt, wenn ein ganzes Land neu beginnen will. Beide verfolgen ihre eigenen Pläne.


    Vor dem Hintergrund der jungen Bundesrepublik erzählt dieser Roman von zwei Frauen mit Vergangenheit und einem geheimen Auftrag.


    Meine Leseeindrücke:


    Bis jetzt, ich habe fast bis zur Buchmitte gelesen, ist Konrad Adenauer noch gar nicht in Erscheinung getreten, aber es hat sich schon so einiges ereignet (bis hin zu einem Mord, oder war es ein Unfall?) und es scheint sich etwas zusammenzubrauen. Ich finde es sehr spannend, wie die Autorin die Figuren und ihre Begegnungen entwickelt. Bei manchen, so zum Beispiel der Hausdame der Bühlerhöhe Sophie Reisacher, weiß man nicht, was für ein Spiel sie spielen und was ihre Ziele sind. Rosa Silbermann alias Goldberg wirkt da schon klarer, sie ist hier wohl die Sympathieträgerin, obwohl ich finde, dass sie manchmal recht ungeschickt agiert und es zuviele Zufälle gibt.


    Interessant ist die so unterschiedliche Vergangenheit dieser beiden Frauen, und auch die Geschichte von Agnes und Walburg, zwei einheimischen Frauen, die ihr eigenes Kriegstrauma haben. Die meisten Männer in der Geschichte sind bis jetzt auch schön undurchsichtig. Ich weiß noch nicht, aus welcher Ecke der Attentäter zuschlagen wird, finde aber die historischen Hintergründe (Meinungsverschiedenheiten in Israel über das Wiedergutmachungsabkommen mit Deutschland) sehr schön in das Buch eingewoben. Auch Aspekte des deutsch-französischen Verhältnisses kommen zur Sprache.


    Adenauer war ja tatsächlich auf der Bühlerhöhe zu Gast. Die Kapitel sind mit den jeweiligen Ortsangaben (Bühlerhöhe, Hundseck, Baden-Baden usw.) übertitelt. Da ich diese Schwarzwaldgegend vom Wandern ganz gut kenne, bin ich direkt mit dabei, wenn Rosa Silbermann dort durch den Wald läuft, stehe mit ihr am Bahnhof Baden-Baden-Oos und kann mir alles sehr gut vorstellen - auch wenn ich die Bühlerhöhe nur von außen gesehen habe (das Hotel ist seit einigen Jahren geschlossen) und das Kurhaus Hundseck heute leider auch nur noch eine Ruine ist.


    Jetzt hoffe ich, dass die Personen zur Genüge eingeführt worden sind und Adenauer bald die Bildfläche betritt...

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    Was A über B sagt, sagt mehr über A aus als über B.

    Einmal editiert, zuletzt von kaluma ()

  • Meine Meinung:


    Ich habe das Buch im Rahmen der Juli-Monatsrunde gelesen, dort habe ich bereits meine ersten Leseeeindrücke gepostet.


    Abschließend kann ich sagen, dass ich dieses Buch sehr gern gelesen habe. Das lag zu einem Gutteil an dem Schwarzwälder Lokalkolorit. Die meisten beschriebenen Schauplätze kenne ich sehr gut (mit Ausnahme der Gebäude, die z.T. nicht mehr existieren wie zum Beispiel das Kurhaus Hundseck). Aber das Schwarzwaldflair ist meiner Meinung nach sehr gut getroffen und auch die Redeweise der Menschen, in den Kapiteln aus Sicht der einheimischen Frauen Agnes und Walburg.


    Adenauer selbst bleibt trotz der Verwendung von Originalzitaten im Text sehr blass und wurde gar nicht vor meinen Augen lebendig. Umso intensiver sieht man beim Lesen die sehr unterschiedlichen Frauengestalten vor sich, um die es im Buch wohl eigentlich geht. Sophie Reisacher, die ihre eigenen Pläne zielstrebig verfolgt, aber eine unangenehme Person ist. Rosa Silbermann, die sympathischer ist, aber als Agentin nicht ganz glaubwürdig, da sie manchmal recht naiv und unverständlich handelt. Und über allem liegt ein großes Schweigen, eine Sprachlosigkeit, wie Holden schon festgestellt hat. Vieles spricht man eben nicht an. Würde mehr geredet, hätte es so manche Verwicklung nicht gegeben.


    Die Attentate auf Adenauer spielen am Ende keine besonders große Rolle. Zwischendurch ging es mir zu sehr um die persönlichen Befindlichkeiten der Damen Reisacher und Silbermann, und es wurde mir zuviel hin- und hergerannt. Bis zum Showdown am Ende muss man lange warten, und einiges ist sehr vorhersehbar. Zum Beispiel war mir die Person des Attentäters schon von Anfang an verdächtig

    und spätestens auf S. 344 hätte es auch Rosa Silbermann sonnenklar sein müssen, mit wem sie es zu tun hat und wer der ominöse 6. Mann ist. Dass sie darauf nicht reagiert, war mir unverständlich, auch wenn es am Ende im Nachhinein hieß, dadurch wäre ihr Misstrauen gesät worden - im Text selber reagierte sie jedenfalls nicht und zog auch keinerlei Konsequenzen. Ich fand schon irritierend, dass die Autorin das so eingebaut hat, ohne dann darauf einzugehen.


    Die historischen Hintergründe waren interessant und gut in die Handlung eingewoben und wurden in den Nebenfiguren plastisch erfahrbar.


    Insgesamt eins der besseren Bücher, die ich in diesem Jahr gelesen habe, und ich werde von der Autorin noch mehr lesen.


    4ratten

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  • Ich habe diesen Roman letztes Jahr gelesen und fand ihn auch überraschend gut. Die Autorin war mir bis dato auch unbekannt, meine Mutter hatte mir den Roman gegeben und sehr ans Herz gelegt, da sie selber als Kind öfter auf der Bühlerhöhe Urlaub gemacht hat (ansonsten hätte ich ihn vermutlich nicht gelesen).
    Ich war aber sehr positiv überrascht. Zunächst einmal war es interessant, einen historischen Roman aus den frühen 50er Jahren zu lesen, da sind mir noch nicht viele untergekommen. Gewisse Hintergrundinformationen waren mir nicht so bekannt wie z.B. die schon erwähnten Beziehungen zwischen Deutschland und Israel. Wie Holden schreibt ist die Schweigekultur in dieser Zeit sehr gut dargestellt und generell der (meist vergebliche) Versuch aller, den Krieg mit all seinen Ereignissen und Schrecklichkeiten möglichst zu verdrängen. Man vergisst ja recht schnell wenn man z.B. Filme aus dieser Zeit sieht, dass der Krieg zu diesem Zeitpunkt kaum 10 Jahre her war.
    Mich hat der Roman tatsächlich sehr gefesselt, auch wenn ich mit keiner der Protagonistinnen warm geworden bin, aber das muss ja nicht sein.


    Das Ende fand ich dann aber leider sehr schnell und unausgegoren, es wirkte so auf mich als wären der Autorin Zeit, Platz oder Ideen ausgegangen. Die Entwicklung bzgl. des Attentats fand ich auch wenig überraschend, da wurde Rosa doch etwas (zu) naiv dargestellt. Ich fand das Ende ein wenig enttäuschend, weil ich den Rest aber äußerst gelungen fand was Thematik, Schreibstil und Aufbau anging, gibt es doch noch


    4ratten

    Die Literatur gibt der Seele Nahrung,<br />sie bessert und tröstet sie.<br /><br />:lesen:<br />Alfred Kerr: Die Biographie

  • Meine Meinung:

    Obwohl ich aus der Nachkriegszeit nicht viele Romane lesen mag, hat mir die Geschichte, die das Buch erzählt, sehr gut gefallen.


    Und das liegt zum ersten an den Hauptpersonen - Rosa, die Israelin, Sophie, die Hausdame des Hotels und Agnes, Einheimische - die von der Autorin sehr eindringlich dargestellt werden. Jede Person, nicht nur die drei Protagonistinnen, haben ihre Geschichte, die einen Großteil ihrer Handlungen bestimmt. Auch ihre Gefühle und Sehnsüchte nehmen einen breiten Raum ein und machen ihre Vorgehensweise so beim Lesen bestens verständlich und nachvollziehbar. Sympathiewerte kann ich keine vergeben, denn vor allem die drei Protagonistinnen sind sehr vielschichtig dargestellt. Sogar die Hausdame der Bühlerhöhe konnte mir gelegentlich ein Bedauern entlocken, obwohl sie fürwahr keine Sympathieträgerin ist.


    Zum zweiten hat mir der Schreibstil der Autorin gefallen, der sehr flüssig ist und sich auch im Wortschatz an die Zeitspanne anlehnt, um die es im Buch geht. Besonders sind mir noch die umgangssprachlichen Ausdrücke des badischen Dialekts im Ohr, wenn z.B. von einem "Drecksseckel" die Rede ist. Diese kleinen Akzente machen die Einheimischen sehr authentisch.


    Fazit:

    Ein spannendes und lesenswertes Buch, das eine Zeitspanne der Nachkriegsgeschichte sehr lebendig werden läßt.


    4ratten:marypipeshalbeprivatmaus:

  • Auf der Flucht vor dem Naziregime sind Rosa Silbermann und ihre Schwester Rachel wie viele andere Juden Mitte der 30er Jahre nach Palästina gegangen, um dort am Aufbau dessen mitzuwirken, was später der Staat Israel wurde. Das Leben in einfachen Verhältnissen im Kibbuz, die körperliche Arbeit und auch das Training an der Waffe stehen in krassem Gegensatz zum Aufwachsen der beiden in einem gutbürgerlichen Kölner Haushalt, doch Rosa hat sich gut eingelebt in ihrer neuen Heimat.


    Die Umstände, unter denen sie 1952 nach Deutschland zurückkehrt, hätte sie sich wohl nie träumen lassen: sie soll im Auftrag des Mossad zusammen mit einem erfahrenen Agenten im Luxushotel Bühlerhöhe bei Baden-Baden absteigen und dort ein Auge auf Bundeskanzler Adenauer haben. Aufgrund der laufenden Verhandlungen über Entschädigungszahlungen des deutschen Staates an die Opfer des Holocaust sieht man eine erhöhte Attentatsgefahr und fürchtet, im Fall der Fälle mit Adenauer einen wichtigen Fürsprecher der auf beiden Seiten höchst umstrittenen Zahlungen zu verlieren.


    Auf der Bühlerhöhe führt Sophie Reisacher ein strenges Regiment. Dem geschulten Auge der Hausdame entgeht keine Falte im Tischtuch und kein falsch gesetzter Knick im Paradekissen, entsprechend gefürchtet ist sie unter den Bediensteten. Die gebürtige Elsässerin hadert sehr mit den Folgen des Krieges und hütet sich, ihre Wurzeln preiszugeben. Insgeheim hofft sie, dass ihr Verehrer Xavier Pfister, ein Schweizer Industrieller, ihr bald einen Heiratsantrag machen wird und sie das Hotel hinter sich lassen kann. Aber bis es so weit ist (falls überhaupt), gilt ihr Adlerblick nicht nur den Untergebenen, sondern auch den Gästen - sie weiß viel mehr über deren Geheimnisse, als diese sich träumen lassen würden.


    Diese beiden ungleichen Frauen stehen im Mittelpunkt eines ausgesprochen atmosphärischen Romans über die noch junge Bundesrepublik und ihr braunes Erbe, mit dem man nicht in dem Maße abgeschlossen hat, wie es angemessen wäre. Alte Klüngel aus dem Dritten Reich funktionieren nach wie vor, Aufarbeitung der fatalen Ereignisse ist für die allermeisten ein Fremdwort, und es verwundert nicht, dass die Frage der Entschädigungen so hohe Wellen schlägt.


    Rosa stolpert ziemlich unverhofft in ihre Rolle als Spionin hinein und fühlt sich damit häufig überfordert und alleingelassen, zumal vor Ort dann auch vieles gar nicht nach Plan läuft, doch sie schlägt sich wacker und versucht ihr Bestes zu geben, während sie die Rückkehr in ihr ehemaliges Heimatland als ziemlich ambivalent empfindet.


    Sophie Reisacher ist arrogant, berechnend, manchmal schon fast krankhaft neugierig, unter der kühl-perfekten Fassade vom Leben frustriert, aber auch mit erstaunlichen Selbstzweifeln behaftet, kurz, wirklich keine Sympathieträgerin, aber trotzdem genau wie Rosa eine "runde", glaubhafte Persönlichkeit.


    Mich hat dieses Buch sehr fasziniert, nicht nur, weil es angenehm unreißerisch geschrieben ist. Brigitte Glaser hat einen ziemlich ernüchternden Blick auf die Anfänge der BRD und die Menschen im allgemeinen und schreibt in klarem, schnörkellosem Stil. Das ist keine Historienschmonzette, sondern ein gut recherchierter, auf zahlreichen Tatsachen beruhender und mit gut gemachten Figuren und Details ausgeschmückter Roman, der sich schwer in ein Genre pressen lässt. Zeitgeschichte mit badischem Lokalkolorit und Thrillerelementen trifft es wohl am ehesten.


    Abgesehen von ein paar Zufällen, die mir ein wenig zu gut ins Gesamtbild passten, ein rundum großartiges Buch, das zum Weiterrecherchieren einlädt.


    4ratten

    The three most important documents a free society gives are a birth certificate, a passport, and a library card.

    E. L. Doctorow