03 - Seite 178 bis 253

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

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    LG, Dani


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  • Erich möchte als Lehrer arbeiten, aber es war zu erwarten, dass die ihn nicht nehmen. Daher muss er einen schlecht bezahlten Job im Straßenbahndepot annehmen. Aber er ist mit seinen Gedanken sowieso nur noch bei Lottie, er ist ihr regelrecht verfallen. Mich wundert es, dass Roger nichts mitbekommt.


    Dann ist Emilie wieder da und möchte weitermachen, wo es geendet hat. Aber man kann nicht einfach weitermachen, zumal Erich gedanklich nicht bei ihr ist. Trotzdem wird Emilie schwanger.


    Nachdem Gustav zwei dann da ist, ist Emilie depressiv, überfordert und hat auch kein Geschick mit Gustav umzugehen. Für das Kind, in das so viele Hoffnungen gesetzt wurden, kann sie nun keine Gefühle aufbringen. Erich wird viel besser mit Gustav fertig. Das muss sie doch eigentlich verletzen, aber mir scheint, es ist ihr egal.


    Lottie beendet das Verhältnis, weil ihr nun auch der Sinn nach Familie mit Kind steht und das Kind soll von Roger sein. Aber nicht immer klappt das, was man unbedingt möchte. Lottie ist wirklich ein Mensch, der sich nimmt, was er gerade will. So möchte sie Erich wiedersehen, um mit ihm das Kind für Roger zu zeugen. Was sie damit in Erich auslöst, ist ihr egal. Der stirbt vor ihrer Haustür bevor sich die beiden sehen können.


    Emilie idealisiert Erich auch dann noch, als ihr klar wird, was geschehen ist. Erich war ein guter Mensch und die Juden sind schuld. Basta.


    Nachdem Erich nicht mehr da ist, wird das Leben schwerer für Emilie, keine Frage, aber an ihrem Verhältnis zu Gustav ändert sich zeitlebens nichts. Sie hat keine Gefühle für ihn und er wird ihr nie etwas recht machen können. Er ist so stolz auf sein Hotel, aber Emilie mosert. Ein gutes Wort muss doch auch dann einmal möglich sein, wenn die Gefühle für den anderen nicht so richtig da sind.


    Nachdem Irma stirbt, versucht Emilie diesen Teil ihres Lebens auszuradieren, sie verbrennt alles. Das Geld sorgt dann wenigstens für ein angenehmeres Leben und für eine Ausbildung Gustavs.


    Während Gustav sich zufrieden in seinem Hotel eingerichtet hat, trauert Anton den verpassten Chancen hinterher. Gustav jedoch glaubte immer, dass Anton zufrieden sei. So kann man sich in besten Freunden täuschen, jeder hat etwas, das nicht nach außen dringt.


    Schön fand ich, dass Gustav durch den Colonel den Anstoß bekam, sich mit seinem Vater zu beschäftigen. Schade, dass er nicht von sich aus auf eine solche Idee gekommen ist.

  • Ach Gott, wie bedrückend das alles ist. Man lernt die Leute viel besser verstehen. Eigentlich tun sie mir alle leid, aber am meisten Gustav, der total unschuldig an dem ganzen Dilemma ist. Erstaunlich, dass er etwas aus seinem leben macht, zufrieden ist, und trotz allem seine Mutter liebt und für sie sorgen möchte.


    Bei Anton sieht man, dass er viel zu verwöhnt wurde. Er hat sein Leben lang nicht gelernt, das Beste aus seiner Situation zu machen und damit glücklich zu sein. Schade.


    Schade auch, dass Emilie und Adriana sich nie wirklich kennenlernen, sie hätten sich vielleicht gegenseitig helfen können das Trauma eines verlorenen Kindes zu verarbeiten. Aber Emilie ist viel zu sehr in ihren Vorurteilen gefangen, um Adriana als Mitmenschen akzeptieren zu können, und natürlich lehnt Adriana Emilie ab, da sie weiß wie diese zu Juden steht.


    So viele verlorene Chancen, das ist tragisch.


    Wenigstens hat Irmas Zechprellerei Gustav dazu verholfen, die Gastronomieschule besuchen zu können, denn sonst wäre niemals so viel Geld da gewesen.

    Was ist wertvoller, Wissen oder Fantasie? Es ist die Fantasie, denn das Wissen hat Grenzen.  - Albert Einstein

  • Dass Erich es schwer hatte, einen neuen Job zu finden ist ganz schön ungerecht.
    Weshalb er Emilie wohl nicht gesagt hat, dass er ein Verhältnis mit Lottie hatte. Ob Lottie denn wohl so an Roger gehangen hat? Oder ob beide einfach so viel Angst vor der Meinung anderer hatten? Hätte ich von beiden jetzt eigentlich nicht so erwartet. Und dass Erich tatsächlich am Herzinfarkt und noch dazu vor Lotties Tür stirbt ist tragisch.
    Ich frage mich ja auch, ob nicht Emilie mit ihrem Besuch beim IF erst überhaupt irgendwas losgetreten hat? Vielleicht wäre wirklich nie etwas geschehen?
    Der Zeitsprung ins Jahr 1992 hat mich etwas verwirrt. Und nach wie vor finde ich es merkwürdig, dass die Geschichte bisher hauptsächlich Emilie und Erich behandelt. Nicht, dass es mir nicht gefällt, aber irgendwie habe ich mehr Gustav und Anton erwartet.
    Das kommt mir hier irgendwie etwas zu kurz. Und auch, dass Anton zwar mit Frauen schläft aber nicht mit dem Herzen dabei ist. Hm... Gustav scheint da ja zumindest bei sich schon eher zu erahnen, dass er Anton liebt. Diese Eifersucht als er an Anton und Hansi in Davos denkt, ist irgendwie süß.
    Ganz schlimm und traurig fand ich die Stelle auf Seite 215!! (Wo er glaubte, Emilie würde erst dann sterben, wenn sie ihn liebt )

  • Was für eine grauenvolle und lieblose Ehe Erich und Emilie führten - am Anfang war es anders, aber nachdem es mit dem ersten Kind nicht geklappt hat, war der Wurm drin und ich befürchte, das ging zunächst von Emilie aus. Sie war doch recht materialistisch!


    Aber sie erzählt definitiv Quatsch, wenn sie sagt, Erich sei wegen der Juden gestorben! Es war wohl viel mehr wegen seiner wahren Liebe! Auch wenn die ihn gerade ziemlich ausnutzen wollte, quasi als Samenspender! Ich nehme ja an, dass sein ehemaliger Freund, der Polizeichef, ihm eins übergebraten (oder was auch immer) hat. Eventuell hat er ihn ja auch wegen der Judenaktion verpetzt und dazu beigetragen, dass er die Polizei verlassen musste. Jedenfalls macht er auf mich keinen unbedingt sauberen Eindruck, auch wenn wir nicht viel über ihn wissen.


    Auch hier ist die Einteilung wieder komisch - es geht weiter mit dem erwachsenen Gustav, der nun Hotelier ist. Seine Mutter kann sich daran gar nicht freuen, obwohl der Sohn sehr erfolgreich ist. Und es gibt immer noch Anton in seinem Leben und immer noch ist ihre Freundschaft so ungleichgewichtig wie eh und je. Anton schüttet sein Herz bei Gustav aus, er ist derjenige, der kommt, wenn es ihm schlecht geht - wenn es ihm gut geht, verbringt er die Zeit nicht mit Gustav Perle, sondern mit einer seiner Perlen - Gustav, der Arme, fühlt sich zurückgesetzt.


    Wahnsinn, wie er auf seine Gäste einging (siehe den Briten). Wobei ich den Eindruck habe, dass er immer ein bisschen zu viel Gefühl investiert. Und was war das mit Antons schöner Mutter? Offenbar bleibt es bei einem Kuss - zunächst jedenfall.

  • Ich frage mich ja auch, ob nicht Emilie mit ihrem Besuch beim IF erst überhaupt irgendwas losgetreten hat? Vielleicht wäre wirklich nie etwas geschehen?


    Was soll sie losgetreten haben? Erich ist doch schon gefeuert etc.


    [quote author=Myosotis]Der Zeitsprung ins Jahr 1992 hat mich etwas verwirrt. Und nach wie vor finde ich es merkwürdig, dass die Geschichte bisher hauptsächlich Emilie und Erich behandelt. Nicht, dass es mir nicht gefällt, aber irgendwie habe ich mehr Gustav und Anton erwartet. [/quote]


    Die Zeitsprünge machen mir nichts aus. Auch denke ich, dass Emilies und Erichs Geschichte wichtig ist, sie ist, was Gustav geprägt hat. :)

    Was ist wertvoller, Wissen oder Fantasie? Es ist die Fantasie, denn das Wissen hat Grenzen.  - Albert Einstein


  • ]Was für eine grauenvolle und lieblose Ehe Erich und Emilie führten - am Anfang war es anders, aber nachdem es mit dem ersten Kind nicht geklappt hat, war der Wurm drin und ich befürchte, das ging zunächst von Emilie aus. Sie war doch recht materialistisch!


    Ja, schon, aber bei ihrer Kindheit und Jugend finde ich es verständlich, dass sie sich finanzielle Sicherheit und einen bescheidenen Wohlstand wünscht.


    [quote author=TochterAlice]Aber sie erzählt definitiv Quatsch, wenn sie sagt, Erich sei wegen der Juden gestorben! Es war wohl viel mehr wegen seiner wahren Liebe! Auch wenn die ihn gerade ziemlich ausnutzen wollte, quasi als Samenspender! Ich nehme ja an, dass sein ehemaliger Freund, der Polizeichef, ihm eins übergebraten (oder was auch immer) hat. Eventuell hat er ihn ja auch wegen der Judenaktion verpetzt und dazu beigetragen, dass er die Polizei verlassen musste. Jedenfalls macht er auf mich keinen unbedingt sauberen Eindruck, auch wenn wir nicht viel über ihn wissen.[/quote]


    Ich habe mich auch gefragt, ob Roger ihn verpfiffen hat -- aber zu welchem Zweck? Immerhin war das ja vorbei, da Roger selbst wieder im Dienst war. Vielleicht ist tatsächlich jemandem aufgefallen, dass es Unstimmigkeiten gab, und die IF hat dann Erich über die Klinge springen lassen. Das erschiene mir viel logischer.

    Was ist wertvoller, Wissen oder Fantasie? Es ist die Fantasie, denn das Wissen hat Grenzen.  - Albert Einstein

  • Was soll sie losgetreten haben? Erich ist doch schon gefeuert etc.


    Ja, seinen Job ist er los. Ich hatte aber das Gefühl, dass niemand jemals z.B. einen Prozess oder so angestoßen hätte. Sie aber mit ihrer Beharrlichkeit dahinzugehen und die Sache zu verfolgen alles nur noch schlimmer gemacht hätte (wenn Erich nicht sowieso schon gestorben wäre).


  • [quote author=TochterAlice]Aber sie erzählt definitiv Quatsch, wenn sie sagt, Erich sei wegen der Juden gestorben! Es war wohl viel mehr wegen seiner wahren Liebe! Auch wenn die ihn gerade ziemlich ausnutzen wollte, quasi als Samenspender! Ich nehme ja an, dass sein ehemaliger Freund, der Polizeichef, ihm eins übergebraten (oder was auch immer) hat. Eventuell hat er ihn ja auch wegen der Judenaktion verpetzt und dazu beigetragen, dass er die Polizei verlassen musste. Jedenfalls macht er auf mich keinen unbedingt sauberen Eindruck, auch wenn wir nicht viel über ihn wissen.


    Ich habe mich auch gefragt, ob Roger ihn verpfiffen hat -- aber zu welchem Zweck? Immerhin war das ja vorbei, da Roger selbst wieder im Dienst war. Vielleicht ist tatsächlich jemandem aufgefallen, dass es Unstimmigkeiten gab, und die IF hat dann Erich über die Klinge springen lassen. Das erschiene mir viel logischer.
    [/quote]
    Naja, war Roger nicht sein Chef? Es hätte doch sein können, dass er befürchtete, zur Verantwortung gezogen zu werden, obwohl er mittelbar nichts damit zu tun hatte.


  • Der Zeitsprung ins Jahr 1992 hat mich etwas verwirrt. Und nach wie vor finde ich es merkwürdig, dass die Geschichte bisher hauptsächlich Emilie und Erich behandelt. Nicht, dass es mir nicht gefällt, aber irgendwie habe ich mehr Gustav und Anton erwartet. Das kommt mir hier irgendwie etwas zu kurz.


    Ich hatte auch mehr Geschichte von Gustav und Anton erwartet. Aber es ist ok.



    Und auch, dass Anton zwar mit Frauen schläft aber nicht mit dem Herzen dabei ist. Hm... Gustav scheint da ja zumindest bei sich schon eher zu erahnen, dass er Anton liebt. Diese Eifersucht als er an Anton und Hansi in Davos denkt, ist irgendwie süß.


    Ich glaube aber trotzdem, dass Gustav sich das nicht so recht eingesteht. Es beeinflusst ihn zwar, aber er hätte ja aktiv werden können.


  • Wahnsinn, wie er auf seine Gäste einging (siehe den Briten). Wobei ich den Eindruck habe, dass er immer ein bisschen zu viel Gefühl investiert. Und was war das mit Antons schöner Mutter? Offenbar bleibt es bei einem Kuss - zunächst jedenfall.


    Wo soll er auch mit den Gefühlen hin? Seine Mutter kann nicht damit umgehen und lehnt Gefühle ab. Bei Anton traut sich Gustav wohl nicht, seine wahren Gefühle zu zeigen.

  • Interessanterweise erfährt man von Gustavs Liebesleben gar nichts. Von Anton weiß man, dass er bedeutungslosen Sex mit Frauen hat und man erlebt auch Gustavs Reaktion darauf. Aber ob und wie er seine Sexualität auslebt, fällt unter den Tisch.



    Der Zeitsprung ins Jahr 1992 hat mich etwas verwirrt. Und nach wie vor finde ich es merkwürdig, dass die Geschichte bisher hauptsächlich Emilie und Erich behandelt. Nicht, dass es mir nicht gefällt, aber irgendwie habe ich mehr Gustav und Anton erwartet. Das kommt mir hier irgendwie etwas zu kurz.


    Es geht mir wie dir. Mit dem Zeitsprung hatte ich keine Probleme und die Vorgeschichte von Emilie und Erich ist wichtig, da sie großen Einfluss auf Gustavs Leben hat. Sie nahm nur zuviel Raum in meinen Augen ein. Ich frage mich, ob sich ihre Geschichte nicht komprimierter hätte erzählen lassen. Zumindest kann man sich nun vorstellen, warum Emilie ihr Leben lang keine Bindung zu ihrem Sohn aufbauen konnte. Es klingt sehr danach, als ob sie an einer postnatalen Depression gelitten hat. Dann kam auch noch der Schock über den Tod ihres Mannes und ihre eigene furchtbare Kindheit dazu und fertig ist die Katastrophe. Ich bin noch immer überzeugt, dass ihr erster Sohn nicht in einer lieblosen Umgebung aufgewachsen wäre, unabhängig vom Zustand der Ehe.

  • Das glaube ich allerdings auch. 'Gustav 1' wäre wahrscheinlich regelrecht überschüttet worden mit Liebe und Fürsorge.


    Und ja, die Geschichte um Emilie und Erich ist definitiv auch wichtig, da Gustav ja deswegen so geworden ist und so handelt, wie er es tut. Das verstehe ich auch alles. Trotzdem hätte ich einfach gerne mehr gelesen von der Beziehung zwischen Gustav und Anton. Wahrscheinlich auch, weil Anton derjenige ist, der Gustav (bewusst oder unbewusst ) einfach glücklich macht. Und nach allem, was er hat erdulden müssen, gönnt man ihm auch einfach mal ein bisschen Glück. :zwinker:


  • Interessanterweise erfährt man von Gustavs Liebesleben gar nichts. Von Anton weiß man, dass er bedeutungslosen Sex mit Frauen hat und man erlebt auch Gustavs Reaktion darauf. Aber ob und wie er seine Sexualität auslebt, fällt unter den Tisch.


    Ich denke nicht, dass er eins hat. Er liebt Anton und da gibt es nichts anderes.




    Es geht mir wie dir. Mit dem Zeitsprung hatte ich keine Probleme und die Vorgeschichte von Emilie und Erich ist wichtig, da sie großen Einfluss auf Gustavs Leben hat. Sie nahm nur zuviel Raum in meinen Augen ein. Ich frage mich, ob sich ihre Geschichte nicht komprimierter hätte erzählen lassen.


    Die Zeitsprünge machen mir auch keine Probleme. Sie kamen nur etwas seltsam in den Leseabschnitten. Emilie und Erich sind wie die anderen wichtig, um zu begreifen, wie es so kommen konnte. Aber Gustav und Anton kamen ein wenig zu kurz.

  • Irgendwie denke ich auch, dass Gustav1 ein besseres Leben gehabt hätte, da Emilie eine Beziehung zu ihm aufgebaut hätte. Finanziell wäre es aber vermutlich auf dasselbe herausgelaufen wie das Leben von Gustav2.


    Ich finde die Abschnitte der verschiedenen Charaktere recht ausgewogen, und auch wichtig. Niemand ist eine Insel, und man könnte niemanden verstehen ohne den Kontext der anderen Personen.


    Es stimmt, von Gustavs Liebesleben erfahren wir nichts, und es steht zu vermuten, dass er tatsächlich keines hat, da er Anton nicht haben kann.

    Was ist wertvoller, Wissen oder Fantasie? Es ist die Fantasie, denn das Wissen hat Grenzen.  - Albert Einstein

  • Ojemine, Emilie wird mir immer unsympathischer. Klar, zu einer lieblosen Ehe gehören immer zwei, aber in meinen Augen ist sie schon diejenige, die das alles befeuert. Warum nur hat sie damals Erich unbedingt für sich haben müssen? Um Frau Perle zu sein - mit einem schönen Namen, einem für die Gesellschaft wichtigen Mann und - und das scheint mir das Wichtigste - einem guten Einkommen, von dem sie profitieren kann?
    Sicher, mit der Frühgeburt und Tod ihres ersten Kindes ist noch deutlich mehr zu Bruch gegangen, aber ich verstehe nicht, warum Emilie trotz allem immer an dieser Verbindung festhält. Und tatsächlich: sie wird erneut schwanger!
    Als der zweite Gustav dann da ist, könnte man meinen, dass nun alles besser wird, aber Pustekuchen! Vielleicht war da einfach viel zu viel Erwartung an dieses Kind. Nach all dem Sehnen bekommt Emilie keine richtige Bindung hin und wird depressiv. Dennoch muss ich gestehen, dass mein Mitleid vor allem dem Jungen gilt. Aber parallel wächst auch meine Überraschung, dass dieser all die Zeit zu seiner Mutter hält und sich unbedingt um sie kümmern möchte! Ich weiß nicht, ob ich das an seiner Stelle gekonnt hätte... :rollen:


    Und Lottie? Die Gute ist ganz schön skrupellos! Sie will Roger mit allem drum und dran - und zur Not nimmt sie Erich als eine Art Samenbank für das ersehnte Kind... Dabei scheint ihr gänzlich egal zu sein, was das für Erich, der sie liebt, bedeuten muss. Was für eine egoistische Aktion. Besonders tragisch ist, dass Erich dann stirbt.


    Also waren alle Spekulationen um eine mögliche Rettungsaktion Erichs Quark. :zwinker: Er stirbt schlicht und ergreifend an einem Herzinfarkt und die gute Frau Perle kann das Geschehene natürlich nicht so stehen lassen, sondern muss "den Juden" die Schuld in die Schuhe schieben. Wie armselig!


    Anton ist auf der Suche, hat bedeutungslosen Sex mit Frauen und wirkt unzufrieden. Gustav hingegen hat das Beste aus seinem Leben gemacht und ist mit seinem Hotel sehr zufrieden. An manchen Stellen habe ich mich gefragt, warum Gustav einheitlich einen Hang zu Menschen hat, die nicht ausgefüllt sein können. Emilie mosert und ist nie mit einer Situation glücklich und mit Anton geht es im Grunde genauso. Er "nutzt" Gustav als Seelentröster, aber selbst kümmert er sich nicht besonders gut um den Freund aus Kindertagen. Oh je.


    Kein einfaches Thema, aber wunderschön beobachtet und vor allem geschrieben.

    Liebe Grüße

    Tabea


  • Schade auch, dass Emilie und Adriana sich nie wirklich kennenlernen, sie hätten sich vielleicht gegenseitig helfen können das Trauma eines verlorenen Kindes zu verarbeiten. Aber Emilie ist viel zu sehr in ihren Vorurteilen gefangen, um Adriana als Mitmenschen akzeptieren zu können, und natürlich lehnt Adriana Emilie ab, da sie weiß wie diese zu Juden steht.


    So viele verlorene Chancen, das ist tragisch.


    Du hast recht, Vorleser. Die beiden hätten sich eine Stütze sein können - wären da nicht diese dämlichen Vorurteile und negativen Gefühle.


    Das Buch ist voller Tragik, keine Frage. Dennoch ist es in meinen Augen nie zu viel, weil ich mir genau solche Menschen vorstellen kann: stets negativ, möglicherweise depressiv und damit auf ihr Umfeld entsprechend Einfluss nehmend.

    Liebe Grüße

    Tabea


  • Ich nehme ja an, dass sein ehemaliger Freund, der Polizeichef, ihm eins übergebraten (oder was auch immer) hat. Eventuell hat er ihn ja auch wegen der Judenaktion verpetzt und dazu beigetragen, dass er die Polizei verlassen musste. Jedenfalls macht er auf mich keinen unbedingt sauberen Eindruck, auch wenn wir nicht viel über ihn wissen.


    Hm, eine gute Idee... Auf jeden Fall hast Du recht, was den Eindruck angeht. Aber ich muss auch gestehen, dass ich bezüglich der Entlassung Erichs noch immer nach einem Schuldigen suche.

    Liebe Grüße

    Tabea

  • Das Buch ist voller Tragik, keine Frage. Dennoch ist es in meinen Augen nie zu viel, weil ich mir genau solche Menschen vorstellen kann: stets negativ, möglicherweise depressiv und damit auf ihr Umfeld entsprechend Einfluss nehmend.


    Da stimme ich dir zu. Es ist tragisch, aber nicht melodramatisch, und es rutscht nie ins Unglaubwürdige ab.

    Was ist wertvoller, Wissen oder Fantasie? Es ist die Fantasie, denn das Wissen hat Grenzen.  - Albert Einstein