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Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Nazifreie Zone, denn wer neben Nazis marschiert, ist entweder selbst ein Nazi oder eine nützliche Marionette der Nazis. Andere Kategorien gibt es nicht.

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    LG, Dani


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  • Irgendwie sind die Abschnitte hier unglücklich gelegt, wir haben erstmal noch den Rest des erstes Teiles über Gustavs und Antons Kindheit und dann ein Stück von Teil 2, in dem es um die Geschichte von Gustavs Eltern geht.


    Anton hat irgendwelches Lampenfieber, ich würde sogar meinen, es könnten Panikattacken sein. Vor so vielen Leuten kann er einfach nicht auftreten, aber anscheinend will er es selbst immer wieder versuchen, seine Eltern scheinen ihn ja gar nicht so mit Gewalt in die Richtung zu schieben, wie das so manche tun. Und bei diesen ganzen Dingen bringt Gustav eine engelsgleiche Geduld und ein großes Verständnis auf, das in dem Alter alles andere als üblich ist.


    Und dann dieses Spiel im Urlaub! Haben sie das verlassene Sanatorium tatsächlich angezündet?


    Jetzt wird allmählich klar, warum Emilie so ist, wie sie eben ist - sie wuchs selbst unter recht widrigen Bedingungen auf. Was mich wundert: dass sie sich Herrn Perle so offensiv geangelt hat. Ich dachte, es läge ihr gar nicht so am Materiellen, doch als aufgrund seines Verhaltens gegenüber den Juden ein sozialer Abstieg droht, hält sie dem nicht stand. Ist es wirklich Perles Freund und Chef, der ihn ans Messer geliefert hat? Ich hätte gedacht, in der Schweiz wäre das freier gelaufen. Aber ich weiß darüber ehrlich gesagt auch nicht allzuviel und bin sicher, dass Rose Tremain ausgiebige Recherchen betrieben hat!


    Und natürlich gibt es auch eine Vorgeschichte innerhalb der Ehe, eine sehr traurige: der Verlust des ersten Gustav noch vor seiner Geburt. Ob er wirklich mit den ganzen Sorgen, die Emilie so hatte, zusammenhing? Schön ist, dass sie einsieht, dass ihr Mann durchgehend echt und authentisch ist! Und ich bin gespannt, was es denn nun mit unserem Gustav, den wir im Verlauf des Romans erleben, auf sich hat!

  • Anton tut mir leid. Er ist so ehrgeizig und dann spielen ihm die Nerven einen Streich. Seine Mutter akzeptiert seinen Wunsch und unterstützt ihn. Aber ob die Tabletten das richtige Mittel sind, wage ich zu bezweifeln. Es ist sicherlich gut, dass Gustav für ihn da ist. Mich hat gewundert, dass Emilie ihn hat mitreisen lassen. Dann gibt es auch noch den Urlaub. Ich finde das Spiel der beiden Jungen in dem alten Krankenhaus seltsam.


    Nun erfahren wir also mehr über Emilie.


    Sie verliebt sich Hals über Kopf in Erich. Zuerst wirkte sie auf mich ziemlich naiv, aber dann macht sie sich sehr direkt an Erich ran, der eigentlich nur Augen für Sofie hatte. Es kommt sogar zur Hochzeit. Was hat sich Emilie erwartet? Sie ist wirklich ignorant, hat sich in ihrer Wohnung eingerichtet und interessiert sich für nichts. Erich sieht die politische Lage sehr realistisch und möchte mit ihr darüber reden, aber Emilie hat daran keinerlei Interesse. Sie verliert dann ihr Baby Gustav und wirft das Erich vor, weil er sie gestoßen hat. Doch was sie ihm später vorwirft, dass er so leichtfertig seine Stelle riskiert hat. Nun wird auch klar, warum die Juden schuld sind; es ist eine sonderbare Wahrheit, die sie sich da zurecht gebastelt hat. Mich erstaunt, dass sie zu ihrer Mutter zurück ist, sie war doch aus dem Umfeld förmlich geflohen.


    Jetzt bin ich gespannt, wie es zu Gustav 2 kam. Wie kann man ein Kind nur nach einem toten Kind benennen?


  • Anton tut mir leid. Er ist so ehrgeizig und dann spielen ihm die Nerven einen Streich. Seine Mutter akzeptiert seinen Wunsch und unterstützt ihn. Aber ob die Tabletten das richtige Mittel sind, wage ich zu bezweifeln.


    Das sind sie ganz sicher nicht, ich bin sogar überzeugt, dass sie noch zu der Misere beitragen!

  • Dass Emilie Gustav mit nach Davos fahren lässt ist schön und freut mich sehr für Gustav. Die Doktorspiele der Jungs finde ich allerdings etwas merkwürdig! Dass sie Tote verbrennen wollen.... uh!
    Ich habe mich zuerst gefragt, ob hier schon erkennbar war, dass Anton evt denkt 'besser ' zu sein, dadurch dass er sich als Arzt und Gustav nur als Schwester tituliert. Aber hinterher durfte ja auch Gustav mal Doktor sein.
    Bezieht sich der Buchtitel wohl auf die Doktorspiele? 'Und damit fing es an ' stand ja auch in dem Abschnitt irgendwo. Ich frage mich allerdings, was es damit noch auf sich haben wird.


    Im zweiten Teil hatte ich nicht damit gerechnet, so viel über Emilie und Erich zu erfahren!
    Zuerst dachte ich ja, dass Erich möglicherweise doch nicht Gustavs Vater ist. Aber mit den letzten Sätzen des Abschnitts sieht das jetzt ja doch schon wieder anders aus.


    Erich ist eigentlich also auch nur durch die Umstände zum 'Held' geworden und die Beziehung zwischen Gustavs Eltern scheint ja schon sehr problematisch gewesen zu sein. Ich frage mich, ob Emilie sich in irgendeiner Form Vorwürfe macht?

  • Anton hat irgendwelches Lampenfieber, ich würde sogar meinen, es könnten Panikattacken sein. Vor so vielen Leuten kann er einfach nicht auftreten, aber anscheinend will er es selbst immer wieder versuchen, seine Eltern scheinen ihn ja gar nicht so mit Gewalt in die Richtung zu schieben, wie das so manche tun. Und bei diesen ganzen Dingen bringt Gustav eine engelsgleiche Geduld und ein großes Verständnis auf, das in dem Alter alles andere als üblich ist.


    Ich glaube, Anton ist wirklich sehr, sehr ehrgeizig. Und anscheinend ist er ja auch sehr gut bzw kann es sein. Aber er scheint auch schon recht von sich selbst überzeugt zu sein.


    Zitat


    Und dann dieses Spiel im Urlaub! Haben sie das verlassene Sanatorium tatsächlich angezündet?


    Ich denke schon. Da oben war ja anscheinend nicht mehr viel sonst, wo die Feuerwehr noch hätte hinfahren können.

  • Jetzt bin ich gespannt, wie es zu Gustav 2 kam. Wie kann man ein Kind nur nach einem toten Kind benennen?


    Das kann ich auch nicht so richtig nachvollziehen. Das käme mir, glaube ich, schon sehr merkwürdig vor...

  • Das war ja starker Tobak. Emilies Ehe war also nicht so glücklich, wie sie es sich erhofft hatte. Ein Kind auf diese Art zu verlieren -- ich glaube nicht, dass ich das jemals hätte verzeihen können. Aber natürlich ist die Alternative -- ein Leben bei ihrer Mutter -- auch nicht wirklich gelungen. Irgendwie sitzt sie zwischen Baum und Borke.


    Erich tut mir auch irgendwie leid. Wie schrecklich, dass er seine Arbeit, seine Wohnung, und überhaupt alles verliert, nur, weil er menschlich war. Das entschuldigt natürlich nicht seinen heftigen Ausbruch gegenüber Emilie, deren einziges Verschulden es war, ignorant zu sein, und auf ihrer eigenen kleinen Wolke 7 zu schweben in Erwartung ihres Babys. Was um alles in der Welt hat er denn von ihr erwartet? Wenn er sich ihr von Anfang an mitgeteilt hätte, hätte sie doch zumindest eine Ahnung gehabt um was es geht.
    Und dann war sie doch auch sehr jung und unerfahren und ungebildet, das hat er doch gewusst. Mich interessiert ja jetzt, wie Erich umgekommen ist. Hat er einen Herzinfarkt gehabt? Er scheint ja Probleme mit dem Herzen gehabt zu haben.
    Jetzt erklärt sich auch, warum Emilie den Juden die Schuld an Erichs Tod und ihrer desolaten Situation gibt, aber das zeigt nur wieder wie ignorant sie ist. Sie sollte lieber Hitler und den Schweizer Behörden die Schuld geben.


    Ich bin ein bisschen unschlüssig, wie ich es finden soll, dass Gustav den Namen hat, den sein toter Bruder hätte haben sollen. Das mutet doch merkwürdig an.



    Was die beiden Jungs angeht: Anton scheint ja sehr verständnisvolle Eltern zu haben, die ihn nicht fertigmachen, weil er den Wettbewerb nicht gewinnt. Und Gustav darf tatsächlich mit nach Davos. Damit hatte ich gar nicht gerechnet. Aber vielleicht kommt Emilie ja aus ihrem Loch heraus, jetzt wo sie eine ordentliche Arbeit hat.


    Was Jungs so spielen. Das zeugt ja von sehr viel Phantasie. Ich frage mich, ob es Gustav auf diese Art tatsächlich gelungen ist, sich von seiner Angst und seinem Ekel vor Ludwig zu befreien. Dass Anton auf diese Art der Wiederbelebung besteht ist dabei sicher nicht hilfreich...



    Ich frage mich momentan, ob es das Wort 'ficken' 1957 tatsächlich schon gegeben hat, und woher Anton das wohl gelernt haben könnte. Das kommt mir doch recht unwahrscheinlich vor.


    Zu euren Beiträgen äußere ich mich später.

    Was ist wertvoller, Wissen oder Fantasie? Es ist die Fantasie, denn das Wissen hat Grenzen.  - Albert Einstein


  • Ich frage mich momentan, ob es das Wort 'ficken' 1957 tatsächlich schon gegeben hat, und woher Anton das wohl gelernt haben könnte. Das kommt mir doch recht unwahrscheinlich vor.


    Das habe ich mich auch gefragt und als die beiden Jungs von "reanimieren" und nicht von wiederbeleben gesprochen haben. Vor allem kam es mir sehr seltsam vor, dass 1957 die Mund-zu-Mund-Beatmung in den Schulen gelehrt worden sein soll. In den späten 50ern bis Anfang der 60er Jahre wurde das endgültige Prinzip der modernen Herz-Lungen-Wiederbelebung gerade erst entwickelt. Dieses Spiel sollte zwar zum ersten Kuss der Jungs führen, aber ich frage mich, ob dafür nicht eine andere Lösung möglich wäre.



    Und natürlich gibt es auch eine Vorgeschichte innerhalb der Ehe, eine sehr traurige: der Verlust des ersten Gustav noch vor seiner Geburt. Ob er wirklich mit den ganzen Sorgen, die Emilie so hatte, zusammenhing? Schön ist, dass sie einsieht, dass ihr Mann durchgehend echt und authentisch ist! Und ich bin gespannt, was es denn nun mit unserem Gustav, den wir im Verlauf des Romans erleben, auf sich hat!


    Emilie hat ihr erstes Kind verloren, weil ihr Mann sie ihm Streit gestoßen hat. Bis dahin verlief die Schwangerschaft problemlos. Meiner Meinung nach kehrt sie auch nur zu Erich zurück, weil sie ihn ihren Augen nur zwischen einem Leben an seiner Seite und an der ihrer Mutter wählen kann. Er erscheint dann das kleinere Übel.



    Anfangs hat mich ihre Reaktion erschreckt, als sie vom Krankenhaus heimkam und so hart gegenüber Gustav war. Er musste die ganze Zeit alleine zurecht kommen, hat die Wohnung in Schuß gehalten und bekam von ihr nicht den geringsten Hauch von Zuneigung zu spüren. Durch ihre Vorgeschichte kann ich nun ein Stück weit nachvollziehen, warum sie sich auf diese Weise entwickelt hat. Ich denke, Gustav II sollte Gustav I ersetzen, was einfach nicht möglich ist. Sie wäre Gustav I eine völlig andere Mutter gewesen, während Gustav II unter ihrer Gefühlskälte leiden muss.


  • Irgendwie sind die Abschnitte hier unglücklich gelegt, wir haben erstmal noch den Rest des erstes Teiles über Gustavs und Antons Kindheit und dann ein Stück von Teil 2, in dem es um die Geschichte von Gustavs Eltern geht.


    Das finde ich auch!




    Jetzt wird allmählich klar, warum Emilie so ist, wie sie eben ist - sie wuchs selbst unter recht widrigen Bedingungen auf. Was mich wundert: dass sie sich Herrn Perle so offensiv geangelt hat.


    Emilie hat es von Hause aus auch nicht leicht gehabt. Aber ist das eine Entschuldigung? Auf jeden Fall war sie nicht so gefühllos, als sie sich Perle geangelt hat - höchstens egoistisch ihrer Freundin gegenüber.



    Und natürlich gibt es auch eine Vorgeschichte innerhalb der Ehe, eine sehr traurige: der Verlust des ersten Gustav noch vor seiner Geburt. Ob er wirklich mit den ganzen Sorgen, die Emilie so hatte, zusammenhing?


    Es ist traurig, ein Kind zu verlieren und man wird es nie vergessen können. Umso schlimmer finde ich es, wenn ein Gustav einen anderen Gustav ersetzen soll. Jeder ist eine Persönlichkeit und man sollte ihn auch als Person annehmen.


  • Erich tut mir auch irgendwie leid. Wie schrecklich, dass er seine Arbeit, seine Wohnung, und überhaupt alles verliert, nur, weil er menschlich war.


    Da will man Gutes und wird dafür bestraft, das ist schon tragisch.




    Das entschuldigt natürlich nicht seinen heftigen Ausbruch gegenüber Emilie, deren einziges Verschulden es war, ignorant zu sein, und auf ihrer eigenen kleinen Wolke 7 zu schweben in Erwartung ihres Babys. Was um alles in der Welt hat er denn von ihr erwartet? Wenn er sich ihr von Anfang an mitgeteilt hätte, hätte sie doch zumindest eine Ahnung gehabt um was es geht.


    Für mich ist das so, als hätten sie nicht so ganz zusammengepasst, als hätten sie nebeneinanderher gelebt. Wenn dann die erste Verliebtheit vorbei ist, ist auch die Gemeinsamkeit weg.




    Ich frage mich momentan, ob es das Wort 'ficken' 1957 tatsächlich schon gegeben hat, und woher Anton das wohl gelernt haben könnte. Das kommt mir doch recht unwahrscheinlich vor.


    Das habe ich mich auch gefragt, vor allem, weil in jener Zeit über diese Themen nicht geredet wurde.


  • Anfangs hat mich ihre Reaktion erschreckt, als sie vom Krankenhaus heimkam und so hart gegenüber Gustav war. Er musste die ganze Zeit alleine zurecht kommen, hat die Wohnung in Schuß gehalten und bekam von ihr nicht den geringsten Hauch von Zuneigung zu spüren.


    Das zeigt nur wieder einmal, wie gefühllos sie ist. Gustav kann einem wirklich leid tun. Mich wundert nur immer wieder, dass er unter diesem Einfluß so ein lieber Kerl geworden ist.

  • Das habe ich mich auch gefragt und als die beiden Jungs von "reanimieren" und nicht von wiederbeleben gesprochen haben. Vor allem kam es mir sehr seltsam vor, dass 1957 die Mund-zu-Mund-Beatmung in den Schulen gelehrt worden sein soll. In den späten 50ern bis Anfang der 60er Jahre wurde das endgültige Prinzip der modernen Herz-Lungen-Wiederbelebung gerade erst entwickelt. Dieses Spiel sollte zwar zum ersten Kuss der Jungs führen, aber ich frage mich, ob dafür nicht eine andere Lösung möglich wäre.


    Mir ist gerade eingefallen, dass wir ja nur die Übersetzung lesen, wer weiß, was da im Original steht. Also sind die englischen Wörter möglicherweise der Zeit entsprechend, und der Übersetzer hat nicht aufgepasst.


    Das zeigt nur wieder einmal, wie gefühllos sie ist. Gustav kann einem wirklich leid tun. Mich wundert nur immer wieder, dass er unter diesem Einfluß so ein lieber Kerl geworden ist.


    Nun, Emilie wusste ja nicht, dass Gustav alleine klarkommen musste, sie dachte, er wäre bei den Zwiebels. Glücklicherweise hatte er wenigsten Max, der ihm half, bei den Zwiebels hat sich niemand um ihn gedanken gemacht. Ich vermute, er ist nur gut, wenn Anton profitiert.


    Emilie ist sicher gefühlsarm, aber mit ihrer Vergangenheit ist das nicht so unbedingt verwunderlich.

    Was ist wertvoller, Wissen oder Fantasie? Es ist die Fantasie, denn das Wissen hat Grenzen.  - Albert Einstein


  • Erich tut mir auch irgendwie leid. Wie schrecklich, dass er seine Arbeit, seine Wohnung, und überhaupt alles verliert, nur, weil er menschlich war. Das entschuldigt natürlich nicht seinen heftigen Ausbruch gegenüber Emilie, deren einziges Verschulden es war, ignorant zu sein, und auf ihrer eigenen kleinen Wolke 7 zu schweben in Erwartung ihres Babys. Was um alles in der Welt hat er denn von ihr erwartet? Wenn er sich ihr von Anfang an mitgeteilt hätte, hätte sie doch zumindest eine Ahnung gehabt um was es geht.
    Und dann war sie doch auch sehr jung und unerfahren und ungebildet, das hat er doch gewusst. Mich interessiert ja jetzt, wie Erich umgekommen ist. Hat er einen Herzinfarkt gehabt? Er scheint ja Probleme mit dem Herzen gehabt zu haben.
    Jetzt erklärt sich auch, warum Emilie den Juden die Schuld an Erichs Tod und ihrer desolaten Situation gibt, aber das zeigt nur wieder wie ignorant sie ist. Sie sollte lieber Hitler und den Schweizer Behörden die Schuld geben.


    Erich tut mir auch leid. Wie furchtbar schwer muss so eine Entscheidung gewesen sein? Und dann immer diese Angst im Nacken. Kein Wunder, dass er (zwar aufgrund des vielen Alkohols) irgendwann verlauten lässt, was er getan hat.
    Mit dem Herzinfarkt oder zumindest etwas in der Richtung, könntest du recht haben.


    Zitat


    Ich frage mich momentan, ob es das Wort 'ficken' 1957 tatsächlich schon gegeben hat, und woher Anton das wohl gelernt haben könnte. Das kommt mir doch recht unwahrscheinlich vor.


    Ich hab zwar ob der Wortwahl aus Antons Mund gezuckt, aber auf die Idee bin ich alleine gar nicht gekommen. Aber es stimmt natürlich! Wobei wirklich interessant wäre zu wissen, welches Wort man im Original genommen hat!


  • Das habe ich mich auch gefragt und als die beiden Jungs von "reanimieren" und nicht von wiederbeleben gesprochen haben. Vor allem kam es mir sehr seltsam vor, dass 1957 die Mund-zu-Mund-Beatmung in den Schulen gelehrt worden sein soll. In den späten 50ern bis Anfang der 60er Jahre wurde das endgültige Prinzip der modernen Herz-Lungen-Wiederbelebung gerade erst entwickelt. Dieses Spiel sollte zwar zum ersten Kuss der Jungs führen, aber ich frage mich, ob dafür nicht eine andere Lösung möglich wäre.


    Sowas hätte ich ja überhaupt nicht gewusst! Ich bin gerade schwer beeindruckt!


  • Mir ist gerade eingefallen, dass wir ja nur die Übersetzung lesen, wer weiß, was da im Original steht. Also sind die englischen Wörter möglicherweise der Zeit entsprechend, und der Übersetzer hat nicht aufgepasst.


    Da hast du Recht, beim Lesen habe ich mir noch gefragt, ob es sich um einen Übersetzungsböller handelt. :breitgrins:



    Nun, Emilie wusste ja nicht, dass Gustav alleine klarkommen musste, sie dachte, er wäre bei den Zwiebels.


    An dem Morgen, als sie heimkommt, sagt sie zu Gustav, dass anscheinend Frau Krams die Wohnung in Ordnung gehalten habe und sie sich dafür bedanken müsse. Gustav erwidert, er habe sich um alles selbst gekümmert, Frau Krams hätte ihm nur mit der Wäsche geholfen. Darauf reagiert sie in keinster Weise, nicht einmal mit einem klitzekleinem Lob.



    Glücklicherweise hatte er wenigsten Max, der ihm half, bei den Zwiebels hat sich niemand um ihn gedanken gemacht. Ich vermute, er ist nur gut, wenn Anton profitiert.


    Ich bin mir nicht sicher, ob die Eltern Zwiebel wissen, dass sich Gustav mutterseeleinalleine durchschlagen muss. Er vertraut sich Anton an, aber der reagiert nicht. Anton ist nur ein Kind und kann sich wahrscheinlich nicht vorstellen, was Gustav gerade durchmachen muss.


  • Sowas hätte ich ja überhaupt nicht gewusst! Ich bin gerade schwer beeindruckt!


    Ich bin seit 1997 als freiwillige Sanitäterin beim Roten Kreuz tätig (derzeit allerdings ruhend) und arbeite außerdem in einer Rettungsleitstelle - da bleibt auch ein bisschen geschichtliches Hintergrundwissen zur Herz-Lungen-Wiederbelebung hängen. :zwinker:

  • dodo So oft, wie Gustav bei den Zwiebels ist, wissen sie sicher, dass seine Mutter im Krankenhaus ist. Da fragt man doch mal nach wer sich kümmert.


    Ich weiß nicht, dass Gustavs Mutter ihn nicht lobt passt natürlich zum Bild, aber wir dürfen mal nicht vergessen, dass es zu der Zeit noch selbstverständlich war, dass Kinder die Hausarbeit machten, es sei denn, die Familie hatte Personal.

    Was ist wertvoller, Wissen oder Fantasie? Es ist die Fantasie, denn das Wissen hat Grenzen.  - Albert Einstein

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  • Ich weiß nicht, dass Antons Mutter ihn nicht lobt passt natürlich zum Bild, aber wir dürfen mal nicht vergessen, dass es zu der Zeit noch selbstverständlich war, dass Kinder die Hausarbeit machten, es sei denn, die Familie hatte Personal.


    Kinder wurden viel mehr als heute zur Hausarbeit heran gezogen, dass stimmt. Aber ich denke, dass es auch in den Fünfzigern keine Selbstverständlichkeit war, dass ein 10jähriger Junge einen Haushalt selbstständig führt.



    dodo So oft, wie Gustav bei den zwiebels ist, wissen sie sicher, dass seine Mutter im Karnkanhaus ist. Da fragt man doch mal nach wer sich kümmert.


    Ich glaube, dass sie sich nicht vorstellen konnten, dass sich niemand um Gustav kümmert und deswegen nicht nachgefragt haben. Immerhin förderten sie die Freundschaft zwischen Anton und Gustav, obwohl ihnen Gustavs Mutter aufgrund ihres Judentums und ihres Wohlstands feindlich begegnet ist. Deswegen kann ich mir nicht vorstellen, dass sie einen Jungen sich selbst überlassen würden, wäre ihnen bewusst, dass sich niemand um ihn kümmert.

  • Himmel, ich war müde gestern! Ich habe gerade mal oben meinen Post korrigiert, das was ja peinlich. :redface:


    [quote author=dodo]Kinder wurden viel mehr als heute zur Hausarbeit heran gezogen, dass stimmt. Aber ich denke, dass es auch in den Fünfzigern keine Selbstverständlichkeit war, dass ein 10jähriger Junge einen Haushalt selbstständig führt. [/quote]


    Oh, da wäre ich mir nicht so sicher, zumindest nicht in Ländern, die an dem Krieg beteiligt waren, aber die Schweiz war ja neutral.


    [quote author=dodo]Ich glaube, dass sie sich nicht vorstellen konnten, dass sich niemand um Gustav kümmert und deswegen nicht nachgefragt haben. Immerhin förderten sie die Freundschaft zwischen Anton und Gustav, obwohl ihnen Gustavs Mutter aufgrund ihres Judentums und ihres Wohlstands feindlich begegnet ist. Deswegen kann ich mir nicht vorstellen, dass sie einen Jungen sich selbst überlassen würden, wäre ihnen bewusst, dass sich niemand um ihn kümmert. [/quote]


    Hmmm, wer weiß. Ich denke sie wussten, dass Gustav außer seiner Mutter niemanden hatte, also wäre die Frage, wer sich um ihn kümmert, doch nur natürlich gewesen. Aber sie sind an Gustav nur interessiert in dem Moment, wo es für Anton vorteilhaft ist, nicht an ihm persönlich.

    Was ist wertvoller, Wissen oder Fantasie? Es ist die Fantasie, denn das Wissen hat Grenzen.  - Albert Einstein