Anne Bishop - In Blut geschrieben: Die Anderen

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 8 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Miramis.

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    Zum Inhalt


    Meg Corbyn ist eine Cassandra Sangue, eine Blutprophetin. Ritzt man ihre Haut, kann sie in die Zukunft sehen. Sie ist nur eine Nummer, ohne Namen, und lebt in einer Einrichtung, die sich diese besondere Gabe zu Nutzen macht und viel Geld damit verdient.
    Eines Tages flieht Meg und landet im Lakeside Courtyard, einem Bezirk, der von den Anderen bewohnt wird. Sie trifft auf Simon Wolfyard, der sie trotz anfänglicher Bedenken einstellt. Meg taucht ein in die Welt von diversen Arten von Gestaltwandlern, Werwölfen, Vampire, Elementarwesen und, und, und. Aber man ist ihr immer noch auf der Spur, denn ihre Fähigkeiten werden woanders stark vermisst.


    Meine Meinung


    Anne Bishop hat mit den Anderen eine Parallelgesellschaft erschaffen, in der Meg Zuflucht findet.
    Die Sanguinati von Anne Bishop glitzern nicht im Sonnenlicht und wenn man ihnen begegnet, weiss man ziemlich genau, wen oder was man da vor sich hat. Die Autorin versteht es, die animalische Dominanz und das "Anderssein" zum Leser zu transportieren. Man verfolgt bei einer Begegnung gebannt, was denn nun als nächstes passiert.


    Man erfährt, dass auch ein Werwolf eben schon eine Art von Hund ist und gerne spielt, ein Elementarmädchen sich über ein Geschenk freut und einem jahrhundertealten Vampirfürsten auch einmal langweilig wird und er sich über eine Lieferung von alten Filmen freut. Diese kleinen Szenen haben mir riesig Spass gemacht.


    Simon Wolfyard, der Name deutet schon darauf hin, was für eine Art von Gestaltwandler er ist, stellt Meg als Kontaktperson ein, denn im Grenzgebiet zwischen der Welt wie wir sie kennen und dem Bezirk, in dem die Terra Indigene, die Anderen leben, gibt es einen Bereich, in dem sich beide Gesellschaften treffen. Meg geht völlig unbedarft mit Gestaltwandlern und allen anderen besonderen Bewohnern um und verdient sich dadurch den Respekt von beiden Seiten.


    Wolfyard gibt sich zwar nach aussen hin als böser Wolf aber wenn er in Wolfsform neben Meg auf dem Sofa liegt und sie in Gedanken über sein Fell streicht, geht einem beim Lesen das Herz auf.
    Meg selbst entwickelt sich von einer Blutprophetin ohne Kontakt zur Aussenwelt zu einer kontaktfreudigen, offenen Person, der die Herzen nur so zufliegen.


    In Blut geschrieben: Die Anderen ist als erster Band einer Reihe angekündigt und ich hoffe sehr auf einen zweiten Band. Obwohl der erste Band abgeschlossen ist, würde ich gerne erfahren, ob man Meg immer noch auf den Fersen ist und wie sich ihr weiteres Leben bei den Terra Indigene gestaltet.


    Insgesamt ist der Roman tolle Urban Fantasy mit gefühlvoll beschriebenen Charakteren und einer gehörigen Portion an Spannung und ich sage nur : Lesen!


    5ratten:tipp:

    Das sind keine Stirnfalten. Das ist ein Sixpack vom Denken.

    Einmal editiert, zuletzt von Delena ()

  • Anne Bishop zeichnet hier ein Bild von paranormalen Wesen, die nicht im Geheimen leben, oder von den Menschen gejagt werden. Hier sind sie die Herrscher, welche die Städte der Menschen dulden, diese aber ohne große Mühe jederzeit vernichten könnten. Für sie sind Menschen „Affen“ oder auch „Futter“. Da die Menschen allerdings auch Dinge herstellen, welche „die Anderen“ zu schätzen wissen, hat sich ein Nebeneinanderleben entwickelt, dass leicht aus dem Gleichgewicht geraten kann.
    Meg Corbyn kennt nichts von dieser Welt, denn sie wurde in Gefangenschaft groß, weil sie eine Blutprophetin ist, deren Fähigkeit sehr selten und wertvoll ist. Aus Angst vor ihren Verfolgern bewirbt sie sich um den Job der Kontaktperson bei den Anderen um dort Unterschlupf zu finden. Durch ihre freundliche und zuverlässige Art gewinnt sie bald Freunde unter den Anderen genauso wie bei den Menschen. Doch wie lange wird es dauern, bis ihre Besitzer sie finden und zurückholen?


    Eigentlich lese ich nur noch selten paranormale Romane, doch die vielen positiven Stimmen haben mich neugierig auf dieses Buch gemacht und ich wurde nicht enttäuscht. Die Welt, welche Anne Bishop hier zeichnet war für mich etwas Neues und dadurch Interessantes.


    Meg Corbyn hat eine ungewöhnliche Fähigkeit und durch ihr Leben in Gefangenschaft hat sie keine Ahnung vom normalen Leben. Dadurch geht sie für einen Menschen relativ schnell entspannt mit den Anderen um und ab und zu kommt es zu lustigen Situationen, die mich und die Anderen zum Schmunzeln gebracht haben.


    Simon Wolfgard ist ihr Chef und der Führer der Wölfe in dem Courtyard von Lakeside, wo die Anderen leben. Er duldet Menschen in seinem Geschäft, hat aber keine Ahnung, was in ihnen vorgeht. Er arbeitet zwar mit menschlichen Angestellten, die er aber nur deshalb nicht frisst, weil das schlecht für das Betriebsklima ist.


    Die Ideen der Autorin haben mir sehr gut gefallen. Die Werwesen, wie z.B. die Krähen, haben nichts von Kuscheltieren an sich und werden in ihrem Verhalten meistens von ihren tierischen Instinkten geleitet. Und so gibt es noch einige andere Arten von Anderen, die jede auf ihre Art besondere Fähigkeiten hat.


    Die Geschichte ist unterhaltsam, abwechslungsreich und ab und zu blutig und brutal. Doch da dies nie im Detail geschildert wird, ist es zwar manchmal düster aber nie erschreckend. Interessanterweise waren für mich die Andeutungen, was Blutprophetinnen von ihren Besitzern angetan wird, schlimmer als jede Grausamkeit der Anderen.


    Obwohl einiges vorhersehbar war, habe ich das Buch sehr gerne gelesen, ja regelrecht verschlungen. Auch die Schreibfehler, die immer wieder vorkommen, konnten meinen Lesespaß nicht schmälern. Die Fortsetzungen sind in Amerika bereits erschienen und ich hoffe, dass dies auch bald bei uns der Fall sein wird. Wenn nicht, wird es das erste ebook sein, dass ich mir auf englisch kaufe um zu erfahren, wie es weitergeht. Ich denke, das sagt genug


    Fazit: Gute und abwechslungsreiche Unterhaltung in einem für mich neuen Setting.


    4ratten + :marypipeshalbeprivatmaus:

  • Hallo Ihr Lieben,


    nach der sehr unterhaltsamen Lektüre von diesem Buch, möchte ich euch hier auch meine Meinung schreiben:


    In ihrem Buch: "In Blut geschrieben - Die Anderen" skizziert Anne Bishop eine von Namid erschaffene Welt, in der "Die Anderen" herrschen und die Menschen maximal geduldet werden, solange sie sich an gewisse Regeln halten. Aber eigentlich werden die Menschen vor allem als Beute angesehen und nur deswegen nicht vernichtet, da sie es verstehen Waren herzustellen, die die "Anderen" sehr faszinierend finden. Bei den "Anderen" tummeln sich Wölfe, Vampire, Krähen, Bären, aber auch Wesen, von denen die Menscheit denkt, dass sie nur in Legenden vorkommen bzw. sie sich nicht darüber bewusst sind, dass auch ganz allgemeine Dinge von "Wesen" gelenkt werden.


    Der Lakeside Courtyard unter der Führung von Simon Wolfgard bietet auf dem Marktplatz die Möglichkeit, dass sich Menschen und die Anderen begegnen können und miteinander Geschäfte machen. Dieses Gleichgewicht ist jedoch sehr zerbrechlich und jede falsche Handlung von Seiten der Menschen kann übelst bestraft werden. Als Meg Corbyn Zuflucht im Lakeside Courtyard sucht, ahnen die anderen noch nicht, dass es sich bei ihr um eine Blutprophetin handelt, die von jemandem als Besitz angesehen wird und die derjenige unter allen Umständen zurück haben möchte. Jedoch scheint dem Verfolger nicht klar zu sein, mit wem er sich da versucht anzulegen...


    Die Welt, die Anne Bishop vor dem Auge des Lesers entstehen lässt, hat mich von der ersten Seite total fasziniert und mir gefällt es sehr gut, wie sie die Eigenschaften der bekannten Tiere, Fabelwesen etc. in die Geschichte mit einfließen lässt und gleichzeitig diese Wesen wirklich "anders" sein lässt. Es wird immer wieder klar, dass es sich bei ihnen nicht um vermenschlichte andere Wesen handelt, sondern um ganz eigenständige Kreationen, die auch nicht unbedingt menschlich handeln, sondern ganz im Gegenteil die Menschen oft damit vor den Kopf stoßen, dass sie zwar nach Mensch aussehen können, sich aber nicht so benehmen.


    Meg Corbyn ist dabei zwar ein Mensch, aber da sie eine Blutprophetin ist, agiert sie auch anders als Menschen das üblicherweise tun, womit sie gut in die Welt der "Anderen" hinein passt.
    Gut hat mir dabei auch gefallen, dass obwohl da unterschiedliche Wesen aufeinander treffen, sie miteinander wie auch immer kommunizieren und damit keine Missverständnisse entstehen, die so gerne in Büchern beschrieben werden, die nur darauf basieren, dass nicht miteinander gesprochen wird. So etwas kommt hier nicht vor, was mir sehr gut gefallen hat.


    Das Buch nimmt sich viel Zeit die Welt der "Anderen" einzuführen, ihre verschiedenen Wesen vorzustellen und hat seinen Fokus vor allem auf der Annäherung zwischen Meg und ihren neuen "Freunden". Dabei nimmt das Kennenlernen zum Teil wirklich lustige Formen an und zeitweise musste ich sogar laut auflachen, in welche aberwitzigen Situationen sich Meg wiederfindet und zu welchen amüsanten Verhaltensweisen die "Anderen" neigen.


    Gegen Ende des Buches kommt es dann zum lange vorher schon angekündigten Showdown, der sehr spannend beschrieben wurde und bei dem nochmal einige andere Wesen ihr wahres Gesicht zeigen können. Ich war total fasziniert und begeistert von den tollen Ideen mit denen die Autorin da aufwartet und der Kraft, die diese Geschöpfe entfalten können.


    Das Ende ist in sich geschlossen, gleichzeitig bleibt noch genug Raum für hoffentlich einige Folgebände, denn ich würde sehr gerne schon bald wieder in die Welt der "Anderen" eintauchen. Für mich ein absolutes Lese-Highlight und eine klare Empfehlung für alle, die mal eine ganz andere Art von Fantasy lesen möchten. Dafür gibt es volle 5ratten und ein klarer :tipp:


    Liebe Grüße
    Tammy :winken:

    &WCF_AMPERSAND"Jeder der sich die Fähigkeit erhält, Schönheit zu erkennen, wird nie alt werden.&WCF_AMPERSAND" (Franz Kafka)

  • Ich habe gerade auf fb beim Verlag gesehen, dass im Mai Band 2 "Krähenjagd" erscheinen soll :winken:

    LG, Dani


    **kein Forums-Support per PN - bei Fragen/Problemen bitte im Hilfebereich melden**

  • Oh wie toll! Danke für die Information!


    Ui, danke für die Info! Das sind ja tolle Neuigkeiten! :klatschen:


    Liebe Grüße
    Tammy :winken:

    &WCF_AMPERSAND"Jeder der sich die Fähigkeit erhält, Schönheit zu erkennen, wird nie alt werden.&WCF_AMPERSAND" (Franz Kafka)

  • Gestaltwandlerfantasy gehört nun nicht gerade zu meinem Beuteschema, aber nach diesen positiven Buchbesprechungen wollte ich es mit "In Blut geschrieben" einfach mal versuchen. Ich habe es nicht bereut, denn die Lektüre hat mir viel Spaß gemacht und ich bin nun auch neugierig auf die Fortsetzung.


    Anne Bishop zeichnet das Bild einer Welt, in der Mensch und Anderwesen sich Land und Ressourcen teilen. Der Mensch ist keinesfalls die dominante Spezies, die alles im Griff hat; vielmehr sind die Anderen diejenigen, die bestimmen. Sie sind faszinierend gezeichnet und können ihre Gestalt nach Belieben in eine menschliche verwandeln, aber auch als wilde Wölfe, Krähen, Kojoten, Bären und so weiter auftreten. Die Wildheit und Fremdheit bleibt ihnen unabhängig von der Gestalt erhalten und prägt ihr Auftreten. Deswegen kommt es auch zu Irritationen und Konflikten mit den Menschen.


    Hier kommt die Verbindungsperson ins Spiel, ein Posten, der bislang als Schleudersitz verschrien war. Als Post"beamter" soll diese Person das Bindeglied zwischen Menschen und Anderswesen sein, denn die Gestaltwandler bestellen gerne aus dem Versandkatalog und lassen sich von den Menschen beliefern, einer der Gründe, warum die Menschen noch nicht von ihnen ausgerottet wurden. Und so kommen wir zu unserer Hauptfigur Meg Corbyn, die auf der Flucht ist und sich genau auf diesem Posten vor ihren Verfolgern versteckt. Aufgrund ihrer liebenswerten und annehmenden Art gewinnt sie sowohl das Vertrauen von Mensch und Anderswesen, so dass sie fortan geschützt ist.


    Der Grund für ihre Verfolgung: sie ist eine Blutprophetin, das heißt, sie kann die Zukunft voraussagen, aber nur dann, wenn ihr eine Verletzung zugefügt wird. Da die Prophezeiungen der Blutprophetinnen sehr genau sind, ist ihre Haut ein wertvolles Gut und sie werden wie Gefangene gehalten, völlig von der Außenwelt abgeschnitten. Hier ist der Punkt, an dem ich mich mit dem Buch etwas unwohl gefühlt habe. Ich hatte immer den Gedanken im Hinterkopf, was wohl jugendliche LeserInnen dabei empfinden, die durch selbstverletzendes Verhalten gefährdet sind - das kommt ja durchaus öfter vor. Zwar versucht Meg, ihrer fast aussichtslosen Situation zu entkommen und auch den Drang, sich selbst zu verletzen, zu unterdrücken. Dennoch kommt da eine Komponente mit ins Spiel, die mich etwas ratlos machte; die Selbstverletzung wird schon auch als eine Art Erlösung dargestellt. Soll man sowas schreiben, darf man so was schreiben? Ich wäre gespannt, was andere dazu meinen - in den bisherigen Besprechung ist niemand darauf eingegangen.


    Davon abgesehen hatte ich viel Spaß mit dem Buch; es gibt durchaus lustige und rührende Szenen, der Grundton ist aber eher düster, rau und blutig, und insgesamt geht es um eine kriminelle Verschwörung. Die mystische Seite der Geschichte hat mir besonder gut gefallen; die Rolle der Elementarwesen - allen voran der Winter - ist sehr schön ausgearbeitet und hat mir ganz tolle Lieblingsszenen beschert. Auch das Setting, das wohl dem amerikanischen Westen nachempfunden ist und die winterliche Stimmung, die sich durchs ganze Buch zieht, fand ich sehr gelungen.


    Die Figuren habe ich trotz oder gerade wegen ihrer Andersartigkeit ins Herz geschlossen. Die Autorin hat es wirklich sehr gut verstanden, das "wölfische" oder "krähige" oder "bärige" an den verschiedenen Wesen herauszuarbeiten und sie nicht zu vermenschlichen. Nicht zu vergessen, es gibt auch ein paar vampirartige Darsteller, die ich auch sehr gern mochte. Dennoch stellen sie sich auf Meg ein und bekommen alleine dadurch ein paar verhuschte menschliche Züge, die ihnen gut zu Gesicht stehen. Besonders gut gefiel mir dabei, wie Meg den kleinen Wolf Sam aus der Reserve lockt und ihm in seiner Lage hilft, das ist wirklich herzerweichend.


    Ich freu mich schon sehr, dass mit "Krähenjagd" die Fortsetzung in der Pipeline ist und ich demnächst erfahren kann, wie es mit Meg und ihren menschlichen und nichtmenschlichen Freunden weiter geht.

    :lesen: Brandon Sanderson - Krieger des Feuers