05 - Teil 3 (ab S. 297)

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Aber wer jetzt hier weiter Panik verbreitet, bekommt eine Zwangs-Forenpause verordnet!

Es gibt 14 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Valentine.

  • Hier könnt Ihr zum Inhalt von Seite 297 bis zum Ende schreiben.
    Spoilermarkierungen sind aufgrund der Seitenbeschränkung nicht vorgesehen.

    Liebe Grüße

    Tabea

  • Ich wünsche Euch ein wunderbares neues Jahr!


    So - ausgelesen (noch im alten Jahr). Ein wenig sehr rund, die ganze Geschichte mit der entgültigen Rückkehr nach Berlin fand ich und dass sich auch Nora so gut in das neue Leben, in dem so einige lange verlorene Familienmitglieder ins schöne Haus aufgenommen wurden, einfügte und quasi die ganze Chose managte, das war mir dann doch ein wenig weit hergeholt!


    Aber das macht überhaupt nichts, ich bin dennoch vollends begeistert und das hängt vor allem mit der frühen Publikation dieses Werkes zusammen und mit dem Umstand, dass die Autorin Amerikanerin bzw. keine Deutsche ist. Die paar Klischees, die sie einfließen ließ und die sich zum Ende hin ein wenig häufen, verzeihe ich ihr gern ob der Tatsache, dass sie trotz allem einen ganz besonderen, einfühlsamen Blick auf die Deutschen und vor allem auf das Nachkriegsberlin richtet - voller Empathie und dem Erkennen der Nöte, die viele dieser Menschen zu der Zeit durchlebten - innerlich, versteht sich!


    Zum Inhalt: traurig, dass Rosie sterben musste, aber nicht überraschend, sie hatte ja auch schon einiges durchgemacht, die Arme. Dann hat mich noch überrascht, dass Gerhard so flott in den Hafen der Ehe einlief, das hätte ich jetzt nicht unbedingt erwartet!

  • Ausgelesen habe ich es auch noch im alten Jahr, kam aber nicht mehr zum Kommentieren. Aber jetzt!


    Dass es Gerhard in England nach leichten Startschwierigkeiten gut geht, hat mich sehr gefreut, für alle Beteiligten (vor allem, nachdem herauskam, wie er in Berlin von diesem Herrn Josef ausgenutzt worden war). Ebenso bin ich froh, dass Nora und Eric noch zusammen sind. Nora macht sogar einen glücklicheren Eindruck auf mich, freier, mehr sie selbst.


    Der Besuch in Bergen-Belsen hat mich sehr berührt und mitgenommen. Dass die Dorfbewohner nach wie vor abstreiten, was direkt nebenan passiert ist, dass sie die Briten dafür hassen, ihnen das Lager gezeigt zu haben, erscheint unfassbar, ist aber gleichzeitig leider glaubwürdig. Man lässt sich ja nicht gerne vor Augen führen, was man eigentlich wusste, aber nicht wahrhaben wollte. Der Gipfel der Unmenschlichkeit aber war für mich "Sperrt sie weg, die beklauen uns nur" :traurig: Doch auch das ist, wie ich befürchte, keineswegs an den Haaren herbeigezogen.


    Die Transitautobahn nach Berlin und diese surreale Fahrt dorthin erscheint wie aus einem schlechten Film, oder? Kaum zu glauben, dass das noch gar nicht so furchtbar lang her ist (ich erinnere mich noch gut an unseren ersten Besuch in der "Ostzone" kurz nach dem Mauerfall ... es fühlte sich an wie eine Zeitreise, alles alt und etwas heruntergekommen).


    Gerhard hat seinen Vater für sich zu einem Helden stilisiert, der er so wahrscheinlich nicht war (oder halte nur ich die Geschichte mit den "kaputtreparierten" Panzern für erfunden?)


    Tante Rosies Tod hat mich genauso kalt erwischt wie Nora und Eric. Wie schade, dass sie sich nicht noch einmal gesehen haben. Und Albrecht ist und bleibt ein arroganter Kotzbrocken, ein ekelhafter Opportunist und ein Nazi. "Rasse" und "Blut" ... tolle Argumente :kotz: Es wird ihn zwar nicht groß gekümmert haben, aber ich fand es klasse, dass ihm Eric kräftig die Meinung gesagt hat.


    Die Einzelheiten aus Käthes Geschichte zu erfahren fand ich sehr traurig :traurig: Erst verliert sie ihren Mann, dann ihre Tochter (erst durch die Trennung und dann gänzlich durch die Krankheit), und am Ende wird sie wegen dieses ätzenden Albrecht als vermeintliche Kollaborateurin verpfiffen. So eine blöde, ungerechte Sch...e!


    Die Gedanken zur Einbürgerung/Integration, die Käthe in dem Kapitel formuliert, sind wieder eins dieser Dinge, die auch und gerade heute aktuell sind. Und wenn ich so drüber nachdenke, bleibt dieses Etikett wirklich zeitlebens hängen. Meine Mutter sagt heute noch über manche Familien im Ort, die nach dem Krieg aus dem Osten zu uns kamen, "Das waren Flüchtlinge". (Das ist von ihr nicht böse oder auch nur negativ gemeint, aber die Schublade "die sind nicht von hier" existiert einfach.)


    Damit, dass Eric nach Deutschland zurückkehrt, hätte ich anfangs nie gerechnet, aber jetzt, nachdem er sich so eingehend mit seiner verdrängten Vergangenheit auseinandergesetzt hat, erscheint es nur folgerichtig, dass er beschließt, in dem Haus, das nun seines ist, tatsächlich zu wohnen und auch Gerhard dort wieder aufzunehmen. Und wie schön, dass Eric wieder schreibt!


    Das Nachwort fand ich auch sehr interessant. Allerdings bin ich immer noch nicht so ganz überzeugt, dass wir die Erzählerin in der Form gebraucht haben. Sie blieb mir zu sehr Mittel zum Zweck, um als Figur zu überzeugen, während die anderen Charaktere ja sehr glaubwürdig und rund ausgearbeitet waren.

    The west-winds blow, and, singing low,
    I hear the glad streams run;
    The windows of my soul I throw
    Wide open to the sun.

    (John Greenleaf Whittier)





  • Ich wünsche Euch ein wunderbares neues Jahr!


    Danke sehr, das wünsche ich Dir auch!


    Zitat

    Ein wenig sehr rund, die ganze Geschichte mit der entgültigen Rückkehr nach Berlin fand ich und dass sich auch Nora so gut in das neue Leben, in dem so einige lange verlorene Familienmitglieder ins schöne Haus aufgenommen wurden, einfügte und quasi die ganze Chose managte, das war mir dann doch ein wenig weit hergeholt!


    Das hat mich gar nicht so sehr gestört. Klar, im richtigen Leben wäre das vielleicht nicht ganz so glatt gelaufen, aber dass Eric endlich zugeben kann, dass er in England nie richtig glücklich war und in seine Heimatstadt zurückkehrt, fand ich gut.


    Gerhards rasche Hochzeit war tatsächlich überraschend, aber er hatte ja nie so ein richtiges Zuhause und wollte vielleicht deshalb endlich eine eigene Familie gründen und sich wirklich zugehörig fühlen.

    The west-winds blow, and, singing low,
    I hear the glad streams run;
    The windows of my soul I throw
    Wide open to the sun.

    (John Greenleaf Whittier)





  • Das Nachwort fand ich auch sehr interessant. Allerdings bin ich immer noch nicht so ganz überzeugt, dass wir die Erzählerin in der Form gebraucht haben. Sie blieb mir zu sehr Mittel zum Zweck, um als Figur zu überzeugen, während die anderen Charaktere ja sehr glaubwürdig und rund ausgearbeitet waren.


    Das ist genau der Punkt: aus meiner Sicht ist das der Dreh- und Angelpunkt an dem Buch: wir haben sie nicht gebraucht (sie ist ein bisschen sowas wie das fünfte Rad am Wagen), aber Verna B. Carlton musste sich ganz offenbar selbst mit einbauen, damit die ganzen Zusammenhängen, die ganzen Drehungen und Wendungen tatsächlich so funktionierten wie geplant. Weil sie möglicherweise in einem bestimmten Zusammenhang mit ihrer eigenen Realität, mit dem von ihr selbst Erlebten standen und sie das anders nicht "hingefummelt" bekommen hätte.

  • Das mag sein, dass sie unbedingt diese Perspektive einer Amerikanerin hineinbringen wollte. Ansonsten hätte man die Geschichte ja auch einfach durch einen unbeteiligten stummen Erzähler schildern lassen können, der immer nur so viel verrät, dass es spannend bleibt.

    The west-winds blow, and, singing low,
    I hear the glad streams run;
    The windows of my soul I throw
    Wide open to the sun.

    (John Greenleaf Whittier)




  • Ich fang mal mit dem Ende an: Ich fand es typisch amerikanisch :breitgrins:, aber deswegen nicht zwingend schlecht. Es ist halt, auch wenn ich den Begriff bei diesem Roman nicht wirklich passend finde, ein Happy-End. Selbst Tante Rosies Tod, der in ihrem Alter ja nun nicht wirklich überraschend ist, stört den Eindruck nicht.
    Ich freue mich auch für die Protagonisten. Besonders für Nora, die mir von Anfang an am Liebsten war, aber auch für Eric, mit dem ich bis zum Schluss nicht warm gewoeden bin.
    Natürlich hat sich im Laufe des Buches schon der "Grund" für sein anfängliches Verhalten geklärt, trotzdem ist er mir zu "heftig" in allen seinen Emotionen und in seinem Verhalten.


    Bergen-Belsen fand ich auch sehr ergreifend beschrieben und sehr beeindruckt war ich auch über Erics und Käthes Aussagen zum Thema "Emigranten". Das man niemlas wirklich dazugehört, auch wenn man sich noch so sehr bemüht. Das macht mich, die ich immer in meiner Heimat (=Ruhrgebiet) gelebt habe, sehr traurig. Ich würde mir wünschen, dass viele Emigranten dies nicht so erleben müssten, aber gerade die aktuelle Weltlage rückt diesen Wunsch wohl meilenweit in den Hintergrund.


    Die Ich-Erzählerin empfand ich eigentlich auch überflüssig. Als Freundin von Nora und neutrale Person sicherlich für die anderen Protagonisten wertvoll, aber dann hätte ich mir eine Figur mit mehr Raum gewünscht. Sehr interessant fand ich aber eben ihren "auswärtigen" Blick auf die Deutschen, Klischees mit eingeschlossen. Einiges davon hat mich regelmäßig ins Grübeln gebracht.


    Insgesamt hat mir das Buch, trotz einiger kleinerer Kritikpunkte, gut gefallen und mich sehr zum Nachdenken angeregt, was ja immer positiv ist.


  • Ich fang mal mit dem Ende an: Ich fand es typisch amerikanisch :breitgrins:, aber deswegen nicht zwingend schlecht. Es ist halt, auch wenn ich den Begriff bei diesem Roman nicht wirklich passend finde, ein Happy-End. Selbst Tante Rosies Tod, der in ihrem Alter ja nun nicht wirklich überraschend ist, stört den Eindruck nicht.


    Was ist denn ein typisch amerikanisches Ende? Du meinst, weil es ein glückliches Ende genommen hat?
    Für mich war das kein HappyEnd, muss ich gestehen, denn ich denke, dass vor nahezu allen aus dem Exil Zurückgekehrten ein hartes Stück Arbeit liegt. Im Grunde zeigt sich das ja auch schon an der Ich-Erzählerin, die noch nicht einmal eine Exilantin ist: sie hatte sich vor ihrem Deutschland-Besuch vorgenommen, dass sie triumphieren wird, wenn sie in das Land der besiegten Nazis kommt. Und dann? Sie kann dieses Hoch-Gefühl gar nicht empfinden...
    Für Eric, Käthe, Magda und all die Verfolgten, die nun wieder in Deutschland Fuss fassen wollen, wird es in meinen Augen sehr hart. Selbst wenn sie bereit sind, mit den Tätern, Vollstreckern und Mitläufern zu leben - sie werden ständig an all die Toten erinnert. An das Wenige, was mit der großen Familie der Ahrenfelds übrig geblieben ist. Wie deutlich wird es bewusst, als Franz die 6 Millionen Juden erwähnt, die selbstverständlich unwiederbringlich fehlen. Die Synagogen, die richtigerweise wiederaufgebaut werden, aber nur - wenn überhaupt - für einen Bruchteil der Gläubigen, die sie zuvor besucht haben.
    Ich denke es wird harte Arbeit für alle, die nun in der Grunewald-Villa unterkommen. Aber ja, es ist wichtig, denn es zeigt, dass die wenigen Überlebenden Deutschland nicht den immer noch überzeugten Nazis überlassen wollen. Und auch nicht denen, die denken, dass Bergen-Belsen einen Judenpark hatte.


    Das einzige HappyEnd, dass ich erkenne, ist die Tatsache, die Verna B. Carleton damals nicht ahnen konnte: dass Albrecht nicht recht behalten hat - mit seiner Aussage, dass die Deutschen nun mal eine starke Hand brauchen und keine wie Cornflakes importierte Demokratie. Da lag dieser arrogante Deutschnationale zum Glück daneben: Deutschland wurde zu einer verlässlichen Demokratie - auch wenn sie in den ersten Jahrzehnten noch üble Fehler gemacht hat, indem sie die Täter ungestraft ließ oder sie sogar in Amt und Würden zurückgeholt hat.

    Liebe Grüße

    Tabea

  • Du hast natürlich recht, die Zukunft, die vor allen liegt wird noch einiges zu handeln, bewältigen und erarbeiten haben. Das ist nun mal das Leben. Vor allem, wenn man ein Trauma erlitten hat.
    Aber trotz allem ist es doch für die Protagonisten erst einmal gut ausgegangen:
    Eric: er hat sich seiner Vergangenheit gestellt, spricht wieder deutsch, hat sich mit seiner Verwandtschaft ausgesöhnt und baut sich eine neue Existenz in der alten Heimat auf.
    Nora: die Ehe ist heil geblieben, sie ist glücklich im Kreis der neuen Familie und steht dem Haus taff und erfolgreich vor und hat neue Freundinnen gefunden.
    Käthe: sie hat sich mit Eric ausgesöhnt, lebt sicher in ihrem Heim, hat mit Nora eine Freundin an ihrer Seite.
    Gerhard: kommt gereift aus London nach Hause, findet sogar schnell eine Frau, die er heiraten möchte.
    Franz: durch Noras Beziehungen bekommt er seine Anerkennung und auch Erfolg mit seinen Bildern.
    Magda: kommt aus Israel zurück und scheint sich direkt in den neuen gegründeten Hausstand einzufügen.


    Das ist für mich wie in einem typischen Hollywood-Film. Alles wie mit rosafarbenen Zuckerguss überschüttet. Ganz egal wie ernst, dramatisch oder traurig die ganze Geschichte vorher verlaufen ist.

  • Ebenso bin ich froh, dass Nora und Eric noch zusammen sind. Nora macht sogar einen glücklicheren Eindruck auf mich, freier, mehr sie selbst.


    Wirklich gezweifelt habe ich nicht an der Beziehung der beiden, aber ich muss auch gestehen, dass ich mich sehr gefreut habe, dass Nora die Veränderung Erics nicht weiter gegen sich interpretiert hat und sich so in etwas hineingesteigert hat.
    Aber wenn ich mich an ihre Stelle denke... es muss unglaublich schwierig sein, mit dem eigenen Mann eine solche Reise zu machen und zu entdecken, was sich da alles unter hauchdünnem Putz angesammelt hat.


    Zitat

    Der Besuch in Bergen-Belsen hat mich sehr berührt und mitgenommen. Dass die Dorfbewohner nach wie vor abstreiten, was direkt nebenan passiert ist, dass sie die Briten dafür hassen, ihnen das Lager gezeigt zu haben, erscheint unfassbar, ist aber gleichzeitig leider glaubwürdig. Man lässt sich ja nicht gerne vor Augen führen, was man eigentlich wusste, aber nicht wahrhaben wollte. Der Gipfel der Unmenschlichkeit aber war für mich "Sperrt sie weg, die beklauen uns nur" :traurig: Doch auch das ist, wie ich befürchte, keineswegs an den Haaren herbeigezogen.


    Die, die Derartiges gebilligt haben, werden sich durch ein paar Jahre, einer eventuellen "Besichtigung" und den Gegenargumenten nicht überzeugen lassen. Die waren ja überzeugt, dass das, was mit Juden, Andersdenkenden, Homosexuellen, etc. geschehen ist, richtig war und ist.
    Die, die sich damals nicht interessiert haben, haben später mit sich selbst zu tun. Mit der Schmach der Niederlage und den erneuten Kriegsreparationen. Oder aber sie verdrängen aus Selbstschutz - weil sie sich sonst eingestehen müssten, was sie da gutgeheißen unterstützt oder zumindest geduldet haben...
    Oder um es Tante Rosie sagen zu lassen (S. 223):
    Mein lieber Junge, die Menschen, die sich schuldig fühlen, sind Menschen wie du und ich - anständige, rechtschaffene Leute, die weinen, weil sie das, was geschehen ist, nicht verhindern konnten - nicht, weil sie es getan haben.


    Zitat

    (ich erinnere mich noch gut an unseren ersten Besuch in der "Ostzone" kurz nach dem Mauerfall ... es fühlte sich an wie eine Zeitreise, alles alt und etwas heruntergekommen)


    Wenn man bedenkt, dass vor einem Besuch Honeckers zum Beispiel in Schwerin die Fassaden der Häuser, an der ihn die Route vorbeiführte, vorab schnell gestrichen wurde. Aber natürlich nur bis in die Höhe, die man aus dem Auto heraus erkennen konnte...


    Zitat

    Gerhard hat seinen Vater für sich zu einem Helden stilisiert, der er so wahrscheinlich nicht war (oder halte nur ich die Geschichte mit den "kaputtreparierten" Panzern für erfunden?)


    Das habe ich mich ebenfalls gefragt. Wobei ich es Franz zutraue, dass er seine Möglichkeiten genutzt hat. Vielleicht nicht direkt Sabotage, aber zumindest auch keine perfekte Arbeit. Wenn es nur einwenig Sand im Getriebe war, ist es mehr, als viele andere getan haben.


    Zitat

    Die Einzelheiten aus Käthes Geschichte zu erfahren fand ich sehr traurig :traurig: Erst verliert sie ihren Mann, dann ihre Tochter (erst durch die Trennung und dann gänzlich durch die Krankheit), und am Ende wird sie wegen dieses ätzenden Albrecht als vermeintliche Kollaborateurin verpfiffen. So eine blöde, ungerechte Sch...e!


    Ja, diese Wendung ist wirklich schlimm. Es macht deutlich, was all der Hass, all die Mordlust mit den Menschen gemacht hat. Sie vertrauen am Ende nicht einmal der Frau, mit der sie zusammen gekämpft haben und die mit ihrem Freund verheiratet war.
    Aber es ist sehr schwierig, den Menschen der Résistance dies vorzuhalten - denn natürlich haben sie sehr gelitten und unbeschreibliche Verluste durchlebt. Da sind Feindbilder im Kopf, die es erst einmal abzubauen gilt... Und Käthe wird bedauernswerterweise zu einem Feindbild, einfach, weil sie Deutsche war.


    Zitat

    Die Gedanken zur Einbürgerung/Integration, die Käthe in dem Kapitel formuliert, sind wieder eins dieser Dinge, die auch und gerade heute aktuell sind. Und wenn ich so drüber nachdenke, bleibt dieses Etikett wirklich zeitlebens hängen. Meine Mutter sagt heute noch über manche Familien im Ort, die nach dem Krieg aus dem Osten zu uns kamen, "Das waren Flüchtlinge".


    Ja, das kenne ich auch aus unserem Dorf. Ich habe das als Kind gar nicht verstanden, was meine Oma und meine Mutter damit meinten, dass das Flüchtlinge seien. Als Kind habe ich mir damals vorgestellt, dass sie dann eine andere Sprache sprechen müssten...
    Aber in den Nachkriegsjahren gab es sehr viel Ablehnung für "die aus dem Osten". Und wie Du schreibst: das hat sich manifestiert, auch wenn es später noch nicht einmal mehr negativ gemeint war.
    Heute habe ich mehr Hoffnung, denn ich habe insgesamt den Eindruck, dass wir durchaus schon bunter geworden sind. Soll nicht heißen, dass wir nicht trotzdem jede Menge Arbeit vor uns haben - gegen all die Vollpfosten, die denken, dass Deutschland den Deutschen gehören sollte.


    Zitat

    Damit, dass Eric nach Deutschland zurückkehrt, hätte ich anfangs nie gerechnet, aber jetzt, nachdem er sich so eingehend mit seiner verdrängten Vergangenheit auseinandergesetzt hat, erscheint es nur folgerichtig, dass er beschließt, in dem Haus, das nun seines ist, tatsächlich zu wohnen und auch Gerhard dort wieder aufzunehmen.


    Nein, anfangs hätte ich damit nie im Leben gerechnet. Aber das Gefühl, dass die Aufarbeitung für Eric persönlich immens wichtig ist und er dazu vielleicht ganz zurückkehren sollte/könnte, ist während der Lektüre gewachsen. Außerdem waren für das Gewissen der jungen Demokratie Menschen wie Eric sehr wichtig, deshalb ist diese Entscheidung natürlich überaus wünschenswert.


    Zitat

    Allerdings bin ich immer noch nicht so ganz überzeugt, dass wir die Erzählerin in der Form gebraucht haben. Sie blieb mir zu sehr Mittel zum Zweck, um als Figur zu überzeugen, während die anderen Charaktere ja sehr glaubwürdig und rund ausgearbeitet waren.


    Ehrlicherweise muss ich gestehen, dass mich das Vorhandensein der Ich-Erzählerin durchaus ab und an irritiert hat. Ist es realistisch, dass solche schmerzhaften Details, wie sie Rosie, Käthe, Franz und Eric austauschen, vor einer relativ fremden Dritten offenbart werden? Eric hat ja nicht selten schon Schwierigkeiten, sich Nora anzuvertrauen...

    Liebe Grüße

    Tabea


  • Eric: er hat sich seiner Vergangenheit gestellt, spricht wieder deutsch, hat sich mit seiner Verwandtschaft ausgesöhnt und baut sich eine neue Existenz in der alten Heimat auf.


    Und wird dennoch zeitlebens mit seiner Flucht und der Tatsache, dass er sich mit seinem Vater nicht mehr versöhnen konnte, zurechtfinden. Ausgesöhnt hat er sich nicht mit allen - der unsägliche Albrecht steht für den verhassten deutschnationalen Zweig seiner Familie, denn er kann selbst Ende der 50er nichts Unrechtes an unbedingter Loyalität gegenüber dem Führer finden.


    Zitat

    Nora: die Ehe ist heil geblieben, sie ist glücklich im Kreis der neuen Familie und steht dem Haus taff und erfolgreich vor und hat neue Freundinnen gefunden.


    Wobei ich ihre Ehe nie wirklich bedroht gesehen habe - und selbst wenn, dann lag es vor allem an der äußerst schwierigen Situation für sie. Denn wie sie selbst feststellt: während man bei einem Therapeuten lange Zeit mit wohldosierten Sitzungen konfrontiert wird, befasst sich Eric binnen weniger Stunden mit dem ganzen Ausmaß seines Traumas - und verändert sich dadurch unweigerlich.


    Zitat

    Käthe: sie hat sich mit Eric ausgesöhnt, lebt sicher in ihrem Heim, hat mit Nora eine Freundin an ihrer Seite.


    Ja, sie sieht Licht am Horizont, aber ich denke nicht, dass es ihr gut geht. Als Gerhard heiraten möchte und sie daran denkt, dass ihre Tochter nun 19 Jahre alt wäre... Käthe hat sich eine Perspektive erarbeitet (schon vor Erics Rückkehr, indem sie Die Bücherstube geöffnet hat), aber für mich ist das sehr weit weg von einem HappyEnd.


    Zitat

    Franz: durch Noras Beziehungen bekommt er seine Anerkennung und auch Erfolg mit seinen Bildern.


    Stimmt, er hat durch Noras Verbindungen eine Möglichkeit erhalten, die er so vermutlich nicht bekommen hätte, aber auch bei ihm kann ich nicht erkennen, dass nun alles gut ist. Auch wenn er besser als Eric mit der Vergangenheit zurechtkommt, zeigen seine Bilder und auch das verkorkste Verhältnis zu seinem Sohn die Wunden, die Folter und KZ-Haft hinterlassen haben.

    Zitat

    Magda: kommt aus Israel zurück und scheint sich direkt in den neuen gegründeten Hausstand einzufügen.


    Aber sie lässt auch etwas in Israel zurück: ihren Sohn David. Nachdem sie ihren Mann Leo bereits verloren hatte und in der neuen Heimat nie angekommen ist... Sicherlich auch keine leichte Situation.


    Zitat

    Das ist für mich wie in einem typischen Hollywood-Film. Alles wie mit rosafarbenen Zuckerguss überschüttet. Ganz egal wie ernst, dramatisch oder traurig die ganze Geschichte vorher verlaufen ist.


    Das geht mir komplett anders. Rosa Zuckerguss klingt in meinen Augen nach Kitsch - hier kann ich weder ein Happy End noch Kitsch erkennen. Ein kleines bisschen Glück und eine Perspektive, ja. Ein kleiner familiär-freundschaftlicher Verbund, der einiges erleichtern wird. Aber angesichts des Verlusts und der erlittenen Traumata für mich kein rundherum glückliches Ende. Alleine schon deshalb, weil ich nur ahnen kann, wie all die Schatten und der Schmerz diese Menschen begleiten wird...

    Liebe Grüße

    Tabea

  • Ja, das Leben aller Personen wird schwer bleiben, keine Frage. Sie haben Schlimmes, mehr noch Dramatisches durchgemacht und die Zukunft wird ihre Tücken, Hürden und Probleme bereithalten. Und mit einem betonterem Ende auf diese realistischen Aspekte hätte mir das Ende besser "gepasst".
    Sicherlich ist der Begriff "Happ End" nicht für alle Leser passend, weil jeder damit etwas anderes, andere Details verbindet.


  • Aber wenn ich mich an ihre Stelle denke... es muss unglaublich schwierig sein, mit dem eigenen Mann eine solche Reise zu machen und zu entdecken, was sich da alles unter hauchdünnem Putz angesammelt hat.


    Da ziehe ich auch ganz kräftig meinem Hut vor Nora und ihrer Liebes- und Leidensfähigkeit und ihrem stetigen Glauben an ihre Beziehung!


    Zitat

    Mein lieber Junge, die Menschen, die sich schuldig fühlen, sind Menschen wie du und ich - anständige, rechtschaffene Leute, die weinen, weil sie das, was geschehen ist, nicht verhindern konnten - nicht, weil sie es getan haben.


    Der Satz ist mir sehr unter die Haut gegangen.


    Zitat

    Aber es ist sehr schwierig, den Menschen der Résistance dies vorzuhalten - denn natürlich haben sie sehr gelitten und unbeschreibliche Verluste durchlebt. Da sind Feindbilder im Kopf, die es erst einmal abzubauen gilt... Und Käthe wird bedauernswerterweise zu einem Feindbild, einfach, weil sie Deutsche war.


    Sicher ist das auch irgendwo verständlich, so übel es ist. Man konnte als Widerstandskämpfer ja nie wissen, hinter welcher Fassade sich vielleicht doch ein Spion der Machthaber versteckt. Aber trotzdem tat es mir für Käthe in der Seele weh, das zu lesen.


    Zitat

    Ehrlicherweise muss ich gestehen, dass mich das Vorhandensein der Ich-Erzählerin durchaus ab und an irritiert hat. Ist es realistisch, dass solche schmerzhaften Details, wie sie Rosie, Käthe, Franz und Eric austauschen, vor einer relativ fremden Dritten offenbart werden? Eric hat ja nicht selten schon Schwierigkeiten, sich Nora anzuvertrauen...


    Da sprichst Du etwas aus, das mich beim Lesen öfter mal gezwickt hat, ohne dass ich es richtig formulieren konnte. Neben der extremen Farblosigkeit und Passivität der Erzählerin ist genau das, was Du beschreibst, das Problem an ihrer Figur!



    Ein kleines bisschen Glück und eine Perspektive, ja. Ein kleiner familiär-freundschaftlicher Verbund, der einiges erleichtern wird. Aber angesichts des Verlusts und der erlittenen Traumata für mich kein rundherum glückliches Ende. Alleine schon deshalb, weil ich nur ahnen kann, wie all die Schatten und der Schmerz diese Menschen begleiten wird...


    Mich hat es auch nicht gestört, dass sich am Ende alles so gut gefügt hat. Ich habe das als ein verdientes bisschen Glück für die Protagonisten empfunden. Und wie im Film nach dem glückseligen Ritt in den Sonnenuntergang irgendwann der manchmal öde Alltag in der Beziehung der Frischvermählten Einzug halten wird, so werden auch unsere Figuren hier noch manchen Kampf zu kämpfen und manchem Dämonen die Stirn zu bieten haben.

    The west-winds blow, and, singing low,
    I hear the glad streams run;
    The windows of my soul I throw
    Wide open to the sun.

    (John Greenleaf Whittier)





  • Sicher ist das auch irgendwo verständlich, so übel es ist. Man konnte als Widerstandskämpfer ja nie wissen, hinter welcher Fassade sich vielleicht doch ein Spion der Machthaber versteckt. Aber trotzdem tat es mir für Käthe in der Seele weh, das zu lesen.


    Auf jeden Fall! Käthe wird mehrfach zum Opfer - gerade deshalb bewundere ich sie sehr. Sie ist unfassbar mutig, muss mit ihren Verlusten zurechtkommen und fängt immer wieder neu an.


    Zitat

    Mich hat es auch nicht gestört, dass sich am Ende alles so gut gefügt hat. Ich habe das als ein verdientes bisschen Glück für die Protagonisten empfunden. Und wie im Film nach dem glückseligen Ritt in den Sonnenuntergang irgendwann der manchmal öde Alltag in der Beziehung der Frischvermählten Einzug halten wird, so werden auch unsere Figuren hier noch manchen Kampf zu kämpfen und manchem Dämonen die Stirn zu bieten haben.


    Mir geht es haargenau so. Es ist ein wenig Glück, keine Frage - aber wenn man es in die Waagschale legt und das ganze Leid, die Schmerzen und die Traumata in die andere... Es ist wirklich ein kleines und mehr als verdientes Glück! Im Grunde der Zusammenhalt, den sie alle dringend benötigen und der sie vermutlich alle ein wenig leichter leben lässt.

    Liebe Grüße

    Tabea


  • Im Grunde der Zusammenhalt, den sie alle dringend benötigen und der sie vermutlich alle ein wenig leichter leben lässt.


    Und ihnen vielleicht doch ein ganz klein wenig den Glauben an die Menschheit zurückgibt, den insbesondere Käthe und Franz, aber auch Eric allen Grund hatten zu verlieren.

    The west-winds blow, and, singing low,
    I hear the glad streams run;
    The windows of my soul I throw
    Wide open to the sun.

    (John Greenleaf Whittier)