01 -Teil 1 (bis S. 74)

Bitte achtet auf euch und eure Lieben! Lasst euch warnen von der Notfall-Informations- und Nachrichten-App des Bundes - bleibt gesund!

Aber wer jetzt hier weiter Panik verbreitet, bekommt eine Zwangs-Forenpause verordnet!

Es gibt 10 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Valentine.

  • Hallo Ihr Lieben,


    hier startet die Leserunde zu "Zurück in Berlin" von Verna B. Carlton.


    Postet hier bitte erst, wenn Ihr mit der Lektüre begonnen habt und etwas zum Buch zu sagen oder zu fragen habt. Die Beiträge "Buch liegt bereit, ich fange heute Abend an" ziehen das Ganze sehr in die Länge und passen besser in den Buchvorschlag. Außerdem wäre schön, wenn Ihr darauf achtet, nicht einzeln zu sehr vorzupreschen, damit wir zusammen bleiben und damit auf einem ähnlichen Stand spekulieren und diskutieren können. Als Faustregel gilt, nicht mehr als ein Abschnitt pro Tag.
    Bitte beachtet auch die Hinweise zur Aktivität und Qualität.


    Zum Abschluss: bitte denkt auch daran, dass ein wichtiger Teil der Leserunden Eure abschließenden Rezensionen sind und stellt diese am Ende der Runde zeitnah hier im Forum und auf literaturschock.de direkt ein.
    Zahlreiche Rezensionen hier und die Streuung auf anderen Seiten steigern bei den Verlagen die Attraktivität von solchen Aktionen: Denkt daran, dass die Teilnahme an der Runde und die Rezensionen die "Gegenleistung" für die Freiexemplare sind.



    Hier könnt Ihr zum Inhalt bis Seite 74 schreiben.
    Spoilermarkierungen sind aufgrund der Seitenbeschränkung nicht vorgesehen.



    Liebe Grüße
    Tabea

    Liebe Grüße

    Tabea

  • Ich bin wirklich sehr beeindruckt vom Schreibstil der Autorin - so farbenprächtig, so packend, ich konnte das Buch nach den "vorgegebenen"74 Seiten nur schwer aus der Hand legen und habe es tränenüberströmt getan. Aus mehreren Gründen: Mir geht das Schicksal des Eric Devon sehr nahe. Allein sein Leben im Exil, sein Verlassensein hat mich sehr, sehr berührt.


    Ich bin aber auch (als Nichtdeutsche) in Deutschland geboren und aufgewachsen und zwar ausgerechnet in Köln, der Stadt, die am stärksten zerbombt wurde und diese Spuren habe ich, obwohl erst in den 1960ern geboren, noch jahrzehntelang mitbekommen. Ich kenne den Kölner an sich gut und weiß, wie unbefangen er mit allen Freundschaft macht, genau wie Herr Grubach. Gut, viele sind oberflächlich und ein wenig bequem und haben es sich unter den Nazis gemütlich gemacht, ebenso viele haben sich jedoch ihre Offenheit bewahrt und haben nach dem Krieg lange Jahre darunter gelitten, dass die Vertreter der Alliiertenländer dem Deutschen allgemein feindselig begegneten. Etwas, was sie selbst nie tun würden - deswegen haben AfD und Pegida hier wenig Chancen. Es gibt zwar Demos, aber da nehmen hauptsächlich Zugereiste teil. Für Grubach, der sich selbst als Weltbürger sieht (offenbar), muss es also unerträglich sein, nur aufgrund seiner Nationalität so abgekanzelt zu werden. Sicher war es nicht diplomatisch und geschickt (das sind Kölsche eher selten) sein Land so zu loben, aber das heißt ja nicht, dass er ein Nazi war (natürlich auch nicht das Gegenteil). Und dass er über die Zeit nicht sprach, kann auch daran gelegen haben, dass das seine Art ist, damit klarzukommen, selbst wenn er nicht offen gegen das Regime gekämpft hat. Gelitten hat seine Familie ja anscheinend auch.


    Die Autorin schildert das Dilemma aufs Eindringlichste. Die Ich-Erzählerin ist im Übrigen eine tolle Person, finde ich - sehr beeindruckend in ihrem Weltverständnis. Wir wissen ja schon aufgrund des Klappentextes, dass Erich den Weg nach Deutschland wagt - und ich bin mehr als gespannt, was da auf ihn und auf uns zukommen wird!

  • Puh, so eine längere Schiffsreise wäre nix für mich. Abgesehen vom Seekrankheitsproblem stelle ich es mir auch grässlich vor, seinen Mitreisenden so gar nicht entgehen zu können. Die "Caribe" ist ja kein weitläufiges Kreuzfahrtschiff voller Annehmlichkeiten, und dieser aufdringliche Grubach ist genau der Typ Mensch, dem man unter solchen Umständen noch weniger begegnen möchte als sowieso schon. Fast kam er mir zunächst wie die Karikatur eines (Nazi)Deutschen vor, aber leider ist seine Darstellung wohl nicht ganz unzutreffend. Sein überhebliches Geschwalle über die faulen Südländer ließ mir schon den Kamm steigen :grmpf:


    Mir gefällt, dass wir hier ein Buch vor uns haben, das nicht Jahrzehnte nach der Zeit geschrieben wurde, in der es spielt, sondern ein echtes Zeitdokument aus den 50er Jahren, das sicherlich noch viel näher dran ist an den Empfindungen und Gegebenheiten der Nachkriegszeit, als es ein aktueller Autor bei aller Recherche und Gewissenhaftigkeit sein kann. In dieser Zeit Deutsche(r) zu sein, war bei der Begegnung mit Menschen aus anderen Ländern sicherlich eine schwierige Sache, selbst wenn man selbst tatsächlich kein Nazi war.


    Erics extreme Ablehnung der Deutschen erschien mir zunächst etwas zu heftig, doch als sein echter Hintergrund herauskam, rückte sich das alles in ein anderes Licht. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass er sogar jüdischer Abstammung ist. Seine Aussage, dass in seiner deutschen Vergangenheit nichts Positives ist, fand ich sehr traurig und auch irgendwie zu pauschal. Zumindest seine Kindheit scheint doch glücklich gewesen zu sein, und an dem Kontaktabbruch mit Käthe ist er ja letztendlich selbst schuld gewesen. Aber natürlich kann ich mir auch vorstellen, dass das gewaltsame Auseinanderreißen der Familie und das Verhalten seiner Verwandten mütterlicherseits die fernen schönen Erinnerungen stark überlagern.


    Und sein Ausspruch Immer, wenn die Welt besonders dringend weitblickende, visionäre Staatsmänner braucht, droht sie in einer Führungskrise zu versinken ist heute leider wieder aktuell wie lange nicht :traurig:


    Die Erzählerin ist für mich momentan noch so was wie ein Phantom und schwer greifbar. Ich bin gespannt, was wir über sie noch herausfinden werden.

    The west-winds blow, and, singing low,
    I hear the glad streams run;
    The windows of my soul I throw
    Wide open to the sun.

    (John Greenleaf Whittier)




  • TochterAlice: ich habe Dein Posting erst gelesen, nachdem ich meines geschrieben hatte, und finde es interessant, wie unterschiedlich wir den Grubach sehen ;)

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    (John Greenleaf Whittier)




  • Valentine
    Das, was Du siehst, das ist mir auch nicht verborgen geblieben. Ich habe über Grubach noch kein endgültiges Urteil gefällt. Er war mir auch nicht sympatisch, aber auf der anderen Seite stellt seine Figur eine typische Sicht auf den Deutschen in der Nachkriegszeit (und noch Jahrzehnte später) dar.


  • aber auf der anderen Seite stellt seine Figur eine typische Sicht auf den Deutschen in der Nachkriegszeit (und noch Jahrzehnte später) dar.


    Das auf jeden Fall. Grubachs gab es immer und wird es immer geben, fürchte ich (und zwar nicht nur in Deutschland).

    The west-winds blow, and, singing low,
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    (John Greenleaf Whittier)




  • Ich bin überrascht wie gut ich in das Buch hereingekommen bin. Ich hatte ein wenig Sorge, dass mir der Schreibstil aufgrund des Erscheinungsjahr nicht so gut gefallen könnte oder mir Probleme bereiten würde. Aber dem ist ganz und gar nicht so! Mir ist es tatsächlich auch schwer gefallen, jetzt erstmal meine Eindrücke hier zu schreiben, und nicht sofort weiterzulesen.


    Die Ich-Erzählerin ist mir auch noch nicht greifbar genug, da brauche ich dringend mehr Infos. Sie scheint aber eine gute Beobachterin zu sein, da sie Erics Problematik im wesentlich schnell erfasst.
    Eric selbst ist mir im Moment noch gar nicht so sympathisch, wie ich das bei Hauptfiguren gerne hätte. Mir sind seine Ansichten irgendwie zu radikal. Ich weiß auch nicht, mir fehlt ein "richtiger", vielleicht "extremerer (?)" Grund, um seinen Hass zu teilen. Seine Frau dagegen mag ich und habe beim Lesen das Gefühl, dass sie dringend Unterstützung braucht, um mit Erics Verhalten fertig zu werden. Ich stelle sie mir irgendwie ganz klein, schmal und zerbrechlich vor.


    Herr Grubach - nun ja. Durch sein Verhalten, mir fällt sofort der Vergleich vom Elefanten im Porzellanladen ein, ist er mir gar nicht so unsympathisch. Aber seine Aussagen und Vorurteile einer bestimmten Gruppe von Menschen gegenüber - pfui!
    Seine Reaktion und Abgang auf Erics Ausspruch hin, kann ich noch nicht einordnen. War es ein schlechtes Gewissen Eric im Besonderen und den deutschen Juden im Allgemeinen gegenüber? Oder war es reine Ablehnung, weil er ein sympatisierender, vielleicht auch praktizierender Nazi war/ist?


    Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie es nun weitergeht. Einen ersten Schritt, um seine Vergangenheit aufzuarbeiten hat Eric ja schon gemacht - er spricht wieder Deutsch und er erzählt einer doch eher fremden Person aus seiner Vergangenheit.


  • Die Ich-Erzählerin ist mir auch noch nicht greifbar genug, da brauche ich dringend mehr Infos. Sie scheint aber eine gute Beobachterin zu sein, da sie Erics Problematik im wesentlich schnell erfasst.


    Ich wüsste auch gerne mehr über sie. Momentan scheint sie mehr ein Vehikel für die Erzählung als alles andere zu sein.


    Zitat

    Mir sind seine Ansichten irgendwie zu radikal. Ich weiß auch nicht, mir fehlt ein "richtiger", vielleicht "extremerer (?)" Grund, um seinen Hass zu teilen.


    Geht mir ähnlich, mir kommt seine Denkweise auch ziemlich extrem vor. Und auch Nora sehe ich wie Du, ich mag sie bislang sehr.

    The west-winds blow, and, singing low,
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    (John Greenleaf Whittier)





  • Die Ich-Erzählerin ist mir auch noch nicht greifbar genug, da brauche ich dringend mehr Infos. Sie scheint aber eine gute Beobachterin zu sein, da sie Erics Problematik im wesentlich schnell erfasst.
    Eric selbst ist mir im Moment noch gar nicht so sympathisch, wie ich das bei Hauptfiguren gerne hätte. Mir sind seine Ansichten irgendwie zu radikal. Ich weiß auch nicht, mir fehlt ein "richtiger", vielleicht "extremerer (?)" Grund, um seinen Hass zu teilen. Seine Frau dagegen mag ich und habe beim Lesen das Gefühl, dass sie dringend Unterstützung braucht, um mit Erics Verhalten fertig zu werden. Ich stelle sie mir irgendwie ganz klein, schmal und zerbrechlich vor.


    Ich glaube, die Ich-Erzählerin sieht Nora so ähnlich wie Du. Zerbrechlich auf jeden Fall, auch wenn das Äußere dem nicht entsprechen würde. Auf der anderen Seite aber eine Stütze für Eric. Und sie ist ja jetzt da, um Nora zu unterstützen...


    Zitat repariert. LG, Valentine

    Einmal editiert, zuletzt von Valentine ()

  • Ehrlicherweise habe ich mich bei der Lektüre des ersten Abschnitts gefragt, wann ich wohl das letzte Mal Exilliteratur gelesen habe... Ich kam nicht darauf - schon gar nicht, was es für ein Roman gewesen sein könnte. :rollen: Vermutlich ist es also schon eine ganze Weile her. Und bei Euch? Gibt es vielleicht einen Roman, der Euch besonders beschäftigt hat?


    Davon abgesehen gefällt mit das Buch bislang sehr gut. Auch wenn ich die Schiffsreise keineswegs gut finde, gefällt mir dieser kleine Kreis, der sich da gefunden hat. Ziemlich interessante Gestalten, oder? Dass es sich bei Eric um einen Exilanten handeln könnte, habe ich schnell vermutet, aber die Erklärung, wie er zu seiner Einbürgerung kam, finde ich spannend. Seinen extremen Ekel vor allem Deutschen kann ich nachvollziehen - was mich allerdings wundert, ist die Tatsache, dass sich das offensichtlich in einer Art Selbstekel entwickelt hat. Alleine, dass er mit Nora noch einigen Jahren Ehe noch immer nicht mehr über seine Vergangenheit gesprochen hat... Und dann die extreme Reaktion auf die Ich-Erzählerin, als er sich entlarvt fühlt! Seine relativ frühe Emigration 1934 war jedenfalls ein deutliches Anzeichen, dass er Jude sein könnte.
    Bemerkenswert finde ich hier übrigens das Können der Autorin: sie hat den inneren Kampf Erics, seine durch Erinnerungen ausgelöste Übelkeit, unglaublich beschrieben - mich haben Erics Gefühle sehr berührt.


    Der ehemalige Résistance-Kämpfer hat mir besonders imponiert! Er steht ein wenig im Gegensatz zu Eric, aber ich denke, es ist auch eine grundsätzliche Einstellungs- und Charakterfrage.


    Grubach steht für mich symbolisch für die Deutschen, die sich keiner Schuld bewusst waren und einfach ganz normal weitermachen wollen. Die, die Millionen Tote verdrängen und am liebsten einen Schlussstrich ziehen wollen.
    Dabei reflektiert er nicht einmal, wie er auf andere wirken könnte. Er plappert so belanglos von Deutschlands Größe und den "Negern", um die man sich nicht sorgen muss, dass es völlig klar ist, wessen Geistes Kind er ist. Das soll jetzt nicht heißen, dass Grubach ein überzeugter Nazi ist - aber in meinen Augen ist er ein Mitläufer, der jetzt nicht gewusst haben will und selbst gegenüber Menschen anderer Nationen so tut, als wäre (fast) nichts gewesen.


    Die Ich-Erzählerin finde ich sehr interessant und würde gerne mehr über sie wissen. Wa ich jetzt sagen kann, ist, dass ich sie als intelligent, einfühlsam und weltoffen empfinde - ziemlich sympathisch.


    Liebe Grüße
    Tabea

    Liebe Grüße

    Tabea

    Einmal editiert, zuletzt von dubh ()


  • Ehrlicherweise habe ich mich bei der Lektüre des ersten Abschnitts gefragt, wann ich wohl das letzte Mal Exilliteratur gelesen habe... Ich kam nicht darauf - schon gar nicht, was es für ein Roman gewesen sein könnte. :rollen: Vermutlich ist es also schon eine ganze Weile her. Und bei Euch? Gibt es vielleicht einen Roman, der Euch besonders beschäftigt hat?


    Das ist eine exzellente Frage! Ich muss direkt mal in meine Leselisten schauen, denn spontan fällt mir gerade gar nichts ein.


    Zitat

    Ziemlich interessante Gestalten, oder?


    Ja, und ein schöner Querschnitt von "typischen" Vertretern dieser Zeit (ohne dass es konstruiert wirkt).


    Zitat

    Dabei reflektiert er nicht einmal, wie er auf andere wirken könnte. Er plappert so belanglos von Deutschlands Größe und den "Negern", um die man sich nicht sorgen muss, dass es völlig klar ist, wessen Geistes Kind er ist.


    Unreflektiert trifft Grubachs Charakter wohl wirklich am besten. Nein, ein überzeugter Nazi durch und durch ist/war er sicher nicht, aber jemand, der sich selbst der Nächste ist und sich nicht groß drum schert, was mit seinen Mitmenschen passiert, solange es ihm selber nicht wehtut.

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    (John Greenleaf Whittier)