Mishell Baker - Borderline (The Arcadia Project #1)

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 2 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Sunita.

  • Hallo ihr Lieben!


    Ich freue mich immer so sehr, wenn ich einen Thread zu einem Buch eröffnen darf, das mir so richtig Spaß gemacht hat. Am liebsten würde ich euch allen dieses Buch in die Hände drücken und vor Aufregung auf- und abspringen wie ein Kind. :breitgrins: Aber vielleicht erzähle ich euch mal, worum es eigentlich geht:


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    Inhalt:
    Vor einem Jahr hat Millie ihre Beine und ihre Regisseur-Karriere durch einen fehlgeschlagenen Selbstmordversuch verloren. Als sie sicher ist, dass der Abspann ihrer Lebensgeschichte vorbei ist, bekommt sie eine zweite Chance beim Arcadia Project, einer geheimen Organisation, die den Verkehr zwischen einer Parallelwelt voller mythologischer Wesen und unserer Welt regelt. Ihr erste Auftrag ist, einen verschwundenen Filmstar zu finden, der so ganz nebenbei ein Adliger des Feenhofes ist. Um ihn zu finden, muss sie sich mit Hollywoods mächtigen Menschen anlegen und die surreale und manchmal erschreckende Wahrheit des Glanz und Glamours von Hollywood aufdecken.
    Aber nicht nur ihre inneren Dämonen sabotieren das Vorankommen. Wenn sie die Verschwörung hinter dem verschwundenen Filmstar nicht auflöst, steht sie nicht nur auf der Straße, sondern der jahrhundertealte Frieden zwischen den Welten könnte zerbrechen. Also kein großer Druck...


    Meine Meinung:
    Wie bei den meisten Büchern, die bei mir derartige Begeisterung auslösen, beeindruckt Borderline auf mehreren Ebenen. Einerseits wird eine spannend Geschichte erzählt, in der man sich ständig fragt wie es weitergeht und was des Rätsels Lösung ist, andererseits hat Mishell Baker eine wirklich originelle Urban Fantasy Welt erschaffen, die sich erfrischend von Altbekanntem hervorhebt. Wo sonst meistens Vampire, Werwölfe und vielleicht andere Dämonen à la Buffy mitspielen, geht es hier nicht nur um Feen (fae für Feen allgemein und sidhe für den Feen-Adel), sondern deren Existenz in unserer Welt ist richtig glaubhaft dargestellt. Das für mich interessanteste Element war aber die Protagonistin, Millie Roper, deren Erfahrungen so weit von meinen eigenen entfernt sind wie ich es mir nur vorstellen kann.


    Wir lernen Millie in einer Anstalt kennen, wo sie bereits viele Monate Therapie hinter sich hat um einerseits mit ihrer Borderline Persönlichkeitsstörung zurecht zu kommen und andererseits mit ihrem Leben nach dem Selbstmordversuch, der sie beide Beine gekostet hat. Hier fand ich erstens die Erklärungen von BPD (Borderline Personality Disorder) spannend, weil ich von dieser Störung vorher nur wenig wusste, und andererseits viele Kleinigkeiten, die für Menschen mit Behinderung Alltag sind, aber auch für mich wieder völliges Neuland darstellten. Dass man eine Prothese, die unter dem Knie befestigt wird etwa BK (below knee) nennt, und eine über dem Knie AK (above knee), oder einfach die vielen Momente, wo man mit Rollstuhl oder eben Prothesen nicht so selbstverständlich durch die Gegend laufen kann wie jemand, der zwei funktionierende Beine hat... ich fand das äußerst faszinierend und lehrreich, ohne dass es sich nach Predigt angefühlt hat. Es ist einfach Teil von Millies Leben und somit auch Teil dieser Geschichte.


    Im Arcadia Project wird Millie mit einem Haufen anderer Menschen zusammen gewürfelt, die ebenso an diversen Behinderungen oder psychischen Störungen leiden. Das hätte sich sehr schnell aufgezwungen anfühlen können, hat aber wunderbar funktioniert, weil alle Charaktere ihre eigene, glaubhafte Persönlichkeit haben. Besonders gefallen hat mir (wenn man das so sagen kann) die abscheuliche Gloria, eine kleinwüchsige Frau, die sich absichtlich so zuckersüß gibt, dass niemand sich traut sie verbal anzugreifen. Aber das Biest kann Gift spucken ohne Ende und ich habe mir oft gewünscht, dass Millie ihr mal so richtig die Meinung sagt - Behinderung hin oder her! Und genau das ist wohl auch die Message, die Mishell Baker ihren Lesern mitgeben will, falls sie eine Message mitzugeben hat. Dass Menschen mit Behinderung auch nur Menschen sind. Klar wissen wir das alles auf rationaler Ebene, aber jeder von uns hat schon mal Kinder erlebt, wie sie jemanden im Rollstuhl anstarren, weil diese Person halt anders ist. Vielleicht hatten wir auch schon mal den Impuls, zu Behinderten extra freundlich zu sein, weil wir uns schuldig dafür fühlen, dass es uns besser geht oder was auch immer. Die psychologischen Hintergründe seien dahingestellt, in Borderline sieht man sehr schön, dass alle Menschen die Fähigkeit haben, so richtige A****löscher zu sein. :breitgrins:
    Die meisten Charaktere habe ich aber sehr lieb gewonnen, besonders jene, die man anfangs sofort in eine Schublade einordnet nur um dann zu merken, dass sie doch vielschichtiger sind als erwartet.


    Zur Handlung will ich nicht zu viel verraten, aber die Welt, die sich durch diese Handlung erschließt, hat mich absolut überzeugt. Dass mythologische Wesen geheim unter uns Normalos leben, ist ja beiweitem keine neue Idee. Aber in dieser Version von Los Angeles haben Feen-Adelige ein "Echo", also ein menschliches Gegenstück, eine Art Seelenverwandten in unserer Welt. Wenn diese zwei sich finden, ist der Mensch wie von der Muse geküsst - daher haben auch viele erfolgreiche Künstler ein Feen-Echo - und die Fee wird dafür menschlicher, kann rational denken, versteht Mathematik usw., Dinge, die für Feen in ihrer Welt unüblich sind. Diese Idee hat mir sehr gefallen und auch wie sich diese Seelenverwandtschaft äußert. Aber auch dazu möchte ich nicht zu viel verraten.


    Was mich aber so begeistert von diesem Buch schreiben lässt, ist das Ende. Der Spannungsbogen wurde geschickt aufgebaut und zum Ende hin gab es ein großes Finale, wie man es sich wünscht. Ein 100%iges Happy End gibt es hier nicht, alleine schon, weil fast alle Charaktere in irgendeiner Form tragische Dinge erlebt haben, aber trotzdem habe ich das Buch mit einem unglaublichen Gefühl der Hoffnung geschlossen und mit einem zufriedenen Lächeln auf dem Gesicht. Ich kann nicht genau sagen warum, aber die Geschichte hat mich einfach glücklich gemacht!


    Und weil ich wirklich nichts an diesem Buch auszusetzen hatte, gibt's auch glatte
    5ratten


    Und jetzt freue ich mich auf den zweiten Teil, der dieses Jahr erscheinen soll.


    Liebe Grüße,
    Wendy

    Jahresziel: 2/52<br />SLW 2018: 1/10<br />Mein Blog

  • Das hört sich klasse an und wandert gleich mal auf meinen Wunschzettel!

    If you get tired, learn to rest, not to quit.

    (Banksy)