Lotte Kühn - Das Lehrerhasserbuch

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 12 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Arsenschnitte.

  • Hallo!


    Da ich gebeten wurde nach Beendigung der Lektüre dieses Buches eine Rezension dazu zu schreiben (was für ein Deutsch!), werde ich das hiermit tun.


    (Es ist meine erste...)


    Lotte Kühn - "Das Lehrerhasserbuch" Knaur 6,95€
    Eine Mutter rechnet ab


    Klappentext:
    Alles ändert sich, nur die Lehrer nicht: Sie haben immer Recht. Sie sitzen am längeren Hebel. Sie hören nie zu. Und sie treiben uns den Spaß am Lernen aus. Unsere Eltern hatten unter ihrer Selbstherrlichkeit zu leiden. Wir haben darunter zu leiden, unsere Kinder werden darunter leiden.
    Als Mutter von vier Kindern hat Lotte Kühn mitlerweile eine erfahrung von 33 Schuljahren - insegsamt könnten es 65 Jahre werden, bis ihre Kinder aus der Schule sind. Kein Wunder, dass sie es satt hat, immer wieder mit den ewiggleichen überforderten, gestressten, ahnungslosen, bequemen und desinteressierten Lehrern konfrontiert zu werden.
    Ihre Bestandsaufnahme lässt nur einen Schluss zu: Leistung ungenügend


    Meine Rezension
    Ich denke, ich bin mit der falschen Motivation an dieses Buch herangegangen. Der Untertitel "Eine Mutter rechnet ab" hätte mich schon warnen sollen. Ich hatte damit gerechnet, dass ich als Schüler mich mit diesem Buch identifizieren könne, was aber 3/4 des Buches nicht so war. Mich stört, dass Frau Kühn die ersten 150 Seiten die Eltern als die wahren Opfer darstellt und die Kinder nur sporadisch erwähnt. Weiterhin stört mich, dass sie in dem Buch kaum über die Grundschule hinwegkommt, nur die letzten 50 Seiten behandeln das Gymnasium (aber auch hier sind es wieder die "armen" Eltern). Da ich schon seit 7 Jahren aus der Grundschule raus bin, kann ich ihre Erfahrungen nicht teilen.
    Ich habe eine amüsantes Buch erwartet, an dem man aus der Erfahrng heraus schmunzeln könnte, dass habe ich leider nicht erlebt. Witzig an dem Buch fand ich nur, dass Frau Kühn 190 Seiten lang über "die Lehrer", "die Grundschullehrer", "die Klassenlehrer" usw. Nie sagt sie, dass es nur Einzelfälle oder so sind. Und dann, auf Seite 192: "Ich will die Lehrer jetzt nicht pauschal verurteilen." :rollen: .
    Zu ihrer Verteidigung muss man sagen, dass es wahrscheinlich alles gibt, was sie in diesem Buch geschrieben habt, aber das alles auf der Schule der Kühnschen Kinder?
    Genial sind an diesem Buch die Synonyme der Lehrer "Frau Friedensreich-Bedürftig", "Frau Sonnenstich" und Frau "Wunderlich-Kapitzky"...


    Ich denke, dass Buch ist nur bedingt lesenswert. Ich vergebe:
    2ratten + :marypipeshalbeprivatmaus:


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    Taro

    Ich lese gerade<br /><br /><br />Ich habe bereits d r e i Bücher für die SUB-Wette gelesen.

    Einmal editiert, zuletzt von Alfa_Romea ()

  • Danke für die Rezi, die hat mich nur bestärkt, das Buch nicht zu lesen. Ich hab im TV mal eine Vorstellung des Buches gesehen (ich denke bei stern-TV oder so) und die stimmte ziemlich mit deiner Meinung überein.

  • Ich habe noch etwas vergessen:


    Am amüsantesten finde ich die Reaktionen der Lehrer.
    Wie die sich aufregen. :breitgrins:
    Ich habe letzthin einige Leserbriefe in der Zeitung gelesen. Die Leute sind sehr bemüht alles zu widerlegen, was in diesem Buch steht, und was das für Formen annimmt, finde ich sehr witzig :elch:


    Taro

    Ich lese gerade<br /><br /><br />Ich habe bereits d r e i Bücher für die SUB-Wette gelesen.

  • Hallo!


    Ich habe das Buch zwar nicht gelesen, die Autorin war heute aber bei SWR1 zu Gast und da habe ich einen Teil des Interviews mit ihr gehört. So, wie sie im Interview rübergekommen ist hatte ich das Gefühl, dass sie aufgrund eines Lehrers, durch den sie sich ungerecht behandelt fühlte (was ich nur bedingt nachvollziehen konnte) auf den gesamten Berufstand schließt :rollen: Bei ihrem Buch hat sie anscheinend auch nicht darüber nachgedacht, was für Auswirkungen die Veröffentlichung auf ihre Kinder haben könnte, die noch zur Schule gehen. Die fühlen sich bei der ganzen Sache wohl nicht so wohl.


    groetjes
    Kirsten

    I'm young enough to still see the passionate girl that I used to be. But I'm old enough to say I got a good look at the other side.

  • Ich habe die Frau Autorin auch kürzlich im Fernsehen erleben dürfen. (Wahrscheinlich diesselbe Sendung, die auch swank gesehen hat, stern.tv oder so) Und was ich da sah, hat mich davon abgeschreckt, dieses Buch jemals auch nur in die Hand zu nehmen.


    Die Autorin macht sich alles wohl ziemlich leicht, Verpauschalisierungen ohne Ende: immer und an allem sind die Lehrer schuld und wenn mal was gutläuft, war es garantiert nicht ihr Verdienst. :rollen:
    Klar gibt es schwarze Schafe. Aber genauso gibt es doch auch immer wieder engagierte Lehrer, die in ihrem Beruf völlig aufgehen. Das Buch haut meiner Meinung nach nur in die zur Zeit allgemein beliebte Kerbe, dass Lehrer nichts taugen.


    Im Interview zeigte sich die Frau, zum Beispiel, sehr entsetzt, dass etwa von ihr erwartet wird, zuhause mit ihren Kindern Rechtschreibung zu üben. Um Gottes Willen! Nein, das kann man ja wirklich nicht verlangen. :rollen:
    Da frage ich mich auch, ob sie ihre Kinder nie zum Lesen ermuntert hat - denn dann hätten sie mit Sicherheit weniger Probleme mit der Rechtschreibung. Und dass ein Lehrer, der 30 Schüler in der Klasse hat, von denen die Hälfte Ausländer sind (die Familie wohnte, glaube ich, in Berlin?) sich nicht um jeden Einzelnen kümmern kann, da braucht man sich doch nicht zu wundern.


    Außerdem nervt mich, dass diese Frau so null Rücksicht auf ihre Kinder nimmt. Die Armen, ist bestimmt auch nicht einfach für sie, weil ja jeder weiß, dass das Buch von ihrer Mutter stammt. Das hätte sie sich wirklich vorher überlegen sollen.


    Ok, genug aufgeregt. Bei dem Thema bin ich wohl etwas empfindlich. :redface:
    Aber mich nervt echt ungemein, wie zur Zeit auf die Lehrerschaft eingeprügelt wird... (Und ich studiere nicht irgendwie auf Lehramt, oder so, falls jetzt der Verdacht aufkommt. :breitgrins:)

  • Ich kann mich Thanquola in allen Punkten anschließen.


    Auch ich hab diese Frau bei stern.tv (?) gesehen und sie war mir sowas von unsympathisch. Das ist mal wieder so eine typische Mutter, die gerne die komplette Verantwortung für ihre Kinder auf andere abschiebt, nämlich auf die bösen bösen Lehrer, die zu ungerecht, zu faul, zu doof und was weiß ich nicht noch alles sind und ihre Kinder einfach nicht richtig erziehen.


    Dass die Erziehung auch und zum Großteil Elternsache sein sollte, vergessen einige Eltern leider allzu oft, den Schuh wollen sie sich dann gar nicht anziehen! :rollen:

  • Schade, hätte die Autorin auch gerne im TV gesehen.


    @ Taro
    Danke für die Rezi. Ich hab schon befürchtet, dass sie nicht so gut ausfallen wird. Falls ich das Buch mal günstig bekomme, wage ich mich vielleicht trotzdem mal ran. Aber auf meine Wunschliste kommt es nicht.
    Bin bei dem Thema eh empfindlich, weil ich mich manchmal über beide Seiten tierisch aufregen könnte. Überwiegend waren meine Lehrer nämlich auch nicht sonderlich motiviert/interessiert - bis auf wenige tolle Ausnahmen.
    Aber:

    Zitat von "Capesider"


    Dass die Erziehung auch und zum Großteil Elternsache sein sollte, vergessen einige Eltern leider allzu oft, den Schuh wollen sie sich dann gar nicht anziehen! :rollen:


    Da muss ich dir leider auch Recht geben. Da bin ich meinen Eltern für meine Erziehung richtig dankbar.

  • Hi!


    Ja, ich denke, man sollte es vielleicht mal gelesen haben, um einfach mitdiskutieren zu können. Viele Dinge sind aber auch überzogen und viel zu pauschal.


    Taro

    Ich lese gerade<br /><br /><br />Ich habe bereits d r e i Bücher für die SUB-Wette gelesen.

  • Also ich hab das Buch kürzlich gelesen und muss sagen, dass ich vieles, was Frau Kühn schreibt, einfach nur verdammt unverschämt finde.
    Die Schilderung über die Grundschule finde ich etwas komisch, da ich von solchen Grundschulen, die die Rechtschreibung hinten anstellen und die Schüler "Fogel" schreiben lassen, da man ja die Schreibfreudigkeit nicht "im Keim ersticken" will, noch nie gehört habe. Ich frage mich wirklich, wo diese Frau lebt und wo es besagte Grundschulen gibt. Wenn mein erstes Kind auf diese Grundschule geht und es dort so abläuft, lasse ich meine anderen beiden Kinder dort eigentlich nicht hingehen, aber nun gut, das sei ihre Sache.
    Anfangs fand ich es witzig, wie sie die Lehrer beschreibt, mit ihren Jesuslatschen und so, weil ich in meinem bisherigen Schulleben genau diesen Exemplaren öfters über den Weg gelaufen bin.
    Lehrer sein ist in ihren Augen wohl kein harter Job und das Psychische sei ja nich so wichtig und so. Ich dachte mir nur, was redet die da eigentlich? Lehrer zu sein kann ganz schön an die Substanz gehen.
    Bis zur 7. Klasse war meine Klasse als die Schlimmste bekannt. Wir haben in der 6. Klasse nen Lehrer soweit gebracht, dass er in die Nervenklinik ging. Es waren wohl noch andere beteiligt, aber wir waren anscheinend der maßgebende Faktor. Später wurde er gefragt, ob er bei uns eine Vertretungsstunde halten möchte, was er sofort kategorisch ablehnte.


    Erst gegen Ende des Buches (11. Kapitel oder so?) beginnt man, sie wieder halbwegs zu verstehen, als sie von einem vollkommen unfähigen Lehrer berichtet, der die Schüler anschreit, keinen richtigen Unterricht macht und sich einfach nur "unter aller Sau" aufführt. Da kann ich verstehen, dass man als Elternteil an die Decke geht.


    Aber alles in allem finde ich es wie schon zu Anfang erwähnt, eine bodenlose Frechheit und Unverschämtheit, mit welcher diese Frau sich anmaßt, über den Lehrkörper herzuziehen. Ich hatte etwas anderes erwartet. Kaum zu glauben, dass Frau Kühn aus einem Lehrerhaushalt kommen soll, in dem sie eigentlich hätte sehen müssen, welche Arbeit Lehrer tatsächlich tun...

    :leser: Ozzy Osbourne - I Am Ozzy<br /><br /><br /><br />Never trust anything that can think for itself, if you can&#39;t see where it keeps its brain

  • Zitat von "read_myself_into_paradise"

    Die Schilderung über die Grundschule finde ich etwas komisch, da ich von solchen Grundschulen, die die Rechtschreibung hinten anstellen und die Schüler "Fogel" schreiben lassen, da man ja die Schreibfreudigkeit nicht "im Keim ersticken" will, noch nie gehört habe. Ich frage mich wirklich, wo diese Frau lebt und wo es besagte Grundschulen gibt.

    Ich kenne das von diversen Grundschulen und finde es gar nicht schlecht. Da wird eben getrennt zwischen "richtig-schreiben-können" und Schreibemotivation, d.h. es gibt Aufgaben, bei denen es nicht wichtig ist, wie die Kinder schreiben, sondern, dass sie schreiben. Da wird das Augenmerk hauptsächlich auf Kreativität gelegt, z.B. wenn es eine Klassenmappe gibt, in der Schüler selbstgeschriebene Geschichten abheften können.
    Parallel dazu findet aber normaler Sprachunterricht statt, in dem Orthographie und Grammatik nicht zu kurz kommen.
    Es ist nämlich gerade für leistungsschwache Schüler sehr demotivierend, immer sofort als Nieten abgestempelt zu werden, weil sie eben nicht korrekt schreiben können. Dann wird lieber gar nicht mehr geschrieben... gerade in der Grundschule sollte man nicht in allen Bereichen immer auf Leistung und Funktionalisierung ("Was bringt das meinem Kind für sein späteres Berufsleben?") gehen. Sprache ist mehr als O & G.
    Ich empfinde es als sehr demütigend, wenn z.B. ein Kind etwas Tolles aus Eigenmotivation erstellt hat und die Lehrerin meckert als erstes über die fehlerhafte Rechtschreibung.
    Mir ist Ähnliches in der Sek I in Deutsch mit Selbstgeschriebenem passiert (nur war es da nicht die Rechtschreibung, sondern ein anderer Formfehler) und das war dann auch das letzte Mal, dass ich einem Lehrer etwas gezeigt habe, das ich über den Schulstoff hinausgehend produziert hatte, aus reinem Interesse.

  • Ich habe mir dieses Buch leider auch angetan. Enttäuschend.
    Polemik, Polemik und wieder Polemik, war mir doch etwas zu wenig.
    Außer die witzigen Namen, ist auch sehr wenig wirklich wert hervorgehoben zu werden.
    Ich schätze, das sich Frau Kühn keine Freunde unter der Lehrerschaft gemacht hat, aber es zugunsten eines dicken Geldbeutels, billigend in Kauf genommen.

  • ein buch, das die welt nicht braucht!!! ich habe in der buchhandlung reingelesen und die autorin diverse male im fernsehen gesehen. ich kann in ihr leider nur eine typisch deutsche eigenschaft entdecken: die freude am meckern und beklagen. ansonsten zeichnet sie sich in meinen augen nicht durch schlagkräftige argumente aus!
    den bildungsmisstandt in deutschland und allgemeine probleme des derzeitigen schulsystems bzw. der derzeitigen lehrerausbildung müssen nicht zum tausendsten mal beklagt werden. wo bleiben lösungsansätze, liebe frau kühn?!? kann ich da nur sagen, um dieselbe schiene der polemik zu fahren, die ihr wie pech an den fingern zu kleben scheint beim schreiben!


    also: wer nichts sinnvolles zu einer diskussion beizutragen hat, sollte auch kein buch schreiben!!!

  • Zitat von "julhenne"

    ich kann in ihr leider nur eine typisch deutsche eigenschaft entdecken: die freude am meckern und beklagen. ansonsten zeichnet sie sich in meinen augen nicht durch schlagkräftige argumente aus!
    den bildungsmisstandt in deutschland und allgemeine probleme des derzeitigen schulsystems bzw. der derzeitigen lehrerausbildung müssen nicht zum tausendsten mal beklagt werden. wo bleiben lösungsansätze, liebe frau kühn?!? kann ich da nur sagen, um dieselbe schiene der polemik zu fahren, die ihr wie pech an den fingern zu kleben scheint beim schreiben!


    also: wer nichts sinnvolles zu einer diskussion beizutragen hat, sollte auch kein buch schreiben!!!

    Naja, ich finde absolut nicht, dass nur kritisieren darf, wer auch Lösungen bietet (es gibt ja gerade für die angesprochenen Themen gar keine Pauschallösungen). Nur ist Kritik halt - wie du ja sagst - mehr als eine Aufzählung von Gemeinplätzen und Floskeln. Das stört mich an dem Buch: es ist keine Kritik.
    Die Aztorin kritisiert ja Individuen und generalisiert sie, setzt sich aber nicht wirklich mit dem Bildungssystem auseinander.


    Und die Freude am Meckern finde ich eigentlich auch gut.