Dörte Hansen - Altes Land

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    Kurzbeschreibung (Amazon):
    Das »Polackenkind« ist die fünfjährige Vera auf dem Hof im Alten Land, wohin sie 1945 aus Ostpreußen mit ihrer Mutter geflohen ist. Ihr Leben lang fühlt sie sich fremd in dem großen, kalten Bauernhaus und kann trotzdem nicht davon lassen. Bis sechzig Jahre später plötzlich ihre Nichte Anne vor der Tür steht. Sie ist mit ihrem kleinen Sohn aus Hamburg-Ottensen geflüchtet, wo ehrgeizige Vollwert-Eltern ihre Kinder wie Preispokale durch die Straßen tragen – und wo Annes Mann eine andere liebt.


    Start der Leserunde: 18.06.17


    Teilnehmer:
    louzilla
    Katjaja
    yanni
    foenig

  • gelesen bis einschließlich Kapitel 2 (Zauberflöte):
    Mein erster Eindruck ist bisher sehr positiv. Ich bin völlig unvoreingenommen an dieses Buch herangegangen, weil es eine spontane Laune war an dieser Leserunde teilzunehmen.


    Mir gefällt besonders gut, dass die Kapitel Titel haben und in den ersten beiden sind die Überschriften schon mal passend zum Inhalt. Das ändert nichts an der Geschichte ansich, aber oft sind die Kapitel einfach nur durchnummiert...


    Kapitel 1 (Kirschbäume):
    Ich weiß noch nicht, ob ich Ida mag. Einerseits ist sie nicht allzu freundlich gegenüber ihren Mitmenschen, andererseits scheint dies eine Fassade zu sein. Wenn ein/e Autor/in diese ambivalenten Gefühle hervorrufen kann, bin ich meist schon ganz begeistert und gefangne von der Geschichte und möchte meist noch mehr Informationen haben. um mir eine Meinung bilden zu können.
    Lächeln musste ich, als beschrieben wird, dass Ida einen Krug neben den Becher stellt für den Milchklau. Vor sich selber rechtfertigt sie diese Tat damit, dass so wenigstens keine Milch vergeudet wird. Ich vermute jedoch, dass sie selbst weiß, dass sie dies aus Nächstenliebe getan hat.


    Kapitel 3 (Zauberflöte):
    Die Beschreibung der sogenannten Helikopter-Eltern hat mich köstlich amüsiert. Über sie zu lesen bereitet mir Vergnügen, sie zu treffen eher weniger... Die Reaktion der Mutter in der Sandkastenszene habe ich überhaupt nicht erwartet. Ich hoffe, dass so etwas nicht in der Realität vorkommt, befürchte aber das es schon längst passiert ist und immer öfter so in der Art vorkommt. Wie soll das Schildkröten-Kind ein soziales Miteinander bei so einem Vorbild erlernen? Annes Reaktion hätte ich mich wahrscheinlich leider nicht getraut. Ob ihre Reaktion pädagogisch wertvoll war, möchte ich auch bezweifeln. Aber auf jeden Fall nachvollziehbar.

  • Habe schon ein kleines Stückchen weitergelesen und musste über Hinni Lührs Ehefrau lachen, die den Sand vorm Zaun ordentlich harkt. Das machen die Altländer nämlich wirklich.


    Da gibt es keine Blümchen oder - Gott bewahre - Rasen auf dem Streifen zwischen Straße/Fußweg und dem Zaun, sondern da ist Sand, und der hat ordentlich in Rillen geharkt zu sein.

  • Ich wollte erst mein begonnenes Buch beenden und dann loslegen. Dabei habe ich bisher nur das erste Kapitel geschafft.


    1. Kapitel
    Oh, ja, ebenbürtig sind sich die Bäuerin Ida und die Gräfin auf jeden Fall. :breitgrins: Opern singend den Kuhstall ausmisten, das ist doch mal was.
    Betroffen machte mich der Satzteil, und hatte eine Schwiegertochter, die sie achten konnte und hassen musste. Warum nur müssen sich die Menschen das Leben selbst so oft so schwer machen.
    Statt froh zu sein, dass sie nicht nur ihren Sohn einigermaßen unversehrt zurückbekommen hat und nun eine so fleißige Schwiegertochter zu haben, die ihrem Sohn den Lebensmut wieder gegeben hat.


    Lächeln musste ich, als beschrieben wird, dass Ida einen Krug neben den Becher stellt für den Milchklau. Vor sich selber rechtfertigt sie diese Tat damit, dass so wenigstens keine Milch vergeudet wird. Ich vermute jedoch, dass sie selbst weiß, dass sie dies aus Nächstenliebe getan hat.


    Das lässt hoffen, dass ihre Rivalität nur oberflächlich ist und nicht in Boshaftigkeit ausartet.

  • gelesen bis einschließlich Kapitel 3


    Kaputte Leben wohin das Auge blickt!



    Betroffen machte mich der Satzteil, und hatte eine Schwiegertochter, die sie achten konnte und hassen musste. Warum nur müssen sich die Menschen das Leben selbst so oft so schwer machen.


    Genau das ist der Punkt und Ida und Hildegard schenken sich dabei nichts, wobei ich Hildegards Haltung unerträglich finde und Ida noch ein bisschen verstehen kann. Mir ist nicht klar, ob den Bauern die Kriegsflüchtlinge aufgezwungen wurden oder die sie freiwillig aufgenommen haben, um billige Erntehelfer zu bekommen; das wäre an dieser Stelle wichtig, zu wissen.
    Dennoch - Hildegard dringt in Idas Leben mit einer unfassbaren Arroganz und Impertinenz ein, zeckt sich dort fest und treibt Ida in den Tod. Hildegard hat nichts Positives, sie zerstört die Leben aller um sie herum: das ihrer Tochter Vera, die bei den Scharmützeln auf der Strecke bleibt, das von Karl, der für sie nur Mittel zum Zweck ist (warum hilft dem denn keiner?), das von Ida sowieso und ich vermute mal auch das ihrer Tochter Marlene und deren Tochter Anne. Marlene scheint den Charakter ihrer Mutter geerbt zu haben und Anne scheint mir ihr Opfer zu sein.



    Ich weiß noch nicht, ob ich Ida mag. Einerseits ist sie nicht allzu freundlich gegenüber ihren Mitmenschen, andererseits scheint dies eine Fassade zu sein. Wenn ein/e Autor/in diese ambivalenten Gefühle hervorrufen kann, bin ich meist schon ganz begeistert und gefangne von der Geschichte und möchte meist noch mehr Informationen haben. um mir eine Meinung bilden zu können.


    So geht's mir auch. Ida hat liebenswerte Züge, wenn es um Vera geht, ist aber unerbittlich bei Hildegard.
    Die Figuren nehmen einen gefangen, das ist für mich jetzt schon ein ganz großer Pluspunkt des Romans.


    An der Sandkasten-Szene sieht man deutlich, wie unsere derzeitige Gesellschaft lauter Prinzen und Prinzessinnen heranzieht. Diese Szene ist repräsentativ für einen weitverbreiteten Erziehungsstil, das muss ich leider täglich sehen.
    Wenn man aber dabei nur von außen zuschaut, ist es schon herrlich komisch. Bin gespannt, ob wir noch mehr Einblicke in die Hamburger Upperclass-Müttermafia bekommen...



    Habe schon ein kleines Stückchen weitergelesen und musste über Hinni Lührs Ehefrau lachen, die den Sand vorm Zaun ordentlich harkt. Das machen die Altländer nämlich wirklich.


    Da gibt es keine Blümchen oder - Gott bewahre - Rasen auf dem Streifen zwischen Straße/Fußweg und dem Zaun, sondern da ist Sand, und der hat ordentlich in Rillen geharkt zu sein.


    Das ist mir auch aufgefallen, wie wichtig dieser geharkte Sand ist - und Vera galoppiert bzw. trampelt rücksichtslos durch, wie es ihr gefällt - sensationell!
    Vera ist mir sympathisch, ich mag ihre Selbstständigkeit und wie sie ihr Ding durchzieht und sich von der kleinbäuerlichen Gesellschaft mal kreuzweise lässt!


    Bin gespannt, wie die beiden Handlungsstränge zusammen geführt werden und was dann passiert: Vera und Anne (zwei Frauen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten) treffen ja irgendwann aufeinander.

    :lesewetter:&nbsp; &quot;Willkommen in der Wüste der Wirklichkeit&quot; (Morpheus)<br />

    <br />[li]Anthony Powell: &quot;Bei Lady Molly&quot;[/li]<br />

    Einmal editiert, zuletzt von louzilla ()

  • gelesen bis einschließlich Kapitel 7


    Ich bin wirklich angetan: Seit langem ist dies ein Roman, bei dem ich mich eher bremsen muss, um ihn nicht in einem Rutsch wegzulesen.


    In den letzten Kapiteln ging es also um das verpfuschte Leben von Anne und ich finde ihren Lebenslauf wirklich mehr als tragisch. Sie findet einfach nichts für sich, etwas, was ihr Freude macht und was sie ohne Anstrengung ausüben kann.


    Erst nimmt ihr Bruder ihr die Musik. Dass sie ihr Musikstudium abbricht, zeigt, dass ihr ihr Ehrgeiz im Weg steht. Man muss nicht topp sein bei einer Sache, wenn sie einem Spaß macht. Vermutlich hat sie nur deshalb zu musizieren begonnen, weil sie mit viel Übung etwas erreichen konnte - in der Hauptsache wohl die Anerkennung ihrer Mutter.
    Die Schreinerlehre finde ich kaum nachvollziehbar, vor allem auch deshalb, weil diese Episode isoliert steht, sie hat nichts mit ihrem vorigen Leben und dem danach zu tun. Vielleicht soll sie einfach nur Annes Orientierungslosigkeit darstellen.
    Und dann dieser unselige Job bei Musimaus... :rollen:
    Auch die Mutterrolle scheint nicht so recht ihr Ding zu sein. Wobei ich schon großartig fand, dass sie Leon das Hasenfutter essen lässt!


    Insgesamt finde ich sie zu streng mit sich selbst.


    Und wie um Himmels Willen kommt sie nur auf die Idee, bei Vera aufzuschlagen? Mir kommt es so vor, als ob ich dabei zuschaue, wie zwei D-Züge aufeinander zurasen und es gleich zur Kollision kommt.

    :lesewetter:&nbsp; &quot;Willkommen in der Wüste der Wirklichkeit&quot; (Morpheus)<br />

    <br />[li]Anthony Powell: &quot;Bei Lady Molly&quot;[/li]<br />

  • Zu Kapitel 2 und 3


    Oh Gott, diese Eltern, solche kenne ich auch. :rollen: Allerdings ist Anne teils auch selber schuld. Warum hat sie der Mutter nicht erklärt, dass es sich um ein teures und empfindliches Instrument handelte. Die Szene im Sandkasten ist sogar vergleichbar mit der Situation von Ida und der Gräfin.


    Anfangs habe ich gar nicht begriffen, wie Hildegard mit Anne verbunden ist. Auf der Leitung stand ich auch gewaltig, als da stand, dass Hildegard mit dem Vater ihrer Tochter Marlene weggegangen ist. Beim dritten Anlauf hat's dann endlich "klick" gemacht. :breitgrins:


    Für Vera war es eine schlimme Kindheit. Erst Flucht aus der Heimat, der Verlust des Vaters, dann die Abneigung der Menschen in der neuen Heimat, von der Mutter im Stich gelassen und alleine mit einem schwer traumatisierten Stiefvater. Dafür ist sie noch recht gut geraten und hat vor allem ihren Stolz bewahrt. Die Nachbarn können froh sein, dass sie nur ihren Sand zerwühlt.


    Aber Anna hatte es auch nicht rosig. Da wunderte es mich direkt, dass ihre versnobte Mutter einen Bauernsproß geheiratet hat. Marlene scheint ihrer Mutter sehr ähnlich zu sein.


  • Oh Gott, diese Eltern, solche kenne ich auch. :rollen: Allerdings ist Anne teils auch selber schuld. Warum hat sie der Mutter nicht erklärt, dass es sich um ein teures und empfindliches Instrument handelte. Die Szene im Sandkasten ist sogar vergleichbar mit der Situation von Ida und der Gräfin.


    Ich finde, manche Dinge sind so selbstverständlich, dass man sie nicht erklären muss. Zum Beispiel, dass ein Kleinkind (oder sonst irgendwer) in ein fremdes Instrument mit Mundstück pustet. Das ist ja das Unverschämte dabei; nämlich dass sich Leute dreist über solche Selbstverständlichkeiten hinwegsetzen. Mit der Sandkastenszene ist es das gleiche: Es ist vollkommen klar, dass ein öffentlicher Sandkasten für alle Kinder da ist und nicht nur für eines!


    Mir ist etwas in den Sinn gekommen, was Anne und Vera gemeinsam haben: Beide sind entwurzelt.

    :lesewetter:&nbsp; &quot;Willkommen in der Wüste der Wirklichkeit&quot; (Morpheus)<br />

    <br />[li]Anthony Powell: &quot;Bei Lady Molly&quot;[/li]<br />


  • Warum hat sie der Mutter nicht erklärt, dass es sich um ein teures und empfindliches Instrument handelte.


    Damit hätte sie sich
    a) auf die Diskussion erst eingelassen, und
    b) sich in die Defensive begeben


    Ich konnte da total mitfühlen - klebrige Kinder anderer Leute möchte ich auch nicht anfassen, geschweigen denn ihnen meine Sachen geben.

  • Ihr glaubt gar nicht, wie unwissend manche Erwachsene sind. :rollen: Da hilft manchmal eine Erklärung besser als alles andere. Kurz und bestimmt, ohne sich auf Diskussionen einzulassen, die diese Eltern mit Inbrunst ausleben würden. Aber dafür fehlt ihr sicher die charismatische Ausstrahlung und Redegewandtheit ihres Chefs.


    Dass sie sich lieber in ihr Schneckenhaus zurückgezogen hat, zeigt ihre Kindheit, ab der Entdeckung des Talents ihres Bruders. Ihre Mutter hat ein Feingefühl wie eine Dampfwalze und der Vater steht hilflos daneben.


    Da habe ich mich richtig für sie gefreut, als sie im 4. Kapitel das Tischlerhandwerk für sich gefunden hat. Das war als Jugendliche mein Traumberuf. Die Qualen ihres Ausbilders wegen all der Konsumgüter, die zwar gefragt, aber von ihm abgelehnt werden, kann ich verstehen. Dieses Himmelbett hätte ich zu gern mal gesehen. :herz:
    Wenn Anne eine Abneigung gegen die Mütter aus Ottensen entwickelt hat, dann hat sicher Urthe den Grundstein dafür gelegt. Kann es sein, dass die Autorin arg mit Klischees herumwirft... :wegrenn:


    Bernd und seine Musimaus rufen inzwischen Schaudern bei mir hervor.


    In Kapitel 5 ist die Zeit ja schon weit vorangeschritten. Ob Heinrich Lührs noch eine tragende Rolle spielen wird, dass seinem Schicksal ein eigenens Kapitel gewidmet ist, wenn auch ein kurzes.


    6. Kapitel
    So wurde aus Anne also eine alleinerziehende Mutter. Das war wohl der berühmte Griff daneben. Alles was sie anfasst scheint ihr zu entgleiten. Manchmal signalisiert ein Verhaltensmuster der Umwelt, dass man für die Opferrolle prädestiniert ist. Es ist dann schwer, sich daraus zu befreien. Obwohl ich bei Anne das nicht komplett so sehe. Sie hat sich mit der Ausbildungsstelle als Tischlerin aus der Familie und den Erwartungen ihrer Mutter befreien wollen, was anscheinend jedoch nicht recht erfolgreich war, sie hat einen klaren Schlussstrich unter die Beziehung zu Christoph gezogen und sie lässt sich von Bernd nicht völlig unterbuttern.
    Ich bin ja gespannt, warum Anne nicht als Tischlerin arbeitet, sonder bei dieser unseligen Musimaus Kindern die gewinnbringenderen Instrumente aufs Auge drücke muss.
    Hier floss eine wenig die Rivalität zu ihrem Bruder mit ein, als sie darüber nachsann, wie sich die Kleinen wohl fühlen werden, wenn sie mal einem Kind begegneten, dass wirklich spielen konnte. Da platzt dann die Blase, von wegen Musimaus = Traumfabrik.




    Mir ist nicht klar, ob den Bauern die Kriegsflüchtlinge aufgezwungen wurden oder die sie freiwillig aufgenommen haben, um billige Erntehelfer zu bekommen; das wäre an dieser Stelle wichtig, zu wissen.


    Die Flüchtlinge oder Vertriebenen wurden den Bauern und nicht nur denen zugewiesen. Man ermittelte, wo Wohnraum zur Verfügung stand und hat dort die Menschen einquartiert. Nicht unbedingt zur Freude der Einheimischen. Viele ältere Menschen haben mir erzählt, wie man sie teilweise angefeindet hat. Dazu kam der andere Dialekt und womöglich sogar die andere Kirchenzugehörigkeit. Man vergisst oft, wie schwer sich die Katholiken mit den Evangelischen taten. Mischehen waren damals sehr verpönt und endeten oft damit, dass sich eine oder beide Seiten von dem Paar abwendeten.
    Als Deutschland seine Grenzen für Flüchtlinge öffnete, ist diese Befürchtung in einigen der älteren Generation wieder hochgeschwappt. Zu diesem Zeitpunkt wurde viel über die Zeit damals erzählt.

  • Richtig, die Flüchtlinge im Alten Land wurden ungefragt einquartiert, gerade auch weil die Altländer Bauernhäuser einfach riesig sind, da hat ein einziger Hof schon leicht gleich mehrere Familien aufnehmen müssen, dazu oft noch kriegsversehrte ehemalige Soldaten.


    Aber die Obstbauern haben sie dann natürlich als Erntehelfer benutzt, wenn sie schonmal da waren. Und wir sind berühmt für unseren Geiz, bezahlt wurde dafür garantiert niemand.

  • Aah, Danke für die Erklärungen :blume:!
    Somit kann ich Ida noch besser verstehen und finde die arrogante Haltung von Hildegard völlig deplatziert. Von der einen Seite mehr Toleranz und Hilfsbereitschaft (Ida) und von der anderen Seite mehr Dankbarkeit und Freundlichkeit (Hildegard) hätten die katastrophalen Leben, die das Verhältnis der beiden Frauen nach sich zieht, verhindert.


    Ich sehe Anne auch nicht in der Opferrolle. Ihrem Leben haftet eher eine Tragik an, die sich daraus ergibt, dass sie sich selbst im Weg steht. Anstatt etwas zu finden, was ihren persönlichen Fähigkeiten entspricht und was ihr Freude bereitet und sich neu zu orientieren, bleibt sie bei ihren Defiziten hängen. Das bewirkt auch eine innere Unsicherheit und den Rückzug in ihr Schneckenhaus.
    Die Schreinerlehre kann ich nicht einordnen, weil der Leser (noch) nicht erfährt, ob ihr das Spaß gemacht hat und warum sie diesen Beruf nicht weiter ausübt.



    Wenn Anne eine Abneigung gegen die Mütter aus Ottensen entwickelt hat, dann hat sicher Urthe den Grundstein dafür gelegt. Kann es sein, dass die Autorin arg mit Klischees herumwirft... :wegrenn:


    Mmmh, arg klischeehaft finde ich bisher noch nichts... bzw. haftet jedem Klischee ja ein Körnchen Wahrheit an :zwinker:.

    :lesewetter:&nbsp; &quot;Willkommen in der Wüste der Wirklichkeit&quot; (Morpheus)<br />

    <br />[li]Anthony Powell: &quot;Bei Lady Molly&quot;[/li]<br />

  • Ich kenne solche Eltern aus Nordlondon, bzw. Hertfordshire. Im snobistischen St Albans und in Harpenden gibt es genau solche Mütter zuhauf.


    Meine Nachbarin hat mich (kinderlos) immer über den Zaun gebeten wenn sie dran war die Krabbelgruppe oder das Musimausgruppen-Equivalent zu bewirten. Normalerweise mit den Worten "Wenn Du nicht auch kommst, kippe ich denen Abführmittel in den Tee!"


    Und ausgerechnet Ottensen hat definitiv was von "Snorbans".

  • gelesen bis einschließlich Kapitel 10


    Jetzt beginnt etwas, was ich überhaupt nicht leiden kann: Die Handlung zerfasert in zu viele Handlungsstränge mit zu vielen Perspektivwechseln. Warum können einige modernen Autoren sich einfach nicht auf das Wesentliche konzentrieren?
    Was soll das denn jetzt mit diesem Dirk von Felde und diesem Burkhard Weißwerth?
    Und wenn die für die Handlung vielleicht noch wichtig werden, warum kann man sich nicht erst einmal auf das "G'schirren" der beiden Frauen (Anne und Vera) miteinander fokussieren? Mann! :grmpf:

    :lesewetter:&nbsp; &quot;Willkommen in der Wüste der Wirklichkeit&quot; (Morpheus)<br />

    <br />[li]Anthony Powell: &quot;Bei Lady Molly&quot;[/li]<br />

  • Einschließlich Kapitel 10


    Als Leon das Kaninchenfutter für sich entdeckte, musste ich lachen. Meine Kinder haben sich auch durch die Näpfe "genascht" und leben immer noch. :breitgrins: 
    Imposant war ja der kleine Bauer mit dem Schädling. Kein Wunder, dass Leon dieses Wissen sofort aufsaugte. Ob sich da eine neue Freundschaft anbahnt?


    Nicht so beeindruckend fand ich das Verhalten von Dirk zum Felde. Ich kann ja verstehen, dass die Städter ihn nerven, aber deshalb muss man sich nicht so benehmen, nur weil mal ein Auto im Weg steht. Woher hätte Anne das wissen können.
    Mit Burkhard Weißwerth sieht's da schon anders aus. Der Kerl ist doch eine Landplage. Und er sieht in den Landbewohnern eher so etwas wie damals Ureinwohner aus dem Dschungel auf Eroberer wirkten. Seine Überheblichkeit, besonders auch was die Zwillinge Erich und Klaus betraf, ging mir arg auf den Nerv. Dirk liegt da sicher richtig, wenn er glaubt, dass er mit seinem Diplom nur das Naturbild verschandelt.


    Es ist aber auch ermüdend und ärgerlich, wenn selbsternannte Spezialisten einem das tägliche Leben erklären wollen. :rollen:
    Ich habe mich dann auch diebisch gefreut, als Burkhard fluchtartig Veras Küche verlassen hat. Na, das kann er ja in seinem Magazin Land & Lecker in Farbe und Hochglanz abdrucken, wie er den Misthaufen bereichert. :breitgrins:


    Jedenfalls ist Anne bei Vera (noch) willkommen, auch wenn ich nicht ganz verstehe, was sie dort eigentlich will. Soll es nur eine Zwischenstation sein oder was für länger?
    Immerhin gab es einen Hinweis auf ihre Ausbildung. Vermisst sie es nun, so lange keinen Hobel in der Hand gehalten zu haben? Sie denkt schließlich darüber nach, wie die Fenster repariert werden könnten.




    Jetzt beginnt etwas, was ich überhaupt nicht leiden kann: Die Handlung zerfasert in zu viele Handlungsstränge mit zu vielen Perspektivwechseln. Warum können einige modernen Autoren sich einfach nicht auf das Wesentliche konzentrieren?
    Was soll das denn jetzt mit diesem Dirk von Felde und diesem Burkhard Weißwerth?
    Und wenn die für die Handlung vielleicht noch wichtig werden, warum kann man sich nicht erst einmal auf das "G'schirren" der beiden Frauen (Anne und Vera) miteinander fokussieren? Mann! :grmpf:


    Ich denke, die beiden sind Veras Nachbarn und da Anne nun auch dort wohnen wird, gehören sie zu ihrem Umfeld, so wie Heinrich Lührs und bringen, wenn sie vielleicht auch keine tragende Rolle spielen, etwas Lokalkolorit in die Geschichte, so à la Land & Lecker. :zwinker:


    Wahrscheinlich endet es so, dass Anne den Hof auf Vordermann bringt, ihre eigene Musimaus für die neuen Landbewohner mit Vera gründet und glücklich und zufrieden weiterlebt.


  • Dennoch - Hildegard dringt in Idas Leben mit einer unfassbaren Arroganz und Impertinenz ein, zeckt sich dort fest und treibt Ida in den Tod.


    Ich hatte das nicht so einseitig interpretiert, dass Hildegard Ida in den Tod treibt. Sie hat meiner Meinung nach eine Teilschuld durch ihr Verhalten, aber Ida war auch kein Unschuldslamm und hat auch ausgeteilt.
    Mir haben übrigens die Beschreibungen der Geschehnisse um den Freitod herum sehr gut gefallen. Jeder ging seiner Tätigkeit nach und die Stimmung war wie an jedem anderen Tag in dem Haus.



    Habe schon ein kleines Stückchen weitergelesen und musste über Hinni Lührs Ehefrau lachen, die den Sand vorm Zaun ordentlich harkt. Das machen die Altländer nämlich wirklich.


    Da gibt es keine Blümchen oder - Gott bewahre - Rasen auf dem Streifen zwischen Straße/Fußweg und dem Zaun, sondern da ist Sand, und der hat ordentlich in Rillen geharkt zu sein.


    Diese Phänomen gibt es aber nicht nur im Alten Land. Das kenne ich auch aus anderen eher dörflichen Gegenden. :breitgrins: Beim Spaziergang gehe ich auch meist lieber das Stück auf der Straße als eine Fußspur zu hinterlassen, weil ich ansonsten direkt ein schlechtes Gewissen bekomme.


    Damit hätte sie sich
    a) auf die Diskussion erst eingelassen, und


    Ich finde es traurig, dass man noch erklären muss, dass klebrige Hände nichts an fremden Sachen zu suchen haben... Wahrscheinlich wäre eine Erklärung für diese Mutter auch völlig nach hinten losgegangen. Wenn man schon darauf hingewiesen werden muss, dann ist bestimmt auch keine Einsicht da, dass es Grenzen und Regeln für Kinder gibt.

  • gelesen bis einschliesslich Kapitel 15


    Jetzt weiss ich wozu die Tischlerlehre gut war, das gefällt mir.


    Und den altklugen Theis zum Felde finde ich zum totlachen!


    Was mir besonders gut gefällt ist, dass die Autorin sich offensichtlich auskennt im Alten Land - oder wirklich sehr gut recherchiert hat. Denn die Familiennamen, die vorkommen, sind tatsächlich die alteingesessenen Sippschaften aus meinem Heimatddorf. Lührs, zum Felde, Jarck, Düwer, Heinsohn, Pape, Quast... die werden zwar alle nur ganz am Rande erwähnt (Pflasterer, Kindergärtnerin, etc.), aber ich bin mit denen zur Schule gegangen und habe auf deren Höfen gespielt.

  • gelesen bis einschliesslich Kapitel 15



    Und den altklugen Theis zum Felde finde ich zum totlachen!


    Theis ist sensationell! Ich schütte mich jedesmal fast aus vor Lachen, wenn er in Aktion tritt. Ein Macher, der nicht lange fackelt, selbstbewusst, pragmatisch, schlau, kein Mann der vielen Worte - und das mit fünf Jahren! Ich finde schön, dass er und Leon sich anfreunden, das scheint zu passen wie Arsch auf Eimer.


    Eigentlich dachte ich, Anne sei - im Vergleich zu den Müttern der Hamburger Upperclass - vernünftig. Aber dass sie sich von ihrem Sohn mit Vornamen ansprechen lässt, - keine Worte... :rollen:


    Anne und Vera haben also einen Deal. Das finde ich gar nicht schlecht. Vielleicht gibt es noch mächtig Ärger, wenn Marlene Anspruch auf das Erbe erhebt?


    Ganz interessant finde ich, die verschiedenen Überlebenskonzepte der Altländer Bauern. Allerdings - da muss ich inzwischen yanni rechtgeben - werden in diesem Zusammenhang schon ein paar Klischees bedient.

    :lesewetter:&nbsp; &quot;Willkommen in der Wüste der Wirklichkeit&quot; (Morpheus)<br />

    <br />[li]Anthony Powell: &quot;Bei Lady Molly&quot;[/li]<br />


  • Ganz interessant finde ich, die verschiedenen Überlebenskonzepte der Altländer Bauern. Allerdings - da muss ich inzwischen yanni rechtgeben - werden in diesem Zusammenhang schon ein paar Klischees bedient.


    Das stimmt.


    Touristen ("Blütenspanner") hat es schon immer gegeben, vor allem im April/Mai und dann wieder zur Ernte. Und ich habe schon als Grundschulkind mein Taschengeld damit verdient Kirschen am Straßenrand zu verkaufen wenn Reisebusse angehalten haben oder die Fähre angelegt hat. Ich bin fast 40, das ist also gar nicht neu und war auch damals schon ein alter Hut.


    Früher haben wir einen Tisch und einen Sonnenschirm an die Straße gestellt, haben eine Kiste mit in Tüten verpackten Kirschen draufgestellt, eine Kasse daneben und ein Schild mit dem Preis. Da war dann Selbstbedienung, und das hat geklappt.