Dörte Hansen - Altes Land

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Es gibt 30 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von yanni.


  • Eigentlich dachte ich, Anne sei - im Vergleich zu den Müttern der Hamburger Upperclass - vernünftig. Aber dass sie sich von ihrem Sohn mit Vornamen ansprechen lässt, - keine Worte... :rollen:


    Das hat mich auch erstaunt. Gut, dass sie für die Eingewöhnungssphase etwas länger dabei bleibt finde ich nicht unnormal. Ist selbst in Dörfern, in denen die meisten Kinder ihre Spielkameraden bereits teilweise gut kennen, an der Tagesordnung. Es gibt halt immer Kinder, denen die Trennung schwer fällt.
    Was ist denn so verwerflich, wenn ein Kind seine Mutter Mama nennt, statt sie beim Vornamen zu rufen. Ich finde das viel persönlicher. Aber ich bin halt auch etwas altmodisch und finde das gut.



    Anne und Vera haben also einen Deal. Das finde ich gar nicht schlecht. Vielleicht gibt es noch mächtig Ärger, wenn Marlene Anspruch auf das Erbe erhebt?


    Die Abmachung zwischen den beiden ist für alle von Vorteil. Fragt sich nur, was wird, wenn die Renovierung abgeschlossen ist.
    Wie kommt ihr darauf, dass Marlene Anspruch auf den Hof erheben könnte? Ich bin erst bei Kapitel 14 und ihr wisst schon mehr. Aber sie ist nicht Karls Tochter und wenn ich das richtig verstanden habe, dann hat ihr leiblicher Vater sie anerkannt, oder? Damit müsste sie doch aus der Erbfolge raus sein.


    Mit tat Heinrich Lührs richtig leid, als seine Söhne sich im Garten über sein Verhalten lustig machten. Auch wenn es nicht ihre Lebensweise ist, müssen sie sich nicht über die Werte ihres Vaters in seiner Nähe derart auslassen. Mitschuld an dem schlechten Verhältnis hat er natürlich auch, sonst hätte Georg sich nicht vom elterlichen Hof abgewandt und in einen anderen eingeheiratet.


    Dass Karl so alt werden konnte mit diesen schrecklichen Erinnerungen! Sie müssen ihn doch richtig zerfressen haben. Was Vera getan hat, kann ich nachvollziehen. Dass Karl sofort wusste, was Vera mit "etwas zum Schlafen" meinte, fand ich erstaunlich. Oder es zeugt von großer Nähe.


    Was den ersten Kindergartentag betrifft, hatte ich einen Moment den Eindruck, wir wären wieder in Hamburg. Aber nein, es handelte sich um die dörfliche Elternschaft, die dort mit ihren Familienkarossen vorfuhr.

    Einmal editiert, zuletzt von yanni ()

  • gelesen bis einschließlich Kapitel 21


    Zwei Dinge sind interessant:


    1) Alle, wirklich alle, sind unglücklich - jeder auf seine Art.


    2) Wenn man Einblicke in eine Figur erhält, die einem vorher total unsympathisch gewesen ist, kann man diese plötzlich ein Stück weit verstehen. So bei Marlene. Zuerst dachte ich, was die eigentlich für ein Problem hat. Ist in einer reichen Familie aufgewachsen mit beiden Elternteilen, musste sich nie um irgendwas sorgen, hat sich einen ordentlichen Ehemann an Land gezogen, Kinder bekommen, die ihr Bestes geben - heile Welt. Aber Hildegard als Mutter zu haben - Hölle. Diese Hildegard hat wirklich alle Leben um sich herum zerstört. Ich sehe sie als Wurzel allen Übels. Klar, die Erlebnisse auf der Flucht sind absolut furchtbar und traumatisierend gewesen. Allerdings habe ich den Eindruck, dass nur Vera das in gewisser Weise zerstört hat. An Hildegard scheint das vorbei gegangen zu sein und deren einzige Sorge ist, ihren einstigen Lebensstandard wieder herzustellen.


    Nicht hingucken.
    Tja, eine durchaus übliche Taktik unter Menschen. Aber eigentlich wird ja hingeguckt und Heinrich und Vera helfen sich in ihrem Leid, so gut es ihnen möglich ist.


    Was ich auch beeindruckend finde, ist die gesellschaftliche Analyse. Wie sich Lebenseinstellungen im Laufe der Jahrzehnte verändert haben (Berufswahl, Beziehungen) und man kann darüber streiten, ob dies nun tatsächlich besser ist.

    :lesewetter:&nbsp; &quot;Willkommen in der Wüste der Wirklichkeit&quot; (Morpheus)<br />

    <br />[li]Anthony Powell: &quot;Bei Lady Molly&quot;[/li]<br />

  • einschließlich Kapitel 18


    Dirk vom Felde erinnert mich manches Mal an Hinni Lührs. Beide sind sie stark mit ihrer Zeit verbunden und beide wollen sie ihren Lebensstil nicht ändern.
    Ich könnte mir jedoch vorstellen, dass bei zum Felde der Fünfte noch kommt. :breitgrins:


    Fachmann Theis ist ja eine Wucht. Dirk hat sicher kein Problem mit seinem Nachfolger.


    Puh, wenn man so liest, was Marlene mit ihrer Mutter durchmachen musste, kann sie einem leid tun.



    Aber Hildegard als Mutter zu haben - Hölle. Diese Hildegard hat wirklich alle Leben um sich herum zerstört. Ich sehe sie als Wurzel allen Übels. Klar, die Erlebnisse auf der Flucht sind absolut furchtbar und traumatisierend gewesen. Allerdings habe ich den Eindruck, dass nur Vera das in gewisser Weise zerstört hat. An Hildegard scheint das vorbei gegangen zu sein und deren einzige Sorge ist, ihren einstigen Lebensstandard wieder herzustellen.


    So sehe ich das auch. Hildegard trauerte nur um das was sie verloren hatte, statt sich an dem zu erfreuen, was ihr geblieben ist. Vera konnte sie auch nur als ihre Tochter akzeptieren, wenn sie nicht sehen musste, was aus ihr geworden ist. Die Briefe waren nicht für Vera gedacht, sondern sollten nur in die Welt hinausrufen, was Hildegard verloren hat.


    Sehr schade finde ich, dass eventuell etwas aus Vera und Heinrich hätte werden können, wenn bei ihren Stolz mal hintangestellt hätten.


    Ja, wann wird man als Zugezogene/r dazu gehörig. Antwort: In der dritten Generation, wenn's gut geht. Und das ist nicht nur im Alten Land so. :breitgrins:


  • Sehr schade finde ich, dass eventuell etwas aus Vera und Heinrich hätte werden können, wenn bei ihren Stolz mal hintangestellt hätten.


    Ja, wann wird man als Zugezogene/r dazu gehörig. Antwort: In der dritten Generation, wenn's gut geht. Und das ist nicht nur im Alten Land so. :breitgrins:


    Es ist wirklich tragisch, wie Menschen sich und ihrem Glück im Weg stehen! Ich hab auch gedacht, dass die beiden hätten zusammenfinden können. Sie unterstützen sich in all den Jahren in ihren schwersten Zeiten und hätten sich super ergänzt. Manchmal ist es unbegreiflich.



    gelesen bis zum Ende


    So, Theis schafft also Tatsachen :breitgrins:. Hat mich schon gewundert, dass das so lange gedauert hat. Was gäbe ich um so ein Exemplar ums Zehnfache älter und in groß :herz:!


    Marlenes Ausflug (und der anderen Alten) nach Masuren ist so was von sinnlos! Was hat sie erwartet? Diese Szene (wie auch der ganze Roman) zeigt, dass man die Vergangenheit hinter sich lassen muss, um fähig zu sein, ein halbwegs zufriedenes Leben zu führen; und zu dieser Vergangenheit gehören auch menschliche Beziehungen. Das ganze Unglück der Figuren ergibt sich aus einer Rückwärtsgewandtheit und aus einem nicht Loslassen können.


    Was mir nicht ganz klar ist, ist das Ziel der Renovierungsaktion. Klar bring es dem Leben von Vera, Anne, Heinrich und Carsten eine neue Richtung, aber irgendwie reicht mir das nicht ganz als Grund.


    Zum Schluss bleib ich dabei: Die Burkhard-Episode hätt's nicht unbedingt gebraucht.

    :lesewetter:&nbsp; &quot;Willkommen in der Wüste der Wirklichkeit&quot; (Morpheus)<br />

    <br />[li]Anthony Powell: &quot;Bei Lady Molly&quot;[/li]<br />

  • gelesen bis zum Ende


    Irgendwie fehlte mir am Ende nochmal ein Höhepunkt.


    Vera schläft wieder in ihrem Bett, und dann kam nichts mehr.


    Hatte irgendwie auf etwas - irgendetwas - gewartet, auf dass das Buch hingearbeitet hat. Ich bin mir nicht sicher was, aber etwas bedeutenderes als "Vera geht ins Bett". Vielleicht Vera und Heinrich doch noch zusammen, im renovierten Haus, oder so.


    Oder Anne feiert Hochzeit mit dem Grübchenmann und macht endlich mal Nägel mit Köpfen.


    Naja.

  • Ich glaube, du meinst dasselbe wie ich, als ich schrieb, dass mir das Zielführende bei der Renovierung fehlt. Es fehlt etwas, worauf das Ganze hinsteuert. Dass Vera wieder ins Bett geht, finde ich schon einen schönen Abschluss, aber letztenendes bleibt alles in der Schwebe, wobei ich das nicht ganz so schlimm finde.

    :lesewetter:&nbsp; &quot;Willkommen in der Wüste der Wirklichkeit&quot; (Morpheus)<br />

    <br />[li]Anthony Powell: &quot;Bei Lady Molly&quot;[/li]<br />

  • Bis zu Ende gelesen.


    Mir geht es wie euch. Irgendwie fehlt mir etwas.


    Gut gefallen hat mir, wie Anne im Verlauf des Buches dargestellt wurde. Sie hat zwar das Familienziel nicht erreicht, aber für sich etwas gefunden, das ihr gefiel. In Carsten muss sie einen guten Lehrer gehabt haben und seine Familie hat ihr ein wenig der fehlenden Geborgenheit vermittelt. Sie kann die Musik nun als Hobby betrachten und ihre eigenen Weg finden. Besonders nachdem sie es aufgegeben hat von Marlene mehr zu erwarten, als diese überhaupt geben kann.


    Eine Frage, die mich geschäftigt, ist wovon Anne eigentlich lebt? Gut, sie hat frei Kost und Logis, aber das ist ja nicht alles. Wovon zahlt sie Versicherungen, den Kindergarten etc. Oder bekommt sie von Vera eine Vergütung? Davon war nie die Rede. Nur von den Unterhaltszahlungen für Leon, die vielleicht nicht immer gesichert sind, wo er jetzt eine neue Familie aufbauen will, kann sie das doch nicht alles bestreiten.


    Positiv war die Entwicklung von Hinni. Und die Zukunft von Willy! :breitgrins:

  • Irgenwo steht, dass Anne neben Kost und Logis noch ein paar Hundert Euro im Monat von Vera bekommt. Und der bindungsunfähige Schriftsteller muss Unterhalt für Leon zahlen. Somit hat Anne schon ein Auskommen.
    Was ich mich gefragt habe ist, woher Vera dieses Geld wie Heu hat. Irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass ihre Zahnarztpraxis oder die Pacht für die Felder derart viel Geld einbringt.

    :lesewetter:&nbsp; &quot;Willkommen in der Wüste der Wirklichkeit&quot; (Morpheus)<br />

    <br />[li]Anthony Powell: &quot;Bei Lady Molly&quot;[/li]<br />

  • Die zwei Zahnärzte die ich kannte im Alten Land hatten auch Geld wie Heu....


    ....ich bin heute übrigens hingefahren, inspiriert vom Buch. Seit ich weggezogen bin fahre ich da höchstens mal mit dem Auto durch, halte aber selten an. Heute haben Herr Katjaja und ich das Auto am Lühe-Anleger abgestellt, an dem Anne auf der Bank sass und rauchte bis ihr schlecht wurde, und sind zu Fuss bis ins nächste Dorf marschiert. Dort sind wir über die Hogendiekbrücke (von der Vera einen Kopfsprung gemacht hat), und auf der anderen Seite vom Flüsschen Lühe wieder zurück zur Elbe.


    Ich habe unterwegs Geschichten erzählt - wer wohnt wo, und wer wann mal was lustiges oder aussergewöhnliches gemacht hat, oder wem welcher Hof gehört, und von welchem Steg aus man am besten schwimmen kann, und ach kuck mal, Nodorp hat sein Dach geflickt, und so weiter. Da Herr Katjaja da noch nie gewesen ist, hat er zugehört und brav hierhin und dahin gekuckt und alles hübsch gefunden.


    Insgesamt haben wir eine Runde von 6 Kilometern gedreht. Das war echt überfällig, jetzt bin ich richtig froh endlich mal wieder da gewesen zu sein.

  • Was so ein Buch doch alles bewirken kann. :smile:


    Ich frag mich halt immer, wie machen die das nur. Mal eben für ein paar Wochen oder Monate ins Blaue hinein leben. Gut, Anne hatte nun keine beruflichen Verpflichtungen, aber auch sie muss ihr Leben finanzieren.
    Vielleicht bin ich auch manchmal zu pingelig. :rollen::breitgrins: