Mariana Leky - Was man von hier aus sehen kann

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 7 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Kiba.

  • Ich habe ein ganz tolles Buch gelesen, finde ich. So toll, dass es wehtut (teilweise auch vor Lachen). Ich möchte daher diese Erfahrung mit Euch teilen:

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    Im kleinen Westerwälder Dorf kündigt sich der Tod auf ungewöhnliche Weise an: durch ein Okapi, das Selma, der Großmutter der Ich-Erzählerin Luise im Traum erscheint. Den tragischsten Todesfällen im Umfeld von Selma ging seit Jahrzehnten dieser Traum voraus und so ist auch Luises erste Erfahrung damit eine tragische, die ihr im Alter von zehn Jahren widerfährt und die ihr weiteres Leben - zumindest, so lange wir sie begleiten dürfen, prägen wird.


    Neben Selma, DER prägenden Gestalt in Luises Leben, lernen wir eine Reihe anderer Dorfbewohner kennen, die allesamt - jeder auf seine Weise - speziell sind - die Vorstellung vom knorrigen Westerwälder, die zumindest im Rheinland (ich bin Kölnerin) gang und gäbe ist, manifestiert sich hier in Gänze.


    Neben Selma und dem jahrzehntelang unglücklich in sie verliebten Optiker sind dies Luises Eltern - die sie beide, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen, nicht zu fassen bekommt, ihr gleichaltriger Freund Martin, der Einzelhändler, Elsbeth und Marlies, um nur mal ein paar Namen zu nennen. Jeder von ihnen wird von Autorin Marianna Leky in aller Kürze so eindringlich geschildert, dass man ihn gleich vor sich sieht, in einigen Fällen auch hört bzw. riecht.


    Ein wunderbares Buch, in dessen Verlauf wir Luise von ihrer Kindheit bis ins Erwachsenenalter hinein begleiten und ihr tragikomisches Schicksal - nichts anderes wird hier geschildert - in verschiedenen Lebensabschnitten erleben dürfen. Wir begegnen Luise in ihrer Einsamkeit, aber auch in Zeiten der Liebe. Ja, die Liebe ist es, die im Westerwald - und nicht nur dort - nicht immer schwer zu finden, aber stets schwer zu halten ist! Und zwar in all ihren Formen. Mariana Leky findet wunderbare Worte, um die unterschiedlichen Stimmungen, die den Roman in Bezug auf dieses ganz besondere Gefühl durchdringen, darzustellen.


    Ein Roman mit Sogwirkung, so zumindest habe ich es empfunden und sehe es in der Nähe eines frühen Irvings (vor allem von Hotel New Hampshire) oder auch von "Tango für einen Hund" von Sabrina Janesch. Überflüssig zu erwähnen, dass ich beide genannten Bücher ebenfalls sehr schätze und sie bereits oft empfohlen habe. Auch dem vorliegenden wird es so gehen: ich war von der Leseprobe gleich vollkommen ergriffen, auch wenn ich vor Jahren den Vorgängerroman "Die Herrenausstatterin" nur stellenweise genießen konnte. Falls es Ihnen genauso ergeht, zögern Sie trotzdem nicht: es könnte ja sein, dass Sie Luises Charme ebenso erliegen wie es bei mir der Fall war!


    Dieser Roman bietet um einiges mehr, als das, "Was man von hier aus sehen kann". Luise zumindest und auch einige andere sind bereit zu wachsen und über den Tellerrand hinweg zu schauen - in vielerlei Hinsicht. Im kleinen Westerwälder Dorf und weit darüber hinaus!
    5ratten

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    "Wenn wir etwas anschauen, kann es aus unserer Sicht verschwinden, aber wenn wir nicht versuchen, es zu sehen, kann dieses etwas nicht verschwinden" (Auszug aus dem Buch)
    Ein kleines Dorf im Westerwald, immer wenn Selma in der Nacht von einem Okapi träumt, dann gab es innerhalb von 24 Stunden jemanden, der Tod war. In dieser Nacht hatte Selma wieder von einem Okapi geträumt und alle die Selma kannte überdachten jetzt ihr Leben und blieben zu Hause, aus Angst es würde was geschehen. Nur Selma nicht, den sie dachte, dass es einfach Zufall war, das jemand nach diesem Traum starb. Der Optiker besah sich seine Liebesbriefe, die er nie Selma gegeben hatte und überlegte sich, ob er Selma nun endlich alles gestehen sollte. Doch als nach Ablauf der Zeit nichts geschah, waren alle froh darüber, den keiner konnte ja ahnen, dass der Tod sich diesmal länger Zeit nahm. Auch konnte keiner ahnen, dass es jemanden treffen würde, bei dem man es nicht erwartet hätte. Dann gibt es noch Luise die Enkelin von Selma um die sie sich kümmert, weil ihre Eltern keine Zeit für sie haben. Luises Mutter lebt mit Antonio dem Eisverkäufer zusammen und ihr Vater tingelt in der Welt herum, weil er im Dorf nicht vergammeln wollte. Luise kümmert sich um Alaska den Hund, der schon sehr alt ist, liebevoll seit ihr Vater auf Reisen ist. So begeben wir uns auf Luises Zeitreise, in dem Leben, Tod, Freundschaft, Träume, Trauer und die Liebe eine große Rolle spielen.


    Meine Meinung:
    Ich musste mich am Anfang mit der etwas eigenwilligen Sprache der Autorin anfreunden, doch dann war es ein Buch, das mich immer mehr angesprochen hat. Der Schreibstil ist sehr gut, aber auch eigenwillig und anders, mit so viel Esprit das es mich manchmal sprachlos machte und mit so viel Witz das ich oft schmunzelnd über dem Buch saß. Die Autorin besitzt meiner Ansicht nach viel an Lebenserfahrung, das man so ein Buch schreiben kann. Die Menschen und der Ort in diesem Buch könnten im Grunde überall sein, den es spiegelt, das Leben, das jeder führen könnten. Luise und Selma sind mir am Ende richtig ans Herz gewachsen, weil man über die beiden am meisten erfährt. Auch hier in dieser Geschichte schlägt das Schicksal wie im wahren Leben erbarmungslos zu und man leidet und hofft mit Luise und ihren Freunden. Es handelt sich bei diesem Buch nicht um ein Kriminalfall, sondern es geht wahrlich um das Leben, Tod, Träume, Trauer, Freundschaft, Liebe und was daraus entsteht oder wie es gelebt wird. Genauso seltsam wie das Okapi, sind diese Menschen die uns in dieser Geschichte begegnen. Der Roman bei dem wir mehr die Welt hineinlassen, bekommt von mir 5 von 5 Sterne.

  • Ich habe gerade die ersten 100 Seiten dieses Buches gelesen und bin bisher sehr sehr angetan. Witzig, intelligent, exzellent geschrieben und am Ende von Teil eins mit echtem Schock-Faktor. Wow. Wenn das so weitergeht, wird es ein TOP 2017 für mich.

  • Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
    Verlag: DuMont (18. Juli 2017)
    ISBN-13: 978-3832198398
    Preis: 20,00€
    auch als E-Book und als Hörbuch erhältlich


    Ein Roman zum Lachen und Weinen, so prall wie das Leben

    Inhalt:
    Luises Großmutter Selma kann den Tod vorhersehen. Immer wenn ihr ein Okapi im Traum erscheint, stirbt am nächsten Tag jemand im Dorf. Wen wird es dieses Mal treffen? Die abergläubische Elsbeth? Den Optiker, der alles erklären kann? Die immer schlecht gelaunte Marlies? Oder den alten Bauer Häubel, der sowieso findet, dass seine Zeit gekommen ist? Wie auch immer, das ganze Dorf ist in Aufruhr. Es werden letzte Vorbereitungen getroffen, Geständnisse gemacht, Liebe erklärt. Mit dem, was dann passiert, hat aber keiner gerechnet …


    Meine Meinung:
    Ich habe mir dieses Buch aufgrund der vielen positiven Meinungen besorgt. Von Anfang an gefielen mir die Geschichte und vor allem auch Mariana Lekys Schreibstil sehr gut, aber ganz so euphorisch wie manch andere Rezensierende war ich auf den ersten hundert Seiten noch nicht. Doch dann schlug ein Ereignis wie eine Bombe bei mir ein und es war um mich geschehen. Mir wurde immer klarer, warum andere Lesende so begeistert von dem Roman sind.


    Da ist zum einen der herrlich leichte und etwas poetische Schreibstil, der einen durch die Seiten fliegen lässt. Erzählt wird aus der Sicht von Luise. Anfangs ist sie erst zehn Jahre alt, am Ende etwa dreißig. Hier hat mir auch der zu Beginn kindliche Blick auf die Geschehnisse gut gefallen.


    Dazu kommen die ganz wunderbar vielschichtigen Charaktere dieser kleinen Dorfgemeinschaft im Westerwald. Jeder kennt jeden. Jeder weiß, wie er mit den Marotten der anderen umgehen muss. Man sorgt füreinander und kümmert sich.


    Ich beschloss, Martin später zu heiraten, weil ich fand, der Richtige sei der, der einem das Hinsehen erspart, wenn die Welt ihren Lauf nimmt. (S. 52)

    Und schließlich ist es die Handlung an sich, die mich berührt hat. Sie ist einerseits alltäglich, andererseits aber auch etwas Besonderes. Es gibt so viele schöne Momente, aber auch sehr traurige. Mariana Leky hat mich mit ihrem Roman auf eine Achterbahn der Gefühle geschickt. Ich habe mit den Protagonisten gebangt, habe über sie gelacht und mit ihnen Rotz und Wasser geheult.


    Selten habe ich ein so berührendes und tiefsinniges Buch mit einer solchen Leichtigkeit gelesen. Ich habe jede einzelne Figur in mein Herz geschlossen und werde sie in den nächsten Tagen ganz sicher vermissen. Denn sie wirken so lebendig, so authentisch, dass ich beim Lesen das Gefühl hatte, sie schon ewig zu kennen.


    Fazit:
    „Was man von hier aus sehen kann“ ist ein wunderbar berührender Roman, der einen lachen und weinen lässt, mit einer klugen und tiefgründigen Geschichte und herrlich verschrobenen Figuren, die man einfach gern haben muss.


    ★★★★★

  • Für alle, die in Frauenfeld oder Umgebung wohnen:


    Just dieser Titel ist in diesem Jahr der Titel zur Aktion "Frauenfeld liest". Im Vorfeld zum Bücherfest steht dieses Buch im Mittelpunkt, "jeder" liest es und beim Bücherfest selbst gibt es dann eine (mindestens?) Veranstaltung, bei der sich alles um dieses Buch dreht. Also Mariana Leky dürfte selbst dabei sein, davon gehe ich aus (denn das war vor zwei Jahren mit Meral Kureyshis Elefanten im Garten ebenso).


    Ich habe bei der Vorlesungsreihe "Literatur in den Häusern" (Konstanz/Kreuzlingen) eine Lesung dazu erlebt und werde das Buch jetzt schleunigst selber noch lesen. Die Lesung war so gut, dass ich echt Lust auf das Okapi bekommen habe.

    ☞Schreibtisch-Aufräumerin ☞Chief Blog Officer bei Bleisatz ☞Regenbogen-Finderin ☞immer auf dem #Lesesofa

  • Ich habe das Buch im Anschluss an die Lesung natürlich noch gelesen. Aber die Begeisterung, die ich nach der Lesung hatte und die ich auf das Buch übertragen wollte, war bald futsch.


    Warm wurde ich mit dem Okapi nicht, und das lag hauptsächlich daran, dass ich das Buch recht bemüht fand. Auf der kurzen Strecke, also der Lesung mit gezielt ausgewählten Stücken, einem Erzählbogen und einer Vorleserin, die ihre Sache hervorragend machte, war das alles ganz munter. Im Buch mit all den Passagen, die um jene herumgestrickt waren, die ich schon kannte, wirkte nichts mehr so munter.


    Was ich tatsächlich in der Hand hatte, war eine Art Alice im Wunderland, nur ohne Alice, Grinsekatze oder Hutmacher und Wunderland. Es fliegen simple Feststellungen durch die Luft als seien es mühselig philosophierte Weisheiten. Es fliegen manchmal amüsante Dialoge, manchmal aber herzlich blöde.


    “Was ist Alaska denn für ein Hund?”
    “Er gehört meinem Vater”, sagte ich.

    Was das Buch nett zu lesen macht, sind die spinnerten Ideen und die Ausdrucksstärke. An einem Abend hat Elsbeth beispielsweise beide Hände voll, die eine mit Draht und Alleskleber, die andere mit dem Entschluss, jemanden zu retten. Türen brechen in zwei Hälften, wenn man sie nur ausreichend anschreit, und die Liebe “tritt ein wie ein Gerichtsvollzieher” und pappt praktisch einen Kuckuck auf alles, was man hat und sagt: “Das gehört die jetzt alles nicht mehr.”


    Schöne Metaphern. Oft witzige Bilder. Und trotzdem … der Verve der sorgfältig ausgesuchten Lesungstexte aus Kreuzlingen trug nicht durch das ganze Buch. Im Gegenteil, die Geschichte zwischen Luise und dem Mönch turnte seltsam und unglaubwürdig durch die Seiten und trug den Rest des Buchs für mich nicht mehr über das nett Unterhaltsame hinaus. Irgendwann konnte ich Selmas Philosophien nicht mehr hören. Irgendwann nervt die Fabulierlust, wenn Selmas Haus als so abbruchreif geschildert wird, dass Selma angeblich bereits zur Hälfte in den Keller durchgebrochen war und das Haus wider alle Vernunft erhalten wird. Wenn der Optiker ständig mit dem Perimeter sein Gesichtsfeld misst. In diesem Dorf geschieht so viel in platten Wiederholungen, dass es in dieser Häufung wirkungslos wird.


    Und da stehe ich nun und frage mich, was ich von hier aus sehen kann. Soll ich selbst mal ins Perimeter schauen?

    ☞Schreibtisch-Aufräumerin ☞Chief Blog Officer bei Bleisatz ☞Regenbogen-Finderin ☞immer auf dem #Lesesofa

  • Ich habe das Hörbuch gehört, gelesen von Sandra Hüller und ich glaube, dass das einen großen Anteil ausmacht, weshalb mir das Buch so gefallen hat. Sie gibt der doch eigenen Sprache von Leky durch Betonung und Sprachmelodie noch einmal einen zusätzliche Dimension, die mir in Kombination sehr gut gefallen hat.


    Nichtsdestotrotz hat meine anfängliche Begeisterung für das Buch nach etwa zwei Dritteln etwas nachgelassen. Es war fast so, als wäre das Buch etwas zu lange geworden. Auch fand ich eine gewisse Entwicklung in der Handlung für das bisher Geschehene fast schon etwas banal und abgenudelt.


    In Summe hat mich das Buch aber sehr gut unterhalten, alle Figuren waren wunderbar schrullig und gerade übertrieben genug, um es als Märchen zu lesen, aber - für mich persönlich - auch nicht so übertrieben, dass es ins Satirische ging.

    Ein wenig haben mich Stil und Inhalt auch an "Die fabelhafte Welt der Amelie" erinnert.

    “Grown-ups don't look like grown-ups on the inside either. Outside, they're big and thoughtless and they always know what they're doing. Inside, they look just like they always have. Like they did when they were your age. Truth is, there aren't any grown-ups. Not one, in the whole wide world.” N.G.

  • Mir hat das Buch wirklich gut gefallen, und das hätte es auch, wenn ich nicht im Westerwald aufgewachsen wäre.


    Die Figuren sind vielleicht hier und da etwas überzeichnet, aber das verzeihe ich hier gern. Sie sind skurril, liebenswert und haben bei mir für manchen Lacher gesorgt.


    Das Buch war für mich mal was anderes, untypisch, eine willkommene Abwechslung. Mein erstes Buch der Autorin, aber sicher nicht mein letztes!



    4ratten:marypipeshalbeprivatmaus:


    Bechdel-Test: :daumen: mit Leichtigkeit bestanden

    Bücher sind Magie zum Mitnehmen.