Sybil Volks - Torstraße 1

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    Inhalt
    Berlin, 1929: Das riesige Kreditkaufhaus Jonass öffnet seine Pforten. Während im Dachgartenrestaurant gefeiert wird, gebiert die Verkäuferin Vicky in der Poststelle ihre uneheliche Tochter Elsa. Ihr zur Seite steht der Zimmermann Wilhelm Glaser, dessen eigener Sohn Bernhard zur gleichen Stunde geboren wird. Fortan sind sich die beiden Familien stets verbunden, besonders zwischen Elsa und Bernhard entsteht eine tiefe Freundschaft. Diese bleibt trotz aller Widrigkeiten über Jahrzehnte hinweg bestehen, ebenso wie Elsas Geburtshaus, in dem sich Bernhard und Elsa 2010 wieder treffen und gemeinsam auf ihre bewegten Jahre zurückblicken.


    Meine Meinung
    Wie man an der Inhaltsangabe bereits erkennen kann, deckt das Buch eine große Zeitspanne ab. Man begleitet die Familien von 1929 bis 2010 durch Berlin, fast 100 Jahre, in denen einiges passiert ist. Das NS-Regime kommt an die Macht, 2. Weltkrieg, Nachkriegszeit, Entstehung der BRD und DDR, Mauerbau, Wiedervereinigung ... um nur die wichtigsten Ereignisse zu nennen. All das erlebt man durch die Augen der Familienmitglieder mit, wobei hauptsächlich Vicky, Elsa und Bernhard zu Wort kommen. Dafür wird vom Leser natürlich ein gewisses Hintergrundwissen erwartet, aber das bewegt sich innerhalb des Schulwissens und sollte deshalb kein Problem darstellen.


    Um diesen Zeitraum in knapp 400 Seiten unterzubringen, lässt die Autorin die Handlung teilweise um Jahrzehnte springen. So gelingt es ihr, alle geschichtlich besonders wichtigen Ereignisse abzudecken und mit dem Leben der Familien zu verflechten. Ich für meinen Teil hätte es vorgezogen, wenn man nur eine Person durch das Buch begleitet hätte oder mehrere Personen, dann aber durch einen kürzeren Zeitraum. So hatte ich oft das Gefühl, dass die Charaktere wichtige Entwicklungsschritte durchgemacht haben, ohne dass ich dabei sein durfte. Geburten, Tode oder Krankheiten (z.B. Alkoholismus) wurden teilweise in einem Satz abgehandelt. Ich fand das sehr schade, da ich dadurch, und das trotz der vielen bewegenden Momente, keine besonders tiefe Bindung zu den Charakteren herstellen konnte. Vielleicht wäre eine andere Erzählweise besser gewesen.


    Es hätte jede Menge Möglichkeiten für eine noch intensivere Handlung gegeben. Denn nicht nur die geschichtlichen Hintergründe rund um Berlin sind faszinierend, schon allein die Geschichte der Kaufhauses gibt jede Menge her. Das gab / gibt es nämlich wirklich und hat eine bewegte Vergangenheit: als Kreditkaufhaus Jonass gegründet, wurde es später der Hauptsitz der Reichsjugendführung, um nach dem 2. Weltkrieg zum Sitz des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands umgestaltet zu werden. Walter Ulbricht und Wilhelm Pieck hatten dort ihre Büros. Ende der 50er entstand in dem Gebäude das Institut für Marxismus-Leninismus und das Parteiarchiv. Nach dem Mauerfall erhielten die ursprünglichen, jüdischen Besitzer das Haus zurück und seit 2010 beherbergt es das Soho House Berlin. Was für eine Geschichte!


    Da das Gebäude für Elsa und Bernhard so wichtig ist, erfährt man natürlich einiges darüber. Aber auch da hätte man noch mehr herausholen können, wenn man z.B. den Fokus nur auf dieses Haus gelegt hätte. So, wie das Buch geschrieben wurde, liegt das Hauptaugenmerk nämlich auf nichts. Ist es eine Familiengeschichte? Geht es um die Geschichte Berlins? Oder um die Vergangenheit des Gebäudes? Irgendwie von allem ein bisschen, aber nichts davon reicht wirklich tief. Ich finde das sehr schade!


    Insgesamt hat mich das Buch natürlich trotzdem gut unterhalten. Es hat mich außerdem dazu angeregt, viel im Internet nachgelesen und ich habe einiges dazugelernt. Dennoch hat mir die Tiefe gefehlt und ich hätte mir einen deutlicheren Fokus gewünscht. Ich vergebe 3ratten

    "Bücher lesen heißt wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben über die Sterne." (Jean Paul)

    Einmal editiert, zuletzt von mondy ()

  • Berlin im Wandel der Zeit


    Sybil Volks Gesellschafts- und Geschichtsroman „Torstraße 1“ durfte ich im Rahmen einer Leserunde genießen. Der Roman spielt in Berlin, die Handlung spannt sich über einen Zeitraum von 80 Jahren um das heutige Soho-Haus.


    Heinrich Grünberg eröffnet 1929 das neue Kaufhaus „Jonass“ in der Torstraße 1. Die hochschwangere Vicky arbeitet an diesem Eröffnungstag dort und bringt am Abend heimlich in der Postabteilung des Kaufhauses Tochter Elsa zur Welt. Ein junger Handwerker namens Wilhelm hilft ihr bei der Geburt. Er war zur Eröffnung eingeladen, weil er an dem Hausbau beteiligt war. Wilhelm selbst wird in der gleichen Nacht Vater eines Jungens namens Bernhard. Elsa ist ein uneheliches Kind, sie erfährt erst im Erwachsenenalter, das ihr Vater Harry Grünberg ist, dem Sohn des Kaufhausbesitzers.
    Elsas und Bernhards Familie freunden sich miteinander an und die beiden Kinder wachsen fast wie Geschwister miteinander auf. Der Roman spannt den geschichtlichen Bogen über das Dritte Reich, die Nachkriegszeit, dem geteilten Berlin und der Wiedervereinigung und erzählt die Geschichte der beiden Familien, wie es ihnen in diesen Zeiten ergangen ist und wie die Freundschaft über all die Jahre und durch alle Schicksalsschläge hindurch Bestand behält.


    Sybil Volks hat mit ihrem schönen und gefühlvollen Schreibstil einen wunderbaren Gesellschaftsroman geschrieben. Die Charaktere sind liebevoll und sympathisch, so dass man die einzelnen Personen am Ende fast als Freunde bezeichnen kann, so fühlt man mit und lässt sich von der Geschichte verzaubern. Man kann das Buch fast gar nicht aus der Hand legen.


    Dieses Buch ist für mich eine der Entdeckungen des Jahres 2012 und ich kann es jedem nur sehr ans Herz legen, der sich für Familiengeschichten und historische Romane mit realem Hintergrund interessiert. Absolut empfehlenswert!!!!


    5ratten