Robert Jackson Bennett - Die Stadt der tausend Treppen (Divine Cities 1)

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    Originaltitel:The Divine Cities 01: City of Stairs


    :tipp:


    Bulikov war Zentrum der Welt, die Stadt der Götter, doch dann gelang dem ausgebeuteten Saypur der Aufstand, ein Teil der Götter wurden getötet, der Rest verschwand und Bulikov ist selbst nur noch eine unterdrückte Kolonie. Von den verloren gegangenen Gaben der Götter abhängig, ist die die Bevölkerung verarmt, von Seuchen geplagt, die Stadt verwahrlost und selbst Redewendungen, die die Götter betreffen, werden brutal bestraft. Als ein saypurischer Gesandter ermordet wird, kommt die Agentin Shara Thivani in die Stadt, um den Mörder zu suchen und stolpert dabei über Geheimnisse aus der Vergangenheit und eine Verschwörung.


    Das ist ein Buch, bei dem ich das Cover tatsächlich mal (lobend) erwähnen muss. Über dem Pappumschlag befindet sich ein durchsichtiges Plastikblatt, welches die auf dem eigentlichen Cover im Rohbau- bzw. Ruinenstadium befindlichen Gebäude vervollständigt. Das nenne ich eine gelungene graphische Umsetzung des tatsächlichen Zustands der Stadt im Buch.


    Und auch sonst ist „Die Stadt der tausend Treppen“ gelungen. Das beginnt mit den Figuren, Shara ist sympathisch, stark, aber nicht übermächtig und mit einer Vergangenheit, die sie das Taktieren lehrte. Ihr Begleiter, Sigrud, ein riesiger Nordmann wird hingegen als unbesiegbar dargestellt. Gleichzeitig bricht die Autorin auch wieder mit diesem Klischee, in dem sie ganz andere Seiten von ihm zeigt. Das Buch ist der erste Band einer Trilogie und während Band drei wohl Sigrud zur zentralen Personen haben wird, wird sich Band 2 um die dritte Person in den Ermittlungen um den Mord drehen. Turyin Mulaghesh ist die Generalin der Stadt, die von ihren Aufgaben zutiefst frustrierte zwischen Pflichttreue und innerer Kündigung schwankt und trotzdem Shara größte Unterstützung bietet.


    Das Ganze spielt in einer ungewöhnlichen Weltenkulisse. Da Magie von den Göttern kam, ist sie zum Einen kaum noch vorhanden, zum Anderen verboten, sie nimmt also einen eher geringen Teil ein und besteht in erster Linie aus magischen Artefakten, die übrig geblieben sind. Dazu gesellt sich aber modernes Leben in Form von Automobilen und ähnlichem, objektiv Steampunk-ähnlich, auch wenn die Lebenswelt zu fremd dafür ist. Jedenfalls ist so ein gelungener Mix entstanden, der aus dem üblichen Mittelalter- oder Urban-Einerlei positiv heraus sticht.


    Dazu kommt ein Hintergrund, der nicht nur unterhalten will. Die üblichen Intrigen tragen in diesem Buch einen Unterbau aus starker Imperialismuskritik. Ist es nicht vollkommen logisch, dass sich ein unterdrücktes Volk zu wehren beginnt und kann man ihnen den Widerstand wirklich vorwerfen? Weder Eroberungskriege noch Rachefeldzüge führen zu einer positiven Entwicklung und auch wenn die „Gegenseite“ von Shara und Co. verdammenswert handelt, versteht man die Gefühle und Ziele ihrer Unterstützer.


    Normalerweise mag ich keine Bücher, in denen übermächtige Götter auftauchen, aber hier mache ich gerne eine Ausnahme, ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen und überlege nun nur noch, ob ich auf die Übersetzung des zweiten Teils noch etwas warten kann oder auf Englisch weiter lese. Und das, obwohl die Geschichte in sich abgeschlossen ist!


    4ratten + :marypipeshalbeprivatmaus:




    The Divine Cities

    1. Die Stadt der tausend Treppen / City of Stairs
    2. Die Stadt der toten Klingen / City of Blades
    3. Die Stadt der träumenden Kinder / City of Miracles

    Ein Buch, das man liebt, darf man nicht leihen, sondern muss es besitzen. (Friedrich Nietzsche)

    Einmal editiert, zuletzt von illy ()

  • Gleichzeitig bricht die Autorin auch wieder mit diesem Klischee, in dem sie ganz andere Seiten von ihm zeigt.

    Robert Jackson Bennett ist eher keine "Autorin" ;)


    Mir hat das Buch im Großen und Ganzen recht gut gefallen. Besonders die Figuren und dabei die interessanten Frauenfiguren haben mich überzeugt. Auch die Idee zu der Geschichte und die Welt finde ich sehr interessant und auch mal was Neues.

    Allerdings haben mich ein paar Dinge im Laufe des Buches auch weniger überzeugt. So finde ich, dass die Geschichte sowohl hinsichtlich Plot als auch Charaktere etwas unrund ist. Ich hatte das Gefühl, als ob Bennett auf halben Weg etwas die Luft oder Lust ausgegangen ist. Die zweite Hälfte des Buches fand ich nicht so gut wie die erste, obwohl hier wesentlich mehr passiert als zu Beginn. Die Figuren, die sehr interessant eingeführt werden, verlieren etwas an Charakter und der Plot wirkt ein wenig unsicher, in welche Richtung er denn überhaupt möchte.

    Auch das Ende fand ich ein wenig gehetzt und ein wenig zu utopisch-romantisch.


    Nichtsdestotrotz hat mir das Buch Spaß gemacht! Die weiteren Teile werde ich vielleicht irgendwann lesen, aber ich habe nicht das Bedürfnis, sofort weiterzulesen.

    “Grown-ups don't look like grown-ups on the inside either. Outside, they're big and thoughtless and they always know what they're doing. Inside, they look just like they always have. Like they did when they were your age. Truth is, there aren't any grown-ups. Not one, in the whole wide world.” N.G.