Anthony Powell - Bei Lady Molly/At Lady Molly's

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Es gibt 46 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von yanni.

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    Hier kommt unser Auftakt zur 4. Runde unseres Tänzchens ab morgen :smile: Ich bin schon sehr gespannt, wie dieses Buch ausfallen wird und freue mich auf die Diskussion mit Euch.

    Weekends don't count unless you spend them doing something completely pointless.

    Calvin & Hobbes

  • gelesen bis S. 30 einschließlich


    Mmmmh, okay, ich bin noch nicht sehr weit gekommen, aber zwei Dinge sind mir aufgefallen:


    [li]Der Übersetzer hat Satzgliederstellungsprobleme.[/li]
    [li]Der Titel lässt befürchten, dass es im gesamten Band nur um diese Gesellschaft bei Tante Molly gehen wird.[/li]


    Bisher finde ich es ganz interessant und der missgünstige Versagerling Onkel Giles ist auch wieder mit von der Partie, was ich als amüsanten Lichtblick empfinde.
    Bin also gespannt, wie es weitergeht.

    :lesewetter:&nbsp; &quot;Willkommen in der Wüste der Wirklichkeit&quot; (Morpheus)<br />

    <br />[li]Anthony Powell: &quot;Bei Lady Molly&quot;[/li]<br />

  • Kapitel 1


    Es geht mal wieder mit der Erwähnung von Onkel Giles los :breitgrins: Das scheint ja echt so ein kleiner Running Gag zu sein.


    Insgesamt ist das erste Kapitel wieder ein fröhlicher Reigen von Erwähnungen bereits bekannter und neuer Figuren und dient im wesentlichen der Einführung. Das komplizierte Verwandtschafts- und Beziehungsgeflecht kann ich mir allerdings nicht komplett merken und weiß auch nicht mehr genau, wer Bijou Ardglass war - war das die, mit der Jeans Ehemann abgehauen ist? :gruebel:


    Zwischen Jean und Jenkins ist es aus, schade eigentlich. Das wurde ja nur lapidar angesprochen, ich hoffe, wir erfahren dazu noch ein bisschen mehr. Und Jenkins schreibt jetzt Drehbücher für langweilige Filme, die der Förderung des britischen Kinos dienen? Hm, ob das wirklich so ein Aufstieg ist?


    Die Roaring Twenties scheinen vorbei zu sein, Edward VII ist auf dem Thron, und es wird offenbar auch mehr politisiert, zumindest wurde das mal kurz erwähnt. Ich habe mal nachgerechnet, wann wir uns zeitlich ungefähr befinden, weil ich es nicht mag, das nicht richtig einschätzen zu können; wenn wir davon ausgehen, dass Jenkins derselbe Jahrgang ist wie Powell selbst (hatten wir das nicht mal irgendwann festgestellt?), müsste die Handlung im Jahr 1933 oder 34 angesiedelt sein.


    Powell tischt uns bei Lady Molly ein paar Überraschungen auf: Tolland taucht wieder auf und ist nicht nur der Typ, der immer bei den Schultreffen aufkreuzt, sondern scheint auch einen Haufen mehr oder minder interessanter junger Verwandter zu haben, von der Hofdame über den Neffen, der so korrekt ist, dass er sicher eine korrekte Frau heiratet und zu korrekt sein wird, um mit ihr Kinder zu zeugen ( :breitgrins: ) bis hin zu Abenteurern und dem schlecht gekleideten Hugo. Ich musste ja etwas schmunzeln, wie er ganz ernst von allen erzählt und von den anderen Gästen dafür ein bisschen hochgenommen wird. Der Garbo-Spruch war auch gut.


    Norah Tolland hat mich neugierig gemacht - ich fresse einen Besen, wenn sie nicht mit Eleanor Walpole-Wilson (die ich gerne wiedertreffen würde) eine lesbische Beziehung führt!


    Wen ich auch interessant finde, fast am meisten von der ganzen Blase: Jeavons, der so ganz fehl am Platz in der feinen Gesellschaft zu sein scheint und sich auch auf der Party seiner Frau eher am Rand bewegt.


    Aber der große Knaller war Mildreds Verlobter. Ich hatte mit allem möglichen gerechnet, aber nicht damit, dass der nicht gerade ansehnliche Auserwählte unser guter alter Widmerpool ist! Na, ob das gutgeht? Allerdings hat Jenkins recht, wenn er sagt, Widmerpool sei schon immer irgendwie mittleren Alters gewesen, und wahrscheinlich ist er gesetzter als seine um einiges ältere Frau.


    Einen richtigen roten Faden erkenne ich bisher noch nicht, aber ich fand es ganz amüsant, dem ganzen Figurenkaleidoskop zuzusehen, Namen wiederzuerkennen und ein paar neue Gesichter kennenzulernen. Ich bin jedenfalls gespannt, wie es weitergeht.

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  • Es geht mal wieder mit der Erwähnung von Onkel Giles los :breitgrins: Das scheint ja echt so ein kleiner Running Gag zu sein.


    Kein Roman ohne Onkel Giles. Ich konnte mir ein Lächeln nicht verkneifen, als sofort wieder von dem alten Miesepeter die Rede war. Du könntest recht haben, dass es sich um einen Running Gag handelt. Bei mir führt Onkel Giles mittlerweile dazu, dass ich sofort wieder in Powellns Welt eintauchen kann. So verwirrend die vielen anderen Namen auch sein mögen, bei deren Zuordnung ich mitunter meine Probleme habe, - Onkel Giles ist der Anker, der die Reihe für mich zusammenhält. Es wird spannend sein, zu verfolgen, ob Powell die Figur des Onkel Giles bis zum letzten Band beibehält.



    Das komplizierte Verwandtschafts- und Beziehungsgeflecht kann ich mir allerdings nicht komplett merken und weiß auch nicht mehr genau, wer Bijou Ardglass war - war das die, mit der Jeans Ehemann abgehauen ist? :gruebel:


    Bei Bijou Ardglass und Jumbo hatte ich auch ein großes Fragezeichen. Ich glaube, du hast recht mit deiner Vermutung.



    Tolland taucht wieder auf und ist nicht nur der Typ, der immer bei den Schultreffen aufkreuzt, sondern scheint auch einen Haufen mehr oder minder interessanter junger Verwandter zu haben, von der Hofdame über den Neffen, der so korrekt ist, dass er sicher eine korrekte Frau heiratet und zu korrekt sein wird, um mit ihr Kinder zu zeugen ( :breitgrins: ) bis hin zu Abenteurern und dem schlecht gekleideten Hugo. Ich musste ja etwas schmunzeln, wie er ganz ernst von allen erzählt und von den anderen Gästen dafür ein bisschen hochgenommen wird. Der Garbo-Spruch war auch gut.


    Der perfekte George war zu köstlich. :lachen:



    Aber der große Knaller war Mildreds Verlobter. Ich hatte mit allem möglichen gerechnet, aber nicht damit, dass der nicht gerade ansehnliche Auserwählte unser guter alter Widmerpool ist!


    Das hat mich überhaupt nicht verwundert. Als Mrs Conyers über den um einiges jüngeren Verlobten von ihrer Schwester sprach, hatte ich Widmerpool im Verdacht. Es passt zu seinem zielstrebigen Leben. Er ist nun in einem Alter, in dem aus gesellschaftlicher Sicht eine Familie vorgeschrieben ist, so er nicht in den Verdacht geraten möchte, sich in einen exzentrischen Junggesellen zu verwandeln. Sie ist praktischerweise reich (eine Grundvoraussetzung) und aus den alten Kontakten ihres verstorbenen Ehemanns lässt sich vielleicht noch Kapitel schlagen. Vielleicht kann sie ihm sogar noch ein Kind schenken. Wenn nicht, macht es auch nichts - es gibt Stiefkinder und kinderlose Paare werden in der Gesellschaft akzeptiert.


    Vielleicht unterstelle ich dem armen Widmerpool da auch einiges. Immerhin kenne ich ihn nur aus der gefärbten Sicht Jenkins. Und den habe ich schon länger im Verdacht, ein verkappter Onkel Giles zu sein. :zwinker:

  • Es wird spannend sein, zu verfolgen, ob Powell die Figur des Onkel Giles bis zum letzten Band beibehält.


    Da bin ich auch gespannt. Nicht, dass der noch irgendwann stirbt!


    Zitat

    Das hat mich überhaupt nicht verwundert. Als Mrs Conyers über den um einiges jüngeren Verlobten von ihrer Schwester sprach, hatte ich Widmerpool im Verdacht.


    Es ist auch eigentlich naheliegend, aber ich hatte echt nicht dran gedacht.


    Zitat

    Vielleicht unterstelle ich dem armen Widmerpool da auch einiges.


    Ich glaube schon, dass zumindest ein bisschen was dran ist. Widmerpool hat ganz klar einen Plan für sein Leben.


    Zitat

    Immerhin kenne ich ihn nur aus der gefärbten Sicht Jenkins. Und den habe ich schon länger im Verdacht, ein verkappter Onkel Giles zu sein. :zwinker:


    :lachen:

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  • Ich konnte gestern auch das erste und ein paar Seiten des zweiten Kapitels lesen.


    Die Erwähnung von Onkel Giles scheint tatsächlich der Running Gag zu Beginn jedes Buches zu sein. Mal schauen, ob Powell das bis zum Schluß beibehält.


    Nick und Jean sind nicht mehr zusammen, auf das Warum wird gar nicht eingagangen. Zu Beginn des zweiten Kapitels erfährt man dann durch Widmerpool, das Jean wieder zu ihrem Mann zurückgegangen ist.
    Ich bin gespannt, ob diese Trennung nochmal Thema sein wird, wahrscheinlich aber eher nicht. Affären, Scheidungen und neue Partner scheinen hier an der Tagesordnung zu sein, was es zumindest für mich immer schwerer macht, die Beziehungsgeflechte zu durchschauen.



    Bei Bijou Ardglass und Jumbo hatte ich auch ein großes Fragezeichen. Ich glaube, du hast recht mit deiner Vermutung.


    Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass es die Frau war mit der Jeans Mann sie betrogen hat. Außerdem war da mal was mit diesem Prinz Theoderic, glaube ich zumindest. Wenn man Nicks Arbeitskollegen Lovell Glauben schenken darf, haben aber sowieso schon fast alle mit ihr geschlafen... :zwinker:


    Auf der Party von Lady Molly begegnet Nick Alfred Tolland wieder, den wir schon vom Ehemaligentreffen von Le Bas kennen und der anscheinend eine recht große und interessante Verwandtschaft hat. Köstlich amüsiert habe ich mich auch über den korrekten George! :breitgrins:


    Die Überraschung des Abends war für mich aber Widmerpool, der sich anschickt, der dritte Ehemann von Mildred Harvey zu werden. Ich hatte mit ihm hier gar nicht gerechnet, wobei diese Entscheidung ganz logisch klingt, wenn ich mir dodos Erklärungen dazu durchlese. Eine reiche, ältere Frau (wobei Widmerpool ja selbst nie jung war :smile: und deswegen auch der Altersunterschied keine Rolle spielen sollte) passt zu seinen ehrgeizigen Plänen sicher besser als ein junges, unerfahrenes Mädchen.
    Irgendwo scheint der Schuh aber doch zu drücken, denn er gibt Nick zu Beginn des zweiten Kapitels zu verstehen, dass er sich mit ihm wegen der bevorstehenden Hochzeit treffen wollte. Was ihm nun aber genau zu schaffen macht, habe ich noch nicht herausgefunden.



    Ich habe mal nachgerechnet, wann wir uns zeitlich ungefähr befinden, weil ich es nicht mag, das nicht richtig einschätzen zu können; wenn wir davon ausgehen, dass Jenkins derselbe Jahrgang ist wie Powell selbst (hatten wir das nicht mal irgendwann festgestellt?), müsste die Handlung im Jahr 1933 oder 34 angesiedelt sein.


    Da hast du richtig gerechnet, laut Wikipedia spielt dieser Band im Jahr 1934. :smile:

    :lesen: Anthony Powell - The Kindly Ones <br /><br />Mein SUB<br />Meine [URL=https://literaturschock.de/literaturforum/forum/index.php?thread/32348.msg763362.html#msg763362]Listen

  • 1. Kapitel


    Die ersten zwei drei Seiten musste ich mich wieder eingewöhnen, aber dann fluppte es. :smile:


    Ja, Giles ist, wie Widmerpool, ein ständiger Begleiter. Der Kontakt zwischen beiden wird, so lange Giles lebt, nicht abbrechen. Schließlich ist Nick ein wichtiges Verbindungsglied zu den jählichen finanziellen Zuwendungen. :zwinker:



    Nick und Jean sind nicht mehr zusammen, auf das Warum wird gar nicht eingagangen. Zu Beginn des zweiten Kapitels erfährt man dann durch Widmerpool, das Jean wieder zu ihrem Mann zurückgegangen ist.


    Ich hatte am Ende des letzten Bandes schon den Eindruck, dass diese Verbindung nicht mehr lange halten würde. Sie begannen sich damals schon auseinander zu leben.



    Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass es die Frau war mit der Jeans Mann sie betrogen hat. Außerdem war da mal was mit diesem Prinz Theoderic, glaube ich zumindest. Wenn man Nicks Arbeitskollegen Lovell Glauben schenken darf, haben aber sowieso schon fast alle mit ihr geschlafen... :zwinker:


    Genau die war das. Das sie nichts anbrennen lässt, munkelte man im letzen Band schon auf einer dieser Party, bei der auch Jean anwesend war.


    Die Tolland-Familie ist ein interessanter Clan. Von denen würde ich gerne mehr lesen. Dass eine von den Tollands eine lesbische Beziehung haben soll, deutete sich schon im Gespräch zwischen Nick und Chips an. Schade, dass den beiden nachgesagt wird, dass sie gesellschaftsscheu sind, denn von Eleanor Walpole-Wilson würde ich gerne wieder mal was hören. Mir gefiel sie recht gut, das war doch die mit den Hunden, oder? (Ich hätte mir beizeiten ein Personenverzeichnis anlegen sollen. Jetzt ist es wohl schon zu spät.)


    Überhaupt, bei Lady Molly hat es mir gefallen. Hoffentlich lassen wir uns da noch ein paar mal sehen. Immerhin kennen wir jetzt so ein paar Leutchen, die da verkehren. Dass DER Tolland zu dem Clan gehört, war eine Überraschung. Genau wie Widmerpool, der junge Verlobte. An Tolland gefällt mir, wie er seine ganze Familie immer verteidigt, wenn Molly wieder mal eine Spitze rüberlässt. Sind die beiden eigentlich jetzt auch verwandt?


    Ich glaube schon, dass zumindest ein bisschen was dran ist. Widmerpool hat ganz klar einen Plan für sein Leben.


    Ja, einen Plan hat er ganz sicher und schon ziemlich lange, aber er hat auch ein Herz, wie man an seinen Reinfall mit dieser flippigen Person, wie immer sie auch hieß, sehen konnte. Aber wenn sich Geld und Gefühl so nett arrangieren lassen, wer will da Nein sagen?! :breitgrins:
    Warum er wohl mit Nick sprechen will? Hat es was mit ihrer Vergangenheit zu tun, schließlich hat Widmerpool, oder darf ich Kenneth sagen, sehr seltsam reagiert, als Nick sagte, dass er sie von früher kenne. Werden wir sicher noch erfahren. Nebenbei, ob er noch bei Mama lebt?



    Der perfekte George war zu köstlich. :lachen:


    :pueh: Man kann's den Leuten halt nicht recht machen. :breitgrins:



    Erridge und Warminster, sind das Familiennamen oder Titel? Ich habe das einfach nicht richtig verstanden.


    Nicks Kommentar über kinderreiche Familien war köstlich. :smile: Und meist so wahr!


  • Ich hatte am Ende des letzten Bandes schon den Eindruck, dass diese Verbindung nicht mehr lange halten würde. Sie begannen sich damals schon auseinander zu leben.


    Dass sie nicht ewig zusammen sein werden, dachte ich mir damals auch schon, aber ich fand es schade, dass das jetzt so lapidar abgehandelt wurde. Aber vielleicht ist die Beziehung auch wirklich einfach so ausgeplätschert.



    Genau die war das. Das sie nichts anbrennen lässt, munkelte man im letzen Band schon auf einer dieser Party, bei der auch Jean anwesend war.


    Das dachte ich mir auch.


    Zitat

    Schade, dass den beiden nachgesagt wird, dass sie gesellschaftsscheu sind, denn von Eleanor Walpole-Wilson würde ich gerne wieder mal was hören. Mir gefiel sie recht gut, das war doch die mit den Hunden, oder?


    Ja, genau die war das!


    Zitat

    (Ich hätte mir beizeiten ein Personenverzeichnis anlegen sollen. Jetzt ist es wohl schon zu spät.)


    Das denke ich auch manchmal, allerdings fallen mir erstaunlich viele Dinge wieder ein.


    Zitat

    Ja, einen Plan hat er ganz sicher und schon ziemlich lange, aber er hat auch ein Herz, wie man an seinen Reinfall mit dieser flippigen Person, wie immer sie auch hieß, sehen konnte. Aber wenn sich Geld und Gefühl so nett arrangieren lassen, wer will da Nein sagen?! :breitgrins:


    Gipsy Jones hieß diese schreckliche Frau. Du hast recht, die Sache mit Mildred ist eine gute Sache für Herz wie Verstand. Sie wird ihn sicherlich nicht so enttäuschen wie Gipsy (oder zumindest nicht auf dieselbe Weise).


    Zitat

    Erridge und Warminster, sind das Familiennamen oder Titel? Ich habe das einfach nicht richtig verstanden.


    Ist das vielleicht sowas wie "James Erridge, Lord of Warminster"? So ganz kapiert hab ich das auch nicht.

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    Calvin & Hobbes

  • Ist das vielleicht sowas wie "James Erridge, Lord of Warminster"? So ganz kapiert hab ich das auch nicht.


    Genauso habe ich das verstanden.


    Bei der Episode mit Gipsy Jones hat man gesehen, dass in der Person von Widmerpool steckt, als Jenkins bereit ist zuzugeben. Er füttert seinen Leser in leicht herablassendem Ton mit amüsanten Anekdoten über Kenneth, will sich aber nicht eingestehen, dass sein Bild von Widmerpool nicht zu 100% stimmig ist. Er kann nicht nur diese lächerlicher Ehrgeizling sein, denn Jenkins immer präsentiert, sonst wäre er weder beruflich so erfolgreich, noch in der Gesellschaft so fest verankert. Mit tolpatschige Speichelleckerei und übertriebenen Geltungsdrang allein hält man sich auf Dauer nicht in seiner Position. Ich denke, bei Jenkins Berichterstattung ist eine Spur Neid dabei, denn anscheinend ist Widmerpool erfolgreicher als er.


  • Ich denke, bei Jenkins Berichterstattung ist eine Spur Neid dabei, denn anscheinend ist Widmerpool erfolgreicher als er.


    Das mit Sicherheit. So dolle zu was gebracht hat Jenkins es ja bisher nicht. Er ist offenbar auch keiner, der aus eigener Kraft zu sehr viel imstande ist, meist zeigt er sich ja als Anhängsel irgendwelcher anderer, erfolgreicherer oder sonstwie auffälligerer Menschen.


    Sympathisch ist mir Widmerpool dennoch nur bedingt. Mir sind Leute, die so schnurgerade und aus dem Kopf heraus ihr Aufstiegsziel verfolgen, immer ein wenig suspekt.

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  • Mir ist Widmerpool auch nicht sonderlich sympathisch. Jenkins genauso wenig. Wobei es mir in einem Buch ziemlich egal ist, ob ich die Charaktere mag oder nicht. Stimmig müssen sie sein und keine Schwarz-Weiß-Karrikaturen, das ist mir viel wichtiger als irgendwelche Sympathiepunkte.

  • Ja, ja Widmerpool! Ich denke, dass es ein wichtiges Konstrukt dieser Romanserie ist, dass W. einerseits so unattraktiv und lächerlich ist, andererseits so zielstrebig und auch - in Maßen - erfolgreich. Damit bildet er einen Gegenpol zu den anderen jungen Männern aus gutem Hause, die zwar besser aussehen, die interessanteren Beziehungen haben, aber letzten Endes nur rumdilettieren und es zu nichts bringen. Widmerpool ist der Geist der neuen Zeit, hässlich, aber effektiv - der Adel stirbt in Schönheit und Indolenz... .


    Ich bin immer wieder überrascht, wie gerne ich diese Romane lese, obwohl sie ein Leben schildern, das ich zum Erbrechen langweilig finden würde, wenn ich es selber führen müsste. Jenkins und auch der Rest seiner Blase verdienen sich ihren Lebensunterhalt in relativ langweiligen, sehr dialoglastigen Jobs und ihre ganze Freizeit füllen sie auch bei Besuchen mit solchen Gesprächen über Dies und Das, insbesondere über Klatsch. Interessanterweise führen das einzige politische Gespräch die beiden französischsprachigen Besucher bei Lady Molly; Das Weltgeschehen wird danach erst im zweiten Kapitel von Widmerpool wieder angesprochen, der dabei ganz fürchterliche, aber zeittypische Auffassungen erkennen lässt, die unter anderem dazu führten, dass die anderen Westmächte Hitler so lange machen ließen, was er wollte.
    Ich dachte zunächst, das Romangeschehen spiele bereits 1938, weil es in dem oben erwähnten Gespräch im ersten Kapitel um die Aktionen des österreichischen Kanzlers Dollfuß gegen die Anschlussbemühungen der deutschen und österreichischen Nationalsozialisten ging, aber anscheinend zog sich dieses Geschehen über Jahre hin.


    Die Kunst von Powell ist meiner Ansicht nach, dass er die Alltäglichkeit der Gesprächsthemen immer wieder ganz am Rande mit den wirklich wichtigen Dingen in der Welt kontrastiert. Die merken alle nicht, auf welchem Pulverfass sie alle sitzen und nur ganz am Rande blitzlichtert es dann auf.


    Dass Jean so ohne weiteres ad acta gelegt ist, will ich nicht ganz glauben: Im zweiten Kapitel wird auch angedeutet, dass Nick noch Gefühle für sie hat. Warten wir mal ab, was sich da noch ergibt.


    Ich bin jetzt in der Elfenbein-Ausgabe auf S. 80, mitten im zweiten Kapitel.


  • Mir ist Widmerpool auch nicht sonderlich sympathisch. Jenkins genauso wenig. Wobei es mir in einem Buch ziemlich egal ist, ob ich die Charaktere mag oder nicht. Stimmig müssen sie sein und keine Schwarz-Weiß-Karrikaturen, das ist mir viel wichtiger als irgendwelche Sympathiepunkte.


    Da bin ich ganz Deiner Meinung. Sympathische Figuren können ein Pluspunkt sein, sind aber natürlich kein Muss. (Echte Sympathieträger gibt es in diesem Zyklus eh kaum, oder?)



    Ich habe auch kurz überlegt, ob das zu dem Zeitpunkt schon ein Gesprächsthema für die beiden Clubgäste hätte sein können oder ob Powell da zeitlich etwas daneben liegt :gruebel:

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  • Ich kann leider überhaupt kein Französisch, daher konnte ich der Unterhaltung der beiden Gäste nicht folgen. Worum ging es da genau?


    1934 kam es in Österreich zum sogenannten Februaraufstand. Dabei kam es zu einem Zusammenstoß zwischen den Sozialdemokraten und dem Ständestaat unter Dollfuß. Sonderlich fit bin ich allerdings nicht in der Geschichte der ersten Republik, das muss ich zu meiner Schande gestehen. :redface:


    Anschlussbestrebungen an Deutschland gab es unabhängig von Hitler von Beginn der ersten Republik an. Nach dem Weltkrieg hatte Österreich den größten Teil seiner Fläche verloren, gerade einmal die Kernlande blieben übrig. Die bestehende Industrie lag in Böhmen, die agrarischen Anbauflächen in Ungarn. Viele Menschen glaubten, dass das Land wirtschaftlich nicht überleben könnte und wünschten sich einen Anschluss an Deutschland. Dies hatten die Allierten aber im Vertrag von St. Germain verhindert.


  • Widmerpool ist der Geist der neuen Zeit, hässlich, aber effektiv - der Adel stirbt in Schönheit und Indolenz... .


    Schön formuliert und auf den Punkt gebracht!


    Ich habe nun das zweite Kapitel beendet.
    Widmerpool wollte anscheinend Nicks Rat, weil er befürchtet, dass Mildred vor der Hochzeit schon ein Wochenende mit ihm verbringen will. Typisch Widmerpool, keiner der anderen jungen Männer hätte sich darüber wohl Gedanken gemacht... :zwinker:
    Widmerpool`s Ansichten zu Hitler waren zu der Zeit sicher gängig und genau das Problem, warum ihm solange zugeschaut wurde.
    Worüber am Nebentisch debattiert wurde habe ich auch nur bruchstückhaft verstanden, dafür ist mein Französisch leider zu schlecht. :rollen:


    Bei den Conyers` trifft Nick auf Lady Frederica Butt, geborene Tolland, die ihm mit zu ihrer Schwester Norah nimmt, die ganz offensichtlich in einer lesbischen Beziehung mit Eleanor Walpole-Wilson lebt. Die Wohnung der beiden wird als sehr schlampig beschrieben und auch diese Nachbarin wirkte etwas seltsam. Nick hat auf jeden Fall versprochen, sich bei Eleanor wieder zu melden, vielleicht erfahren wir von dem Paar ja noch mehr.


    Ganz am Ende des Kapitels trifft er Quiggins wieder, der ihn auch gleich wieder übers Wochenende einlädt. Ein bisschen verzwickt ist die Situation schon, schließlich hat Quiggins Freundin (Frau?) Nicks früheren Schulfreund Peter Templer verlassen, aber diese Bedenken werden ganz einfach hinweggefegt. Ich bin ja gespannt, welche bekannten Gesichter dort auch wieder aufkreuzen werden. :smile:

    :lesen: Anthony Powell - The Kindly Ones <br /><br />Mein SUB<br />Meine [URL=https://literaturschock.de/literaturforum/forum/index.php?thread/32348.msg763362.html#msg763362]Listen

    Einmal editiert, zuletzt von knödelchen ()

  • Ich stecke noch am Anfang des 2. Kapitels.
    Der Inhalt des Gespräches von Widmerpool und Nick war typisch für ersteren. Worum der sich aber auch Gedanken macht. Eine Zeitlang habe ich schon befürchtet, er würde Nick gestehen, dass er nicht wüsste wie es funktioniert. Bei ihm würde mich nichts überraschen. :err:
    Warum er so darum bemüht ist, dass seine Holde nichts von den anderen Frauen in seinem Leben erfährt, ist mir immer noch nicht klar. Sie kann doch unmöglich annehmen, dass er keinerlei Ambitionen in dieser Richtung hatte.



    Schön formuliert und auf den Punkt gebracht!


    Dem möchte ich mich anschließen!




    Worüber am Nebentisch debattiert wurde habe ich auch nur bruchstückhaft verstanden, dafür ist mein Französisch leider zu schlecht. :rollen:


    Das ging mir leider genau so.


    Wahrscheinlich war damals viele der gleichen politischen Meinung wie Widmerpool. Der deutsche Schreihals wird sich schon beruhigen.


  • Der Inhalt des Gespräches von Widmerpool und Nick war typisch für ersteren. Worum der sich aber auch Gedanken macht. Eine Zeitlang habe ich schon befürchtet, er würde Nick gestehen, dass er nicht wüsste wie es funktioniert. Bei ihm würde mich nichts überraschen. :err:


    :breitgrins:


    Zitat

    Warum er so darum bemüht ist, dass seine Holde nichts von den anderen Frauen in seinem Leben erfährt, ist mir immer noch nicht klar. Sie kann doch unmöglich annehmen, dass er keinerlei Ambitionen in dieser Richtung hatte.


    Dass ihm die Gipsy-Jones-Geschichte peinlich ist, kann ich nachvollziehen, aber seine Schwärmerei für Barbara Goring fände ich jetzt auch nichts, was man unter den Teppich kehren müsste. Vielleicht hat er Angst, dass die Zucker-Episode noch mal aufs Tapet kommt.


    Zitat

    Wahrscheinlich war damals viele der gleichen politischen Meinung wie Widmerpool. Der deutsche Schreihals wird sich schon beruhigen.


    Wie das enden würde, wäre aber - bei aller Kritik an Widmerpools Ansichten - schwerlich zu diesem Zeitpunkt zu erahnen gewesen :traurig:

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  • Mein Senf zu Kapitel 2


    Gleich zu Beginn musste ich etwas grinsen, als Widmerpool erwähnt, dass ihn Magnus Donners schon lang nicht mehr nach Stourwater eingeladen hat. Der hat bestimmt Angst um seine Pflanzkübel! :lachen:


    Jean ist doch wieder zu ihrem Mann zurückgekehrt? Hm … :gruebel: Schade, dass man nichts mehr von Stringham erfährt. Ich hätte gerne gewusst, was aus ihm geworden ist. Aber der taucht bestimmt auch noch irgendwann wieder auf, und wenn es in einem anderen Band ist.


    Als Widmerpool darüber spricht, dass Dogdene ein passenderer Ort für eine „grande dame“ wie Lady Molly gewesen sei, wurde mir klar, was mich an ihm stört. Ich gönne ihm seine Karriere und seinen Erfolg, zumal er tatsächlich ein Händchen fürs Geschäft zu haben scheint, aber er ist mir zu sehr darauf bedacht, dass alles „comme il faut“ sein muss. Auch wenn das natürlich in gewisser Weise verständlich ist, wenn man weiß, woher er kommt. Als Abkömmling eines Güllelieferanten möchte er sich möglichst nicht outen müssen und passt deshalb besonders auf, bloß nichts falsch zu machen. Dass sein Vater den Familiennamen geändert hat, fand ich ziemlich interessant zu hören.


    Und natürlich graust es mir aus heutiger Sicht bei seiner Einschätzung der politischen Lage in Deutschland :entsetzt: Wobei natürlich 1934 noch niemand damit rechnen konnte, welche entsetzlichen Ausmaße und Auswüchse die Nazi-Ideologie annehmen würde.


    Höre ich die Flöhe husten oder könnte sich etwas zwischen Lady Frederica und Jenkins entspinnen? Oder zwischen ihr und einer ihrer Schwestern? Aktuell scheint sein Liebesleben ja genauso beliebig zu sein wie seine Arbeit. Er nimmt, was sich gerade bietet, ohne große Gefühlsausschläge oder Leidenschaften. Mir will gar nicht in den Kopf, dass man so drauf sein kann, aber ich befürchte fast, dass es, bei aller Überzeichnung, die hier sicher stattfindet, solche Leute gibt …


    Auf jeden Fall gefiel mir die Stippvisite in Eleanors und Norahs unkonventioneller, äh, Wohngemeinschaft. Das muss ja damals noch ganz schön skandalös gewesen sein.


    Was ich am Rande interessant fand, war die Erläuterung der Film-Quote. Dass für jeden amerikanischen Film ein britischer gezeigt werden musste, war mir neu. Extra für die Quote gedrehte Filme waren aber wahrscheinlich nicht immer eine echte Bereicherung für die Kinowelt …

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  • Leider muss ich Widmerpool ebenfalls in Schutz nehmen. Er konnte - wie so viele andere - zu diesem Zeitpunkt nicht ahnen, dass es den Nazis mit ihrer Judenpolitik ernst war.



    Was ich am Rande interessant fand, war die Erläuterung der Film-Quote. Dass für jeden amerikanischen Film ein britischer gezeigt werden musste, war mir neu. Extra für die Quote gedrehte Filme waren aber wahrscheinlich nicht immer eine echte Bereicherung für die Kinowelt …


    Das müssen wahrlich filmische Meisterwerke gewesen sein. Aus dieser Arbeit kann Jenkins wahrlich kaum Befriedigung ziehen.



    Widmerpool wollte anscheinend Nicks Rat, weil er befürchtet, dass Mildred vor der Hochzeit schon ein Wochenende mit ihm verbringen will. Typisch Widmerpool, keiner der anderen jungen Männer hätte sich darüber wohl Gedanken gemacht...


    Da fragte ich mich ja, ob er vielleicht doch noch Jungfrau ist. Zumindest kann es mit seiner Erfahrung nicht weit her sein. Überlegungen, ob mit einer Debütantin/jungen Frau ein gemeinsames Wocheende angebracht wäre, mögen ja für diese Zeit und soziale Schicht verständlich sein. Seine Verlobte ist allerdings zweifache Witwe - sie wird wohl kaum abgeschreckt werden, wenn er seine leidenschaftlichere Natur mit ihr ausleben möchte. Ich hatte den Eindruck, er sieht seine Befürchtungen bestätigt, mit Mildred die ehelichen Aspekte ihrer Beziehung bereits vor der Heirat ausleben zu müssen.

  • Ich dachte eigentlich, mit Gipsy Jones sei damals was gelaufen. Oder kam es da nicht zum Äußersten? :breitgrins:

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