Sarah Moss - Zwischen den Meeren/Signs for Lost Children

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Es gibt 10 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Valentine.

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    Inhalt
    Tom und Ally Cavendish müssen sich wenige Wochen nach ihrer Hochzeit wieder trennen. Tom fährt nach Japan, um Leuchttürme zu bauen. Ally hat als eine der ersten Frauen ihr Medizinstudium mit Auszeichnung bestanden und freut sich auf ihre erste Stelle in einer Nervenheilanstalt für Frauen. Beide freuen sich auf die Abenteuer, die vor ihnen liegen und sind zuversichtlich, dass ihre Liebe die Trennung überstehen wird.


    Meine Meinung
    Zu Anfang wirkt Ally auf mich wie eine starke, unabhängige Frau die sich vor nichts fürchtet. Sie wirkt in ihrer Rolle als Ehefrau noch unsicher, aber mit jedem Tag findet sie sich besser darin zurecht. Anfangs scheint ihr die Trennung nichts auszumachen. Dann aber beginnt sie, sich zu verändern. sie vernachlässigt zuerst das Haus und dann sich selbst und auch die Arbeit scheint ihr über den Kopf zu wachsen. Erst, als sie wieder in ihr Elternhaus zurückkehrt, wird deutlich dass der Grund dafür in ihrer Kindheit und Jugend und vor allem bei ihrer Mutter zu finden ist. Die strenge, manchmal auch brutale Erziehung hat ihre Spuren hinterlassen.


    Tom entwickelt sich genau umgekehrt. Anfangs ist er noch unsicher. Aber je länger er in Japan ist, desto mehr wächst er in seine Aufgaben hinein. Er interessiert sich für das Land und die Menschen und ist, im Gegensatz zu seinen Landsleuten, ohne Vorurteile. Als er wieder zurück in Cornwall ist, sind er und Ally sich fremd. Sie können die Signale des anderen nicht mehr lesen. Es ist für beide schwer, mit dem neuen Menschen zurecht zu kommen.


    Zwischen den Meeren ist die Geschichte einer Trennung die erst beginnt, wenn man wieder zusammen ist. Auch wenn sie vor über hundert Jahren spielt, ist sie noch immer aktuell.
    4ratten :marypipeshalbeprivatmaus:


    Liebe Grüße
    Kirsten

    Man muss mutig sein, damit du die Angst überwindest, das Unmögliche möglich zu machen.

  • Vielen Dank für die Rezi, Kirsten. Das Buch will ich schon lange lesen (vielleicht sollte ich es für die Monatsrunde Dezember anmelden :zwinker:), weil Band 1 ("Wo Licht ist") eines meiner Lese-Highlights in diesem Jahr war.



    Erst, als sie wieder in ihr Elternhaus zurückkehrt, wird deutlich dass der Grund dafür in ihrer Kindheit und Jugend und vor allem bei ihrer Mutter zu finden ist. Die strenge, manchmal auch brutale Erziehung hat ihre Spuren hinterlassen.


    Schade dass sie wieder in ihr Elternhaus zurückkehrt, ich hatte gehofft dass sie sich davon befreit. Allys Kindheit und Jugend wird ja ausführlich in Band 1 geschildert, daher wusste man das schon, oder hast du den nicht gelesen? - Dann kann ich nur empfehlen, das nachzuholen, es lohnt sich.


    (Band 1 ist übrigens hier im Forum bei den historischen Romanen einsortiert. Ich meine ja, beide gehören nach "Zeitgenössisches".)

    Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden (R. Luxemburg)

    Was A über B sagt, sagt mehr über A aus als über B.


  • (Band 1 ist übrigens hier im Forum bei den historischen Romanen einsortiert. Ich meine ja, beide gehören nach "Zeitgenössisches".)


    Ich habe gerade mal die Rezi zu Band 1 hervorgeholt. Die ist sicher wegen der zeitlichen Einordnung bei den historischen Romanen gelandet.


    Wann spielt denn dieses Buch hier? (Ich tendiere auch dazu, es ins Zeitgenössische zu stopfen und werde das mal gleich machen.)

    The west-winds blow, and, singing low,
    I hear the glad streams run;
    The windows of my soul I throw
    Wide open to the sun.

    (John Greenleaf Whittier)





  • Vielen Dank für die Rezi, Kirsten.


    Gern geschehen. Die Monatsrunde ist sicher ein guter Platz dafür :zwinker:


    Schade dass sie wieder in ihr Elternhaus zurückkehrt, ich hatte gehofft dass sie sich davon befreit. Allys Kindheit und Jugend wird ja ausführlich in Band 1 geschildert, daher wusste man das schon, oder hast du den nicht gelesen?


    Ich wusste nicht, dass es einen ersten Teil gibt. Das hier ist ein Listenbuch und mein erstes Buch von der Autorin.


    Ich meine ja, beide gehören nach "Zeitgenössisches".)


    Darüber habe ich auch nachgedacht. Aber ich bin bei der Kategorie immer vorsichtig, weil ich viele Titel dort sehe, die ich nicht so einordnen würde.


    Wann spielt denn dieses Buch hier? (Ich tendiere auch dazu, es ins Zeitgenössische zu stopfen und werde das mal gleich machen.)


    Ich würde es gegen Ende des 19. Jahrhunderts einordnen, wegem dem Bau der Leuchttürme und der Tatsache, dass Ally eine der ersten Frauen war, die Medizin studieren durften.

    Man muss mutig sein, damit du die Angst überwindest, das Unmögliche möglich zu machen.


  • Wann spielt denn dieses Buch hier? (Ich tendiere auch dazu, es ins Zeitgenössische zu stopfen und werde das mal gleich machen.)


    Ich würde auch sagen so gegen 1870 bis Ende 19. Jahrhundert. Der Vorgängerband spielt 1850-1870er.
    Ein historischer Roman ist das meiner Meinung nach nicht, auch wenn er vor über 100 Jahren handelt, und reine Unterhaltung ist es auch nicht, sondern hat schon einen gewissen Anspruch.


    Ich habe meine angefangene Rezi zu "Wo Licht ist" mal rausgesucht und sollte die wohl endlich mal posten. :redface:



    Ich wusste nicht, dass es einen ersten Teil gibt. Das hier ist ein Listenbuch und mein erstes Buch von der Autorin.


    Dann kann ich ihn dir nur nochmals wärmstens empfehlen. :winken:

    Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden (R. Luxemburg)

    Was A über B sagt, sagt mehr über A aus als über B.

  • Dann kann ich ihn dir nur nochmals wärmstens empfehlen. :winken:


    Ich habe mir den Titel direkt notiert und in der Bücherei nachgesehen. Das Buch gibt es tatsächlich :klatschen:

    Man muss mutig sein, damit du die Angst überwindest, das Unmögliche möglich zu machen.


  • Darüber habe ich auch nachgedacht. Aber ich bin bei der Kategorie immer vorsichtig, weil ich viele Titel dort sehe, die ich nicht so einordnen würde.


    Meistens stehen die dann nicht lange dort ;)

    The west-winds blow, and, singing low,
    I hear the glad streams run;
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    Wide open to the sun.

    (John Greenleaf Whittier)




  • Das stimmt natürlich.

    Man muss mutig sein, damit du die Angst überwindest, das Unmögliche möglich zu machen.

  • Sarah Moss - Zwischen den Meeren


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    Inhalt (Amazon):


    Nur wenige Wochen nach der Hochzeit muss ein junges Paar sich wieder trennen – für ein ganzes halbes Jahr. Tom Cavendish fährt nach Japan, um Leuchttürme zu bauen; Ally, seine Frau, bleibt in Cornwall, wo sie ihren lang gehegten Traum erfüllt und ihre erste Stelle als Ärztin antritt. Der neue Status beschert ihr ungekannte Freiheit, doch während sie sich immer tiefer in die Arbeit stürzt und Tom versucht, sich an die fremde Kultur Japans zu gewöhnen, wird die Entfernung zwischen beiden immer größer und das Fundament ihrer jungen Ehe brüchig.
    Mit ihrer unvergleichlichen Mischung aus psychologischer Einfühlung und intellektueller Tiefe spannt Sarah Moss einen Bogen von Cornwall bis Japan und zeigt zwei Menschen voller beruflicher Entschlossenheit und innerer Einsamkeit, verbunden durch dieselbe Sehnsucht, die Sehnsucht nach dem jeweils anderen.


    Meine ersten Leseeindrücke:


    Ich lese dieses Buch seit ca. zwei Wochen im Rahmen der Dezember-Monatsrunde und bin mangels Lesezeit erst zu knapp einem Drittel durch. Ich kann schon sagen, dass es mir mindestens so gut gefällt wie der Vorgänger "Wo Licht ist", vielleicht sogar noch besser, weil es konzentrierter ist und nicht diese Bildbeschreibungen an den Kapitelanfängen hat.


    Tom und Ally müssen sich kurz nach der Hochzeit trennen. Tom reist nach Japan und Ally bleibt in Cornwall. Trotzdem verspürt man in den Gedanken der beiden eine tiefe Verbundenheit mit dem jeweils anderen. Ich hoffe, dass die Ehe der beiden diese Belastungsprobe aushält - sicher kommt irgendwann die Frage auf, wie weit beide, aber besonders Tom sich durch die in der Trennungszeit gemachten Erfahrungen verändern. Ich sehe aber auch schon, dass es auch noch andere Aspekte gibt, die sich womöglich trennend in die Ehe drängen - insbesondere Allys Mutter, die Ally schon einen Brief beschrieben hat mit der Aufforderung, doch wieder ins Elternhaus zu ziehen. Auf diese Mutter reagiere ich (bedingt durch die Erfahrungen aus "Wo Licht ist") sehr allergisch. Ich hoffe, dass Ally sich von ihr befreit.


    Der Schreibstil ist wunderbar. Kurzweilig, klar, sehr detailreich und dabei treffend in den Details. Nachdem am Anfang Ally und Tom kurz ihre Ehe leben durften, wechselt dann die Perspektive kapitelweise ab zwischen Toms Erlebnissen in Japan und Allys Erlebnissen in Cornwall. Die Kapitel sind kurz. Toms Kapitel gefallen mir sehr gut. Allys Kapitel werden zunehmend bedrückender, da sich herausstellt, dass sie bei ihrer Arbeit in dem psychiatrischen Krankenhaus (oder wie es damals hieß, in der Irrenanstalt) immer wieder auf Schwierigkeiten stößt und eigentlich nicht viel Sinnvolles tun kann. Auch mit dem Alltagsleben kommt sie nicht gut zurecht, auch bedingt durch die verrückte Erziehung, die sie bei ihrer Mutter genossen hat. Ich hoffe, das wird sich noch zum Besseren wenden. Nach meinem Gefühl wäre es besser, wenn Tom bei ihr wäre und sie unterstützen könnte.

    Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden (R. Luxemburg)

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  • Valentine

    Hat den Titel des Themas von „Sarah Moss - Zwischen den Meeren“ zu „Sarah Moss - Zwischen den Meeren/Signs for Lost Children“ geändert.
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    Ally und Tom sind frisch verheiratet und gerade nach Cornwall gezogen, wo Ally, eine der ersten weiblichen Ärztinnen Großbritanniens, bald eine Stelle in einer Nervenklinik antreten wird. Dem jungen Ehepaar steht auch gleich die erste längere Trennung bevor, denn Tom ist Spezialist für den Bau von Leuchttürmen und soll nach Japan reisen, wo man Lösungen für erdbebensicheren Leuchtturmbau sucht, und überdies für einen eifrigen Sammler japanische Alltags- und Kunstgegenstände mitbringen.


    Und so gehen die beiden gezwungenermaßen schon getrennte Wege, bevor sich auch nur ansatzweise eine Alltagsroutine einstellen und sie sich aneinander gewöhnen konnten.


    Ally fällt es schwer, sich in ihre neue Arbeit einzufinden, vor allem, weil die Pflegerinnen ihren Schützlingen nur wenig Respekt entgegenbringen und mit fragwürdigen Methoden arbeiten. Und über allem hängt immer der Schatten ihrer puritanisch strengen Mutter, die Ally kein Fünkchen Liebe und Wärme entgegengebracht, sie brutal gezüchtigt und immer nur kritisiert und niedergemacht hat. Kein Wunder, dass Ally bald an sich selbst und ihrer Eignung für den Beruf zweifelt.


    Tom hingegen ist hingerissen von Japan. Im Gegensatz zu seinem gierigen Auftraggeber, dem es nur ums Anhäufen möglichst exotischer Schätze geht, interessiert er sich mehr und mehr für die japanische Lebensweise, für die Traditionen und Gebräuche und ist fasziniert von der Schlichtheit und Ruhe, die er bei seinem Aufenthalt außerhalb großer Städte erlebt.


    Wie schon im ersten Buch, das sich mit Allys Kindheit und Jugend befasst hat, besticht Sarah Moss von der ersten Seite an mit ihrer wunderschönen, einfachen und dabei immer sehr treffenden Sprache und den tiefen Einblicken in die Seele ihrer Protagonisten, die sie uns verschafft, ohne sich in langatmigen Gedankenschilderungen zu verlieren. Es ist auch ein gelungenes Bild der Zeit Ende des 19. Jahrhunderts, als einzelne Frauen aus ihren herkömmlichen Rollen auszubrechen begannen, die breite Masse dafür aber noch wenig Verständnis aufbrachte.


    Ally ist in ihrem Denken einerseits ihrer Zeit weit voraus, eine Vorreiterin im Umgang mit psychisch kranken Frauen, die in ihren Patientinnen keine Irren sieht, die man wegsperren muss, sondern behandlungsbedürftige Menschen, die Respekt verdienen und mit etwas Glück auch irgendwann wieder in ein normales Leben entlassen werden können. Andererseits ist sie durch ihre fürchterliche Mutter zutiefst verunsichert, die ihr Selbstwertgefühl völlig kaputtgemacht hat, und ringt ständig mit deren übermächtiger Stimme in ihrem Kopf. Sich von diesem unguten Einfluss zu lösen ist ein langer, schmerzhafter und langsamer Prozess, den Sarah Moss einfühlsam und ohne zu werten begleitet.


    Toms Eintauchen in die japanische Kultur, in der er sich auf Anhieb wohlfühlt, obwohl er vieles nicht versteht, ist ebenfalls großartig geschildert. Mit oft nur wenigen Worten malt Sarah Moss wunderbare Bilder von Tempeln und Teezeremonien und Streifzügen durch die Natur, und es wird gut verständlich, weshalb es Tom am Ende schwerfällt, sich wieder auf die Heimreise zu begeben ins viktorianische England mit seinen überladenen Salons und seiner Engstirnigkeit.


    Es verwundert dann auch nicht, dass Ally und Tom beide fremdeln, als sie wieder zusammen sind, hat sich doch jeder auf seine Art während der monatelangen Trennung weiterentwickelt. Auch diesem Aspekt widmet sich Moss mit scharfem Blick und viel psychologischem Verständnis.


    Erneut ein richtiger Lesegenuss aus der Feder einer Autorin, die viel von Menschen und der gesamten Palette ihrer Empfindungen versteht und dies in wunderschöne Worte zu kleiden versteht, die nie kitschig werden und immer ins Schwarze treffen. Sarah Moss ist eine echte Entdeckung.


    4ratten + :marypipeshalbeprivatmaus:

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    (John Greenleaf Whittier)




  • Auf diese Mutter reagiere ich (bedingt durch die Erfahrungen aus "Wo Licht ist") sehr allergisch

    Das ist wirklich ein grässliches Weib. Ich habe selten eine Romanfigur so verabscheut wie diese sogenannte Mutter, die immer nur zu anderen ("den Armen") großzügig und liebevoll ist und mit ihren eigenen Kindern einfach nur ekelhaft umgeht :grmpf:

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