Beate Sauer - Echo der Toten

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

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    Im Winter 1947 wird ein Schwarzmarkthändler in der Eifel ermordet. Dieses Verbrechen soll Richard Davies von der britischen Military Police aufklären. Es gibt einen Zeugen, doch der sechsjährige Junge will nicht reden. Davies erhält Unterstützung von Friederike Matthée, die der Weiblichen Polizei von Köln angehört. Da sie genau wie der Junge aus Ostpreußen kommt, findet sie einen Zugang zu dem traumatisierten Jungen. Aber auch Friederike selbst hat zu viel Schreckliches erlebt.
    Der Winter 1947 macht das Leben noch schwerer als es in der Nachkriegszeit ohnehin schon ist. Friederike hat den Job bei der Polizei nur angenommen, um nach der Flucht nicht ins Auffanglager zu kommen. Es ist nicht das was sie gewollt hat und es wird ihr auch sehr schwer gemacht, aber somit ist das Auskommen für sie und ihre Mutter gesichert. Doch je länger sie mit diesem Fall zu tun hat, umso mehr gefällt ihr die Arbeit und sie zieht die richtigen Schlüsse.
    Auch Richard hat eine Vorgeschichte. Er ist den Deutschen gegenüber sehr misstrauisch, da er nicht einschätzen kann, wer ein Nazi war und wer nicht. Teilweise ist das sogar verständlich, denn niemand will etwas gewusst haben, geschweige denn dazu gehört haben. Zwangsarbeiter, die noch da sind, und Flüchtlinge haben es nicht leicht.
    Bei ihren Ermittlungen haben Friederike und Richard es mit Schwarzmarkthändlern und Nazi-Seilschaften zu tun. Je näher sie der Lösung kommen, umso gefährlicher wird es für sie.
    Der Autorin ist es gut gelungen, die bedrückende Atmosphäre jener Zeit einzufangen, denn die Not ist groß im Winter 1947. Auch die verschiedenen Charaktere sind sehr gut und authentisch beschrieben. Nach und nach erfährt man, welche Dämonen unserer Protagonisten umtreiben. Dafür gerät meines Erachtens der Kriminalfall ein wenig ins Hintertreffen.
    Mir hat das Buch gut gefallen.


    4ratten

  • Krimi in der Nachkriegszeit!
    1947, ein strenger Winter in der Eifel geht ins Land und der sechsjährige Peter Assmus beobachtet in einer Scheune den Mord an dem Alteisenhändler Jupp Küppers.
    Lieutenant Richard Davies von der Royal Military Police ist für diesen Fall zuständig und benötigt Verstärkung. Polizistenassistentenanwärterin Friederike Matthée von der Weiblichen Polizei in Köln wird ihm zur Seite gestellt, um den Zeugen zu vernehmen. Der kleine Peter spricht seit dem Mord kein Wort mehr und da Friederike ebenfalls aus Ostpreussen stammt, hofft Davies, dass sie Zugang zu ihm findet. Tatsächlich öffnet er sich bei ihr und nun sind die Ermittler gefordert, denn schon bald geschieht wieder ein Mord. Diesmal ist ein Priester das Opfer.


    Der Start in diese Geschichte fiel mir nicht ganz einfach, denn der Schreibstil ist gewöhnungsbedürftig. Die Autorin drückt sich sehr gewählt aus und so brauchte ich einige Zeit um flüssig lesen zu können. Gestört hat mich, dass immer wieder mal englische Liedtexte meinen Lesefluss unterbrochen haben, die völlig überflüssig für die Story sind. Gefallen hat mir, dass die Ausdrücke durch und durch authentisch sind. So wurde zum Beispiel für den Beruf Alteisenhändler der Ausdruck "Alträucher" verwendet.
    Die Zeit nach Kriegsende ist hervorragend beschrieben und vermittelt worden. Ich denke, das macht das grosse Plus von dieser Geschichte aus. Zuerst mal die Nöte, Sorgen, den Hunger, die die Bevölkerung leidet. Die zerbombten Häuser und die teilweise unwürdigen Unterkünfte, in denen sie leben. Dann die vielen unterschiedlichen Schicksale von Menschen, die im Krieg Angehörige verloren oder seither vermissen. Auch die Wertschätzung gegenüber Frauen in sogenannten Männerberufen. Da spricht zum Beispiel ein Einsatzleiter bei der Polizei seine Truppe mit "meine Herren " an, obwohl zwei weibliche Polizistinnen anwesend sind.
    Neben all den authentischen und berührenden Geschichten der Menschen nach Kriegsende, geraten die Ermittlungen und die Morde ab und zu ein wenig in Vergessenheit.
    Die Figuren sind hervorragend charakterisiert. Richard Davies trifft die Beschreibung "harte Schale, weicher Kern " am besten. Friederike Matthée habe ich zu Beginn unterschätzt. Da heult sie beim ersten Einsatz und man denkt sich, dass sie wohl zu schwächlich für diesen Beruf ist. Doch dann entwickelt sie sich weiter, wächst über sich hinaus und ermittelt auf eigene Faust. Und das, obwohl die "Beamten der Weiblichen Polizei" ohne Genehmigung des Vorgesetzten keinen Schritt alleine tun und nicht ermitteln dürfen Sie werden nur zu einzelnen Vernehmungen, in denen hauptsächlich Kinder als Zeugen aussagen, zugezogen.
    Dieser Krimi zeigt anschaulich die Schicksale Kriegsgeschädigter, die Gewohnheiten der damaligen Zeit und wie ermittelt wird. Da dauert es schon mal ein paar Tage bis ein Mord den zuständigen Behörden gemeldet wird…dies weil kein Telefon vorhanden ist.
    Diese Geschichte ist jedoch auch politisch angehaucht, zeigt zum Beispiel den Widerstand gegen Hitler und thematisiert die Gesinnung der Deutschen zu dieser Zeit. Dies alles ist jedoch sehr dezent eingeflochten worden. Gerade der historische Bezug hat mir gefallen und wurde sehr gut in die Handlung eingeflochten.
    4ratten

  • "Echo der Toten" von Beate Sauer erschien (TB, broschiert) im Ullstein-Verlag, 2018.Die Autorin, bereits durch viele historische Romane bekannt, legt hier ihren ersten - hoffentlich nicht letzten und für mich sehr gelungenen historischen Kriminalroman vor.


    Januar 1947:


    Friederike Mathée, mit ihrer Mutter aus Ostpreußen geflüchtet, ist noch nicht lange bei der "Weiblichen Polizei" in Köln und ist trotz aller Beengtheit froh, ein Dach über ihrem Kopf und eine Arbeit zu haben: Gesine Langen, ihre Vorgesetzte, hält sie für zu zart besaitet und zweifelt an ihren Fähigkeiten als Polizistin, als jedoch die Royal Military Police, konkret Richard Davies, Verstärkung anfordert, wendet sich das Blatt: Friederike kann gut mit Kindern und Jugendlichen umgehen und spricht Englisch: Gute Voraussetzungen, um als Unterstützung für Davies in der Eifel und im Umland von Köln Ermittlungen in einem Mordfall aufzunehmen, der an einem bekannten Schwarzmarkthändler verübt wurde: Jupp Küppers.
    Zur Aufklärung des Mordfalles kommt noch Zeugenschutz hinzu: Ein kleiner Junge, wie Friederike mit seiner Mutter aus Ostpreußen geflohen, hat die Tat aus Zufall beobachtet. Wer hatte ein Motiv, Küppers zu töten und was hat es mit dem "Goldenen Militärverdienstkreuz" aus dem 1. Weltkrieg auf sich, das bei Küppers gefunden wurde?


    Meine Meinung:


    Von Beginn an schafft die Autorin Spannung, die durch sehr authentische Schilderungen und atmosphärische Dichte diesen Krimi aus der frühen Nachkriegszeit, als Deutschland in Schutt und Asche lag, auszeichnet: Der Leser wird ins Jahr 1947 katapultiert, in dem die Bevölkerung hungert und durch den harten Winter friert, die Alliierten das Land in Besatzungszonen aufgeteilt hatten, Entnazifizierungsprogramme laufen und es Lebensmittel nur auf Karten gibt (sofern etwas Essbares im Laden vorhanden). Demzufolge blüht der Schwarzmarkthandel und alte Seilschaften belassen Mitarbeiter in ihren Positionen, die sie auch bereits während der Zeit des NS-Regimes innehatten...


    Zentrale Themen sind hier die Aufarbeitung (bzw. das vereinzelte Festhalten) der Ideologie des Nationalsozialismus, Antisemitismus, der Holocaust, Flucht, Vertreibung und Gewalt bis hin zu Vergewaltigungen in Kriegszeiten, denen Frauen ausgesetzt waren. Die (noch unbewaffnete) deutsche Polizei arbeitet mit der RMP der Briten zusammen und Davies und Friedericke spüren, dass die antijüdische Gesinnung mancher Personen, die befragt werden, sich nicht geändert hat... Beide Ermittler werden sehr glaubhaft dargestellt und tragen schwer an all dem Erlebten: Beate Sauer beschreibt beide sympathischen, aber auch traumatisierten Charaktere sehr einfühlsam; ebenso fand ich die Beschreibung der damaligen polizeilichen Ermittlungsarbeit (Notizblock, Abtippen von Protokollen etc.) sehr spannend, detailreich und authentisch, was auch für zahlreiche Nebenfiguren zutrifft, von denen man sich als Leser ein Bild machen kann (z.B. die britische Offiziersgattin). Hier handelt es sich zum Einen um einen Kriminalfall, zum anderen aber auch - und das ist das für mich Wesentliche - um ein Stück Zeitgeschichte, das in diesem Roman zum Leben erweckt wird: Es wird nichts verschwiegen, was in der NS-Zeit an Gräueltaten verübt wurde und die Auseinandersetzung damit ist immer präsent, spürbar. Letzteres hat mich (ein Nachkriegskind, das gottlob erst 11 Jahre nach Kriegsende geboren wurde) sehr berührt und betroffen gemacht, aber auch zum Nachdenken angeregt - besonders, wenn man bedenkt, wie der Rechtspopulismus und die größte Flüchtlingswelle seit dem 2. Weltkrieg, die Europa in diesen Tagen "stemmen" sollte, die Menschen teilweise wieder in alte reaktionäre Ecken zu ziehen versucht....


    Fazit:


    Ein spannender, stimmiger, sehr authentischer und rundum gelungener Nachkriegskrimi um den ersten Fall von Friederike Mathée und Richard Davies, nach dessen Lektüre man sich nur wünscht, dass es noch weitere Fälle geben wird: Ich würde mit Sicherheit wieder zugreifen und vergebe die volle Punktzahl, 5* und eine ganz klare Leseempfehlung!


    5ratten :tipp:

    "Bücher sind meine Leuchttürme" (Dorothy E. Stevenson)

  • Köln, Januar 1947. Es ist ein bitterkalter Nachkriegswinter und zwischen den schneebedeckten Ruinen kämpfen die Menschen in der britischen Besatzungszone ums Überleben.
    Als in der Eifel ein Mord geschieht, wird die Polizeianwärterin Friederike Matthée von der Weiblichen Polizei von dem britischen Militärpolizisten Richard Davies zur Unterstützung angefordert. Einziger Zeuge des Mordes ist ein sechsjähriger Junge, der sich weigert, über das Geschehene zu sprechen. Genau wie Friederike selbst kommt Peter aus Ostpreußen und sie hofft, dadurch einen Zugang zu ihm zu finden. Durch die Ereignisse kommen die Erinnerungen an ihre Flucht aus Königsberg wieder hoch und oft zweifelt Friederike an ihrer Kraft. Aber auch Davies scheint etwas zu verbergen und gegen Dämonen aus seiner Vergangenheit zu kämpfen.
    Dann geschieht ein weiterer Mord und Friederike und Davies müssen ihre privaten Probleme zunächst hintenanstellen, um den Mörder zu finden, bevor er wieder tötet.


    Ich hatte die Leseprobe zu "Echo der Toten" bei Vorablesen.de gelesen und war gleich begeistert. Weil ich unbedingt weiterlesen wollte, habe ich mich für das Buch beworben und hatte Glück. Und ich wurde nicht enttäuscht. Die Geschichte hat mir von Anfang bis Ende gut gefallen. Der Schreibstil ist lebendig und anschaulich, beim Lesen sah ich die schneebedeckten Ruinen der Stadt Köln vor mir und konnte die Kälte fast fühlen. Die Autorin beschreibt realistisch, aber doch einfühlsam die damalige Situation der Deutschen unter der britischen Besatzung. Die Angst, sein Zuhause zu verlieren, der Hunger, die Vorurteile, mit denen jeder leben musste.


    Friederike mochte ich gleich. Trotz ihrer Erlebnisse auf der Flucht gibt sie nicht auf, nimmt den Job bei der Polizei an, den sie eigentlich nicht mag, nur damit sie und ihre Mutter aus dem Flüchtlingslager rauskommen.
    Auch Richard Davies war mir sympathisch, seine Art, auf Friederike einzugehen, gefiel mir. Und gewisse Verhaltensweisen versteht man nach Beendigung des Buches.


    Ich denke, der Autorin ist es gelungen, die damalige Situation authentisch zu beschreiben. Auf der einen Seite die britischen Besatzer, die grundsätzlich jedem Deutschen misstrauisch gegenüber standen und sich immer fragten: War sie oder er ein Gegner oder Befürworter der Nationalsozialisten? Auf der anderen Seite aber auch die deutsche Bevölkerung, die durch die Rationierungen und Sanktionen der Besatzer kaum genug zu essen oder überhaupt zum Leben hatte.


    Ich muss zugeben, ich wusste bisher gar nicht, dass es damals eine spezielle Weibliche Polizei gab und diese für gesonderte Aufgaben eingesetzt wurde. Also wurde ich nicht nur gut unterhalten, sondern habe auch noch etwas gelernt.


    Fazit: Ein historischer Krimi aus der entbehrungsreichen Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, den ich sehr empfehlen kann.


    4ratten

    Ich kaufe keine Bücher. Ich adoptiere sie. :hexe:

  • Ich gebe zu, zu Beginn von "Echo der Toten" war ich nicht so begeistert. Ich habe mich furchtbar über die Darstellung der Hauptfigur aufgeregt. Doch nach und nach versteht man, weshalb genau dieser Punkt Sinn macht. Außerdem macht Friederike eine Wandlung durch und wächst nach und nach über sich selbst hinaus.


    Mir hat der Fokus auf die Weibliche Polizei gefallen. Momentan ist es ja schon so, das Frauen im historischen Kriminalroman kaum vorkommen, außer als Nebenfigur. (Mal abgesehen von Charlotte Ritter bei Volker Kutscher). Daher war ich schon allein deshalb ziemlich neugierig. Die Arbeit von Frauen sichtbar zu machen auch im historischem Kontext, das finde ich toll und daher bitte mehr davon!!

    Die Autorin hätte nach meinem Geschmack die Unterschiede zwischen englischen Besatzern - die in der historischen Wirklichkeit sogar für eine echte Gleichberechtigung der Polizistinnen mit ihren männlichen Kollegen waren, diesen Punkt aber nicht gegen die Weibliche Polizei! durchsetzen konnten.- und der deutschen Polizei aber ruhig noch etwas besser herausarbeiten können. Ich fand Friederikes Chefin geriet arg zur Schablone. Es wäre meiner Meinung nach interessant gewesen, wenn sie sich stärker eingemischt hätte. Da sie noch zur alten Garde gehörte, hätte man an ihr sehr gut die unterschiedlichen Ansichten demonstrieren können.


    Dafür hat Beate Sauer mich an anderer Stelle mehr von ihrem Roman überzeugt. Ich fand der Kriminalfall sehr gelungen konstruiert, lediglich am Ende waren es mir ein paar Wendungen zu viel des Guten. Außerdem fand ich Friederikes Lebensgeschichte und wie sie sich auch mit der Frage der eigenen Schuld in der NS-Zeit auseinandersetzt sehr eindringlich und glaubwürdig beschrieben. Ihre ganzen Beweggründe und ihr Handeln machten in diesem Kontext viel mehr Sinn. Gleichzeitig wird klar, das gerade die Polizeiarbeit ihrem Leben eine neue Wendung geben konnte.

    Ich finde Beate Sauer hat zu Beginn etwas holprig begonnen, hat sich dann aber nach und nach gesteigert. Man merkt, das sie gut recherchiert hat. Nach und nach gelingt es ihr auch immer besser den historischen Rahmen in die Handlung einzuarbeiten. Zu Beginn wirkte das hi und da etwas unausgegoren und ein wenig wie aus dem Schulbuch.


    Wie erwähnt hat mir der Fokus auf die Weibliche Polizei sehr gefallen, wenn es nach mir gegangen wäre, hätte Beate Sauer sich ruhig ganz auf diesen Hintergrund fokussieren können. Andererseits ist eine Zusammenarbeit mit der englischen Militärpolizei historisch glaubwürdiger, da Friederike sonst wohl nie in einem Mordfall so integriert worden wäre, wie das durch Richard überhaupt erst möglich wird.

    Insgesamt hat es mir am Ende so gut gefallen, das ich gleich den zweiten Band hinterher gelesen habe.


    Von mir gibt es wegen dem holprigen Start: 3ratten :marypipeshalbeprivatmaus:

  • „Das Echo der Toten“ ist der Auftakt einer historischen Krimireihe von Beate Sauer, der im Winter 1947 in Köln spielt. Es handelt sich hierbei um den ersten Fall von Richard Davies von der britischen Military Police und Frederike Matthée von der weiblichen Polizei in Köln, die ihm zur Seite gestellt wird um einen Mord aufzuklären.


    Es ist schon manchmal spannend, wie das eigene Gedächtnis einem manchmal im Stich lassen oder auch veräppeln kann. Es ist ca. 1 Jahr her, dass ich diesen Roman und auch einen weiteren hist. Krimi („Der nasse Fisch“ von Volker Kutscher) gelesen habe und grundsätzlich hat mir der Roman von Beate Sauer deutlich besser gefallen, als der von Volker Kutscher. Interessanterweise habe ich aber an letzteren deutlich mehr und detailliertere Erinnerungen, was mich ein wenig zweifeln lässt, ob ich nicht doch beide Reihen weiterlesen und auch Volker Kutscher eine zweite Chance geben will. Bei Beate Sauer stellt sich mir diese Frage nicht, hier wartet der zweite Fall für Frederike Matthée bereits auf mich, aber mit Volker Kutscher hatte ich – bis ich die Rezension geschrieben hatte – voll und ganz abgeschlossen.


    Ich muss zugeben, dass ich Jahrelang einen großen Bogen um hist. Romane gemacht haben, die in der Zeit rund um den zweiten Weltkrieg spielen. Dank eines anderen Romans bin ich aber inzwischen „auf den Geschmack“ gekommen – wenn man das bei diesem Thema überhaupt sagen kann. Und auch Beate Sauer schafft es ab Seite 1 mich voll und ganz in dieses Buch und diesen bitterkalten Winter im Jahr 1947 hineinzuziehen. Das Kopfkino ist sofort angesprungen, mehr noch … ich habe gefroren, ich habe gehungert und ich habe mitgefühlt mit den Figuren – und das nicht nur mit Frederike und Richard, die beide schwer an den Grauen der Nazizeit zu tragen haben.


    Und dennoch sind es Frederike Matthée und Richard Davis, die für mich den großen Unterschied zu der Krimireihe um Volker Kutscher ausmachen. Die Protagonisten eines Romans müssen nicht immer die sympathischen Helden schlechthin sein, sie dürfen gerne ihre Ecken und Kanten haben, aber sie müssen mich immer packen können.

    Beate Sauer hat es mit dem Auftakt dieser Reihe ganz wunderbar geschafft, die schwere Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg einzufangen. Die Kälte, den Hunger, die Verwüstung, die Aufteilung Deutschlands in Besatzungszonen und was diese schlimme Zeit sowohl mit den Menschen – Besiegten wie Siegern – und einem ganzen Land gemacht hat. Als ich am Ende des Romans angelangt war, konnte ich es kaum erwarten, den zweiten Teil der Reihe zu lesen und allzu lange werde ich damit auch sicherlich nicht warten


    4ratten