II. Teil - Seite 89 bis 168

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Nazifreie Zone, denn wer neben Nazis marschiert, ist entweder selbst ein Nazi oder eine nützliche Marionette der Nazis. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 78 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von buchregal123.


  • Die Frage habe ich mir auch schon gestellt. Warum hat er das gemacht, was wollte er sich und den anderen beweisen ? Also ich hätte das nicht gemacht, egal was die anderen gesagt oder gedacht hätten.


    Ich denke definitiv,dass ich nicht dort runter wäre...auch auf die Gefahr hin,dass ich als Spielverderber gelte!

  • Ich fand es auch bedenklich, als Strafe eine Maßnahme vorzusehen, bei der nur einer leiden muss. Es geht doch gerade um das Team, den Gruppengeist bei den Pfadfindern und dann finde ich es ganz besonders fies, einen Einzelnen zu bestrafen. Es schien fast wie eine abgekartete Sache zwischen Jack und dem "gegnerischen" Pfadfinderführer - auch dadurch, dass die Fahne an einer so leicht zu findenden Stelle "versteckt" wurde. Moralisch sehr zweifelhaft.


    Ich mir sicher, dass es eine abgekartete Sache war.


  • Er macht es tatsächlich aber auch auch um den anderen zu zeigen das er eben kein Feigling ist. Ich glaube jeder andere von den Jungs hätte sich verweigert und gesagt, er geht da nicht rein, komme was wolle.


    Wie ich Nelson einschätze, ist es eher eine Sache der Ehre. Er hat verloren, also zieht er das durch. Spielschulden sind Ehrenschulden.



    Was soll man dann im Anschluss zu der Reaktion seines Vaters sagen, da fehlen mir die Worte um mein Entsetzen und meine Wut zu formulieren. So einen Vater sollte man in die Latrine stecken und für immer einen Deckel drauf. Das ist doch wirklich kein Vater , das ist das allerletzte- ihn dafür zu beschimpfen, als Petze sw und dann die Reaktion am Tisch beim Essen alles umzuwerfen in einem Wutanfall. Ich kann Dorothys Reaktion nur zu gut verstehen.


    Der Vater ist wirklich unmöglich. Ich glaube, der fühlt sich nur gut, wenn er auf jemandem herumtrampeln kann.

  • Allerdings merkt man nach seinem Abgang dann auch die Unsicherheit der Mutter. Das hatte ich erwartet. Sie war nicht glücklich mit ihrem Mann scheint aber ohne ihn auch hilflos zu sein.



    Es gibt so viele Frauen, die mit ihrem Mann nicht klar kommen, sich alles bieten lassen und doch weiter gemeinsam leben, weil sie nicht alleine leben können.

  • Nelson hat die Gruppe im Amphitheater verraten. Ich versteh nicht ganz, warum er es gemacht hat. Er sagt ja selber im Gespräch mit seinem Vater, dass er es gemacht hat, weil es das Richtige war. Er hat eine sehr strikte Sicht von Richtig und Falsch!
    Damit gewinnt er mit Wilbur einen väterlichen Freund, der ihm noch zur Seite stehen kann. Petze ist er trotzdem!


    Er weiß genau, was richtig und falsch ist. Die Regeln bei den Pfadfindern sind ja strikt und er nimmt sie ernst. Daher kann er wahrscheinlich gar nicht anders, er muss es Wilbur sagen.

  • Für mich geht es in dieser Geschichte was die Regeln im Camp angeht, hauptsächlich darum, dass Nelson diese Regeln lebensnotwendig braucht, weil er sich dran festhalten muss, mangels Selbstvertrauen und sozialem Netz!
    Und das erzählt Butler sensibel und überzeugend: wie das Herz des jungen Nelson schlägt, zerrissen wird, zerbricht und irgendwie dies trotz allem übersteht bis zum Erwachsensein... und weiter bin ich in dieser Geschichte noch nicht! Mal sehen, wie die Herzen der Protagonisten weiterschlagen!


    Ich denke nicht, dass es Nelson an Selbstvertrauen mangelt. Er akzeptiert die Regeln und findet es gut, dass es Regeln gibt. Sie gehören für ihn einfach dazu und er kann nicht akzeptieren, dass sie so Miss achtet werden.


  • Wie ich Nelson einschätze, ist es eher eine Sache der Ehre. Er hat verloren, also zieht er das durch. Spielschulden sind Ehrenschulden.


    Nicht er hat verloren, sie haben verloren. Aber für Nelson steht fest was versprochen ist muss auch eingehalten werden. Zwar wusste er ja am Anfang noch nicht das er da runter musste, trotzdem war es ausgemacht gewesen.


    Es gibt so viele Frauen, die mit ihrem Mann nicht klar kommen, sich alles bieten lassen und doch weiter gemeinsam leben, weil sie nicht alleine leben können.


    Das war damals eine andere Zeit, da haben die Frauen oft ihre Männer schon früh geheiratet. Kaum eine der Frauen hatte zu der Zeit einen Beruf gelernt und war im Grunde abhängig vom Mann. Das kann man nicht mehr mit heute vergleichen. Auch einen Job zu finden war zu der Zeit sicher nicht einfach als Frau. Ich kann sie schon verstehen das sie Ängste hatte wie sie das nun alleine schaffen soll.


    Er weiß genau, was richtig und falsch ist. Die Regeln bei den Pfadfindern sind ja strikt und er nimmt sie ernst. Daher kann er wahrscheinlich gar nicht anders, er muss es Wilbur sagen.


    Du sagst es genau so sehe ich das auch.


    Ich denke nicht, dass es Nelson an Selbstvertrauen mangelt. Er akzeptiert die Regeln und findet es gut, dass es Regeln gibt. Sie gehören für ihn einfach dazu und er kann nicht akzeptieren, dass sie so Miss achtet werden.


    Kann ich dir auch nur zustimmen, das ist auch ganz meine Meinung.

  • Ich denke definitiv,dass ich nicht dort runter wäre...auch auf die Gefahr hin,dass ich als Spielverderber gelte!


    ich auch nicht.. da wäre mir auch alles Gelächter und Spott egal gewesen

  • Wie ich Nelson einschätze, ist es eher eine Sache der Ehre. Er hat verloren, also zieht er das durch. Spielschulden sind Ehrenschulden.


    Das würde ich unterschreiben, wenn er die "Strafe" mit ausgehandelt hätte aber er wurde ja hier vor vollendete Tatsachen gestellt. Daher sehe ich das hier etwas anders.

  • Dass der Pfirsichauflauf die Aufmerksamkeit eines Betreuers auf sich zieht, ist für Nelson eine zweischneidige Sache - er traut den Komplimenten nicht so ganz, was ich verstehen kann. Ich habe dahinter auch zunächst einen Giftstachel vermutet und hinter der Einladung zur Party im Amphitheater eine Falle (hier hatte ich Angst, dass die größeren Jungen den Kleinen womöglich sexuell belästigen würden, nach den Andeutungen, die Wilbur gemacht hatte).


    Die Latrinengeschichte ist wirklich eklig, aber ich fürchte, auch kein bisschen an den Haaren herbeigezogen. Nelson den Nickel zu geben, damit er nicht allzu sehr in der Sch... wühlen muss, war zwar nett von Jonathan, aber ich muss Nelson auch recht geben, dass Jonathan dieser blöden Wette gar nicht erst hätte zustimmen sollen :rollen: Das positive Bild, dass Nelson von dem Älteren hat, bekommt somit erste Risse und er fühlt sich noch einsamer.


    Als Wilbur Nelson mit in den Wald genommen hat, hatte ich auch kurzzeitig Bedenken, was er vorhaben könnte, und war froh, dass er ihm tatsächlich nur das zauberhafte Schauspiel mit den Rehen zeigen wollte. Im Gegensatz zu Clete hat der naturverbundene Wilbur offenbar erkannt, wie Nelson tickt und dass er sich für solche Naturschauspiele erwärmen kann. Ist ja wahrscheinlich für die meisten Jungs auch eher uncool.


    Den Brief an die Mutter fand ich herzzerreißend - wie er sich, nachdem er die ehrliche Version weggeschmissen hat, alle Mühe gibt, seiner Mutter zu vermitteln, er sei glücklich, finde Anschluss und sei beliebt :heul: Auch die Mutter hat wohl ein Wunschbild von ihrem Sohn im Kopf, das er erfüllen möchte ...


    Damit, dass Nelson Wilbur verrät, was im Amphitheater läuft, hätte ich nicht gerechnet, ich bin mir auch noch nicht so ganz klar darüber, wie ich das nun finde. Einerseits ist Petzen blöd, andererseits hätte Wilbur, wenn die Sache mit den Pornos (wenigstens war es "nur" das und keine sexuellen Übergriffe) rausgekommen wäre, sicher als Lagerleiter massiven Ärger bekommen.


    Cletes Reaktion darauf überrascht mich wenig, trotzdem finde ich es schade, dass er sich nicht wenigstens vor seinen Sohn stellt. Mich würde mal interessieren, was es mit seinen Geschäften auf sich hat, die er gelegentlich erwähnt, und was die mit dem Verhalten seines Sohnes zu tun haben. Was mich hingegen sehr überrascht hat, war der Kuss. Daraufhin habe ich fast damit gerechnet, dass sich Clete nachts heimlich absetzt, vielleicht in Richtung Chicago zu seinem neuen Job.


    Glaubt Ihr wirklich, dass Clete wegen Nelsons Aktion die alte Stelle verloren hat? Oder versucht er ihm hier bloß ein schlechtes Gewissen zu machen? Ich glaube ja eher letzteres (miese Nummer!), zumal Clete doch mit dem Wrigley Field noch ein As im Ärmel hatte.


    Nach Cletes Wutausbruch macht sich Dorothy zum ersten Mal in ihrem Leben ordentlich Luft, blöd ist allerdings wirklich, dass sie jetzt keine Ahnung hat, wie sie ihren Lebensunterhalt bestreiten soll, ohne Ausbildung, ohne Fähigkeiten, ohne Berufserfahrung :traurig: Sie hat ihr ganzes Leben ihrem Mann geopfert und steht jetzt vor dem Abgrund. Nelson hingegen reagiert kühl und besonnen und setzt sich mit Wilbur in Verbindung, der ja versprochen hatte, ihm zu helfen.


    Somit greift Nelson auf Wilbur zurück, um eine Lösung für Probleme zu finden, die er nie gehabt hätte, wenn er nicht Wilbur zuliebe die Amphitheaterparty hätte auffliegen lassen. Ich frage mich jetzt, ob die beiden jetzt ewig einander in der Schuld stehen oder aber damit "quitt" sind.


    Ich bin gespannt auf den nächsten Teil und darauf, was der uns noch über Nelson verrät. Wir machen ja offenbar einen Zeitsprung von 35 Jahren.

    Be curious, be creative, be patient, be joyful.

    (Agnès Varda)

  • Ich denke nicht, dass Clete wegen Nelson die Stelle verloren hat.Er sucht doch einfach einen Sündenbock, und da ist es einfacher die Schuld auf seinen Sohn zu schieben, als seine eigenen Unzulänglichkeiten einzugestehen.


    Ich habe auch immer darauf gewartet, dass pädophile Handlungen im Lager der Grund für die Andeutungen sind. Komisch, wie man als Leser tickt. Eine Story mit Minderjährigen, erwachsene oder fast erwachsene Betreuer...eine Geheimnis und zack...was für Gedanken und Verdächtigungen steigen in den Kopf ? Vielleicht habe ich zu viele Thriller gelesen :rollen:


    Ich sehe das was Nelson Wilbur verrät nicht unbedingt als Petzen an..sondern einen guten Freund was stecken, was der wissen muss :zwinker:


  • Ich habe auch immer darauf gewartet, dass pädophile Handlungen im Lager der Grund für die Andeutungen sind. Komisch, wie man als Leser tickt. Eine Story mit Minderjährigen, erwachsene oder fast erwachsene Betreuer...eine Geheimnis und zack...was für Gedanken und Verdächtigungen steigen in den Kopf ?


    Mir war das auch fast ein bisschen unheimlich, wie ich automatisch in diese Richtung gedacht habe.

    Be curious, be creative, be patient, be joyful.

    (Agnès Varda)

  • Komisch also an Pädophilie und daraus resultierende Handlungen hatte ich eigentlich weniger gedacht. Klar es hätte auch das durchaus sein können, aber ich hatte es von den Charakteren nicht erwartet.


    Außer bei Dr. Platz und Bill, den Beiden hätte ich alles zugetraut.


  • Den Brief an die Mutter fand ich herzzerreißend - wie er sich, nachdem er die ehrliche Version weggeschmissen hat, alle Mühe gibt, seiner Mutter zu vermitteln, er sei glücklich, finde Anschluss und sei beliebt :heul: Auch die Mutter hat wohl ein Wunschbild von ihrem Sohn im Kopf, das er erfüllen möchte ...


    Aber ob die Mutter sxich davon wirklich täuschen lässt? Warum sollte plötzlich alles so toll sein?



    Was mich hingegen sehr überrascht hat, war der Kuss.


    Das hat mich auch sehr überrascht.


  • Ich denke nicht, dass Clete wegen Nelson die Stelle verloren hat.Er sucht doch einfach einen Sündenbock, und da ist es einfacher die Schuld auf seinen Sohn zu schieben, als seine eigenen Unzulänglichkeiten einzugestehen.


    Ich bin überzeugt, dass er einen Sündenbock haben wollte.