Åsa Ericsdotter - Epidemie

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

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    Der charismatische Ministerpräsident Johan Svärd hat vor den anstehenden Wahlen mit seiner Gesundheitspartei nur ein Ziel, Schweden soll das schlankste Land Europas werden. Er hat dem Land versprochen, dass es gesünder und dünner wird und um dieses Versprechen einhalten zu können lässt er nichts unversucht und greift zu immer schlimmeren Maßnahmen. Bald reichen ihm schon die ganzen vorhandenen Auflagen nicht, es muss schneller gehen, die Fettepidemie in seinem Land muss mit allen Mitteln bekämpft werden.



    Unglaublich, dass dieser Roman ein Debüt ist, die Autorin hat mich regelrecht sprachlos zurückgelassen. Ein absolutes Lesehighlight und gehört jetzt schon zu meinen Lieblingsbüchern.

    Ein Roman, der aus verschiedenen Perspektiven die Grausamkeiten erzählt, die die Gesundheitspartei sich ausdenkt und immer wieder umsetzt ohne, dass irgendjemand etwas dagegen unternimmt. Die Gesellschaft wird manipuliert, es scheint als hätte man sie einer Gehirnwäsche unterzogen, wie die Verrückten feiern sie Johan, ihren gutaussehenden Ministerpräsidenten, der es schafft jeden um den Finger zu wickeln.

    Für viele besteht das Leben nur noch aus Kalorienzählen, überall sind Fitnessstudios, es wird nicht davor zurückgeschreckt selbst Normalgewichtigen Diätpräparate zu verabreichen oder gar Baby's und Kinder einer Operation zu unterziehen. Alles für die Gesundheit, wer's glaubt.

    Es ist unfassbar wie real der Inhalt wirkt, oftmals musste ich das Buch kurz schließen und durchatmen, weil es so unglaublich menschenverachtend ist was hier dargestellt ist und gerade deswegen kommt man nicht umhin Assoziationen zu der Hitler Zeit oder selbst zu Trump zu ziehen. Kann es wirklich so weit kommen fragt man sich und die Antwort ist eindeutig ja, zuzutrauen wäre es. Das was hier beschrieben wird richtet sich zwar gegen die Übergewichtigen aber man könnte sie ganz leicht durch eine andere diskriminierte Gruppe von Menschen ersetzen. Es zeigt auf wie wichtig es ist nicht allem Gesagten zu vertrauen, dass man nicht einfach jemandem folgen sollte nur weil es der leichtere Weg ist. Lasst nicht andere für euch denken. Keiner sollte aus der Gesellschaft ausgeschlossen werden nur weil er nicht einem perfekten Idealbild entspricht.

    Die Erzählweise ist brisant, die Autorin beschönigt nichts und dadurch, dass man direkt mitten im Geschehen ist bekommt man einen ziemlich guten Einblick in Schwedens Entwicklung nach nur drei Jahren Amtszeit der Gesundheitspartei. Und wenn man denkt, dass es ja eigentlich kaum schlimmer kommen könnte, geschieht genau das.

    Mit diesem Roman habe ich alle Emotionen durchgelebt, ich war mich am aufregen, den Tränen nahe, geschockt und fassungslos und einfach nur von tiefer Trauer ergriffen. Dieses Buch ist aufrüttelnd, meisterhaft geschrieben und behandelt ein brisantes Thema. Ich wünschte mir, dass es so viele Menschen wie nur möglich lesen würden. Es ist keine leichte Kost und dennoch ist die dahinter stehende Message immens wichtig.

    Die Charaktere sind unglaublich gut ausgearbeitet und bis auf Svärd habe ich sie alle nur zu gerne begleitet. Im Gegensatz zu anderen Büchern freut man sich hier auf die Perspektivwechsel, weil man dadurch viel mehr mitbekommt, erlebt und es einfach nötig ist um sich ein besseres Bild machen zu können. Einige Charaktere habe ich wirklich ins Herz geschlossen.

    Man muss dieses Buch selber lesen um auch nur ansatzweise verstehen zu können wie ich mich beim Lesen gefühlt habe. So realitätsnah und erschütternd, einfach nur wahnsinnig gut. :banane:



    5ratten

  • Ich lese das Buch gerade und schwanke zwischen Langeweile und Empörung.

    Langeweile, weil ich die Fäden, die sich durch die Geschichte ziehen, zu gut erkennen kann, und Empörung, weil mir hier zuviel Holzhammer drin ist.

    Glaubwürdige - weil gut ausgearbeitete - Dystopien finde ich gut. Ob "1984" oder "Vox" mochte ich, weil ich die Welt in den Büchern nachvollziehen konnte. In "Epidemie" kann ich das nicht. Mir scheint, als habe die Autorin überlegt: Welches schockierende Element könnte ich erfinden, um den Leser bei der Stange zu halten? Vielleicht Magen-OPs für Säuglinge? Oh ja, klingt schauderhaft, das mache ich.

    Echt jetzt?

    In dem Buch geht es um staatliche verordnete Magersucht - und alle machen mit? Nochmal: echt jetzt?


    ***

    Aeria

  • Ich bin gestern mit "Epidemie" fertig geworden. Flüchtig habe ich die Rezensionen auf Amazon überflogen, fast nur Fünfsterner.

    Habe ich das falsche Buch gelesen? Ich bin ziemlich sauer über die vertane Zeit.

    Einen großen Verriss will ich nicht schreiben, da müsste ich mich ja nochmal ausgiebig mit diesen Werk beschäftigen. Aber einige Punkte möchte ich doch loswerden.


    Wie ich oben schon schrieb, finde ich die dystopische Zukunft des Romans wenig glaubwürdig. Nicht, wenn ich mir das Theater ansehe, das um eine Currywurst veranstaltet wird.

    Ich glaube sehr wohl, dass Menschen zu Unmenschen werden können, dazu braucht es nicht viel. Aber in diesem Roman wird es so überspitzt dargestellt, dass ich zeitweise an Satire denken musste.

    Mich hat die plumpe Aneinanderreihung von Schock-Szenen auf die Palme gebracht. Ich weiß, es ist das erste Buch der Autorin, aber Mensch, muss das sein? Ich stelle mir vor, wie ein Stephen King so eine Geschichte geschrieben hätte. Da hätte man sich vor Grusel eingepinkelt, noch bevor man durch die Einleitung wäre. Der oben erwähnte Eindruck, dass die Autorin einfach Listen mit Gräueltaten abgearbeitet hat, verflüchtigt sich mitnichten beim Weiterlesen.


    Zudem gibt es einen Bösewicht a la Voldemort, der einfach nur böse ist weil er böse ist. Warum kann er Übergewichtige nicht leiden? Hat ihn ein fülliges Tantchen mal als Jungen zu doll an den üppigen Busen gedrückt? Es gibt keine Erklärung. Iseinfachso.

    Die anderen Figuren - eine Klischee-Parade de luxe. Der nerdige Held, der keiner sein will (und auch keiner ist, mal unter uns), seine neue Freundin, die außer Kurven nichts zu der Geschichte beiträgt, ihre Tochter mit dem sprechenden Namen Molly. Der Journalist, ach, lassen wir das.


    Rest als Spoiler:



    Meine Vermutung ist, dass die Autorin gerne einen Roman über die Nazi-Zeit geschrieben hätte. Mehr Leser fängt man aber mit einer Geschichte wie "Epidemie".


    Fazit: Idee - gerade so akzeptabel, Ausführung - furchtbar

    Fazit 2: Das wäre ein perfektes Buch für eine Leserunde.


    ***

    Aeria

  • Fazit 2: Das wäre ein perfektes Buch für eine Leserunde.

    Ums gemeinsam zu verreißen? :lachen:

    “There is a crack in everything, that’s how the light gets in.” (Leonard Cohen)

    "You don't have to burn books to destroy a culture. Just get people to stop reading them." (Ray Bradbury)

    Einmal editiert, zuletzt von Firiath ()