Bücher, die körperlichen und seelischen Missbrauch verharmlosen

Literaturschock positioniert sich. Nazifreie Zone, denn wer neben Nazis marschiert, ist entweder selbst ein Nazi oder eine nützliche Marionette der Nazis. Andere Kategorien gibt es nicht.
  • Gutgen Morgen allerseits,


    angeregt durch den Vortrag von Elif und Bücherkrähe auf der Buchmesse im Rahmen der Bloggersessions zum Thema "Warum Buchblogs politischer werden müssen" möchte ich in diesem Thread Bücher sammeln, die körperlichen und seelischen Missbrauch (u.a. auch Rape Culture) verharmlosen oder sogar verherrlichen. Mir fallen dazu zwei Bücher ein:


    1. "Verliebt, verrückt, verheiratet" von Susan Elizabeth Philips.


    2. "Paper Princess" von erin Watt.

    Das habe ich nicht selbst gelesen, aber im Thread gibt es sehr viele kontroverse Meinungen dazu.


    Nun her mit euren Anti-Buchtipps - welche Bücher verharmlosen oder verherrlichen eurer Meinung nach diese Themen und in welchem Kontext passiert das?


    Anmerkung: Verharmlosen meint nicht, dass diese Inhalte in einem kritischen Zusammenhang erwähnt werden. Selbstverständlich darf jederzeit über solche Themen geschrieben werden. Verharmlosen meint, dass z.B. eine Frau seelisch und körperlich missbraucht und das ganze in einem positiven Zusammenhang dargestellt wird (das sprichwörtliche "Heldin wird vom Helden missbraucht und verliebt sich in ihn").


    Liebe Grüße

    Suse

    2018: In Belgien erschießt die Polizei ein 2-jähriges Kind. In Deutschland sitzt ein 2-jähriges Kind in Abschiebehaft. Europa wird also von 2-jährigen bedroht.

  • Mir ist im ersten Band der Eve-Dallas-Reihe von J. D. Robb negativ aufgestoßen, dass der ach so tolle Held Eve regelrecht stalkt und es null akzeptiert, wenn sie ihm Grenzen setzt. Und am Ende schmilzt die eigentlich toughe Frau in den Armen des starken Alphatierchens dahin. Fand ich total ätzend und kann nicht wirklich nachvollziehen, warum diese Reihe eine solche Fangemeinde hat.

    Being a nerd, which is to say going too far and caring too much about a subject, is the best way to make friends I know.

    (Sarah Vowell)

  • Ich erinnere mich dunkel daran Valentine - ich habe die Reihe damals ja auch sehr gerne gelesen und so im Nachhinein frage ich mich wirklich, was ich damals daran fand. Da sieht man mal wieder, dass es eine Zeit braucht, damit einem die Augen geöffnet werden und man sensibler auf Themen reagiert. Reflektieren, darüber Nachdenken. Eigene Denkmuster hinterfragen. Das ist so wichtig.

    2018: In Belgien erschießt die Polizei ein 2-jähriges Kind. In Deutschland sitzt ein 2-jähriges Kind in Abschiebehaft. Europa wird also von 2-jährigen bedroht.

  • So massiv wie jetzt hätte es mich früher schätzungsweise auch nicht gestört (ein bisschen aber schon, für das ganz extreme, kontrollfreakige Bad-Boy-Schema konnte ich mich noch nie erwärmen). Ich habe das Buch erst letztes Jahr gelesen und die Reihe damit gaaanz schnell wieder abgehakt.

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    (Sarah Vowell)

  • Ohje, das könnte eine (traurig) lange Liste ergeben. Vor allem auch im Jugendbuch, wo ich es nochmal schlimmer finde als in Büchern für Erwachsene.


    Zum ersten Band von "Das Reich der Sieben Höfe - Dornen und Rosen" von Sarah J. Maas hat Bücherkrähe das in ihrer Rezension ausführlich beschrieben.


    Sarah J. Maas - Das Reich der Sieben Höfe. Dornen und Rosen

    LG, Dani


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  • Auch Harry Potter wurde von Anabelle auf Twitter gerade genannt. Hier fragt sich, wann Verharmlosung beginnt. Zum einen wird der seelische Missbrauch von der bösen Seite nie verharmlost, finde ich.


    Harry wird in seiner Kindheit eingesperrt und vernachlässigt

    Harry wird von Lehrern in Howarts körperlich (Dolores Umbridge und ihre "Strafe", als Harry beim Schreiben seine Haut aufritzt) und seelisch (Snape) missbraucht.

    Auch wird Harry von der guten Seite instrumentalisiert.


    Das alles wird natürlich nicht positiv dargestellt - aber: der Einwurf, dass sich das alles auf Harrys Psyche und sein Leben nicht sonderlich auswirkt, ist durchaus berechtigt.


    Hierzu ein interessanter Thread auf Twitter.

    2018: In Belgien erschießt die Polizei ein 2-jähriges Kind. In Deutschland sitzt ein 2-jähriges Kind in Abschiebehaft. Europa wird also von 2-jährigen bedroht.

  • Durchaus erwähnenswert, ja - aber als verharmlosend habe ich das nicht empfunden. Eher so, dass Harry durch seine Freunde und Verbündete wie Dumbledore so viel Unterstützung erfährt und aufgefangen wird, dass er auch negative Erfahrungen ganz gut verarbeiten kann.

    Being a nerd, which is to say going too far and caring too much about a subject, is the best way to make friends I know.

    (Sarah Vowell)

  • Mir fällt da gleich "The Gamble" von Kristen Ashely ein, der erste Teil ihrer Colorado Mountain Reihe. Da passiert gleich zu Beginn, dass der männliche Love Interest es für nötig hält, die Protagonistin nach einem Autounfall und mit Fieber mehr oder weniger in bewusstlosem Zustand völlig nackt auszuziehen und nimmt ihr dann auch noch den Schlüssel für ihr Auto weg, um sie am wegfahren zu hindern. Dazu kommt abfällige Sprache gegenüber allem, was irgendwie "weiblich" ist, was den Helden dazu ermutigt, die Protagonistin ständig als "duchess" zu beschimpfen.


    Weiter bin ich nicht gekommen, das hat mir gereicht.

    “Grown-ups don't look like grown-ups on the inside either. Outside, they're big and thoughtless and they always know what they're doing. Inside, they look just like they always have. Like they did when they were your age. Truth is, there aren't any grown-ups. Not one, in the whole wide world.” N.G.

  • Puh, auf Harry Potter wäre ich nicht gekommen. Wenn man es so auslegt, gibts wahrscheinlich in jedem Buch Missbrauch.

    Aber es geht ja darum, ob dieser positiv dargestellt wird und das empfinde ich bei Harry Potter nicht so.

    LG, Dani


    **kein Forums-Support per PN - bei Fragen/Problemen bitte im Hilfebereich melden**

  • Durchaus erwähnenswert, ja - aber als verharmlosend habe ich das nicht empfunden. Eher so, dass Harry durch seine Freunde und Verbündete wie Dumbledore so viel Unterstützung erfährt und aufgefangen wird, dass er auch negative Erfahrungen ganz gut verarbeiten kann.

    Ich finde, dass Harrys extreme Stimmungsschwankungen auch für sich sprechen, vor allem im erwähnten Band 5. Und auch Harrys Instrumentalisierung durch Dumbledore wird von Sirius hinterfragt. (Und ich bin nicht mehr so gut in der Materie drin, aber ich meine auch, dass Molly Weasley versucht ihre schützende Hand über Harry zu legen und immer wieder betont, dass er noch ein Kind sei.) Also ganz unkommentiert wird das nicht gelassen.


    Nichtsdestotrotz sollte man auch da drüber reden, um Sensibilität zu schauffen.

  • Aktuell höre ich "fremd" von Ursula Poznanski und Arno Strobel. Ich bin noch nicht sonderlich weit, aber empfinde da sehr viele Szenen als übergriffig. Es geht darum, dass die Protagonistin des Buches sich nicht daran erinnert, dass sie verlobt ist und mit einem Mann die Wohnung teilt. Entsprechend entsetzt ist sie, als sie auf diesen Mann trifft. Natürlich wäre die Spannung weg, wenn dieser Mann einfach die Wohnung verließe, anstatt sie in weiteres Entsetzen zu treiben durch Redeversuche und Hinterhergerenne, als sie in ein anderes Zimmer flieht.


    Dann gibt es noch eine Szene mit einem übergriffigen Betriebsarzt, der vom Chef des Mannes zu den beiden nach Hause geschickt wird, um nach dem rechten zu sehen. Völlig bekloppt!

    2018: In Belgien erschießt die Polizei ein 2-jähriges Kind. In Deutschland sitzt ein 2-jähriges Kind in Abschiebehaft. Europa wird also von 2-jährigen bedroht.

  • Spontan fiele mir Twilight ein - hier erzählt Edward auch seiner Bella, dass er sie schon lange beim Schlafen beobachtet hat. Das ist ja soooo romantisch! :rollen: Wenn ich mir vorstelle, dass mich jemand ohne mein Wissen und meiner Einwilligung im Schlaf oder sonst irgendwann beobachtet, stellen sich mir alle Nackenhaare auf!


    Shanna von Kathleen E. Woodiwiss ist das perfekte Beispiel für sexuelle Nötigung. Sie braucht dringend einen Ehemann, da sie ihr Vater sonst zwangsverheiraten würde. Der Gute wünscht sich nämlich unbedingt Enkelkinder. Also heiratet sie schnell einen Todeskanditaten, der am nächsten Tag hingerichtet werden soll, damit endlich Ruh ist mit der Sudderei. Als Gegenleistung für seinen Namen (er ist natürlich ein Adeliger), verspricht sie ihm, die Ehe auch zu vollziehen. Natürlich hält sie sich nicht daran, sondern übergibt ihn, sofort nachdem der Ehevertrag unterschrieben wurde, an den Kerkermeister. Blöd nur, dass er, anstatt am Galgen zu enden, als Sklave auf der väterlichen Plantage landet. Dort beginnt die Erpresserei - wenn sie ihm nicht die versprochene Nacht schenkt, verrät er sie an den Herrn Papa. So lange, bis sie widerwillig einwilligt - und natürlich mit sexueller Erfüllung und der großen Liebe belohnt wird. Schlimm ist, dass ich den Roman als Teenager (16,17) gelesen habe und nicht einmal bemerkte, was da als romantische Liebesgeschichte verkauft wird.

  • Puh, auf Harry Potter wäre ich nicht gekommen. Wenn man es so auslegt, gibts wahrscheinlich in jedem Buch Missbrauch.

    Aber es geht ja darum, ob dieser positiv dargestellt wird und das empfinde ich bei Harry Potter nicht so.

    Ich auch nicht. Dafür findet es meine Tochter sehr schlimm, wie Harry behandelt wird und redet sehr oft mit mir darüber. Ich selbst habe es nicht als so schlimm empfunden, sondern eher als notwendig für die Geschichte.


    Aber genau das kann auch bei vielem anderen zutreffen, was ich gelesen habe, wie auch dass Edward Bella beim Schlafen beobachtet hat. Im wahren Leben hätte ich so etwas als sehr befremdlich empfunden.

    You tell me how I can fly away

    And believe that all the angels are coming

    You bring me down then I will fly again

    And believe that all the angels are coming

  • Da fallen mir die ganzen Shades of Grey Bücher ein....dort wird meiner Meinung nach Gewalt verherrlicht. Ich habe genau ein halbes Buch der Reihe gelesen, meiner Meinung nach wird dort die Protagonistin hörig gemacht damit die Sex-Gewaltspielchen vollzogen werden können. Grausig!

  • Ein Buch, das auch hier im Forum kritisch besprochen wurde:


    "Der Märchenerzähler" von Antonia Michaelis.


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    Die Bücher von Lynn Raven (Jugendfantasy) z.B. "Blutbraut", "Der Spiegel von Feuer und Eis" oder "Der Kuss des Kjer" Die "Heldinnen" sind fast immer dumme oder naive schwache Frauen, in magischer oder körperlicher Unterlegenheit zum missbräuchlichen "Helden" stehen. "Seelenkuss" kenne ich nicht, sind da auch solche Figurenkonstellationen?

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  • Zitat

    "Der Märchenerzähler" von Antonia Michaelis.


    Stimmt. Die Szene und wie schnell sie ihm verziehen hat, hat mich auch extrem schockiert.


    Gerade erst hatten wir auch bei unserem Nackenbeißer-Lesewochenende über das Thema gesprochen, weil gleich in zwei Büchern der "Held" ungefragt Sex mit der schlafenden Protagonistin hat.

  • Vielleicht kann Wendy noch etwas zu dem Thema sagen? Sie ist ja quasi die Expertin hier im Forum für feministische Fantasyliteratur und kennt bestimmt auch noch ein paar Negativbeispiele. :/:/