Christina Campos - Die Insel der Zitronenblüten

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 2 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Krimine.

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    Die aus Mallorca stammende Marina lebt mit ihrem deutschen Freund in Äthiopien - beide arbeiten bei "Ärzte ohne Grenzen". Seit einem Streit mit ihrem schrecklichen Schwager vor 14 Jahren, bei dem ihre Schwester Anna ihr nicht beigestanden hatte, hat sie mit dieser keinen Kontakt mehr.

    In dieser Situation erben die Schwestern gemeinsam ein Haus, eine Getreidemühle und eine Bäckerei von der ihnen völlig fremden Maria Dolores.

    Marina kehrt nach Mallorca zurück um die Umstände der Erbschaft zu ergründen und dabei vielleicht auch das Verhältnis zur Schwester zu verbessern.


    Marina und Anna sind sehr unterschiedlich. Auch sind sie sehr verschieden groß geworden.

    Anna war immer das Lieblingskind der Mutter - Marina dagegen wurde sogar auf ein Internat "abgeschoben".

    Anna heiratet (den unsympathischen) Armando, bekommt Tochter Anita, ist aber eigentlich immer mehr oder weniger unglücklich.

    Marina hat nie ein wirkliches Zuhause gefunden und reist rund um die Welt zu den Kriesenherden der Welt. Irgendwann begleitet von ihrem Lebensgefährten Mathias. Sie ist im Prinzip zufrieden, aber rastlos.


    Die Beschreibungen der Lebensumstände der beiden Schwestern sind sehr detailliert und bildhaft beschrieben.

    Man erlebt sowohl die Gluthitze und die teils dramatischen Situationen von Marina in Äthiopien, als auch den traurigen, ja trostlosen Alltag von Anna, hautnah mit.

    Nach Marinas Ankunft in Valdemossa taucht man in die ruhige Schönheit Mallorcas ein.

    Beim lesen kann man die Bäckerei direkt vor Augen sehen, das frisch gebackene Brot riechen!


    Die Charaktere sind realistisch beschrieben, die Handlung ist in einem eher ruhigen Erzählstil geschrieben.

    Das ist passend zur Geschichte, in der Marina langsam hinter das Geheimnis von Maria Dolores und ihrer ganzen Familie kommt.


    Das Ende ist etwas traurig, denn Anna stirbt (wie man bereits im allerersten Absatz des Buches im Prolog erfährt).

    Marina aber hat ihr persönliches Zuhause gefunden - auch wenn sie es sich in der Vergangenheit so wahrscheinlich in der nie vorgestellt hatte....


    4ratten

    Einmal editiert, zuletzt von Katjuschka ()

  • Ein Buch, dessen Cover einen verzaubert! Eine wunderschöne Wahl, die Lust auf Sommer und Urlaub in einem gemütlichen Dorf macht. Doch der Schein trügt etwas: Das Buch ist keineswegs leichte Kost, banal oder oberflächlich. Es geht um Familie, Freunde, die Suche nach einem erfüllten Leben – und all das, ohne kitschig zu sein. Es weckt tiefe Gefühle und lässt einen das eigene Leben hinterfragen.


    Die Seiten lesen sich wie von alleine und man kann so leicht nach Spanien verreisen und die Welt um sich herum vergessen.

    Stück für Stück lernt man die Personen im Leben der Schwestern Marina und Anna kennen. Und doch bleiben die meisten fern, etwas oberflächlich. Man bekommt hier und da Ausschnitte zu sehen aus den einzelnen Leben. Vielleicht wäre weniger mehr gewesen.


    Die Handlung schreitet gemächlich voran wie Katjuschka schon schrieb, das Leben der Personen vergeht und man wundert sich, wenn es heißt, dass wieder Monate vergangen sind.

    Es gibt zwar einen roten Faden, doch der schlängelt sich eher unauffällig durch die Geschichte – und doch macht das nichts. Man erlebt mit den Figuren das Leben, die Veränderungen, den Alltagstrott, …


    Etwas in die Irre führen auftretende Schreib- oder Logikfehler. So werden einige Mal die Namen Marina, Anna und Anita vertauscht oder auf einer Seite ist Ende August, nur um einige Zeilen später auf Ende Mai zu stoßen. Doch das stört den Lesegenuss nicht allzu sehr – Die Insel der Zitronenblüten gibt einem neben herzerwärmender Geschichte einige Stunden Urlaub vom Alltag und die Frage danach was man sich im Leben wünscht und was man dafür tut.


    4ratten

    Es geschah kurz nach Anbruch des neuen Jahres, zu einem Zeitpunkt,

    als die violetten und gelben Blüten der Mimosenbäume rings um die Ambulanz

    aufgesprungen waren und ganz Missing in Vanilleduft gehüllt war.


    Abraham Verghese – Rückkehr nach Missing

  • Die spanische Ärztin Marina ist gemeinsam mit ihrem deutschen Freund Mathias in Äthiopien unterwegs, wo sie für die Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ tätig ist. Ein Einsatz, der ihr viel abverlangt, sie aber gleichzeitig sehr glücklich macht. Deshalb fällt es Marina auch unheimlich schwer, in ihre Heimat zurückzukehren, wo sie gemeinsam mit ihrer Schwester Anna das Erbe einer Unbekannten antreten soll. Doch kaum ist Marina dort angekommen, verliebt sie sich in die alte Bäckerei und plötzlich kann sie dem Duft des Zitronenbrotes nicht widerstehen, während sie einem alten Familiengeheimnis auf die Schliche kommt.


    "Die Insel der Zitronenblüten" ist das Romandebüt der aus Barcelona stammenden Castingagentin Christina Campos, die neben ihrer Arbeit für Film und Fernsehen leidenschaftlich gerne schreibt. Mit ihrer Geschichte um die engagierte Ärztin Marina, die nach einer Erbschaft ihre Liebe fürs Backen entdeckt, gelingt es ihr, einen anfänglich sehr ernsten und bewegenden, später dann aber eher unterhaltsamen Familienroman zu Papier zu bringen. Dabei sind es vor allem die Schilderungen über ihre Arbeit in Äthiopien und der ständige Kampf gegen Armut und Elend, der betroffen macht, während die Aufarbeitung der Familiengeschichte in Mallorca angenehm leicht und ein wenig geheimnisvoll in Erscheinung tritt.


    Die Figuren selbst sind sehr gegensätzlich. So lernt der Leser zum einen Marina und Mathias kennen, die ein karges Leben in Kauf nehmen, um den Ärmsten der Welt medizinische Hilfe zu bieten. Und zum anderen trifft er auf Anna und ihren Mann Armando, die sehr oberflächlich sind und sich nur über ihren äußeren Schein und ihre Besitztümer definieren. Kein Wunder also, dass es zu Reibereien kommt, als sich die beiden Schwester nach Jahren der Funkstille wiedersehen und über die Verwendung des erhaltenen Erbes entscheiden müssen. Ein Konflikt, der authentisch geschildert ist und dazu führt, dass Marina und Anna einander näherkommen.


    Fazit:

    Ein gefühlvoller Roman, der von seinen Gegensätzen lebt und neben einigem Tiefgang auch eine gewisse Leichtigkeit besitzt.


    4ratten