03 - Seite 163 bis Ende (Kapitel 5)​

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 16 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von dubh.

  • Ich habe gerade den letzten Teil beendet und ich weiß nicht genau, ob er mir gefällt oder nicht.

    Großes Drama - das war ja zu erwarten gewesen, nachdem es ja um eine Neuerzählung des Othello geht.

    Aber ob das so passt?


    Dee ist zwar nicht gestorben, aber ihr Ruf wurde geschädigt.

    Mimi - sie, die arme und schwache, hat am Schluß wirklich nur das Schlechteste bekommen.

    Jan versucht sich aus dem Staub zu machen. Ob er versteht, dass er "zu weit gegangen ist"? Kommt er davon?

    Osei - mit ihm tu ich mir schrecklich schwer. Denn auch wenn ich alle erlebten und nicht verarbeiteten Demütigungen und Verletzungen berücksichtige: seine Wesensveränderung im letzten Teil ist mir zu krass (auch wenn mal steht, dass er es eigentlich gar nicht sagen wollte). Der souveräne, ruhige und überlegte Osei ist völlig verschwunden.


    Das Ende ist halb offen - denn was mit Osei passiert weiß man nicht. Fällt er runter? Stürzt er in den Tod? Vielleicht gar auf Mimi?


    Ich glaube nicht, dass mich dieses Ende begeistern kann.

    Wie gehts Euch damit?:/

  • Ich glaube nicht, dass mich dieses Ende begeistern kann.

    Wie gehts Euch damit?

    Mir geht es da wie dir, ich bin mit dem Ende nicht so ganz zufrieden.


    Dee wird von einem strahlenden, fröhlichen offenen Mädchen zu einer unsicheren, ängstlichen Schülerin, die zum Schluss als Hure bezeichnet wird.

    Mimi ist eine tragische Figur.

    Ian wird nicht davonkommen, so wie ich es verstanden habe.

    Die Wandlung von Osei war mir zu heftig. Verständlich, dass er masslos enttäuscht ist. Er öffnet sich jemandem und wird dann in seinen Augen hintergangen, aber trotzdem. Er wirkt wie völlig umgekrempelt und seine Äusserung, dass Dee ihn unsittlich berührt hat, das war mir etwas zu viel des Guten.

    Das Ende ist halb offen - denn was mit Osei passiert weiß man nicht. Fällt er runter? Stürzt er in den Tod? Vielleicht gar auf Mimi?

    Ich habe es so verstanden, dass er sich vom Gerüst stürzt. Da er ja ganz oben sass, sind die Folgen wahrscheinlich schlimmer als bei Mimi.

    Das sind keine Stirnfalten. Das ist ein Sixpack vom Denken.

  • Ja, ich knabbere schon auch an diesem unbefriedigenden Ende - fürchte nur aber, dass das Ende eines Dramas nicht dazu da ist, um uns zu "befriedigen".

    Der Ausgang von "Othello" ist vorgegeben, eine gewisse "Adaptation" war hier aber sicher sinnvoll. Die genauen körperlichen Folgen für Mimi (Emilia stirbt im Original durch Jagos Hand) und Osei (er begeht dort Selbstmord) bleiben bei "Der Neue" offen, Dee ist zwar nicht gestorben, aber sicherlich ist "etwas in ihr gestorben". Im Original wird Jago am Ende durch Cassius "gerichtet" - Casper ist hier beim Schlussgeschehen zumindest anwesend und wird den Ablauf später bezeugen können.


    Delena und @Isa: Ihr fandet die "Verhaltensänderung" von Osei zu heftig; auch ich fand sie drastisch, aber dann doch zumindest (unter der Heftigkeit der aufgewühlten Emotionen) nachvollziehbar. Auch bei Shakespeare ist Othello als "sehr edler Charakter" beschrieben, der dann doch unter "feigen" Umständen seine Frau erdrosselt - in meiner konsultierten Inhaltsangabe (nein, ich hab auch nicht das ganze Ding gelesen.. ;-) ) heißt es: "In Raserei".

    In der "modernen" Gesellschaft sind die brutalsten Waffen aber eben oft Worte.


    Ich hatte zum vorigen Abschnitt geschrieben, dass ich die Ausführungen zum Thema "Wut" interessant fand - hier lag wohl schon ein deutlicher Fingerzeig auf das Ende.

    Weil es mir am Ende dann doch sehr bedeutsam erscheint, zitiere ich doch hier noch mal aus Kapitel 4 (S. 145):

    "Er selbst geriet nicht so leicht in Zorn. Sein Vater hatte recht, wenn er sagte, Wut sei der bequeme Weg. Viel schwieriger sei es, sein Temperament zu zügeln und ein Problem mit maßvollen Worten und wohlüberlegten Taten zu lösen. ...

    Umso mehr wunderte sich Osei, als er merkte, dass nun die Wut in ihm hochstieg wie Wasser in einem Fluss. ... dann war das Wasser plötzlich überall, man konnte es nicht umlenken, wurde es nicht los."

    (Bezeichnenderweise merkt Osei auch genau an diesem Punkt, dass ihm seine Schwester Sisi, hier repräsentiert durch das "Erdbeermäppchen", aufgrund der längeren gemeinsamen Geschichte doch noch wichtiger ist als Dee..)


    Ich denke, dieses (Ur)Gefühl der Wut und das Geschick, mit dem Jago auf diesem Instrument spielt, indem er scharfsichtig alle schwachen Punkte ausnutzt, sind das Zentrum beider Dramen und führen sie zu ihren jeweils eigenen kulminierenden Katastrophen. Bei Shakespeare ist das ein Blutbad - bei Tracy Chevalier die zumindest weitgehende "Beschädigung" zweier vorher integerer (und dem Leser beide sehr sympathische, wie wir gemerkt haben..) Charaktere sowie der (momentane?) Sieg des "Bösen".


    Wenn ich also hier so schriftlich darüber nachdenke, muss ich zugeben, dass das Ende wohl doch nicht so unpassend ist, gerade, weil es uns so.. verletzt.

    Einmal editiert, zuletzt von Alice ()

  • Ich habe den fünften Teil ehrlich gesagt direkt nach dem zweiten Leseabschnitt gelesen und war wie gefesselt. Ich konnte und konnte den E-Reader nicht aus der Hand legen. Ich war wie gebannt und um keinen Preis der Welt hätte ich aufgehört, ohne zu Ende gelesen zu haben. Also ein Sog von der allerfeinsten Sorte! Alleine schon deswegen kann ich mit dem Ende gar nicht so unzufrieden sein wie ihr und ich habe den Reader auf Seite gelegt und meine ersten Worte (zu meinem Freund) waren: Das musst du unbedingt lesen, es ist großartig!


    Ja, auch ich fand Os Verwandlung krass. Zu krass? Zumindest auffällig. Von dem besonnenen netten Schüler ist nichts mehr übrig, aber ähnliches gilt für Dee und Caspar. Zumindest in ihrer Außenwirkung. Ich erkläre mir Os Wut auch, durch all die Schmähungen, die er ingesamt schon erlebt hat. Auch wenn die Lehrer am Anfang ihre rassistischen "Witze" nicht direkt in seinem Beisein machen, aber sowas bekommt man ja immer auch mal mit. Und wenn ich mir von einer schwarzen Bekannten alles so anhöre, was sie heute in Deutschland noch über sich ergehen lassen muss, kann und will ich mir gar nicht vorstellen, was O schon alles erlebt hat. Das hat er zwar immer ertragen, aber dennoch wird es in ihm drin auch Wut geben. Und durch Ians miese Intrige wurde er richtig wütend und all die vorherige Wut kommt wieder, heftiger wohl als jemals zuvor. So würde ich mir das erklären. Auch wenn ich mir niemals anmaßen würde, zu wissen, wie es ist, wenn man ständig auf rassistischen Scheiß stößt.


    (Bezeichnenderweise merkt Osei auch genau an diesem Punkt, dass ihm seine Schwester Sisi, hier repräsentiert durch das "Erdbeermäppchen", aufgrund der längeren gemeinsamen Geschichte doch noch wichtiger ist als Dee..)

    Das kam dann auch noch dazu und ist für mich auch völlig verständlich. Seine Schwester war immer für ihn da. Dee kennt er erst seit ca. fünf (?) Stunden. Durch das Mäppchen hat er seine Schwester beleidigt gesehen. Aber am Ende wird die Geschichte ja schon noch aufgeklärt. Was dann wohl den Selbstmord erklärt, wobei ich denke, dass auch hier ein Überdruss von der rassistischen Welt durchaus mitschwingen könnte.


    Ich habe Othello bisher nicht gelesen, aber vielleicht werde ich mir das demnächst mal in der Bücherei ausleihen.

  • Vollkommen unzufrieden bin ich mit dem Ende nicht. An mir nagt die Art und Weise, wie Osei ganz zum Schluss mit Dee umgesprungen ist. Dieses Abdriften in die sexuelle Schiene hat mir nicht gefallen.

    Dass auch die Adaption ein dramatisches Ende hat, war vorherzusehen und dass Osei Dinge tut und sagt, die er eigentlich nicht so meint nach all dem was Ian ihm eingeredet hat, kann ich nachvollziehen.

    Auch dass er das Erdbeermäppchen im Dreck liegen sieht, empfinde ich in seinen Augen als furchtbar. Besonders vor dem Hintergrund, was seine Schwester für Osei bedeutet.

    Insgesamt war die Adaption auf jeden Fall lesenswert und ich würde sie auch weiterempfehlen, für mich persönlich halt mit einer kleinen Einschränkung.

    Das sind keine Stirnfalten. Das ist ein Sixpack vom Denken.

  • An mir nagt die Art und Weise, wie Osei ganz zum Schluss mit Dee umgesprungen ist. Dieses Abdriften in die sexuelle Schiene hat mir nicht gefallen.

    Ich verstehe das. Ich war beim Lesen auch wirklich schockiert von Oseis Wandlung und wie er auf einmal agiert und redet. Aber genau diesen Schock feier ich nun. Wobei ich am Anfang auch erstmal fassungslos war, aber ich finde es das gelungen. Aber das kann man sicherlich auch anders sehen. Ich will dir gerade nur sagen, ja, ich verstehe das durchaus, dass man das anders wahrnehmen kann. :-*

  • Dieses Abdriften in die sexuelle Schiene hat mir nicht gefallen.

    Man darf das glaube ich nicht ganz im gleichen (konkreten) Sinn verstehen, den solche Äußerungen bei Erwachsenen haben.

    Ich denke, es geht einfach darum, maximal beleidigend zu sein, und Kinder bekommen schon sehr früh mit, mit welchen Worten da die meiste Aufregung zu erzielen ist, nämlich mit Ausdrücken aus dem sexuellen Themenkreis (in den USA noch einmal mehr, so viel ich weiß..).

    Man höre nur mal in einen Kindergarten hinein - in unserer (traditionell ländlich-katholischen) örtlichen Einrichtung war das beliebteste Schimpfwort unter den kleinen Jungs vor 20 Jahren: "Doppelwichser". (Was auch immer sie darunter verstanden.)

    Natürlich ist das Verständnis bei 11Jährigen schon etwas weiter fortgeschritten, aber es ist doch bezeichnend, dass O erst mal genau das selbe Wort benutzt, das kurz vorher so viel "Erfolg" gezeigt hatte: "Hure".


  • Worte können schrecklich verletzend sein und Oseis Aussagen zielen wirklich auf maximale Verletzung ab - Dee spürt es ja zu deutlich! Ihr Ruf ist momentan einmal futsch und sie selber ist verletzt. . Auch wenn es einige Vorzeichen gab, kommt mir Oseis extreme Wesensveränderung dann doch zu rasch. Denn abgesehen von den bereits erlittenen Verletzungen waren Ians Einflüsterungen eher Angriffe auf seine Eitelkeit! Sicher für einen Jungen in diesem Alter schwer zu ertragen - aber rechtfertigt es sein Ausrasten? Es ist ja alles innerhalb eines Schultages passiert! Und vorher gab es überhaupt keine Anzeichen für eine derartige Zeitbombe in ihm.


    Und durch Ians miese Intrige wurde er richtig wütend und all die vorherige Wut kommt wieder, heftiger wohl als jemals zuvor. So würde ich mir das erklären. Auch wenn ich mir niemals anmaßen würde, zu wissen, wie es ist, wenn man ständig auf rassistischen Scheiß stößt.

    Anders kann ich es mir auch nicht erklären, denn rassistische Aussagen wird vielleicht schwerer zu ertragen sein, als andere Dummheiten. Ich kann das nicht beurteilen. Und bei Shakespeare befindet sich Othello ja auch in einem Zustand der Raserei. Ähnliches trifft hier zu.


    Tracy Chevalier hat sich alles in allem sehr an Shakespeares Vorlage gehalten - im Endeffekt ist es eine Geschichte, wo niemand für sich ein Happy End verbuchen kann. Ich kann nur sagen, dass es mir nicht gefällt, weil es mich schrecklich betroffen macht. Denn im Endeffekt gibt es nur Opfer. Und eigentlich sind sich Osei und Ian recht ähnlich: sie werden zu einem bestimmten Zeitpunkt von Neid, Eifersucht und Hass beherrscht.


    Allerdings - und das spricht wirklich für dieses Buch: es geht mir nicht aus dem Kopf, es fällt mir immer wieder ein und es hallt nach. Es ist eine tolle Neuinszenierung eines ewigen Themas, auch wenn mich das Ende betroffen macht. Allerdings frage ich mich immer noch, ob 11 Jahre nicht doch eine Spur zu jung ist.

    Einmal editiert, zuletzt von ysa ()

  • So, jetzt hab ich gestern Abend den letzten Abschnitt gelesen und bin ehrlich gesagt ziemlich enttäuscht. Da bleiben einige Fragen aber ungeklärt und es ist auch nicht wirklich ein richtiges Finale gewesen. Nein, das gefällt mir gar nicht. Da fehlt mir plötzlich die psychologische Tiefe.


    Ist Mimi jetzt gelähmt - oder gar Schlimmeres?

    Ist O in den Tod gesprungen und warum? Das kommt nicht richtig rüber.


    Die Wandlung von Osei war mir zu heftig. Verständlich, dass er masslos enttäuscht ist. Er öffnet sich jemandem und wird dann in seinen Augen hintergangen, aber trotzdem. Er wirkt wie völlig umgekrempelt und seine Äusserung, dass Dee ihn unsittlich berührt hat, das war mir etwas zu viel des Guten.

    Stimmt, das konnte ich auch nicht ganz nachvollziehen. Vor allem, wenn er so wütend ist, warum springt er dann runter. Das ist doch eher ein Zeichen von tiefer Verzweiflung und die habe ich so nicht gespürt.


    Auch, dass die Jugendlichen so ständig aneinander vorbeigeredet haben und er z.B. Dee gar nicht mehr geglaubt hat, fand ich nicht nachvollziehbar. Er hat sich sehr leicht aufhetzen lassen - okay - aber im persönlichen Gespräch hätte ich erwartet, dass er Dee mehr vertraut. Ja, es soll sich natürlich an die Vorlage halten - aber dann ist es nicht so erzählt, dass ich es glauben konnte.


    Man höre nur mal in einen Kindergarten hinein - in unserer (traditionell ländlich-katholischen) örtlichen Einrichtung war das beliebteste Schimpfwort unter den kleinen Jungs vor 20 Jahren: "Doppelwichser". (Was auch immer sie darunter verstanden.)

    Wow, dass nenne ich mal krass. Auch gleich noch eine Steigerung. Ich musste jetzt erst mal kurz Schmunzeln - auch wenn es natürlich NICHT lustig ist. ;)

  • Ist Mimi jetzt gelähmt - oder gar Schlimmeres?

    Ist O in den Tod gesprungen und warum? Das kommt nicht richtig rüber.

    Ich finde es gut, dass sie gerade diese Fragen offen gelassen hat. Denn nach der Dramavorlage müsste Mimi gelähmt oder tot sein und O ebenfalls. Aber dadurch dass sie es offen lässt, kann man sich als Leserin auch ein anderes Ende denken, was nicht ganz so krass ist. Ich habe das sogar lieber, als etwas Endgültiges vorgesetzt zu bekommen.



    Auch, dass die Jugendlichen so ständig aneinander vorbeigeredet haben und er z.B. Dee gar nicht mehr geglaubt hat, fand ich nicht nachvollziehbar. Er hat sich sehr leicht aufhetzen lassen - okay - aber im persönlichen Gespräch hätte ich erwartet, dass er Dee mehr vertraut.

    Na ja, das sind immerhin eher Kinder als Jugendliche. Sie sind 11/12 Jahre alt. Da agiert man noch nicht so vernüftig wie als Erwachsene. Ein solches Gespräch erfordert schon einiges an Reflektion und Ian bei O genau die Schalter betätigt, die es für eine solche Reaktion gebraucht hat. O wurde ja nicht zum ersten Mal schlecht behandelt. Es war nur der Gipfel von allem und aufgrund seiner vorherigen Erfahrungen ist es für ihn wohl einfacher zu verstehen, dass man ihn schlecht behandelt, als dass man ihn gut behandelt. Ich finde, hier zeigt sich schon ziemlich große psychologische Tiefe.

  • Ich finde, im letzten Abschnitt spürt man einen Bruch im Tempo. Es geht alles plötzlich sehr schnell für mich und gerade Osei und seine Gefühlsschwankungen sind für mich zu schnell gewesen. Mag sein, dass Jugendliche zu so etwas tendieren. Aber es hat mir dennoch so nicht gefallen.


    Und das sowohl das Schicksal von Mimi als auch O offen bleibt, war mir einfach zu viel des Guten. Zumindest bei ihr wäre mir Klarheit recht gewesen. Es darf gern mit einem Drama enden, was die ganze Zeit ein Drama war.

  • Ja stimmt, das Tempo wird mächtig angezogen. Bei mir hat es einen unwiderstehlichen Sog ausgelöst mit Herzklopfen und allem. Also ich habe das positiv bewertet. Aber da gehen Meinungen auch einfach auseinander. ;)

  • Das Ende lässt mich ziemlich zwiegestalten zurück: zum einen fand ich die Spannungskurve bereits seit dem letzten Leseabschnitt wirklich gelungen, zum anderen wurde die Skepsis darüber, dass sich die Handlung sehr konzentriert an nur einem Tag abspielt, nicht weniger. Mir ist die Entwicklung der Charaktere dann auch für eine überspitzte Form einen Tick zu viel des Guten. Vor allem bei Osei ging alles sehr, sehr schnell...

    Immerhin endet das Buch nicht so blutig wie das Shakespeare'sche Original, aber ich denke, dass die Auswirkungen, die das Drama auf alle hat, schwerwiegend genug sind - vor allem für Menschen diesen Alters. Worte und Intrigen können vernichtend sein, das wird vor allem bei Dee klar, denn ihr Ruf ist komplett beschädigt. Osei ist voller Wut, was ich ihm angesichts der Beleidigungen und rassistischen Vorhaltungen, aber auch der gezielten Manipulationen nicht verdenken kann. Ich denke, wir alle können uns nicht im Entferntesten vorstellen, wie man sich als Afroamerikaner zur damaligen Zeit fühlen musste. Ians Intrige ist da im Grunde "nur" der Tropfen auf den bereits heißen Stein... Umso tragischer ist, dass er selbst dann - aus seiner persönlichen Situation heraus - auf Dee ein"prügelt", die ja nun weit entfernt ist, eine solche Behandlung auch nur im Entferntesten zu verdienen.;(

    Dass das Ende dann so offen ist, gefällt mir übrigens wiederum ziemlich gut. Ja klar, eigentlich müssten Mimi und Osei tot sein, aber ich denke nicht, dass es das Buch runder gemacht hätte, wenn es da schwarz auf weiß stünde. So kann man auch mit einem weniger grausamen Gedankenspiel vorlieb nehmen.


    Nicht 100%ige Begeisterung, da es kleinere Kritikpunkte gibt, aber mir gefällt die Tatsache, was Tracy Chevalier aus "Othello" gemacht hat.

    Liebe Grüße

    Tabea

  • Ich verstehe die Kritikpunkte durchaus, aber mir haben sie hier wirklich weniger ausgemacht, weil es für mich durch den Dramaaufbau einfach kein klassischer Roman war.

  • Avila Ja, ich denke, dass die Akzeptanz, dass es sich um einen Dramaaufbau handelt, hilfreich ist. Ich bin da aktuell noch seltsam hin- und hergerissen.

    Liebe Grüße

    Tabea