E. M. Forster - Die Maschine steht still (The Machine Stops)

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 5 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Kritty.

  • Die Maschine steht still

    von E.M. Forster


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    Erstveröffentlichung 1909

    Neu übersetzt von Gregor Runge

    Veröffentlicht am 14.10.2016

    im Hoffmann und Campe Verlag

    80 Seiten


    Inhalt:

    Erzählt wird die dystopische Geschichte aus der Sicht von Vashti und ihres erwachsenen Sohnes Kuno. Beide leben in einer unterirdischen Welt die seit Generationen komplett von einer Maschine gesteuert wird. Die oberirdische Welt gilt als unbewohnbar. Die Maschine steuert alles, sorgt für das Lebensnotwendige, für die Bedürfnisse und Bequemlichkeit der Bewohner, ist Zentrum und Maßstab dieser Welt. Echte zwischenmenschliche Beziehungen sind verpönt, der Körper gilt als unnötig und geradezu anstößig, jeder lebt für sich in seiner "Zelle", drückt auf Knöpfe , produziert "Ideen" und kommuniziert nur noch über die Maschine mit anderen Menschen.

    Mehr möchte ich gar nicht über den Inhalt erzählen, die Geschichte ist so kurz daß ich nicht zu viel vorwegnehmen möchte.


    Meine Meinung:

    Absolut empfehlenswert! Die nur 80 Seiten lange Geschichte wurde laut Wikipedia 1909 das erste Mal veröffentlicht . Sie ist flüssig zu lesen, wirkt durch die Kürze vielleicht ein bisschen fragmentarisch, dennoch entsteht ein erstaunlich plastisches Bild dieser unterirdischen, abgeschotteten Welt mit ihren im wahrsten Sinne des Wortes eingekapselten Menschen die komplett abhängig sind von ihrer Maschine, deren Ziel es ist zu "vergeistigen" und - bis auf wenige Ausnahmen - in ihrem starren Weltbild und ihrer Bequemlichkeit verharren ohne auf die Anzeichen von Gefahr zu achten.

    Schlüsse und Parallelen zu ziehen überlasse ich jedem selbst, die erstaunliche Aktualität der Geschichte drängt sich beim Lesen ohnehin geradezu auf. Es verblüfft mich, wie auch in H.G. Wells' "Wenn der Schläfer erwacht" wie vorrausschauend Schriftsteller dieser Zeit gedacht und geschrieben haben, wie genau sie technische Entwicklungen und mögliche, sich daraus entwicklende gesellschaftliche Veränderungen vorhergesehen haben.


    5ratten


    Im englischen Original ist die Geschichte übrigens frei erhältlich z.B. bei manybook

    “There is a crack in everything, that’s how the light gets in.” (Leonard Cohen)

    2 Mal editiert, zuletzt von Firiath ()

  • [Spoilerfrei!]



    The Machine Stops (E. M. Forster)


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    Über das Buch:



    "The Machine Stops" (dt. Titel: "Die Maschine steht still") ist eine dystopische Sciencefiction Kurzgeschichte des Essayisten Edward M. Forster. Sie wurde 1909 erstmals veröffentlicht und war 1928 auch in einer Geschichtensammlung Forsters zu lesen.



    Inhalt und Stil:


    Die Erde, unbekannte Zeit in der Zukunft: Vashti lebt wie alle anderen BewohnerInnen der Welt in einer Zimmerzelle unter der Erdoberfläche. Sie darf wie alle anderen nicht an die Erdoberfläche, die inzwischen als unbewohnbar gilt.

    Mit Begeisterung geht sie ihrem geordneten Alltag nach - Aufstehen, Entwickeln von "Second Hand Ideen", Essen, kurzweilige Vorlesungen besuchen, selbst kurzweilige Vorlesungen abhalten, sich mit dem Freundeskreis über Ideen austauschen, Schlafen gehen. Dann wieder das Gleiche, für alle.

    Geprägt wird dieser Alltag von der sogenannten Maschine. Die Maschine ist allgegenwärtig, verbindet alle ErdbewohnerInnen, erfüllt ihre mentalen sowie körperlichen Bedürfnise und macht direkte Interaktion und Kontakt überflüssig. Kommuniziert wird lediglich über eine Art Video-Instant-Messaging-Gerät.

    Vashti gefällt das Leben so wie es ist. Eines Tages wird sie jedoch von ihrem Sohn Kuno auf der anderen Seite der Welt kontaktiert, der sie um einen Besuch ihrerseits bittet. Er kündigt an, er müsste ihr dringend etwas sagen - dies möchte er jedoch persönlich von Gesicht zu Gesicht tun, nicht wie gewohnt über die Maschine.

    Vashti sieht sich nun mit Rebellion in ihrer nicht-ganz-so-heilen-Welt konfrontiert.


    Die kurze Geschichte zählt nur 51 Seiten und wird gleichsam nüchtern als auch poetisch erzählt. An manchen Stellen hatte ich den Eindruck, der Erzähler spricht direkt zu mir.

    Unterteilt ist die Narration in 3 Kapitel.


    Meine Meinung:


    Ich bin ein großer Fan von dieser Erzählung!

    Man merkt deutlich, dass Forster diese Geschichte während der zweiten industriellen Revolution veröffentlicht hat: Die allgegenwärtige Maschine, überschnelle Transportmittel welche mehr und mehr die Natur einnehmen/den Menschen vorenthalten, Fortschritt nach Fortschritt, das übermächtige Bedürfnis nach Ideen,....

    Alles lässt sich sehr leicht interpretieren und auf heute übertragen, ganz wie man es möchte. Für mich stand "die Maschine" für "das Internet".


    Mir hat die Sprache mindestens genauso gut gefallen wie der Inhalt.


    Hier eines meiner liebsten Zitate:


    Zitat

    "'The Machine', they exclaimed, 'feeds us and clothes us and houses us; through it we speak to one another, through it we see one another, in it we have our being. The Machine is the friend of ideas and the enemy of superstition: the Machine is omnipotent, eternal; blessed is the Machine. [...]

    The Machine was still the creation and the implement of man. But in practice all, save of a few retrogrades, worshipped it as divine."


    Ich gebe dem Buch 5 Ratten und nenne es einen Buchtipp ;)


    5ratten:tipp: