Anthony Powell - Das Tal der Gebeine/The Valley of Bones

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Es gibt 19 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Valentine.

  • Das ist nun schon der siebte Band der Reihe und erst jetzt ist mir aufgefallen, dass als Autor(en) Anthony und Tristram Powell genannt werden. Sogar im ersten Band, mit Erscheinungsjahr 1951 wird Tristram genannt. Da wäre er aber doch erst 11 Jahre alt gewesen! :gruebel:


    1. Abschnitt


    Stanley Jeavons hat also Nicks Wunsch verwirklichen können und ihm einen Posten als Offizier verschaffen können. Nur gut, dass Widmerpool sich außer Stande dazu sah, sonst hätte Nick sich das zeitlebens anhören müssen.

    Ich kenne mich bei den Dienstgraden nicht recht aus, aber es wird wohl einer der unteren Offiziersdienstgrade sein.


    Rowland Gwatkin muss man aber auch zu nehmen wissen. Die falsch gefalteten Decken fand ich ja schon etwas übertrieben, sicher Disziplin und Ordnung muss sein, aber das erinnerte mich so sehr an mein Internatsleben, als mit dem Zollstock die Ausrichtung unserer Kleidung im Schrank überprüft wurden. Grrr!

    Aber die Höhe war ja dann als er zu Kedward sagte:

    Zitat

    Ihr Mützenabzeichen ist nicht auf einer Linie mit dem oberen Saum Ihres Mützenbandes.


    :spinnen:


    Mit 30 ist mal also zu alt für die Offizierslaufbahn. Liegt es nun daran, dass er ansonsten nur Zivilist war, oder gilt das generell? Ich kann mich nicht mehr erinnern, aber er war doch in der Reserve gewesen, nicht wahr. War er da nicht auch als Offizier-irgendwas eingetragen? Zählt den wirklich nur Jugend und nicht auch Lebenserfahrung? Da fällt mir die Bemerkung von Breeze ein, als er Nick bittet ein Auge auf Feldwebel Pendry zu haben, da er vermutet, dass dieser die Belastung auf Dauer nicht durchhalten würde.


    Was die Herren immer für alberne Streiche draufhaben. Wie die kleinen Kinder. War Bithel nun so betrunken, dass er am anderen Morgen nichts mehr von den nächtlichen Aktivitäten wusste oder versucht er nur eine peinliche Angelegenheit zu überspielen? Der Herr scheint mir recht heruntergekommen zu sein. :lupe:


    Gleich am Ende des ersten Kapitels finden wir dann den Bezug zum Titel dieses Bandes.

    Dann lasse ich mich mal überraschen, wo es hingehen wird. Finnland denke ich eher weniger. Nord-Irland! Und wie sich Nick zwischen all den Bankern hält!

  • Danke, dass du den Thread eingerichtet hast, yanni .


    Ja, da dachte ich, dass dieser Band viel dramatischer und düsterer wird als die bisherigen, aber selbst dem Krieg gewinnt Powell zunächst noch ironische Glanzlichter ab.
    Die Beginne der anderen Romane fand ich teilweise etwas verquast, aber hier gefällt mir der mythische Ausflug in die Welt der Artuskrieger und das "Gewölbe von Sardis": Er schlägt zunächst mal den ernsten Ton des jetzt folgenden Kriegsgeschehens an, überhöht allerdings durch die symbolisch-mythischen Bezüge. Umso kontrastiver dann die Szene in "Sardis" mit den Quengeligkeiten von Gwatkin wegen der Militärdisziplin und den später folgenden derben Gesprächen zwischen den rangniedrigen Offizieren und den Militärgeistlichen, was schließlich in dem albernen Streich gipfelt.
    Ich denke, dass Powell das ganz bewusst so gestaltet, denn in dem dargestellten Spannungsfeld findet dann wohl demnächst der eigentliche Schritt in das Kriegsgeschehen statt, und Powell wäre nicht er selbst, wenn er dem nicht einen ganz eigenen Ton abgewinnen könnte.


    Ich glaube, dass wir Gwatkin noch intensiver erleben werden: Er wird als Typ aufgebaut, an dem man sich reibt, und das wird sicher während des Kriegsgeschehens passieren.
    Hast du das Ende des Kapitels verstanden, yanni ? Zuerst dachte ich, dass Powell mit diesen Bibelzitaten durch den Geistlichen darauf hinweisen will, dass viele der Gestalten, die er jetzt erzählerisch zum Leben erweckt, im Krieg gefallen sind, aber dazu passt nicht Popkiss' (was für ein Name für einen Geistlichen :totlach:) Interpretation, die ich auch überhaupt nicht verstanden habe. Meint er damit, dass die walisischen Vorfahren der Anwesenden bei den zukünftigen Kriegseinsätzen hinter ihnen stehen:gruebel:?

  • Hast du das Ende des Kapitels verstanden, yanni ? Zuerst dachte ich, dass Powell mit diesen Bibelzitaten durch den Geistlichen darauf hinweisen will, dass viele der Gestalten, die er jetzt erzählerisch zum Leben erweckt, im Krieg gefallen sind, aber dazu passt nicht Popkiss' (was für ein Name für einen Geistlichen :totlach:) Interpretation, die ich auch überhaupt nicht verstanden habe. Meint er damit, dass die walisischen Vorfahren der Anwesenden bei den zukünftigen Kriegseinsätzen hinter ihnen stehen:gruebel:?

    Diesen Teil habe ich mehrmals gelesen und sogar die Bibel zu Rate gezogen.

    Zusammen mit den Eingangs erwähnten Cunedda komme ich immer mehr in Versuchung Popkiss Predigt auf alle toten Waliser zu beziehen. Er spricht von Zechenschächten und Hesekiel bezieht sich auf die entvölkerten Orte, die Gott wieder mit Leben füllen will.

    Sind es vielleicht nicht nur die Toten durch den Raubbau an Wales, sondern alle jemals gefallenen, insbesondere die Ritter um König Artus, der doch der Legende nach wieder auferstehen soll, wenn Britannien in Not ist. Werden hier die Deutschen mit den damaligen Besatzern identifiziert?


    Im Namen aller je Gefallen oder Gestorbenen erhebt euch und zieht mit ihrem Geiste in den Kampf um zu siegen, außer ich hab falsch Zeugnis gegeben! (Ein wahres Orakel, dieser Popkiss. :teufel:)

    Über das Ende werde ich noch ausführlicher nachdenken müssen.

  • Ich habe eine viel einfachere Interpretation von Popkiss Predigt: In meinen Augen will er den Blick der Männer auf Gottes Größe richten. Einerseits beinhaltet diese Stelle das Versprechen der fleischlichen Auferstehung: Ob man im Kampf fällt oder nicht ist letztlich einerlei, da Gottes Macht den Tod besiegt. Andererseits ist ein Heer ohne Gottes Segen saft- und kraftlos und damit zum Untergang verdammt. Ohne Gott an ihrer Seite sind sie bereits tot, nur von Fleisch umhüllte Knochengerüste.


    Sardis musste ich erst einmal googeln, denn mir sagte der Begriff gar nichts. Powell hat hier einen genialen Einstieg gewählt - einerseits ein real existierender Ort in Wales und andererseits eine Stadt in Lydien, die eine der ersten urchristlichen Gemeinden beherbergte und eine der sieben Gemeinden der Offenbarung des Johannes darstellt und somit einen starken Bezug zur kommenden Apokalypse herstellt.

  • Das ist in der Tat eine einsichtige Interpretation, dodo, bei der wir nicht die Zombis der walisischen Geschichte hinter der Kompanie her wanken lassen müssen :entsetzt:. Vielen Dank auch für die genauere Recherche zu Sardis. Ich habe gar nicht mitbekommen, dass es um einen Ort geht, sondern es so verstanden, dass die Kompanie in einer säkularisierten Kirche untergekommen ist, weil ja überall noch die goldglänzenden Bibelsprüche über den Köpfen stehen.

    Das zweite Kapitel habe ich nun auch beendet. Der Ton bleibt weiter so leicht wie in den anderen Bänden, wenn auch der Tod in Gestalt von Feldwebel Pendrys ungeklärtem Abgang seine Schatten voraus wirft. Wobei das mit dem Ton nur meint, dass der Krieg nicht alles verdüstert: Obwohl die Kommentare über die Personen mir oft den einen oder anderen Schmunzler entlocken, werde ich auch immer daran erinnert, wie schwer die Menschen am Leben tragen und sich an ihren eigenen Ansprüchen zerreiben, wofür Gwatkin ein gutes Beispiel ist. Er erinnert mich an den Literaturkritiker im vorletzten Band, mir fällt gerade der Name nicht ein, der schließlich seinem Leben ein Ende setzte. Diese schwerblütigen Typen interessieren Powell immer sehr und werden öfters in den Mittelpunkt der Handlung gestellt. Vielleicht hatte er ja selbst mit solchen Anwandlungen zu kämpfen, die er hinter der Miene des distanzierten neutralen Autors verbarg.

  • dodo Danke für deine Info zu Sardis. Mir war zwar bekannt, dass es sich um eine Stadt in Lydien handelte, aber dass es auch einen Ort in Wales gab, wusste ich nicht. Deine Interpretation von Popkiss Predigt ist wesentlich bodenständiger. :)


    Ich stecke noch im 2. Kapitel und bin angenehm überrascht, wie einfach es sich bisher lesen lässt. Ich mag eigentlich keine Bücher, in denen ausführlich über Kampfgetümmel berichtet wird. Daher hoffe ich, dass Powell das, wie vieles andere im Hintergrund geschehen lässt.

    Nun sind sie zwar verlegt, aber anscheinend immer noch im eigenen Land.

    Lord Haw-Haw musste ich erst mal googeln, die Bezeichnung für die Sprecher der deutschen Nachrichtensender in englischer Sprache war mir nicht geläufig.

    Lord Haw-Haw

  • Mittlerweile bin ich im vierten Kapitel. Das dritte Kapitel bringt mal wieder einen erzählerischen Höhepunkt, insofern als sich bei Lady Frederica ein repräsentativer Querschnitt des bisherigen Romanpersonals trifft und wieder auf wunderbare Weise die Tolland-Familie sowie deren alte und neue Satelliten aufeinander treffen und es erzählerische Funken sprüht. Die feine und formelle Frederica verliebt sich ausgerechnet in den Filou Dicky Umfraville, auch bei Priscilla deuten dich ähnliche Vorlieben für solche Narzssten, hier in Form von Nicolas neuem Kollegen Odo Stevens, an und zum Schluss taucht auch noch Buster Foxe auf. Und wie immer, als es für Nicolas' Privatleben zu intim zu werden droht und Isobels Baby kommt, bricht die Erzählung ab, Nick muss in diesem Augenblick zu seiner Einheit zurück und wir erfahren erst im vierten Kapitel, das zunächst von einer melancholischen Stimmung geprägt ist, dass er nun Vater eines kleinen Sohnes ist und ihm diese neue Rolle im Zusammenhang mit seiner Situation im Krieg zu schaffen macht. Schön ist in diesem Kapitel mal wieder, wie sich die Stimmung in der Umgebung spiegelt. Das düstere neugotische Schloss Castlemallock unterstreicht das Gefühl des Abgedrängtseins an den Rand des Geschehens, das Warten auf den echten Krieg.

  • Mittlerweile bin ich im vierten Kapitel.

    :anbet: Ich habe heute endlich den 2. Abschnitt zu Ende gelesen. Aber die nächsten Tage hole ich auf. Mein Arzt hat mir die Lizenz zum absoluten Nichtstun ausgestellt.



    finsbury Ich kann mich an den Literaturkritiker erinnern, allerdings nicht an seinen Namen. Seine Frau ist doch mit dem Untermieter durchgebrannt, meine ich.


    Da ich unbedingt wissen wollte, wie "Tschörmänie" im englischen Original geschrieben wurde, habe ich nachgeforscht. Dort steht "Chairmany". Das klingt doch gleich ganz anders. :breitgrins:

    Mir gefällt, wie Powell jedem seinen eigenen Charakter gibt. Wie die einzelnen mit der wachsenden Belastung umgehen. Dabei fällt mir gleich Gwatkin ein, der so hohe Ansprüche an sich stellt, dass ihn eine Niederlage gleich aus der Bahn wirft. Wobei ich es gut fand, wie er sich beispielsweise bei Jenkins entschuldigt und ihm als Entschädigung für das entgangene Essen eine Tafel Schokolade mitbringt. Wobei Jenkins die Schokolade mehr befriedigt als Gwatkins Entschuldigung. Ab und an bekommen wir halt doch ein wenig persönliches von ihm zu lesen.


    Bei der Erwähnung von Onkel Giles war ich doch ein wenig traurig. Mensch, wie hätte er sich ins Zeug gelegt um seinen Neffen das Soldatenleben zu erklären.


    Die meisten der Soldaten sind ja eigentlich Banker, echte Berufssoldaten sind in Jenkins Kompanie doch fast keine. Berufssoldaten haben vielleicht einen ganz anderen Blick auf diese unerfahrenen Mitkämpfer. Eventuell hat sich Popkiss Predigt darauf bezogen. Dass diesen Haufen der Geist von wahren Kämpfern durchdringen und sie wie jene siegreich in den Krieg ziehen mögen.


    Aber nicht der Krieg hat Pantry das Leben gekostet, sondern die damit einhergehenden Umstände. Wahrscheinlich wäre seine Frau ihm auch so irgendwann untreu gewesen. Denn ich bin davon überzeugt, dass er sich selbst erschossen hat. Und damit hat Breeze also recht behalten. Er war nicht dauerhaft belastbar.


    General Liddament ist doch eigentlich nur eine Lachfigur. Sein Beharren auf den Porridge, nur um seine Anschauung durchzusetzen. Nur gut, dass er die Hunde nicht mit hatte. :zwinker:

    Wenn ich solche Szenen lese, frage ich mich, wie Powells Bücher in jener Gesellschaftsschicht aufgenommen wurden.


    Zwischendurch hat er jemanden erwähnt, mir ist leider der Name entfallen, mit dem er sich in Zukunft über diese Ereignisse unterhalten wird. Ich finde diese vorausschauenden Einwürfe recht interessant. Wenn es dann endlich so weit ist, dass wieder darauf Bezug genommen wird, ärgere ich mich, weil ich nicht mehr weiß, wo genau es gestanden hat und ich nicht die Möglichkeit habe nachzulesen. Andererseits bringt Powell, wie ein Zauber das Kaninchen aus dem Hut, eine Person mit ins Spiel, die so gar nicht mitwirkt.

  • Mittlerweile bin ich fertig. Leider konnte ich das Buch nicht aus der Hand legen, mittlerweile hat Powell eine süchtig machende Wirkung auf mich. Evelyn Waughs Beschreibung: "Das Werk ist wie trockener Sekt, kühl, humorvoll, durchdacht und genau gebaut." trifft es für mich auf den Punkt. Dem ist nichts hinzuzufügen.


    Powell schafft es, Jenkins Militärzeit in diesem Band wie ein weiteres gesellschaftliches Ereignis zu präsentieren. Noch befindet er sich nicht im Krieg, die von ihm geschilderten Härten des Soldatenlebens wie den Lagerkoller im Schloss sind Peanuts im Vergleich zur Front. Irgendwie beschleicht mich so eine Ahnung, dass Jenkins komplette Militärlaufbahn in der vergleichsweise sicheren Heimatfront statt finden wird. Es wird im Laufe des Romans mehrmals betont, dass er eigentlich zu alt für seinen Rang ist und es gibt immer wieder die Hinweise, dass ältere Offiziere gerne in die Verwaltung abgeschoben werden, wo sie nichts "anstellen" können.


    Das dritte Kapitel bringt mal wieder einen erzählerischen Höhepunkt, insofern als sich bei Lady Frederica ein repräsentativer Querschnitt des bisherigen Romanpersonals trifft und wieder auf wunderbare Weise die Tolland-Familie sowie deren alte und neue Satelliten aufeinander treffen und es erzählerische Funken sprüht.


    Da hast du recht, das dritte Kapitel war definitiv ein Höhepunkt im Roman. Powell schafft es immer wieder, den Leser über den weiteren Verlauf von lieb gewordenen Charakteren auf den Laufenden zu halten, ohne dass es aufgesetzt wirkt.


    Dabei fällt mir gleich Gwatkin ein, der so hohe Ansprüche an sich stellt, dass ihn eine Niederlage gleich aus der Bahn wirft. Wobei ich es gut fand, wie er sich beispielsweise bei Jenkins entschuldigt und ihm als Entschädigung für das entgangene Essen eine Tafel Schokolade mitbringt.

    Gwatkin ist für mich das Paradebeispiel eines unfähigen Offiziers, eine Fehlbesetzung auf seinem Posten. Er versteift sich auf Äußerlichkeiten und kann sein immenses Lehrbuchwissen nicht umsetzen. Das mag in Übungssituationen zu amüsanten Episoden führen, kann aber bei echten Manövern in einer Katastrophe enden. In "The Wars" von Timothy Findley kommt als Nebenfigur auch so ein Offizier vor, dessen Entscheidungen auf dem Papier sehr gut wirken, die aber völlig an der tatsächlichen Sitution in den Schätzengräben vorbei gehen. Die Konsequenzen für die Soldaten sind fatal. Es ist ein unglaublich starkes Buch, das auf knapp 200 Seiten eine beeindruckende Kritik am Krieg an Hand eines Einzelschicksals darstellt.



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  • Ich habe gestern den dritten Abschnitt beendet und mich geärgert, dass ich während des Lesen keine Notizen gemacht habe.

    Da gab es einige Stellen, die ich gerne nochmals nachgelesen hätte.


    Die Fortbildung brachte für Jenkins nicht nur einen Kurzurlaub bei der Familie mit sich, sondern auch unerwartete Treffen.

    Die Stelle, als Jenkins belehrt wurde, dass gerade die unattraktivsten Männer als Liebhaber auserwählt werden, fand ich bezeichnend für den Rest dieses Abschnitts.

    Die feine und formelle Frederica verliebt sich ausgerechnet in den Filou Dicky Umfraville, auch bei Priscilla deuten dich ähnliche Vorlieben für solche Narzssten, hier in Form von Nicolas neuem Kollegen Odo Stevens, an ...

    Es ist anscheinend die Andersartigkeit der Herren, die die Damen anzieht. Sie bewegen sich auf irgendeiner Weise außerhalb der Norm und das macht sie so anziehend. Ob so eine Beziehung auch hält oder überhaupt erwartet wird, dass sie hält, ist etwas anderes.

    Umfraville nun bald im Schoße der Familie Tolland zu wissen, kann sich interessant gestalten. An Sonderlingen mangelt es dort eigentlich nicht.


    Verwundert hat mich die verhältnismäßig lange Passage als sich Nick mit Isobel über die Besucher austauscht. So ein intimes Gespräch kam bisher kaum vor.


    Gwatkin ist für mich das Paradebeispiel eines unfähigen Offiziers, eine Fehlbesetzung auf seinem Posten. Er versteift sich auf Äußerlichkeiten und kann sein immenses Lehrbuchwissen nicht umsetzen. Das mag in Übungssituationen zu amüsanten Episoden führen, kann aber bei echten Manövern in einer Katastrophe enden.


    Und leider ist er da nicht der einzige. Auch die Einstellung, dass nicht mehr ganz so junge Männer besser am Schreibtisch aufgehoben sind, finde ich bedenklich. Gerade bei so Einheiten, die sich nicht aus Berufssoldaten zusammen setzen. Diese jungen Männer haben doch kaum Erfahrungen und ihre kurzen Fortbildungen, die auch mehr abgesessen werden, wiegen dies doch kaum auf.

    Gab es damals eigentlich eine allgemeine Wehrpflicht in GB?


    Wie viele alte Bekannte in diesem Abschnitt vorkamen! Statt mit Buster Foxe hatte ich eigentlich mit Widmerpool gerechnet. Er war mir anfangs ja rech sympathisch, aber von Band zu Band finde ich ihn abstoßender.

    Bedauerlich ist auch, dass das Begleitbuch so spät erscheint. Gerade hier hätte ich es als sehr hilfreich empfunden. Allerdings denke ich, dass man den Tanz unbedingt ein zweites Mal lesen muss, um ihn wirklich auskosten zu können. Zu sprunghaft sind die Verbindungen oft. Kurz angerissen und für Jahre auf Eis gelegt, sind sie genau so schwer unterzubringen wie all die offiziellen und inoffiziellen Verbindungen. Ich bringe, kaum gelesen, Umfravilles Ehen ins Gedächtnis zurück, geschweige den, wer schon mal mit wem aus Nicks näheren Umkreis. :spinnen:

  • Allerdings denke ich, dass man den Tanz unbedingt ein zweites Mal lesen muss, um ihn wirklich auskosten zu können

    Der Meinung bin ich auch. Je länger ich mich mit dem Tanz beschäftige, desto größer wird das Bedürfnis, ihn zu gegebener Zeit noch einmal zu lesen. Generell bemerke ich bei mir die Tendenz, dass mir der Zyklus von Band zu Band besser gefällt. Mit dem ersten Teil habe ich eigentlich gar nicht so viel angefangen, ich war nur neugierig, wie es weiter geht und darum bin ich zum Glück am Ball geblieben.

  • Mit dem ersten Teil habe ich eigentlich gar nicht so viel angefangen, ich war nur neugierig, wie es weiter geht und darum bin ich zum Glück am Ball geblieben.

    So ging es mir auch. Je mehr ich lese, desto interessanter wird es.


    Inzwischen bin ich ganz durch.

    Schön ist in diesem Kapitel mal wieder, wie sich die Stimmung in der Umgebung spiegelt. Das düstere neugotische Schloss Castlemallock unterstreicht das Gefühl des Abgedrängtseins an den Rand des Geschehens, das Warten auf den echten Krieg.

    Das hast du gut ausgedrückt. Da greift auch Vergangenheit und Gegenwart ineinander.


    Nick ist also Vater geworden. Aber wie Powell das wieder rüber bringt. Isobel hat nun das Baby, es ist ein Junge. Punkt. Mal sehen, wann der Junge denn einen Namen bekommt. ;)


    Gwatkin ist abserviert, sowohl beruflich als auch privat. War leider schon lange zu befürchten. Und ist auch besser so.


    Alles scheint im Moment im Umbruch zu sein. Ob Nick sich so nah bei Widmerpool auf Dauer wohl fühlt, glaube ich nicht. Aber es ist ja nur vorübergehend. Wohin es ihn noch verschlagen mag?

  • Allerdings denke ich, dass man den Tanz unbedingt ein zweites Mal lesen muss, um ihn wirklich auskosten zu können

    Der Meinung bin ich auch. Je länger ich mich mit dem Tanz beschäftige, desto größer wird das Bedürfnis, ihn zu gegebener Zeit noch einmal zu lesen. Generell bemerke ich bei mir die Tendenz, dass mir der Zyklus von Band zu Band besser gefällt. Mit dem ersten Teil habe ich eigentlich gar nicht so viel angefangen, ich war nur neugierig, wie es weiter geht und darum bin ich zum Glück am Ball geblieben.

    Da kann ich mich nur anschließen. Obwohl mir das Werk von Anfang an gefallen hat. Ich lese leider selten Werke zweimal, einfach, weil noch so viel da ist, was ich noch nicht gelesen habe, aber für den "Tanz" werde ich eine Ausnahme machen. Abgesehen davon, dass das Werk einfach klasse ist, liest es sich wie geschnitten Brot, und ich könnte mir vorstellen, wenn ich einmal (wenn, ja wenn ...) zwei Monate frei hätte, alle zwölf noch einmal hintereinander her zu lesen. Ich kann mir auch nicht, nachdem wir nun die über die Hälfte hinter uns haben, vorstellen, dass die weiteren Bände stark abfallen.

    Nun, ich bin auch durch. Ihr habt ja schon das Wichtigste zum letzten Kapitel geschrieben. Ich möchte nur noch hinzufügen, dass mir Widmerpool, den ich in den ersten Bänden noch irgendwie bemitleidenswert skurril-sympathisch fand, immer mehr zuwider wird. Er entpuppt sich immer mehr als egoistischer Machtmensch fern jederEmpathie. Das spiegelt sich übrigens auch sehr schön in Nicks Sichtweise von ihm, bzw. man macht sie sich als Leser automatisch zu eigen. Genau wie Nick freute ich mich im ersten Augenblick, Widmerpool wieder zu begegnen und war dann kurze Zeit später um so abgestoßener, wie er mit Nick verfuhr.
    Und der Erzähler ist ja sehr leidens- und kritikfähig. Ich glaube nicht, dass ich mir Kendricks Einschätzung so freundlich angehört hätte. Aber Nick sieht sich wohl nicht als geborener Soldat und Offizier und schluckt die Kritik ganz freundlich und selbstkritisch.
    Nun bin ich sehr gespannt, ob es im nächsten Band endlich richtig in den Krieg geht. Der Band endet mit dem Beginn einer neuen Lebensphase, die aber wieder alles Mögliche bedeuten kann. Ich kann's schon kaum erwarten.
    Den nächsten Band werde ich ein bisschen früher oder später als ihr lesen und dann später dazu posten, da ich vom 21. Juli an für anderthalb Wochen im Urlaub bin und da nicht das Buch mitnehmen möchte, weil ich da sowieso keine Zeit dafür finden werde.

  • Das Finale mit Widmerpool war ein echter Knalleffekt. Jenkins wird bei ihm nichts zu lachen haben.


    Ich möchte nur noch hinzufügen, dass mir Widmerpool, den ich in den ersten Bänden noch irgendwie bemitleidenswert skurril-sympathisch fand, immer mehr zuwider wird. Er entpuppt sich immer mehr als egoistischer Machtmensch fern jederEmpathie. Das spiegelt sich übrigens auch sehr schön in Nicks Sichtweise von ihm, bzw. man macht sie sich als Leser automatisch zu eigen. Genau wie Nick freute ich mich im ersten Augenblick, Widmerpool wieder zu begegnen und war dann kurze Zeit später um so abgestoßener, wie er mit Nick verfuhr.

    Das trifft es auf dem Punkt. Anfangs war Widmerpool leicht tollpatschig, der in seinem Bemühen, alles zu 100% zu machen, gerne einmal übers Ziel hinaus schoss. Mittlerweile ist ein der Donald Trump des Zyklus, ein gnadenloser Machtmensch, ein Trabant, um den die Welt kreist.

    Den nächsten Band werde ich ein bisschen früher oder später als ihr lesen und dann später dazu posten, da ich vom 21. Juli an für anderthalb Wochen im Urlaub bin und da nicht das Buch mitnehmen möchte, weil ich da sowieso keine Zeit dafür finden werde.

    Schade, denn ich bin Anfang August nicht da. Vielleicht können wir den Starttermin vorverlegen, damit wir wieder gemeinsam lesen können?

  • Schade, denn ich bin Anfang August nicht da. Vielleicht können wir den Starttermin vorverlegen, damit wir wieder gemeinsam lesen können?

    Ich wäre auch früher mit dabei. 06.07. oder lieber 13.07.?

  • Wenn das ginge, gerne 6. 7, aber 13. 7. würde auch noch reichen. Mehr als eine Woche braucht man für diese Page-turner eh nicht. Wobei ich die Idee mit dem festen Beginn am 20. auch toll, weil leicht zu merken, finde. Aber selbstverständlich würde ich lieber mit euch zusammen lesen.

  • Ich habe vor dem 8. Teil noch schnell den 7. gelesen und fand es richtig schade, dass ich keine Zeit hatte, ihn mit Euch gemeinsam zu lesen.


    Mir hat dieser Band mit Abstand am besten von allen gefallen, weil es nicht nur das Gesellschaftsgeplänkel und das fröhliche Beziehungskarussell gibt, sondern mit dem Militär-Trainingscamp ein neuer, interessanter Schauplatz aufgemacht wird. Ich lese ja generell gerne (wobei das Wort in dem Zusammenhang immer etwas blöd klingt) Bücher über diesen Themenkreis.

    The three most important documents a free society gives are a birth certificate, a passport, and a library card.

    E. L. Doctorow





  • Schön, dass du es noch geschafft hast den 7. Teil zu lesen bevor wir hier starten. Mir gefiel dieser 7. Band auch sehr gut. Schade nur, dass der Begleitband so spät auf den Markt kommt, ich habe mir öfter gewünscht mal eben nachsehen zu können, wann wir diesen oder jenen schon mal begegnet sind oder wer er überhaupt ist.

  • Bei Powell empfiehlt es sich nicht, durcheinander zu lesen. Außerdem war ich schon aufgrund des Themas gespannt - und ich habe, glaube ich, noch keinen der Bände so schnell weggeputzt wie diesen.


    Das Kompendium zur Hand zu haben wäre manchmal wirklich sehr hilfreich. Wobei ich immer wieder erstaunt bin, dass mir zu den allermeisten Namen doch irgendwelche Erinnerungsfetzchen im Kopf rumschwirren.

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    E. L. Doctorow