Janko Lauenberger - Ede und Unku - die wahre Geschichte

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

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    Das DDR-Kinderbuch Ede und Unku von Alex Wedding hatte ich euch hier vorgestellt. Das Büchlein von Alex Wedding endete vor der Nazizeit. Im Mai 1933 wurde es von den Faschisten verbrannt und es gehörte damit zu den verbotenen Büchern.


    Janko Lauenberger, Ur-Cousin von Unku, hat die Geschichte der Familie weitererzählt. Ein gutes Fazit kann er zum Schluss des Buches leider nicht ziehen. Der Rassismus scheint heute "in Wellen über unser Land zu schwappen". In den 90er Jahren hat er das nicht so schlimm empfunden. Wer ihn da nach seiner Herkunft fragte, tat das aus Interesse. Heute erntet er oftmals "unfreundliche und bohrende" Blicke.


    Nach mehr als dreißig Jahren erst erfuhr die Familie, dass es über sie ein Kinderbuch gibt. Und während es dort ein gutes Ende nimmt, war dies für Unku keinesfalls so. Sie, ihre beiden Töchter und ihre Mutter starben in Auschwitz. Nur der Vater überlebte. Das einzige was ihm von Unku blieb, sind die Bilder aus dem Büchlein.


    Dieses nun vorliegende Buch hat Janko Lauenberger geschrieben, weil er, nun selbst Vater geworden, nicht will, dass seine Kinder denselben Vorurteilen gegenüberstehen. Vorurteile, die bis heute bestehen. Laut einer Umfrage aus dem Jahre 2014 stoßen die Sinti und Roma auf mehr Ablehnung, als jede andere Gruppe. "20 Prozent der Befragten würden uns nicht einmal zum Nachbarn haben wollen. Wenn ich so etwas höre, muss ich schon aus Verzweiflung etwas tun." - Wer sind wir, dass wir uns so dermaßen über andere Menschen erheben.


    Mit zwölf Jahren, als sich Unku taufen lässt, erfährt sie schon eine Spur von Rassismus von ihrer Patin Frieda Zeller-Plinzner. Zu dieser Zeit ist Grete Weiskopfs Buch schon verboten und sie selbst mit ihrem Mann im Exil.


    Im Juli 1936, zwei Wochen vor den Olympischen Spielen, werden die Berliner Wagenplätze geräumt. Angeblich wegen der Hygiene. Nun stehen sie zwischen den Rieselfeldern der Berliner, direkt an den Bahnschienen. Dort gibt es für alle nur zwei Toilettenanlagen und regelmäßig kommen LKWs mit Jauche, die hier entsorgt wird.

    Im August 1938, Unku ist mittlerweile mit Mucki verheiratet, bringt sie ihr erstes Kind zur Welt, eine Tochter. Mucki, gefangen in Buchenwald, erfährt erst einen Monat später, dass er Vater geworden ist und er wird seine Tochter nie im Arm halten.


    1. September 1939 - der Zweite Weltkrieg hat begonnen. Unku, die mittlerweile mit ihrer Gruppe in Magdeburg lebt, muss ein Papier unterschreiben. Kein Sinto, kein Rom darf Magdeburg verlassen. Sie dürfen nicht mehr reisen. Ihr wird übel.


    Unku wird Zwangsarbeiterin in der Sack- und Planfabrik "Curt Röhrich". Die Firma stellt auch "Zelte für General Erwin Rommels Afrikafeldzug her, dessen Truppen in der libyschen Wüste gerade gegen die Briten kämpfen. Und in ihrem anderen Betrieb in der Hennigestraße Uniformen".

    1941 geschieht etwas, dass Unkus Geheimnis bleiben soll, neun Monate später bringt sie ihre zweite Tochter Bärbel zur Welt.

    Mucki stirbt, ohne dass er seine Familie noch einmal gesehen hat, an den medizinischen Versuchen, die ihm in Buchenwald angetan wurden.


    Am 1. März 1943 werden Unku, ihre Töchter und alle anderen ihrer Gruppe mitten in der Nacht abgeholt und in geschlossene Güterwagen verfrachtet.


    Ich hoffe, ich konnte euch ein wenig neugierig machen auf Unkus wahre Geschichte. Und auch auf den Autor Janko Lauenberger, der hier auch aus seiner Kindheit erzählt, die er in der DDR zubrachte.


    Ich habe mich riesig gefreut, als ich gesehen habe, dass dieses Buch erschien. Ich habe das Buch von Alex Wedding damals nicht nur ein- oder zweimal gelesen. Die kleine Unku war mir so sympathisch. Doch es war unmenschlich, was sie erleiden musste.


    5ratten

    Ein Leben ohne Bücher? - Unvorstellbar! - Von mir höchstselbst

    Einmal editiert, zuletzt von Anne ()

  • Ich lese ja sehr viele Bücher rund um den Holocaust, die Judenverfolgung und den 2ten Weltkrieg. Speziell zu Sinti und Roma allerdings habe ich noch nichts gelesen.

    Viel schlimmer noch, ich muss gestehen, dass ich (bin Jahrgang 1976) tatsächlich noch so erzogen wurde, dass „Zigeuner“ böse sind, faul sind, klauen und betrügen und man sich vor ihnen in Acht nehmen muss. Dieses Vorurteil wurde mir sehr früh eingetrichtert und ich bin keineswegs stolz darauf Ich habe das viele Jahre mit mir rumgeschleppt, eigentlich bis zum Erwachsen Sein.

    Natürlich glaube ich das mittlerweile nicht mehr! Aber ich kann aus eigener Erfahrung bestätigen, dass diese Vorurteile tatsächlich von Generation zu Generation weiter gegeben wurden. Als Kind hat man das nicht hinterfragt erst als Jugendlicher beginnt man Dinge selbst in Augenschein zu nehmen und sich ein eigenes Urteil zu bilden.

    Welches schwere Schicksal die Sinti und Roma durchleiden mussten unter Hitler war mir nicht bewusst und ich bleibe wieder einmal tief bewegt zurück. Und bin entsetzt ob der Gewalt und einfach fassungslos mit welchen nichtigen Begründungen damals Leben ausgelöscht wurden.

    Sehr eindrucksvoll schildert Janko Lauenberger auch über sein eigenes Leben und seine eigenen Erfahrungen aus der „Neuzeit“ und den Rassenhass der ihm entgegengebracht wurde. Ich kann und will einfach nicht begreifen, dass Menschen „so“ ticken und das mit gutem Gewissen mit sich vereinbaren können. Wir leben in einer aufgeklärten Welt und da darf so etwas einfach nicht mehr passieren

    Sehr eindrucksvolles Buch, keine leichte Kost, aber das ist kein einziges dieser Berichte über den Holocaust, aber ich finde es sehr wichtig, dass man es liest und dass diese Schicksale nicht in Vergessenheit geraten. Klare Empfehlung von mir!

    5ratten